{"id":17512,"date":"2026-10-18T16:27:36","date_gmt":"2026-10-18T10:27:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17512"},"modified":"2026-10-18T16:28:32","modified_gmt":"2026-10-18T10:28:32","slug":"18-10-2026-demnaechst-in-diesem-blog-pornos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17512","title":{"rendered":"18.10.2026 \u2013 Demn\u00e4chst in diesem Blog: Pornos!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17514\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/merz-1.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser bearbeitete Groschenroman war ein Gewinn bei meiner letzten Veranstaltung im Job. Um die meist unangenehmen Themen wie Armut, Spaltung, Sozialabbau etwas aufzuheitern und das Publikum von Anfang an zu integrieren, zu beteiligen, habe ich bei sowas immer gerne zu Beginn ein themenzentriertes Quiz gemacht, mit einzigartigen Gewinnen. Siehe oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als mir das Heft neulich in die H\u00e4nde fiel, sp\u00fcrte ich einen Moment in mich. War da sowas wie Wehmut, Sehnsucht nach fr\u00fcher? Beruhigender Weise nein. Im Gegenteil, mir fiel angesichts des Heftes ein, dass einer meiner fr\u00fcheren Versuche zu Geld zu kommen, darin bestand, Autor f\u00fcr derartige Literatur zu werden. Da gibt es verschiedene Genres, von Western \u00fcber Arztroman zu Krimi, Liebe &amp; Erotik etc. D\u00e4mlicherweise fing ich mit letzterem als Versuch an, was nach drei Seiten in einen Porno ausartete und sich so peinlich las, dass ich es umgehend in eine Satire m\u00fcnden lie\u00df. Ein echter Br\u00fcller. Aber wer will sowas lesen. Nach sechs Seiten war auch dieser Versuch, zu Ruhm und Reichtum zu gelangen, Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gesamtgesellschaftliche d\u00fcstere Kehrseite dieser klebrig-lustigen Privaterinnerungen ist die Tatsache, dass heutzutage vermutlich keine Autorin mehr einen Cent mit Groschenheften verdient, obwohl diese Branche nach wie vor ein stabiles Nischensegment bildet. In den 80ern wurden j\u00e4hrlich \u00fcber 300 Millionen Hefte verkauft, auch heute noch zig Millionen jedes Jahr. Der Autorinnenjob d\u00fcrfte gerade in diesem Segment, das ausschlie\u00dflich aus standardisierten, normierten Wiederholungen besteht bis hinunter auf die Ebene der Namensgebung der Akteur*innen, nur noch von KI erledigt werden. Ohne Honorarkosten, Sozialabgaben, l\u00e4stige Kommunikation, Buchhaltung, Verwaltung etc. Und in wenigen Sekunden erstellt. Der Portier am Eingang des Verlagshauses, meist Bastei-L\u00fcbbe, wirft noch einen Korrekturblick drauf. Er war fr\u00fcher Autor des Verlages. Ehemaliger Germanistikstudent.<\/p>\n\n\n\n<p>So sieht es in der gesamten Kulturbranche aus. Sie befindet sich in einem dramatischen Umbruch durch KI. Pr\u00e4ziser: In einem dramatischen Niedergang. 2024 waren in der Kultur- und Kreativwirtschaft ca. 2 Mio. Menschen besch\u00e4ftigt, ungef\u00e4hr 5 % aller Erwerbst\u00e4tigen in Deutschland. Der Umsatz betrug 205 Milliarden Euro. Die Branche ist gr\u00f6sser als die Chemieindustrie. Der Umbruch ist so gewaltig, dass ich hier nicht in die Details gehen kann. Aber welches Unternehmen kauft z. B. noch Illustrationen f\u00fcr Brosch\u00fcren bei einem Grafikdesigner ein f\u00fcr teures Geld? Das macht die KI. Selbst Kunst ist ersetzbar. Gekauft wird, was gef\u00e4llt. Nicht was den hehren Anspr\u00fcchen der Kunst gen\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Branche stirbt nat\u00fcrlich leise im Gegensatz zur Automobilindustrie, die mit Get\u00f6se \u00fcber den Jordan f\u00e4hrt. Dort sind die Erwerbst\u00e4tigen in Gewerkschaften organisiert und die verstehen ihr Gesch\u00e4ft der Aufmerksamkeits\u00f6konomie. Noch, das hat sich auch absehbar erledigt. In der Kulturbranche sind \u00fcberwiegend Soloselbstst\u00e4ndige unterwegs, Kleinunternehmen, prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte. Wenn die sich zuk\u00fcnftig bei den Tafeln dr\u00e4ngeln, um zu \u00fcberleben, kr\u00e4ht da kein Hahn nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich also auf der H\u00f6he der Zeit mit meinen Erkenntnissen bin &#8211; bilde ich mir zumindest ein, was auch eine Form von Bildung ist &#8211; liegt die Idee nahe, hier im Blog Werbung zu schalten. Nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr Pornos. Und Waffen. Und Bildzeitung und und und. Aber bei \u00fcber 100.000 Visits im Monat und 300.000 Page Impressions im Monat lie\u00dfen sich zwischen 300 und 6000 Euro monatlich generieren. Laut KI. Da frag ich nat\u00fcrlich keinen Fachmann, keine Werbeagentur, sondern KI. (Werbeagenturen, gibt\u2018 s die \u00fcberhaupt noch?) Mit Werbung s\u00e4he der Blog auch irgendwie professioneller aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache hat nur mehrere H\u00e4kchen. So sind zum Beispiel nach meiner vehementen Attacke, eher die derbe Verbalkeule als das feine Rhetorikflorett, auf linken Antisemitismus im Zusammenhang mit den Sondierungsgespr\u00e4chen in Berlin die Klickzahlen hier deutlich eingebrochen. Das hat einigen, vielen (?) Leute aus dem Milieu offensichtlich so gestunken, dass sie sich hier ausklinken. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4r ich mal gespannt, wie ich dann hier schreiben w\u00fcrde, wenn sich bestimmte Themen, ein bestimmter Schreibduktus in Verlusten von Heller und Pfennig bemerkbar machen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann ja sicherheitshalber schon mal mein Pornomanuskript wieder hervorkramen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser bearbeitete Groschenroman war ein Gewinn bei meiner letzten Veranstaltung im Job. 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