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23.04.2016 – Schatz, gehen wir heute zu Ikea oder Ferrari?

zu ikea oder zu ferrari
Hannover, Expo Gelände.
Im Vergleich zum Lissabonner Expo-Gelände ein Trauerspiel, aber immer noch einen Ausflug wert. Und mitunter einfach komisch. Was gibt es sonst noch in Hannover? Heute ist TTIP Demo, erwartet werden über 50.000 Leute. Ich weiß nicht viel über TTIP, wer tut das schon. Allein das Verfahren stimmt mich so misstrauisch, dass ich dagegen bin. Was ich mich frage: Wie funktioniert das, das in eher apolitischen Zeiten so viele Leute auf die Strasse gehen? Am 1. Mai werden in Hannover vielleicht ein Zehntel unterwegs sein und in Hannover ist traditionell eine der größten Maidemos der BRD.
Wieso geht zur geplanten Novellierung von Hartz IV kein Schwein auf die Straße, obwohl Millionen direkt davon betroffen sind?
Was ist mit der drohenden Altersarmut als Folge der von rotgrün demolierten gesetzlichen Rente? Kleines Schmankerl zum gleichnamigen Erfinder der Riesterrente, mit der sich Konzerne dumm und dämlich verdienen: Riester war u. a. 2. Vorsitzender der IG Metall und ganz früher ein Verbalradikalinski von hohen Graden, bevor er korrupt bis auf die Knochen wurde. Bei einem oder zwei Bieren während eines Lehrgang in einer IGM Bildungsstätte erzählte mir einer der Teamer, dass Riester ihn mal zusammengefaltet habe, als er über ein gemeinsames Projekt mit Arbeitgebern verhandelt hatte: „Man setzt sich nicht dem Klassenfeind auf den Schoß.“
Wie man bei Riester später sah, ist der bessere Weg, ihm direkt in den Arsch zu kriechen.
Was mich interessieren würde: Wie hoch ist mein Kaufpreis? Ich hab hier leicht reden als Verbalradikalinski.
Mein Lieblings-Sprichwort kommt aus dem Orient:
„Es gibt keine Mauer, die hoch genug ist, als dass sie ein mit Gold beladener Esel nicht überklettern könnte.“
Also: Ich warte auf Angebote. Und darauf, dass mir jemand die Welt erklärt, siehe oben.

21.04.2016 – Ich bin normalerweise ein toleranter Mensch.

