19.04.2026 – Glas Wein 850 Euro

Weinbar im Berliner KaDeWe. Der sechste Stock dort ist das Mekka der Gourmets der Welt. Ich habe nichts gegen Wein für 850 Euro für 0,1 Liter Wein. Wer das Geld dafür hat und den Geschmack … . Und es gibt sozialökologisch zerstörerische Varianten des Kapitalismus als den Nobelweinanbau.

Wobei ich bezweifle, dass der Petrus 42,5mal besser schmeckt als der Beaune, wie der Preis es insinuiert. Peinlich in dem Zusammenhang nur, dass es auf der Karte heißt: Hospieces. Richtig muss es heißen, und das weiß natürlich jeder Weintrinker, der auch nur mal am Amselfelder genippt hat: Hospices. (Wenn überhaupt, müsste es heißen: Hospièces, mit Accent grave. Was natürlich jeder Klippschüler weiß.)

Trotz aller Kritik ist das KaDeWe ein Ort, wohin es jeden Flaneur eher früher als später einmal verschlagen sollte. Ein einzigartiges Geschehen von Luxus und Geschmack, der feinen Stoffe, der edlen Gerüche, ein Exempel dafür, wozu der Kapitalismus in seinen Sternstunden fähig sein kann.

Aber auch für den Klassenkämpfer ist das KaDeWe ein Must-go Ort, kann er doch hier , neben der Befriedigung eventueller eigener Gelüste, dem Klassenhass fette Nahrung geben. Draußen vor der Tür befindet sich der Wittenbergplatz, ein zentraler Berliner Verkehrsknoten mit Gastronomie, Markt, Shops, den täglich Hunderttausende queren. Demzufolge ballt sich hier das Elend, das ebenso viele Schattierungen hat wie der Luxus. Es gäbe jenseits aller offiziellen Statistik, die mit ihren komplizierten Armutsmesszahlen nach unterschiedlichen Parametern das Übel eher verkompliziert und verschleiert anstatt zum Handeln aufzurufen, eine einfache Methode, die Entwicklung von Armut, Elend, Prekarisierung zu verdeutlichen: Man nehme in jedem Berliner Bezirk, oder vergleichbares in anderen Regionen, einen Abfallbehälter, an dem man, unauffällig natürlich, in regelmäßigen Abständen (1x im Monat z. b., am 25., wenn das Geld mal wieder schon seit Tagen alle ist) die Menschen zählt, die dort nach Pfandflaschen suchen. Eine entwürdigende Art, ein paar Cent zusätzlich zum reinen Überleben zu organisieren, muss man (es sind zu ca. 90 Prozent Männer) doch ständig gewahr sein, Bekannten oder Nachbarn über den Weg zu laufen. Wenn man denn noch welche hat.

Es sind ja schon lange nicht mehr die auch äußerlich völlig Verzweifelten, die mit Haken und Taschenlampen die Müllkörbe der Hauptstadt nach den verwertbaren Hinterlassenschaften der Jugend der Welt durchwühlen, es sind zunehmend völlig normal Gewandete.

Und dagegen habe ich dann doch etwas. Nämlich dagegen, dass diejenigen, die im KaDeWe Weine für 850 Euro das Glas verklappen, eine Louis Vuitton Tasche für 10.000 Euro oder eine Rolex für 150.000 Euro kaufen, denen da draußen vor der Tür nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen. Oh, sie selbst würden vielleicht sogar der Bettlerin vor der Tür des KaDeWe einen Euro in den Becher werfen, zumindest in der Vorweihnachtszeit. Darin sind sie ebenso großzügig wie mit ihrer Kleiderspende für den jährlichen Rotarier-Wohltätigkeitsbasar. Kein Mensch, die auf sich hält, trägt ihre Prada, die bekanntlich der Teufel trägt, länger als zwei Saisons. Das gälte in ihren Kreisen als Verletzung der Menschenwürde.

Aber über ihre Agenten wie Friedrich Merz oder Büttel wie Katharina Reiche organisieren sie einen Raubzug, der gegen die ohnehin Gebeutelten und in die zig Milliarden geht. Allein die Kürzungsvorschläge in der Kinder- und Jugendhilfe und bei Behinderten eines Arbeitspapieres von Bund, Ländern und Kommunen belaufen sich auf 8,6 Mrd. Euro.

Weitere Milliardendetails aus dem aktuellen Klassenkrieg entnehmen Sie gerne der morgigen Presse.

Irgendwann, wenn es des Schlechten und des Guten in Gegenden wie dem Wittenbergplatz zu viel wird, treibt es mich weit raus, in Parallelwelten.

Marzahn. Gärten der Welt. Hier der japanische Garten zur Zeit der aktuellen Kirschblüte. Ein zartweißrosa Schleier von Blüten rieselte sanft vor strahlend blauem Himmel zu Boden. Die Gärten aus verschiedenen asiatischen Kulturen mit ihren klaren, klassischen Strukturen versetzten mich in eine heitere, gelassene Stimmung. Harmonie und Frieden, eine Naturmeditation, wie ich sie sonst nur am Meer mit seiner Weite empfinde.

Meer und Weite. Leider nicht Korfu, aber immerhin Warnemünde.

Aber ach, leider macht der Lärm der Welt auch nicht vor diesem zauberischen Ort von Harmonie und Frieden halt. Bewaffnete Räuber stahlen die Kasse vom Blütenfest mit über 100.000 Euro und verletzten dabei die Wachleute.

Liebe Räuber, das ist vollscheiße, wenn ein Prekariat auf das andere losgeht. Überfallt gefälligst das KaDeWe. Paar Uhren abgegriffen, paar Pullen Petrus, ruckzuck sind die Taschen, von Vuitton, voll, und es trifft mit Sicherheit richtigere Leute. Wobei da im Zweifel ja auch leider Wachleute von der Fa. Precarius angestellt sind.

Aber was sind solche Raubzüge im Vergleich zu denen von Merz und seiner Gang.

