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08.05.2018 – Grape & Shape

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Marx bringt verbrauchte revolutionäre Energie sofort zurück. Auf Europa Tournee in Pinhao. Im Douro Tal. Dem Paradies für Portwein Trinker. Am jeder Ecke gibt es herausragende Qualitäten für sparsames Geld. Und mein inniges Verhältnis zum Portwein transzendiert in metaphysische Höhen. Nicht nur durch Besuche in den alten Quintas , vergleichbar mit den Weingütern im Bordeaux, sondern durch Wanderungen in den Weinbergen , die die steilsten der Welt sind. Steigungen unter 45 Prozent gibt’s da gar nicht. Wer da in praller Sonne ohne Schatten auf 600 Meter hoch will, muss seinen Body geshapt haben. Traube & Fitness sorgen für ein langes Leben.
Hoff ich mal. Im Moment bin ich aber einfach nur platt, alle und tot.
Und außerdem hab ich mit meinem verfickten Smartphone eine Funktion in diesem WordPress basierten Blog hier zerschossen und Null Ahnung wie ich die wieder herstellen kann.
Oh Morpheus, hülle zärtlich deine Arme um mich, auf das mein irdisch Leiden hier ende.
Erstmal.

04.05.2018 – Genug politisiert

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Selbstbespiegelung. Bild aus der Frankfurter Rubens-Ausstellung im Städel
Der 1. Mai ist für Traditionalisten immer wieder Anlass zum Politisieren und sollte auch einer zur Selbstreflexion der eigenen Verortung als zoon politikon sein. Aber spätestens am 4. Mai ist dann auch mal gut und ich wende mich den angenehmen, denn das Räsonieren über Politik ist in Zeiten des allgemeinen Verfalls eine unangenehme Beschäftigung, Seiten des Lebens zu. Zum Beispiel den nahenden Sommertagen, in denen der bunte Kiez in dem ich wohne, zu noch prallerem Leben sich aufschwingt als ohnehin. Zur Freude und zum Entzücken meiner Kumpels, die hier in den Einflugschneisen der hiesigen Clubs wohnen. Unvergessen die Szene, die mir ein geplagter Kumpel schilderte, unter dessen geöffnetem Fenster ein Testosteronentflammter Romeo auf eine vermutlich gerade kennengelernte Julia vernehmlich und hartnäckig einwirkte in Richtung Vollzug des gemeinsamen Coitus. Irgendwann platzte meinem Kumpel der Kragen und er brüllte nach unten:
„Herrgott, jetzt lass ihn doch endlich mal ran, damit ich pennen kann!“
Oh, Du praller Kiez, welche Geschichten schreibst Du in diesem Sommer!?
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Diese hier zum Beispiel, einen Steinwurf von mir entfernt.
Ich weiß, es sind die Verhältnisse, die den Menschen zum Dreckspatz machen. Das Schwein bestimmt das Bewusstsein. Aber zu der Erkenntnis muss sich das Hirn bei diesem Anblick erstmal durchringen, wenn das Ästhetikzentrum sich gerade übergibt. Und schon sind wir wieder mitten drin im Politisieren.
Ich bin kein Kunsthistoriker, ich weiß noch nicht mal, wie das Rubensbild oben heißt und hab auch keinen Bock das jetzt zu googeln. Aber die Tatsache, dass Rubens in dem Bild oben zentral mit dem Moment der Selbstbespiegelung also der Selbstreflexion arbeitet, und zwar so, dass der Betrachter auch das Spiegelbild erkennt, scheint mir ein Paradigmenwechsel in der bildenden Kunst. Schließlich wird mit dem Moment der Selbstreflexion das moderne „Ich“ konstituiert, was zu Rubens Zeiten, wo alle Existenz noch auf Gott gerichtet war, eine Sünde gewesen sein dürfte. Wenn die Zensoren überhaupt gemerkt haben, was da abgeht.
Das Ich wurde eigentlich erst später Thema der Reflexion und der Kunst. Bis es dann in unseren Zeiten ein epidemisches Ausmaß annahm, das kein Vernunftbegabtes Wesen länger aushält. Genug lamentiert. Der Garten will bewässert, die Koffer gepackt werden, das Bewusstsein reduziert. S’ist Reisezeit.