Das ist eine faustdicke Lüge, und das „normalerweise“ weist auch daraufhin, dass eine in dem Zusammenhang getroffene Aussage a priori null und nichtig ist. Das ist wie bei „grundsätzlich“: „Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu“ heißt nichts weiter als „Ihre Position ist von vorne bis hinten schwachsinnig und ich werde sie bis an mein Lebensende mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen“. Also noch mal, aber diesmal in ehrlich: Ich bin überhaupt kein toleranter Mensch, vieles am Kapitalismus stinkt mir ganz gewaltig, und im privaten Bereich gehen mir andere Meinungen, Lebensstile, Ansichten je mehr auf den Senkel desto älter ich werde. Ich halte ca. 90 % der Bevölkerung für nicht satisfaktionsfähig und den Rest dulde ich meist nur, weil mit irgendjemandem muss man ja ab und zu mal reden (nur in seltenen, nüchternen Momenten beschleicht mich eine böse Ahnung, dass ich vielleicht doch nicht ganz so toll bin, wie ich mir einbilde und es noch zwei, drei, vier Leute gibt, die auch was in der Birne haben …).
radler
Wenn ich etwas ganz besonders nicht toleriere, ja regelrecht verabscheue, sind es Radfahrer in Urlaubsregionen.
Auf Malle ist ja zu dieser Jahreszeit nicht viel los, bis auf eine Ausnahme: Myriaden von Radfahrern auf Rennrädern und in närrischen Trikots machen die Strassen in kilometerlangen Peletons unsicher, jeder Zentimeter radlbarer Asphalt wird von ihnen mit einer Dreistigkeit in Beschlag gelegt wie es nur Scheißhausfliegen mit ihrem Haufen praktizieren. Die Augen stur auf den Asphalt gerichtet, resistent gegen jede Schönheit der Landschaft und gegen andere Verkehrsteilnehmer.
asphalt
Das ist das ideelle Gesamturlaubsbild eines Rennradlers, egal ob Malle, Lanzarote, Andalusien oder Bad Klappsmühlen.
Mehr sieht er nicht, mehr kennt er nicht, mehr interessiert ihn nicht. Die Kolonnen dieser Hohlmantelgeschosse erinnern mich an die Panzerkolonnen auf den Autobahnen oder Eisenbahnen im kalten Krieg, stur, gleichförmig nur einem Ziel unterworfen: Der Vernichtung des Gegners, sei es der Kommunist im Osten oder die Zeit auf der Uhr. Hass überflutet mich, wenn ich auf einem zauberhaften Marktplatz eines kleinen Ortes wie etwa Santa Margalida sitze, Stille und Ruhe allenthalben, und dann fällt ein Division dieser Schwachköpfe gleich einem Heuschreckenschwarm da ein. Das Klicken der Sicherung an ihren Schuhe, mit denen sie die jahrhundertealten Fliesen des Marktplatzes ruinieren, gemahnt an den Marschtritt von Soldateska und wie sie dann breitbeinig da rumfletzen, unfähig eines vernünftigen Gedankens nur Schrott absondernd wie was für einen Schnitt sie denn gerade gefahren sind, und wie fertig sie gestern waren und morgen erst sein werden. Es ist alles so erbärmlich, dass man weinen möchte.
Sie sind alle so uniform hässlich, so unlebendig. Ich habe noch einen Radfahrer oder Radfahrerin gesehen, der oder die erotisch aussah, und das bei den hautengen Trikots. Radfahrer und Sex? Unvorstellbar. Der natürliche Feind des Radfahrers ist der Orgasmus. Wenn ich sie abends sehe, wie sie in das Nachtleben eintauchen, bis 21 Uhr, kommt befreiendes Lachen auf: wieder in Pulks, wieder uniform, in Jeans und Jack Wolfskin Jacken, gleiche Frisuren, unsicher lautes Gehampel, drauf achtend, dass bloß keiner aus der Herde ausbricht.
Ich habe unterwegs mal einen Einzelgänger, der innerorts hinter der Herde zurück geblieben war und deshalb in Panik geratend mir die Vorfahrt nehmen wollte, angeschnauzt: „Mach die Augen auf, Meister.“
Jedes Mitglied einer Streetgang weiß, dass nach der Ansage „Meister“ Kampfposition einzunehmen ist. Das ist ne klare Ansage. Unser Einzelgänger jedoch geriet derart in Hektik, dass er nach einem Schlenker über den Bordstein rumpelte. Hoffentlich ist sein Felge hinüber.
Schönes Wochenende, liebe Leserinnen.
Ich fahre auch Rad im Urlaub, jeden Tag. Aber für mich gilt natürlich Lukas 18.:
„O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen der Menschen, ….“

21.04.2016 – Löschflugzeuge und Trostspender.

