{"id":16946,"date":"2026-03-26T16:38:44","date_gmt":"2026-03-26T10:38:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16946"},"modified":"2026-03-31T21:00:21","modified_gmt":"2026-03-31T15:00:21","slug":"26-03-2026-von-der-hochzeit-des-figaro-und-fleischwuersten-im-anzug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16946","title":{"rendered":"26.03.2026 \u2013 Von der Hochzeit des Figaro und Fleischw\u00fcrsten im Anzug"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16947\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/figaro-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Hochzeit des Figaro, Staatsoper Hannover, 25.03.2026. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=J02j_bjTO7k\">Die Musik des Au\u00dferirdischen<\/a> trieb mir wieder die Tr\u00e4nen in die Augen. Tr\u00e4nen in den Augen hatte ich allerdings auch angesichts der beklagenswerten Uneleganz des hiesigen Provinzpublikums und der Verschnarchtheit der heimischen Verantwortlichen f\u00fcr das Singgeschehen. Am gleichen Tag fanden in Hannover, und anderswo, Demos mit ein paar tausend Teilnehmenden gegen digitale Gewalt gegen Frauen statt, anl\u00e4sslich der Causa Collien Fernandes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hochzeit des Figaro handelt unter anderem von Gewalt gegen Frauen, n\u00e4mlich der Absicht des Grafen Almaviva gegen\u00fcber Susanna, der Zofe seiner Frau, sich vor deren Hochzeit das<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ius_primae_noctis\"> \u201ejus primae noctis\u201c <\/a>zu nehmen, das Recht der ersten Nacht  . Wir reden also \u00fcber Vergewaltigung. Es w\u00e4re ein leichtes gewesen, ein \u00fcberaus passendes Zeichen der Solidarit\u00e4t mit den Demonstrierenden im oder am Opernhaus anzubringen, auf den Vorhang kurz vor Beginn zu projizieren, was auch immer, der nicht nur technischen M\u00f6glichkeiten sind viele. Aber damit war das Haus entweder \u00fcberfordert oder man wollte das hiesige B\u00fcrgervolk nicht vor die alterswackelnden Kalkk\u00f6pfe sto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine zwei Tage in der Provinz und ich krieg ich schon wieder intensives Metropolenheimweh.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den s\u00fc\u00dfen und bitteren Wendungen und Windungen individueller Geschlechterliebe verhandelt die Oper auch zentrale Motive der Aufkl\u00e4rung wie Vernunft, Solidarit\u00e4t, Frauenemanzipation und Klassenwiderstand, in dem Fall gegen Adelsprivilegien. Das siegrieche Fazit, Almaviva steht als Volltrottel da, und die jubilierenden Schlussakkorde trieben mir wieder die Tr\u00e4nen in die Augen angesichts der Fallh\u00f6he zwischen dem ekstatisch-optimistischen Operngeschehen und der immer tr\u00fcbseliger werdenden gesellschaftlichen Wirklichkeit drau\u00dfen vor der T\u00fcr. In Form von: Klingbeil.<\/p>\n\n\n\n<p>Klingbeil. Bei Klang dieses Namens denke ich immer \u00f6fter mit wachsendem jakobinischem Furor an das Endger\u00e4t der Aufkl\u00e4rung, mit der die Zeitgenossen Mozarts tabula rasa machten: das Fallbeil.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Schr\u00f6der der Totengr\u00e4ber der Sozialdemokratie und Scholz deren Sargnagel war, dann ist die nieders\u00e4chsische Fleischwurst, in Anzug gepresst, Lars Klingbeil, deren Zombie. Ein Untoter, der die postmortalen Zuckungen der Arbeiterklasse live im TV zelebriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Klingbeil, ehemaliger B\u00fcrobote bei Gerhard Schr\u00f6der, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/spd-lars-klingbeil-setzt-auf-reformen-als-seine-letzte-karte-a-8fe50c06-d8c8-4673-a9c8-158aa37cb199\">will laut Spiegel eine Reformagenda durchsetzen, wie es sie seit der Kanzlerschaft Gerhard Schr\u00f6ders <\/a>nicht mehr gegeben hat. Fehlanreize sollen bei den Sozialleistungen wegfallen, l\u00e4nger arbeiten,  K\u00fcndigungsschutz einschr\u00e4nken,  Mehrwertsteuer erh\u00f6hen, Opfer m\u00fcssen gebracht werden. Das sind nackte Drohungen gegen die, die mangels Masse gar kein Opfer mehr bringen k\u00f6nnen. Bei Topverdienern soll daf\u00fcr der Spitzensteuersatz von 42 auf 47 Prozent angehoben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein sozialrevolution\u00e4rer Akt. Unter Helmut Kohl lag er bei 56 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind ja nicht nur die gro\u00dfen Politikvorhaben, die Generallinien, oder auch die Gesten, die \u00c4sthetik, die allmeinen Sprachverluderungen des Betriebes, die einen immer m\u00fcder und gleichzeitig militanter machen. Es ist auch das Kleine:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich schon lese, dass man in letzter Zeit immer \u00f6fter die schwere Dienstlimousine von Klingbeil vor dem Kanzleramt vorfahren sieht, um dort mit Merz, der ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vorm%C3%A4rz\">Nachm\u00e4rz <\/a> &nbsp;ist, die weitere Zerschlagung des Sozialstaates zu zelebrieren, kriege ich Pickel im Gehirn. Das Finanzministerium ist 7 Minuten mit dem Rad vom Kanzleramt entfernt. Wieso radelt diese immer mehr aus den Fugen geratene Fleischwurst nicht die paar Meter, um den eigenen Body ein bisschen zu shapen. Wenn es mit der SPD schon nicht klappt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Route w\u00fcrde ihn \u00fcbrigens \u00fcber die Ebertstra\u00dfe und die Paul-L\u00f6be-Allee f\u00fchren. Beides, Ebert und L\u00f6be, mit Einschr\u00e4nkungen ehrenwerte f\u00fchrende K\u00f6pfe der fr\u00fchen Arbeiterbewegung. Von ehrenwert sehe ich heute nichts mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hochzeit des Figaro, Staatsoper Hannover, 25.03.2026. Die Musik des Au\u00dferirdischen trieb mir wieder die Tr\u00e4nen in die Augen. Tr\u00e4nen in den Augen hatte ich allerdings auch angesichts der beklagenswerten Uneleganz des hiesigen Provinzpublikums und der Verschnarchtheit der heimischen Verantwortlichen f\u00fcr das Singgeschehen. 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