02.05.2018 – Ein Desaster

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1. Mai Feier, eine Genossin (in Gewerkschaftszusammenhängen heißt es eher: Kollegin) mit Geschmack: Lederhandschuhe, farblich passend zum Event. So etwas schätze ich ausserordentlich.
Der 1. Mai war aus gewerkschaftlicher Sicht ein Desaster. Wo in den letzten Jahren um die 10.000 Besucher*innen DGBseitig vermeldet wurden (real waren es immer 5.000), waren es heuer 2.000. Eiskalter Wind und der Brückentag legten das schonungslos an den Tag, was ich im Rahmen meiner Bildungsarbeit für Gewerkschaften schon vor Jahren wahrgenommen habe:
Die Basis bricht weg, entweder legt sie die Löffel weg, kriegt den Rollator nicht mehr in Gang oder sie passt sich dem individualistischen Zeitgeist-Geplärre des klassischen Trittbrettfahrer „Ohnemichel“ an.
Ich friere mir nächstes Jahr bestimmt nicht noch mal den Arsch hier ab. Den nächsten 1. Mai verbringe ich mit den Arbeiter*innen der Lisnave Werft in Lissabon, nachdem ich vorher am Jahrestag der portugiesischen Nelkenrevolution am 25. April in Grandola das Lied „Grândola, Vila Morena“ intoniert habe. Bei meinen Sangeskünsten steht allerdings zu erwarten, dass ich danach des Landes verwiesen werde und der Feiertag verboten wird.
40 Prozent der Bevölkerung hierzulande haben nichts oder Schulden, 20 Millionen sind arm, daran wird auch die alberne und hilflose derzeitige Diskussion vor allem in der SPD, getragen von nackter Panik vor dem Untergang, nichts ändern. Das Kapital, und angesichts des bevorstehenden 200. Geburtstages von Karl Marx darf man mal derart kategorial argumentieren, geht über Leichen, wenn es um Profit geht. Daran ändert die Tatsache nichts, dass „wir“ hier in der BRD im Moment auf einer Insel der Glückseligen leben, wo der Klassenkampf moderat gestellt ist.
Wir haben ihn halt externalisiert. Die mörderische Variante findet zum Beispiel in Bangla Desh statt, wo unsere billigen T-Shirts produziert werden und aus Profitgründen Arbeitssicherheit einen Dreck beachtet wird. Mit der Konsequenz, dass mal eben eine Fabrik einstürzt und über 1.000 Arbeiterinnen den Tod finden.
Also wenn der Mob hierzulande noch nicht mal am 1. Mai den Arsch hochkriegt, dann soll er sich nicht beschweren. Ohne Druck passiert gar nichts. Und über solche Kaspervereine wie attac oder occupy lacht sich doch der ideelle Gesamtkapitalist einen Ast ab. Das sind feuilletongepufferte Modeerscheinungen von adretten Mittelschichtsjünglingen in der Phase vor der Familiengründung. Wenn selbst eine mitunter durchaus in Blut getränkte soziale Kraft wie die Arbeiterbewegung, mit einem millionenfachen Jahrhundertgepäck von Organisationserfahrung bewehrt, letztlich mit einem matten Seufzer der Geschichte alle Viere von sich streckt, werden ein paar wohlmeinende online-Petitionen den Marsch des Kapitalismus in den kollektiven Untergang genauso wenig aufhalten wie Ochs und Esel.
Bis es aber soweit ist, halten wir ein paar Traditionen aufrecht, wie den formgerechten Gruß zum 1. Mai
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Faust I oder II – das ist hier die Frage… (Foto: Dirk)
Und die korrekte Länge revolutionärer Ansprachen. Auf die Bitte des hiesigen Versammlungsleiters beim Maifest, ich möge mich bitte kurz fassen mit meinem Beitrag, erwiderte ich dynamisch: „Ich orientiere mich da an den Reden des Genossen Fidel Castro.“
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Nach sechs Stunden kam ich zum Höhepunkt. Meiner Rede. (Foto: Annette Boll). Die Stimmung war gut. Zumindest bei mir. Auch, weil die hier abgebildete Aktion mit den Genossinnen und Kolleginnen mir das Herz erwärmte, was angesichts der Arschkälte auch bitter nötig war.

