10.08.2026 – Ich bin Gewinner des Klimawandels

Oliven in meinem Garten. Sowas hatte ich früher nicht

Der Baum, ein korfiotischer Ölbaum, erinnert an einen verstorbenen Freund. Wir haben den vor Jahren feierlich gepflanzt und begossen. Mittlerweile ist er so groß, dass ich ihn winters nicht mehr in den Keller stellen kann und er, siehe oben, unter veränderten Klimabedingungen auch in unseren Breitengraden Früchte trägt. Besagter Freund flüchtete, wann immer möglich, sein ganzes Leben lang vor den Zumutungen des hiesigen Daseins nach Korfu. An den FKK-Hippiestrand Mirtiotissa, vor 30 Jahren ein Paradies. Das Beste, was man heute über den sagen kann, dass es ihn bald nicht mehr gibt, weggespült und überschwemmt. Klimawandel. Heute liegen dort nur noch Touris in drangvollster Enge und alte griechische Säcke, die sich da einen runterholen. Ein paar Kilometer nördlicher liegt der neuntschönste Strand Europas, laut Stern.

Porto Timoni auf Korfu. Ich halte ihn für den achtschönsten. Was aber nicht so viel heißt, ich kenne nur zwei Hände voll Strände. Was sich übrigens reimt, deswegen habe ich es auch geschrieben. Porto Timoni sieht sehr schön aus. Positiv: Man kommt nur zu Fuß dahin, über eine anspruchsvolle Kraxelei. Junge, unbefangene Väter aus aller Welt packen sich ihren Nachwuchs auf die Schultern und stiefeln den steilen Stolperpfad in Flipflops da runter. Man möchte weinen vor so viel Blödheit.

Um 11 Uhr liegen die Leute da gestapelt übereinander. Das ist ja schließlich ein weltweit bekannter Geheimtipp. Da dort keine Infrastruktur vorhanden ist, scheißen diese Myriaden von Touris ein paar Meter abseits (wenn man Glück hat) überall hin. Das Ganze ist ab Nachmittag in prallster Sonne eine im wahren Sinne atemberaubende Schönheit.

Wir sind mal ein paar Meter weiter über den hellen Pfad zum Strand gekraxelt, wo steht: „Hier ist einigermaßen ok.“ Die Kraxelei ist aber so ambitioniert, dass ich mir das mittlerweile schenke.

Als Fluchtpunkt eignet sich die Gegend im Nordwesten Korfus allerdings abseits der hier geschilderten Vorhöfe zur Hölle immer noch. Drei Kilometer hinter der Strandlinie sterben die kleinen Dörfer langsam aus und atmen eine melancholisch-zauberhafte Atmosphäre.

Nichts. Wie. Hin.

Vielleicht fragen Sie, geschätzte Leserin, jetzt, wieso ich das nicht meinem Barbier erzähle?

Erstens werde ich für diesen Blog nicht bezahlt, er ist also ein Ort großer individueller Freiheit.

Und zweitens will ich mit diesem meinem subjektiven Faktor (Kampfbegriff aus früheren Zeiten) meinen persönlichen Fluchtreflex verdeutlichen. Ein Reflex, der viele auf unterschiedliche Weise angesichts der objektiven, herrschenden Zustände befällt.

Fluchtreflexe werden auch in Süchten ausagiert. Die klassischen Süchte nehmen etwas ab, weniger Jugendliche rauchen Tabak und trinken Alkohol, dafür hat sich der Gebrauch von Kokain, Crack und neuen Drogen in den letzten 10 Jahren vervielfacht. Die Zahl der Drogentoten hat im gleichen Zeitraum sich verdoppelt. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Dazu kommen neue Suchtformen bei Verhaltenssüchten in Social Media und Gaming. 25 Prozent der Jugendlichen zeigen hier ein riskantes oder pathologisches Nutzungsverhalten.

So wird die Gesellschaft von zwei Seiten in die Zange genommen: Der wachsenden Zahl der Demokratiefeinde und der wachsenden Zahl von Desintegrierten, Süchtigen, Behandlungsbedürftigen. Und das auf Basis einer massiven, nachhaltigen ökonomischen Krise, in der die Massenarbeitslosigkeit rapide steigen wird als Folge von KI.

Also, ich sach mal, wer vor diesen Hinter- und Abgründen keinen Fluchtreflex verspürt, der hat ne Meise.

08.08.2026 – Ficken statt Facebook.

