
What the fuck is a Pumpgun Latte? Man liest immer das, was man gerne lesen möchte. Ich hoffe nicht, dass diese Art Fehl-Wahrnehmung von mir (vor irgendeiner pseudoalternativen Kaffee-Butze in Berlin) Rückschlüsse auf meine Phantasien zulässt, werde das aber sicherheitshalber offen und angstfrei in meiner Männergruppe diskutieren. Mir fehlt die Phantasie, den Geschmack eines Kürbisgepantschten Kaffeeersatzes für Warmduscherinnen und Weicheierinnen zu imaginieren. Ich weiß nur, dass es in den schlechten Zeiten Kaffeeersatz in Form von Zichorien gab, auch Eicheln, Bucheckern etc. pp.. Igitt. Aber die Alternativen waren schon immer vorneweg, wenn es nach rückwärts ging.
Keine Pump- aber andere Gun-ähnliche Waffen schleppte das Kommunikationsteam der Polizei bei der Anti-NPD Demo am Wochenende in Hannover mit sich rum.

Da kommt Diskussionsfreude auf, wenn man die strukturelle Verfasstheit der Angehörigen des Repressionsapparates – nein, wir sagen nicht mehr Bullen, wie ich mehrfach gegenüber Verbalmilitanten- und Onkeln auf der Demo insistierte – bedenkt. Falls jemand von Ihnen, liebe Leserinnen, mit Organisationsentwicklung zu tun hat, nehmen Sie das Bild gerne als Impuls. Alles beim Alten lassen, aber einem ausgesuchten Team rote Westen (und Mützchen) mit der Aufschrift „Kommunikationsteam“ umhängen – die Knarre natürlich weglassen…
Falls Sie sich jetzt fragen, hat der Blogschreiber keinen Frisör, dem er das alles an die Backe hängen kann: fast getroffen. Ich sitze hier an einer lästigen und unangenehmen Arbeit und nutze jede Gelegenheit zur Flucht; das Wetter am Mittelmeer hab ich durch, in der Nähe von Korfu bebt die Erde und an der Algarve scheint die Sonne. Da fällt die Wahl nicht schwer. Eigentlich wollte ich mich jetzt noch über die SPD auslassen, deren Bundestagsabgeordnete langsam in Panik verfallen angesichts der Tatsache, dass die Koalitionsflüchtlinge Esken und Walter-Borjans eventuell Parteivorsitzende werden und die Koalition beenden. Das bedeutet Neuwahlen und ob die SPD dann über 5 Prozent kommt…Jedenfalls ist dann Ende im Gelände mit den schönen SPD-Abgeordneten-Sitzen, dann heißt es wieder zurück ins Glied, mit schmalem Sozialarbeitergeld, nach TVÖD, oder was die sonst so arbeiten. Arbeiter gibt es, glaube ich, noch einen im Bundestag. Aber das grenzt an Leichenschändung. Diese Parteisoldaten haben echt nicht mehr alle Latten am Zaun, sind so unfassbar unsolidarisch und unprofessionell, dass hier nur betretenes Schweigen das Mittel der Wahl ist.
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24.11.2019 – Ich hab’s ja gleich gesagt!

„No pasarán – Sie kommen nicht durch“. Gestern auf der Anti-NPD Demo in Hannover.
Am 19. Juli 1936 rief Dolores Ibárruri über Radio Madrid zur Verteidigung der Demokratie auf. In Spanien hatte gerade das Militär gegen die Zweite Spanische Republik geputscht. Der grausame spanische Bürgerkrieg hatte begonnen.
Seitdem ist „No pasarán“ ein Schlachtruf der Linken in aller Welt, wenn die Demokratie bedroht wird. Dass das auch bis FFF Uelzen gilt, hat mich einerseits erfreut, andererseits entbehrt es auf Grund der Fallhöhe zwischen dem weltgeschichtlichen Ursprung im spanischen Bürgerkrieg und seiner tagesaktuellen Anwendung in Uelzen nicht einer gewissen Komik. Ein Grundgesetz der Komik lautet: Fallhöhe herstellen. Dazu später mehr.