12.04.2026 – Hass.

Neulich am Bahnhof

Falsche Frage. Es muss heißen: Was erwarte ich von der DB? Antwort: Nichts. Ich habe die Bahn jahrelang gegen Kritik verteidigt. Weil ich gerne Bahn fahre. Entspannt sitzen, dösen, lesen, im Speisewagen einen Riesling verklappen, aus dem Fenster schauen, und, leider, Smartphone glotzen, bestenfalls damit einen Plan für das Reiseziel machen. Was gibt’s an Kultur in Berlin z. B.

Leider habe ich mich mittlerweile in das Lager der Bahnhasser eingereiht. Hass ist in der BRD eine wachsende Gefühlswährung und einmal in meinem Leben möchte ich im Gleichklang mit dem Mob schwingen.

Bahn-Hass. Der letzte Tropfen in das Bahn-Hass-Fass: Mein Versuch, über die DB Navigator App das Deutschlandticket für diese Saison zu buchen. Eine wundervolle Einrichtung, dieses Ticket. Ich brauche mich bei Ausflügen von Berlin aus – Warnemünde, Eisenhüttenstadt, Potsdam, Müggelsee etc. pp., alles wundervolle Destinationen – nicht um Fahrkarten kümmern. Und bei einmal Warnemünde und zurück plus ein Tagesticket in Berlin ist der Preis schon raus. Natürlich sollte aus sozialökologischen Gründen so ein Ticket nur 9 Euro kosten (eigentlich muss der komplette ÖPNV kostenlos sein, siehe Luxemburg oder Dünkirchen), wie im Sommer 2022, als die Bürger*innen von den explorierenden Energiekosten entlastet werden sollten. Aber bis es soweit ist, bin ich alt und weißhaarig.

Was soll’s. Is halt so. Ich hätt auch gerne ne eigene Talkshow im TV, aber das Leben ist nun mal keine Ponyhof.

Was ich beim Versuch, das D-Ticket über die App zu buchen erlebt habe, das spottet jeder Kuhhaut. Ich hab’s dann über die App von Transdev gemacht, kann ich nur empfehlen, problemlos in ein paar Millisekunden. Der Kontakt mit der DB hätte selbst Buddha in den Wahnsinn getrieben, Telefon-Warteschleife 37 Minuten, bis ich das erste humanoide Wesen am Ohr hatte, das natürlich auch völlig überfordert war. Der Mail-Kontakt mit der DB-KI verläuft dergestalt grotesk, dass ich in meiner letzten Mail gefragt habe, ob es in deren Familie Fälle von Geisteskrankheit gegeben hätte.

Getröstet hat mich die ins transzendente lappende Reaktion meiner Mail an: kundendialog@bahn.de . Die Antwort: Your message couldn’t be delivered. Ihre Nachricht konnte nicht zugestellt werden. Besser hätte ich die DB-Kompetenz in Sachen Kundendialog nicht zusammenfassen können.

Eine ganz grandiose und satirefreie Sauerei ist allerdings die Tatsache, dass seit 01.03.2026 im Service (!)-Center der DB im Bahnhofe Hannover (und bundesweit) kein Verkauf und keine Beratung (!) mehr zum Deutschlandticket stattfindet. Nur noch digital. Das ist eine unglaubliche Diskriminierung von Senior*innen, von denen immerhin ca. 5 Mio., also die Hälfte, kein Handy nutzen. Und von all jenen zumeist Armen ohne digitalen Zugang, die dieses Ticket als Bestandteil von Teilhabe am ehesten bräuchten.

Was der DB das Genick gebrochen hat, ist natürlich der Kapitalismus. 2008 sollte die Bahn an die Börse gebracht werden, dafür wurde sie ohne Rücksicht auf Verluste „schlank“ gemacht. Also kaputt und marode gespart. Davon hat sie sich bis heute nicht erholt und wird es auch in den nächsten 30 Jahren nicht. Wie der soziale Wohnungsbau. Im Jahr 2000 gab es ca. 3 Millionen Sozialwohnungen in der BRD, heute weniger als eine Million, jedes Jahr fallen fast 60.000 weitere aus der Sozialbindung. Der Neubau kommt nicht nach, der funktioniert nur bei Wohnungen jenseits der 20 Euro/qm-Miete.

Der psychopolitischeTreibstoff für die AfD, für Faschismus, ist ein Cocktail aus Angst, Frustration, Hass. Ich weiß nicht, wie der Mob tickt. Aber wenn selbst eine rheinische  Frohnatur wie ich am liebsten zum Baseballschläger greifen würde und die ganze DB, beginnend mit dem hannöverschen Service-Center, zertrümmern möchte, ist es eigentlich ein Wunder, dass auf den Straßen der Republik nicht viel mehr Mord und Totschlag herrscht und die AfD noch nicht die absolute Mehrheit besitzt.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

11.04.2026 – In SA marschiert …

Osterfeuer in der Ostzone. Wir trafen bei einer Wanderung im Harz auf ein Eingeborenenpärchen, kamen ins Gespräch. Die Beiden, um die 40, waren sehr nett, freuten sich sichtlich, dass uns ihre Region gefiel. Der Mann wollte uns auf dem Handy weitere Sehenswürdigkeiten der Gegend zeigen, scrollte dazu durch seine Bildergalerie. Sowas geht schnell, das Meiste konnte ich dabei nicht erkennen, die Ansicht ist dazu auch zu klein und natürlich interessiert mich der Bildmüll von Wildfremden einen feuchten Kehricht. Das folgende Motiv, vielfach vertreten, erkannte ich dann auf Grund seiner blutroten Farbe und klassischen Ikonologie aber sofort:

Die Fahne der NSDAP.

Der Mann scrollte dabei nicht schneller, nichts schien ihm daran ungewöhnlich, peinlich gar, versteckenswert, tabubehaftet. Ganz normale Leute in einem ganz normalen Bundesland.

