{"id":16705,"date":"2025-12-20T13:42:31","date_gmt":"2025-12-20T07:42:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16705"},"modified":"2025-12-20T14:08:16","modified_gmt":"2025-12-20T08:08:16","slug":"20-12-2025-ueber-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16705","title":{"rendered":"20.12.2025 \u2013 \u00dcber Schreiben"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16706\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251214_110757_resized.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Dezemberrose im Garten. Lichtblick in d\u00fcsteren Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeiten sind d\u00fcster. Die Jahreszeit ist es auch. Und dieses Zusammenspiel dr\u00fcckt selbst einer norddeutschen Frohnatur wie mir zunehmend auf das Gem\u00fct. H\u00f6lderlins Klage<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeh mir, wo nehm\u2018 ich, wenn<\/p>\n\n\n\n<p>Es Winter ist, die Blumen, und wo<\/p>\n\n\n\n<p>den Sonnenschein und Schatten der Erde?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>lie\u00dfe sich kurzfristig ja durch Flucht in den mediterranen S\u00fcden beheben. Aber nat\u00fcrlich bezieht sich seine Klage auch auf die inneren Kontinente und die nehmen wir mit auf unsere Reisen. Nachrichten wie die vom antisemitischen Massaker am Bondi Beach klicke ich schon gar nicht mehr an. Mir reichen die Schlagzeilen: Vater und Sohn die T\u00e4ter und das am friedlichen Chanukkafest. Dann kommen mir Gedanken wie: Die Pforten der H\u00f6lle haben sich wieder einen Spalt mehr ge\u00f6ffnet. Aber solche Taten sind nicht apokalyptisch einmalig. So d\u00fcster, schlimm und roh die Zeiten auch sind, ein Blick in die Vergangenheit zeigt, sie waren d\u00fcsterer, schlimmer und roher in einem Ma\u00df, welches menschliche Vorstellungskraft \u00fcbersteigt. Ca. 200.000 Deutsche waren direkt am Holocaust beteiligt, also daran, Menschen wie Vieh in die Gaskammern zu treiben und ca. 700.000 waren direkt an Kriegsverbrechen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs beteiligt, also an der Ermordung, Vergewaltigung, Verst\u00fcmmelung von Millionen Unschuldigen. Viele von den T\u00e4tern haben unbehelligt nach dem Krieg weitergelebt, geheiratet, Kinder gro\u00dfgezogen, sp\u00e4ter mit Haus im Gr\u00fcnen, Auto, erster Mallorca-Reise. Ihre Kinder und Enkel zogen sp\u00e4ter in gro\u00dfz\u00fcgige Stuckwohnungen in Prenzlauer Berg, fuhren Lastenr\u00e4der, machten Urlaub auf den Malediven, zogen Kinder gro\u00df und machten Karrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im linken Milieu. Im Kulturbetrieb. Vielleicht als Museumsdirektor. Im Potsdamer Museum &#8222;Fluxus+&#8220;. Wo der zust\u00e4ndige Direktor verantwortlich ist f\u00fcr eine Ausstellung, in der Anne Frank mit Pal\u00e4stinenser-Tuch gezeigt wird. Das Bild des Holocaust-Opfers stammt von einem Berliner K\u00fcnstler, der sich, das nebenbei, Marxist nennt. Anne Frank ein Pal\u00e4stinenser-Tuch umzuh\u00e4ngen, hei\u00dft nichts anderes als ihre j\u00fcdische Identit\u00e4t auszul\u00f6schen und mit einer pal\u00e4stinensischen zu \u00fcberschreiben. Dieses Bild ist die \u00e4sthetisierte, ins K\u00fcnstlerische fortgeschriebene, vollkommen zu Recht in Deutschland verbotene Forderung der Antisemiten der Welt: From the river to the sea. Also der Forderung nach der Ausl\u00f6schung des j\u00fcdischen Staates. Und damit der Vernichtung seiner j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, denn nichts andres ist das Endziel der faschistischen Hamas und anderer Terrorgruppen aus der Region. Die nach wie vor einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung getragen und unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re ich j\u00fcnger und handwerklich geschickter, reiste ich in die dreimal verdammte Ostzone und lie\u00dfe Feuer und Schwefel \u00fcber dem Fluxus-Museum und Potsdam regnen. Was den angenehmen Nebeneffekt h\u00e4tte, dass die verfluchte Potsdamer Garnisonskirche mit vom