Lustig war auf jeden Fall die Tatsache, dass ich zur Demo mit einem Taxi anreiste, vermutlich als einziger von ca. 8.000 Demonstrierenden. Ich war leicht matt bis platt und mir ward nach angemessener Bequemlichkeit. Die Geschichte sorgte für erstaunte, aber nicht überraschte Heiterkeit. Mit Taxi zur Demo, das hat man in linken Kreisen eher nicht, selbst wenn man zum Urlaub nach Neuseeland fliegt und ein Fachwerkhaus sein Eigen nennt.
Als bekennender Dandy bin ich in linken Kreisen nicht unbedingt mehrheitsfähig. Aber in Kreisen, in denen ich mehrheitsfähig bin, möchte ich auch nicht verkehren. Insofern war alles gut.
Na ja, fast. Wenn man liest, wie sich die Polizei wieder mal verhalten hat, möchte man am Zustand des Staates verzweifeln. Wenn man nicht eh wüsste, dass die Angehörigen des Repressionsapparates überwiegend rechten, autoritären bis faschistoiden Ideologien anhängen, seit Weimarer Zeiten. Auf linken Demos werden alle, die sich dem Vermummungsverbot widersetzen, in Kesseln umzingelt, rausgegriffen und Knüppelmässig behandelt. So ist unter anderem die Gewalt beim G20 Gipfel in Hamburg mit entstanden.
In Hannover ließ sich die Polizei von NPD Demonstranten erklären, warum die sich vermummten. Das war’s. Freifahrtschein für Nazis. Unsere Demokratie wird von vielen Seiten bedroht, das Verhalten staatlicher Organe ist nicht die geringste Ursache für den Legitimationsverlust unserer Demokratie.
Am Ende des Nachmittages gingen 8.000 meist gut gelaunte bürgerliche Antifaschistinnen mit dem zufriedenen Gefühl nach Hause, es den Nazis aber mal wieder so richtig gezeigt zu haben, während ca. 150.000 Duckmäuse, Spießer und Lifestyle-Optimierer*innen in der City shoppen gingen und mir auf die Eier. Blödes unpolitisches Pack, aber hinterher die Fresse aufreißen, wenn sie selber wegen irgendwelcher Abweichungen von der Norm in Lager gesperrt werden, sei es falsche sexuelle Orientierung, falscher Glauben, falsche Vergangenheit oder mangelhaftes Sozialscoring.
Mir egal, ich sitz dann auf meiner Hazienda auf Korfu und schreib meine Memoiren mit dem Titel: „Ich hab’s ja gleich gesagt!“
Die Tatsache, dass über Jahrzehnte linker politischer Antifaschismus und grundsätzlich alles Linke (damit meine ich natürlich nicht SPD, Grüne etc.) diffamiert wurde, meist von Leuten, deren IQ ich noch im Koma um ein Vielfaches toppe, fällt uns jetzt böse auf die Füße. Zumindest auf den Linken.
Einen fröhlichen Start ins Wochenende, liebe Leserinnen.
22.11.2019 – Für sowas sollte eigentlich die Straßenreinigung zuständig sein

Gut Böse.
Vor dem Krieg oder zwischen den Kriegen, ich weiß es nicht mehr, es ist sehr lange her und ich war noch ein Waldbauernbub, las ich begeistert das „Reader’s Digest“. Reader’s Digest war eine reaktionäre US-Kampfpostille, die mit allerlei Rührgeschichten kleine Pimpfe wie mich, aber auch Erwachsene, subkutan mit dem American Way of Life indoktrinierte, Kirche, Küche, Kapitalismus und Kommunismus igitt. Das Mistblatt ist mittlerweile pleite, wird nicht mehr gebraucht, Auftrag ausgeführt, der Kapitalismus hat auf ganzer Linie gesiegt. Besonders gerne las ich die Reihe „Ein Mensch, den man nicht vergisst“, wo dann z. B. ein heldenhafter Baptistenprediger im roten China vorgestellt wurde, der unter Lebensgefahr die Heiden missionierte und dort die Stellung hielt, also eine Missionarsstellung. So Zeug halt.
