Es liegt nur an Ihnen! Und geht in fünf Schritten. Wenn man David Asen in seinem Internet Blog folgt. Unter Tipp 3 rät David Asen, groß zu träumen, Autosuggestion nennt der Flachmann so was.
Die Autosuggestion geht laut David Asen so, man sage sich:
„Ich bin selbstbewusst und weiß, dass ich wirklich Ahnung vom Internet-Marketing habe. Ich habe eine wunderbare Frau, zwei Kinder und lebe in einem 200 qm großen Haus mit einem herrlich großen Garten rundherum. Ich betreibe eine Website mit 10.000 Besuchern im Monat…“
Davon trifft (fast) alles auf mich zu, vor allem das Intro.

Als Beweis hier die Statistik dieses Blogs vom 28.12, die relevante Statistik ist die gelbe Spalte „Visits“ unter „Monthly Totals“. Da bin ich also mit 104.011 Besucherinnen für 2016 nicht weit weg von der Zielvorgabe. Millionär bin ich allerdings nicht. Niemand, der sich auf die Seite von David Asen verirrt und einen Satz aus dessen armseligen Geschwafel für bare Münze nimmt, wird in seinem ganzen Leben auch nur für einen Tag aus seiner frustrierenden Existenz als Tagelöhner, Erwerbsloser, Minijobber entfliehen. Den Zynismus, mit dem hier ein Loser versucht, tausenden anderen Losern den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen, kriegt unsere Gesellschaft zunehmend um die Ohren geschlagen.
Man kann einen Teil der Unterdrückten die ganze Zeit verarschen und alle Unterdrückten einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht alle Unterdrückten die ganze Zeit verarschen.
In Anlehnung an Abraham Lincoln.
Das Schlimme ist nur: Wenn es soweit ist, suchen die Unterdrückten ihr Heil nicht darin, den Unterdrückern in den Arsch zu treten, sondern nach alter Heil-Manier suchen sie jemanden, den sie selber noch unterdrücken können.
Die Frage für unseren zukünftigen Alltag ist, wie sich die Form dieser Unterdrückung gestaltet. Relativ harmlos wie im Moment noch, wo sich die Übergriffe auf Asylunterkünfte in den letzten Jahren nur verzehnfacht haben oder geht es demnächst richtig zur Sache, wenn der zum Riot neigende Mob flächendeckend einen parlamentarischen Arm besitzt.
What’s left? Tröstungen wie gestern, Dialog aus der grandiosen Serie „Two and a half men“:
Der dauerbetrunkene Protagonist Charlie zu seinem Bruder:
“Alan, ich bin Künstler und male mit Worten!“
„Du bist Trinker und malst mit Erbrochenem.“
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27.12.2016 – Dann können Sie sich als Kampfpilot bewerben

„Rutenträger versus Prima Ballerina – Part I“.
In meiner mittleren Phase setzte ich mich im skulpturalen Bereich stark mit patriarchalen Machtstrukturen auseinander. Welche Dominanzsignale auch ein Weihnachtsmann auf seiner Metaebene sendet, wird dann deutlich, wenn man ihn mit den Symbolen seiner Macht, Sack und Rute, in komplexe Zusammenhänge montiert, wie hier in meiner Installation von 1993: „Rutenträger versus Prima Ballerina – Part I“.
In meiner jetzigen Phase frage ich mich, wo sind eigentlich die evolutionsbiologischen Grenzen des Kapitalismus (die sozialen Demütigungen, die der Kapitalismus verteilt, sind grenzenlos, um Moral und Ethik schert der sich einen Scheißdreck).
Die Anforderungen an das Individuum steigen, parallel dazu der Drogengebrauch, psychische Erkrankungen und die Zentrifugalkräfte der Gesellschaft. Produktionszyklen werden immer kürzer, die Moden immer schneller, Lieferzeiten kürzer, heute bestellt, gestern geliefert, Hochfrequenzhandel an der Börse, dauernde Dienst- und Alarmbereitschaft. Irgendwann geht das an die Grenze der evolutionären Ausstattung, ein Mensch kann mit normaler Muskelausstattung und Hebelwirkung 100 Meter nicht in 5 Sekunden laufen, eine Kilometerzeit von 3 Minuten hält ein Spitzensportler über einen Marathonlauf aus, aber nicht eine Woche hintereinander. Die menschliche Reaktionszeit auf ein Ereignis wird nicht schneller sein als 0,1 Sekunden das gibt schon der Weg von den Rezeptoren zur Cortex nicht her. Testen Sie’s mal hier, wenn Sie dauerhaft im Bereich von 0,2 Sekunden landen, sind Sie gut, dann können Sie sich als Kampfpilot bewerben.
Also irgendwann ist Ende im kapitalistischen Gelände. Aber was passiert, wenn ein System über seine Grenzen kommt? Ein Luftball platzt, wenn man zuviel bläst.
Aber was passiert, wenn der Kapitalismus platzt? In den Peripherien der failed States geht’s dann zurück in die Stammesgesellschaft, mit Subsistenzwirtschaft, jeder baut an, was er braucht. Aber bei „uns“? Mit dem Anbau käme ich klar, ich würde meinen Garten mit Marihuana vollpflastern, der geht nach Süden raus, da hab ich drei Ernten im Jahr, und Handel mit meinen Kumpels im Wendland betreiben, Kartoffeln, Mais, etc. pp.
Aber Stammesgesellschaft? Igitt, mit irgendwelchen fellbehängten Troglodyten Met saufen, am Lagerfeuer dummes Zeug labern und Frauen welche mit der Keule über den Kopf hauen? Und was ist, wenn mein Router abkackt? Horrorvisionen ohne Ende.
Also Gott erhalte uns den Kapitalismus und möge er als selbstlernendes System irgendwann begreifen, dass er dabei ist, sich selbst abzuschaffen.