Urlaubslektüre waren heuer der notorische Hölderlin Gedichtband, Heft 4/2016 der „Blätter für Deutsche und Internationale Politik“, der Roman „Der Mittelstürmer“, Autor hab ich vergessen und den werd ich jetzt auch nicht googeln, der aktuelle „Spiegel“ und die aktuelle „konkret“. Ich hab nicht eine einzige Zeile gelesen.
Stattdessen habe ich lieber stundenlang aufs Meer geglotzt, kein Gedanke trübte mein Hirn, nur manchmal dachte ich, wenn sich was am Horizont veränderte: „Whow, jetzt bist Du schon stoned, ohne zu kiffen.“ Zu dieser Jahreszeit ist auf Malle weder am Strand noch am Horizont viel los. Reflexartig riss ich meine Digitalkamera aus dem Holster und feuerte mehrere Bilder ab.
löschflugzeug
Im Hotel stellte ich erstaunt fest, dass das gelbe Flugzeug wohl tatsächlich existiert hatte, vermutlich ein Löschflugzeug.
Ich beschloss, öfter mal nichts zu denken. Und Lesen wird sowieso überbewertet. Was nützt mir die dadurch gewonnene Erkenntnis? Angesichts des aktuellen Zustandes der vermeintlichen Zivilisation müsste man konsequenterweise zur Waffe greifen und dafür bin ich viel zu ungeschickt. Das erste Opfer wären sicher meine Füße.
Wozu nützt Lesen noch? Der Unterhaltung vielleicht. Aber wenn ich Spaß haben will, fahre ich zum Beispiel mit dem Rad durch eine Touri-Meile auf Malle. Das ist wie Theater, nur umsonst und authentischer. Also wozu Lesen? Trost? Das ist ein Argument.
kalvarienberg
Kalvarienberg Pollenca – Trostspender für Gläubige. Für den Rest: Grandioser Ausblick und Fitnessprogramm, 365 Stufen.
Trost kann ich brauchen. Hab im Urlaub Börse verloren, mit Ausweis, Karte, Krankenkasse, Geld, etc. pp. Dummheit muss bestraft werden und irgendwann ist so was mal fällig. Angesichts der Frage, wie die einen am Flughafen ausreisen lassen ohne Papiere, und der Scheißhausparolen, die zu dem Thema im Internet kursieren, fühlte ich mich auf einmal nackt, hilflos. Ohne Papiere.
Lächerlich, an jeder Ecke im EU-Ausland gibt es ein Konsulat und mit jeder polizeilichen Verlustmeldung kommt man problemlos aus dem Urlaubsland raus. Aber da sieht man mal, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist. Kaum weicht etwas vom Gang der Dinge ab, wird man gleich hektisch. Regelrecht albern fand ich meinen Gedanken in der Situation, wie es wohl grundsätzlich Papierlosen gehen mag. Hinter dieser Art von Empathie schlummert doch jenes Selbstmitleid, dass sich aus dem Vergleich mit Papierlosen speist. Und der ist angesichts deren Situation degoutant.
Ungerecht fand ich allerdings, dass ich meine Börse verloren hatte, nachdem ich sie nur zum Trinkgeldgeben gezogen hatte.
Zuhause angekommen, ging ich erst mal auf Tournee, alles muss ja wiederbeschafft werden.
Keine zwei Stunden nach Ende der Tournee rief die Polizei von Malle an: Meine Börse hat sich angefunden. Wieder los, alles rückgängig machen.
Tröstlich immerhin: Offensichtlich hatten höhere Mächte ein Einsehen mit mir und wollten soviel Ungerechtigkeit auf Erden doch nicht zulassen.

19.04.2016 – Klassenkampf und Urlaub.

Klassenkampf von oben heißt auch Abgrenzung durch Ausgrenzung. Die da Oben grenzen die da Unten aus durch Verweigerung von Teilhabe an materiellen Gütern, an Bildung, an Gesundheit, an gesellschaftlichem Leben … . Abgrenzung heißt auch, denen da Unten durch Sprache, Style-Codes, Habitus, Klassenjustiz klarzumachen: Du gehörst nicht dazu.
Klassenkampf von Unten kann niemals Ausgrenzung gegen die da Oben bedeuten, wohl aber: Abgrenzung. Abgrenzung – und damit Selbstbewusstsein – durch eigene Sprache, Rituale (1. Mai), Kultur (früher: Abeiterkultur). Arbeiterkultur gibt’s nicht mehr und Abgrenzen tut sich der deutsche Facharbeiter oder auch das Prekariat durch Tritte nach unten, auf Flüchtlinge zum Beispiel. Soviel zur Chronik eines fortschreitenden Verfalls der Sitten.
Der Klassenkampf macht keinen Urlaub. Ich schon. Die Zeiten sind vorbei, als ich monatelang mit dem Daumen im Wind und dem Zelt auf dem Rücken durch Europa trampte. Eine Woche Hotel am Meer, das war’s dann. Ich steige meist in Hotels einer bestimmten Kategorie ab, anders formuliert: Ich bleibe innerhalb meiner Klasse. Ich grenze mich auch gefühlsmäßig ab, Leute in gehobeneren Hotels als dem meinen sind für mich Snobs, Leute in niederen Kategorien Prolls. Das ist schäbig gedacht, das würde ich auch niemals öffentlich so formulieren, das verrate ich nur Ihnen, liebe Leserinnen, hier im Blog und im Vertrauen. Ich habe auch nie behauptet, dass ich die Wiedergeburt von Jesus bin.
Wie sah die Klassengesellschaft eigentlich früher aus?
nekropole
Nekropole aus dem 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechung.
Ungefähr 300 Tote waren da bestattet, der herrschenden Klasse angehörend. Selbst der Tod macht die Menschen nicht gleich und das angenehme Klima hat offensichtlich schon in grauer Vorzeit viele Leute angezogen. Wenn ich mir vorstelle, was das damals für ein Aufwand gewesen wäre, da Urlaub zu machen. Hätte man damals trampen können? Mich hat mal ein Bauer mit einem Eselskarren mitgenommen. War schön. Aber die ganze Strecke? Gut, dass es Flugzeuge gibt. Und nach mir die Öko-Sintflut.
Erwähnte ich das mit „Jesus“ schon …?