Jetzt wissen Sie, wie Friedrich Merz zu dem wurde, was er ist. Bei der Lektüre ….
Auch wenn ich es heute, Äonen später, anders formulieren würde, zwei, drei Leute sind mir im Lauf der Jahre schon untergekommen, die ich unter diese Rubrik fassen würde. Einer kam mir vorgestern unter die Augen, als ich von der Erwerbsfron völlig ermattet nur noch vor dem TV abhängen konnte, mich langsam in Morpheus Arme wiegen lassen wollte und dabei auf ein Interview mit Prof. Dr. Gerhard Trabert stieß, eine Ikone auf dem Gebiet Armut & Gesundheit. Ich hab mehrmals mit ihm zusammen gearbeitet und habe selten, eigentlich noch nie, jemanden getroffen, der einen derartig beeindruckenden Lebenslauf besitzt, so engagiert, kompetent und dezidiert politisch ist und dabei völlig unprätentiös, liebenswürdig und zugewandt ist. Im Gegensatz zu einer erklecklichen Anzahl von Leuten, bei denen ich nach getaner Arbeit froh bin, wenn ich deren Rücken sehe, hab ich mich bei Trabert immer schon Tage vorher auf die Zusammenarbeit gefreut. So wie ich mich darüber freue, dass es in den Tiefen des Netzes Fotos davon gibt, wie hier unter der zauberhaften Überschrift „Das Zahnmobil auf der Landesarmutskonferenz“
Hat was von der Sendung mit der Maus.
Auch aus Gründen der politischen Hygiene sind solche Erinnerungen für mich im Moment wie Licht am Tunnel, Fackeln in der Dusternis oder ein Hauch „Sauvage“ von Dior in einer schweißstinkenden Berliner Feierabend-U-Bahn im Hochsommer. Das trifft’s wohl am besten, wenn ich daran denke, dass sich für Morgen hier eine Rotte Faschisten angesagt hat, um mit einem Marsch gegen missliebige Journalisten zu hetzen.
Für sowas sollte eigentlich die Straßenreinigung zuständig sein…Hoffentlich ist morgen ein breites Bündnis dagegen auf den Beinen. Und hoffentlich ist es nicht so nasskalt und eklig wie die letzten Tage.
Wir sehen uns um 13.30 Uhr auf dem Stephansplatz in Hannover. Gegen die Kälte von innen und aussen habe ich einen Flachmann mit einem excellenten 10 Jahre alten Matusalem Rum aus Kuba dabei, Soli-Schluck. Ich geb dann einen aus.
18.11.2019 – Trübe Aussicht

Berlin, Körnerpark. Hat mein Lieblingspark in dieser Trübnis durchaus schöne, anrührende Momente wie die fast komplette Abwesenheit anderer Humandarsteller ist der Blick auf die Schlagzeilen fast komplett befreit vom Prinzip Hoffnung: Neuer Rekord an Verpackungsmüll, über 200 kg pro Kopf, wobei der folglich nur als Ohrabstandshalter und Föhnwellenträger dient. 3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Und das trotz aufgeregtem Dauer-Ökogeschnatter, siehe St. Greta, Grüne, Flugscham etc. ppp. Es ist überall das Gleiche: die SUVs werden immer mehr und größer, geflogen wird soviel wie nie und wehe, irgendwo soll ein Windkraft hin. Da rebelliert der Eigenheimspiesser gegen die Eintrübung seiner Veranda-Aussicht wie weiland Michael Kohlhas, mit dem einzigen Unterschied: er hat das Gesetz auf seiner Seite. Leider.
