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28.12.2015 – Sylvester steht vor der Tür.

Ich hab mir mal die Blog-Einträge der letzten Zeit durchgelesen. Das sollte ich vielleicht mal öfter machen. Das interessiert doch bestimmt niemanden, dieses Meta-Geschwalle über die Tücken des Blogschreibens, online schreiben, just-in-time writing, etc. blabla.
Ich finde Bücher oder Filme sterbenslangweilig, die sich ernsthaft über die Probleme der Autorinnen bei ihrer eigenen Produktion auslassen. Die Qual der Schreiberin beim Anblick einer leeren Seite a la „Ich hab ne Schreibblockade“, das ist ja fast schlimmer als Reflexionen über einen Kackreiz. Also frage ich mich, wie die relativ hohen sogenannten werberelevanten „Page Impressions“ auf dieser Homepage zustande kommen, immerhin bis zu 60.000 pro Monat?
Wegen des hohen Bildungs-Mehrwertes und vielleicht auch wegen der drolligen Bilder, die natürlich ohne Ausnahme von mir sind? Abmahn-Verbrecher laufen bei mir gegen Stahlplatten. Ein Beispiel, was Bildungs-Mehrwert und drolliges Bild verbindet, ist das hier:
Schneidemaschine und Wundverband Set
Lidl Anzeige. Schneidemaschine neben Wundpflaster.
Drollig, aber auch lehrreiches Beispiel für das Montage-Prinzip. Das Montieren zweier Elemente in einem Objekt erzeugt mehr als ihre reine Summe. Frau kann das lesen als reine Information: Wer die Lidl Schneidemaschine benutzt, sollte immer ein Wundpflaster-Set zur Hand haben – wenn sie nach Benutzung die Hand noch hat. Frau kann sich aber einfach auch nur schlapplachen. Oder sich fragen, ob die Anzeige absichtlich so gesetzt wurde oder die Leute vom Layout einen in der Kiste hatten bei der Arbeit.
Und langsam wird es Zeit für ein Jahresfazit. Wir leben noch, das ist die gute Nachricht.
Und der Rest?

27.12.2015 – Ostern steht vor der Tür.

ostern 2008
Ostern 2008. Winter.
Ich gerate über Weihnachten in einen Sog wohliger Faulheit. Das einzig Vernünftige, was ich zur Zeit gebacken kriege, ist dieser Blog und da führt ja auch nicht die reine Vernunft die Feder resp. die Maus oder das Keyboard. Wie updated man eigentlich obsolete Sprachbilder wie das mit der Feder? Oder sagt man: dated up? Das sind Gedanken, denen ich jetzt risikolos stundenlang nachhängen kann. Feder. Feder. Feder. Geht aber auch nicht lange gut, weil mein Unterbewusstsein sich gegen sinnfreies Denken sperrt und mir sofort Reime in das Sprachzentrum schießt wie eben:
Feder. Feder. Feder.
Meine Jacken sind aus Leder.
Ich hoffe, liebe Leserinnen, Sie lesen immer noch. Das bedeutet, dass Sie ähnlich entspannt sind wie ich und Zeitluxus besitzen. Sie können es sich leisten, meinen Blog zu lesen. Und einen Mehrwert hat diese Lektüre tatsächlich: Mit der Lektüre nehmen Sie teil am ganz seltenen Prozess des „just-in-time writing“. Sie surfen sozusagen synchron zu meinem Schreibprozess, an dessen Ende nur ein Urteil stehen kann: Schuldig. (Schöne Pointe!).
Apropos surfen, schon fällt mir ein Bild von Gran Canaria vor das innere Auge. Wobei eher auf Fuerteventura gesurft wird, ein öder Haufen Sand im Ozean, wo ich am Strand mal meinen Fahrradschlüssel verloren habe. Das Teil war angeschlossen und ich wollte die letzte Fähre nach Lanzarote kriegen. Radschlüsselsuche im Sand, das ist unter den Bedingungen eine Syphilisarbeit. Da muss man dem inneren Schweinehund Ravioli bieten.
arguineguin 1968 - 1
’68 und die Folgen. Teil 1: Every Day Karaoke. Arguineguin auf Gran Canaria. Keine Ahnung, was ich da wollte. Die Zementfabrik besuchen?