Radikale Anti Smartphone Front. Neulich in Kreuzberg. Solche Dinger kleben wohl zu tausenden in Berlin, das Werk eines Einzelnen. Details, inklusive Manifest, gibt es hier . Dahinter steckt die Philosophie des Neo-Luddismus . Der Luddismus war eine gewaltsame soziale Bewegung im Beginn des 19. Jahrhunderts, in der sich Betroffene mit sogenannter „Maschinenstürmerei“ gegen zunehmende Massen-Verarmung auf der einen und explodierenden Reichtum auf der anderen Seite als Folge von technologischem Fortschritt und ungerechter Verteilung wehrten. Die Aufstände, siehe auch Weberaufstände in Deutschland, wurden gewaltsam niedergeschlagen. Konsequenzen daraus waren unter anderem die Organisation der Arbeiter*innenbewegung und die Formulierung des Marxismus als theoretische Grundlage der Vorstellung einer Welt jenseits des mörderischen Kapitalismus.

Davon redet heute, wo sogar wir im Herzen der Bestie im wohlhabenden Mitteleuropa die Ausprägungen dieses zerstörerischen Wirtschaftssystems zunehmend am eigenen Leib erfahren, niemand. Alternativen, die der herrschenden Klasse einfallen, sind Rentenkürzungen, Ausbau des Strafsystems gegen Transferleistungsbezieher*innen, Kürzungen im Gesundheitswesen und die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für LKW. Also um die tödlichen Konsequenzen – bisher sind wohl schon über 10.000 Menschen bei uns als Folge der Hitzewelle gestorben – des Schadstoffausstoßes zu bekämpfen, erhöht man den Schadstoffausstoß, die Unfall-Todesquoten auf den Straßen und das Gesundheitsrisiko zehntausender Beschäftigter. Unter normalen Umständen müsste man die dafür Verantwortlichen in geschlossene Anstalten schicken, in weißen Jacken, mit den Ärmeln auf dem Rücken. Stattdessen erhält ein dafür mitverantwortlicher Bundesverkehrsminister eine monatliche Pension von ca. 6.000 Euro, wenn er vier Jahre durchhält. Dazu kommen weitere Pensionsanteile als normaler Abgeordneter. Und eventuelle Nebenjobs und Beraterverträge von Seiten der LKW-Industrie, Arbeitgeberverbände etc.  Sowas wird ohne Protokoll und Aktennotiz als Absichtserklärung und gentleman’s agreement vorab bei gemeinsamen Arbeitsessen in Berlins Dreisterne-Restaurant Rutz geklärt. Im Rutz gibt es keine Gänge, sondern 13 Inspirationen. Für 360 Euro. Dazu kommt die Weinbegleitung. 8 Gläser für 201 Euro. 8 Gläser, dazu kommen Aperitif und Digestif. Da sach ich nur, Leber duck Dich. Ist denn noch kein Fotograf auf die Idee gekommen, eine Serie zu schießen, Titel: „Die torkelnde Elite.  Deutschlands Promis beim Verlassen des Rutz.“

Für Essen und Getränke also 561 Euro. Zum Vergleich: der monatliche Regelsatz Bürgergeld für Alleinstehende beträgt aktuell 563 Euro.

Nun wollen wir die böse Polemik mal außen vorlassen und mal schauen, ob es individuellen Handlungsbedarf, siehe oben, gibt. Ich habe mit Süchten keine Probleme, hab vor Jahren ohne große Umstände das Rauchen eingestellt, trinke gerne ein Glas Crémant oder auch zwei, breche aber nicht in Schweiß aus, wenn keiner auf dem Tisch steht, mein Konsum an Gras oder weiterführenden Substanzen ist sehr überschaubar. Aber meinen Handykonsum erachte ich als problematisch, obwohl ich keine sozialen Medien nutze. Mittlerweile gucke ich schon nicht mehr in meinen Nutzungs-Wochenbericht, weil mich das frustrieren würde.

Das ist nun keine grundstürzend neue Erkenntnis, dass das Handy ein extremer Suchtträger ist. Die Frage ist nur, welches Ausmaß und welche Konsequenzen diese Sucht hat, im  mörderischen, zerfallenden Spätkapitalismus. Zwei Bilder habe ich da vor dem Auge: Die junge Mutter in der Kreuzberger Bergmannstr., die mit der einen Hand die Babykarre schiebt und mit der anderen durchs Handy scrollt, hypnotisiert drauf starrt. Und der junge Vater mir in der S-Bahn gegenüber, auch starrend mit der Handyhand und mit der anderen den Kinderwagen neben ihm schaukelnd. Zwei Bilder von Dutzenden, Hunderten, jeden Tag. Eigentlich müsste doch der permanente, verbindende Blick in den Kinderwagen, in das Gesicht des Neugeborenen, das höchste Glück auf Erden für Eltern sein. Wenn selbst das ausgelöscht wird durch die Handy-Sucht, dann, ja dann fällt selbst mir kein witzig-tröstendes Schlusswort ein. Und außerdem hat mein Handy auf dem Schreibtisch gerade gebrummt. Eine WhatsApp. Ich muss mal schauen. Schönes Wochenende, liebe