Ich bin zur Zeit auf dem Armutskongress der nationalen Armutskonferenz in Berlin und habe eben den Frühstücks-Tisch meines Hotels verlassen. Das Einzige, was da nicht in Plastik eingewickelt ist, sind die Bananen. Eine einzige Orgie in Plastik, mein Teller quoll über von dem Zeug.
Trübe Aussicht, überall. Vom Kongress demnächst mehr. Tröstlich, weil witzig: das erste Plakat nach meiner Einlassung im letzten Blogeintrag zum Thema Heimat, das mir auf die Netzhaut prallte, war diese Termin-Ankündigung: 
Zu dieser Veranstaltung des Genossen Ebermann wäre ich sicher gegangen, aber die Pflicht, Berlin rief.
Ich wünsche allen heitere Aussicht für ihr Restleben und diese Woche.
16.11.2019 – November Elegie

Wenn ich zur Strasse rausgucke, kriege ich Herbstblues und Fernweh, der Blick in den Garten ist erfreulicher. Das, was da noch blüht, hält sich bei dem nasskalten Wetter ewig. Dieses rote Gewächs kann ich nur empfehlen, heisst Dipladenie, blüht von Mai bis zum ersten dicken Frost in üppigster Pracht. Soll von irgendwo aus dem Dschungel kommen. Auf dem Markt verschwinden die regionalen Erzeugerinnen langsam, der Tomatenstand ist nicht mehr da, die Pflaumen sind auch überständig. Wer jetzt noch keine Rumtopf hat, den bestraft das Leben. Bei diesem Wetter hab ich mitunter sogar Zeit für Erinnerungen. Neulich, grad ne Woche her, Veranstaltung in meiner alten Heimat, im Eichsfeld. Bei Moderationen, Vorträgen etc. pp. bin ich normalerweise nicht mehr nervös. Irgendwann stellt sich da mitunter einschläfernde Routine ein, und wer mal Strassenperformances gemacht hat, mit all den schrägen Vögeln, die da draussen rumlaufen, wen sollte da eine gesittete Ansammlung von wissbegierigem Fachpublikum irritieren.
Von wegen.

Eichsfelder Tagblatt vom 08.11.2019. Ich merkte vor Beginn wachsende Nervosität. Irrsinnige Gedanken wie: Ich darf die Highmat nicht enttäuschen. Zu Beginn war sogar mein Mund trocken. Und weit und breit kein Sauvignon.
Muss man erst so alt werden um so was zu erleben? Ansonsten kann mich der Begriff Heimat mal. Und der November auch. Ich geh packen.
Süden, Meer, Sie wissen schon, liebe Leserinnen
12.11.2019 – Schule der Sinnlichkeit

Basilikum. Morgens schreite ich fürbass durch den Garten und nehme Geruch auf, reibe am Basilikum, am Salbei, Rosmarin und Rest-Lavendel und schnuppere dran. In Winternahen Zeiten, wo der Körper zusehends verhüllt, das Licht weniger wird, die Sinne nicht mehr so angesprochen werden wie im überbordenden Sommer oder mediterranem Süden, sind diese Geruchswahrnehmungen nicht nur meditative Momente sondern eine Schulung der Sinne, der Sinn-lichkeit. Das trainiert das Vermögen zur Unterscheidung, Ästhetik ist immer eine Sache der Differenz, der geschulten Wahrnehmung des Andersartigen. So wie man dem Argument in der Politik, im öffentlichen Diskurs genau zuhören, seinen Augen niemals trauen und einen Wein lange im Mund (wo sonst?) wirken lassen sollte, ist es für eine Schule der Ästhetik zwingend nötig, auch den Geruch zu üben. Wer die Sinne schärft und nicht nur den Verstand, wird im Zweifel den Zumutungen der Moderne, diesem rasenden Veränderungsdruck, gegenüber souveräner, gelassener agieren können und insofern ist die Schule der Ästhetik immer auch politische Bildung. Wenn das Lehrfach an den Schulen würde, bewerbe ich mich sofort fürs Lehramt. Ich würde im Grundkurs mit Sauvignons aus verschiedenen Regionen anfangen, Wahrnehmung der Differenz. Leider ist es so, dass die neuseeländischen Sauvignons überragend sind, da kann kein Loire und kein Pfälzer mithalten. Was wegen Öko-Bilanz blöd ist, Transport und so. Und schon sind wir mitten in der Ökologie Schulung, eins hängt eben mit dem anderen zusammen.