26.12.2015 – Im Weihnachtsrausch

Gestern Vormittag Kirche mit Freund und Kollegen, Clemens, wo ich früher bis zum Alter von ca. 10 Jahren Ministrant war. Diese weihnachtlichen Kirchenbesuche sind ein Ritual. Ich liebe Rituale, sie ersetzen die Frage nach dem Sinn des Lebens, die ich für mindestens anstrengend und recht eigentlich sogar für komplett überflüssig halte. Das Leben ist eine Ballung von Molekülen und Häufung von Zufälligkeiten, ohne Grund, Ziel oder Sinn und in unserer Verantwortung liegt es, das Beste draus zu machen. Besagter Freund ist strenggläubig und sieht das natürlich diametral anders.
Die Basilika St. Clemens ist ein Ort der Kontemplation, wann bin ich schon mal gezwungen, eine Stunde am Stück die Klappe zu halten, und mitunter herrscht Stille, einfach Stille, die Gedanken kommen ins Wandern. Außerdem ist der Chef von Clemens, Probst Martin Tenge, ein grundsympathischer und hochintelligenter Mensch, mit dem ich mal im Projekt „Armut? Das ist doch keine Kunst!“ zusammen gearbeitet habe. Als ich ihm bei einem Schwätzchen nach der Messe attestierte: „Gute Performance heute“, war er sichtlich angetan: „Freut mich, das aus berufenem Mund zu hören.“ Man kann der hiesigen katholischen Kirche nur wünschen, dass er der nächste Bischof wird. Einer seiner Vorgänger hat mir bei der Firmung die Hände auf den Kopf gelegt. Dieser Bischof Heinrich-Maria Janssen hat zwischen 1958 und 1963 einen anfangs 10-jährigen Ministranten regelmäßig sexuell missbraucht. Die Erinnerung, wie dieser Mann mir die Hände auf den Kopf gelegt hat, ist mir widerlich und ich möchte nicht wissen, was der missbrauchte Ministrant Zeit seines Lebens für Bilder im Kopf hat.
Schnell andere Bilder her.
lilien 25.12
So sieht es zur Zeit auf meiner Veranda aus, Lilien fangen an zu blühen. Da kommt noch was nach …
winterblüte
Japanische Blutpflaume. Müsste März gewesen sein.
härtetest
Nur die Harten kommen in den Garten.
Dieses online Blog-Schreiben hier ist immer ein Experiment mit offenem Ausgang. Natürlich habe ich eine Idee, wenn ich anfange zu schreiben, aber was dabei rauskommt, ist offen, siehe Heinrich Maria Janssen. Eine Art Écriture automatique in Richtung Eigentherapie.
Pointentraining ist mir lieber.
Gestern Abend traf ich zwei Kumpels vor einem Wirtshaus, die derartig voll im Weihnachtsrausch waren, dass sie nur noch Blödsinn lallten und hanswurstartige Bewegungen vollführten. Ich aber hob die Augen zum Himmel und sprach wie der Pharisäer im Lukas-Evangelium:
„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die …“
Da tat sich der Himmel auf, ein Blitz fuhr hernieder und verbrannte mich zu Asche und eine Stimme ertönte:
„Gleitze, du elender Heide, das wird Dir hoffentlich eine Lehre sein. Wenn Du mich noch einmal mit so einem selbstgerechten Scheiß belästigst, kriegst Du richtig Ärger.“
Die Geschichte ist passiert, liebe Leserinnen, wo wahr mir ….

25.12.2015 – Bei Weihnachtsmuffeln reagiert der Weihnachtsgeist im Hirn weniger stark.