10.04.2016 – Ich war schon immer Avantgarde

Dass Digitalisierung, Virtualität und Internet unter Avantgarde-Gesichtspunkten out sind, ist evident. Ich zum Beispiel höre zu Hause, wenn überhaupt Popmusik, nur Cassetten, auf einem Original Denon Cassettenrekorder aus dem vorigen Jahrtausend.
cassettendeck denon
James Gang und Flying Burrito Brothers. Die Flying Burritos Brothers habe ich mal im Nashville in Hannover live gesehen, mit einem unfassbar genialen Pedal Steel Gitarristen namens Sneaky Pete Kleinow, der mir regelrecht die Tränen in die Augen getrieben hat. Das Nashville war (ist?) ein gruseliger Country Club, bei dem Konzert nur Männer, alle hatten Cowboy-Hüte auf, tranken Bourbon, trugen Südstaaten T-Shirts und glotzen mich an, als ob ich Otis Reding wäre. Gut, dass ich keine Opfer-Ausstrahlung habe.
Ich schwor mir, das nächste Mal da mit einem T-Shirt hinzugehen mit Sam & Dave drauf und der Aufschrift „I am a Soulman“. Was ich auch bin. Mein Ding ist schwarze Musik. Dancing Stuff. Ich weiß aber fantastische Musiker wie die Burrito Brothers zu schätzen. Deren Konzert war eines jener raren mit Gänsehautfaktor und hat mich beeinflusst, die Band „Flying Sackbarrow Brothers“ zu gründen, allerdings völlig andere Richtung: psychedelischer Postpunk.
Ich war schon immer Avantgarde, ich nenne es wegen der soziologischen Trennschärfe nur „Antizyklisches Agieren“. Avantgarde ist auch historisch kontaminiert, die frühe italienische Avantgarde schwenkte fast komplett zum Mussolinifaschismus über. Vollidioten.
In den Siebzigern war es schwer angesagt, politisch zu agieren. Ich hatte natürlich eine Haltung, aber dieses massenhafte unreflektierte Politkaspern war mir auch aus ästhetischen Gründen schwer verdächtig. Ich tat mich nicht gemein.
NaNa Nullnummer
Beispiel politischer Arbeit von damals – die NaNa. Nullnummer vom Februar 1982.
Neulich bei Freund und Kollegen drauf gestoßen, der die kompletten 50 Ausgaben besitzt. Tolle Zeitung, aber verpeilt.
Heute agieren immer weniger Leute explizit nachhaltig politisch. Das Motto muss also lauten: Antizyklisch agieren, Genoss_innen. Mach ich. Unter anderem mit einer unverpeilten eigenen Zeitung, der NETZ. Zur Not auch mit Staatsknete. Mao hat mal gesagt: Flexibel sein wie ein Tisch im Wasser. Also dann: Heraus zum 1. Mai!
Aber den 30. April nicht vergessen!