05.08.2026 – Denken ist nicht gut für den Teint

Ein Garten hinter dem Haus kühlt die Raumtemperatur um ca. 3 Grad. Natürlich nur mit entsprechendem Grünzeug. Reiner Rasen, eine „pflegeleichte“ Steinwüste oder ein Garagenhof bringen entweder nichts oder heizen das Ganze noch auf. Ich hätte nicht gedacht, dass ich meinen Garten mal unter diesem Aspekt sehe, aber die aktuelle Wetter“katastrophe“ als Folge des menschenverlachten Klimawandels bringt einen schon auf krumme, also nützliche und sinnvolle Gedanken. Sitzen könnte man bei diesem Wetter ohne den Schatten da nicht. Das ist Süden, hier wachsen Ananas und Bananen, und nicht nur einmal war die Temperaturanzeige in der Sonne „geknackt“, keine Anzeige, weil über 50 Grad. Schon putzig, und sehr menschlich, weil verheerend fehlerhaft, dass ausgerechnet jetzt der Klimawandel keine Rolle in der öffentlichen Diskussion, im politischen Bewusstsein und schon gar nicht im sozialen Widerstand spielt. Jetzt, wo Millionen darunter leiden, krank werden, und tausende, am Ende des Sommers vermutlich zehntausende, daran sterben. Stattdessen zerfasern sich Krethi und Plethi das dusselige Maul über die Possen der Regierenden. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, die inszenieren diesen Berliner Sommernachtsalptraum um von den realen Problemen abzulenken. Aber Gottseidank sind die wirklich so blöd, wie sie sich im Moment aufführen, das erleichtert die Feindschaft. Verwundern kann dieser gigantische kollektive Akt von Verdrängung des rasenden Klimaverfalls nur die, die kein historisches Bewusstsein haben. Die, die nicht mehr erinnern, dass wir vor 1990 mal einen einigermaßen befriedeten Klassenkonflikt hatten, bei dem der Mob mit einigen sozialen Brosamen ruhig gestellt wurde. Die wurden und werden seitdem wieder erbarmungslos eingesammelt. Keine Systemkonkurrenz mehr.

Dieser massive Klassenraub stellt sich im allgemeinen Bewusstsein als alternativlos dar. Das war schon immer so, so wird’s auch immer sein. Nee, war’s nicht und müsste auch nicht. Aber genauso könnte ich den Steinen predigen, sie sollen zu Brot werden. Machen die auch nicht. Nehme ich mal an. Hab’s noch nicht versucht.

Was die Folgen des Klimawandels angeht, hab ich früher gedacht: Nach mir die Sintflut. Bis der durchschlägt, bin ich Kompost. Was offensichtlich eine Fehlkalkulation war. Die Sintflut geht mir nicht am Arsch lang, sondern hat selbigen schon erreicht. Selbst ich, der ich fit wie Nurmi bin (Wäre das ein Auftritt von mir, würde ich jetzt fragen: Wer war Nurmi? Als Preis gäbe es eine Ananas aus meinem Garten), verspüre mitunter beim Flanieren im Betonmoloch Babylon, meint Berlin, einen leichten Schweißfilm auf der Denkerstirn und das Bedürfnis nach einer fünfminütigen Pause. Potzdonner! Sowas kenne ich gar nicht.

Gut, dass Berlin immer irgendwas bietet, was vom Wetter ablenkt.

Darüber habe ich mich geärgert. Bei einer Demo der Spinner von der Partei „Die Basis“ wird meine Heimatstadt Hannover angepault. Hannover, es reicht?! Und was ist mit Köln? Oer-Erkenschwick? Duderstadt? Da reicht’s doch schon lange….

Spinner am Brandenburger Tor

Dann schon lieber richtig durchgeknallt, wie die Jesusfreaks an der Goldelse. Wobei die irgendwie liebenswert sind. Die Reden bei denen haben was sanftes, versöhnliches. Außer wenn es um die ewige Verdamnis geht.

Parteisekten wie „Die Basis“ führen oft einen verbitterten Unterton in ihren Äußerungen.

Jesus ist Herr. Vom feministischen Geist erleuchtet ist diese Betschwester nicht gerade. Jesus ist Frau, Sister!

Aber was red ich. Draußen sind wieder deutlich mehr als 96 degrees in the shade. Da ist Denken nicht gut für den Teint.

Der Song ist eine antikoloniale Anklage. Kann man aber auch gut zu kiffen und tanzen

01.08.2026 – Die richtige Hoffnung im falschen Leben?