Laut einer Studie im British Medical Journal, die ein Abfallprodukt der Migräne-Forschung war, soll es Regionen im Hirn geben, in denen der Weihnachtsgeist sitzt. Theoretisch können diese Regionen bei Unterfunktion stimuliert werden und Weihnachtsmuffel dadurch „geheilt“ werden. Da ist bestimmt demnächst wieder eine Studie fällig, laut der nach dem gleichen Prinzip auch Schwule und Lesben geheilt werden können. Die Ursachen für Migräne finden unsere famosen Forscherinnen seit Jahrzehnten nicht raus, obwohl das vermutlich einer der größten Blockbuster-Märkte überhaupt ist. Aber valide Messergebnisse aus dem Scheitellappen bei einer Versuchsgruppen-Größe von 20 Personen, das klappt.
Ich bin ein leidenschaftlicher Verächter von esoterischer Medizin, allein das Wort „Bachblüten“ bringt mich auf die Palme, und überzeugter Anhänger der Schulmedizin: „Stahl und Chemie? C`est la vie! “ Aber manchmal kommen mir da schon Zweifel.
Eine praktische Nutzanwendung hat die Tatsache, dass die Studie im British Medical Journal veröffentlicht wurde: Falls Sie, liebe Leserinnen, irgendwie mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun haben und Ihren Verein mal in die Medien bringen wollen, nutzen Sie dazu das Sommerloch oder die Jahresendzeit. In dieser Saure-Gurken Zeit bringen die Medien jeden Schwachsinn. Ein herausragendes Beispiel gibt es hier mit meinem Krokodil im Maschsee
120816Wunstorfer-Stadtanzeiger-Krokodil
Lena und Fritz Haarmann – das muss mir erst mal jemand nachmachen.
Für alle, die Schnee vermissen, Impressionen aus dem vorigen Jahrtausend.
veranda mit luci
Ich vermisse Luci, meine Katze. Wenn die ihr Winterfell kriegte, war sie rund wie ein Fußball. Unter all meinen Katzen war sie meine große Liebe. Obwohl sie von ganz schwächlicher Konstitution und Figur war, wurde sie fast 20 Jahre alt. Die hatte das Paradies da, wo es hingehört: auf Erden, resp. im Garten.
skulpturenpark
Dieser Skulpturenpark war auch Ideenskizze und -Sammlung. Aus dem HB-Männchen wurde später das einzige fahrbare Lenin-Denkmal der Welt. Was aus der Katze und dem Gitarristen wurde, weiß ich nicht mehr.

24.12.2015 – Manche meinen, Weihnachten sei die Hölle auf Erden.

Andere wiederum halten das für eine Untertreibung. Meine Erinnerungen an Weihnachten sind durchaus positiv.
am weihnachtsbaum
1990er – ich mit Brut von mir nahestehenden Personen. Aus Datenschutzgründen belassen wir es dabei. Ich war gerade zwei Stunden da und schon völlig am Ende. Früher war mir der Reproduktionswunsch von Menschen ein Rätsel. Nach solchen Erfahrungen wie jenem Weihnachten hielt ich den Vermehrungstrieb für eine deviante, pathologische Verhaltensweise, erklärbar nur durch Masochismus, gepaart mit Langeweile. In einer normalen Ehe ist wohl abzusehen, wann man/frau sich nichts mehr zu sagen hat, also überbrückt man die 20 Jahre nach diesem Zeitpunkt mit der Aufzucht von Nachwuchs und wenn der aus dem Haus ist, freut man sich auf die Enkel. Oder den Friedhof.
Besagten Weihnachten habe ich insofern in positiver Erinnerung, als ich meinen nach vier Stunden auftretenden Impuls, die beiden Satansbraten im nahegelegen Weiher zu ersäufen, unterdrückte. Heute haben wir ein ausgesprochen herzliches, gar freundschaftliches Verhältnis zueinander, wir waren zum Teil schon gemeinsam auf Reisen und die Beiden werden mich nächstes Jahr wieder besuchen, worauf ich mich jetzt schon freue. (Da ich den Link auf diesen Blog an die Beiden schicke: Jungs, wir müssen bald mal einen Plan machen!)
Aus dieser Erfahrung heraus sehe ich die Produktion von Nachwuchs mittlerweile aus einer utilitaristischen Perspektive oder, schlichter, für Nichtabiturientinnen:
Lohnt sich der ganze Aufwand am Ende?
Am Ende läuft es auf einen Appell hinaus: Jungs, wenn Ihr mich regelmäßig im Altersheim besucht, bedenke ich Euch an herausragender Stelle in meinem Testament!
athmosphäre
Weihnachten 1990er Zuhause. Bevor auf einem großen Teil des Gartens eine Kindertagestätte (!) errichtet wurde, war er nach dem Abbruch des SCHUPPEN 68 in einer Umbruchphase. Fast wie es bei 1. Mose 1 heißt: „… und die Erde war wüst und leer ….“
Der morgendliche Raureif zauberte eine archaisch-melancholische Aura vor meine Linse. Meine Seele holte tief Luft und seufzte: „Kann man erst mal so lassen. Aber in vier Monaten wird der Grill wieder in Gang gesetzt.“
Allen Leserinnen heitere und stressreduzierte Feiertage!

