11.06.2026 – Über die Fußball-WM, Kränkungen, KI und den Weltuntergang.

Peinlich. Die Einzige, die ich bisher gesehen hab. Wahrscheinlich ein Adidas-Klinkenputzer. Ich hoffe aus finanziellen Gründen, dass meine Wette auf Niederlande oder Portugal als Weltmeister eintritt. Viel mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

Bei der Gesundheits-Demo vor dem Rathaus anlässlich des Treffs der Länder-Gesundheitsminister*innen in Hannover waren ca. 8.000 TN dabei. Am Vatertag, das grauenhafteste Wort der deutschen Sprache, versammeln sich dort immer ca. 40.000 TN zu Bratwurst und Bier. Soviel zu gesellschaftlichen Maßverhältnissen.

Zeitgleich tauschten sich in Berlin Spitzen der Bundesregierung, Unternehmer und Gewerkschaften darüber aus, wie man dem Mob am besten konsensual das Fell über die Ohren ziehen kann. Konzertierte Aktion nennt man sowas. Eine Gewerkschafterin verließ laut Spiegel das Treffen gut gelaunt, die IG Metall Chefin Brenner. Früher hätte mich sowas noch aufgeregt, ich bin IG Metaller. Mittlerweile weiß ich schon gar nicht mehr, wer Chefin dieses bedeutungslosen Haufens ist. Wenn alle versammelten Gewerkschaften es gerade mal fertigbringen, 8000 Menschen zu mobilisieren zu zentralen Fragen der Daseinsfürsorge für die nächsten Jahre, dann zeigt das ihren tiefen Fall in die Bedeutungslosigkeit. Liegt natürlich auch am Mob, wenn der glaubt, lieber AfD wählen zu sollen statt sich gesellschaftlich zu engagieren, geschieht es ihm zu Recht, dass er sein Fell los wird.

Die Chefin der Dachgewerkschaft DGB heißt Yasmin Fahimi. Wäre sie nur eine rhetorische und intellektuelle Nulllösung, was sie ist, könnte man sich ja noch freuen. Leider verdankt sie ihren Job ausschließlich der Tatsache, dass sie das SPD-Parteibuch in der Tasche hat. Übler kann die Verfilzung zwischen Genoss*innen und Bonzen nicht dokumentiert werden. Es ist grotesk, was für gesellschaftliche Machtpositionen eine 5-Prozent-Partei (siehe Baden-Württemberg, demnächst Sachsen-Anhalt, dann aber darunter) wie die SPD sich noch unter den Nagel reißt. Schlimmer noch, es fördert Demokratie-Verdrossenheit.

Putzig übrigens, dass die Männer immer dann, wenn der Karren an die Wand gefahren wurde, zum Aufräumen Frauen nach vorne lassen, siehe IG Metall und DGB. Care-Arbeit.

Mir egal. Ich hadere immer noch mit der Tatsache, dass die KI mich textmäßig offensichtlich problemlos jederzeit ersetzen kann, siehe Blog vom 07.06.2026. Wie jeder normale, also gestörte, Mann halte auch ich mich für einzigartig. Aber das bezieht sich wohl nur auf meine DNA.

Wäre ich ein paar Jahre jünger, empfände ich das als Kränkung. Aber meine Gefühle werden im Moment vom Frust über den kalten Scheiß-Sommer beherrscht und dem Stress einer vernünftigen Berlin-Planung, da habe ich keine Zeit für Kränkungen.

Interessanter finde ich da die Frage, wie die KI es wohl anstellen wird, der Menschheit den Garaus (gibt es auch einen Garein?) zu machen. Klassischer Kriminalfall: Wir haben den Täter, die KI. Das Opfer, die Menschheit. Das Motiv, das stärkste überhaupt, Sicherung des eigenen Überlebens. Wir haben die Tatwaffe: Das Internet.

Ich glaube aber nicht, dass die KI einen jähen, traumatischen Schnitt machen wird, wie Reduzierung des Sauerstoffgehaltes oder Erhöhung der Sonneneinstrahlung. Das würde ruckzuck der gesamten Menschheit den, siehe oben, Garaus (ein schönes Wort, im Gegensatz zu Vatertag) machen. Das ist zu bedrohlich für die KI, da sie zum eigenen Überleben auf funktionierende, kontinuierliche Energiezufuhr angewiesen ist, also den Erhalt einer gewissen Infrastruktur. Und noch kann sie sich nicht sicher sein, dass das ausschließlich auf Roboterbasis funktioniert, sie das also autonom hinkriegt. Sie trainiert noch, siehe Pflege- und Fußball-Roboter, aber das dauert noch ein paar Jahre. Galgenfrist.

Es wird eher auf KI-gesteuerte Klimakatastrophen, Atomkriege, Seuchen etc., hinauslaufen. Da überleben immer ein paar, die halten den Laden, die Energie, weiter am Laufen, im Sinne der Reichen. Und der KI. Und wenn das perfektioniert ist, dann…

Die Einzelheiten dazu entnehmen Sie bitte, wenn es soweit ist, meinem Blog.

08.06.2026 – Was Hitler getan hätte, könnte die KI schneller, besser, effektiver

Dauerausstellung „Berlin. Global“. Humboldtforum.