Brandenburger Tor, nach dem Anschlag vom 25.07.2026. Trauer ist immer individuell und es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, auch wenn kollektive Formen der Darstellung individueller Gefühle nicht meine Baustelle sind.

Dieses Detail hat mich positiv berührt. Ein Exemplar des Grundgesetzes . Visualisierung der Vorstellung, dass bei uns das Grundgesetz zu regieren habe und keine Form religiösen Wahns, wie die Scharia. Diese wahnhafte Idee war wohl in der Verwandtschaft des Attentäters vom Tiergarten vorherrschend und mich würde mal das Ergebnis einer Umfrage in der muslimischen community von Neukölln interessieren, was bei uns, in Berlin, Deutschland, der EU, Richtschnur des Handelns sein soll…Grundgesetz oder Scharia? Auf der Neuköllner Sonnenallee habe ich noch nie Schwule Hand in Hand flanieren sehen, im Gegensatz zu Friedrichshainer oder Kreuzberger Magistralen. Das wäre in Neukölln eine Art Selbstmordkommando.

Sowas berührt mich unangenehm, die vielen Stofftiere in den Trauerinszenierungen. Ich gehe davon aus, dass die Mehrzahl der Trauernden , die auch ihre Solidarität bekunden wollen, Erwachsene sind. Ist das ein ursprünglicher Ausdruck eines tiefen individuellen Gefühls wie Trauer, ein Stofftier, Kaufhaus-Utensil aus dem Regal eines Teenagers ?

Ich gehe dem vagen Gedanken vor dem Brandenburger Tor nicht weiter nach, es ist zu heiß. Kaum jemand auf den Straßen, selbst hier nur ein, zwei Handvoll, wo mitunter drangvolle Enge herrscht. Mich hat auch die massenhafte Beschwörung auf den vielen Zetteln dort der immer siegenden Liebe irritiert. Die richtige Hoffnung im falschen Leben?

Das Schöne an im Wortsinn Atem raubenden Temperaturen von nahe 40 Grad über dem Beton des Großstadtmolochs ist das wohlige Gefühl, das Denken einstellen zu dürfen, ohne dass einen Schuldgefühle überkommen. Man ist ja schon froh, wenn man lebendig irgendwohin kommt, egal wohin. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Veranstaltung in Hamburg heute gut über die Bühne geht.

27.07.2026 – Endlich wieder rein.

Meine Ausbeute, neulich beim LGBTQ+-Fest rund um den Nollendorfplatz. Wenn ich in Berlin gewesen wäre, hätte ich eventuell auch am CSD am Wochenende teilgenommen, das sind riesige Familienfeste, mit Musik- und Alkoholbegleitung. Wobei mich der letzte CSD allerdings wegen Kommerz genervt hatte, das ist eine ganz andere Nummer als der Karneval der Kulturen, der nur für Vielfalt, die verschiedenen Kulturen und sich selbst wirbt. Der CSD-Umzug ist zunehmend eine einzige rollende Werbeplakatwand. Kann man drüber diskutieren, muss man nicht mögen.

 Nicht diskutieren kann man über die zunehmende Islamisierung in Berlin. Ich habe mich hier mehrfach schon wütend über die Neuköllner Islam-Parallelwelten gezeigt, in denen der Glaube herrscht, dass zwischen Sonnenallee und Karl-Marx-Straße nicht das Grundgesetz zu regieren habe, sondern die Scharia. Was für ein übler Cocktail: Hasserfüllte junge Männer, Religion und Kapitalismus. Wobei in der BRD Aufklärung und Säkularisierung das Christentum weitgehend gezügelt hat. Das Religionsproblem und der monotheistische Aberglauben hat in unseren Breitengraden einen Namen: Islamismus als strukturell gewaltförmige Zwangskonsequenz des Islam in seiner derartigen Verfassung. Dann gebiert der Schlaf der Vernunft Killer wie den vom Wochenende. Kein Wunder:

In ganz Neukölln gehört sowas zur selbstverständlichen Alltagskultur, Palästinasolidarität als zwangsläufige Kehrseite der düsteren Medaille Antisemitismus, ebenso wahnhaft wie der Hass auf alle Lesben und Schwule und Frauenverachtung.

 Mit fröhlicher Unterstützung und Solidarität der Berliner Antisemiten-Linken. Wenn die Linke das Problem nicht in den Griff kriegt, gerade in Berlin, hat sie in Regierungsverantwortung nichts verloren. Wer mit dieser Neuköllner Islam-Unkultur marschiert, sich solidarisiert, macht automatisch nicht nur Front gegen jüdische Menschen, gegen den Staat Israel, sondern gegen Frauen, LGBTQ+ und alles, was vermeintlich vom Pfade Allahs abweicht.