23.12.2015 – Weihnachtsmontage an einem Mittwoch

Montage meint hier natürlich ein ästhetisches Prinzip, das Zusammenfügen vorhandener Teile zu einem Ganzen, und nicht die Mehrzahl eines Wochentages. Die Tatsache, dass ich im Moment mit allen Arbeiten entweder im Reinen oder auf dem Laufenden bin, merke ich auch daran, dass ich anfange, Pointen zu erklären und hier jeden Tag den Blog mit Einträgen vollpflastere, wozu ich normalerweise nicht komme.
massen
Gestern wieder in der City. Natürlich genießen die Leute die unfassbare Fülle auch, analog dem Stau, den vorgeblich jeder hasst, viele aber regelrecht suchen, Lemmingen gleich.
Wenn man aus dem Strom der Massen in ein Geschäft abbiegen will, sollte man den Arm raushalten wie beim Radfahren, sonst wird man über den Haufen gewalzt. Es herrschte allüberall eine angenehm aggressiv-endzeitliche Stimmung. Ich genoss das Ganze bei Hugendubel in der Reisebuchabteilung, in Reiseführern von Korfu und Gomera schmökernd, und aus den Augenwinkeln die Suchenden beobachtend. Wenn gar nichts geht, Buch geht immer. Aber was für eins, um Himmelswillen?
Den Blick in die Wirklichkeit versperrt man am besten mit einem Buch. Schenken Sie ihrem Liebsten eine Bratwurst, wollte ich den Suchenden zurufen. Das hätte aber die Grenze von der Gehässigkeit zum Zynismus überschritten und ich würde eh schon lange genug im Fegefeuer schmoren. Ich schwieg und schnappte wieder frische Luft.
pyramide
Unter der Fresspyramide waberte ein Brechreizförderndes Konglomerat von Gerüchen nach Sauerkraut, Schmalzgebäck, Glühwein und Bratwurst.
7 liter bier
Auf dem Rückweg bei Onkel Olli’s Kiosk vorbei. Erinnerungen an unsere legendäre Reihe Kunst am Kiosk kommen hoch. Ein Effekt von öffentlichen Interventionen und Performances ist: man eignet sich die Stadt intensiv an. Zu vielen Ecken habe ich ein intimes Verhältnis, dort habe ich Spuren hinterlassen. So ähnlich wie ein Köter, der jeden Baum markiert. Mein Revier.
Abends Rückenschule. 10 Frauen und ich. Hört sich toll an. Ist aber mehr die Hölle auf Erden. Da geht es anderthalb Stunden schweißtreibend hammerhart (?) zur Sache. Nach Monaten Pause bin ich offensichtlich nicht 100 % fit. Unser Trainer, keine 30 Jahre und 90 Kilo schiere Muskelmasse, fragte während des „Käfers“ aufmunternd: „Na, alles klar? Du bist ja heute so still!“ Meine stark onomatopoetisch geprägte Antwort: „ Ächz, stöhn, Alles … puuh … röchel, hust, … bestens.“ Ehrlicherweise ich hätte einen Notarzt rufen lassen sollen.
Meine Muskeln tun jetzt derart weh, dass ich keine Ahnung habe, wie ich nachher aus meinem Stuhl hochkommen soll.
Ich will ja nochmal in die City. Heute ist finale furioso, con brio, allegrissimo.