01.05.2018 – Mein Roter 1. Mai

petrus
Mit einem 1974er Petrus. Der Château Petrus ist einer der teuersten Rotweine der Welt. In Fachkreisen sagt man auch nicht Château, sondern wegen der Sonderstellung des Weines einfach: Petrus. Eine 0,7 Liter Pulle dieses Jahrgangs kostet um die 1.500 Euro. Die abgebildete Flasche, wäre eine sogenannte Sovereign mit 50 Liter Fassungsvermögen und würde mehr als das entsprechende Vielfache einer Normalflasche kosten, weil da die Regel gilt: Je mehr Volumen die Pulle, desto mehr Körper der Wein. Die abgebildete Flasche dürfte also den Gegenwert eines Eigenheimes haben. Ich habe in meinem Leben natürlich noch nie einen Petrus getrunken und werde auch nie einen trinken, aber ich dachte mir, als Korrektiv zum meinem normal roten 1. Mai passt das Foto ganz gut. Klassenkampf sollte immer auf höchstem Niveau stattfinden, intellektuell, kreativ und luxuriös.
Ich hab so viel Lust auf direkte Aktion heute wie ein Schwein zum Radfahren. Es ist unter 10 Grad, es nieselt und Gewerkschaften gehen mir eigentlich auf die Eier. Strukturkonservativer als der Vatikan, im Apparat so abgehoben vom normalen Leben wie das Bundeskanzleramt und kulturlos wie ein Sack Sülze. An die Entwicklung der Arbeitswelt der letzten 20 Jahre haben sie komplett den Anschluss verloren mit ihrer Konzentration auf festangestellte Kernbelegschaften. Dass sich die Arbeitswelt zunehmend in ein nomadisierendes und prekarisiertes Digital- und Kulturproletariat verwandelt hat, um nur einen Aspekt rauszugreifen, wird sich bis zu deren Pensionierung nicht in die Schlichthirne der Hauptamtlichen fräsen, die immer noch Sätze delirieren wie: „Wir müssen die Leute von der Straße holen und in Lohn und Brot bringen.“ Dem Nächsten, der solchen Sprachmüll absondert, schmeiße ich ein drei Monate altes Weißbrot an den Kopf.
Wie sonst wäre unter anderem die komplette Diskussionsverweigerung gegenüber dem Bedingungslosen Grundeinkommen zu verstehen, die der DGB und die IG Metall vor dem 1. Mai demonstrieren? Es gibt gute Gründe dagegen, aber einen auf bockig und pampig zu machen, verkennt komplett die ökonomische und damit von ständigen Existenzängsten getragene Lebenswelt des digitalen, kulturellen und Dienstleistungs-Prekariates. Das sind viele Millionen. Wenn die auf der Basis der aktuellen DGB Diskussion zukünftig nur das Wort Gewerkschaften hören, packen die ihren Mac zusammen und suchen das Weite.
Diese ganze Gewerkschaftskacke hat nur einen Haken:
Es geht nicht ohne sie.
Nach wie vor zählt der Klassengegner, der Arbeitgeber, der Unternehmerbonze, bei jedem Konflikt, egal ob Tarifauseinandersetzung oder was auch immer, die Truppen, die die andere Seite, also wir, auf die Straße bringt. Das zählt und sonst nichts. Soziale Medien, Online Petitionen – drauf geschissen. Das rührt die überhaupt nicht, weil sie wissen, da sitzen individualisierte Nomaden an ihrem Smartphone und kriegen sonst nix auf die kämpferischen Reihen. Außer vielleicht noch solche tollen Blogs vollkritzeln wie diesen hier.
So einfach wird der Drops gelutscht, compañeros.

