
Sandgrube im Grunewald. Berlin ist auf Sand gebaut. Märkische Streusandbüchse. Wenn man auf der Talsohle der Grube steht, in der prallen Tagessonne auf dem heißen Sand, raubt einem die Hitze den Atem. Da sind schnell 50 Grad und mehr. Kein Lufthauch und Stille. Stille in Berlin, allein das ist eine transzendente Erfahrung. Manchmal stehe ich da, atme den Moment tief ein und warte auf die trägen Gedanken, die die Wärme langsam aufquellen lässt. Früher bin ich die ganze Strecke von Kreuzberg bis in den Grunewald, zum dortigen Badesee, noch komplett geradelt. Über den Kudamm, ohne Radweg. Ein Himmelfahrtskommando, bei den Rasern und Posern da. Jetzt packe ich mein Klappi in die S 7 bis Grunewald, radele den Rest durch dunklen Tann, vorbei an der Sandkuhle, mit ihren Ringelnattern, Smaragdeidechsen und Moorfröschen. In der S-Bahn verblöde ich mitunter wie andere Normalwesen auch über dem Smartphone, Umfragen checken zum Beispiel. Die letzten Werte haben mir dann doch den Draht aus der Mütze gehauen. In Berlin ist jetzt die AfD die Umfragestärkste Partei. . Zwar haben die Nazis da keine Machtoption, aber bitter ist diese Momentaufnahme schon. Auch aus historischen Gründen. Berlin war immer rot. Bei der letzten freien Wahl der Weimarer Republik im November 1932 erzielte die KPD hier 37,7 Prozent. Die Arbeiterverräter von der SPD immerhin 23,8 %. Die NSDAP erzielte nur 22,5 %, gegenüber 33,1 % im Reich.
Viel gravierender ist die aktuelle Umfrage für Sachsen-Anhalt. Hier hängen die demokratischen Parteien an einem seidenen Faden von ein paar Hundert Stimmen. Die SPD steht bei 5 Prozent, ein paar Hundert Stimmen weniger, sie fliegt aus dem Landtag und die AfD erzielt mit ihren 41 Prozent eine deutliche absolute Mehrheit der Mandate.
Da braucht’s keine Brandmauer mehr, das kriegen die Nazis schon alleine hin. Nach den Äußerungen führender Reaktionär-Christen der letzten Zeit ist die Brandmauer eh zur Sandmauer geschrumpft, zerbröselt. Die Berliner Republik, auf Sand gebaut. Flache Natursymbolik. Eigentlich eher was für journalistische Tiefflieger wie „Spiegel“. Der vermeldet gerade, dass die Bürgerrepublik langsam, viel zu spät, aus ihrem Demokratie-Winterschlaf erwacht, weil die Nazis immer lauter brüllen „Deutschland, erwache!“ , und die AfD verbieten will. Viel zu spät, lächerlich und kontraproduktiv. Weil bei der Diskussion natürlich viele Schwankende sagen: Jetzt erst rechts. Und ihr Haken-Kreuz beim Zweitoriginal machen.
Es ist eben ein Kreuz mit den Bürgerlichen. Als ob Dummheit alleine nicht reicht, haben sie obendrein aus der Geschichte Nichts gelernt. Jetzt ist es an der Zeit, demokratische Militanz an den Tag zu legen. Und was macht das ZDF? Verbietet die Ausstrahlung eines vermeintlich linksradikalen Songs von Igor Levitt und Danger Dan. Und bei den Protesten gegen den AfD-Parteitag neulich hob die Bürgerpresse unisono mahnend den Zeigefinger: Demonstrieren ja, blockieren nein. Dem halte ich 1. einen anderen als den Zeigefinger entgegen und 2. es lieber mit den MC 5: Kick out the jams, Motherfuckers. . DerSong liegt über 50 Jahre zurück, während zwischen seiner Veröffentlichung und den oben zitierten Wahlen nur 36 Jahre liegen. Irgendwie gruselig, dadurch rückt Historisches näher, wird vom verwaschenen Schwarzweiß-Bild zu einer realen Folie.
Lassen wir die Natur ihren Kommentar dazu abgeben

Sonnenblume Goldener Neger in meinem Garten, nach dem Hagelunwetter letzte Woche. Die riesigen Hagelkörner haben die Pflanzenblätter regelrecht durchschossen, wie Schrotkugeln. Sieht aus wie ne Halloweenmaske. Gruselig. Und das ist erst der Anfang…
Aber rausgehen immer mit einem Brüller. Daher hier die Tagesschau vom 23.07.2026, bei 3.16, sagt die Sprecherin statt „Kabinettsumbildung“: „Kabinettsumblödung“.
Made my day!
