Sachsen-Anhalt. Dort finden Wahlen am 06.09.2026 statt. Aktuelle Umfrage, Prozente: AfD 38, CDU 25, Linke 13, SPD 6, BSW 5. Der Rest unter 5.

Da die SPD im freien Fall ist und das BSW sich zu einer Randnotiz entwickelt, also beide unter 5 Prozent landen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine AfD-Alleinregierung mit jeder Preissteigerung in den Lebensmittelregalen, jeder Heizungsabrechnung, dem Blick auf Reisepreise (wenn hier in der Reisesaison die Flugpreise explodieren, Flüge gar ausfallen wegen Kerosinmangel Hormus, ist hier im Herbst, pünktlich zu den Wahlen, die Hölle los). Für mich liegt die Wahrscheinlichkeit einer AFD-Alleinregierung in SA-Anhalt bei über 90 Prozent.

 Was auch am Personal der bürgerlichen Parteien auf allen Ebenen liegt, von regional bis Bund. Eine Mischung aus Kasperfiguren bar jeden Charismas, angefüllt mit Machtgeilheit bis unter das Doppelkinn wie Lars Klingbeil, erbarmungs-kompromisslosen Klassen- und Kulturkämpferinnen wie Katharina Reiche bis hin zu dummdreisten Abgreifmentalitäten wie Uta Francisco dos Santos (= Heilige!), die für die SPD als Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Mitte kandidiert.

Die gute Frau ist seit 2024 in der Senatsverwaltung krankgeschrieben, macht aber munter Straßen-Wahlkampf für die Wahl in Berlin am 20.9. Das ist sogar ihrer SPD zu viel, einer Partei, die fast nur noch aus abgehobenem Postengeschacher und Intrigen besteht, und sie drängt die Frau zum Rückzug. Die denkt gar nicht dran.

Dieser Schmierenkomödiantenstadel steigert die Politikverdrossenheit bis zum Anschlag und liefert jeden Tag den AfD-Nazis wundervolle Steilvorlagen: Dieser Saustall gehört endlich ausgemistet. Mit eisenharter Faust! So hört man es wieder, wie vor 1933 …

Aber natürlich besteht die AfD nicht nur aus Parolenblökern und Stammtischpöblern. (Wobei der Stammtisch als reales Kulturphänomen ausstirbt. Oder wann haben Sie das letzte Mal in einer Kneipe eines dieser wundervollen Schilder oder Wimpel auf dem größten runden Tisch im Raum gesehen: Stammtisch. Reserviert!) Die AfD besteht natürlich schon lange auch aus cleveren Strategen, brillanten Planern, klugen Wahlkämpfern. Ihre langfristige Strategie im Kampf um die kulturelle Hegemonie setzt sich jetzt in den Wahlkämpfen erfolgreich durch. Das AfD-Programm für die Wahl in SA (-Anhalt) ist eine Masterfolie für den Bund: Zerschlagung zivilgesellschaftlicher Strukturen durch Mittelentzug und Umwidmung. Beispiel Landeszentrale für politische Bildung. Wird abgeschafft und in eine Behörde für Brauchtumspflege umgewandelt. Die Landesenergieagentur wird abgeschafft. Der Rundfunkstaatsvertrag für den MDR gekündigt. Staatliche Mittel, 40 Mio. Euro, für die Kirchen gestrichen. Als Heide sagt man da vorschnell: Prima.

Aber leider sind die Kirchen Hauptträger der Wohlfahrtspflege im Land, mit Beratung und Betreuung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Wenn die Kirchen Pleite gehen, geht die Wohlfahrtspflege mit über den Jordan. Die würde dann privatisiert. Was das heißt, kann sich jede, deren Eltern gerade im Senior*innenheim oder Kinder in der Kita sind, übers sonnige Wochenende ausmalen.

03.04.2026 – Apokalyptisches zum Karlfreitag

Von Kreta. Auswirkungen des Saharasturmes.

Vom Mitbewohner. Kykladen. Ähnlich übel.

Heute ist Karfreitag. Tag der Kreuzigung. Zeit für den alten Scherz: „Gefreiter INRI, kommen Sie vom Hochreck runter“. Bei Matthäus 27, 45 heißt über den Zeitpunkt der Kreuzigung: „Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde“. Da wird unter den Gläubigen in Griechenland angesichts der apokalyptischen Wetterverhältnisse in den letzten Tagen aber Heulen und Zähneklappern geherrscht haben. Der Tag des jüngsten Gerüchts wird anbrechen.

Wird er, mit Sicherheit. Irgendwann. Menschengemacht. Ob mit einem Wimmern, im Rahmen der schleichenden Vernichtung und Vergiftung unserer Lebensgrundlagen, oder mit einem Big Bang im Rahmen von atomaren Kriegen, wissen wir nicht. Ich will es auch gar nicht wissen, sondern fröne der Freuden des Alltags, wie diesem Fundstück:

An einer hannöverschen Kneipe. Natürlich beklaut man keine Kleinunternehmer und die in der Gastronomiebranche sowieso nicht. Die geht jetzt schon so am Stock, dass selbst Sterneköche in Berlin wie der omnipräsente Tim Raue Sonderangebote machen müssen, wie den Lunch „«la table dressée» für 37 Euro. Und die nächste apokalyptische Schockwelle steht der Gastronomie noch bevor, wenn die explodierenden Energie- und Lebensmittelkosten nach der Sommerpause Besuche in der Gastronomie für Frieda Normalverbraucherin vollends unbezahlbar machen.

Also keine Kleinunternehmer beklauen. Anders sieht es natürlich bei den Großen aus, den Lebensmittelkonzernen, die schamlos die Ärmsten der Armen ausplündern. Nicht umsonst ist der reichste Deutsche, Dieter Schwarz, der Besitzer von Lidl, mit einem Vermögen von ca. 60 Mrd. Euro. Das entspricht 60.000 Normalmillionären. Diebstahl bei Lidl ist für Menschen mit wenig Geld, also Armutsrentner*innen, prekär Beschäftigte, alleinerziehende Mindestlohn-Empfängerinnen, Grundsicherungsbezieher*innen, illegale Migrant*innen – insgesamt ca. 30 Millionen im Land – Notwehr, erweiterter Mundraub. Der Spruch „Bei uns muss niemand hungern“ gilt angesichts von Suppenküchen mit Aufnahmestopp wg. Überfüllung und Menschen, die sich ab dem 20. entscheiden müssen, ob sie hungern oder frieren wollen im Winter, schon lange nicht mehr.