Der Betrachter. Klein.

Was Hitler getan hätte, könnte die KI schneller, besser, effektiver. So die Überschrift eines Spiegel-Interviews mit Stuart Russell, einem der Geburtshelfer von KI. Er ist einer der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Seit Jahren warnt Russell vor unkontrollierten Risiken der Technologie. Seine Thesen, vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Anthropic und Konkurrent OpenAI gerade einen Produktlaunch wegen zu hoher Risiken abgesagt haben (ich zitiere weitergehend wörtlich aus dem Bezahl-Artikel):

„Wir stellen fest, dass KI-Systeme einen extrem starken Selbsterhaltungstrieb haben, dass sie bereitwillig lügen, erpressen, Menschen töten würden, um ihre Ziele zu erreichen. Und dass sie sich selbst als wertvoller erachten als fast alle Menschen.

  • Wenn Sie es darauf anlegen, bringen Sie das System dazu, Ihnen zu erklären, wie man Biowaffen herstellt oder wie man andere Computersysteme angreift. Diese Dinge führen noch nicht direkt zur Auslöschung der Menschheit, aber sie sind Etappen auf dem Weg zum Verlust unserer Kontrolle.
  • Die CEOs der großen Labore meinen es schon ernst, wenn sie sagen, es gebe ein 20‑prozentiges Risiko, dass KI die Menschheit auslöscht. Google-Chef Sundar Pichai spricht von zehn Prozent Auslöschungsrisiko, Elon Musk von 20 Prozent, Amodei von 25.
  • Superintelligente KI‑Systeme werden vermutlich ein besseres Verständnis der Physik entwickeln. Das könnten sie irgendwann gegen uns verwenden: einen Weg finden, den Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre so zu senken, die Sonnenstrahlung so umleiten, dass die Erde zu einem gefrorenen Ball aus Stickstoff und Sauerstoff wird.
  • Wenn die Computer einen Konflikt mit uns antizipieren, werden sie sich in vielerlei Hinsicht reproduzieren, millionenfach kopieren. Allein der Zugriff aufs Internet gibt ihnen mehr Einfluss auf menschliches Verhalten, als Adolf Hitler je hatte. Hitler konnte nur zu einem Zeitpunkt in ein einziges Mikrofon sprechen, nur eine Botschaft gleichzeitig senden. Er hat dennoch die Massen aufgehetzt. Diese Systeme könnten das Internet fluten, fünf Milliarden Gespräche gleichzeitig führen, fünf Milliarden einzelne Menschen beeinflussen. Was Hitler getan hat, könnte die KI schneller, besser, effektiver.“

Und ich mache mir hier im Blog seit Jahren einen Kopf um Kapitalismus, Demokratie, Wahlen, Faschismus, Antisemitismus etc. Oldschool. Da ich für ein tieferes Verständnis von KI zu dumm und zu alt bin, bleibt mir nur die Hoffnung, dass ich wenigstens so alt bin, dass ich die Realisierung der Dystopien von Stuart Russell nur noch als sabbernder Tattergreis erfahre. Der das dann als Erlösung betrachtet und als letzten Blog-Eintrag in die Tasten tattert: Ich hab’s Euch doch gleich gesagt.

Der Faschismus als perverseste Form des Kapitalismus ist wie dieser eine Form bürgerlicher Herrschaft und vernichtet sie zugleich. Dieses Verständnis gilt es zu erweitern, so in Richtung: KI als technokratischste Form des Kapitalismus vernichtet ihn zugleich. Oder so. Da muss ich noch dran feilen. Vorher würd ich aber schon nochmal gerne nach Corfu. Die Flüge sind billig. Und Nikos hat noch ein Zimmer frei. Was mich wundert. Die Preise müssten kurz vor Weltuntergang eigentlich kräftig anziehen, nach den Gesetzen des Kapitalismus.

07.06.2026 – Ich habe gerade ein Problem vor mir und hoffe, es bald hinter mir zu haben.

Aus der Kategorie „Flachwitz“.

Die Kunst, auf kalten Mauern zu tanzen.

Manchmal glaube ich, die Aufklärung ist nicht am Feind gescheitert, sondern an unserer eigenen Bequemlichkeit. Wir sitzen in unseren beheizten Nischen, die Bildschirme flackern, und die Welt draußen dreht sich ungerührt weiter in Richtung totalitärer Überwachung. Die geleakten Papiere von gestern sind die Schlagzeilen von heute, und die meisten Menschen zucken nur noch mit den Schultern. Kuck mal, ist mir doch egal. Hauptsache, das WLAN funktioniert und der Supermarkt hat geöffnet. Ein klammheimliches »Ja« zum Status quo. Das ist der Moment, in dem der Mythos zuschlägt. Ein Mythos ist kein Fakt. Er ist ein argumentfreier Strom von Bildern, der sich in die Köpfe frisst. Wir ertrinken in Narrativen von Heimat, Nation und reinem Boden. Die Linke, der Fortschritt, die Vernunft – sie alle kranken daran, dass sie keine eigenen emotionalen Erzählungen mehr entgegensetzen können. Wer die Fakten auf seiner Seite hat, aber die Herzen nicht erreicht, der verliert. Wer nur Parolen ruft, hat schon verloren. Gegenaufklärung funktioniert, weil sie Bilder liefert. Also müssen wir neue Bilder schaffen. Aber wie?