Dann gibt es noch den Tastsinn, er hat in unserer Wahrnehmung den geringsten Stellenwert, obwohl er als erster entsteht und als Basis das größte Organ besitzt, die Haut. Nichtsdestotrotz sollte auch er geschult werden. Mit den ersten Lektionen dazu fangen wir morgen an. Dazu bringt jede von Zuhause eine Kröte und eine Bisamratte mit.
Den sechsten Sinn dagegen können Sie vergessen, paranormales Gedöns. Ich versuche z. B. seit Jahren die Lottozahlen der nächsten Ziehung zu antizipieren. Den Dreier von vor vier Wochen würde ich nicht als durchschlagenden Erfolg bezeichnen. Dann lieber Verstand schulen. Der hat mir auf Korfu zu einem zauberhaften Stranderlebnis verholfen. Auf einer Wanderung kam ich an einem abgesperrten Weg zu einer Bucht vorbei, Saisonende eben. Mein messerscharfer Verstand sagte mir: Da können keine Autos mehr zum Strand durch, das sind 10 Minuten zu Fuß, macht keine Sau, also wird es übersichtlich da sein. Und zwängte mich am Gitter vorbei, strandabwärts.

Es war leer, niemand, keine Menschenseele, ein wundervoller Nachmittag, dank eines messerscharfen, geschulten Verstandes.
11.11.2019 – Tröstliches in kalten Zeiten

Bergdorf auf Korfu. Tröstliche Bilder in kalten Zeiten.
Während der Live-Show zum Mauerfall-Jubiläum am Brandenburger Tor wurde ein hebräischer Schriftzug eingeblendet. Der forderte „Schluss mit der Besatzung“ (Israels in arabischen Gebieten). Das nimmt Bezug auf die antisemitische BDS-Kampagne, Details hier. Die Veranstalter sprachen von einem Versehen. Das ist so offensichtlich gelogen, dass es einem die Sprache verschlägt. Will der Veranstalter aller Welt weismachen, dass höchstbezahlten Profis bei einer der Megaveranstaltungen des Jahres mit einem Millionenetat ein derartiger Fehler in Unkenntnis der Zusammenhänge unterläuft?
Es handelt sich hier um einen ganz normalen Fall von Antisemitismus, bei dem mittlerweile jede*r, auch der dümmste Kulturveranstalter und davon gibt es sehr viele, davon ausgeht, dass er akzeptiert und für gut befunden wird. Anstatt einfach mal die Fresse zu halten, wenn man schon nicht den Anstand besitzt, aus Solidarität mit Israel einen Slogan einzublenden wie „Stoppt den faschistischen Hamas-Terror in Palästina“, fällt es immer wieder wahnhaft aus den Köpfen der Antisemiten. Sie haben den Juden den Holocaust eben nie verziehen. Und mit dem Faschismus will man es sich ja auch nicht verderben, mit dem kann man hier zukünftig noch gute Geschäfte machen.
Alle Jahre wieder taucht in der Jahresendzeit bei denen, die es sich leisten können, die Frage auf: Wem spende ich was? Die doitschen Tierheime freuen sich, rührt die hiesigen Insassen unseres Gemeinwesens und sonstige geistig und ethisch Andersbegabte nichts so sehr wie das Elend der heimischen Tierwelt und der Spendenfluss rauscht ohne Unterlass.