Trost spendet der Anblick meiner Katze (1996) an meinen damaligen Arbeitsplatz bei der Maschinenbau-Firma Berstorff, immerhin 15 (!) Kilometer von meiner Home Base entfernt.
Ich habe nicht herausfinden können, wie sie damals dahin gelangte.

Aber sie war ein verdammt zähes Biest, jeden Winter draußen, kein Weg war ihr zu weit und tote Raten sonder Zahl pflasterten ihren Weg. Vielleicht ist sie ja damals tatsächlich 15 Kilometer am Maschsee lang, durch den Stadtwald, an der Stempeluhr vorbei, direkt in mein Zimmer. Luci, wenn du mich da oben im Katzenhimmel hörst:
Du warst die Beste!
26.12.2016 – Der Transport von Tontafeln und Pergamentrollen durch Brieftauben

Kirchen – die letzten handyfreien Zonen. St. Clemens, Weihnachten 2016.
Zeitgemäße professionelle Arbeit und Kommunikation ohne Smartphones ist kaum vorstellbar. Der Transport von Tontafeln und Pergamentrollen durch Brieftauben gestaltet sich bekanntlich schwierig. Aber nerven tun die Dinger schon mitunter, selbst im Theater oder in der Oper sieht man auch während der Aufführungen leuchtende Disaplayinseln aus dem dunklen Meer der Versunkenheit blinken. In Kirchen ist das anders, da herrscht noch Rest-Respekt. Nach dem Ende der Veranstaltung macht man schon mal Fotos, aber vorher ist Ruhe im Karton.
In St. Clemens, wo ich mit dem geschätzten Freund und Kollegen vom „Notizblättchen“ zu Ostern und Weihnachten abhänge, war ich mal Messdiener. Ich schätze Rituale, so auch die zwei jährlichen Besuche in der Wirkungsstätte meiner christlichen Vergangenheit. Selbst der sehr ausgeprägte und sich nicht immer auf der Höhe der Aufklärung befindliche Glauben des Freund und Kollegen vermiest mir die gute Weihnachtslaune nicht, zumal es hinterher immer ein paar Minuten hervorragende Orgelmusik gibt. Orgelmusik in solchen Resonanzräumen hat eine ähnlich körperliche Dimension wie die Vibrationen eines Bass bei einem Reggaekonzert.
Dem Glauben bringt mich das genauso wenig näher wie mein mangelndes Verständnis von Existenz und Beginn des Universums. Ich kapiere schon das Betriebssystem meines PC nicht, wie soll mich da so eine Petitesse wie das Universum in eschatologische Sphären katapultieren? Mir fehlt auch die strukturelle Veranlagung von zum Beispiel dogmatischen Ex-Linken, die felsenfest an die alleinseligmachende Wirkung in ferner utopischer Zukunft (= im Paradies) der Marx-Engels Werke, des Materialismus, des Klassenkampfes etc. pp. glaubten. Ich war und bin undogmatischer Linker, der das damals albern fand und wenn man auf solche Relikte heute stößt, nur noch deprimierend findet.
Wenn man in 40 Jahren nichts dazu gelernt hat, obwohl die Rundheit des Kopfes förmlich dazu einlädt, den Gedanken mal eine andere Richtung zu geben, ist das trauriger, als wenn sich solche Ex-Genossinnen auf den Marsch ins andere Paradies, in die Kirche begeben haben. Tragisch wird die Geschichte allerdings dann, wenn da Nazis draus werden, siehe Horst Mahler, Rabehl und andere.
Wo wir schon bei der Vergangenheitsüberwältigung durch die Kraft der Gegenwart sind, muss ich eins noch unbedingt klären:

