
Rielsing? Wenn ich etwas nicht leiden kann, sind es Restaurants, die auf dicke Hose machen, vorzugsweise in Schicki Micki Gegenden, und dann in der Alltagspraxis peinlich peinlich danebenliegen. Wie im vorliegenden Fall ein Italiener in der Auguststr. in Berlin, wo eine Schicki Micki Galerie neben der zweiten liegt, mit seiner Getränkekarte, die zwar Kennerschaft durch Detailkenntnis vortäuscht, aber leider das, worum es geht, um die Rebsorte „Riesling“, falsch schreibt. In einer Szenekneipe in Neukölln würde ich das natürlich so gerade nochmal durchgehen lassen.

Zumal in so einer wie dieser, die keinen Namen hat, kein Licht, keine Getränkekarten, keine Tapeten, in der geraucht wird, und nicht nur Tabak, und wo ich froh war, dass es so dunkel war, dass selbst eine Eule meine ergrauten Haare nicht erkannt hätte. Normalerweise ist mein Motto, man sollte die Jugend der Welt eher unter sich lassen. Aber diesen Laden fand ich so faszinierend, ich musste einfach rein.
Obigem Schicki Laden ließ ich den monströsen Lapsus natürlich nicht durchgehen. Beim Bezahlen fragte ich die Kellnerin:
„Der RIELSING war hochinteressant. Ist diese Rebsorte mit dem RIESLING verwandt?“
Wenn Sie schon immer wissen wollten, was „maliziös“ ist, und sich nie zu fragen trauten – jetzt wissen Sie es. Der Riesling war übrigens exquisit und die Tortelacci mit Spargelfüllung an Bärlauchpesto ein Gedicht.
Wohl dem, der Bibelsicher ist, denn es wird ihm an Bildern nie mangeln. Gestern nach der Wahl des neoliberalen Macron ging mir die Apostelgeschichte 20:29 durch den Kopf. Wenn es Macron gelingt, in Frankreich eine Agenda 2010 nach Schröder-Vorbild umzusetzen, dann gute Nacht, Marie. Oder besser: Guten Morgen, Marin. In Frankreich ist die soziale Spaltung bereits jetzt deutlich höher als sie es in der BRD vor der Agenda 2010 war. Wenn darauf eine französische Agenda 2020 zusätzliche Armut und Ausgrenzung sattelt wie es in Deutschland durch die Agenda 2010 passiert ist, dann werden die Banlieues, und nicht nur die, brennen.
Das alles wird nach dem Abschied von den Feiern zur Macron-Wahl passieren so sicher wie das Amen in der Kirche, denn siehe, so spricht der Herr in der Apostelgeschichte 20:29 zu den Arbeiterinnen, Angestellten, Arbeitslosen und Prekären:
„Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die die Herde nicht verschonen werden.“
Amen.
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04.05.2017 – Hafencity 2

Ich wohne in einem Hafenviertel, siehe dazu auch den letzten Blog-Eintrag, Hamburg Hafencity. Hafenviertel ist eine Zuschreibung, die selbst dem seefahrendsten Einheimischen des hiesigen Kiezes nur schwer über die Lippen käme. Es ist aber irgendwie so. Am Ende meiner Straße beginnt ein Hafen, der Lindener Hafen. Mit offensichtlich mindestens 3 Kränen.

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1, 2, 3.
Hier verkehrt am Tag ein Schiff, mit dem Rad hat man das Areal in einer halben Stunde umfahren und eine Hafenschänke gibt es hier auch nicht. Und trotzdem kriege ich ein komisches Gefühl, wenn ich hier ab und zu nach dem Gang der Dinge schaue. Häfen faszinieren mich grundsätzlich, den Hamburger Hafen finde ich überwältigend. Den Anblick bei den Landungsbrücken auf das Hafenpanorama können selbst eine Milliarde Touris um mich herum mir nicht vermiesen. Mich packt da nicht so sehr das Fernweh, mit einer Schiffsreise kann man mich jagen. Viel zu lahm. Es sind wohl die tausend ungesungenen Geschichten, die einen direkt, unverhüllt an Häfen anprallen, und deren Ausstrahlung bis in die Stadt hinein. Ein Hafen prägt halt seine Umgebung. Bei mir in der Hafencity 2 ist das jetzt nur sehr indirekt der Fall. Ganz früher gab es bei mir schräg gegenüber sogar noch eine Hafenschänke. Ich wollte immer mal rein. Zu spät. Irgendwann war sie zu, jetzt ist eine Shisha Bar drin. Gutes Beispiel dafür, dass man im Leben Dinge nicht aufschieben sollte. Einfach machen. Gleich.
Überraschungen lauern in jeder Stadt.

