
Ausstellung in der Staatsbibliothek, Unter den Linden. Bis Dezember.
Der Mitbewohner will aufs Land. Mit Tieren, einer Katze, Papagei, Gemüse anbauen…. Berlin stinkt ihm, sagt er, laut, dreckig. Das stimmt, pflichte ich ihm bei. Und wenn es hier heiss ist, ist es gleich 5 Grad heißer als in der Provinz, in Hannover. Und bei uns im Betonmoloch Kreuzberg ist es gleich nochmal 5 Grad heißer.
Ich will nicht aufs Land, es ist schrecklich da, lauter kulturferne Idioten, die Dialekt sprechen. Ich hasse Dialekte. Früher galten die als fortschrittlich, vielfältig, regional. Grauenhaft, dieses unverständliche Gestammel. Aber 30 Grad in Berlin ist auch kein Vergnügen. Und demnächst über 40 Grad, Tendenz 45 Grad, hat der Wetterfrosch Kachelmann gerade im DLF Radio gesagt. In Hannover, im Garten, hat es gestern das Dach des Gewächshauses zertrümmert, aus Plexiglas. Riesige Hagelkörner. Der Nachbar hat ein Video geschickt vom Unwetter, gegen das die Apokalypse wirkt wie ein Kindergeburtstag . Dauernd treten Ereignisse ein, die es so noch nie gab. Die Welt aus den Fugen.
Der Mitbewohner, den die Kriegsdienstverweigerung vor Jahrzehnten nach Berlin verschlagen hat, sagt, dieses Gefühl von Freiheit, das er jedesmal beim Ankommen in Berlin verspürt, hat er nirgendwo sonst, auch nicht in seiner Zweitheimat Griechenland. Wenn ich mit dem Zug in Spandau einrolle, atme ich immer durch. Endlich, denke ich dann. Berlin, der Rhythmus, es liegt ein Glücksversprechen in der Luft. Es muss garnichts Konkretes anliegen, wie die legendären Terrassenkonzerte in der magischen Schwangeren Auster. Es reicht die unbestimmte Ahnung von etwas Einzigartigem. Die Erfüllung von Glück ist ja auch immer nur kurz, das Versprechen darauf, die Ahnung davon ist länger.
Wir meckern und lästern noch kurz über dieses schreckliche Berlin und gehen dann unseren Tagesgeschäften nach.

Ich werde nicht in das Parteibüro der MLPD gehen, in Neukölln, der letzten überlebenden Politsekte aus den Siebzigern. Die waren wirklich die größten aller Spinner. Und haben hier noch ein real existierendes Parteibüro.

Ich werde den Psychedelika Club im Bergmann Kiez aufsuchen, ein kleiner Spaziergang. Dort kann man unter anderem LSD kaufen. Unglaublich eigentlich. Aber demnächst auch bei Ihnen. In vier, fünf Jahren….