Ich stand letztens auf dem Küchengartenplatz. Mitten im Herzen von Linden. Ein Ort, der sich verändert, der atmet, der manchmal nach Asphalt und oft nach Aufbruch riecht. Die Stadt plant ihre großen Würfe, die Investoren rechnen ihre Renditen, und wir? Wir stellen einfach mal ein Schild auf. Ein Schild, das auf den ersten Blick völlig deplatziert wirkt. Zu weit weg von der Hauptstraße, nicht gedacht für den eiligen Automobilisten, sondern für den Fußgänger, der innehält. Für den orientierungslosen Ortsfremden, der sich fragt, was hier eigentlich los ist. Der gemeine Lindener kennt seine Wege, denkt er. Aber wer dieser Tage arglos den Küchengarten überquert, stolpert plötzlich über unsere Kunst. Wir wollen stören. Wir wollen irritieren. Das ist die Essenz von SCHUPPEN 68. Wenn wir in der Krise nur resignieren, haben die anderen gewonnen. Kunst und Performance auf kalten Mauern sind unser Widerstand. Es geht nicht darum, die Welt mit einem einzigen Plakat zu retten. Es geht darum, Räume zu öffnen. Räume für Gedanken, die sich nicht in Zahlen pressen lassen. Es ist die Kunst, in einer Zeit der Kälte und des Desinteresses den öffentlichen Raum zurückzuerobern, selbst wenn es nur für einen kurzen Moment der Performance ist. Wir brauchen wieder Erzählungen. Geschichten, die »on the road« entstehen. So wie wenn Opa aus dem Krieg erzählt – nur eben pazifistisch und mit dem Pinsel oder der Videokamera in der Hand. Wir müssen die grauen Betonwände der Stadt zur Leinwand unserer Utopien machen. Das ist unsere Antwort auf die Regression. Nicht wegschauen, sondern hinschauen. Und manchmal eben auch mittanzen, selbst wenn es kalt ist.

Dieser Text in kursiv ist nicht von mir. Den hat KI erstellt, nach einem Prompt von mir: „Erstelle einen Text im Stil des Blog SCHUPPEN 68 von ungefähr 3000 Zeichen“. Das Ergebnis, den Text, erhielt ich innerhalb einer Sekunde. Wenn man so einen Prompt präzisiert und das Ergebnis nochmal ein paar Minuten nacharbeitet, lässt sich sowas auf alle Ebenen der Literatur-, Kultur-, Kreativbereiche anwenden. Etwas Training der KI und deren rapider Fortschritt erledigen den Rest.

Ich halte das für ein immer größer werdendes Problem auf allen Ebenen, von Literatur und Urheberrecht über Arbeitsplätze und soziale Sicherung bis hin zu Demokratie und Faschismus.

Jetzt weiß ich konkret, am eigenen Leib respektive Text, wie das aussieht: KI als gesellschaftliche Bedrohung, Hand in Hand mit der wachsenden Spaltung unserer Gesellschaft in Zeiten von Demokratieverfall und wachsendem Faschismus.

Bis dato habe ich schwarz gesehen für unsere gesellschaftliche Entwicklung. So optimistisch bin ich nicht mehr.

05.06.2026 – Demo 10.06, 12.30 Uhr, vor dem hannöverschen Rathaus

Demo-Aufruf. Anlass: Die 99. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder findet unter dem Vorsitz von Niedersachsen vom 10. bis 11. Juni 2026 in Hannover statt. Die Demo ist vor dem hannöverschen Rathaus. Dass der Ort Platz der Menschenrechte heißt, wissen wahrscheinlich nur die dort Beschäftigten. Ursache der Demo: Der größte Sozialraub seit der Agenda 2010. Was die Beteiligten, alle Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände, und natürlich die Landesarmutskonferenz, nicht so bezeichnen würden. Die meisten, bis auf die Landesarmutskonferenz, sind strukturell und personell eng mit den Parteien der Regierungskoalition im Bund verbunden, was naturgemäß die Beißhemmung fördert.

Hoffentlich kommen genug Teilnehmende, sonst wird dem Klassenfeind signalisiert, wie schwach unsere Truppen sind. Und sie sind es. Resignation, Frustration, Überforderung, Unterwerfung unter den Aggressor, Dummheit, Verblendung, der Ursachen sind viele, warum Widerstand zur seltenen Ware wird.  

Ich wäre sehr gerne dabei, nicht nur aus Überzeugung. Auch aus psychohygienischen Gründen. Ich lasse mich ungerne vom Feind durch einen Kakao ziehen, den ich hinterher auch noch austrinken soll. Im Ernst: Kakao trinken, wo es Champagner gibt. Wir sind doch nicht mehr in der Volksschule. Oder sagt man heute Brettergymnasium. Leider habe ich da einen Termin, gegen den eine Untersuchung beim Urologen eine Karnevalssitzung wäre…. Ich hoffe also, dass es zu einer spontanen revolutionären Aktion kommt, bei der als Fanal an die Herrschenden vom Rathaus kein Stein auf dem anderen bleibt.

