{"id":16648,"date":"2025-11-29T16:04:18","date_gmt":"2025-11-29T10:04:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16648"},"modified":"2025-11-29T16:45:13","modified_gmt":"2025-11-29T10:45:13","slug":"29-11-2025-die-sudel-edes-im-schwarze-kanal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16648","title":{"rendered":"29.11.2025 \u2013 Die Sudel-Edes im Schwarzen Kanal"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-1024x572.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16649\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-1024x572.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-768x429.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-1536x858.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-2048x1143.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sudelede-624x348.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Karl-Eduard von Schnitzler, genannt Sudel-Ede. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_schwarze_Kanal\">Der schwarze Kana<\/a>l war eine politisch-agitatorische Sendereihe des DDR-Fernsehens zu Zeiten des Kalten Krieges. Der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler analysierte anhand von einzelnen Ausschnitten des Westfernsehens die politische Situation in der Bundesrepublik Deutschland . Er tat das erfrischend polemisch, was ihm den Spitznamen Sudel-Ede einbrachte. Ich sch\u00e4tzte seine oft pr\u00e4zisen, strukturell immer ins Schwarze treffenden Analysen durchaus. Bekifft war sein Stil ein Highlight jenseits der oft \u00f6den, stromlinienf\u00f6rmigen Dreisender-Monotonie der BRD. Arbeitslosigkeit, hohe Mieten, Verelendung, Drogenmissbrauch, Fremdenfeindlichkeit, Obdachlosigkeit, all diese Ph\u00e4nomene von Entfremdung und sich zuspitzender Krisenproblematik brachte er anhand des Materials, was ihm der Klassenfeind frei Haus per TV lieferte, auf den Punkt. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Nlxdjr9Br30\">Hier eins der wenigen verf\u00fcgbaren Sendungsdokumente  &nbsp;<\/a>&nbsp;von 1987, 40 Jahre alt. Die dort angesprochenen Probleme sind immer noch da, allerdings potenziert schlimmer. Alles stimmte, bis hin zum Wiedererstarken des Faschismus in der BRD, von ihm vor Jahrzehnten vorhergesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lediglich in einem lag Genosse Sudel-Ede ganz schrecklich daneben, n\u00e4mlich dem st\u00e4ndigen Fazit, um wieviel besser und liebenswerter das Leben f\u00fcr die Genoss*innen in der DDR sei, und wie froh die waren, die Knechtschaft des Kapitalismus dr\u00fcben, im Westen, nicht ertragen zu m\u00fcssen. Das war Lichtjahre an der DDR-Realit\u00e4t vorbei halluziniert: Nichts wollten die Insassen der DDR lieber als die zitierte Knechtschaft des Kapitalismus zu ertragen. F\u00fcr Reise- und Redefreiheit, f\u00fcr Malle und Bild, demonstrierten sie die DDR in den Untergang und Sudel-Ede ins Sende-Aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier wollte ein grandioses Projekt ansetzen, des verdienten Kollektivs der Helden der Arbeit aus dem \u201eHades&#8220;, dem t\u00fcrkischen Imbiss in der Berliner Yorckstr., Heimstatt der M\u00fchseligen und Beladenen, der Unterdr\u00fcckten und Erniedrigten. Unter dem vorl\u00e4ufigen Arbeitstitel \u201eDie Sudel-Edes im Schwarzen Kanal\u201c entwickelten wir ein Langzeitprojekt von wahrhaft titanischen Ausma\u00dfen. Wir wollten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, mittwochs zur ehemaligen Sendezeit des Schwarzen Kanal, im Hades eine szenische Langzeit-Lesung veranstalten, mit allen 1.519 je halbst\u00fcndigen Ausgaben des Schwarzen Kanal. Die Manuskripte sind im Deutschen Rundfunkarchiv vorhanden. Pro \u201eLange Nacht des Sudel-Ede\u201c 16 Folgen, 8 Stunden. Das Projekt war auf drei Jahre angelegt. Ortsabwesenheit, von Hellas bis Hannover, war eingeplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens nach einem Jahr w\u00e4re die Reihe Kult, dauerausverkauft, wir m\u00fcssten nach drau\u00dfen, vor die T\u00fcr, mit Kameras live \u00fcbertragen, ins Netz streamen, unser Wirt Tayfun w\u00e4re ein gemachter Mann, wir w\u00e4ren reich und ber\u00fchmt und k\u00f6nnten endlich an den Viktoria-Luise-Platz ziehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16650\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Berlin_-_Viktoria-Luise-Platz-624x417.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Viktoria-Luise-Platz. Eine herrliche Gegend, vor dem Krieg wohnten hier viele K\u00fcnstler. U. a. Billy Wilder, der als Jude vor den Nazis fliehen musste. Gro\u00dfb\u00fcrgerliche 120 qm-Wohnungen, mit riesigen R\u00e4umen, Stuck und Kachel\u00f6fen, nahebei Michelin gekr\u00f6nte Restaurants.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ach \u2026 unl\u00e4ngst kam ich auf die geniale Idee, etwas intensiver zu recherchieren, und leider entpuppte sich S<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl-Eduard_von_Schnitzler#Propagandist_des_Antizionismus_und_Antisemitismus_in_der_DDR\">udel-Ede als veritabler Antisemi<\/a>t  .&nbsp;Israel wurde von ihm als \u201efaschistisch\u201c und \u201erassistisch\u201c diffamiert, j\u00fcdische Politik als globaler Unruhestifter dargestellt und die Existenz des Staates als illegitim angegriffen. Linker Antisemitismus vom \u00fcbelsten, wie das halt so war in den glorreichen linken antiimperialistischen 70ern. Und d\u00fcstere Wiederkehr feiert, 50 Jahre sp\u00e4ter. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sudeleien von Ede hatte ich offensichtlich verdr\u00e4ngt. So starb ein grandioses Projekt in den Kinderschuhen. Es h\u00e4tte so sch\u00f6n sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so werden wir weiter im Hades sitzen, Raki f\u00fcr 2 Euro trinken und jenen in letzter Zeit verstorbenen Hadesianer, die erst das Zeitliche verfluchten und dann segneten, eine Tr\u00e4ne nachweinen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir werden nat\u00fcrlich Projekte entwickeln.\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl-Eduard von Schnitzler, genannt Sudel-Ede. Der schwarze Kanal war eine politisch-agitatorische Sendereihe des DDR-Fernsehens zu Zeiten des Kalten Krieges. Der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler analysierte anhand von einzelnen Ausschnitten des Westfernsehens die politische Situation in der Bundesrepublik Deutschland . 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