{"id":17368,"date":"2026-09-05T16:08:45","date_gmt":"2026-09-05T10:08:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17368"},"modified":"2026-09-05T18:29:11","modified_gmt":"2026-09-05T12:29:11","slug":"05-09-2026-der-muell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17368","title":{"rendered":"05.09.2026 \u2013 Der M\u00fcll."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17369\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/muell-yorck-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zugewucherte Parkbank mit K\u00fchlschrank. Bei mir vor der Haust\u00fcr im Kreuzberger Bergmannkiez. Nicht gerade das, was man ein \u201eProblemviertel\u201c nennt. Trotzdem sieht es da immer \u00f6fter aus wie bei Hempels unterm Sofa. Das Gr\u00fcn hinter der Parkbank war monatelang abgesperrt wegen akutem Rattenbefall und ausgelegten Giftk\u00f6dern.<\/p>\n\n\n\n<p>In Berlin wird am 20.09 das Abgeordnetenhaus neu gew\u00e4hlt und der M\u00fcll in der Stadt ist ein zentrales Thema. Selbst die Linke hat das aufgegriffen. Fr\u00fcher hat mich, anders als Heute, M\u00fcll im Stadtbild nicht besonders gest\u00f6rt und die Diskussionen darum fand ich meist \u00e4rgerlich bis kontraproduktiv. Das aufgeregte Geschnatter des B\u00fcrgertums hatte mitunter was verbal Amokhaftes. Nie wurde nach Ursachen gefragt, nie nach sozialvertr\u00e4glichen L\u00f6sungen. Am liebsten wollte der B\u00fcrgermob das Problem wegk\u00e4rchern. Also den M\u00fcll weg auf die Halde und all den in ihren Augen menschlichen M\u00fcll gleich mit. Also die Opfer der Spaltung der Gesellschaft, die immer zahlreicher werdenden Obdachlosen, die notgedrungen ein anderes Sauberkeitsverhalten an den Tag und an die Nacht legen m\u00fcssen als Frieda Normalverbraucherin, gleich mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die oberfl\u00e4chliche und oft asoziale Art, in der die M\u00fclldiskussion gef\u00fchrt wird, nervt mich noch immer. Der M\u00fcll als solcher aber zunehmend auch. Also lausche ich in mich hinein und frage mich: Liegt das an der wachsenden M\u00fcllmenge in der \u00d6ffentlichkeit? Liegt das an meiner altersbedingt ver\u00e4nderten \u00e4sthetischen Wahrnehmung? Oder, was zweifellos die angemessene Entr\u00fcstung w\u00e4re, an der zunehmenden Verwahrlosung unserer Gesellschaft grunds\u00e4tzlich, die sich einen Dreck (sic!) um die Verlierer*innen des wachsenden kapitalistischen Rattenrennens k\u00fcmmert. Sondern, typisch b\u00fcrgerlich, immer nur an der Oberfl\u00e4che der Symptome kratzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Berliner Linke wie in vielen Bereichen auch hier auf der richtigen Spur, indem sie strengere Bu\u00dfgelder und eine Video\u00fcberwachung von derartigen Spots wie oben ablehnt, sondern unter anderem auf eine St\u00e4rkung der Stadtreinigung setzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber leider, und das macht alle sympathischen Ans\u00e4tze der Linken auf vielen Politikfeldern zunichte, leidet gerade die Berliner Linke unter einem ganz erheblichen innerparteilichen \u201eM\u00fcll\u201cproblem, n\u00e4mlich <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/nach-judenhass-auf-neukollner-wahlkampfbuhne-berliner-linke-zieht-vorerst-keine-konsequenzen--doch-in-der-partei-rumort-es-16019862.html\">einem massiven Antisemitismus vor allem, aber nicht nur, ihrer Neuk\u00f6llner Gliederungen.<\/a>  Da Antisemitismus wahnhaft ist, gibt es f\u00fcr diesen Konflikt keine L\u00f6sung, au\u00dfer die Antisemit*innen aus der Partei zu schmei\u00dfen. Das wird nicht passieren, dazu ist diese Str\u00f6mung zu stark. Das d\u00fcrfte die Linke ihre Position als derzeit umfragenst\u00e4rkste Partei in Berlin kosten und die Bildung einer fortschrittlichen rotgr\u00fcnroten Koalition verhindern. Im Verbund mit der Enteignungsfrage von Vonovia und anderen werden SPD und Gr\u00fcne eine Koalition mit der CDU bevorzugen. F\u00fcr die SPD der n\u00e4chste Schritt in die Bedeutungslosigkeit. Enteignungen sind f\u00fcr die SPD sozialistisches Teufelszeug und mit Sozialismus haben die Genoss*innen nun aber auch gar nichts mehr am Hut. Mir ist das ehrlich gesagt egal. Hauptsache der K\u00fchlschrank kommt da bald weg. Und ich w\u00fcrde mich freuen, wenn ich mich, wie so oft, in meiner Einsch\u00e4tzung der Lage und der Perspektive t\u00e4usche.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu erw\u00e4hnen bleibt, dass die Auff\u00fchrungsgeschichte des Theaterst\u00fccks <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_M%C3%BCll,_die_Stadt_und_der_Tod\">\u201eDer M\u00fcll, die Stadt und der Tod\u201c <\/a>von Rainer Werner Tonnenkn\u00fcpfer aus den Siebzigern von massiven Antisemitismusvorw\u00fcrfen begleitet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Auseinandersetzung mit Schmutz, Unrat, Dreck, M\u00fcll scheint in der deutschen Seele an etwas Fundamentales zu r\u00fchren. Wenig ist der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft so zuwider, wie jener Dreck, den sie fortw\u00e4hrend unter ihre eigenen Teppiche kehrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugewucherte Parkbank mit K\u00fchlschrank. Bei mir vor der Haust\u00fcr im Kreuzberger Bergmannkiez. Nicht gerade das, was man ein \u201eProblemviertel\u201c nennt. 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