Sinnvoller ist sicher jenes: Ich spende seit längerem ausschließlich dem jüdischen Nationalfonds für konkrete Projekte, wie „Schutzbäume Gazastreifen“. Der jüdische Nationalfonds hat 2017 mit der Anpflanzung von Bäumen begonnen, um Hamas-Terroristen die Sicht für ihre Terrorangriffe zu nehmen. Nachdem sich Israel aus dem Gazastreifen zurückgezogen hatte, sind dort Raketenangriffe durch die Hamas, Heckenschützen und mit Brandsätzen versehene Drachen und Ballons, die die Ernten und Wälder in Israel bedrohen, an der Tagesordnung.
In den hiesigen Medien wird darüber nur dann berichtet, wenn Israel sich mit militärischen Mitteln dagegen zur Wehr setzt.
Wenn Sie, liebe Leserinnen, auch sinnvoll spenden möchten, können Sie das hier tun .
Natürlich hat dieser Akt der Spendensolidarität auch eine ganz eigene Motivation. Ich würde gerne mal eine Nachwuchsorganisation internationaler Christinnen durch eine solche Baumallee führen und ganz nebenbei den Satz fallen lassen: „Ganz nebenbei und es ist nicht weiter der Rede wert, aber diese Allee wurde mit meinen Spendenmitteln gepflanzt.“
Was lernen wir daraus? Misstrauen Sie allem, auch den altruistischsten Motiven.
Man kann ja einiges gegen Angehörige von Aber-Glaubensgemeinschaften wie Christen vorbringen, aber ihre vielfältige Solidarität mit Israel gehört zu ihren besseren Wesenszügen. Die Notwendigkeit dieser Solidarität nach jahrtausendelangem, christlich begründetem Antisemitismus begriffen zu haben, nötigt Respekt ab. Details hier im Artikel der Zeitschrift:
10.11.2019 – Ich und der Kandidat

Ich und der Kandidat. Heute ist in Hannover die Stichwahl zum Oberbürgermeister. Gewählt wird wahrscheinlich, wie sich das für eine ziemlich liberale Stadt gehört, der Kandidat der Grünen, Belit Onay (siehe Bild, bei einer Demo von notorisch Linksextremen zur Wohnungsnot Anfang November hier). Nach 300 Jahren Herrschaft der Sozis ist deren Kandidat noch nicht mal in die Stichwahl gekommen. Die nächste Stufe in dieser SPD Polit-Tragödie ist das flächendeckende Scheitern an der Fünfprozent-Hürde bei Wahlen, bevor ein rotes Leichentuch der Geschichte Schweigen und Vergessen über diese einstmals so stolze Partei deckt. Gruselig wird es, wenn Opportunisten, Hauptamtliche, Staatsbedienstete und die Vorfeldorganisationen der SPD (AWO z. B.) realisieren, dass mit dieser Partei kein Staat, sprich keine Karriere, mehr zu machen ist, keine Netzwerke zu knüpfen sind, keine Perspektiven sich ergeben. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Abwanderungsströme gestalten werden, wer geht zu den Grünen, zur CDU und welche Ratten verlassen das sinkende Schiff in Richtung AfD?
Ich habe Belit Onay gewählt. Normalerweise wähle ich die Linke, mit Bauchschmerzen und vor allem deshalb, weil die für jede Stimme Staatsknete kriegen, mit der sinnvolle Projekte finanziert werden kann. Zum Beispiel auch deren Rosa-Luxemburg-Stiftung, mit der ich seit Jahren gut zusammenarbeite. Mit der Heinrich-Böller-Stiftung der Grünen hab ich noch nie zusammen gearbeitet. Woran das wohl liegt…?
Nun also Belit Onay, weil es bei der Wahl weder um Kohle noch um sonst was geht. Nur um ein Signal „Erste Großstadt der BRD mit OB mit Migrationshintergrund“. Außerdem war er der einzige Kandidat, der das Gespräch mit der Landesarmutskonferenz gesucht hat. Und seine Vorstellungen zum Thema Wohnen sind ok.

