12.03.2026 – Übung in Verbaltranszendenz

EXPO 2000 Kitsch. Flucht in die Vergangenheit. Kein Wunder, bei so viel Gegenwartskanonendonner.

Wobei die Zukunft verheißungsvoll scheint. Gestern hat sich in der rbb-Abendschau der SPD-Spitzenkandidat für die Berliner Senatswahl im September für eine EXPO 2035 in Berlin ausgesprochen. Der aussichtslose Kandidat für die Nachfolge von Kai Wegner ist ein Import. Aus Hannover. Dass es so schlimm um die SPD steht, hätte ich nicht gedacht. Das Klima wird rauer, je milder es wird, ein paar Straßen weiter in der Kreuzberger Schönleinstr. gab es gerade wieder eine der mittlerweile üblichen Metropolenschiessereien. Schusswaffendelikte haben im letzten Jahr um 68 Prozent zugenommen, irgendwie erinnert Berlin an Tombstone. Der Wyatt Earp hier heißt Iris Spranger, ist Innensenatorin von der SPD und sieht aus wie der haargewordene Schrei nach einer Frisurpflicht für Amtsträger*innen. Udo Waltz hätte einen Herzinfarkt gekriegt, wenn er Spranger gestern gesehen hätte. Ich sage das nicht als Spießer, sondern aus der professionellen Perspektive eines Politikbeobachters. Im Privatleben bin ich ein eher liberaler Charakter, im liberalen Sinn. Jeder nach meiner Façon, ist meine Devise. Sollen doch alle rumlaufen wie die Hottentotten. Aber im politischen Betrieb gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Und bei Sprangers Anblick gestern bei der PK zur Berliner Kriminalitätsstatistik (Kriminialität nimmt ab, Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung nimmt zu) hat garantiert kaum jemand auf ihre Message geachtet, sondern sich gefragt, ob ihr Frisör vielleicht soviel taugt wie die Rolltreppen im Berliner Hauptbahnhof, nämlich gar nichts.

Natürlich ist das diese oberflächliche Perspektive Scheiße, aber der Betrieb, die Medien und Kommunikation funktionieren nun mal so und wenn ich mich darauf einlasse, sollte ich diese Gesetze auch beachten, sonst kann ich es gleich ganz sein lassen.

Wie bitte, echauffieren Sie, liebe emanzipierte Leserinnen, sich gerade, es käme doch wohl auf die Inhalte an.

Deshalb , wegen Inhalte, haben die 61 Väter und 4 Mütter des Grundgesetzes bei dessen Abfassung 1948 auch einen heftigen Lachanfall gekriegt bei der Formulierung von Paragraf 1 Absatz 1 GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Ihren Sinn für Humor und Satire hatten die 65 während der Nazidiktatur nicht verloren. Inhalte! Wenn ich das Wort nur höre, möchte ich gleich meine Heckler & Koch entsichern.

Falls Sie, liebe Leserinnen, sich gerade angesichts des Flusses meiner Worte fragen, ob ich keinen Frisör hätte, dem ich das hier erzählen könne: Da haben Sie nicht ganz unrecht. Das Ganze hier ist eine buchstabengewordene Übung in Verbaltranszendenz. Also der Versuch, über den Fluss der Worte aus einer schier unerträglichen Ebene des Bewusstseins in einer höhere, befreite zu emulgieren.

Ich breche das hier jetzt ab, das wird nichts mehr, der heutige Blog hat einen SPD-Hautgout, eine Mischung aus Scheitern, schlecht abgehangen und Verwesung. Ich überlege noch kurz, ob ich den Begriff „Hottentotten“ streiche, ersetze, weil außerordentlich politisch inkorrekt. Hm….

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