22.12.2015 – Meine Laune zu Weihnachten ist super!

Gestern war ich umständehalber in der City, ich brauchte ein neues PC-Keyboard. Der Unionbuster-Drecksladen Amazon kommt mir nicht ins Haus (wie man diese Saubande ärgern kann, ist hier nachzulesen). Also war persönliche Anwesenheit beim hiesigen Fachhandel erforderlich.
Ich habe einen nicht gerade zarten Anschlag, zu Zeiten der Schreibmaschine habe ich regelmäßig das „o“ komplett aus dem Papier rausgehämmert. Wenn frau meine Manuskripte gegen das Licht hielt, schien das an den „o“ Stellen immer durch. Auf dem Keyboard sind bei mir schnell die „e r t z u i o p“ Tasten nicht mehr zu erkennen, weggehämmert. Tippen ist für mich erweitertes Muskeltraining im Handgelenk bis Nacken Bereich. Ich kann zwar einigermaßen blind tippen, aber ich hasse Veränderungen.
hanomag pförtnerhäuschen
Von mir aus könnte die Welt noch so sein, wie im ehemaligen Pförtnerhäuschen der hiesigen Hanomag AG. Allein dieses Gitter, das in den Handlauf übergeht, dieser Schwung, das ist eine Komposition in Metall. So was gibt’s doch heute gar nicht mehr!
Zurück zum PC. Ein verändertes Hackbrett geht gar nicht. Also ab in die City, in der unglaublich viele unglaublich schlecht gelaunte Menschen unterwegs waren. Ich war das letzte Mal vor dem Krieg in der Weihnachtszeit in der City gewesen und hatte komplett vergessen, wie es da zugeht. Da ich tendenziell nichts von der Menschheit halte, Misanthrop wäre glatt untertrieben, ging mir beim Anblick so vieler sich mental völlig neben der Kappe befindlicher Zeitgenossinnen das Herz auf. Zankende Ehepaare, die an quengelnder Brut rumnörgelten, ein erhabener Anblick. Ich trällerte ein paar Zeilen vor mich hin „Kling Glöckchen, klingelingeling“. Für diese unchristliche Anwandlung würde ich ein paar zusätzliche Tage im Purgatorium aufgebrummt kriegen, das stand fest, war mir die Sache aber wert. Zuhause ging ich der Sache wissenschaftlich auf den Grund, Zitat aus einer PM der Georg-August-Universität Göttingen:
Viele Europäer erleben das nahende Weihnachtsfest … eher als belastende und stressige Zeit. … Im Allgemeinen waren Umfrageteilnehmer, die in der Weihnachtszeit befragt wurden, deutlich schlechter gestimmt und weniger zufrieden ….. Christen, vor allem sehr gläubige, bilden hier jedoch eine Ausnahme.“
Passt schon. An so Sachen wie das Purgatorium glaube ich gerne. Wenn es mir gerade in den Kram passt.
mater dolorsa
Auch auf dem Hanomag Gelände entdeckt. Das kann man als Bild für die Entgrenzung der Körper und die Auflösung von Identitäten lesen. Ich vermute aber, dass ein Bühnenarbeiter des Schauspielhauses, die da ihren Fundus hatten, den abgebrochenen Arm einfach da reingerammt hat.
Viel Spaß, liebe Leserinnen, bei den letzten Einkäufen in der City.

21.12.2015 – Liebe Leserinnen, liebe Papphockerinnen und Papphocker, hier mein vorweihnachtlicher Lieblingsbasar.

