
Sekt und Rosen. Wenigstens dafür ist der Winter gut, für wissenschaftliche Erkenntnis. Schnitt-Rosen halten im Wasser bei minus 7 Grad ewig, werden ruckzuck eingefroren, und für Sekt ist es eine ideale Lagertemperatur. Die Perlage hält mehrere Tage, der Geschmack ist nicht beeinträchtigt und bei Zimmertemperatur merkt man peu à peu, wie der Geschmack sich langsam entfaltet. Und in dem Moment, wo ich mich näher auf den Geschmack einlassen will, kommt die Meldung der neuesten Armutszahlen vom Statistischen Bundesamt über den Ticker. Laut Destatis hatten rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Sie sind arm. Das waren 16,1 % der Bevölkerung, Ein Jahr zuvor waren es 15,5 %.
Betrachtet man neben der Einkommenssituation auch die Möglichkeiten der Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft, zeigt sich ein umfassenderes Bild der sozialen Lage. In Deutschland waren im Jahr 2025 rund 17,6 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, das waren 21,2 % der Bevölkerung. Gegenüber dem Vorjahr (21,1 %) blieb dieser Anteil nahezu unverändert.
Nach EU-Definition gilt eine Person als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Bedingungen zutrifft: Ihr Einkommen, siehe oben, liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.
Was Entbehrung konkret heißt, können Sie hier nachlesen . Der Schwellenwert für Einkommensarmut bei einer alleinlebenden Person in Deutschland liegt netto (nach Steuern und Sozialabgaben) bei 1 446 Euro im Monat (2024: 1 381 Euro). Da bleibt nach Miete in Ballungsräumen, Heizkosten, Lebensmittel schon am 20. des Monats nichts mehr übrig.
Diesen Menschen und allen zusätzlich ca. 10 – 15 Millionen Menschen, die in prekären Verhältnissen leben und arbeiten, erklärt die CDU gerade offen und brutaler denn je den Klassenkrieg. Der CDU-Wirtschaftsrat erledigt doch nur die Drecksarbeit für den Rest der Christlich-Asozialen Union mit Forderungen nach Streichung der Erstattung von Zahnarztkosten, Abschaffung der Mütterrente, der Rente mit 63, Begrenzung des Arbeitslosengeldes. Dafür soll der Solidaritätszuschlag auch für Gutverdiener abgeschafft, die Unternehmensteuer auf 25 Prozent gesenkt und die Grenze für den Spitzensteuersatz angehoben werden. Also die Armen ausplündern und denen, die ohnehin nicht wissen, wohin mit der Kohle, soll leistungslos noch mehr in den Arsch geschoben werden. Die Kriegserklärung der CDU kommt nicht von ungefähr. „Wir stecken in der schwersten Wirtschaftskrise seit Gründung der Bundesrepublik: längste Rezession, Produktionsschwund seit 2018, geringes Produktivitätswachstum, Letzter im Wachstum unter den großen Volkswirtschaften. Unser Gesellschaftsmodell droht uns zwischen den Fingern zu zerrinnen.“ Das stammt nicht von mir, sondern vom Klassenfeind, dem BDI, der damit bei aller Feindschaft in der Analyse völlig recht hat.
Es geht um Verteilung des kleiner werdenden Kuchens und da schält sich immer klarer heraus: „Wir“, so der Klassenfeind, werden uns von den Minderleistern und unnützen Esserinnen trennen müssen. Durchaus final. Ich möchte nicht wissen, wie viele Rentner*innen mit wenig Geld bei den Temperaturen an Heizung sparen müssen, weil sie sich sonst nichts zu essen kaufen können. Auf dem Totenschein steht dann als Ursache: Lungenentzündung. Kreislaufschwäche. Herzversagen. Es müsste dort aber stehen: Armut. Gesellschaftsversagen.
„„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“. Warren Buffet, 2006, Vermögen 140 Milliarden Euro.
Wo sind dann die legitimen Mittel der Gegenwehr? Burn, Baby, burn? Wie Krieg im Innern aussehen kann, ist hier zu besichtigen. Detroit 1967. Da kam zur Klasse die Rasse dazu.