Magdeburg, in Bahnhofsnähe Bauten, die an den sozialistischen Klassizismus Stil der vormaligen Stalinallee, jetzt Karl Marx Allee, in Berlin erinnern. Ich war überrascht, ich mag diesen Baustil, und hatte sowas in Magdeburg nicht erwartet. Städte wie Magdeburg animieren mich eher nicht zum Verweilen. Nach getaner Arbeit nehme ich in solchen Locations normalerweise den nächstbesten Zug und ab nach Hause. Hier hätte man verweilen können.
Nun denn, Berlin wartet. Das ist dann doch trotz aller Hafenfaszination für mich immer noch die Krönung des Metropolenwesens.
02.05.2017 – Heraus zum 2. Mai.

Wird man hier in 40.000 Jahren auf Höhlenzeichnungen und Artefakte stoßen, die Auskunft über das Leben der Bewohnerinnen geben, ähnlich der Höhle von Lascaux? Hamburg Hafen City, als Gentrifizierungsförderndes Elitenprojekt ideologisch scharf zu verurteilen, als ebenso kühner urbaner wie einseitiger Entwurf faszinierend. Das ist da wo die Elbphilharmonie steht. So faszinierend ich das Hafen City Viertel städtebaulich finde, sozusagen auf der Oberfläche und jenseits der Ideologie, so wenig möchte ich da wohnen. Das ist noch toter als der Zentralfriedhof. Lebendig hingegen war mein 1. Mai.

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Aktion der Gruppe Gnadenlos Gerecht auf der Bühne der Maifeier in Hannover. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

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Hinterher müssen die Massen natürlich per Flugi und Gespräch agitiert werden.
Scheißt der Hund am 2. Mai
ist der 1. Mai vorbei.
Alter Arbeiter und Bauern-Regel. Auch sonst ist einiges vorbei. Zum Beispiel meine Neigung, bei manchen Vorfällen wie das HB Männchen in die Luft zu gehen. Neulich musste ich einen Vortrag halten, was man heute aber gar nicht mehr sagt, vielmehr sagt man, wenn man Leute zutextet, jetzt Impuls oder Keynote. Blabla. Sowas kann ich ganz gut, im Gegensatz zu Reifenwechseln bei Autos oder CNC Fräsen. Ein nach mir Vortragender hatte einen Teil von dem, was ich erzählt hatte, nicht kapiert, erdreistete sich aber dem Publikum anzutragen: „Anders als mein Vorgänger sagte, ist es so …“
Noch vor einem Jahr wäre für diese Impertinenz eine Verbalhinrichtung der ersten Kategorie erfolgt. Wenn ich etwas nicht habe, sind es Hemmungen, und wenn ich etwas gelernt habe, sind es spontane öffentliche Interventionen. Der junge Mann wäre im Normalfall wie ein begossener Pudel von der Wallstatt geschlichen. Früher. So aber guckte ich ihn nur an, dachte bei mir: Du Vollidiot, schwieg und hoffte, dass meine Haare richtig sitzen würden. Die verantwortliche Person der Veranstaltung, auch jüngeren Alters, sagte nach dem Ende der Veranstaltung zu mir: „Danke fürs Dasein.“
Danke fürs Dasein? Früher hätte ich da aus gekränkter Berufsehre mal nachgefragt, wie das denn bitteschön gemeint sei. So lachte ich mir auf dem Nachhauseweg eins beim Einordnen dieser Bemerkung in ein Zeugnisschema. Setzen. Fünf. Eins wäre: Danke für den einmaligen Vortrag. Zwei wäre: Danke für den guten Vortrag. Usw. usf. Meine Fünf ist nur noch durch die Sechs zu toppen: Danke fürs Nicht-Dasein.
Am Abend bei einer Feier schöner Dialog, es ging um Kindheitserinnerungen.
Kumpel: „Meine Kindheitserinnerungen sind die Comics von Marvel.“
Ich: „Meine Kindheitserinnerungen sind die Höhlenzeichnungen von Lascaux.“
Und manchmal fühle ich mich auch so. Gereift, weise, gelassen.
Bis zum nächsten Mal, wo mir einer dämlich kommt. Der kriegt die doppelte Ladung ab, für den Vollidioten von oben gleich mit.
30.04.2017 – Heraus zum 1. Mai! Aktion „560“ der Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ in Hannover!