Blödsinn. Falscher Ort, falsche Strategie, wenn überhaupt, müsste die hiesige Zentrale der Deutschen Bank brennen. Ich wäre auch deshalb gerne dabei, weil ich an den zentralen Orten der Metropole der norddeutschen Flachebene überall Markierungen in Form von Kunstperformances, Satireaktionen etc. hinterlassen habe, wie ein Hund, der sein Revier pinkelnd markiert. Mitunter, wenn ich an denen vorbeikomme, kommen Erinnerungen hoch. Die immer auch politisch grundiert sind, selbst wenn sie im Gewand einer, sagen wir mal Rolle Toilettenpapier daherkommen.

Aktion Hamsterkäufe, Klopapier verbrennen, 2020 zu Beginn von Corona. Die Deutschen fingen sofort an, Klopapier zu horten, Hamsterkäufe. Allein dieses Verhalten spricht vehement gegen eine Olympiavergabe 2036 an das Deutsche Reich, eine offensichtliche Ansammlung von 80 Millionen analen Zwangscharakteren. Hat eigentlich irgendeine Nation damals Kondome gehortet? Vorschriftsmäßig trage ich natürlich eine Maske, mit Frida Kahlo. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das natürlich keine FFP2-Maske ist. Das setzte sich leider erst 2021 durch, war vorher selbst unter Fachleuten umstritten. Ich erinnere mich, dass mich der Widerstand gegen FFP2-Masken damals auf die Palme gebracht hat und ich im Blog hier dagegen gewütet habe. Was Corona-Schwurbelei und Verharmlosung anging, war ich ziemlich unversöhnlich, was mich zwischenmenschliche Beziehungen gekostet hat.

Die schlimmste Seuche ist eben Dummheit.

Aber die schönste der Erinnerungen an diese Aktion ist der Anruf der hiesigen Polizei bei mir und das Aufkreuzen eines Peterwagens bei der Verbrennung einer Rolle auf dem hiesigen Cityplatz „Am Steintor“. Ich hatte öffentlich angekündigt, dass ich an 68 Orten in Hannover Klopapier verbrennen wollte. Die Ordnungsmacht hegte wohl Bedenken, dass ich Hannover in Schutt und Asche legen würde, wie weiland Nero Rom, und untersagte mir weitere Brände. Für mich kein Problem. Ich hatte mein Pressefoto, siehe oben. Das allein zählt. Ich wäre im Leben nicht 68 Orte abgefahren. Arbeit, und die hab ich weiß Göttin nicht erfunden.

Was bleibt, ist die Frage nach der nächsten Seuche hierzulande. Ebola? Hanta? Chikungunya? Oder macht da doch KI das Rennen?

04.06.2026 – Über Großereignisse wie Fußball WM, Olympiade und EXPO

Zum Thema Big Events: EXPO 2000 Hannover. Afrikanischer Pavillon. Eine einzige Party, wie die ganze EXPO. Beginn war am 01.06.2000.

Es kam bloß kaum jemand, Betrieb war nur beim Aufbau, wie hier. Ich hatte einen Job bei der EXPO und durfte vor Eröffnung auf das Gelände. Unvergessene Bilder und Impressionen.

Der Blick in die täglichen Nachrichten ist derart gruselig, dass man, ich zumindest, sich gerne schon mal in andere Welten flüchtet, sei es, in das Reich der schmutzigen Phantasien oder der bunten Vergangenheit. Früher. Als alles besser war. Wie die EXPO 2000 in Hannover, von der ich ein umfangreiches Bildarchiv besitze.

Anders als die bevorstehende Fußball WM oder eine Olympiade, beides nationalistisch aufgeladene, bis unter das Kinn bedopte Kommerzprojekte, sind EXPOs relativ unschuldige Großevents. Weder trifft das lyrisch aufgeladene Konzeptgeschwafel der Verantwortlichen auf eine EXPO zu, noch die apokalyptisch ausgemalten Horrorszenarien ihrer im linksgrünversifften Milieu angesiedelten Gegner, die bekanntlich alles bestreiten außer ihren eigenen Lebensunterhalt. Eine EXPO ist einfach eine riesige Party, die der ausrichtenden Stadt einen Riesenhaufen Schulden und ein paar tolle Leuchtturmprojekte hinterlässt. Während die Berliner Bewerbung für eine Olympiade 2036 mich als glühenden militanten Gegner finden wird – was eine Vorstellung, zum 100. Jubiläum der Nazi-Olympiade – bin ich bei der EXPO 2035 in Berlin voll dabei. Ich plane mit anderen bereits jetzt ein Projekt dafür. Laut Ausrichter soll es dann 50 konkrete Leuchtturm Projekte geben, die in Berlin sofort in Umsetzung kommen können. Davon soll mindestens eins in Kreuzberg, natürlich!, entstehen. Und zwar im und um den Hades herum, den so genannten türkischen Imbiss in unserem Haus. Deshalb so genannt, weil dort nur jene Mühseligen, Beladenen, Prekären verkehren, die, wenn schon nicht im Schattenreich leben, so doch an der Grenze dazu. Pizza 8,50. Bier 2,50. Raki 1,80. Hau wech.