Erdboden vertilgt w\u00fcrde. In ihr fand am 21. M\u00e4rz 1933  &nbsp;der feierliche und von den Kirchen gesegnete <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tag_von_Potsdam#Ziel_der_Veranstaltung\">Schulterschluss der konservativen und faschistischen Eliten der Weimarer Republik<\/a> statt. So nahm der Nationalsozialismus, der Holocaust seinen Lauf. So schlie\u00dfen sich die sieben Kreise der H\u00f6lle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussichten sind d\u00fcster. Wolken am Himmel. Strenger Frost um Weihnachten. Wo aber, um im H\u00f6lderlinschen Duktus zu bleiben, w\u00e4chst das Rettende? Drau\u00dfen eher nicht. Sollte also auch Ihr Gem\u00fct, liebe Leserinnen, mitunter d\u00fcster verw\u00f6lkt sein, empfehle ich Ihnen Schreiben. Schreiben befreit. Wenn Sie dem Schrecken einen Namen geben, ist er geb\u00e4ndigt, gez\u00fcgelt. Seine namenlose Bedrohung hat dann einen Begriff. Nichts ist bedrohlicher als namenloser Schrecken und die Benennung des Schreckens ist der erste Schritt auf dem Weg zur Heilung. Nicht in der Welt, aber f\u00fcr Sie. Ob Sie es analog oder digital machen, als Tagebuch oder Blog, \u00fcber die Welt oder Ihr eigenes Ich, ist egal, Hauptsache regelm\u00e4\u00dfig, am besten t\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem kann Schreiben durchaus lustvoll sein. Einer gelungenen Formulierung, pr\u00e4zisierten Erkenntnis sur le point, einem geistreichen Genieblitz kann man schon mal lange und genussvoll hinterherschmecken wie einem Vintage-Portwein, was ohne Frage das gr\u00f6\u00dfte Geschenk ist, was Trauben und Erfindungsgeist der Menschheit machen k\u00f6nnen. So viel \u00fcber Schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit wir etwas geerdeter aus dieser Therapiesitzung gehen: Ein weiteres Mittel gegen Gem\u00fctsverfinsterung ist nat\u00fcrlich die Entdeckung fremder, fr\u00f6hlicher Kontinente jenseits der eigenen, oft tief eingetretenen, abgelatschten, tr\u00fcben Alltags-Wege.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16707\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_130519_resized_1.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Nicht ganz meine Welt, aber ein fr\u00f6hlicher Lichtblick: Konzertplakat in SO 36. The Golden Cocks im \u201eFranken\u201c. Cock mit Hahn zu \u00fcbersetzen, trifft es eher nicht \u2026.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16708\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_125846_resized.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>In ihrer Art auch ein Lichtblick, weil jenseits der Norm: Toilette in der \u201eEck-Kneipe\u201c am Kreuzberger Mariannenplatz. Wenn ich am Mariannenplatz bin, kehre ich da immer auf ein Bier und ein Korn ein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"723\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-723x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16709\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-723x1024.jpg 723w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-768x1088.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-1085x1536.jpg 1085w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-1446x2048.jpg 1446w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1-624x884.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/20251212_123820_resized_1.jpg 1514w\" sizes=\"(max-width: 723px) 100vw, 723px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ist ein Ritual, was ich selbst bei Minusgraden und 12 Uhr mittags durchziehe, wo kalte Biere und K\u00f6rner eigentlich das Letzte sind, was ein Connaisseur zu sich nimmt. Aber Rituale sind auch heilsam in d\u00fcsteren Zeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dezemberrose im Garten. Lichtblick in d\u00fcsteren Zeiten. Die Zeiten sind d\u00fcster. Die Jahreszeit ist es auch. Und dieses Zusammenspiel dr\u00fcckt selbst einer norddeutschen Frohnatur wie mir zunehmend auf das Gem\u00fct. 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