Und er hat sich auf der Demo, siehe oben und hier, blicken lassen. Obendrein, und das ist der wirklich entscheidende Grund für meine Wahl, bin ich auf einem Foto mit ihm drauf.
Wäre ich zwanzig Jahre jünger, würde ich auch noch auf einen hochbezahlten Posten bei den Grünen spekulieren. Spätestens nach der nächsten Landtagswahl hier, wenn die Grünen den MP stellen werden. Staatssekretär, das wär was für mich, als Grüßaugust durchs Land reisen, wichtige Miene machen, von nix ne Ahnung haben und sich abends an den Büffets des Landes die Kante geben.
Gut, dass ich keine 20 Jahre jünger bin.
Sonnigen Start in die Woche, liebe Leserinnen, und mein Tipp für den Wahlausgang:
55,8 Prozent für Belit Onay.
09.11.2019 – 9. November

Schönheit überstrahlt Schrecken. Frisch erblühte Novemberrosen im Garten.
Und sonst? What’s left? Kriegte ich für jeden Beitrag, der über den 9. November, den angeblichen Schicksalstag der Doitschen, geschrieben wurde, einen Euro, könnte ich mir sofort ein stattliches Anwesen auf Korfu kaufen. Fall der Mauer, Hitlerputsch 1923, Pogromnacht 1938, Novemberrevolution 1919 etc. pp. Für mich alles Trauerspiele, oszillierend zwischen Grauen, Scheitern und Niederlagen.
Was die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg hier vergisst zu erwähnen bei der Aufzählung der Ereignisse eines 9. Novembers, ist das missglückte Bombenattentat der linksradikalen Tupamaros auf das jüdische Gemeindehaus in der Berliner Fasanenstr.
Ist der wahnhafte, mörderische Antisemitismus von einheimischen Faschisten und oder jener mit migrantischen Hintergrund noch mit einer amoralischen, aber logischen ideologischen Konsequenz verknüpft, haftet dem linken Antisemitismus eine zusätzliche pathologische Note an. Links sein gründet auf dem Anspruch der Gleichheit aller Menschen, gleich welchen Geschlechts, welcher Religion, „Rasse“ (ekliger Begriff), Klasse, Herkunft, sexuellen Orientierung etc. pp. Dieser inklusive Ansatz unterscheidet Links von Rechts fundamental und allein aus diesem, aber noch zahlreichen anderen guten, Grund ist die Totalitarismus Theorie auch heute das, was sie immer war: eine intellektuelle Bankrotterklärung.
Wie man als „Linker“ in Deutschland vor diesem Hintergrund gegen Juden bomben kann, überhaupt antisemitisch sich verhalten, hat nix mit Parteizugehörigkeit zu tun, sondern mit dem Schrei nach Einweisung in die Klappsmühle. Links sein heißt: antikapitalistisch, antinationalistisch, antirassistisch und feministisch (heute sagt man/frau wohl: divers) zu denken und zu handeln. Wer diese Standpunkte in der hiesigen Parteienlandschaft verorten will, wird eher nicht fündig. Wenn ich mir z. B. die Elendsgestalten im Umfeld der Linken angucke, die heute noch mit einem Palästinensertuch durch die Gegend torkeln, gruselts mich. Da braucht nur mal am Lack zu kratzen, dann lacht einen die hässliche Fratze des linken Antisemitismus an, bis in die Ebene der Funktionsträger*innen. Wenn ich mir solche antisemitischen Linken-Bundestagskrawallhennen wie Sevim Gagdelen, Ulla Jelpke und Inge Höger angucke, möchte ich am liebsten für die Abschaffung des Frauenwahlrechts plädieren und Mitglied der FDP werden.
Die leben und denken noch immer in Zeiten, als es noch fortschrittliche Fraktionen bei den Palästinensern gab, wo Frauen unverschleiert agieren konnten. Dass jenseits der Grenzen Israels im Nahen und weiteren Osten seit Jahren Hamas-Faschismus regiert und staatlich-zivilisatorische Ansätze in Barbarei untergehen, haben die Ladies (und ihre männlich-dämlichen Parteigenossen) nicht mitgekriegt. Klassisches Spießer-Verhalten: Veränderungsunwillig sich eingraben in Haltungen, Gedanken, Verhalten von früher. Die haben wahrscheinlich noch Fax-Geräte in ihren Büros.
