
IG Metall Mitgliederzeitung März 2026. Kernige Kumpels unter sich ….
Warum leben wir (respektive die Mehrheit der Gesellschaften in West- und Mitteleuropa) heute so, wie wir leben, mit politischen Rechten, ausreichender sozialer Absicherung, ordentlichen Arbeitsbedingungen? Unter anderem ist das ein Erfolg der Arbeiterbewegung. Sie entstand im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die soziale Not der Industrialisierung. Sie organisierte Lohnarbeiter in Gewerkschaften (wie der IG Metall), Parteien (wie der SPD) und Genossenschaften, um durch Klassensolidarität Arbeitsbedingungen, Löhne und politische Rechte (z.B. Achtstundentag) zu verbessern. Die Geschichte der Arbeiterbewegung erreichte ihren Höhepunkt und die größten Erfolge im Goldenen Zeitalter des Kapitalismus, in den 70ern des vorigen Jahrhunderts. Ihr folgender allmählicher Abstieg verwandelte sich in rapiden Absturz und Auflösung ihrer Utopien als Folge der Auflösung der sozialistischen Systemkonkurrenz im Osten 1989ff. Die neoliberale Variante des Kapitalismus trat ihren umfassenden globalen Siegeszug an und befindet sich aktuell, mit offenem Ausgang, in der Transformation zu einer postdemokratischen, faschistoiden Variante. Demokratie wird nicht mehr gebraucht und kommt auf den Müllhaufen der Geschichte
Als leere Hüllen der Arbeiterbewegung, als geschichtslose und entseelte Zombies, existieren heute noch unter anderem die IG Metall und die SPD. Ihr geisterhaftes Untoten-Dasein spiegelt sich im Bewusstsein und Verhalten ihrer Mitglieder wider, die scharenweise mit wehenden Fahnen, einstmals rot, jetzt braun, ins Lager des Klassenfeindes und dessen faschistischer Agenten wie der AfD überwechseln. Facharbeiter*innen wählen zu fast 40 Prozent AfD; die, die gar nicht mehr wählen, dürften noch schlimmer antidemokratisch gesinnt sein, und über die jämmerlichen SPD-Reste decken wir den Mantel des Vergessens….
Zwei aktuelle Ausprägungen dieser Zustandsbeschreibung:
Bei den Betriebsratswahlen bei Tesla in Brandenburg hat die IG Metall eine krachende Niederlage erlitten und ihre Mehrheit an die Unternehmenshörige Liste „Giga United“ verloren, die ausschließlich nach Elon Musks Pfeife tanzt.
Heute wird über die Abschaffung des Bürgergeldes im Bundestag abgestimmt. Statt Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft zu zeigen, macht die SPD widerstandslos bei dieser Schweinerei mit. Dagegen läuft ein internes Mitgliederbegehren, das 70.000 Unterschriften benötigt, um den Parteivorstand zu einer Neubefassung mit diesem Thema zu zwingen. Dieses Mitgliederbegehren hat Stand heute 2.900 Unterschriften, entspricht 0,89 Prozent aller Mitglieder. Die SPD hat, Stand heute, insgesamt 357.117 Mitglieder. In den Siebzigerjahren hatte die SPD über 1.000.000 Mitglieder. Es bleiben keine Fragen mehr, nur noch ein Wunsch: Die Mitgliedschaft der SPD möge so schnell wie irgend möglich auf jene aufrechten 2.900 schrumpfen.
Und was die Tesla-Wähler*innen jener IG Metall, deren Mitglied ich bin, angeht: Fahrt zur Hölle, Ihr Arschlöcher. Glaubt Ihr allen Ernstes, der Klassenfeind ginge Euch nicht an die Gurgel, wenn Ihr ihm die als Geste der Unterwerfung darbietet? Die Nummer funktioniert nur im Tierreich.
Und das alles ist erst der Anfang.