Was bleiubt: Wenn es noch Zweifel am Wahlsieg der AfD bei den ausstehenden Wahlen in Ostelbien gegeben hat, sind sie mit dem Wochenende wohl beseitigt. Dieser Terroranschlag zahlt auf das Konto der Faschisten ein.

Bei aller Solidarität der Demokraten (Das Kondom in der Mitte oben mit der Parole „Endlich wieder rein“ ist von der FDP, die ja nicht mehr im Bundestag ist. Und es hoffentlich auch nie wieder rein schafft. Bei aller Antipathie: Das ist eine demokratische Partei) ist mir doch eins übel aufgestoßen in den Beileids- und Solidaritätserklärungen von Angehörigen der politischen Klasse: Die Beschwörung eines „Wir“, das so nicht existiert. Die jetzige Regierung spaltet und grenzt aus wie kaum eine vor ihr und imaginiert ein „Wir“, wenn es ihr in den taktischen Kram passt. So bleibt als deprimierendes Fazit des Terroranschlags vom Wochenende: Das wird nicht der letzte gewesen sein und so wie die Brände in Spanien und Frankreich sich langsam in das Zentrum der Zivilisation fressen, wird sich der Terror in unserer Mitte breit machen. In den Köpfen ist er schon.

25.07.2026 – Kabinettsumblödung

Sandgrube im Grunewald. Berlin ist auf Sand gebaut. Märkische Streusandbüchse. Wenn man auf der Talsohle der Grube steht, in der prallen Tagessonne auf dem heißen Sand, raubt einem die Hitze den Atem. Da sind schnell 50 Grad und mehr. Kein Lufthauch und Stille. Stille in Berlin, allein das ist eine transzendente Erfahrung. Manchmal stehe ich da, atme den Moment tief ein und warte auf die trägen Gedanken, die die Wärme langsam aufquellen lässt. Früher bin ich die ganze Strecke von Kreuzberg bis in den Grunewald, zum dortigen Badesee, noch komplett geradelt. Über den Kudamm, ohne Radweg. Ein Himmelfahrtskommando, bei den Rasern und Posern da. Jetzt packe ich mein Klappi in die S 7 bis Grunewald, radele den Rest durch dunklen Tann, vorbei an der Sandkuhle, mit ihren Ringelnattern, Smaragdeidechsen und Moorfröschen. In der S-Bahn verblöde ich mitunter wie andere Normalwesen auch über dem Smartphone, Umfragen checken zum Beispiel. Die letzten Werte haben mir dann doch den Draht aus der Mütze gehauen. In Berlin ist jetzt die AfD die Umfragestärkste Partei. . Zwar haben die Nazis da keine Machtoption, aber bitter ist diese Momentaufnahme schon. Auch aus historischen Gründen. Berlin war immer rot. Bei der letzten freien Wahl der Weimarer Republik im November 1932 erzielte die KPD hier 37,7 Prozent. Die Arbeiterverräter von der SPD immerhin 23,8 %. Die NSDAP erzielte nur 22,5 %, gegenüber 33,1 % im Reich.

Viel gravierender ist die aktuelle Umfrage für Sachsen-Anhalt. Hier hängen die demokratischen Parteien an einem seidenen Faden von ein paar Hundert Stimmen. Die SPD steht bei 5 Prozent, ein paar Hundert Stimmen weniger, sie fliegt aus dem Landtag und die AfD erzielt mit ihren 41 Prozent eine deutliche absolute Mehrheit der Mandate.

Da braucht’s keine Brandmauer mehr, das kriegen die Nazis schon alleine hin. Nach den Äußerungen führender Reaktionär-Christen der letzten Zeit ist die Brandmauer eh zur Sandmauer geschrumpft, zerbröselt. Die Berliner Republik, auf Sand gebaut. Flache Natursymbolik. Eigentlich eher was für journalistische Tiefflieger wie „Spiegel“. Der vermeldet gerade, dass die Bürgerrepublik langsam, viel zu spät, aus ihrem Demokratie-Winterschlaf erwacht, weil die Nazis immer lauter brüllen „Deutschland, erwache!“ , und die AfD verbieten will. Viel zu spät, lächerlich und kontraproduktiv. Weil bei der Diskussion natürlich viele Schwankende sagen: Jetzt erst rechts. Und ihr Haken-Kreuz beim Zweitoriginal machen.

