{"id":9999,"date":"2019-03-27T11:25:33","date_gmt":"2019-03-27T05:25:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=9999"},"modified":"2019-03-27T11:28:38","modified_gmt":"2019-03-27T05:28:38","slug":"27-03-2019-marxismus-und-donaldismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=9999","title":{"rendered":"27.03.2019 \u2013 Marxismus und Donaldismus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/donalde.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/donalde-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-10000\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/donalde-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/donalde-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/donalde-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/donalde-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Gips-Donald, wei\u00df, und Gips-Donald, Rasta.<\/em><br \/>\nIch lasse mir lieber einen Backenzahn ohne Bet\u00e4ubung ziehen als dass ich einen Baumarkt aufsuche. Ein Dandy \u2013 und diesen Archetyp in der Tradition eines Oscar Wilde zeitgen\u00f6ssisch zu revitalisieren sollte das Streben eines vernunftbegabten Mannes des 21. Jahrhunderts sein \u2013 besch\u00e4ftigt sich niemals mit inferioren T\u00e4tigkeiten wie h\u00e4mmern, bohren, s\u00e4gen sondern widmet sich entweder dem Ordnen seines \u00c4u\u00dferen vor dem Spiegel oder der Lekt\u00fcre des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tractatus_logico-philosophicus\">\u201eTractatus logico-philosophicus\u201c<\/a> von Ludwig Wittgenstein, dem \u201eKapital\u201c von Karl Marx oder den <a href=\"https:\/\/www.duckipedia.de\/Donald_Duck_(Taschenbuch)\">529 Ausgaben<\/a> der Donald Duck Taschenb\u00fccher. Letzteres ist keineswegs als Witz gemeint. Der Autor dieser Zeilen hat zwar die aktive Phase seines Donaldismus hinter sich, als er \u2013 jenseits der 40, also keineswegs im unreflektierten Wahn der Jugend! \u2013 die Welt mit eigenh\u00e4ndig gegossenen Donalden flutete (siehe oben), in der Hoffnung, sie im Sinne der Ente zu einem besseren Ort zu machen. N\u00e4mlich zu einem Ort, an dem M\u00e4nner allein aus handwerklichem Ungeschick, schierer T\u00f6lpelhaftigkeit und \u00fcberw\u00e4ltigendem Pech unf\u00e4hig sind, Kriege zu f\u00fchren. Oder k\u00f6nnen Sie sich Donald Duck als Feldwebel vorstellen, als islamistischen Terroristen oder auch nur als durchgeknallten Gelb-Westen-Chaoten? Das Chaos richtete die Ente nur bei sich und in der Familie an, immer cholerisch, immer vom Pech verfolgt, aber immer wieder widerstehend den B\u00fcrzel aufrichtend, den Wutschaum vom Schnabel putzend und sich den Imponderabilien des Lebens wappnend, nur \u00fcberlebend durch die Hilfe seiner drei Neffen Tick, Trick und Track. Was f\u00fcr ein warmherziger Utopie-Entwurf, viel menschlicher als Karl Marx. Mich unterscheidet von Donald nur, dass ich wesentlich mehr Gl\u00fcck habe und nur zwei Neffen. Ansonsten bleibe ich bis zum Ende aller Tage Donaldist. Und Marxist.<br \/>\nManchmal ist ein Baumarkt Besuch aber unumg\u00e4nglich und das Bild, das sich neulich meinen Augen dort bot, war schwerst verst\u00f6rend, brannte aber in dieser einen Sekunde der Wahrnehmung alle Schrecken des aktuellen Zustandes der Gesellschaft in mein Hirn und mein Herz. Ich sah einen Mann vor dem Werkzeug-Regal den Schaft eines Hammers, , reale (!) 30cm lang,  streicheln mit einer Inbrunst und Z\u00e4rtlichkeit, als ob es sein bestes St\u00fcck w\u00e4re. Also sein Auto.<br \/>\nAuf der Flucht aus dem Baumarkt r\u00e4sonierte ich \u00fcber die Welt, sowas hilft aus Verst\u00f6rung. Baum\u00e4rkte sind, wie die Welten des Fu\u00dfballs, der Bundeswehr, der katholischen Kirche, Refugien schierer M\u00e4nnerb\u00fcndelei, nur selten und zaghaft angekratzt durch das Prinzip \u201eFrau\u201c. Hier sind sie unter sich, die Herren der Sch\u00f6pfung, fernab der Zumutungen der Anderen, der Weichen, Feuchten, Flie\u00dfenden, die obendrein immer alles wissen wollen, \u00fcber Gef\u00fchle. Als ob da viel w\u00e4re in diesen M\u00e4nnerb\u00fcndischen Hohlk\u00f6pfen au\u00dfer Wut und Angst. Und dampfendes, unterdr\u00fccktes homoerotisches Begehren, das aber auf keinen Fall zugelassen werden darf, weswegen es mit maximaler Aggression abget\u00f6tet werden muss.  \u00dcber dieser Welt der M\u00e4nnerb\u00fcnde schwebt immer eine angsteinfl\u00f6\u00dfend dunkle Wolke von Gewalt, Zerst\u00f6rung, Zorn.<br \/>\nUnd weil das alles zutiefst pathologisch ist, flie\u00dft der Alkohol als Fluchtmittel in Str\u00f6men. Die klerikalen Kinderficker d\u00fcrften zu ebenso hohen Prozents\u00e4tzen Alkoholiker sein wie Bundeswehrangeh\u00f6rige und Fu\u00dfball-Schwachk\u00f6pfe. Von den Schnapsdrosseln in Baum\u00e4rkten ganz zu schweigen.<br \/>\nDa ist alles nicht neu, sollte aber im Hinterkopf behalten werden angesichts der Tatsache, dass diese Welt, die alles Andersartige, Lebendige, Bunte verabscheut, diejenige ist, die zur Zeit gewinnt.<br \/>\nAber auf meinen n\u00e4chsten Baumarkt Besuch freue ich mich jetzt. Dann nehme ich mir vor dem Regal f\u00fcr Werkzeuge eine Stunde Zeit und mache schwer verst\u00f6rende Fotos von M\u00e4nnern mit H\u00e4mmern. Demn\u00e4chst hier im Blog!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gips-Donald, wei\u00df, und Gips-Donald, Rasta. Ich lasse mir lieber einen Backenzahn ohne Bet\u00e4ubung ziehen als dass ich einen Baumarkt aufsuche. 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