Solche Leute machen es einem echt schwer, Linker zu bleiben. Was mich politisch bei der Stange hält, ist die Hoffnung, dass in 30 Jahren die Mauer wieder steht.
Die Hoffnung stirbt als letztes. Schönes Wochenende, liebe Leserinnen.
07.11.2019 – Wirsing trägt keine Früchte

Mein Graffiti des Tages. Wirsing trägt keine Früchte, eine luzide Botschaft, klar in der Aussage, voll tiefem Sin, aber ohne Ziel, sie mäandert im Hirn und versetzt die auf Effizienz und funktionale Logik getrimmten Ganglien in freie Schwingungen. Von hier ist es nicht mehr weit zur zentralen Frage aller Existenz, zu der Frage, die Kultur und Zivilisation erst möglich macht und über die das Kind zum Mann reift, zum Weibe auch: „Was soll das?“
Mir erleichterte der Wirsing im Vorbeiradln die Mühsal der Ebene des Alltags, geplagt von Erwerbsarbeit, Kartoffeleinkauf und der Frage: „Bin ich nur dauernd müde oder schon wieder urlaubsreif?“ Und das angesichts der Tatsache, dass mir vom letzten Urlaub immer noch der Sand aus den Schuhen, nein, nicht von Hawaii, sondern Korfu rieselt.
Das Zwischenhoch trug nicht lange. Ich verproviantierte mich für eine Reise in die Heimat meiner Altvorderen, ins Eichsfeld, woselbst ich die erste Sozialraumkonferenz moderieren soll.
Back to the roots, je älter man wird, desto mehr rührt einen die alte Scholle an, obwohl ich zum Begriff Heimat ein äußerst kritisches Verhältnis habe, ist er doch durch die fortschreitende Faschisierung unserer Gesellschaft hochgradig kontaminiert. In dem Moment, wo Heimat exklusiv konnotiert wird, alles Fremde ausschließt (was ist das überhaupt, das Fremde? Ist’s der Dönergeselle an der Ecke? Die schwarze Putzhilfe, die „illegal“ hier ist, und alle guten Stuben blank hält? Oder der Nazi Höcke, dem fremd ist der Gedanke an Aufklärung, Emanzipation? Ich denke letzterer, also raus damit. Aber wohin?), wo Heimat gar blutsbetont wird, ergreift mich Grusel und meine automatische Rechts-Schreibkorrektur interveniert auf: Highmat.
Lange Rede, kurzer Sinn:

beim Bäcker fiel mir das Lügenblatt von heute ins Auge, und der rationale Alltag hatte mich wieder. Das Lügenblatt ist insofern die Krone der Rationalität als es ein Interesse vertritt – das Interesse der Herrschenden, angesichts nahender Krise Sündenböcke zu suchen. Auf die der Rest-Mob dann einprügeln kann, damit er niemals, unter gar keinen Umständen darauf kommt, die Frage nach dem wahren Verantwortlichen von Krisen zu stellen: Dem Kapital.
Man muss nicht den Wirtschaftsteil lesen oder in eine Glaskugel gucken, was aufs Gleiche rausläuft. Um zu wissen, ob wieder Krise ist, muss man nur die Titelseite des Lügenblatts anschauen. Von Lesen kann hier keine Rede sein. In dem Moment, wo gegen Erwerbslose gehetzt wird, ist wieder Krise.
Ich aber beschloss, nein, nicht Politiker zu werden, sondern den nächsten Urlaub zu planen. Ich würde ja gerne sagen: Es wird mir zu bunt hier. Leider ist das Gegenteil der Fall.
Es wird zu braun. Schönen Resttag, liebe Leserinnen.