Über die Aktion berichteten die Kollegen von der Freistätter Online Zeitung, die am 1. Mai auch dabei sind. Das Foto schlummerte irgendwo in meinem Blog, wo die Kollegen es ausgegraben und ihm ein Update verpasst haben. Was mich freut.
Auch das Stadmagazin Stadtkind berichtete, was mich ebenfalls freut. Gerade bei der Medienzunft herrschen immer prekärer werdende Arbeitsbedingungen und es ist eine feine Sache, wenn deren Mitglieder nicht mit Verdrängung darauf reagieren, sondern darüber berichten. Sofern das möglich ist. Es heisst zwar:“Eine Zensur findet nicht statt“. Artikel 5 GG. Aber die Details regelt der Verleger und den Rest erledigt die Schere im Kopf der Schreiberinnen.
Hier der Text der PM zur Aktion:
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ fordert anlässlich des 1. Mai 2017, dem Tag der Arbeit, eine Erhöhung des Hartz IV Regelsatzes von 409 auf 560 Euro. Aus diesem Anlass bilden Mitglieder der Gruppe um 11 Uhr auf dem Festplatz vor dem Rathaus in Hannover eine Menschenkette. Dabei tragen alle Glieder der Kette ein T-Shirt mit der Aufschrift „560“. Mit diesem öffentlichen Bild soll auch die Frage gestellt werden: Wie geht unsere Gesellschaft mit denen um, die keine Arbeit haben?
Die Regelsätze für Hartz werden willkürlich und unsachgemäß berechnet und decken bei weitem nicht das soziokulturelle Existenzminimum. Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Betroffeneninitiativen fordern eine substantielle Erhöhung der Regelsätze.
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ schließt sich der Forderung aus dem Gutachten der Diakonie von 2016 an, das in seinen Berechnungen von einer angemessenen Erhöhung auf 560 Euro ausgeht. Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ betont:
„Gerade am Tag der Arbeit muss deutlich werden, dass die Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich immer größer wird, mit negativen Folgen wie wachsendem Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten.Das vermeintliche Jobwunder in Deutschland hat eine Kehrseite: eine wachsende Armutsquote, in Niedersachsen ist jeder Sechste arm, oft genug trotz Arbeit. 40 Prozent aller Beschäftigten haben in den letzten Jahren Reallohnverluste gehabt, 25 Prozent arbeiten im Niedriglohnsektor, allein in Niedersachsen gibt es fast 100.000 Langzeitarbeitslose.Resultat einer jahrelang verfehlten Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ist eine Welle von drohender Altersarmut: Wer 45 Jahre lang arbeitet, bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden, müsste rein rechnerisch einen Mindestlohn von 11,68 Euro erhalten, um im Alter eine Nettorente oberhalb der Grundsicherung zu bekommen.Gerade am Tag der Arbeit sind Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände gefordert, sich stärker gegen Arbeitslosigkeit und für eine nachhaltige Armutsbekämpfung zu engagieren.Die Forderung nach einer Erhöhung der Regelsätze auf 560 Euro ist da nur ein erster Schritt.“
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ besteht aus engagierten Menschen in unterschiedlichen prekären Lebensverhältnissen.Am 21.03.2017 startete die Gruppe mit der Info-Veranstaltung „Wieviel braucht der Mensch zum Leben?“ zu Regelsätzen und dem Existenzminimum ihre Aufklärungs- und Informationsarbeit, siehe Info Flyer anbei.Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ wird auch zukünftig durch Veranstaltungen, Aktionen und Aufklärung die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich zum Thema machen.
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ wird unterstützt von der Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen.
24.04.2017 – Funk
Tief in meinem Herzen bin ich Brother, schwarz wie die Nacht, statt Blut pulsiert Rhythmus durch meine Adern, Soul ist meine Nationalhymne und Funk ist mein Wecker.
Funk ist mein Wecker?