Diebstahl ist unter bestimmten, nämlich den jetzigen, Bedingungen also legal und nicht nur ein erster Schritt zur notwendigen Umverteilung. Er ist darüber hinaus auch aus Sicht der katholischen Morallehre, die sonst eher für die Tonne taugt, gerechtfertigt. Zitat: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann“. (Kardinal Frings) Und wahrlich, wahrlich, ich sage Euch Mühseligen, Beladenen und Unterdrückten: „Gehet hin in Unfrieden, bildet Banden, die gleich den biblischen Heuschrecken über alle Supermärkte herfallen und sie leerräumen. Nehmt nur vom Feinsten, Hummer und Champagner.“

Ersatzweise kann man natürlich an den Selbstbedienungskassen klauen. Da haben die Ladendiebstähle in letzter Zeit sprunghaft zugenommen. Weil’s risikoloser ist. Am risikolosesten ist aber die Methode mit den Banden.

Natürlich wäre das politisch relevantere Vorgehen die Einführung einer Vermögenssteuer (zwischen 10 und 100 Mrd. p. A., je nach Ausgestaltung), die Erhöhung des Spitzensteuersatzes (ca. 14 Mrd. p. A. bei einer Erhöhung von 42 auf 45 %) und die Reform der Erbschaftssteuer für hohe Vermögen (ca. 7 Mrd. p. A.). Die Abschöpfung hoher Vermögen wäre auch dringend erforderlich, um die Gefahr eines Finanzkollapses zu minimieren. Diese Vermögen vagabundieren überwiegend in globalen , digitalen Finanztransaktionen, in Sekundenbruchteilen, mit nur einem Ziel: Sich selbst zu vermehren. Nur in undurchschaubaren Finanzderivaten, ohne Bezug zur realökonomischen Sphäre. Also ohne Investments in Infrastruktur, Unternehmen. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, nur am Rande.

Wer bei diesen vernünftigen und ökonomisch dringend gebotenen Maßnahmen allerdings auf die hiesige Finanz-Oberwurst, den Klingbeil, hofft, der kann seinen Verstand gleich in den österlichen Klingelbeutel abgeben. Sobald ich dieses personifizierte Totengräbergerippe der SPD in Übergewicht im TV sehe, schalte ich um, in der Hoffnung, irgendwo Mario Barth oder das ZDF-Testbild von 1972 zu sehen.

Happy Kadaver und fröhliche Ostern, liebe Leserinnen.

30.03.2026 – Der Himmel so blau. Die Inflation zieht an. Das Ende der Ehe.

Blutpflaume. Zusammen mit dem Himmelblau bringt sie strahlende Leuchtmomente in die trüben Zeiten. Auch wenn ich den Namen ziemlich dämlich finde. Wäre ich Zen-Buddhist, würde ich wohl unter den Blüten meditieren. Was auch meine Sehnsucht nach Meer, Sonne, Wärme mildern würde.

Stattdessen ein Blick in die Breaking News. Die Inflation ist deutlich angezogen, in Niedersachsen um 2,6 Prozent. Das basiert als Konsequenz des Irankrieges bisher ausschließlich auf steigenden Energiepreisen. In einer zweiten Runden werden die Energiepreise über höhere Produktions- und Transportkosten auch auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen. Auf Nahrungsmittel. Im globalen Süden werden als Konsequenz der aktuellen Entwicklung Menschen verhungern, unter anderem, weil sie Nahrungsmittel und Energie nicht mehr bezahlen können und weil es auf Grund von Düngermangel zu Missernten kommt. Die, die noch Kraft haben, werden sich auf den weg zu „uns“ machen.

Hierzulande werden immer mehr Menschen hungern, die Dynamik der Preissteigerungen nimmt täglich zu. Trotzdem wird die derzeitige Regierung ihre Ausplünderung derjenigen, die ohnehin schon nichts mehr haben, fortsetzen. Eine auch nur minimale Mehr-Beteiligung der Reichen und Überreichen im Land an den Krisenkosten wird es nicht geben. Vor allem die CSU lehnt eine Erhöhung der Erbschaftssteuer und des Spitzensteuersatzes ebenso ab wie eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer, obwohl das seit dem BVG-Urteil von 1995 rechtlich zulässig wäre. Es ging damals nur um die rechtliche Ausgestaltung der Steuer, nicht um das Prinzip als solches.

Mit dieser Position macht sich die CSU ökonomisch anschlussfähig an die AfD, die für eine konsequente Umverteilung von unten nach oben eintritt. Einer bürgerlich-faschistischen Koalition steht immer weniger im Wege, eine Brandmauer stand da von Anfang an nicht. Das war nur dummes Gequatsche von Ideologen, die schlimmstenfalls so dämlich waren, dass sie ihr Gequatsche selber geglaubt haben. Das sind die schlimmsten Spießgesellen der Zertrümmerer der bürgerlichen Gesellschaft, jene bürgerlichen Ideologen, die ihre Ideologien und Lügen selber glauben. Da sind mir beinharte Interessenvertreter lieber, die Klartext ohne Gesumse reden.

Dass es immer mehr ans Eingemachte geht, lässt sich an einer zurzeit noch diskutierten Sparmaßnahme ablesen: Wegfall der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartner*innen. Von der Streichung des Ehegattensplittings ganz zu schweigen. Das wäre, so T-Online, das Ende der Ehe, wie wir sie kennen.