09.04.2016 – Baumärkte, Bundeswehr, Autos, Familien und Männerschweiß

In Schweiß zu kommen, ist gesund, nützlich und kann unter Umständen auch Spaß machen. Alles, was nach Männerschweiß riecht, stinkt mir allerdings: Baumärkte, Bundeswehr, Autos, Familiengründungen. In Baumärkten kriege ich umstandslos tiefe Depressionen, endlose Gänge mit Milliarden von Gegenständen, deren Sinn, Funktion und Handhabung ich niemals begreifen werde, lassen mich am Sinn der Menschwerdung des Homo Sapiens zweifeln. Um Baumärkte optimal zu nutzen, ist der aufrechte Gang kontraproduktiv. Hier wäre aus Effizienzgründen der Hominiden-Status eines sagen wir mal Australopithecus nützlich, also menschenähnliche Primaten, die sich von Regal zu Regal hangeln können und auf Grund ihres ausgeprägten Rückens keine Bandscheibenvorfälle kriegen. Wenn ich diese Bataillone von Männer in Baumärkten sehe, mit sexueller Erregung ob der auf sie zukommenden Tätigkeiten fernab jeder Kultur in den Augen und einem veritablen Ständer (oder ist das der Maurerhammer, der ihren Blaumann ausbeult), ist das einzig Tröstliche für mich ihre Hässlichkeit. Männer in Baumärkten sind fast immer von so monströser Hässlichkeit, dass ich mich bei deren Anblick für ein Geschenk Gottes an die Frauenwelt halte. In Baumärkten bin ich unter Attraktivitätsgründen ein Sechser im Lotto.
gefüllter zwerg
Gefüllter Zwerg.
Das ist das Einzige, was ich neulich aus einem Baumarkt mitbrachte. Ich brauchte für meinen Garten eine neue Gartenschere. Als ich dafür 49 Euro zahlen sollte, hätte ich am liebsten eine Kettensäge genommen und den Laden zerlegt. Dafür kriege ich fast ne Kiste Weißburgunder Sekt extra brut von meinem Pfälzer Lieblingswinzer Doll (besser als Taittinger und Bollinger Champus übrigens). Die sind doch geisteskrank. Das verstößt gegen die Genfer Menschenrechtskonvention oder die Haager Landkriegsordnung. Wieso klagt da nicht mal jemand?!
Und FloraSelf kriegt von mir ne Klageandrohung wegen Verstoß gegen das Diskriminierungsgesetz. Zwerg! Das geht gar nicht! Im Zuge des allgemeinen Veganer-Wahnsinns wurden die Menschenrechte auf alle Lebewesen ausgeweitet, auch auf Pflanzen, deshalb ist „Zwerg“ diskriminierend. Richtig muss es heißen:
Gefülltes Wesen mit Wachstumshandicap.

08.04.2016 – Brechmittel auf zwei Beinen und kortikale Verschaltungen.

Brechmittel auf zwei Beinen sind Leute, die einen grüßen mit: „Alles gut?“ Noch mehr zum Kotzen ist: „Alles schön?“ Herr, lass Großhirn vom Himmel regnen. Wohin geht man zum Kotzen? Auf Klo.
toilettenhalter
Neulich im Wirtshaus auf Toilette.
Der Papierhalter brachte mich ins Grübeln. Was hat sich da hinter meinem Rücken entwickelt? Wird da jetzt getrennt nach Vorwischgang und Hauptwischgang? Geht man/frau heute schon Synchronkacken? Oder ist die zweite Rolle für Notizen?
Ich versteh die Welt immer weniger. Heißt aber nicht, das mein Intellekt geringer wird, jene grauen Zellen, die in der Cortex schlummern. Das ist die Rinde vom Großhirn. Ältere erinnern sich an das Gedicht von Heinz Erhardt:
Hinter eines Großhirns Rinde
saß die Made mit dem Kinde.