Funk Wecker. Lebt nicht mehr. Im Gegensatz zu meiner großen Liebe, dem Funk, über den Sie näheres gerne diesem Link entnehmen können, wo der unvergleichliche Sly Stone mit seiner Family den kategorischen Imperativ schwarzer Musik intoniert: DANCE TO THE MUSIC! Ich hab ihn Live erlebt. Danach ist man für weiße Musik verloren.
Dass nun aber so ein verschissener Wecker wie der obige den Namen Funk trägt, das ist …., keine Ahnung, was das ist, da fehlen mir einfach die Worte. Und das kommt sehr selten vor. Dieser Funk Wecker ist neu, der alte war kaputt, auch so einer mit Temperaturanzeige innen und außen. Als Gärtner braucht man sowas, Bodenfrost im April, da heißt es blitzschnell handeln. Zum Beispiel Bettsocken anziehen.
Jede neue Technikgeneration zeichnet sich durch ein Übermaß an Funk(!)tionen aus, die kein Mensch braucht und noch weniger Menschen verstehen. Dieser hat zusätzlich eine Sturmwarnung, siehe Markierung, die bei 8 Beaufort anspringt, was an und für sich schon ein Witz ist, weil bei 8 Beaufort fällt bei mir im Garten maximal ein Klapphocker um, aber viel schlimmer, der „Sturm“ blinkt nicht nur, er gibt auch ein akustisches Signal von sich, ungefragt, mitten in der Nacht, quäkend und durchdringend. Wenn man den Wecker vorher nicht gestellt hat, einfach weil man es nicht brauchte, und dann von einer Sturmwarnung um 2.17 Uhr aus dem Tiefschlaf geholt wird, dauert es eine halbe Nacht, eher man weiß, wo man ist, wer man ist und glaubt danach, es ist Feueralarm, die neuen Feuermelder sind angesprungen. Feuermelderpflicht, auch so eine kommunistische Zwangsbeglückungsmaßnahme von der Allparteienkoalition der Risikominimierungsneurotiker. Je mehr die Welt im Ganzen aus den Fugen gerät, desto Risikoparanoider im Intimbereich wird unsere Gesellschaft.
Natürlich habe ich diese Funk-Kröte stante pede an die Wand geschmissen, als mir die Zusammenhänge klar wurden. Scheißtechnik.

Wie sehr lobe ich mir dagegen Chrome-Dioxid Cassetten, Technik analog bis zur letzten Schlaufe. Als Avantgardista der alten Schule höre ich nur noch Cassetten, Vinyl ist doch schon wieder megaout. Tipp für Sie, liebe Leserinnen, wenn Sie gerne Trends setten wollen anstatt ihnen hinterher zu hecheln: Fotos nur noch mit Polaroid, Armbanduhren nur noch mit Zifferblatt und Telefonieren nur noch aus der Telefonzelle.
Auf obiger Cassette ist mit Little Feat ein Beispiel dafür, dass natürlich auch weiße Männer gute Musik machen. Das Video dazu gibt es hier.
Perfekt geschnitten, wunderbares Gefühl für Rhythmus, grandioser Spannungsaufbau. Wenn man sich deutsche Musikvideos aus der Zeit anguckt, geschnitten mit der Axt und aufgebaut mit der Kettensäge, möchte man weinen. Aber nicht vor Freude. Ich weiß schon, warum ich um jeden deutschen Film einen Bogen mache und selbst die dümmlichste US Klamotte vorziehe. Was nichts an der Tatsache ändert, dass das Little Feat Video einen unfassbar dümmlichen Sexismus ausstrahlt.
Aber geil gemacht.
22.04.2017 – Ist Knochenbrühe der bessere Kaffee?