Sogar bei der CDU hält geschlechtersensible Sprache mittlerweile Einzug, die wenigstens in Formulierungen darauf Rücksicht nimmt, dass es mehr auf der Welt gibt als das männliche Geschlecht. In der Praxis kriegen Frauen immer noch 23 Prozent weniger Lohn, aber wenigstens die Lyrik stimmt. Bei vielen Vorgestrigen stimmt noch nicht mal die Lyrik, aber wie arbeitet man (hoho, Pointenalarm!) dagegen an? In meinem Blog hier kann ich es mir einfach machen. Ich spreche grundsätzlich nur meine lieben Leserinnen an, diskriminiere also bewusst alle Männer. Jungs, Ohren steif halten. Die kleine Durststrecke nach Jahrhunderten Diskriminierung der weiblichen Form übersteht Ihr! Beim restlichen Verkehr kann ich das natürlich nicht machen – dienstlich gesehen. Lange Zeit war das feminine Majuskel mein Favorit. Also: LeserInnnen. Das sieht aber phallisch aus und vernachlässigt Transgender.
Dann gibt es noch Leser_innen, Leser*innen usw. usf.
Die Welt ist kompliziert? Nee, anstrengend vielleicht. Kompliziert ist die deutsche Steuergesetzgebung.
nationalist innen stoppen
Nationalist innen stoppen. Und außen? (Hohoho, Pointenalarm)
Man kann sich mitunter mit Formulierungen rauslullern wie „Liebe Lesende“, das geht aber nicht immer und das ist inhaltlich auch was anderes, da schwingt eine ganz andere Konnotation mit.
Satire, die die legendären Papphockerinnen und Papphocker aufgreift, geht auch nicht immer.
Wir drei von der Tankstelle der NETZ führen zur Zeit eine erbitterte Debatte darüber, wie wir mit dieser Problematik umgehen.
Argument: Ich lasse mir die Sprache nicht verhunzen, für mich zählt der Duden und die Lesbarkeit.
Gegenargument: Sprache lebt, ist eine gesellschaftliche Konvention, die sich ändert und an diesem Prozess nehmen wir aktiv teil. Lesbarkeit ist ebenfalls eine sich wandelnde Konvention, heute liest ja auch keiner mehr Sütterlin. Das ist schwierig, aber irgendwann kapiert’s auch der Duden.
Herrschaft muss auch auf der Sprachebene hinterfragt werden. Wir haben uns für die neue NETZ auf folgende Formulierung geeinigt: Für geschlechtersensible Sprache sind die Autorinnen und Autoren verantwortlich.
Sowas nennt man einen dilatorischen Formelkompromiss.
Das Ganze krankt daran, dass wir zwar jetzt zwei Korrespondentinnen haben, aber die Herausgeber Männer sind. Ein Blick in die Geschichte befreit den Blick in die Zukunft und zwar von der Hornhaut der Trägheit: Anno 68, zu Zeiten des theoretischen Klassenkampfes, kam die Diskussion auf, ob die „Frauenfrage“ ein Haupt- oder ein Nebenwiderspruch sei. Daraus entstand die zweite Frauenbewegung. Also alles schon mal da gewesen.
Und hier noch mein vorweihnachtlicher Lieblingsbazar
zeckenhand flohmarkt 2.0
Zeckenhand – da muss man (!) erst mal draufkommen.

20.12.2015 – Dieses Jahr spare ich 695 Euro zu Weihnachten.