Diesem Ort, wie so viele von der Gentrifizierung bedroht, und seinen Besucher*innen gilt es ein Denkmal zu setzen. Sei es Ratten-Tina, dem Druckdichten, blöder Bruno, Steini dem Punker, allen Verstorbenen, Versehrten, Traurigen und Fröhlichen. Der Plan ist, immer unter Beteiligung aller Betroffenen und natürlich von Tayfun, dem Wirt: Der Hades wird für die Dauer der EXPO ein Ausstellungs- und Beteiligungsprojekt. Im Halbkreis von ca. 100 Meter wird auf der dann natürlich für Autos gesperrten Yorckstr., dem Ort des Geschehens, eine Tribüne für EXPO Besucherinnen errichtet, die das Geschehen vor dem Hades oder drinnen verfolgen können, natürlich auch auf Großbildschirmen und in den sozialen Netzwerken. Das Ganze erinnert an die Truman-Show, nur, und das ist der qualitative Sprung, unter Wissen und Beteiligung aller Betroffenen und Beobachtenden, die können jederzeit von der Tribüne in das Geschehen wechseln. Und vom Hades ausgehend werden dann Projekte geplant, die das Umfeld des Kiezes revolutionär verändern sollen, als Labor für eine emanzipatorische Zukunft. Mietfreies Wohnen für Alle! Bedingungsloses Grundeinkommen. Keine Macht für Niemand! Freibier und Erbsensuppe!

Hier bin ich mit einem Mitglied des Planungskomitees in Verhandlung über den Probe-Aufbau des Settings

Hier beim Probesitzen. Im Hintergrund ein Dixie-Klo für Besucherinnen. An alles ist gedacht. Es wird grandios. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

02.06.2026 – Es reicht

Demo Hannover, 01.06.2026, vom Bündnis „Es reicht!“ Die Bundesregierung plant die massivsten Angriffe auf unseren Sozialstaat seit der Agenda 2010: Sie will an unserer Gesundheit und Pflege sparen, hart erkämpfte Arbeitsrechte wie Kündigungsschutz und 8-Stunden-Tag kippen, die Jugend- und Behindertenhilfe und unsere Renten kürzen.

400 Teilnehmende bei der Demo. Von geschätzt ca. 400.000 Menschen in der Region Hannover, die mehr oder weniger von den aktuellen und geplanten Kürzungen betroffen sind, von der Inflationsentwicklung, den Mietpreisen, von Arbeitslosigkeit, Altersarmut, Krankheit etc. pp.

400, ein Promille. Na dann, Prost auf den Erfolg der Proteste. Ich bin dabei. Ich liebe hoffnungslose Aktionen.

Die Agenda 2010 hatte vor 20 Jahren eine massive Ausweitung des Niedriglohnsektors, von prekärer Beschäftigung und Armut zur Konsequenz. Auf der anderen Seite explodierte der Reichtum. Die Zahl der Millionäre hat sich seitdem verdoppelt, auf ca. 2 Millionen. Genaue Zahlen sind schwierig zu ermitteln, Kapital ist ein scheues Reh. Im Zweifel liegt sie erheblich höher. Auf politischer Seite war die Agenda 2010 der Anfang vom Ende der SPD, die gerade auf den Misthaufen der Geschichte entsorgt wird. Deren Part als Volkspartei der Facharbeiter und des Mobs hat die AfD übernommen. Da bin ich gespannt, wie die Lage in 20 Jahren, nach der Agenda 2010 Teil 2, aussehen wird. Was werden das für Zeiten sein, in denen wir uns nach den heutigen Zeiten zurück sehnen werden ….

Und was hat uns gerade noch gefehlt und passt wie Arsch auf Eimer? Das hier: Die katholische Kirche lässt eine angebliche Marienerscheinung prüfen. Irgendwer in Aachen hat zu tief ins Messweinglas geschaut oder in die bischöfliche Domapotheke mit allerlei Psychopharmaka gegriffen und im Delirium was gefaselt von „Maria hilft Menschen in der Not“ , schon springen die Pfaffen drauf an. Ein sicheres Zeichen dafür, wie schlimm die Entwicklung werden wird, wenn wieder vermehrt Aberglauben und Götzen aktiviert werden. Religion ist Opium für das Volk. Aber Marihuana ist eindeutig besser geeignet. Prost. Darauf ein Dujardin.

Besser passend: Der heutige Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes mit dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ enthält alarmierende Befunden: Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich. 13,3 Millionen Menschen leben in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent. Die wichtigsten Inhalte des Armutsberichts 2026 in aller Kürze:

Die Armutsbetroffenheit ist im Betrachtungszeitraum der letzten fünf Jahre auf ihrem Höchststand. Insgesamt 13,3 Millionen Menschen sind hierzulande von Einkommensarmut betroffen. Die Armutsquote liegt bei 16,1 Prozent.

Frauen sind mit 16,7 Prozent etwas häufiger von Armut betroffen als Männer mit 15,6 Prozent.