30.04.2018 – Marx bringt verbrauchte revolutionäre Energie sofort zurück!

Marx Riegel und  geballte Faust
Marx bringt verbrauchte revolutionäre Energie sofort zurück.
Die Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 gratuliert Karl Marx zum 200. Geburtstag am 05.05.2018 mit einer Gespenster-Europa-Tournee und einem Marx Riegel. Hier die offizielle Pressemitteilung: PM SCHUPPEN 68 gratuliert Marx mit Marx-Riegel zum 200. Geburtstag
Der Riegel erinnert in der Anmutung an einen bekannten Schokoladenriegel und wird in einer handsignierten Auflage von 200 Stück, pro Marx-Jahr ein Riegel, in europäischen Metropolen von Mitgliedern der Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 verteilt. Motto:
Marx bringt verbrauchte revolutionäre Energie sofort zurück!
Die Europatournee nimmt Bezug auf das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx und Friedrich Engels von 1848, dessen erster Satz lautet:
„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“.
Klaus-Dieter Gleitze vom SCHUPPEN 68 unterstreicht:
„Kern der Europatournee ist die Hommage an diesen Satz. SCHUPPEN 68 Mitglieder gehen daher als Gespenst verkleidet ab dem 05.05.2018 durch europäische Metropolen, zitieren das „Kommunistische Manifest“ und verteilen Marx-Riegel, denn: Marx bringt verbrauchte revolutionäre Energie sofort zurück!
Wir beginnen am 05.05.2018 im Südwesten, in Porto, ziehen nordostwärts über Berlin, wo wir am 20.05 beim „Karneval der Kulturen“ an den internationalistischen Aspekt vom „Kommunistischen Manifest“ erinnern und enden voraussichtlich im August in St. Petersburg.
Das Kommunistische Manifest hat in Kernaussagen nach wie vor politische Gültigkeit und ist ein literarischer Text von überragender Bedeutung. In seinem poetologischen Duktus nimmt er die literarische Moderne vorweg. Der erste Satz kommt daher wie eine Fanfare und ist eines der gelungensten Intros der Weltliteratur:
„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“.
Nicht umsonst wurde das Kommunistische Manifest 2013 in das UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen.
Politisch ist Marx immer noch aktuell. Die Spaltung zwischen Arm und Reich in Deutschland wird immer größer, auf der einen Seite sind 16 Prozent aller Menschen in Deutschland arm, Tendenz wachsend. Auf der anderen Seite gibt es hier weit über eine Million Vermögensmillionäre, Tendenz ebenfalls wachsend.
Diesen Zustand nannte Marx im „Kommunistischen Manifest“ vor 170 Jahren Klassengesellschaft und dieser Begriff beschreibt die Wirklichkeit immer noch präzise. Leider erleben wir im Moment eine negative gesellschaftliche Entwicklung: Rechtspopulismus, Rassismus und Antisemitismus nehmen zu. Wenn wir unseren demokratischen Konsens nicht verlieren wollen, muss es darum gehen, die Ideen von Marx neu zu denken und weiterzuentwickeln. Damit der Marx-Riegel Wirklichkeit wird:
Marx bringt verbrauchte revolutionäre Energie sofort zurück!“

