{"id":17575,"date":"2026-11-08T17:24:35","date_gmt":"2026-11-08T11:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17575"},"modified":"2026-11-08T17:24:35","modified_gmt":"2026-11-08T11:24:35","slug":"08-11-2026-9-november-revisited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=17575","title":{"rendered":"08.11.2026 \u2013 9. November, revisited"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17576\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/20261106_112027_resized.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Skulptur vor dem Museum Hamburger Bahnhof, Berlin. Segment der Berliner Mauer mit integriertem Geldautomaten. Besser kann Kunst Zusammenh\u00e4nge nicht komprimieren, sinnliche Erkenntnis. Ich habe mich bei dem Anblick gefragt, ob das nicht eine gute L\u00f6sung gewesen w\u00e4re, damals an jenem schicksalhaften 9. November, als die von dr\u00fcben mit ihrem unbedingten&nbsp; Willen f\u00fcr den Kapitalismus die Mauer niederzwangen: Mauer stehen lassen, \u00fcberall Geldautomaten in die Mauer, gef\u00fcllt vom Westen, mit der Geldauswurf\u00f6ffnung nach Osten. Einmal im Monat kriegt jeder der DDR-Bewohner 596 DM Westgeld! aus dem Automaten. Wieso 596? Die Annexion der Ostzone hat uns bisher \u00fcber 2 Billionen Euro gekostet. Geteilt durch 16 Millionen Insassen, so viele hatte die DDR 1989. Macht das 297 Euro, entsprechend 596 DM West zum damaligen Kurs. Beim Durchschnittsumtauschkurs Westmark : Ostmark von 1 : 7 w\u00e4ren das 4.172 Ostmark f\u00fcr jede*n gewesen. Monatlich! Bei einem monatlichen Durchschnittlohn 1989 von 1300 Ostmark in der DDR. Die Menschen dort dr\u00fcben h\u00e4tten also ihren Durchschnittslohn auf einen Schlag mehr als verdreifacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00e4tte das gewisse Inflationseffekte nach sich gezogen. Aber da sich das Warenangebot schlagartig vermehrt h\u00e4tte, Bananen z. B., w\u00e4re der Anreiz \u201er\u00fcber zu machen\u201c weggefallen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorteile liegen auf der Hand: es h\u00e4tte zwei Staaten gegeben mit unterschiedlichen Systemen. Hier Demokratie, dr\u00fcben Diktatur (des Proletariats). Die Systemkonkurrenz h\u00e4tte das Kapital bei uns gez\u00e4hmt, Konkurrenz belebt das Gesch\u00e4ft. Der Sozialstaat w\u00e4re nicht in dem Ma\u00dfe zerschlagen worden wie das aktuell der Fall ist. Die AfD w\u00fcrde es nicht geben. Ich k\u00f6nnte mit Passierschein jederzeit nach Ostberlin, mich in den verfallenden Ruinen von Prenzlau gruseln, die Lichtjahre entfernt von der heutigen Gentrifizierung w\u00e4ren, und dort trotz des nun nicht mehr ganz so hohen W\u00e4hrungsgef\u00e4lles immer noch prassen wie G\u00f6ttin in Frankreich: Broiler, Soljanka und Riesling von der Unstrut. Und alle M\u00e4dels w\u00fcrden bei mir sein wollen und alle M\u00e4nner so wie ich sein wollen. So stelle ich mir den Sozialismus vor. Als Gast. Und wenn mir jemand auf die Eier geht, was ungef\u00e4hr 20x am Tag der Fall ist, k\u00f6nnte ich sagen: \u201eWenn es Dir hier nicht passt, geh doch nach dr\u00fcben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schreiben fallen mir noch tausend weitere positive Aspekte ein, wenn beide Systeme friedlich weiter koexistieren w\u00fcrden. Vor allem f\u00fcr den Osten, der damit unser Vorbild in vielen Bereichen w\u00e4re, was das Kapital hierzulande weiter im Zaum halten w\u00fcrde. Im Osten g\u00e4be es keine freien Wahlen weiterhin. Angesichts unserer derzeitigen Wahlergebnisse ein leuchtendes Vorbild. Es g\u00e4be keine Presse- und Meinungsfreiheit, vor allem nicht in den sozialen Medien. \u00dcber diesen unfassbar positiven Aspekt muss ich kein Wort weiter verlieren. Es g\u00e4be keine Reisefreiheit f\u00fcr DDR-Bewohner*innen. Angesicht der asozialen Vielfliegerei heutzutage, die unseren Planeten kaputtmacht, sollte dieser Aspekt unbedingt in das Parteiprogramm der Gr\u00fcnen aufgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss sagen, dass mich dieser Ausflug in eine Parallelwelt aufgemuntert hat. Angesichts dieses \u00fcberaus deprimierenden Schicksalstag der Deutschen musste ich mich regelrecht aufraffen, um im Schreiben aus der Depression zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist mir auf das Gl\u00e4nzendste gelungen<\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde ab Morgen an einem Roman arbeiten, der auf der Fiktion einer weiter existierenden DDR basiert. Der mein Modell als Grundlage hat, nat\u00fcrlich in anderer Form als das Kunstwerk oben, wohl eher mit realen Transferleistungen West-Ost. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Grenzg\u00e4ngers (weit verbreitetes Literatur-Topos) geschildert, der regelm\u00e4\u00dfig von Kreuzberg, der Yorckstr. aus, den Osten besucht. Als Flaneur, den Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcbergang nach Friedrichshain nutzend: Die Oberbaumbr\u00fccke<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/oberbaumbruecke_dpa.webp\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"750\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/oberbaumbruecke_dpa.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-17577\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/oberbaumbruecke_dpa.webp 750w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/oberbaumbruecke_dpa-300x200.webp 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/oberbaumbruecke_dpa-624x416.webp 624w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich werde nie vergessen, wie ich die das erste Mal gesehen habe, derartig schr\u00e4g durchgeknallte, orientalische Architektur, dass ich dachte, es w\u00e4re Gras in meinem Morgentee gewesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen ist weiter tr\u00fcbe. Aber in mir strahlt ein Licht, gen\u00e4hrt von der Kraft der Kunst und der Literatur<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skulptur vor dem Museum Hamburger Bahnhof, Berlin. Segment der Berliner Mauer mit integriertem Geldautomaten. Besser kann Kunst Zusammenh\u00e4nge nicht komprimieren, sinnliche Erkenntnis. Ich habe mich bei dem Anblick gefragt, ob das nicht eine gute L\u00f6sung gewesen w\u00e4re, damals an jenem schicksalhaften 9. 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