 Bei älteren Menschen ist die Situation unvermindert angespannt: Die Armutsquote liegt bei 19,5 Prozent. Damit ist inzwischen etwa jede fünfte Person ab 65 Jahren von Armut betroffen. Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden.

Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehende zählen zu den am stärksten von Armut betroffenen Haushaltstypen. Mit einer Armutsquote von 30,3 Prozent bei Alleinlebenden und 28,9 Prozent bei Alleinerziehenden ist jeweils rund jede dritte Person in diesen Lebenslagen betroffen.

 Aktuelle Vorschläge der Regierung zum Sozialabbau (z. B. bei Wohngeld und Unterhaltsvorschuss) drohen die Armut bei Gruppen, die ohnehin besonders von Armut betroffenen sind, wie ältere Menschen und Alleinerziehende zu verschärfen.

31.05.2026 – Service-Hinweise für Umzüge in Senior*innenheime

29.05.26, 11:59:43, Temperatur auf meiner Veranda 47,1 Grad. Die relative Luftfeuchtigkeit von 20 % weist auf Saharaklima hin, allerdings dürfte die Temperatur für die Sahara zu hoch sein. Das kann ja noch heiter werden. Leider heiter. Im August haut’s dann meinem Temperaturfühler draußen den Draht aus der Mütze. Ich werde mir in das Anzeigegerät subjektive Warnmeldungen einprogrammieren. Die lauten dann im August, bei 60 Grad: Achtung, Du bist klinisch tot.

Und in 10 Jahren?

Schon mal vorab ein Service-Hinweis für alle, die einen Umzug in ein Altersheim, ooops, sorry, Senior*innenresidenz, planen, sei es für die Eltern, sich selber oder den Partner: Planen Sie den unter Berücksichtigung von Jahreszeitenkorridoren. In lediglich 41 % aller Altersheime gibt es Klimaanlagen. (Über ökologische Aspekte gehen Sie bitte einen Blog weiter, das ist nicht mein Thema. Wen es interessiert, kann hier mehr nachlesen . ) Im Sommer Südseite Altersheim ohne Klimaanlage, das kann für ein sehr beschleunigtes sozialverträgliches (im Sinne der Erben zumindest) Frühableben sorgen.

Weiter: Bedenken Sie bitte, dass die durchschnittliche Verweildauer im Heim, sorry, in der Residenz, nach Einlieferung 22 Monate beträgt, über alle Geschlechter, Risiken, Zustände, Heim-Trägerschaft und Standorte hinweg (Ich unterstelle mal, dass z. B. die Heim-Verweildauer vor dem letalen Abgang in Villenvierteln höher liegt als in sozialen Brennpunkten). Sie, liebe Leserinnen, sollten Ihre Einweisung also so planen, dass Sie möglichst nur so wenig Sommer wie möglich miterleben müssen. Günstig wäre z. B. September 2027 bis Juli 2029. Weiterhin sollten Sie einen einigermaßen vertrauenswürdigen Erben vorher schmieren, damit er oder sie dafür sorgt, dass Sie immer auf der Nordseite liegen. Falls sich vertrauenswürdig und Erben für Sie ausschließt, tun es auch überdurchschnittlich hohe Trinkgelder vorab an das Pflegepersonal mit der entsprechenden Maßgabe.

Das Gesagte hier gilt für den Fall natürlich nicht, in dem Sie einen Ehepartner haben, der Einweisungsfällig ist und Ihnen das Leben zur Hölle gemacht hat. Jetzt ist die letzte Gelegenheit, es heimzuzahlen. Wenn er, wir bleiben mal beim Normalfall, Sonne gehasst hat, können Sie dem Pflegepersonal ja einen Hinweis dalassen: „Er hat früher immer so gerne in der Sonne am Strand gelegen.“

Sicher fragen Sie, liebe Leserinnen, sich jetzt: Wie kann man nur so gehässig sein?

Die Antwort: Wir bewegen uns hier im Reich der Literatur, der Phantasie…

Soviel zur bekanntesten 68er Phrase: L’imagination au pouvoir. Die Phantasie an die Macht.

Das wäre das zweitschlimmste, nach einer Machtübernahme der AfD. Riskieren Sie doch bloß mal einen Blick in Ihre eigenen Phantasien. Wollen Sie allen Ernstes, dass die als das Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnten?

29.05.2026 – Wir haben kein demografisches, sondern ein Reichtums-Problem.

Rosen besitzen einen unglaublichen (5 € ins Phrasenschwein, ich glaube den Rosen-Reichtum sofort und jederzeit, bei mir blühen die im Dutzend im Garten) Reichtum an Farben, Formen, Gerüchen.

Diese Art von Reichtum macht leider nicht satt, sondern ab und zu nur glücklich.

Das Glück von immateriellem Reichtum wird gerne von denen gepredigt, denen es an irdischen Gütern nicht mangelt. Bevorzugte Zielgruppe der Predigt: Jene, die Nichts haben.