28.04.2018 – Über die Verlagerung meines Lebensmittelschwerpunktes

28.04.2018 – Poesie und Humor
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Frankfurt, Skyline.
„Há, aqui, anticapitalistas“, so wie hier in Lissabon 2012 wird es auch auf dem hiesigen 1. Mai beim Marsch wieder einige wackere junge Leute geben, die ihrer lauteren antikapitalistischen Gesinnung derart rhythmisch Ausdruck geben, mir und anderen zum Wohlgefallen. Sie taugt doch mitunter, die Jugend. In diesem Jahr hat man den hiesigen Abmarsch-Ort für den Demo-Zug zur zentralen Feier ein paar hundert Meter nach vorne verlegt. Wollte man damit dem Umstand Rechnung tragen, dass es nicht nur immer weniger Teilnehmerinnen gibt, früher gab es noch drei Marschkolonnen statt einer, sondern dass die Restgenossinnen auch immer älter und fußkranker werden?
Ich hab Fitness heuer etwas schleifen lassen, muss meinen Body vor Beginn der Strandsaison unbedingt shapen, bin aber von der Grundfitness her tendenziell bei einem 30 km Gepäckmarsch noch locker dabei. Die Fitness-Frage stellte sich mir beim Räsonieren über meine nach dem 1. Mai anstehende temporäre Verlagerung meines Lebensmittelpunktes nach Berlin. Dass ich damit nicht ganz im Reinen bin, zeigt ein putziger Versprecher. Als ich unlängst diesbezüglich Kumpels ins Benehmen setzte, war die Reaktion ein Lachen:
„Du hast gesagt: Lebensmittelschwerpunkt“.
Sei’s drum, ich komme in ein Alter, wo man die Dinge, die man schon immer mal machen wollte, jetzt und nicht demnächst machen sollte.
Nicht, weil ich Gevatter Hein in meiner Planung hätte. Göttin bewahre. Mit dem Tod würde ich planen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs im T 4 Stadium, wo man letztlich schon töter als tot ist, und selbst dann noch nicht, weil ich eine umfangreiche Liste zum Abarbeiten hätte und keine Zeit zum Sterben. Auch eventuell fehlende Fitness – siehe oben – würde bei meinen Plänen und Utopien keine Rolle spielen. (Die dämlichste war, als ich jenseits der 40 nochmal durch Europa trampen wollte. Schon damals trampten nur noch frisch entwichene Schwerverbrecher und Psycho-Verpeilte. Man hätte mich bei der 2. Autobahnauffahrt von der Straße weggefangen, nach 4 Tagen vergeblichen Wartens.)
Es geht bei der Realisierung von Plänen eher um möglicherweise fehlenden mentalen Biss, eine emotionale Grundhärte, sich auf was einzulassen, was einem fremd ist. Was das ist, sieht bei jeder anders aus, und vielen fehlt die Härte grundsätzlich. Die gehen nach dem Eintritt ins Berufsleben schon nahtlos in die Verwesung über.
Irgendwann sitzt man halt im psychopassiven Schaukelstuhl und wenn man’s merkt, ist es meist zu spät.
Das Leben ist schon die Härte.
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Es muss einen ja nicht gleich so übel erwischen wie den armen Simson, der geblendet wurde. Hier das Bild „Die Blendung Simsons“ aus der famosen Rubens-Ausstellung im Frankfurter Städel. In der Ausstellung kann man direkt im Vergleich zu zeitgenössischen Kollegen von Rubens sehen, was für ein überragender Künstler er war.
Dem biblischen Simson wurden übrigens vor der Blendung die Haare abgeschnitten, eine symbolische Kastration. Und ich muss demnächst wieder zum Putzer, wie wir früher sagten. Seufz.
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Waschechte Antikapitalisten sitzen natürlich hier, im Frankfurter Bankenviertel. Sie arbeiten mit daran, dass das System „(Industrie-) Kapitalismus“ sich selbst zerstört, nachdem es ca. 250 Jahre funktioniert hat. Jedem System liegt der Kern der eigenen Zerstörung inne, so auch diesem. In diesem Sinne, liebe Genossinnen Banker:
„Há, aqui, anticapitalistas“.

25.04.2018 – Frei sein, High sein, am 1. Mai dabei sein!

