{"id":16842,"date":"2026-02-08T17:57:02","date_gmt":"2026-02-08T11:57:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16842"},"modified":"2026-02-08T17:57:46","modified_gmt":"2026-02-08T11:57:46","slug":"08-02-2026-sicher-bin-mir-nicht-oder-eins-zwei-drei-vier-epstein-alles-muss-versteckt-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16842","title":{"rendered":"08.02.2026 \u2013 Sicher bin mir nicht. Oder: Eins, zwei, drei, vier Epstein, alles muss versteckt sein."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16843\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260208_103046-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Allerlei Memorabilia in meinem Regal. Plakat vom legend\u00e4ren Auftritt des ingeni\u00f6sen Duos Gleitze &amp; Sievers im Raum2 in Neutramm, ein Gastgeschenk f\u00fcr einen Vortrag beim SoVD Heidekreis, ein selbstget\u00f6pferter Donald als Rastaman und eine Antiquit\u00e4t, Verkaufswert ca. 200 Euro (was f\u00fcr ein paar Tage Winter-Unterkunft im S\u00fcden reichen w\u00fcrde). Die Figur d\u00fcrfte um die 100 Jahre alt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Frauenbild, das dadurch repr\u00e4sentiert wird, ist viele hundert, tausend Jahre \u00e4lter. Eine M\u00e4nnerprojektion, Frauen als junge, h\u00fcbsche, freundliche, duldsame Wesen, nackt und verf\u00fcgbar. Ein Bild des Patriarchats. Und insofern \u00e4lter als der Kapitalismus und die Klassengesellschaft. Womit wir bei den Begriffen sind, die in der \u00f6ffentlichen Rede \u00fcber die Epstein-Aff\u00e4re merkw\u00fcrdig unterbelichtet sind, obwohl sie zentral und konstituierend daf\u00fcr sind. Da wabern jede Menge Verschw\u00f6rungstheorien um den Globus und der sexuelle Aspekt dieser Aff\u00e4re dominiert den Diskurs. Nat\u00fcrlich ist allein schon der Anblick von so \u00fcberaus h\u00e4sslichen und unattraktiven T\u00e4tern wie Andrew oder Bill Gates \u00fcberaus ekelerregend und der schlimmste Aspekt dieses Skandals (der nat\u00fcrlich nicht besser w\u00e4re, wenn die Beiden aussehen w\u00fcrden wie George Clooney, Vergewaltigung bleibt Vergewaltigung).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es ist nicht der einzige. Und weil er so dominant beredet wird, verdeckt er die anderen, die Klassenverh\u00e4ltnisse im Kapitalismus dahinter, die die Aff\u00e4re in diesem Umfang erst erm\u00f6glicht haben. Gewalt von M\u00e4nnern gegen Frauen, sexuelle Ausbeutung, der Blick der Macht der M\u00e4nner auf die Ohnmacht der Frauen (siehe Skulptur oben) ist so alt wie das Patriarchat.&nbsp; \u00dcber 3000 Jahre. Die ganze Bibel ist eine einzige patriarchale Erz\u00e4hlung, eine der Z\u00e4hmung und Z\u00fcchtigung von Frauen durch M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Jus primae noctis, das Recht der ersten Nacht, mag ein Mythos sein, den es als reales Gesetz und Brauch nicht gab. Aber der reale Kern dieser Erz\u00e4hlung berichtet sehr wohl von Macht und Gewalt des M\u00e4nner-Adels im Mittelalter gegen B\u00e4uerinnen und Bedienstete. Und ganz offen und fl\u00e4chendeckend war dieses asymmetrische Macht- und Gewaltverh\u00e4ltnis gesellschaftliche Praxis in der aufkommenden B\u00fcrgerklasse des Industriekapitalismus im 19. Jahrhundert. Wenn der Hausherr eine Bedienstete geschw\u00e4ngert hatte, wurde die entlassen und es blieb ihr oft nur die Prostitution zum \u00dcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Epstein-Netzwerk ist kein zu skandalisierender Einzelfall, in dem sich der Mob an Figuren wie Gates und Andrew erg\u00f6tzen kann. Dass alte, wei\u00dfe M\u00e4nner als Angeh\u00f6rige der Elite, der herrschenden Klasse, junge, h\u00fcbsche Frauen aus prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen sexuell ausbeuten und vergewaltigen, ist ein Strukturmerkmal der Geschichte hin zur Moderne und kein singul\u00e4res Ph\u00e4nomen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass dieser Skandal fl\u00e4chendeckend und \u00fcber Jahre ungestraft stattfand in einer Phase von \u00f6konomischen Krisen, Verfall der Demokratie, wachsender Spaltung der Gesellschaften, Rollback von Frauenrechten, das scheint mir unterbelichtet in all dem spekulativen Geschw\u00e4tz, ob Andrew bei der Aus\u00fcbung des Aktes \u00fcberm\u00e4\u00dfig geschwitzt und Bill Gates sich mit einer venerischen Krankheit angesteckt habe. Das sind Nebelkerzen, die den Kern des Problems verschleiern. So widerw\u00e4rtig sie auch sein m\u00f6gen. Erinnert mich an den Abz\u00e4hlvers meiner Kindheit: Eins, zwei, drei vier Epstein, alles muss versteckt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mir als Bild im Moment haften bleibt, sind Fotos von Jack Lang, gegen den in der Aff\u00e4re wegen Geldw\u00e4sche und Steuerbetrug ermittelt wird. Ehemaliger Kulturminister und Sozialist. Ein \u00fcber 80j\u00e4hriger, der sich die Haare schwarz f\u00e4rbt. Das sieht so \u00fcberaus grotesk aus bis ins eklige lappend, dass sich die Frage aufdr\u00e4ngt: Was um Himmelswillen hat dieser Mann f\u00fcr ein Bild von sich? Das Problem sind eben nicht nur die Frauenbilder der M\u00e4nner, sondern ihre Bilder von sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritische Geister k\u00f6nnten jetzt vor dem Hintergrund des Geschriebenen nat\u00fcrlich fragen, wieso ich eine derartige Frauenfigur in meinem Regal stehen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich als Material der Anklage. Mein Frauenbild entspricht eher einer Mischung aus Meryl Streep und Clara Zetkin. Aber sicher bin ich mir da auch nicht. Panta rhei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allerlei Memorabilia in meinem Regal. Plakat vom legend\u00e4ren Auftritt des ingeni\u00f6sen Duos Gleitze &amp; Sievers im Raum2 in Neutramm, ein Gastgeschenk f\u00fcr einen Vortrag beim SoVD Heidekreis, ein selbstget\u00f6pferter Donald als Rastaman und eine Antiquit\u00e4t, Verkaufswert ca. 200 Euro (was f\u00fcr ein paar Tage Winter-Unterkunft im S\u00fcden reichen w\u00fcrde). 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