
Dreisterne Restaurant Rutz , Berlin, neben zwei Hamburger Läden das einzige Dreisternerestaurant in Norddeutschland, von insgesamt elf bundesweit. 13 Gänge, die dort natürlich nicht Gänge heißen, sondern Inspirationen, kosten 360 Euro. Die 9-Glas-Weinbegleitung dazu 231 €. Mit Kaviar, Wasser, Kaffee, Digestif, Trinkgeld landen Sie da für zwei Personen locker bei 1500 Euro. Gern gesehene Gäste dort neben Geschäftsleuten, Feinschmeckern sind auch Politiker, die natürlich mit entsprechender Diskretion behandelt werden.
Ca. 1500 Euro ist das monatliche Nettoeinkommen von Verkäuferinnen im Einzelhandel, Pflegehilfskräften, Gastronomie- und Hotelangestellten, jeweils in Vollzeit. Die Armutsgrenze für Alleinlebende liegt in Deutschland bei ca. 1446 Euro.
Maßverhältnisse im deutschen Herbst.
Ich stand neulich plötzlich vor dem Rutz, nach einem Besuch im direkt gegenüberliegenden Neuen Berliner Kunstverein (freier Eintritt), in der sehr sehenswerten Ausstellung „Projektionen auf den Osten“. Es geht um unseren West-Blick auf den Osten, nicht nur die DDR. Empfehlenswert!
So sieht also dieser Gourmettempel aus, dachte ich. Ab und zu gehe ich mal etwas gehobener speisen, jenseits der Pizza in unserem Haus-Imbiss „Hades“, gelesen hatte ich natürlich auch schon vom Rutz, aber drin war ich noch nicht. Ich halte Sie auf dem Laufenden, wobei angesichts von 9 Gläsern Wein zum Essen (wer zum Teufel trinkt 9 Gläser Wein zum Essen?) die Bezeichnung „auf dem Saufenden“ eher angebracht wäre. Da ein Essen zu zweit dort aber locker den Kosten für zwei Wochen Korfu bei Nikos entspricht, inklusive Flug, Essen, Getränken (maximal 8 Gläser pro Abend!), Busfahrten, gehe ich davon aus, dass aus dem Rutz nix mehr wird in diesem Leben. Es sei denn …
Ob Lars Klingbeil oder Hubertus Heil, interne spd-Anrede „Genossen“, dort schon dinierten, entzieht sich meiner Kenntnis. 13 Gänge kriegen die locker verklappt, beide sind gewichtsmäßig in der Boxkategorie „Superschwergewicht“ angesiedelt. Politisch eher zwischen Fliegengewicht und Witzfigur.
Heil will jetzt den spd-Chef Klingbeil aus dem Amt mobben . Beide sind sich, wie sich das für Genossen gehört, in solidarischem Hass verbunden, gemäß der Steigerung „Gegner, Feind, Parteigenosse“. Nicht erst, nachdem Klingbeil bei seiner Machtübernahme Heil aus dem Amt gemobbt hatte.
Heil über seine Ambitionen: „Ich werde mich engagieren, wo ich gebraucht werde“. Mein Tipp: Ehrenamt in der Suppenküche. Damit Du mal siehst, was Deine spd-Agendapolitik angerichtet hat.
Interessant an diesen beiden Prototypen der untergehenden spd ist ihre Vita: Beide Zivildienst, beide Soziologiestudium, Heil Abschluss nach 11 Jahren, beide nach dem Studium weder Erwerbsarbeit noch Prekäres noch Arbeitslosigkeit noch sonstige Lebenserfahrung. Nur Parteiarbeit, bezahlt.
Für den Gang der Geschichte ist es von keinerlei Bedeutung, ob es nach dem Beef zwischen diesen beiden „Schwergewichten“ heißt: Sieg Heil. Die Bürgerpresse kann dann wieder ein paar bedeutungslose Kommentar-Zeilen dazu absondern, und irgendwann heisst es: Geräumige Immobilie in Kreuzberg umständehalber wegen Bankrott günstig abzugeben.
Dort, in der Wilhelmstr., liegt nämlich das Willy-Brandt-Haus, die Bundeszentrale der spd.
Umso bitterer, dass ich sowohl spd als auch Grünen in der Sache „Koalition mit der Linken in Berlin“ recht geben muss. Wenn die Berliner Linke ihr Antisemitismusproblem nicht radikal angeht und die führenden, vor allem Neuköllner, Antisemiten aus der Partei ausschließt, ist jede Koalition mit dieser Partei ein Gang über ein Minenfeld. Da kann jede Sekunde was hochgehen mit finaler Wirkung. Antisemitismus ist keine Ideologie, sondern Wahn und diese Irren in Neukölln und drumherum werden niemals Ruhe geben, keine Kompromisse eingehen, keinem Argument zugänglich sein. Wenn die Linke nicht sofort handelt, war es das mit einer „linken“ Mehrheit in Berlin. Es sei denn, Grüne und spd lassen sich mit einem Formelkompromiss abspeisen. Der wird ihnen zeitnah um die Ohren fliegen. Was da noch alles hochkochen wird, das sind keine Inspirationen aus dem Rutz.
Wie sagte doch Machiavelli: Grausamkeiten müssen stets am Anfang einer Herrschaft ausgeübt werden

