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Kirschblütenfest im Hiroshima Hain von Hannover.
Wenn man die täglichen Meldungen in den Medien verfolgt, scheut man mitunter die Analogie Mensch – Tier, um Schweinen und Ratten nicht zu nahe zu treten. Die Vertierung des Menschen ist zwar naheliegend, aber kontraproduktiv, enthebt sie doch den angeblich animalisch, also instinktgesteuert handelnden Primaten der gesellschaftlichen Verantwortung seines Handelns. Umgekehrt ist natürlich die Vermenschlichung der Viecher genauso bescheuert wie man am Beispiel der Mahnwache für Chico sieht. Das war die Töle, die zwei Menschen totgebissen hat und natürlich zu Recht eingeschläfert wurde.
Wenn man sich das Volk bei dieser Mahnwache anschaute, war man geneigt, den Himmel händeringend zu bitten, sofort global Feuer und Schwefel regnen zu lassen, um diesem Trauerspiel namens Menschheit ein Ende zu machen. Wenn man Tiere nicht artgerecht hält, kommen eben Unglücksfälle bei raus. Wenn man Menschen nicht artgerecht hält, kommen Katastrophen bei raus.
Es bleibt aber dabei, und nun müssen alle Veganerinnen, Flexitarierinnen, Fruitarierinnen und die Schwachköpfe von PETA mit ihren unsäglichen Holocaustvergleichen sowieso, tapfer sein: Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Na ja, potentiell, und in seinen Sternstunden. Nur der Mensch besitzt zum Beispiel Poesie, die im Bild oben durchschimmert, und Humor. Oder haben Sie, liebe Leserinnen, schon mal ein Schwein einen guten Witz erzählen hören? Dafür gibt das Schwein aber ein gutes Grillkotelett ab. Wogegen aus meiner Sicht bei artgerechter Haltung nichts einzuwenden ist.
Und was Humor angeht: Beispiel einer Sternstunde humanoiden Humors ist der 680 Seiten dicke Bild- und Gedichtband über das Wirken des 1968 gegründeten SCHUPPEN 68. Da kommt was zusammen mit den Jahren.
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Der Ausriss aus dem Bildband zeigt die aktuellen Masterminds des SCHUPPEN 68 Sievers, links, und Gleitze, Mitte, mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil bei einer Performance am Tag der Niedersachsen 2014. Wir haben uns da für die Landes-Förderung („Der Herr der Kohle“) der Nullnummer der NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung bedankt, siehe Bild, hieß da noch HEZ. Eine Zeitung mit Landesmitteln zu produzieren, erleichtert das Geschäft eines Herausgebers ganz beträchtlich. Weil hat entgegen seines spröden öffentlichen Eindrucks übrigens einen guten Humor. Den braucht er auch. Er ist schließlich in der SPD.
Wir aber harren des 1. Mai, wo ich gemeinsam mit anderen auf dem hiesigen Festplatz für die artgerechte Haltung von Menschen demonstrieren werde, Motto: Wohnen ist Menschenrecht, siehe Artikel 25, allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
Eigentlich wollte ich mir mal in Berlin die autonome Krawall-Folklore des 1. Mai am Mariannenplatz angucken, wo alkoholgeschwängerte und testosterongesteuerte Genossen gerne schon mal den jährlichen Joseph-Fischer-Steineweitwurf-Erinnerungs-Wettbewerb inszenieren. Nu isses halt doch wieder das beschauliche Hannover, aber ich kann dann mein Haupt des Nachts mit dem beruhigten Gefühl zur Ruhe betten, mal wieder Teil der Lösung und nicht Teil des Problems gewesen zu sein.
Wir sehen uns am 1. Mai, liebe Leserinnen, gemäß der 68er Parole:
Frei sein, High sein,
am 1. Mai dabei sein!

22.04.2018 – Wäre Rechthaben olympische Disziplin, hätte ich schon ein Dutzend Goldmedaillen.