Wie kam die große Liebe meines Lebens, meine Katze Luci, im Dezember 1996 an meinen damaligen Arbeitsplatz bei der Maschinenbau-Firma Berstorff, immerhin 15 (!) Kilometer von meiner Home Base entfernt?! Ich hab absolut keine Erinnerung mehr, aber man nimmt doch keine Katze mit an einen Arbeitsplatz in der deutschen Industrie, wo völlig andere Umgangsformen herrschen als etwa in der Werbebranche oder im öffentlichen Dienst?
Und was für eine Software ist das, die da auf diesem maximal 10 Zoll großen Bildschirm im Hintergrund läuft?
Muss vor dem Urknall programmiert worden sein ….
24.12.2016 – Stille Nacht: Natur Gans Esel.

Bei mir um die Ecke. 1991.
Die Natur beherrschen wir durch Kultur, Vernunft und vor allem durch Macht. Macht aber nix, weil: proportional mit dem Anwachsen von Kultur – abzulesen auch an den ständig steigenden staatlichen Ausgaben für Kultur – verschwindet Vernunft aus unserer Gesellschaft – abzulesen auch an der unfassbaren Menge von Ratgebern für Lebenshilfe. Platt gesagt: der Ostgote ist zusehends nicht in der Lage ist, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Und neigt in zunehmender Beschränkheit dazu, die ihm gegenübertretende Macht als Naturgewalt zu betrachten. Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand.
Wenn unsere innere Natur gezähmt bleiben soll – die Äußere interessiert mich nicht, ich bin kein Öko – bedarf es vernunftgesteuerter Ausübung von Macht, um die Gesellschaft nicht zu einem Krieg aller gegen jeden ausarten zu lassen.
Da Macht aber interessengesteuert ist, was oft, aber eben nicht immer, vernünftig ist, ist die Welt so, wie sie ist, und die Zeiten von „Stille Nacht“ neigen sich dem Ende zu.
Ich bin daran nicht schuld, ich habe mein Bestes gegeben, unermüdlich war ich, wenn schon nicht im Namen des Herrn, so doch in dem der Aufklärung unterwegs. Was mitunter zu Anflügen von Größenwahn führte.

Mein Kalender 1992. Das Zitat ist von Brecht.
Kampfzonen, wohin man blickt: innere Natur, äußere Natur, Weltausstellungen, Sanierungsgebiete.

Unser Hausflur 1992. Damals war klar, dass die Expo nach Hannover kommt und für jeden aufrechten Linken galt auch hier das Motto von Groucho Marx: Whatever it is – I am against it.
Nicht ganz so against it waren Teile der Linken, was die Stadtteilsanierung von Linden anging. Unser Haus war im Besitz der Stadt und daher Teil der Sanierung, deren löbliches Ziel es war, Linden-Nord in seiner Funktion als innerstädtischen Wohnstandort zu sichern und zukunftsfähig zu machen. Die Stadtplaner hängten uns schöne handgepinselte Pläne der Verschönerung unseres Gartens in den Hausflur und boten uns im Zuge des Sanierungsabschlusses das Haus zum Kauf an, für wenig Taler.
Sehr wenig Taler. Dem Staat war die Befriedung seiner linksradikalen Elemente was wert. Der Erfolg war überwältigend. Hausbesitzer_innen sind in den seltenen Fällen noch linksradikal, die Modernisierung des Eigentums fordert den ganzen Mann und die ganze Frau. Nur eins hat auf lange Sicht nicht so ganz hingehauen, Zitat: „Es ist ein relativ harmonisches Mit- oder Nebeneinander sozialer Milieus festzustellen, wobei das Quartier aufgrund der verhältnismäßig preiswerten Mieten auch für kreative und innovative Milieus attraktiv ist.“
Das Quartier ist zwar nach wie vor für kreative und innovative Milieus attraktiv.
Aber nicht mehr bezahlbar.
23.12.2016 – Alles eine Frage der Perspektive