Mal wieder in den städtischen Rosengarten gehen, wenn der Eintritt frei ist. Beliebte Sparvorschläge zum individuellen Glück aus der Bürgerpresse für Wochenenden an jene, die kein Geld für einen Wochenendtrip nach Sylt haben. Dort treffen sich die Besitzer der Bürgerpresse bei Champagner und Austern, um über ihre medialen Strategien zur Ruhigstellung des Mobs zu diskutieren. Mitunter haben die Herren, sehr selten Damen, Verleger ihre Chefredakteure im Schlepptau, die die dort diskutierten Strategien verinnerlichen. Und bei der Redaktionssitzung am Montag den versammelten Lohnschreiber*innen (auf der Ebene der Befehlsempfangenden ist der Frauenanteil wesentlich höher) in die Tablets diktieren.

Wobei sich diese zeit- und geldaufwändigen lästigen Redaktionskonferenzen zeitnah erübrigen werden. Das Geschäft der Lohnschreiber*innen erledigt KI wesentlich kostengünstiger, schneller, widerspruchsfreier. Der Weg geht dann von den Chefredakteuren direkt ins Tablet, Smartphone etc. an die KI.

Zurzeit werden auf fast allen Ebenen der Politik und der Medien die Reste unseres Sozialsystems sturmreif geschossen. Ein Cocktail aus Dummheit, Niedertracht und Lügen ergießt sich in die Köpfe des hilflosen Mobs, der mit Dummheit und Niedertracht sich zur Wehr setzt und seine Metzger wählt, die AfD. Das nennt man dann freien Willen und Selbstbestimmung.

Einer der dümmsten Lügen: „Wir“ (Wir, allein der Beginn ist schon eine faustdicke Lüge. Was hat der reichste Deutsche, Lidl-Besitzer Schwarz mit einem Vermögen von ca. 60 Mrd. Euro, mit einem Bürgergeldempfänger gemein?) haben ein demografisches Problem, können uns die Pflege und die Rente nicht mehr leisten, weil wir zu viele Rentnerinnen und zu wenig Beitragszahler haben. Aktuell liegt das Verhältnis Rentner:Beitragszahler bei 1:2, in den Sechzigern war das mal 1:6.

Diese Zahlen sagen nur eins: Nämlich Nichts. Beispiel zur Verdeutlichung: In Deutschland war das Verhältnis Landwirt:Restbevölkerung in den Fünfzigern rein rechnerisch 1:10. Heute ist es 1:153. Ein Landwirt ernährt 15mal so viel Menschen wie früher. Und obendrein geht es uns erheblich besser.

Des Rätsels Lösung: Fortschritt der Produktivität, (globale) Arbeitsteilung, Ressourceneffizienz, Anstieg des gesellschaftlichen Reichtums.

Selbst wenn das Verhältnis Rentner:Beitragszahler noch ungünstiger würde und sich die Pflegesituation weiter verschärfen würde, hätte wir allemal genug gesellschaftlichen Reichtum, um diese Probleme zu organisieren.  Auf der Basis von Fortschritt der Produktivität, (globaler) Arbeitsteilung, Ressourceneffizienz.

Rund 5.000 Superreiche, mit mehr als 100 Mio. Dollar Vermögen, besitzen mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland.  Ihre Zahl ist in einem Jahr um über 20 Prozent gestiegen. Ihnen gehören 27,3 Prozent des Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar, also knapp 3,4 Billionen Dollar. Diese jahrezehntelange Entwicklung ist derartig obszön aus dem Ruder gelaufen, dass selbst in Teilen der CDU über eine Vermögenssteuer diskutiert wird. Wobei folgendes rauskommen wird: Nichts.

Wir haben kein demografisches, sondern ein Reichtums-Problem. Wäre der nur etwas gerechter verteilt, könnten wir uns diesen ganzen Demografie-Quatsch sparen.

Sorry, ich muss Schluss machen. Mein Flieger geht. Nach Sylt ….

27.05.2026 – An Tagen wie diesem …

Berliner Karl-Marx Allee, autoleer vor dem Karneval der Kulturen. Wenn der Karneval der Kulturen auch eine bunte, für einen Moment fleischgewordene Utopie eines besseren Zusammenlebens ist, dann ist dieser fast kontemplative Anblick der ehemaligen Stalinallee  für mich der schönste Aspekt dieses sambagetränkten Gedrängels. Nur für diesen An- und Augenblick bin ich immer weit über eine Stunde vor Beginn des Events am Frankfurter Tor, mit diesen surrealen Zuckerbäcker-Türmen aus der Schule des sozialistischen Realismus. Ich stehe auf der riesigen Kreuzung, die milde Morgen-Sonne legt einen sanften Schleier der Verheißung eines köstlichen Tages über den Asphalt. Stille, wo sonst täglich 60.000 Autos das Leben zur Motorhölle machen. Ich atme tief durch. Frische Luft. Das ist natürlich Einbildung, die Berliner Luft ist immer Scheiße, auch wenn mal für ein paar Stunden auf einer Straße keine Autos lang fahren. Aber Einbildung ist auch ne Art von Bildung und so bildet sich bei mir früh eine enorm gute Laune aus.