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Blick auf die Akropolis. Dieses Nizza-Foto vom Park hinter dem Mamac ist zweifellos drollig. Soviel Selbstbewusstsein, einen derartig gruseligen Betonklotz „Acropolis“ zu nennen, muss man erstmal haben. Auf dem ja auch in fröhlicher Kumpanei der Blick des Betonkopfes harrt. Bei dessen Anblick mich ein Blitz der Erinnerung durchzuckte.
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Den Betonkopf hatte ich 2003 schon einmal auf der Titelseite der HALZ Nr. 1 platziert, als Symbol für einen Widerstand, der so hart wie Beton sein soll.
2003 hatte ich, gemeinsam mit Anderen, das Projekt HALZ – Hannöversche ArbeitsLosen Zeitung ins Leben gerufen, als direkte und intervenierende Antwort auf die Agenda 2010. Die HALZ sollte Erwerbslose zum Widerstand gegen die Agenda 2010 mobilisieren. Sozialer Widerstand braucht viele Voraussetzungen, um wirksam zu werden, da reicht die verbindende Idee allein nicht, es braucht unter anderem auch Medien, zur Verbreitung, als Kristallisations- und Identifikationszentrum und als Möglichkeit selber – schreibend – aktiv zu werden. Die HALZ war ein Versuch. Das klappte auch ganz gut, viele Erwerbslose machten mit, und verteilten das Blatt mit Aktionen vor dem Arbeitsamt.
Die Finanzierung der HALZ war ein Brachialakt. Da die IG Metall als Facharbeiterverein für Kernbelegschaften sich für die Interessen von Prekären und Erwerblosen einen feuchten Kehricht interessierte, musste ich als Delegierter „meine“ IG Metall regelrecht mit Insiderwissen erpressen, um bei denen Kohle dafür locker zu machen. Da die IG Metall damals teilweise noch eine Ansammlung von stalinistischen Betonköpfen war, hat mir das mitunter regelrechten Hass von denen eingetragen. Für den Streetfighter in mir war diese Konflikt-Inszenierung ein regelrechtes Gabelfrühstück, dessen einzelne Gänge mein Performance-Herz höherschlagen ließ. Als Gewerkschafter hatte ich für das Verhalten der eigenen Organisation nur Verachtung übrig. Das Projekt hatte ich im Rahmen eines Jobs bei der damaligen Werkstatt Hannover initiiert, eine SPD Filzveranstaltung, die selbst für hannöversche Verhältnisse derartig zum Himmel stank, dass es in der Folge zu Prozessen und Abwicklung des Ladens kam.
Mit was man so alles kontaminiert wird, wenn man sich gemein macht ….
Was mir als notorischem Rechthaber gefällt an der HALZ oben, ist die Trefferquote meiner Einschätzung der Gewinner und Verlierer der Agenda 2010. Bei der Konjunktur habe ich komplett danebengelegen, bei der Arbeitslosigkeit, insofern als die offizielle Quote gesunken ist. Betrachtet man Arbeitslosigkeit unter dem Aspekt der prekären, nicht Existenzsichernden Beschäftigung, die seitdem regelrecht explodiert ist, habe ich auch da recht behalten. Was die SPD und alles andere angeht: jeweils ins Schwarze. (Die Wahl 2006 wurde auf 2005 vorgezogen und leitete den schleichenden Untergang der SPD ein).
Wäre Rechthaben olympische Disziplin, hätte ich schon ein Dutzend Goldmedaillen.
Drauf geschissen.
Einige von den Leuten, die an dem Projekt mitgearbeitet haben, sind mittlerweile tot. Und daran war mitunter Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung mit Schuld. Arme Männer sterben 11 Jahre früher als ihre normalsituierten Geschlechtsgenossen. Arme Frauen ca. 7 Jahre, wer für die Aufzucht der Brut verantwortlich ist, muss widerstandsfähiger sein.
Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch, es wird kommen der Tag des Zorns, und er wird hinwegfegen die, die Not und Elend über die Welt gebracht haben.
Fragt sich bloß, wer danach ans Ruder kommt.
Die Musik zum Zorn kommt heuer von Verdi, und nein, das ist nicht die Gewerkschaft. Es ist das Requiem „Dies irae“ Tag des Zorns).
Das Stück steht lässt schon das Nahen der Moderne ahnen. Mir naht ein weiterer heiterer Sommertag.
Den ich Ihnen, geschätzte Leserinnen, auch wünsche.