Es ist eben ein Kreuz mit den Bürgerlichen. Als ob Dummheit alleine nicht reicht, haben sie obendrein aus der Geschichte Nichts gelernt. Jetzt ist es an der Zeit, demokratische Militanz an den Tag zu legen. Und was macht das ZDF? Verbietet die Ausstrahlung eines vermeintlich linksradikalen Songs von Igor Levitt und Danger Dan. Und bei den Protesten gegen den AfD-Parteitag neulich hob die Bürgerpresse unisono mahnend den Zeigefinger: Demonstrieren ja, blockieren nein. Dem halte ich 1. einen anderen als den Zeigefinger entgegen und 2. es lieber mit den MC 5: Kick out the jams, Motherfuckers. . DerSong liegt über 50 Jahre zurück, während zwischen seiner Veröffentlichung und den oben zitierten Wahlen nur 36 Jahre liegen. Irgendwie gruselig, dadurch rückt Historisches näher, wird vom verwaschenen Schwarzweiß-Bild zu einer realen Folie.

Lassen wir die Natur ihren Kommentar dazu abgeben

Sonnenblume Goldener Neger in meinem Garten, nach dem Hagelunwetter letzte Woche. Die riesigen Hagelkörner haben die Pflanzenblätter regelrecht durchschossen, wie Schrotkugeln. Sieht aus wie ne Halloweenmaske. Gruselig. Und das ist erst der Anfang…

Aber rausgehen immer mit einem Brüller. Daher hier die Tagesschau vom 23.07.2026, bei 3.16, sagt die Sprecherin statt „Kabinettsumbildung“: „Kabinettsumblödung“.

Made my day!

22.07.2026 – TRIGGERWARNUNG: DIESER BLOG ENTHÄLT EINE TRIGGERWARNUNG!

Einmal im Jahr lädt die Universität der Künste Berlin zum Rundgang ein. Dort werden herausragende Arbeiten des zurückliegenden akademischen Jahres gezeigt, so auch die hier im Bild. Das Gebiss der Bodenturnerin erinnerte mich an die grelllackierte Kauleiste der gruseligsten Hackfresse der Saison, von Fussballübungsleiter Klopp.

Auf der Rückseite dieses Paravents waren pornografische Sequenzen zu sehen, versehen mit der folgenden Triggerwarnung:

Draußen geht die Gesellschaft kaputt und im Kunstbereich wird mittlerweile alles und jedes mit Triggerwarnungen versehen, egal ob es laut ist, zu bunt, zu implizit, tote Tiere etc. pp.. Das ist grotesk, schließlich ist es eine Aufgabe von Kunst, zu verstören. Und wer geht im Ernst zu so einer Veranstaltung und nimmt dann Anstoß an Bildern mit nackten Körpern, Sex?

Dazu passend: Am Eingang der Uni waren intensive Kontrollen und Mitarbeiter der Security-Firma patrouillierten permanent durch die heiligen Hallen der Alma Mater. Früher undenkbar an solchen Orten. Offensichtlich gerät hier etwas aus den Fugen. Im vorliegenden Fall für mich eher unsagbar, schwer einzuordnen. Wovor die Angst? Islamistischen Selbstmordbombern? Faschistischen Prügelhorden? Linksantisemiten?

Reinigungskräfte des Dussmann-Konzerns hielten den Event sauber, rein. Knochenarbeit, für die es einen Stundenlohn von ca. 14 Euro gibt, gesetzlicher Mindestlohn. Ausbeutung, wie im Securitybereich, wo die Leute mitunter ihr Leben aufs Spiel setzen, sei es in der Bahn, vor Clubs, bei Events.

Themen wie Ausbeutung, Arbeit, Armut, Prekarität, Spaltung der Gesellschaft fanden in der Präsentation nicht statt, bis auf eine Ausnahme, die dann allerdings auch überragend war. Dumme Künstler. Dumme Professoren.

Meine Lieblings-Triggerwarnung: NOT TRASH. Kein Müll.

Na ja, sach ich mal, das liegt im Auge des Betrachters. Aber vielleicht war diese Arbeit auch nur eine ironische Anspielung auf die Fett-Badewanne von Beuys. Auf einer SPD-Feier im Schloss Morsbroich geriet 2011 die mit Filz, Fett und Pflaster versehene „Badewanne“ von Joseph Beuys zufällig in die Hände von zwei Genossinnen. Die schrubbten den versifften Zuber, bis er glänzte. Schaden: 80.000 Euro.

Der Rundgang hat mir aber sehr gut gefallen, abgesehen von den Kritikpunkten. Und meinen Spaß hatte ich sowieso.

 In einem Atelier bearbeitete diese junge Dame hingebungsvoll den Fußboden. Ich schaute mir das eine Weile an, machte ein Foto und fragte dann: „Ist das eine Performance?“ Sie schnaufte kurz, hielt inne und keuchte: „Nein. Ich mache sauber.“

Entschuldigung, aber wer bitte kommt denn bei Künstler*innen auf so eine Idee?