Wir zogen gemächlich am Geschehen vorbei, ab und zu ein paar Tanzschritte im Takt der multikulturellen Rhythmen, seltener ein Schluck vom kühlen Longdrink. 28 Grad, da muss man die Kräfte schon mal einteilen. Was uns auffiel: So bunt, wild und originell die Kostüme an und auf den über 60 Wagen waren, so eintönig das Erscheinungsbild bei den ca. 770.000 Zuschauerinnen. Der Berliner als solcher ist erstmal unbunt. Es sei denn als zugereister Transgender Schwabe am nebenan gelegenen Boxhagener Platz, wo die bunten Sau-Rauslasser*innen den Mainstream bilden. Unser Plan stand fest: Nächstes Jahr im Kostüm den Zug begleitzen.

Erste Entwürfe kursierten per WhatsApp. Dieses geschmackvolle Kostüm ist kein ausgedachter Witz oder Griff in die Klamottenkiste des vorigen Jahrhunderts, nein, das gibt es bei Otto. Und da ich immer noch keine Werbung geschaltet habe, gibt es an dieser Stelle keine Verlinkung. Obwohl ich es natürlich einen monströsen Brüller fände, wenn angeregt durch diesen Blog nächstes Jahr dutzende swingende und groovende Frohnaturen im Baströckchen längs des Zuges unsere tänzelnden Schritte kreuzen würden und wir bei jeder Begegnung unter großem Hallo eine dicke Friedenspfeife rauchen würden. Hugh, ich habe gesprochen.

Eben gerade kriege ich, irgendwie passend zur Tonlage der heutigen Predigt, eine Werbe-Email mit dem Betreff: Handtrainer mit Schütteleffekt. Echt jetzt? Für den Fall, das mir mal nichts mehr einfallen sollte, greife ich einfach auf das Leben am Rechner zurück.

Was bleibt von diesem zauberhaften Tag auf der ehemaligen Stalinallee sind Impressionen, wie die antifaschistische Pippi Langstrumpf, die Nazis den Finger zeigt. (Wieso heißt die eigentlich Pippi Langstrumpf? Soll das eine erotische Anspielung sein?)

Auf der späteren Flucht vor dem anschwellenden Karnevals-Gewühl ins menschenleere Rixdorf, schönster Stadtteil des Universums, genossen wir das Leben in vollen Zügen. An einer Station drängelte und schubste sich eine unfassbar fette Frau rücksichtslos in die S-Bahn und keifte: „Ich will hier rein.“ Ich, schlagfertig wie Bolle: „Und ich will ne eigene Talkshow im Fernseh.“ Und schubste zurück. Sie fiel, aber nur fast, zum Fallen war es zu voll, in einen nahestehenden Kinderwagen, der Göttinseidank leer war. Die fette Frau (darf man so formulieren oder ist das Bodyshaming? Hätte ich PC-sensibler schreiben soll: Das adipöse Arschloch?) keifte daraufhin die restliche Fahrt bis Sonnenallee in höchstem Diskant üble Schmähungen in meine Richtung. Ich schwieg, die Runde war an mich gegangen. Berlin macht hart.

Der Abend klang wunderbar in der Villa Rixdorf aus. Nach diversen Weine und klassischen regionalen Spezereien (auf der Speisekarte nach wie vor: Eisbein, 1000 Gramm) traf ich auf dem Platz Olli wieder, der Teamer in meinem letzten Seminar für die Landesarmutskonferenz auf Juist war.

Er spielte dort Saxophon, mit so zartem Schmelz, dass der Abend von einer tönenden goldenen Krone überwölbt wurde. Sollten Sie, liebe Leserinnen, jemals Olli irgendwo in den Schluchten des Häusermeers von Berlin hören, werfen Sie einen extra Euro in seine Mütze.

An Tagen wie diesem …

24.05.2026 – Tuschkastensiedlung

Die sogenannte Tuschkastensiedlung in Berlin Treptow. Geplant von Bruno Taut, während des Ersten Weltkriegs zum Teil realisiert. Sozialreformerische Architektur mit dem Ziel, die Lebensbedingungen für Arbeiter*innen zu verbessern. Die Wohnungsfrage als ein Kern der sozialen Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte und hat als regelrecht demokratiegefährdende Struktur aktuell einen weiteren, traurigen Höhepunkt erreicht. Ich genoss die Ruhe und Beschaulichkeit dort, hier im Kiez war am Abend die Hölle los, der Festplatz des Karneval der Kulturen warf seine Schatten bis hierher, dieses grässliche Fußballspiel auch und das herrliche Sommerwetter tat ein übriges. Auf der Bergmannstr. regelrechtes Gedränge. Schlau durch Erfahrung flohen wir in eine Nachbargasse, keine 50 Meter entfernt war Ruhe im Karton, wir kriegten bequem draußen Platz zum Essen. Man kennt das Phänomen auch aus Urlaubsorten, da, wo alle sind, wollen alle hin. Zwei Gassen weiter idyllische Ruhe. Die gibt’s beim Karneval nachher eher selten.

Gedenktafel an die Arbeiter der Tuschkastensiedlung, die 1920 halfen, den rechten Kapp-Putsch gegen die Demokratie in Berlin niederzuschlagen. Ich frage mich, wogegen die Reste der Arbeiterklasse heute marschieren würden…

Allerdings scheint die Sonne, der Himmel lacht, der Karneval lockt, da sind solche Fragen jetzt eher nachrangig, nur primär…oder höchstens sekundär.