
Map Icon, Karin Sander, 2020, Galerie im Körnerpark, Neukölln. Ausstellung „Architecture of hidden activity“. Das Google Maps-Zeichen als Leuchtschrift, das uns global an kulturelle und kommerzielle Tourismus-Orte führt. Digitale Indoktrination. Kunst einfach, aber einleuchtend.
Die Galerie im Körnerpark gehört zu jenen Kulturorten in Berlin, die ich quasi blind aufsuche. Wenn die Ausstellung mal nicht so erhellend ist, bleibt immer noch der malerische Park mit seiner Orangerie, ein Ort der Ruhe mitten im dröhnenden Neukölln. Orte wie diese werden zunehmend in den beginnenden Kulturkampf hineingezogen, ob sie wollen oder nicht. Sie sind von staatlicher Förderung abhängig. Deutschland hat ein weltweit einmaliges öffentliches Fördersystem für Kunst und Kultur und natürlich prägt die politische Ausrichtung unserer Gesellschaft auch die Kultur. Da können staatliche Stellen aufgeregt schnatternd die Unabhängigkeit der Kultur betonen, wie sie wollen. Je lauter, desto verdächtiger wird das Betonen.
Und so kann es auch nur ausgemachte Naivlinge erstaunen, wenn der derzeitige Kulturstaatsminister Weimer jetzt beginnt, dem derzeitigen gesellschaftlichen Rollback ins Konservativ-reaktionäre auch im Kulturbereich Gestalt zu geben und die Förderlandschaft umbaut. Mit im Boot Karin Prien, Bildungsministerin, die ganz klar die Fördermittel-Neuausrichtung damit begründet, dass bisherige Projekte zu sehr im linksliberalen Milieu angesiedelt sind.
CDU und AfD haben bereits jetzt auf den legislativen Ebenen laut Umfragen absolute Mehrheiten. Nimmt man die weiten reaktionären Teile der allerdings zunehmend marginalisierten SPD, Splitterparteien wie FDP, BSW und andere Spinnergruppierungen dazu, so wie die ca. 30 Prozent vermutlich radikalfaschistischen Nichtwähler, die bereits jetzt vom demokratischen Milieu nicht mehr erreichbar sind und höchstens mal AfD wählen, können wir davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft zu Zweidritteln aus kulturfernen Reaktionären, Faschisten, Verschwörungstheoretikern und im besten Fall aus Psychopathen besteht. Aus der Sicht von bürgerlicher Demokratietheorie, deren Legitimation auf dem formalen Mehrheitsprinzip beruht, ist es also vollkommen legitim, die Gesellschaft im Sinne dieser Mehrheiten umzubauen. Und das gilt natürlich auch für den Kulturbereich.
Wobei exclusiv in diesem Bereich hinzukommt: Der Mainstream dort ist nicht linksliberal, sondern alternativ-linksradikal. Und mehrheitlich antisemitisch. Und hier lohnt sich die genaue Lektüre des taz-Interviews oben mit Karin Prien: Künftig sollen mehr Projekte gegen Linksextremismus, Islamismus und Antisemitismus gefördert werden!
So beklagenswert auch die Neuausrichtung der Kultur im Rahmen des oben skizzierten Kulturkampfes auch sein mag: Dieser Aspekt der Ausrichtung gegen Linksextremismus, Islamismus und Antisemitismus ist uneingeschränkt zu begrüßen. Linker Antisemitismus hat derart um sich gegriffen, dass er für die Linke langsam zur Existenzfrage wird. Dieser Konflikt in der Linken zwischen der antisemitischen Fraktion der oft, aber nicht nur migrantischen Links-Jugend und den Vernunftorientierten älteren Genoss*innen ist nicht mehr zu moderieren. Das ist ein brutaler Machtkampf. Sowas kommt in der Realpolitik schon mal vor. Gregor Gysi sagt klar: „Diesen Machtkampf müssen wir jetzt zu Ende führen“ Bis das nicht geklärt wird, ist die Linke nicht mehr wählbar.
Den Begriff „Linksextremismus“ werde ich hier zukünftig vermeiden und stattdessen den des „Stalinismus“ verwenden, um den Begriff „Links“ zu dekontaminieren. Neben vielen unsäglichen Traditionen hat der Stalinismus auch eine antisemitische, passt also.
Die Kultur-Landschaft wird also derzeit umgebaut und dabei bleiben Projekte und Jobs auf der Strecke. Auch jenseits der anstehenden Kürzungen im soziokulturellen Bereich, um Kriege mitzufinanzieren.
So werden sich zukünftig Jobber*innen aus diversen (antisemitischen?) soziokulturellen und künstlerischen Projekten neu auf dem Arbeitsmarkt orientieren. In Richtung MacDonalds oder im Rahmen von Ein-Euro-Jobs beim Jobcenter. Wenn diese neue Lebens- und Berufserfahrung zu einer Neuorientierung der eigenen künstlerischen Praxis in Richtung proletarischer Kunst eines sozialistischen Realismus führt, wäre das nicht das Schlechteste. Wobei dieser Spielart des Realismus ja auch etwas Stalinistisches anhaftet.
Dilemmata, wohin man blickt.



















