{"id":9944,"date":"2019-03-02T14:54:38","date_gmt":"2019-03-02T08:54:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=9944"},"modified":"2019-03-02T14:54:38","modified_gmt":"2019-03-02T08:54:38","slug":"02-03-2019-goetterdaemmerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=9944","title":{"rendered":"02.03.2019 \u2013 G\u00f6tterd\u00e4mmerung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Elbphilharmonie-G\u00f6tterd\u00e4mmerung.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Elbphilharmonie-G\u00f6tterd\u00e4mmerung-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-9945\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Elbphilharmonie-G\u00f6tterd\u00e4mmerung-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Elbphilharmonie-G\u00f6tterd\u00e4mmerung-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Elbphilharmonie-G\u00f6tterd\u00e4mmerung-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Elbphilharmonie-G\u00f6tterd\u00e4mmerung-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Hamburg, Elbphilharmonie, von der Elbe aus, in untergehender Sonne.<\/em><br \/>\nEin beliebtes Stilmittel zur Unterstreichung von Dramaturgie ist die Inszenierung von Natur. In d\u00fcsteren Krimis regnet es andauernd. Wenn die Liebe ins Herz scheint, in Filmen gerne auch Sonnenaufgang mit Blumenwiese und Gezwitscher von V\u00f6geln (der Kalauer musste einfach sein.) Der obige Schnappschuss gelang mir auf einer Elbf\u00e4hre in den zwei, drei fl\u00fcchtigen Sekunden, wo die Abendsonne diesen Reflex auf ein Fenster der Elbphilharmonie bannte.<br \/>\nMeines Bleibens ist \u00fcberwiegend an Magistralen, die zehntausende von Autos jeden Tag passieren, mit entsprechender Hinterlassenschaft von Feinstaub und Stickoxiden. Ich habe noch keine valide Statistik gefunden, die mir sagt, wieviel Lebenszeit mich der Dreck kostet, durchschnittlich und hochgerechnet. Dazu m\u00fcsste man vergleichende Orte heranziehen, mit weniger Belastung, wie Helgoland oder die Zugspitze. Da ist aber die Bewohnerinnen Struktur eine andere. Normalerweise wohnen an Hauptverkehrsstra\u00dfen mit L\u00e4rm und Dreck Menschen mit wenig Geld, die sich anderes nicht leisten k\u00f6nnen. Und Menschen mit wenig Geld haben grunds\u00e4tzlich zus\u00e4tzliche Gesundheitsrisiken neben schlechter Luft. (Arme M\u00e4nner sterben 11 Jahre fr\u00fcher als ihre normalverdienenden Geschlechtsgenossen. Frauen 7 Jahre, die sind z\u00e4her) Gesundheit muss man sich leisten k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Gleichung Hauptverkehrsstra\u00dfe = Anwohnerinnen mit wenig Geld gilt aber nicht immer. In Berlin ist meine Homebase, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yorckstra%C3%9Fe\">Yorkstr.<\/a> (gesch\u00e4tzte 50.000 Boliden pro Tag), zum Beispiel ein Ensemble mit Stuckverzierten H\u00e4usern aus der Gr\u00fcnderzeit, Bierg\u00e4rten, Kneipen, etc. ein Hort der aufstrebenden, prosperierenden, alternativ-urbanen Elite (au\u00dfer mir!), die aber sowas von gesundheitsbewusst und selbstoptimierend ist. Wir sehen also, die von mir hei\u00df und innig geliebte Statistik st\u00f6\u00dft an ihre Grenzen. Es gilt der Einzelfall.<br \/>\nUnd der treibt mich immer mehr aus Gr\u00fcnden des Durchatmens an Ort von Licht und Luft. Immer \u00f6fter stehe ich am Meer, tief atmend vor mich hin r\u00f6chelnd: \u201eWelch Wohltat f\u00fcr meine maltr\u00e4tierten Bronchien.\u201c Das war mir fr\u00fcher, mit der Kippe im Maul, sowas von schei\u00dfegal.<br \/>\nUnd so zieht es mich, wenn Vorfr\u00fchling sein blaues Band flattern l\u00e4sst, zum Tor zur Welt, zum winddurchtosten Hafen von Hamburg, zur F\u00e4hre zum Elbstrand, wo junges Volk (und ich!) dann in der Sonne liegt. Man ahnt es schon in der U-Bahnstation Landungsbr\u00fccken, es zieht vom Hafen her wie Hecht, man kann es auch frische Brise nennen. Unten an den Pontons, wo die F\u00e4hren abfahren, atme ich dann immer tief durch. Seeluft macht frei.<br \/>\nUnd brach heuer umgehend in einen erstickenden Hustenanfall aus. \u00c4tzender Dieselgestank biss mir in Nase und Lunge, \u00fcberall waberten Wolken dieses bet\u00e4ubenden Gemischs aus Alt\u00f6l und Frittenfett, oder womit tanken die ihre K\u00e4hne da? Ein Blick aufs Smartphone zeigte mir, dass ich an einem der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/NABU-Luft-an-Landungsbruecken-besonders-mies,luftverschmutzung164.html\">luftdreckigsten Orte des (mir bekannten) Universums<\/a> gelandet war<br \/>\nWar das schon immer so? Ist das schlimmer geworden? Bin ich empfindlicher?<br \/>\nSind so viele Fragen, musst Du t\u00fcchtig trinken.<br \/>\n Ist mir ehrlich gesagt auch schietegal.<br \/>\nWenn ich saubere Luft will, muss ich eben nach Helgoland ziehen. So sind die Kosten des urbanen Lebens nun mal. Und dieses eine Bild mit der Elbphilharmonie hat sowieso alles gelohnt, dieser natural konzertierte Metropolen-Kommentar zur Situation des Planeten:<br \/>\nG\u00f6tterd\u00e4mmerung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg, Elbphilharmonie, von der Elbe aus, in untergehender Sonne. Ein beliebtes Stilmittel zur Unterstreichung von Dramaturgie ist die Inszenierung von Natur. In d\u00fcsteren Krimis regnet es andauernd. Wenn die Liebe ins Herz scheint, in Filmen gerne auch Sonnenaufgang mit Blumenwiese und Gezwitscher von V\u00f6geln (der Kalauer musste einfach sein.) 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