{"id":17531,"date":"2026-10-25T15:51:59","date_gmt":"2026-10-25T09:51:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17531"},"modified":"2026-10-25T16:00:27","modified_gmt":"2026-10-25T10:00:27","slug":"25-10-2026-barbarei-oder-barbarei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17531","title":{"rendered":"25.10.2026 \u2013 Barbarei oder Barbarei"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"675\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-675x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17532\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-675x1024.jpg 675w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-768x1166.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-1012x1536.jpg 1012w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-1349x2048.jpg 1349w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck-624x947.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/herrengedeck.jpg 1429w\" sizes=\"(max-width: 675px) 100vw, 675px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Herrengedeck. Gastst\u00e4tte am Kreuzberg. Es gibt aber auch neuerdings das Gegenst\u00fcck: Damengedeck. 1 Sekt und 1 Aperol. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Na dann, St\u00f6\u00dferchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rosa Luxemburg dekretierte 1916 angesichts des industriellen Massenmordens im Ersten Weltkrieg die vielzitierte Parole \u00fcber die Zukunft der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft: \u201e<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/blogs\/wir-veraendern-die-welt\/301893\">Sozialismus oder Barbarei\u201c.<\/a> Zitat: \u201e\u2026 e<em>ntweder Triumph des Imperialismus und Untergang jeglicher Kultur, wie im alten Rom, Entv\u00f6lkerung, Ver\u00f6dung, Degeneration, ein gro\u00dfer Friedhof. Oder Sieg des Sozialismus \u2026. <\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nationalismus, Imperialismus und Krisenentwicklungen in den b\u00fcrgerlichen Gesellschaften gegen Ende des 19. Jahrhunderts m\u00fcndeten einerseits in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, brachten aber auf der Gegenseite auch praktische und theoretische Weiterentwicklungen eines Krisenl\u00f6sungsmodus hervor: Sozialismus. Philosoph*innen wie Marx, Engels und Rosa Luxemburg entwickelten ihre Theorien dialektisch weiter im Dialog mit der Praxis, dem Entstehen und Aufbau der Arbeiterbewegung mit ihren Parteien, Gewerkschaften, Fraktionen und Str\u00f6mungen. Daher bestand damals, 1916 zur Zeit der Formulierung von \u201eSozialismus oder Barbarei\u201c, die berechtige Furcht vor einem Untergang der bisher bekannten Formen von Zivilisation ebenso wie die berechtigte Hoffnung auf eine bessere Welt, auf die Utopie eines Sozialismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute haben wir wachsenden Nationalismus weltweit ebenso wie Imperialismus am Hacken. Kriege wie in der Ukraine, Iran, Nahost haben das Potential zu expandieren, die Weltwirtschaft nachhaltig zu sch\u00e4digen und den Gedanken einer globalen Friedensordnung f\u00fcr Jahre obsolet zu machen. Zum Krieg als Krise gesellen sich andere Formen von Apokalypse. Neueste Horrorvision nach der php-Sicherheitsl\u00fccke: Das Internet geht nicht mehr. (Das kann sich ja jede mal f\u00fcr ihren Alltag ausmalen.) Apokalypsen-Szenario davor: KI. Dar\u00fcber etwas in Vergessenheit geraten: Seuchen. (Was macht eigentlich Ebola im Moment?) Und dabei haben wir noch nicht vom Kapitalismus gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuellen Riots in Frankreich und anderswo m\u00f6gen in ihrer Auspr\u00e4gung Jugendkrawalle sein, vor dem Hintergrund der berechtigten Zukunftsangst von Teilen der heranwachsenden Generation. Die Ursache daf\u00fcr liegt aber nicht in dem medial konstruierten Generationen-Gegensatz Jung-Alt. Sie werden bei den Riots selten junge Erben von Verm\u00f6gen, Kapital, Unternehmen treffen, Elitenabk\u00f6mmlinge, es sei denn, aus Lust am Krawall. Ganz sicher nicht aus Zukunftsangst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wenig stimmt das fl\u00e4chendeckende Bild des vermeintlichen Konfliktgegenst\u00fccks, des wohlsituierten Rentners mit zus\u00e4tzlicher Betriebsrente, fetter Pension, \u00fcppigen Alterszusatzeinkommen. Dieses Konstrukt unterschl\u00e4gt die rapide wachsende Altersarmut. Alte sind die Personengruppe, in der die Armutsquote am st\u00e4rksten steigt, von ca. 14 % Mitte der Zehnerjahre auf aktuell knapp 20 %. Tendenz angesichts der Prekarisierung der Gesellschaft: Wachsend bis explodierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Konflikt besteht nicht zwischen Jung und Alt. Der Konflikt besteht zwischen den Klassen. Arm gegen Reich. Kapital gegen Arbeit. Elite gegen Machtlose. Dieser Konflikt ist im bestehenden System nicht zu l\u00f6sen und wird immer prek\u00e4rer, gewaltf\u00f6rmiger. Er tr\u00e4gt in sich den Kern zu einer Gesellschaft der Barbarei, also dem Verlust von Formen von Zivilisation, wie wir sie kennen. Ein Unterschied zum Diktum von Rosa Luxemburg besteht allerdings. W\u00e4hrend sie zeitbedingt noch Hoffnung haben konnte auf eine solidarische, menschliche Alternative, auf die Utopie eines Sozialismus, ist die uns gr\u00fcndlicher denn je abhandengekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zivilisatorischer Fortschritt beschr\u00e4nkt sich auf die Frage: Herren- oder Damengedeck? Wir k\u00f6nnen h\u00f6chstens zwischen verschiedenen Formen von Barbarei w\u00e4hlen, Teile davon sind in vielen Ecken der Erde schon Realit\u00e4t. Die Frage ist nicht: Sozialismus oder Barbarei?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist: Barbarei oder Barbarei?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herrengedeck. Gastst\u00e4tte am Kreuzberg. Es gibt aber auch neuerdings das Gegenst\u00fcck: Damengedeck. 1 Sekt und 1 Aperol. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. 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