Die Kleinfamilie, im besonderen Fall der Ehe, ist Grundlage dieser bürgerlichen Gesellschaft, zusammen mit dem Privateigentum. Im Verein mit dem Nationalstaat bilden Familie und Privateigentum die heilige, unverzichtbare Dreifaltigkeit des Kapitalismus. Nur im Extremfall, dem seines drohenden Untergangs, würde der (nationalstaatliche) Kapitalismus an einer dieser Säulen rühren, wie zum Beispiel im Rahmen von vorübergehenden Einschränkungen von Privateigentum unter den Bedingungen von Kriegswirtschaft.

Die Tatsache, dass hier auf ökonomischer Ebene die vorerst noch kleine Axt an die heilige Institution Ehe diskutiert wird, ist ein Beleg dafür, wie krisenhaft tatsächlich der Zustand unserer Gesellschaft im Übergang zur Postdemokratie ist.

Im Vergleich dazu sind Kollateralschäden einer möglichen Sechsprozent-Inflation im Herbst 2026 als Folge des Irankrieges überschaubar. Im Herbst sind Wahlen in Sachsen-Anhalt und Meck-Pomm, mit der Möglichkeit einer AfD-Alleinregierung. Wenn die Ausplünderung der Massen nicht gestoppt wird, werden die sicher nicht die Parteien wählen, die sie dafür verantwortlich machen. In Berlin wird auch gewählt, da könnte das geneigte Großstadtpublikum ein letztes Mal eine rotgrünrote Koalition möglich machen. 2027 dann Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, NRW, Saarland, Bremen und Niedersachsen. Man darf gespannt sein, wo die nichtexistierende CDU-AfD Brandmauer als erstes auf Länderebene fällt.

28.03.2026 – Linksextremismus, Stalinismus und Bulettenbraterei.

Map Icon, Karin Sander, 2020, Galerie im Körnerpark, Neukölln. Ausstellung „Architecture of hidden activity“. Das Google Maps-Zeichen als Leuchtschrift, das uns global an kulturelle und kommerzielle Tourismus-Orte führt. Digitale Indoktrination. Kunst einfach, aber einleuchtend.

Die Galerie im Körnerpark gehört zu jenen Kulturorten in Berlin, die ich quasi blind aufsuche. Wenn die Ausstellung mal nicht so erhellend ist, bleibt immer noch der malerische Park mit seiner Orangerie, ein Ort der Ruhe mitten im dröhnenden Neukölln. Orte wie diese werden zunehmend in den beginnenden Kulturkampf hineingezogen, ob sie wollen oder nicht. Sie sind von staatlicher Förderung abhängig. Deutschland hat ein weltweit einmaliges öffentliches Fördersystem für Kunst und Kultur und natürlich prägt die politische Ausrichtung unserer Gesellschaft auch die Kultur. Da können staatliche Stellen aufgeregt schnatternd die Unabhängigkeit der Kultur betonen, wie sie wollen. Je lauter, desto verdächtiger wird das Betonen.

Und so kann es auch nur ausgemachte Naivlinge erstaunen, wenn der derzeitige Kulturstaatsminister Weimer jetzt beginnt, dem derzeitigen gesellschaftlichen Rollback ins Konservativ-reaktionäre auch im Kulturbereich Gestalt zu geben und die Förderlandschaft umbaut. Mit im Boot Karin Prien, Bildungsministerin, die ganz klar die Fördermittel-Neuausrichtung damit begründet, dass bisherige Projekte zu sehr im linksliberalen Milieu angesiedelt sind.

CDU und AfD haben bereits jetzt auf den legislativen Ebenen laut Umfragen absolute Mehrheiten. Nimmt man die weiten reaktionären Teile der allerdings zunehmend marginalisierten SPD, Splitterparteien wie FDP, BSW und andere Spinnergruppierungen dazu, so wie die ca. 30 Prozent vermutlich radikalfaschistischen Nichtwähler, die bereits jetzt vom demokratischen Milieu nicht mehr erreichbar sind und höchstens mal AfD wählen, können wir davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft zu Zweidritteln aus kulturfernen Reaktionären, Faschisten, Verschwörungstheoretikern und im besten Fall aus Psychopathen besteht. Aus der Sicht von bürgerlicher Demokratietheorie, deren Legitimation auf dem formalen Mehrheitsprinzip beruht, ist es also vollkommen legitim, die Gesellschaft im Sinne dieser Mehrheiten umzubauen. Und das gilt natürlich auch für den Kulturbereich.

Wobei exclusiv in diesem Bereich hinzukommt: Der Mainstream dort ist nicht linksliberal, sondern alternativ-linksradikal. Und mehrheitlich antisemitisch. Und hier lohnt sich die genaue Lektüre des taz-Interviews oben mit Karin Prien: Künftig sollen mehr Projekte gegen Linksextremismus, Islamismus und Antisemitismus gefördert werden!

 So beklagenswert auch die Neuausrichtung der Kultur im Rahmen des oben skizzierten Kulturkampfes auch sein mag: Dieser Aspekt der Ausrichtung gegen Linksextremismus, Islamismus und Antisemitismus ist uneingeschränkt zu begrüßen. Linker Antisemitismus hat derart um sich gegriffen, dass er für die Linke langsam zur Existenzfrage wird. Dieser Konflikt in der Linken zwischen der antisemitischen Fraktion der oft, aber nicht nur migrantischen Links-Jugend und den Vernunftorientierten älteren Genoss*innen ist nicht mehr zu moderieren. Das ist ein brutaler Machtkampf. Sowas kommt in der Realpolitik schon mal vor. Gregor Gysi sagt klar: „Diesen Machtkampf müssen wir jetzt zu Ende führen“ Bis das nicht geklärt wird, ist die Linke nicht mehr wählbar.

Den Begriff „Linksextremismus“ werde ich hier zukünftig vermeiden und stattdessen den des „Stalinismus“ verwenden, um den Begriff „Links“ zu dekontaminieren. Neben vielen unsäglichen Traditionen hat der Stalinismus auch eine antisemitische, passt also.