Veranda von oben. Links Donald, rechts Kunstwerk (Tisch, von Knöterich durchflochten). Wird Ihnen leicht schwindelig, obwohl es nur ein Bild ist? Kann auch daran liegen, dass die Fluchtlinien des Fotos alle sehr exzessiv zentralperspektivisch zusammen laufen. Oder dass es Sommer ist auf dem Bild und das am Tag vor Weihnachten.
Ales eine Frage der Perspektive.
Habe vorhin vom Tod des vermutlichen Berlin-Attentäters gelesen. Die christliche Barmherzigkeit eines „Gott schenke seiner armen Seele die ewige Ruhe“ liegt mir nicht so, man muss sich im Leben mitunter entscheiden, ob jemand ein armes oder ein dummes Schwein ist und auch wenn es ein Euphemismus sein mag, der Täter von Berlin war ein dummes Schwein. Ich hege natürlich keinen Hass, aber eins wünsche ich ihm schon: Dass er im Paradies mit 72 oder wie viel auch immer Jungfrauen zusammen eingesperrt wird, wie es in irgendeiner Sure der Korans wohl versprochen ist. Um nicht gänzlich in Sakralkitsch abzugleiten, sollten das aber frauenbewegte Mädels sein, die ihm auch nur bei einem Anzeichen von Übergriffigkeit einer Sister gegenüber synchron und solidarisch aber so was von die Hammelbeine lang ziehen. Wobei ich mit den Hammelbeinen andere Körperteile meine. Die Mädels werden natürlich täglich ausgetauscht. Solche Gesellschaft will man niemandem länger zumuten. Und wenn sich unser Paradiesvogel nach ca. 68.000 Jahren bei der Geschäftsführung beschwert, kriegt er zur Antwort: „Was willst Du? Das ist das Paradies, so wie es im Buche steht. Alles eine Frage der Perspektive!“
22.12.2016 – SCHUPPEN 68 Prozent Rabatt.
Gleich dem Sixshooter des Gunman im wilden Westen ist mein Fotoapparat immer schussbereit. Ich brauche Bilder als visuelles Tagebuch, als optischen Notizzettel, zur Anregung, zum dokumentieren, so wie ich die Buchstaben zum Schreiben brauche. Das Leben ist auch wie ein Film und ein guter Film ist es wert, mehr als einmal betrachtet zu werden. Fotos sind der Grundbestandteil eines jeden Films. Früher bestand die kleinste Einheit des Films aus 24 Bildern in der Sekunde. Godard hat mal sinngemäß gesagt, man macht einen Film, indem man ein Foto macht, dann noch eins und noch eins und am Ende hat man einen Film.
Und jetzt ist meine Lumix immer noch in der Reparatur und ich bin immer noch auf die reduzierte Smartphone Knipserei angewiesen. Manche Fotos, gerade im Dunkeln, mache ich da erst gar nicht. Aber diesen Kommentar zur gesellschaftlichen Entwicklung habe ich dann doch festgehalten.
Die Zahl „68“ übt offensichtlich auch auf Schnäppchenjäger eine magische Faszination aus.

Auslauf Modell. Was läuft denn im Moment so alles aus?
Das „soziale“ aus der Marktwirtschaft, das „offene“ aus der Gesellschaft, das „freiheitliche“ aus der Demokratie?
Eins nach dem Anderen? Ich möchte nicht wissen, wie unsere Gesellschaft reagiert nach zwei, drei weiteren Anschlägen wie in Berlin oder gar Nizza.
Soll ich beruhigt darüber sein, dass bei den Wahlen im Bund im September oder in Niedersachsen im Januar 2018 „nur“ 10 Prozent AfD wählen werden? Das rassistische und antisemitische Potential liegt wohl eher bei 30 Prozent, ohne Rabatt, und wenn man die Volksgenossen nicht länger mit sozialen Leckerlis bei Laune hält, braucht’s jede Menge Sündenböcke, um abzulenken.