Volksabstimmung 2017 – Spinner aller Länder, vereinigt Euch bloß nicht. Das dürften Reichsbürger sein, früher harmlose Spinner, heute brandgefährliche Neonazis. Die Barbarisierung des Alltags macht sich auf allen Ebenen bemerkbar, global, lokal, beim Einkaufen, in der Politik. Auf rechte Spinner wie die obigen verbal einzuprügeln, ist eher eine leichte Übung, allzumal das Volk oft ungebildet und rhetorisch grotesk daherkommt. Allerdings haben sich auch hier die Zeiten geändert, weiße Kragen Halb- und Vollfaschisten wie Höcke und Gauland erwecken nach außen durch Formulierung vollständiger Sätze den Eindruck, sie seien zurechnungsfähig. Der weiße mutiert zum braunen Kragen, diese Leute sind zu allem fähig, aber nicht zurechnungsfähig.
Leider Gottes gibt es auf Seiten der Linken auch so viele Spinner, dass von denen dreizehn auf ein Dutzend gehen. In der Partei Die Linke und ihrem Umfeld gibt es jede Menge selbstlos engagierter und solidarischer Genossinnen, mit denen das Zusammenarbeiten Spaß macht, aber da geht es mitunter zu wie in „Einer flog über das Kuckucksnest“. Das ist solange lustig und reizt zur Satire, wie das nicht in die eigene Arbeit ragt, was sich aber nicht vermeiden lässt, wenn man selbst als undogmatischer und unorganisierter Linker unterwegs ist. Ein einziger Spinner kann eine ganze Gruppe lähmen mit Anflügen von Paranoia, egozentrischem Größenwahn und kompletter Kommunikationsunfähigkeit, gerne auch dazu neigend, bei jeder Gelegenheit unsolidarisch Gott und die Welt zu beleidigen und vollzupöbeln, und das vor dem Hintergrund eines jesusmäßigen Sendungsbewusstseins wie „Sehet her, nur ICH bin im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit!“.
Solche Leute sind schwieriger loszuwerden als Fußpilz. Da bin ich dankbar für mein früheres Engagement in der IG Metall, wo es zur Durchsetzung eigener Positionen mitunter stalinistischer zuging (?) als in der UdSSR. Da lernte man Verfahrens-Tricks, wie man den Gegner (=Genossen) gegen einen Tagesordnungs-Panzer laufen lässt, für die ich heute noch dankbar bin.
Schlimmer als der linke Spinner ist nur der Künstler. Ihn hat Gott in die Welt gesandt, um mich zu strafen. Der Künstler hat kein Sendungsbewusstsein, der Künstler hat Genie. Das aber ist die Hölle auf Erden. Der linke Spinner mit Sendungsbewusstsein ist wenigstens relativ pünktlich und zuverlässig und oft kompetent, der mit Genie versehene Künstler kennt weder Uhr noch Tagesordnung und ist gerne auch so inkompetent wie ein Sack Mehl.
Am schlimmsten von allen aber bin ich. Jeder, der nicht so tickt wie ich, kommt sofort in meine Spezialkategorie „Orkus“.
Was mich zu der Frage überleitet, die sich die Hipster-Avantgarde gerade stellt: Ist Knochenbrühe der bessere Kaffee?
Meine Antwort: Solange sie nicht von den eigenen Knochen ist, ja. Was heute Avantgarde ist, mach ich seit 30 Jahren für jede Suppe.
Aber diese Avantgarde hier kommt mir nicht ins Haus

Vor zehn Jahren das erste Mal in Berlin draußen als Möbel vor DER angesagten Szenebar inna Fuckhain gesehen, damals konnte man da noch abhängen. Vor drei Jahren das erste Mal bei mir im Kiez. Und heute ist das die aktuelle OBI Line.
Ich sag’s ja: Die Welt geht vor die Hunde
20.04.2017 – Schweinekalt

Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.
Aus: Hälfte des Lebens, Friedrich Hölderlin
Hier im Bilde klirren nicht die Fahnen, sondern Hemden. Teil einer Kunstinstallation von mir, bei der ich im bitterkalten Winter 2010 als Hommage an Hölderlin dutzende nasse Hemden in bizarren Formen Frosterstarren ließ, verteilt an verschiedenen Orten.
Heuer, jenseits der Iden des April, ist es so schweinekalt, dass ich am Arbeitsplatz meinen Winter-Fußsack mit integrierter Wärmflasche reaktiviert habe. Der Fußboden ist von einem arktischen Tiefausläufer umwoben, ich habe nach fünf Minuten Eisbeine. Das ist als typischer Germanenfraß mit integriertem Sauerkraut schon eine Zumutung, als Körperzustand ist es eine an Hiob gemahnende biblische Heimsuchung. Warme Füße, kühler Kopf – das sind die wirksamsten Waffen eines im Auftrag wenn schon nicht des Herrn so doch der Aufklärung 24 Stunden am Tag agierenden Kundschafter des Friedens, der Freude und des Irrsinns.
Falls Sie jetzt nicht ganz folgen konnten, liebe Leserinnen, hier ist von mir die Rede. Was nicht weiter überrascht, weil dieser Blog ursprünglich den Titel trug: Mein intimes Tagebuch. Hört sich irgendwie reißerisch an, nach famosen Sauereien, dem Tagebuch der Josefine Mutzenbacher (hier bietet mir die automatische Rechtschreibkorrektur „Märzenbecher“ an) oder ähnlichem, was Sie lieber nicht googlen sollten, sonst kommen Sie noch auf dumme Gedanken. Komischerweise gibt es bei einer Google Suche unter dem Begriff „Mein intimes Tagebuch“ nur zwei Fundstellen auf der ersten Seite, einmal ein Buch von einer Chinesin, die damit angeblich die Protagonistin der sexuellen Revolution in China sein soll und mein Blog, von dem ich allerdings bezweifle, dass er in irgendeiner Form zur sexuellen Revolution in China oder sonst wo beiträgt. Der heißt einfach nur so, weil ich auch Marketing Fachmann bin und weiß wie man Dinge verpackt. Von der Verpackung ist seit irgendeinem Update von WordPress, was das CMS ist, in dem der Blog hier geführt wird, nicht viel übrig. Mein intimes Tagebuch wurde dabei so zerschossen , dass selbst der Titel flöten ging. Ob hinter meinem abgekackten Update der chinesische Geheimdienst steckt?
So, jetzt sind meine Füße warm und mein Gemüt wärmt der Gedanke an den Neubau des SCHUPPEN 68, der seiner Vollendung harrt, eingebettet in das Paradies meines Gartens

Älteres Google Luftbild, nicht in größter Auflösung. Die grüne Wand des Baus strahlt schon freundlich in das ganze Viertel hinaus.
Beachten Sie die weiteren Ankündigungen hier im Blog zum SCHUPPEN 68 Grand Opening, voraussichtlicher Termin: 01.04.2018. Mein Traum: es gibt dann einen Shuttle-Service,

mit Tuc Tucs, wie in Lissabon. Sollten Sie jemals nach Lissabon kommen, lassen Sie sich mit einem Tuc Tuc durch die Altstadt karren. Mehr Spaß geht nicht.
Ansonsten sehen wir uns beim Grand Opening!
17.04.2017 – Vier Goldene Neger und zwei Tonnen Cannabis

Goldener Neger in groß.

Goldener Neger im Vorkeimer, hat innerhalb von 48 Stunden die ersten vorwitzigen grünen Nasen durch das Erdreich gesteckt und geht jetzt ab wie Schmidts Katze. Mein Vorkeimer funktioniert denkbar einfach: ein alter Blumenkasten, bisschen Erde rein, Samen eindrücken, wässern, das Ganze in gelben Sack (den hat jeder Ostgote Zuhause) hüllen und auf Heizkörper stellen. Innerhalb Stunden herrscht da ein tropisches Regenwaldklima drinnen, dass jeden goldenen Neger binnen kürzester Zeit auf Keimtrab bringt. Aus diesen zarten Sprösslingen wird ein einmaliges Kunstprojekt: bundesweit, kollektiv, medial ausgerichtet, gegen Rassismus. Die Idee ist, möglichst viele Menschen an möglichst vielen Standorten in der BRD bringen Sonnenblumen der Sorte Goldener Neger zum Wachsen, egal ob Balkon, Veranda, Garten oder Freiland. Wer mitmachen will: Bitte melden, der Versand einer Tüte mit ca. 80 Samen erfolgt kostenfrei!
Wir sammeln Fotos, auf denen Standort und Datum vermerkt ist, wer will, auch mit Namen, Organisation, Verband etc. und stellen die Dokumentation online. Im Herbst, zur vollen Blüte des Goldenen Negers, wird das Ganze mit einer kleinen Aktion pressewirksam veröffentlicht. Motto: Rassismus wächst im Alltag, überall. Ziel: Diese Sonnenblume soll vom Markt verschwinden.
Über eine Sonnenblume mit diesem Namen konnte man vielleicht vor ein paar Jahren noch schenkelklopfend-augenzwinkernd Witze wider die grassierende political correctness machen, gerne auch mit dem drohenden Unterton: Man wird den Neger ja wohl noch mal Neger nennen dürfen.
Die Zeiten sind andere. Sprache prägt das Bewusstsein und da bin ich durchaus für Bewusstseinsregulierende Maßnahmen, bis hin zu Gesetzen und Zensur.
Wer diese Kunstintervention in kunstgeschichtliche Kategorien einordnen will: Sie arbeitet mit Mitteln von Land Art im Sinne einer Sozialen Plastik.
Allgemein geht allerdings der Trend von der Sonnenblume zum Hanf und zwar mit Absicht, und nicht aus Versehen, wie es dem 74jährigen Bauern in Unterfranken erging, als er Sonnenblumen anpflanzen wollte und auf einmal Hanf wuchs.
Das ist mir früher jedes Jahr passiert. Potzdonner, war mein Erstaunen groß, als es an die Ernte ging!