21.04.2018 – Der pure Hass

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Genossinnen, ich werde für Euch beten.
Eher würde ich mir einen Nagel in den Kopf hämmern als einer Partei beizutreten. Sicherlich hat die Linke ein Programm, das mir nahe ist, aber ihr Personal entstammt zum Teil einer Mischung aus Gruselkabinett, Stalinmausoleum und Klapsmühle. So verwundert mich die Meldung von heute Morgen nicht, dass selbst in der Bundestagsfraktion purer Hass herrscht.
Es gibt auch jede Menge anderer Genossinnen, mit einigen habe ich die Ehre und Freude zusammenzuarbeiten. Die reißen sich ehrenamtlich den Arsch auf, mit denen haben wir bei Wind und Wetter Aktionen gemacht und in sozialen Brennpunkten die Massen agitiert. Wenn es solche Leute nicht gäbe, wäre ich schon längst im Fortschritts-Retiro, würde auf dem Boulevard der Eitelkeiten mein Ego pflegen und auf den Berliner Boulevards, die bei Licht betrachtet mitunter rechte Dreckslöcher sind, wahlweise Cappuccino oder Portwein verklappen (Portwein in Neukölln, das ist auch irgendwie ne skurrile Mischung). Der große Rest der Linken und aller Parteien jedoch obliegt dem Diktum von Oscar Wilde:
„Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.“
Genossinnen, ich werde für Euch beten! Und habe schon mal obige Osterkerze für Euch angezündet. Was natürlich kompletter Blödsinn ist, aber eine überaus gelungene Überleitung zu obigem Foto bildet, was ich eben in der Morgensonne aufgenommen habe.
Wie viele Anhänger der Aufklärung neige ich zu einem veritablen Aberglauben. Neulich in Nizza plagte mich unangenehmer Kopfschmerz. Ich lungere im Süden nicht dauernd in Basiliken, Kathedralen rum, aber ab und zu, gerne auch bei Hitze zwecks Kühlung, suche ich den einen oder anderen Sakralbau auf. Neben allerlei Kunst, Handwerk und Gedöns findet man dort auch Ruhe, Momente eines kontemplativen Verweilens und der Besinnung: Wer bin ich? Wo will ich hin?
Was Google Maps in der Regel besser beantwortet, aber Versuch macht kluch.
Dem Kopfschmerz rückte ich also in Nizza in der Basilika zur frommen Helene mittels Stiftung einer Kerze zu Leibe, 1 Euro für ein kleines Licht, verbunden mit dem innigen Wunsch, dass dadurch der Brausekopf verschwinden möge. Was soll ich sagen? Noch bevor der Hahn krähte und der nächste Vin blanc meiner harrte, war die Birne wieder ok. Potzdonner!
Bevor ich zu einem Urteil komme, ob es sich um Zufall handelte, muss ich natürlich eine Versuchsreihe starten. Jedes Mal, wenn der Kopf brummt, wird das Osterfeuer angeschmissen und Protokoll geführt. Ich liebe Protokolle, Listen, Versuchsreihen!
Selbst wenn es sich beim Kerzeneffekt um den Übertragungsmechanismus aus der Psychoanalyse handelt, spielt Glaube dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Da kommt ein alter Heide wie ich schnell in die ethische Zwickmühle.
Gerade brummt der Schädel wieder. Als Nachwehen des gestrigen Hamburg Besuches oder strukturell bedingt? Also Kerze raus, siehe oben.
Die Musik zur Kerze liefert John Fogerty mit “Long as I can see the light”.
“Put a candle in the Window” … Na denn. Optisch grundiert mit diesem Bild:
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Grundsätzlicher Ansatz zur Hoffnung: Nackte Hippies plantschen in der Elbe