Der SCHUPPEN 68 hat ein schönes Logo,eine Homepage, eine Parteien-Satzung, einen Auftrag, etc. pp, alles, was man in Deutschland so braucht, nur eins fehlt noch:
ein Maskottchen, ein Wappentier. Wie in der Bundesliga. Eintracht Frankfurt hat einen Adler, Wolfsburg einen … (raten Sie mal, es ist kein Luchs!) und Köln einen Geißbock.
Wie wäre es mit einem Sündenbock?
Ich hatte mal eine Patenschaft in hannöverschen Zoo für eine INSR (Indische Nackt Sohlen Rennmaus). Das wär doch mal ne Maßnahme, eine Patenschaft im Zoo für einen Sündenbock zu übernehmen, der dann, je nachdem woher der Wind gerade weht, ein Mäntelchen umgehängt kriegt, auf dem die jeweilige gesellschaftliche Gruppierung vermerkt ist, die gerade dran ist.
Aber da hat man sofort die Tierschützer auf dem Hals.
21.12.2016 – Toast Hawaii in Zeiten des Verfalls.

Speisekarte Gastwirtschaft Rackebrandt, Hannover-Linden. Inmitten eines Haufen austauschbarer alternativer Szene-Sauf-Schuppen eine von drei übriggebliebenen Schänken in diesem ehemaligen Arbeiterviertel, die eine Tradition haben.
Vegetarier aller Länder, das peinigt Euch. Und wo gibt es noch Toast Hawaii!? Die Speisekarte wurde in den frühen Siebzigern des vorigen Jahrhunderts da reingehängt und nie wieder aktualisiert. Eine Oase des Innehaltens und Durchatmens, aber erst seit Rauchverbot da ist. Vorher konnten man in solchen Läden keine 5 Meter weit gucken.
Ach ja, das waren noch Zeiten. Seufz.
Und was für welche: Die Siebziger werden in der Soziologie als das „Goldene Zeitalter des Kapitalismus“ bezeichnet, hohe Lohnzuwächse, massiver Ausbau des Sozialstaats, Frauen und Schwule erhielten langsam einen zumindest Menschenrechtsähnlichen Status – offiziell. Vorher gab es die Phasen „Wiederaufbau“ „und „Wirtschaftswunder“. Danach, ab Mitte Achtziger „Stagnation“, gefolgt von „Spaltungen“. Da sind wir im Moment drin. Die dystopischen Varianten einer zukünftigen Entwicklung sind „Verfall“ und letztlich „Chaos“ oder auch „Barbarei“. Was man im Weltmaßstab bereits jetzt vielfach „bewundern“ kann.
Angesichts der aktuellen Entwicklung, Brennglasgleich zu beobachten nach dem Anschlag von Berlin, kommen die üblichen hilflosen Reaktionen: Pure Niedertracht vom Mob, egal ob mit weißem oder gar keinem Kragen, vom Mainstream der Schrei nach mehr Sicherheit, Abschiebung, Überwachung und vom Rest des aufgeklärten Bürgertums der Ruf nach „Ausgewogenheit“.
Da kann man nur dankbar sein, dass es keine nennenswerte Linke mehr gibt, die einen mit geballter Faust zum Klassenkampf nervt. Dafür wäre eine rote Pappnase das passende Dekor.
Wir halten was aus. Kein Problem, auch unsere dem Freiheitsideal anhängenden wohlhabenden Gesellschaften westlichen Zuschnitts halten viel aus, siehe Israel, das seit Jahrzehnten vom wachsenden Vernichtungsfuror durchgeknallter faschistoider Hamas- und anderer Banden bedroht wird.

Aber irgendwann sehe ich mich schon als Opa im Schaukelstuhl sitzen und der staunend lauschenden Schar meiner Neffen (nein, nicht Tick, Trick und Track, sondern Chris und Matze)) von sanftmütigen Zeiten was vorschwadronieren, als sich der Chor Teutonia und der Lindener Männer Gesang Verein (keine Frauen und Schwule) von 1866 im Gründungslokal des Bundes Deutscher Philatelisten zur Ausübung des Gesangshandwerks bei Toast Hawaii und Cordon Bleu trafen. Und so sicher wie das Amen in der Kirche kommt dann von mir zur Ergötzung der Jugend mein Klassiker:
Deutsche Philatelisten
Mörder und Faschisten.
20.12.2016 – Der 3. Weltkrieg kommt nach Europa – Bist du bereit?