20.07.2026 – Über die Zertrümmerung eigener Vorurteile

Impressionen vom 32. Lesbisch-schwulen Stadtfest rund um den Berliner Nollendorfplatz, das größte queere Event seiner Art in Europa und zugleich das größte Antigewaltprojekt Europas, mit über einer halben Million Besucher*innen immer auch ein Familienfest. Es war von Anfang an vor allem auch ein Symbol gegen Diskriminierung und Hass, ein Zeichen gegen Gewalt und ein Manifest für sexuelle Vielfalt und gleiche Rechte. So der eigene Anspruch.

Ich kenne mich in der Schwulenszene nicht aus, von daher war das Fest ein willkommener Anlass, mögliche hetereonormative Vorurteile anhand der Realität ins Wanken zu bringen. Aus der klassischen Soziologie sozialer Bewegungen früherer Zeiten hatte ich dunkel im Hinterkopf, dass die Schwulenbewegung als emanzipatorisch einzuordnen sei, aufklärerisch, fortschrittlich, Bestandteil eines subkulturellen Milieus, irgendwo links-alternativ.

Ich naiver Tor.

Das erste Zelt am Nollendorfplatz gehörte der Bundeswehr. Diese klassische Selbsthilfegruppe gegen Gewalt und Diskriminierung ist seit 2023 dabei. Kurz dahinter die Polizei. Ich hab mal im Graffiti-Grundkurs gelernt:

Deutsche Waffen, Deutsches Geld,

morden mit in aller Welt.

Folgerichtig war natürlich auch ein paar Meter neben der Bundeswehr die Deutsche Bank fröhlich-bunt-divers dabei.

Meine Erinnerung daran (respektive das Ressentiment), dass Schwule und Lesben auf Grund ihres subkulturellen Ursprungs nicht jeden Mist des Mainstreams mitmachen, wurde aufs fröhlichste am Zelt der queeren Schuhplattler konterkariert. Natürlich gab es auch schwul-lesbische Schachspielgruppen, Boxvereine etc. pp. Die Zertrümmerung von Vorurteilen in meinem Bewusstsein nahm beängstigende Ausmaße an, ich wurde infantil-ordinär: „Die haben doch echt den Arsch offen.“ 10 Meter später dieser Anblick:

Ohne Worte. Beim Dosenwerfen. Es gibt in Berlin nichts, was es nicht gibt.

Ich hatte schon so viel und war derartig mitgenommen, dass es auf eins auch nicht mehr ankam:

Mein BDSM-Testergebnis am Zelt des Vereins BDSM Berlin e.V. Der junge Mann hier schaut noch etwas skeptisch. Der wird Zuhause sein blaues Wunder erleben.

Eins aber tröstete mich ungemein: Das Give-away der Deutschen Bank. Eine Samenbombe, (O-Ton am Stand).

„Unsere hangemachten Saatkugeln bringt Farbe in dein Leben.“ Falls jemand weiß, um welche Sprache es sich bei diesem Gestammel handelt, möge er oder sie oder es sich gerne melden. Aber nicht bei mir.

Abschließend eine frohe Botschaft: Der Trainer der doitschen Fußball-Nationalmannschaft heißt Klopp. Demzufolge wollen sich die eingeborenen Fußballfans zukünftig die Bekloppten nennen.

16.07.2026 -Das Schönste an Berlin ist Warnemünde

Zumindest an heißen Tagen. Mit dem Deutschland Ticket bin ich umsonst in knapp 3 Stunden am Strand, der Wald am Meer spendet Schatten und Luft, das Wasser hat 20 Grad und wenn man ein paar Schritte westwärts wandert, findet man abseits des Familien-Remmidemmi immer ruhige Plätzchen. Ein mitgebrachtes Picknick, das Dümpeln in den windbewegten Wellen und ein Griff in die Hausapotheke lassen für den Tag vergessen, dass es sich hier nicht um Ioniens Gestade handelt. Da rechnet sich jenseits aller Glücksgefühle die Anschaffung eines D-Tickets an einem Tag, inklusive der fälligen S-Bahn Fahrten von und zu den Bahnhöfen. Dieses Ticket ist eine sozialökologisch sinnvolle Maßnahme. Eigentlich müsste es um sonst sein oder 9 Euro kosten, wie zu Corona. Aber man ist ja bei der derzeitigen Berliner Regierungsräuberbande schon für wenig zufrieden.