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Suchbild aus meinem Garten, anno 68: Wo sind die Hanfpflanzen?
Die Zeiten ändern sich. Mittlerweile sind Aktien der Deutschen Cannabis AG meine Lieblingsaktien. Getreu dem Motto: Den Reibach beim Goldrausch haben die gemacht, die mit Hacken und Schaufeln handelten, und nicht die Goldgräber, ist das Geschäftsmodell der Kiffer AG eher das Umfeld des Anbaus, schon jetzt ein Milliardengeschäft. Als der Anbau zu medizinischen Zwecken in der BRD erlaubt wurde, explodierte der Kurs, 1000 % Kursgewinn. Für die Ethikfraktion der Leserinnen: Schon für 300 Prozent Profit riskiert laut Marx das Kapital den Galgen ….
Zu Ostern ging die Meldung über den Ticker, dass die Cannabisagentur des Bundes zwei Tonnen für Kranke anbauen lässt. Ein ordentlicher Haufen, mehr als in meinem Garten Platz hätte.
Da bin ich mal gespannt, wie der Kurs morgen früh darauf reagiert. Und wenn nach der Bundestagswahl am 24. September die Kommunisten hier das Regime übernehmen, wird zwecks Unterminierung der bürgerlichen Gesellschaft als erstes Cannabis komplett legalisiert.
High, wie dann erst der Kurs durch die Decke gehen wird.
Mein Tipp: Kaufen, meine Damen!
14.04.2017 – IGA Eröffnung in Berlin-Marzahn (ehemalige Sowjetzone) mit Sackkarren-Service
Die Internationale Gartenausstellung findet heuer rings um die „Gärten der Welt“ in Marzahn in Ostberlin statt. Die wurden 1987 eröffnet. Wenn die Insassen der Sowjetzone schon nicht in die Welt reisen durften, sollte die Welt wenigstens in Form von Gärten zu ihnen kommen, so die Vorstellung der Machthaber aus Pankow. Die Illusion hielt nur zwei Jahre.

Marzahn, Renaissance Garten, mit Plattenbau.
Aber dem abgelegenen Standort im Plattenbauareal von Marzahn-Hellersdorf ist es zu verdanken, dass diese einmalige und zauberhafte Gartenanlage ein relativer Geheimtipp war. Wenn man dort lustwandelte, störte nur wenig Mob die eigenen Kreise, und man konnte sich ungestört auf die Unterschiede zwischen japanischen, chinesischen und koreanischen Gärten einlassen. Die Seele atmete dort auf. Ich schritt dort oft fürbass und erfreute mich auch an Dingen, die man von einem Avantgardisten nicht unbedingt erwartet. Wie dem Märchengarten, in dem mit bunten Figuren klassische deutsche – in ihrer Endphase huldigte die sozialistische Variante des Ostgotentums einem veritablen Nationalismus – Märchen visualisiert wurden, für Kinder halt. Ich besitze in Teilen ein kindliches Gemüt.