Haben Sie sich mal gefragt, warum wir eigentlich das machen, was hier öfters Thema ist, nämlich Kunst? Hat mit unserer Cortex zu tun. Die wurde im Laufe der Zeit durch wachsende tierische Eiweißzufuhr stetig größer, verschaltete sich immer komplexer und wupps, eines Tages kam das Denken auf die Welt. Denken heißt: ein Bewusstsein darüber zu besitzen, dass wir existieren. Kommen Sie mir jetzt nicht mit Platon, und woher wissen wir, dass wir existieren und bilden wir uns nicht einfach nur ein, dass wir existieren, blablabla. Wir sind hier nicht im Oberstufenkurs Filosofie! Hier geht’s um die Wurst, also die Cortex.
Was passiert in dem Moment, wo Bewusstsein in der Welt ist?
„Müller zwo, sagen Sie es, der ganzen Klasse! Und hören Sie auf, Ihrer Nachbarin in den Ausschnitt zu glotzen! Oder haben Sie Langeweile?“
„Äh, Langeweile….“
„Richtig, Müller zwo, Sie sind ja doch nicht dümmer als die Polizei erlaubt, die Antwort ist richtig. In dem Moment, wo Bewusstsein vorhanden ist, betritt das Phänomen „Langeweile“ die Bühne des Lebens.“

Also ich will den Dialog nicht auswalzen, zumal mich dieser Ausschnitt von der Nachbarin von Müller zwo auch irgendwie irritiert. Was soll der hier und wieso hat die Frau keinen Namen? Ist das nicht sexistisch?
Das mit der Langeweile stimmt jedenfalls halbwegs. Der Mensch muss ja irgendwohin mit dem kortikalen Überschuss, vulgo der Langeweile. Und was macht er, sinnfrei und zwecklos (sonst wäre es ja wieder Arbeit), zur Bekämpfung von Langeweile?
K U N S T !! Genau. Oder Grundlagenforschung. Das ist aber nicht meine Baustelle. Ich vermute sowieso, dass ich mit diesem interdisziplinären Ausflug in den Grenzbereich zwischen Evolutionsbiologie, Anthropologie und Philosophie meine Grundlagen mindestens ausgereizt habe. Das Gute daran ist, dass ca. 99 % der Bevölkerung mir das Gegenteil meiner Ausführung nicht beweisen können.
Wie ich auf das Thema komme? Keine Ahnung. Hat vielleicht was mit der nahenden Grillsaison zu tun. Fleisch, tierisches Eiweiß, landet auf dem Grill und aus evolutionsbiologischer Sicht beruhigt es ungemein mein Gewissen, auf der richtigen Seite zu stehen, nämlich der der tierischen Eiweißakkumulatoren.
Oder glaubt Ihr Veganer etwa, Eure Schrumpelcortex wächst durch Mohrrübenknabbern?

05.04.2016 – Ich unter Wölfen

wolf unter wölfen
Wolf unter Wölfen. Nackt unter Wölfen.
ich unter wölfen
Ich unter Wölfen.
Niedersachsen ist Wolfsland. Überall Wölfe, selbst in der Nähe von Hannover, am Deister. Das macht natürlich jeden Ausflug dahin zu einem selbstmörderischen Abenteuer. Ich habe es mir angewöhnt, nur noch in perfekter Trankleidung durch das Gelände zu robben. Das Foto „Ich unter Wölfen“ beweist das eindrücklich. Jede Wette, dass Sie mich auf dem Foto nicht erkennen können!
Angesichts der Tatsache, dass laut Hobbes allerdings der Mensch des Menschen wahrer Wolf ist (was die Natur des Wolfes dämonisiert, der tötet schließlich nur, wenn er muss), stellt sich die Frage, welche Tarnkleidung man anlegen soll, wenn man sich unter Menschen begibt. Viele Leute tarnen sich als Mensch. Bei mir kommen die damit nicht durch. Da der Mensch aber ein soziales Wesen ist, braucht er zum Wohlbefinden den Kontakt zu Anderen. Ein Dilemma?
Und was braucht es noch zum Wohlbefinden? Und wie ordnet man sich da selbst ein, zum Beispiel auf einer Skala von 1 bis 10? Der so operierende Glücksatlas hat eine, wie ich finde, falsche Begrifflichkeit. Da geht es doch wohl um Zufriedenheit und nicht um Glück. Glück sind nicht planbare, seltene und flüchtige Momente. Wenn ich zum Beispiel nach nerviger Anreise im Urlaub das erste Mal an den Gestaden des Mittelmeers stehe, die Sonne kegelt glitzernde Diamanten über die Wellen, das Sand wärmt die von der Kälte Norddeutschlands noch zitternden Füße und ich tauche dann aus den Fluten auf, das ist ein ephemerer Moment von Glück. Schrei vor Glück. Aber nicht planbar. Lass es an dem Tag regnen, das Hotel liegt an einer Baustelle und man kommt vor lauter Algen nicht ins Wasser, dann schreit man aus ganz anderen Gründen. Es hat schon Situationen gegeben, da habe ich ein förmliches Wolfsgeheul ausgestoßen. Hoffentlich laufe ich mir im nächsten Urlaub keinen Wolf.
Laber laber. Ich sollte meine interne Entschwafelungsanlage einschalte. Aber ich habe partout keine Lust zu ackern …Ein Dilemma.
Macht aber nix. Dilemma ist mein dritter Vorname.