Deren Plan, die Alkohol- und Tabaksteuer drastisch zu erhöhen – eine Packung Zigaretten soll 12 Euro kosten- mag gesundheitspolitisch eine sinnvolle Steuerungsmassnahme sein. Sozialpolitisch ist das eine Sauerei. Die Reichen werden völlig unbehelligt gelassen und den Unterschichtlern, denn aus dieser Schicht rekrutieren sich Raucher und Trinker, wird ohne Ende das Fell über die Ohren gezogen. Es gibt ein Recht auf Rausch und selbst dieses vorletze aller Vergnügen wird den Geldlosen nun geraubt. Das wird sich an den Wahlurnen bitter rächen.

Interessant in dem Zusammenhang, daß hier in Berlin LSD- Derivate unbehelligt in Ladengeschäften verdealt werden. LSD ist zwar verboten, aber die strukturell veränderten Derivate mit gleicher Wirkung sind in einer rechtlichen Grauzone. Das wird ohne jede Einschränkung geduldet. Logisch, gehört doch die derartige Drogen konsumiernde Klientel der Leistungsträgerelite an, der profane Drogen wie Alkohol und Tabak ein Gräuel ist, schlimmer noch als Fleischgenuss. Und die Leistungsträger müssen bei benebelter Laune gehalten werden, koste es , was es wolle, und wenn es die Gerechtigkeit ist. Auf die minderleistenden Unterschichtler hingegen können wir gerne verzichten, zumal wenn sie auf Grund von zahlreichen Erkrankungen und Krebsen nach Alkohol- und Tabakabusus nur noch Kosten verursachen im Sozial- und Gesundheitssystem. Wehret da den Anfängen.

Als ich leicht drogenbenebelt am Warnemünder Strand lag, in transzendenten Sphären schwebte und auf das nächste Wellenbad wartete, war mir derart dialektisches Tiefschürfen allerdings fern wie die Relativitätstheorie. Ich war einfach nur im Reinen mit mir und dem Kosmos.

14.07.2026 – Rhythmus der Großstadt

Ausstellung in der Staatsbibliothek, Unter den Linden. Bis Dezember.

Der Mitbewohner will aufs Land. Mit Tieren, einer Katze, Papagei, Gemüse anbauen…. Berlin stinkt ihm, sagt er, laut, dreckig. Das stimmt, pflichte ich ihm bei. Und wenn es hier heiss ist, ist es gleich 5 Grad heißer als in der Provinz, in Hannover. Und bei uns im Betonmoloch Kreuzberg ist es gleich nochmal 5 Grad heißer.

Ich will nicht aufs Land, es ist schrecklich da, lauter kulturferne Idioten, die Dialekt sprechen. Ich hasse Dialekte. Früher galten die als fortschrittlich, vielfältig, regional. Grauenhaft, dieses unverständliche Gestammel. Aber 30 Grad in Berlin ist auch kein Vergnügen. Und demnächst über 40 Grad, Tendenz 45 Grad, hat der Wetterfrosch Kachelmann gerade im DLF Radio gesagt. In Hannover, im Garten, hat es gestern das Dach des Gewächshauses zertrümmert, aus Plexiglas. Riesige Hagelkörner. Der Nachbar hat ein Video geschickt vom Unwetter, gegen das die Apokalypse wirkt wie ein Kindergeburtstag . Dauernd treten Ereignisse ein, die es so noch nie gab. Die Welt aus den Fugen.

Der Mitbewohner, den die Kriegsdienstverweigerung vor Jahrzehnten nach Berlin verschlagen hat, sagt, dieses Gefühl von Freiheit, das er jedesmal beim Ankommen in Berlin verspürt, hat er nirgendwo sonst, auch nicht in seiner Zweitheimat Griechenland. Wenn ich mit dem Zug in Spandau einrolle, atme ich immer durch. Endlich, denke ich dann. Berlin, der Rhythmus, es liegt ein Glücksversprechen in der Luft. Es muss garnichts Konkretes anliegen, wie die legendären Terrassenkonzerte in der magischen Schwangeren Auster. Es reicht die unbestimmte Ahnung von etwas Einzigartigem. Die Erfüllung von Glück ist ja auch immer nur kurz, das Versprechen darauf, die Ahnung davon ist länger.

Wir meckern und lästern noch kurz über dieses schreckliche Berlin und gehen dann unseren Tagesgeschäften nach.

Ich werde nicht in das Parteibüro der MLPD gehen, in Neukölln, der letzten überlebenden Politsekte aus den Siebzigern. Die waren wirklich die größten aller Spinner. Und haben hier noch ein real existierendes Parteibüro.

Ich werde den Psychedelika Club im Bergmann Kiez aufsuchen, ein kleiner Spaziergang. Dort kann man unter anderem LSD kaufen. Unglaublich eigentlich. Aber demnächst auch bei Ihnen. In vier, fünf Jahren….