{"id":17055,"date":"2026-05-12T12:49:09","date_gmt":"2026-05-12T06:49:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17055"},"modified":"2026-05-12T12:57:41","modified_gmt":"2026-05-12T06:57:41","slug":"12-05-2026-der-fortschritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17055","title":{"rendered":"12.05.2026 \u2013 Der Fortschritt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"823\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-1024x823.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17056\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-1024x823.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-300x241.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-768x617.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-1536x1235.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-2048x1646.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/20260512_064017-624x502.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>VGA-Stecker. Aus dem Pal\u00e4ozoikum der Technik. H\u00e4ngt an meinem Regal im Arbeitszimmer. Das ruft bei mir melancholische Erinnerungen wach, an die ersten Arbeiten mit Medien, in einem Videoseminar an der Uni. Was mein Verst\u00e4ndnis von Medien, \u00d6ffentlichkeit, Schreiben und Literatur, von Kulturproduktion und damit auch vom Verst\u00e4ndnis von Gesellschaft, nachhaltiger gepr\u00e4gt hat als alle Vorlesungen. Es geht immer ums \u201eEingreifen\u201c, um parteiische Teilhabe mit zeitgen\u00f6ssischen \u00e4sthetischen Mitteln, ohne sich gemein zu machen. Es gilt: Grau, teurer Freund, ist alle Theorie. Gr\u00fcn ist des Lebens Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Videokamera und Batterie waren damals ungef\u00e4hr so gro\u00df wie ein Kleinwagen, wogen aber mehr. F\u00fcr Au\u00dfenaufnahmen musste ein Team von mindestens 4 Leuten ausr\u00fccken und man durfte auf keinen Fall in grelles Licht filmen, weil sonst die Vidicon-Bildr\u00f6hren durchbrannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kabel sind heutzutage im Bluetooth-Zeitalter sowas von Dinosaurier.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fortschritt. Auf technischer Ebene. Von den politischen Hoffnungen der damaligen Zeit, was den Aufbau von alternativer Gegen\u00f6ffentlichkeit angeht, von demokratischer Mediennutzung, von emanzipatorischer Bildung durch die Nutzung von neuen Medien, ist nicht nur Nichts \u00fcbrig geblieben, es scheint eher so, dass der damalige Prozess seine erstrebten Ziele in ihr komplettes Gegenteil gedreht hat. Internet, neue, soziale Medien sind Resonanzr\u00e4ume voller antidemokratischem Dreck und das Smartphone ist eine mobverbl\u00f6dende Droge, gef\u00e4hrlicher als Alkohol, Heroin oder Crack. Das Zeug richtet \u201enur\u201c Individuen zugrunde, am Smartphone leiden ganze Demokratien.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur daran. Ein bisschen \u00d6konomie, und da bleibe ich orthodoxer Marxist, braucht\u2019s auch, um der Demokratie das Grab zu schaufeln. Der wachsende Verlust an Legitimation unserer Demokratie korreliert direkt mit der wachsenden Spaltung zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft. 2022 gab es 2.600.000 Dollarmillion\u00e4re in Deutschland, 2023 waren es 2.821.000, 2028 wird ein Anstieg auf 3.229.000 prognostiziert. Arme in Deutschland gibt es 4mal so viel, 13.300.000. Die statistische Armut stagniert, auf viel zu hohem Niveau, durch die Einf\u00fchrung des Mindestlohns, der die Armut trotz Arbeit reduziert hat. Allerdings sind durch die explodierenden Mieten in den Ballungsr\u00e4umen und die dramatische Inflationsentwicklung immer mehr Menschen aus \u201enormalen\u201c Lebens- und Einkommensverh\u00e4ltnissen in prek\u00e4res Leben gerutscht. In ein Leben, wo an Urlaub nicht zu denken ist, wo es ab dem 20. des Monats Nudeln mit Sparsosse gibt und wo ein Besuch mit der Familie im Zoo melancholische Erinnerung an fr\u00fcher ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung des Reichtums ist neben Erbschaften auf die von der Realwirtschaft v\u00f6llig abgekoppelte Entwicklung der weltweiten Aktienm\u00e4rkte zur\u00fcckzuf\u00fchren. In der Realwirtschaft ist entweder Rezession, wie im Moment, oder die Zuw\u00e4chse sind minimal. Das BIP wuchs in der BRD von 2003 bis 2023 um durchschnittlich knapp 1 % per anno, knapp 20 %. Der Aktienindex DAX wuchs im gleichen Zeitraum von 2.500 auf 16.500, eine Steigerung um 560 Prozent. Selbst wenn man nur die durchschnittliche DAX-Nettorendite von ca. 8 % p. a. annimmt, sind da immer noch 160 Prozent mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6rsianer werden einwenden, dass der Aktienmarkt immer nur die Zukunft abbildet. Da w\u00fcrde ich einwenden: Auf welche Zukunft wettet denn dieser Markt seit 20 Jahren? Auf die in 100 Jahren? Da gilt ja wohl doch die alte B\u00f6rsenregel: Langfristig sind wir alle tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment wetten die B\u00f6rsen auf KI. Wird bestimmt klappen, eine sch\u00f6ne, neue Waren-Welt, in der Transporte KI-gesteuert laufen, vom Einpacken \u00fcber den Transport bis zum Einr\u00e4umen, an den Supermarkt-Kassen, Warendisposition, Buchhaltung, etc. pp, an der ganzen Prozesskette st\u00f6rt kein Mensch mehr durch Krankheitsausfall oder freche Lohnforderungen. Die Konzerngewinne explodieren, die Aktienkurse ebenfalls.<\/p>\n\n\n\n<p>Fragt sich blo\u00df, wie lange das Konstrukt h\u00e4lt, wenn sich kein Mensch mehr die sch\u00f6nen, bunten Waren leisten kann, weil selbst, besser: gerade die ganzen Niedriglohnjobs wegfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VGA-Stecker. Aus dem Pal\u00e4ozoikum der Technik. H\u00e4ngt an meinem Regal im Arbeitszimmer. 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