02.04.2016 – Peinliches aus meinem Sexualleben.

Werden Sie hier sicher nicht lesen. Wie Sie überhaupt grundsätzlich nicht sicher sein können, was in diesem Blog real oder erfunden ist. Das ist hier Literatur, Subgenre Meta-Blog, also ein Blog, der sich auch – gerne satirisch – mit dem Blog-Unwesen auseinandersetzt. wo Milliarden von Amöben glauben, jeden Winkel ihrer Existenz virtuell ausleuchten zu müssen. Vielleicht ist alles in diesem Blog gelogen, vielleicht ist der Schreiber dieser Zeile eine Schreiberin, die nach dem genderverkehrten Prinzip des Cyrano de Bergerac verfährt und den älteren Herren mit der weißen Brille, der hier öfter auf Bildern zu sehen ist, nur vorschiebt, getrieben von der Sehnsucht nach Liebe, und wenn es nur die einer virtuellen Leserinnen-Gemeinde ist.
Wer weiß das schon so genau? Schlimmer noch: wer will das überhaupt wissen? Scheiß auf die Realität, wenn es schöne Geschichten gibt.
die helden der weinstrasse
Ich investiere jetzt in Start-Ups. Nr. 1: Weberey, Weinbar. Gestern Soft opening mit „Prosecco für umme“. So sprach einer der Besitzer, den ich aus anderen wirtschaftlichen (=Kneipe) Zusammenhängen kenne, zu mir, als ich ihn zufällig vorher vor der Bar traf. Ich nickte lässig, zermarterte mir aber innerlich den Kopf, what the fuck heisst „Prosecco für umme“, und warum kann die Szenensprache nicht auf dem Stand von 1979 eingefroren bleiben, damit ich was verstehe, wenn junge Leute mit mir reden. War dann sehr nett, Prosecco gab’s für lau (umme = umsonst!), und ich werde investieren, also regelmäßig einen feierabendlichen Pfalz Riesling o. ä. da verklappen.
Neulich mit Kumpels beim Italiener abgehangen. Ich klatschte ihnen laut Beifall, weiß nicht mehr, wieso, kann nur ironisch gewesen sein, weil sie dummes Zeug laberten. Das tun die fast immer, wieso sollte es da anders gewesen sein. Sofort eilten alle Kellner und der Patron an unseren Tisch. Und alle anderen Gäste guckten. Peinlich, peinlich, alle dachten, ich wollte auf diese Art noch eine Bestellung einleiten oder so. Ich bin mit denen nicht befreundet oder verkumpelt, hänge da aber schon öfter ab, man begrüßt sich per Handschlag und schwätzt auch mal paar Worte „Wie geht’s … laber laber …“. Und dann so was.
Gut, dass ich Jahrzehnte Impro-Erfahrung auf dem Buckel habe. Ich rief den Herbeilenden laut entgegen: „So hab ich das nicht gemeint. Das galt den beiden Pennern an meinem Tisch.“ Das hätte echt peinlich werden können.
Gut, dass man Freunde hat.