Der 3. Weltkrieg kommt nach Europa – Bist du bereit? Aus meinem Spamordner. Ich wünsche nicht von Creti und Pleti geduzt zu werden, ich kann mich nicht erinnern, mit dem Spam-Absender mal zusammen Schweine gehütet zu haben oder dergleichen. Abgesehen von der Impertinenz dieses „Du“ geht das halluzinierte Schreckensszenario auch am wahren Horror vorbei. Der besteht darin, dass der Krieg schon lange in den Köpfen angekommen ist.
Russischer Botschafter in Ankara erschossen, Verletzte und Toter nach Schiesserei in Zürich, 12 Tote nach LKW Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin, das sind die Schlagzeilen eines Tages. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Motive in jedem Fall islamistisch grundiert sind.
Tatsache bleibt, dass der Islam anders als die monotheistischen jüdischen und christlichen Religionen keine Phase der Aufklärung durchgemacht hat und bis in den Mainstream hinein von einem missionarischen Alleinvertretungsanspruch dominiert wird. (Komisch, dass die Missionarsstellung sich auch unter Atheistinnen noch so großer Beliebtheit erfreuen soll.) Das hat Konsequenzen. Auf den globalen ökonomischen Terror des Kapitalismus als Ursache von Elend und Verzweiflung gehe ich hier nicht ein. Der Blog ist kein Politik-Oberseminar. Der Krieg ist also schon lange hier. Wir in den westlichen Metropolen haben nur das Glück der zufälligen Geburt, dass er bei uns nicht so aussieht wie in Aleppo. Wenn ich bedenke, was für ein Schwein ich habe, zufällig als nichtbehinderter weißer Mann in Mitteleuropa geboren zu sein, dazu noch in einer Familie, die mir eine excellente Ausbildung ermöglicht hat, da kann ich nur sagen:
„Lieber Gott, ich danke Dir, und nimm es mir bitte nicht übel, dass ich Atheist bin.“

Ich hatte mit Weihnachtsmärkten meinen Frieden gemacht. Hier der auf dem Küchengarten im alternativen Linden (Hannover). Ich hänge mittlerweile sogar ganz gerne da ab, es riecht ganz anders als sonst, die Menschen sind meist gut gelaunt und nüchtern, und es gibt jede Menge komische Impressionen.

Wir trinken viel Met, bis keiner mehr steht. Mit Eierpunsch und Sahne.
Liebe Leserinnen, ich wünsche Ihnen ein friedliches und entspanntes Weihnachtsfest und falls Sie Besuch erwarten, stellen Sie Met beiseite und lieber Sekt kalt.
Aber ich schreib bestimmt noch was in diesem Jahr in diesem Blog. Schauen Sie also ruhig mal wieder rein. 110.000 Leserinnen („Visits“ heißt das in der Sprache der Klicks) im zurückliegenden Jahr können nicht irren. Schönen Dank noch mal an dieser Stelle fürs Lesen.
Ich würde den Blog auch für mich alleine schreiben. Aber bei so vielen Leserinnen geb ich mir schon mehr Mühe.
15.12.2016 – Panzer für den Strassenverkehr
Den Schädel hat die Evolution geschaffen, um das Hirn vor Außeneinwirkung zu schützen. Früher zum Beispiel vor dem Biss des Säbelzahntigers. Heute offensichtlich vor Gedanken.
Dass die Menschheit offensichtlich eine Bande von hirnreduzierten Höhlenbewohnern ist, zeigt ein Blick vor die Haustür und zur Not in die Zeitung. In der Zeitung steht, dass die PS-Größe der Autos in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat und die SUVs enorme Zuwachszahlen haben.