Die Kultur-Landschaft wird also derzeit umgebaut und dabei bleiben Projekte und Jobs auf der Strecke. Auch jenseits der anstehenden Kürzungen im soziokulturellen Bereich, um Kriege mitzufinanzieren.

So werden sich zukünftig Jobber*innen aus diversen (antisemitischen?) soziokulturellen und künstlerischen Projekten neu auf dem Arbeitsmarkt orientieren. In Richtung MacDonalds oder im Rahmen von Ein-Euro-Jobs beim Jobcenter. Wenn diese neue Lebens- und Berufserfahrung zu einer Neuorientierung der eigenen künstlerischen Praxis in Richtung proletarischer Kunst eines sozialistischen Realismus führt, wäre das nicht das Schlechteste. Wobei dieser Spielart des Realismus ja auch etwas Stalinistisches anhaftet.

Dilemmata, wohin man blickt.

26.03.2026 – Von der Hochzeit des Figaro und Fleischwürsten im Anzug

Die Hochzeit des Figaro, Staatsoper Hannover, 25.03.2026. Die Musik des Außerirdischen trieb mir wieder die Tränen in die Augen. Tränen in den Augen hatte ich allerdings auch angesichts der beklagenswerten Uneleganz des hiesigen Provinzpublikums und der Verschnarchtheit der heimischen Verantwortlichen für das Singgeschehen. Am gleichen Tag fanden in Hannover, und anderswo, Demos mit ein paar tausend Teilnehmenden gegen digitale Gewalt gegen Frauen statt, anlässlich der Causa Collien Fernandes.

Die Hochzeit des Figaro handelt unter anderem von Gewalt gegen Frauen, nämlich der Absicht des Grafen Almaviva gegenüber Susanna, der Zofe seiner Frau, sich vor deren Hochzeit das „jus primae noctis“ zu nehmen, das Recht der ersten Nacht . Wir reden also über Vergewaltigung. Es wäre ein leichtes gewesen, ein überaus passendes Zeichen der Solidarität mit den Demonstrierenden im oder am Opernhaus anzubringen, auf den Vorhang kurz vor Beginn zu projizieren, was auch immer, der nicht nur technischen Möglichkeiten sind viele. Aber damit war das Haus entweder überfordert oder man wollte das hiesige Bürgervolk nicht vor die alterswackelnden Kalkköpfe stoßen.

Keine zwei Tage in der Provinz und ich krieg ich schon wieder intensives Metropolenheimweh.

Neben den süßen und bitteren Wendungen und Windungen individueller Geschlechterliebe verhandelt die Oper auch zentrale Motive der Aufklärung wie Vernunft, Solidarität, Frauenemanzipation und Klassenwiderstand, in dem Fall gegen Adelsprivilegien. Das siegrieche Fazit, Almaviva steht als Volltrottel da, und die jubilierenden Schlussakkorde trieben mir wieder die Tränen in die Augen angesichts der Fallhöhe zwischen dem ekstatisch-optimistischen Operngeschehen und der immer trübseliger werdenden gesellschaftlichen Wirklichkeit draußen vor der Tür. In Form von: Klingbeil.

Klingbeil. Bei Klang dieses Namens denke ich immer öfter mit wachsendem jakobinischem Furor an das Endgerät der Aufklärung, mit der die Zeitgenossen Mozarts tabula rasa machten: das Fallbeil.

Wenn Schröder der Totengräber der Sozialdemokratie und Scholz deren Sargnagel war, dann ist die niedersächsische Fleischwurst, in Anzug gepresst, Lars Klingbeil, deren Zombie. Ein Untoter, der die postmortalen Zuckungen der Arbeiterklasse live im TV zelebriert.

Klingbeil, ehemaliger Bürobote bei Gerhard Schröder, will laut Spiegel eine Reformagenda durchsetzen, wie es sie seit der Kanzlerschaft Gerhard Schröders nicht mehr gegeben hat. Fehlanreize sollen bei den Sozialleistungen wegfallen, länger arbeiten, Kündigungsschutz einschränken, Mehrwertsteuer erhöhen, Opfer müssen gebracht werden. Das sind nackte Drohungen gegen die, die mangels Masse gar kein Opfer mehr bringen können. Bei Topverdienern soll dafür der Spitzensteuersatz von 42 auf 47 Prozent angehoben werden.

Was für ein sozialrevolutionärer Akt. Unter Helmut Kohl lag er bei 56 Prozent.

Es sind ja nicht nur die großen Politikvorhaben, die Generallinien, oder auch die Gesten, die Ästhetik, die allmeinen Sprachverluderungen des Betriebes, die einen immer müder und gleichzeitig militanter machen. Es ist auch das Kleine:

Wenn ich schon lese, dass man in letzter Zeit immer öfter die schwere Dienstlimousine von Klingbeil vor dem Kanzleramt vorfahren sieht, um dort mit Merz, der ein Nachmärz  ist, die weitere Zerschlagung des Sozialstaates zu zelebrieren, kriege ich Pickel im Gehirn. Das Finanzministerium ist 7 Minuten mit dem Rad vom Kanzleramt entfernt. Wieso radelt diese immer mehr aus den Fugen geratene Fleischwurst nicht die paar Meter, um den eigenen Body ein bisschen zu shapen. Wenn es mit der SPD schon nicht klappt.

Die Route würde ihn übrigens über die Ebertstraße und die Paul-Löbe-Allee führen. Beides, Ebert und Löbe, mit Einschränkungen ehrenwerte führende Köpfe der frühen Arbeiterbewegung. Von ehrenwert sehe ich heute nichts mehr.

