
Mist. Wieder den Rosenmontag verpasst.
Die Überschrift „Bettsocken und Monopolkapitalismus“ hab ich nur verwendet, weil sie so schön klingt, irgendwie verheißungsvoll, Aufbruch zu neuen, vorher nie gedachten Ufern. Aber außer dass sie schön klingt, zum Mehrfachsagen, Bettsocken und Monopolkapitalismus, Bettsocken und Monopolkapitalismus, fällt mir dazu nichts weiter ein. Zumal Bettsocken nicht so sexy aussehen, wie es klingt.
Der Monopolkapitalismus ist nach Lenin die finale Stufe des Kapitalismus, geprägt durch Konzentration von Produktion, Verschmelzung von Bank- und Industriekapital (Finanzkapital) sowie den Kapitalexport. Er ist gekennzeichnet durch Herrschaft der Monopole und die Aufteilung der Welt unter Konzerne und von ihnen dominierten Großmächte.
Natürlich ist Lenin keine Ikone der Aufklärung, schließlich schlummerte in ihm, einer Matroschka gleich, der Blutsäufer Stalin. Aber blöd war Lenin nicht, seine Analyse trifft nach über 100 Jahren noch nzu. Das Blöde ist nur, dass nach dieser finalen Stufe des Kapitalismus nicht, wie Lenin, Hilferding und weitere Legionen von Marxisten glaubten, der Sozialismus in die Weltgeschichte eintritt, sondern Barbarei. Wir sind mitten drin, merken es nur noch nicht. Vor der Kälte der Barbarei schützen uns im globalen Norden noch notdürftig die Bettsocken unseres prekären Wohlstands. (Hab ich doch noch schlank und elegant die Kurve zwischen Bettsocken und Monopolkapitalismus gekriegt. Ich bin stolz auf mich.)
Ich gönne mir und Ihnen, liebe privilegierte Leser*innen dieses Blogs, den Ausflug in das Paläozoikum des Marxismus nur deshalb, weil im Moment aktuell eine Inflation von dämlichen, unzutreffenden, hirnvernebelnden Begriffen und Beschreibungen das öffentliche Bewusstsein flutet und noch dümmer macht als eh schon, in Verbindung mit einer ganz elenden Personalisierung der „Diskussion“. Wenn man das öffentliche Geplärre, Gegreine und Gegröle überhaupt als solche bezeichnen kann.
Dass die dramatisch wachsende Konzentration von Macht und Geld in den Händen von Wenigen ein Demokratiebedrohendes Ausmaß angenommen hat, spricht sich langsam zumindest in Kreisen jenseits des Männergerontologischen Kalkriesel-Kongresses, vulgo CDU Karteitag, rum.
Da hier aber schon die beschreibende Begrifflichkeit wie „Oligarchie, Techkonzerne, Big Seven“ etc. nicht ausreicht, paddeln die so Redenden natürlich auch völlig im Dunkeln, wenn es um Lösungen geht. Ganz schlimm sind Begriffe wie „Broligarchie“, ein Kofferwort für „Bro(thers)“ und „Oligarchie“ für die männlichen Eigentümer der großen Techkonzerne. Solche Begriffe stillen verniedlichend den Hunger des Mobs nach Personalityshow, nach Schlüssellochperspektive, nach großen Männern, die Geschichte machen und legen so den Schleier des Personenkults über strukturelle Probleme.
Ganz übel wird dieser lüsterne Blick bei Andrew. Anstatt das Ding beim Namen zu nennen, dass der Mann ein leistungsloser Schmarotzer eines perversen Privilegiensystems namens Hochadel ist, der nur das Pech hatte, dass seine Schweinereien aufgeflogen sind, wird hier noch nach „Guter Adel (King Charles), schlechter Adel“ unterschieden. Natürlich gehört das ganze Pack ebenso entschädigungslos enteignet wie die Eigentümer der Monopolkonzerne, deren Eigentum sich eben nicht nur auf Tech begrenzt.
Aber statt fundiert über erste Schritte dahin zu diskutieren wie beispielsweise eine Vermögensabgabe von 1 Prozent bei Millionären bis hin zu 12 Prozent bei Milliardären, delektiert sich das staunende Publikum an den Yachten der Überreichen, den Nullen ihrer Milliardenvermögen, deren Epstein-Schlafzimmerverwicklungen und wer gerade wie intensiv mit Trump kuschelt.
Weiter führt da der Satz aus dem dritten Band des Kapitals von Karl Marx von 1894: „Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, … wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen.“
Da sind wir gerade mitten drin. Und was bleibt, wenn das belebende Feuer erloschen ist?
Bettsocken und Monopolkapitalismus.