
Balkonbrand letzte Woche im Pallasseum, einer Hochhaussiedlung in Schöneberg. Hier stand früher der Berliner Sportpalast, wo Goebbels 1943 seine Rede „Wollt Ihr den totalen Krieg!“ hielt. Nach dem Krieg legten hier Rock’n Roll Fans bei Konzerten schon mal die Bestuhlung in Schutt und Asche, was gegenüber dem Ansatz von 1943 ein zivilisatorischer Fortschritt war. Irgendwann in den Siebzigern rechnete sich der Betrieb nicht mehr, der Sportpalast wurde abgerissen und das Pallasseum, anfangs „Sozialpalast“ genannt, wurde an seiner Stelle errichtet. Über dem Hochbunker Pallasstr., der den Krieg überdauert hatte. Seine Sprengung hätte den übrig gebliebenen Rest von Schöneberg und Kreuzberg in Schutt und Asche gelegt.
Der Bunker ist aber revitalisierbar, was in diesem Zusammenhang ein skurriler Begriff ist, und wäre mit fast 5.000 Plätzen die größte Zivilschutzanlage in Berlin. Der Bunker wurde 1943 – 45 von Zwangsarbeiter*innen errichtet.
Wie lange die 5.000 dort nach einem Atomangriff verweilen könnten, weiß ich nicht. Es wäre nach einem Verlassen des Bunkers natürlich wünschenswert, dass jemand mit Spezialkräften vorbeikäme und eine Speisung der 5.000 vornähme, weil ja die vorhandene Nahrung draußen verstrahlt wäre.
Für mich läge ein revitalisierter Ernstfall-Bunker günstig, weil ich mit dem Klapprad in ca. 3 Minuten da wäre. Ich trainiere im Moment, um die Zeit zu verbessern, weil die Flugzeit einer nuklearen Rakete aus dem russischen Kaliningrad bis Berlin ca. 106 Sekunden dauert.
Bis dahin gehe ich ab und zu in der unterhalb des Pallasseum gelegenen Kochschule Paladin essen, einem Restaurantausbildungsbetrieb für Menschen vor allem mit Migrationshintergrund, unter anderem aus Syrien, Irak, Afghanistan. Das Essen ist excellent und kostet ungefähr die Hälfte wie in einem Restaurant. Lieber gehe ich allerdings im Kreuzberger Ausbildungsrestaurant „Muskat“ essen, da gibt es excellente Weine für 3 Euro das Glas dazu.
Ich kam zufällig bei dem Brand vorbei, als ich im Paladin gegessen hatte. Was ich skurril fand: Innerhalb von 5 Minuten waren 8 Tatütata Wagen da, unter lautem Gejaule. Alles Peterwagen, der Neunte war dann ein Feuerwehrauto. Da hatten die Anwohnenden den Brand mit Eimern aber unter Kontrolle.
Wer will (ich nicht), kann das Pallasseum-Brandgeschehen als Symbolik und Menetekel sehen. Es brennt an allen Ecken der Welt.
Was bei dem „Brand“, also Krieg, im Nahen und Mittleren Osten herauskommt, weiß niemand. Dieser Krieg ist moralisch gerechtfertigt, weil er den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen hindert, und damit präventiv die Vernichtung des Staates Israel bekämpft. Nach Maßgaben des Völkerrechts dürfte der Krieg aber vermutlich illegal sein. Ein Dilemma von vielen.
Der derzeitige Krieg gegen den Iran erinnert an Irak-Überfall der USA 2003, der völkerrechtswidrig und moralisch nicht gerechtfertigt war. Und verheerende Konsequenz hatte. Im Laufe der Jahre bis Heute hunderttausende Tote, ganze Länder und Regionen destabilisiert und zerfallen, ökonomische Verheerungen mit Millionen Flüchtlingen, die auch bis zu uns kommen, religiöse und ideologische Radikalisierungen mit Folgekriegen, alles ohne jede Aussicht auf Stabilisierung.
Was bei einem Zerfall analog Irak des ungleich größeren und vor Waffen starrenden Iran herauskommen kann, überlasse ich Ihrer Phantasie.
Ich muss jetzt los. Trainieren. Ich muss unter die drei Minuten, siehe oben, kommen.
Wobei mir die Lage von Reichstag und Kanzleramt als potentiellem ersten Atomwaffen-Angriffsziel entgegenkommt. Beide liegen ca. 3 km Luftlinie in nördlicher Richtung entfernt und bei vorherrschender Südwest-Windrichtung hätte ich knapp genügend Zeit auch bei 3 Minuten, um vor dem Fallout am Bunker zu sein. Ab da ist es dann eine Frage des Gedrängels.
Ich wünsche ihnen, liebe Leserinnen, einen sonnigen Sonntag.