Besonders erfreute mich diese Szene, erinnerte sie mich doch an eine meiner zahlreichen Performances, die sich um die Sackkarre drehten. Die Sackkarre ist für mich ein ragendes Symbol des industriellen Zeitalters, aus einer Epoche, in der Waren noch real, mit Muskelkraft und Schweiß transportiert wurden, und nicht digitalisiert virtuell. Die Sackkarre hatte auch etwas Klassenidentitätsstiftendes, verband sie doch Arbeiter und Bauern, die Motoren und Mehlsäcke damit transportierten, aber auch den Müßiggänger, der das Bier damit herankarrte. Eine meiner ersten Geschäftsgründungen war denn auch die Firma SK-SACKKARRENVERLEIH, ein Geschäft, dass sich à la longue nicht rentierte, mir aber unbezahlbare Erfahrung einbrachte.
Grandios die Verbindung von Geschäft und Performance aus 2014, der SACKKARREN-SERVICE, mit dem eine rollende Partnerschaftsbörse initiiert wurde, ein herausragend antizyklisches Modell in Zeiten Internet-Verkupplungsportalen

SACKKARRE
Sie, liebe Leserinnen, werden also verstehen, dass ich ob des obigen Bildes berührt war. Über das Geschlechterverhältnis, was hier subkutan transportiert wird, kann man, besser: frau, sicher diskutieren. Aber nicht heute. Lieber schmunzeln wir über die in diesem Fall ambivalente Bedeutung von „Sackkarre“. Allen ein schönes frost- und frustfreies Osterfest und für Hardcore-Katholiken, Messdiener und Bildungsbürger (für den Rest: INRI Bildergoogeln) mein Lieblings-Karfreitagswitz:
„Gefreiter INRI, kommen Sie sofort vom Hochreck runter und ziehen sich was Anständiges an.“
12.04.2017 – Monty Python auf LSD im Sommer der Liebe und eine schallende Ohrfeige als Blutgrätsche.

Sommer der Liebe.
Gestern war im hiesigen Sprengel-Museum die Eröffnung einer Wenzel Storch Ausstellung. Wenzel Storch ist mir in manchen Aspekten nahe, ähnlich Schlingensief. Ich schätze Storch seit dem Film „Sommer der Liebe“.
Der Termin gestern war Pflicht und es war schön und lustig. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, bei der Einführung von Wenzel Storch zu seinem Werk habe ich teilweise Tränen gelacht. Seine Arbeitsweise ist auch die meine, zumindest teilweise. Gucken, was man an Material hat, gucken, was man an Leuten hat, und einfach machen, anarchisch, illegal, sinnreduziert. Es darf nichts kosten, es darf keinen großen Plan geben. Ein Unterschied: Bei Storch kam der Sinn hinterher dazu, ich habe auf den gröbsten Flachsinn meiner Aktionen vorher, in meinen Presseerklärungen immer einen dicken Feuilletonhaufen gesetzt, wissend, was die Medien gerne hören.

Wie bei der Aktion mit der Gießkanne links. Kosten: 0, Aufwand: halbe Stunde PM, halbe Stunde Aktion, Sinn: …., mediales Feedback: mehr als 90 % aller hiesigen Künstler in einem ganzen Jahr haben.
Geärgert hat mich einiges gestern beim Storch. Dass ich meine Kamera nicht dabeihatte.Smartphone Bilder sind einfach peinlich, siehe Plakat oben.
Dass es keine Getränke gab, dass der Weg zum Ort des Geschehens nicht ausgeschildert war und dass es nicht genügend Sitzplätze gab. Das Sprengelmuseum mal wieder arrogant und unprofessionell. Ich kann diesen Laden nicht leiden, der Bau ist hässlich wie zwei Backsteine, im Neubau sind gleich im ersten Jahr Haarrisse, durch die der Frost die Fassade zersägt, die öffentlichen Hände haben sich vor Jahren nicht entblödet, dem millionenschweren Namensgeber alle Folgekosten für diese Scheußlichkeit abzunehmen, ihm und seiner Sippe aber auf Generationen Ruhm und Ehre des Namens zu überlassen. Und dafür ist dieser Laden verpeilt vom peinlichsten. Insofern war es mir ein Festmahl, dem versprengelten Haufen aus Anlass von 100 Jahren Dada eine zumindest lokal üble Blutgrätsche zu verpassen, als Kunst-Hausierer.

HAZ Artikel – schallende Ohrfeige vom hiesigen Feuilleton Chef Roland Meyer-Arlt für das Sprengel-Museum.

Der Kunst-Hausierer ist seit Jahren im Dauer-Einsatz, egal ob es passt oder nicht, siehe Arbeitsweise oben. Kosten: 20 Euro für den Korb und 30 (?) für den Kunst-Hausierer Aufdruck.