23.03.2026 – Skurrile Zeiten

1 Million Bücher einfach online bestellen und hier abholen. Mit der Sackkarre? Gesehen am Berliner Ostbahnhof. Made my day

Am Brandenburger Tor. Normalerweise mache ich um Demos mit Nationalflaggen einen Riesenbogen. Die Tatsache, dass unsere kapitalistische Weltordnung von der zerstörerischen neoliberalen Phase in eine postdemokratische Agonie wechselt, hat auch mit der Re-Nationalisierung der Welt zu tun. Aber bei dieser merkwürdigen, auf unseren Straßen sehr selten zu sehenden Mischung von deutschen, israelischen und USA-Fahnen schaute ich doch mal kurz genauer hin. Es war eine Demo der iranischen Gemeinde zum Krieg, mit den alten persischen Fahnen mit dem Löwen, die bis zum Sturz des Schahs gültig waren, bevor sie von denen der islamischen Revolution abgelöst wurden. Portraits vom Schah und seiner Frau wurden hochgehalten. Es steht mir nicht zu, das zu kritisieren. Alles ist besser als jetzt.

Ob das für Heute auch zutrifft? Eher nicht. Heute stehen wir kurz vor dem Abgrund, morgen sind wir einen Schritt weiter. Die Weltordnung zerbröselt wie alter Fensterkitt, der Rahmen ist am Ende, verrottet. Vorgestern Ukraine, gestern Venezuela, heute Iran, morgen Kuba, übermorgen Taiwan ….

Das Gute am rasenden Wahnsinn der Weltgeschichte: Wir brauchen uns um das Klima keine Sorgen mehr zu machen. Diese Katastrophe wird in ein paar Jahren unsere geringste Sorge sein, angesichts von Krieg und Faschismus aller Orten.

Manchmal sind ja Faschisten auch menschlich. Göring war morphiumsüchtig, Goebbels hatte einen Klumpfuß, Hitler liebte Blondie und Erbsensuppe und so wie sich Alice Weidel gestern auf den Bildschirmen der Republik über das AfD-Wahlergebnis gefreut hat, das war fast rührend, völlig außer Rand und Band. Die Frau hat richtig Feuer. Schade nur, dass es jenes Feuer ist, in dem irgendwann wieder Bücher brennen. Ob es 1 Million sind, die aus der Buchhandlung im Ostbahnhof abgeholt werden können, weiß ich nicht. Ich bin ja nicht Jesus.

Was ich übrigens außerordentlich bedauere. Sonst würde ich ja in die Zukunft gucken können. Wie sich die Märkte entwickeln z.B. Im Moment kennen die angesichts des Krieges nur eine Richtung: Bergab. Der DAX ein Desaster und, skurriler Weise, synchron dazu Gold und Silber. Allein heute Morgen in der Spitze minus 10 Prozent. Obwohl die eigentlich Krisenwährungen sind. Alles nur, weil die Anleihen jetzt hohe Zinsen abwerfen und dadurch Gold und Silber als Werterhaltungsgüter ablösen? Wäre ich Jesus, wüsste ich, wann der Fall der Märkte Bodenbildung erreicht hat und es sich lohnt, zu kaufen, gemäß der alten Börsenweisheit: Kaufen, wenn die Kanonen donnern und Blut fließt.

Vorher wird aber die Inflation auf Grund explodierender Energiepreise wieder galoppieren. Die Notenbanken werden die Leitzinsen erhöhen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Kredite werden teurer. Dadurch wird die ohnehin lahmende Konjunktur abgewürgt und die eh schon anstehenden Massenentlassungen werden unangenehme Ausmaße annehmen. Die Proleten werden hungern und frieren, und die, die das noch nicht tun, werden Angst davor haben. Auf das Alice Weidel bei den nächsten Wahlen wieder auf Grund von AfD-Rekordergebnissen auf unseren Bildschirmen rum hüpft wie Rumpelstilzchen auf Koks und Ecstasy. Die Proleten wählen jetzt schon zu 40 Prozent AfD, die Arbeitslosen in den sozialen Brennpunkten sowieso. Das war 33 auch schon so, die NSDAP war auch eine Arbeiterpartei, neben deklassierten Kleinbürgern. Und natürlich den Kapitalvertretern. Was heute der AfD-Nazi Müller-Milch ist, waren damals Thyssen, Hugenberg und die Kanonenbauer.

What’s left? Pläne für die Zukunft machen, optimistisch sein. Und die Kunst. Ich setze auf die EXPO 2035 in Berlin. Wir planen ein EXPO-Projekt vor dem türkischen Imbiss in unserem Haus, dem Treffpunkt der Mühseligen und Beladenen, intern Hades genannt.

Vor dem Hades.

Wir wollen vor dem Hades eine Tribüne aufbauen, in einem Halbrund. Die Zuschauerinnen können von dort direkt und live das Leben und Treiben des Hades beobachten, 1:1. Und zwar nur live, ohne Stream.

Die aktuellen Protagonisten sind allerdings noch sehr skeptisch. „Wer will denn sowas sehen. Das ist doch langweilig!“

Mitnichten. Das ist analog, antidigitales Leben direkt. Und vor allem, und das braucht es in rasenden Zeiten wie diesen: Es ist extrem entschleunigt. Ein bisschen skurril ist es auch.

22.03.2026 – Ernst Mosh und die Egerländer

Haus der Kulturen der Welt, Berlin, bei Nacht.

Das Konzert mit Cheikh Lô   dort war eine cool-tanzbare Angelegenheit, sehr schön. Über die Ausstellung  habe ich mich schwarz (hahaha, Flachwitz-Alarm mit Spuren von kultureller Aneignung) geärgert. Die Werke waren ohne jede Beschriftung, Info, die Zuordnung zum ausliegenden Reader mit Werkbeschreibung war ein Unding, weil ohne Nummerierung, Struktur, Gliederung. Dazu auch hier wieder ellenlanges Kulturblasen-Blablabla, was außerhalb der Metropolen-handelsüblichen Vernissagenposse Frieda Normalverbraucherin zum Gähnen oder zum Flüchten animiert. Immerhin hat dieser Tummelplatz für die alternative Kulturelite der Hauptstadt samt zugereister und eingeflogener Jeunesse dorée aus aller Frauen Länder, zumindest der betuchten Nordhalbkugel, einen Grundetat von über 10 Millionen Euro, plus Projektförderungen aller Art. Details sind schwer zu ermitteln. Da könnte man sich vielleicht ein bisschen mehr Vermittlungsmühe für das gemeine Volk geben, oder…?