Blick vor die Haustür. Wer braucht Autos in der Innenstadt und wer braucht solche SUVs?
Vorzugsweise Männer und vermutlich solche, die keinen mehr hochkriegen. Mir ist das egal. Nein, nicht das mit dem Hochkriegen, das war nur eine billige Pointe unter jene Linie, die das Nullniveau von Satire kennzeichnet, nämlich die Gürtellinie. Egal ist mir die Tatsache, dass durch die Existenz solcher durchgeknallten ressourcenverbratenden Schlitten sich das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen, beschleunigt. Ich erlebe das nicht mehr, nach mir die Sinnflut (Achtung! Pointe!! Geistreich!!!). Die Existenz solcher Autos zeigt nur, wie minimal Fakten und Aufklärung auf das Bewusstsein und auf den Stand der Ethik Einfluss haben. Viele dieser SUV Besitzer haben Kinder und werden diesen durch ihr Handeln den Planeten in einem noch erbärmlicheren Zustand überlassen, als er eh schon ist. Die Generation der Erben, das kriegt dann einen ganz anderen Beigeschmack. Und dann beklagen sich solche Troglodyten, dass die Strassen und Parkhäuser zu klein sind. Schöner Witz für mein nächstes Kabarettprogramm: „Fahren zwei SUVs aneinander vorbei …“ Hat da jemand gesagt, diese Autos sind sicherer? Dann mein Vorschlag: Panzer für den Straßenverkehr zulassen.
Der Schädel ist bekanntlich rund, damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können. Aber wenn in den letzten 300 Jahren keine neuen Gedanken dazugekommen sind, wozu braucht’s dann noch den Schädel?
Gut, dass wenigstens ich die Weisheit mit Schöpfkellen gefressen habe und das hier Beschriebene ist ja mehr zum Schulterzucken im Vergleich zu dem Fundstück hier, dass wirklich traurig macht und real bedrohlich ist.

Deutschland, Deutschland über alles.
Der Besitzer dieses Karren dürfte mit irdischen Gütern nicht reich gesegnet sein und verdient seinen Lebensunterhalt vermutlich mit dem Sammeln von Flaschen, Buntmetall und ähnlichem. Eine prekäre Existenz. Die ihr Heil in der Nation sucht.
Na dann: Heil.
08.12.2016 – Belinda, lass mich auf Dein Lustfeld.

Belinda Lustfeld, Elite Nageldesign. Das Design des Firmenlogos erinnert mich eher an Mord und Totschlag oder an Twipsy, das Logo der EXPO 2000 in Hannover

Twipsy, Urinfleck eines nierenkranken Hundes im Schnee oder Werbung für mehr Inklusion?
Ich bin mit meiner Kompaktkamera auch als Ethnologe unterwegs. Ich dokumentiere Veränderungen bei den Eingeborenen in meinem Umfeld, im Belinda-Lustfeld-Fall im Nachbarviertel Limmer, in dem auch schon das grässliche Medusenhaupt der Gentrifizierung seine Fratze zeigt. Aktuell besitze ich eine Lumix, in deren Zoomgewinde leider Sand vom letzten Strandurlaub geraten ist. Smartphones können Kompaktkameras nicht ersetzen, die haben nur einen digitalen Zoom und der ist eine rein rechnerische Größe, das hat nichts mit dem klassischen „Näher-ran-holen“ zu tun. Im Moment fühle ich mich regelrecht nackt, wenn ich unterwegs bin, nur mit so einer dämlichen Smartphone Kamera bewaffnet.
Abgesehen von Twipsy denke ich manches Mal gerne an die EXPO. Ich war da für ein Projekt verantwortlich, bei dem ich schon vor der Eröffnung auf das streng abgeschirmte Gelände durfte.

EXPO Gelände – vor der Eröffnung
Einzigartige Einblicke, hab ich auch auf Video. Analog. Was für Koffer die Camcorder damals waren. Das Material archiviert auf Band-Kassetten. Wenn man keinen Kassettenrekorder mehr hat, ist das Zeug für die Tonne. Ich hab einen Double Player, zum umkopieren. Ist aber auch für die Tonne, weil ich für so was gar keine Zeit habe. Später mal, im Altersheim.
Ob meine Kohle dann dafür reicht, mir Belinda Lustfeld zu bestellen, um meine Elite Nägel zu designen?
Die EXPO hat der Region hier einen excellenten ÖPNV gebracht, Druck aus der Wohnsituation genommen durch ein komplett neues Viertel am Kronsberg und sechs Monate lang Party. Nicht für alle.

Die arme SPD kriegte wieder ihr Fett weg von meinen linksradikalen Genoss_innen. Von Beiden ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Schade. In Zeiten des grassierenden Mobs wäre jeder Widerstand sinnvoll. Ob ich nun diesen Blog hier vollkritzele oder sich Belinda im Lustfeld vernagelt, das kümmert den Gang der Weltgeschichte nur peripher.