Mir soll der Laden recht sein, zumindest in meiner Identität als Kulturkonsument. Die Veranstaltungen dort sind oft einzigartig, phantastisch, fast immer umsonst, und wenn es mal Eintritt kostet, wie bei den Terrassenkonzerten im Sommer, dann ist der im Vergleich zu den unglaublichen Eintrittspreisen bei Konzerten heutzutage, erschwinglich. Dafür gibt’s geniale Musik und einen phänomenalen Sonnenuntergang über dem Kanzleramt. Wenn das keine Symbolik ist, was dann.

In meiner Identität als Zoon politikon, aus Sicht radikallinker Kulturkritik, empfinde ich derartig abgehobene Orte und Veranstaltungen als regelrecht demokratiefeindlich, such wenn der dort erhobene Anspruch auf der verbalen Oberfläche so emanzipatorisch wie nur möglich ist. Bei den Reden dort klingeln einem vor lauter Diversitäts-Blabla nur so die Ohren. Weshalb ich mir sowas gar nicht erst antue und mich lieber am Spiel der Formen und des Lichtes auf der nächtlichen Terrasse erfreue.

Zwei zentrale Kritikpunkte, kurz skizziert:

  1. Ich habe dort noch nie auch nur den Ansatz einer Öffnung nach außen, in die Stadt hinein, und einer Öffnung über die eigene Klientel hinaus, in proletarisch-prekäre Kieze hinein, wahrgenommen. Kein Wunder, würden sich die Macher*innen mit einem kurzfristigen Umzug beispielsweise zur Neuköllner Sonnenallee mit ihrem LGBTQ-orientierten Diversitätsansatz bei der dortigen arabisch-antisemitischen Machokultur blutige Nasen holen, und zwar im Wortsinne. (Der latente und oft offene Antisemitismus der Berliner Alternativszene wiederum dürfte dort auf offene Ohren stoßen.)
  2. Mit einem derart hermetischen Kulturansatz liefert die Szene natürlich rechten und faschistischen Protagonisten wunderbare Munition gegen jede emanzipatorische (Kultur-)Politik: Gegen die abgehobenen linksgrünversifften Eliten, die sich mit vollen Händen aus dem Staatssäckel bedienen, um ihre perversen Kulturphantasien zu befriedigen zu denen das gemeine Volk null Zugang hat.

Dem Laden würde eine AfD/CDU-Koalition mit als erstes den Geldhahn zudrehen. Zukünftig würden dort dann Ernst Mosh und die Egerländer, Andreas Gabalier und die Wildecker Herzbuben auftreten.

Kein Wunder bei so viel Kulturpessimismus, dass es mich mitunter vor die Tore der Stadt zieht

An den Weißen Strand von Woltersdorf.

Woltersdorf ist niedlich.

Woltersdorf hat die kleinste Straßenbahn der BRD

Und atmete darüber hinaus noch derartig unverfälschtes DDR-Ambiente, dass es mir ganz wehmütig wurde. Nur der Gestank des Trabi trübte die Seeluft von Woltersdorf ein wenig

20.03.2026 – Impressionen

Mühle, in Kreuzberg. Berlin ist mitunter da am schönsten, wo es nicht nach Berlin aussieht.

Action, in Schöneberg. Das hinwiederum ist Berlin, wie es cruist und swingt. Ich stand länger grübelnd davor ob der Ikonographie des Bildes. Richtig schlau geworden bin ich immer noch nicht.

Ausstellung „Vessel and Voyager“, Berliner Akademie der Künste. Junge Stidendiat*innen stellen aus. Manche Texte dazu waren derartig verstiegen und verblasen, zeitgenössisches Katalog blablabla, das ich nicht die Bohne kapiert habe. Aber die ästhetische Sogwirkung der Bilder ist das, was am Ende zählt. Teilweise magisch.

Teilweise furchterregend. Körper-Innenansichten vs. Unterwelten.

Draussen vor der Akademie streckte ich mein Gesicht in die Sonne und stöhnte vor Wohlbehagen. Natürlich dezent, wir waren ja nicht in einer Fetish-cruising Bar. Für ein paar Momente vergaß ich die Krisen der Welt.

Anzeige aus dem Tagesspiegel. Die Werbekampagne für Olympia 2036 in Berlin nimmt an Fahrt auf. Olympiasieger Wohnungsbau halte ich für ein Gerücht. Gebaut wird teurer Luxus, sozialer Wohnungsbau kannste vergessen. Und noch mehr Touris hier? Das ist doch jetzt schon nicht zum aushalten. Und preistreibend ohne Ende. Eine Olympiasiegerin steht jetzt schon fest, vielleicht darf sie sogar die Spiele 36 eröffnen: Alice Weidel. Wenn alsbald die Inflation als Folge des Irankrieges anzieht, wie schon gehabt, mit „Explosionen“ bei Grundnahrungsmitteln und Energie, muss man kein stabiles Genie sein, um zu ahnen, dass die AfD davon profitiert. Wer mit kaltem Hintern hungernd im Winter 26/27 in seiner Bude hockt, im Rahmen von Industriekrise und Massenarbeitslosigkeit gerade „auf der Straße “ gelandet ist, dürfte für wohlfeiles Talkshowblablabla von bürgerlichen Parteien ungefähr so empfänglich sein wie Kälber für messerschwingende Sirenengesänge der Metzger vor dem Schlachthof. Dann doch lieber gleich das Original zumal die Kanzlerin für Olympia 36 diesesmal nicht so einen uncoolen Schnauzbart trägt.

Egal , heute Abend ist vergessen angesagt, Vernissage und Konzert in der Schwangeren Auster, dem phänomenalen Haus der Kulturen der Welt. Für lau. Das ist im Bundesbesitz und dem hat der Kulturobermetzger Weimer noch nicht den Hahn zugedreht.