Durchschnittlich geben die Deutschen dieses Jahr 696 Euro pro Haushalt für das Weihnachtsfest aus. Mehr als die Hälfte der Weihnachtsausgaben werden für Geschenke aufgewendet: 387 Euro gelten den Gaben für die Liebsten. Fällt bei mir komplett flach. Bin mir selbst der Liebste. Und wer würde so einem Egozentriker was schenken? Ich nicht. Ergo Null. Bleiben 54 Euro für Reisen und 32 Euro für Weihnachtsdekorationen.
Dezember2005Garten
Weihnachten vor 10 Jahren.
Reisen zu Weihnachten, das sieht wie Flucht vor dem Feind aus, das kommt schon mal gar nicht in Frage. Ergo auch Null. Als Weihnachtsdekoration könnte ich mir ja einen auf die Lampe gießen, aber das subsummieren wir mal unter den 224 Euro des Durchschnitts-Ostgoten für Essen und Getränke. Da kommen wir vielleicht zusammen. Allerdings ist diese Zahl für sich so valide wie die Aussage „Nachts ist es kälter als draußen“. Wenn man keine Bezugsgröße angibt, ist eine absolute Zahl für die Tonne. Wie viel gibt der gemeine Ostgote sonst für ein verlängertes Wochenende aus? 222 Euro? 4 Euro? (Ich kann wirklich nicht einen Artikel lesen, ob gedruckt oder virtuell, ohne auf die Palme zu gehen. Die Welt besteht zu 90 Prozent aus Idioten, der Rest sind Volltrottel. Leserinnen ausgeschlossen!)
Also auch bei diesem Posten Essig. Null. Bleibt Ein Euro Differenz, den ich weniger spare als die 696 Euro. Das ist die Abweichung von der statistischen Größe, die im Rahmen der Messtoleranz liegt. Mit der Toleranz ist das allerdings so eine Sache. Ich komme vom Maschinenbau her, da gelten ganz anderen Allgemeintoleranzen, die ein Vielfaches strenger sind als z. B. im Hochbau. Wenn sich ein technischer Zeichner mal wieder mit den Toleranzen vertut, heißt es im Maschinenbau verächtlich: „Wir sind doch hier nicht beim Hochbau!“
Was mach ich jetzt mit den 695 Euro?
bucht agni
Eine Woche Urlaub im Frühling in der Bucht Agni auf Korfu? Gut, dass ich die Kohle nur statistisch hab, sonst hätte ich bei dem Bild gleich gebucht. Agni im Mai, wenn die Natur explodiert und alle Sinne betäubt sind (Kein Wunder, dass Sinne betäubt sind, wenn die Natur explodiert. Da bin ich in der Metaphernallee mal wieder aus der Kurve getragen worden.). Absoluter Geheimtipp, nur kleiner Strand, kein Sand, schon hat man die paar Tavernen fast für sich alleine.
hinter der taverne
Hinter den Tavernen sind kleine Gärten, in denen alles wächst und kreucht und fleucht, was vorne auf den Tisch kommt.
Erzählen Sie niemandem, dass dieser Geheimtipp jetzt im Internet steht.

19.12.2015 – Irgendwas zu Weihnachten.

Weihnachten heuer ist schön. Weihnachten ist warm. Kein Schnee, kein Eis, keine Handschuhe auf dem Rad. Prima Klima. Ich durchforste grade mein gescanntes Papierfoto-Archiv. Was mir da für gruselige Weihnachtsfotos in die Hände fallen, unglaublich.
hemd
Hier hab ich mal alle meine Hemden draußen einfrieren lassen, als ungefähr Null Grad Kelvin herrschten. Das Hemd steht von selbst im steifgefrorenen Schnee, der Bügel ist festgefroren und hängt in der Luft.
Dieser ätzende Film „Kevin allein Zuhause“ war ursprünglich eine Nerd-Satire wie „Bing Bang Theorie“ und hieß „Kelvin allein Zuhause“. Den Witz haben damals noch nicht mal Physiker verstanden. Was zwar nicht viel heißt, aber trotzdem haben sie den Film dann umbenannt. Irgendwann war mein Garten übersät mit steifgefrorenen Oberkörpern in grotesken Verrenkungen. Gruselig, auf dem Gang zur Morgentoilette hab ich mich immer zu Tode erschreckt bei dem Anblick. Sah aus wie ein Standfoto aus einem Monty Python Film über den Ersten Weltkrieg.
Noch schrecklicher wirkt dieses Foto heute auf mich:
95er barolo
Barolo 1995. So was wird im Internet heute locker für 200 Euro gehandelt. Was um alles in der Welt hatte ich damals im Kopf, so einen Tropfen arktischen Temperaturen auszusetzen? Sollte das ein flammender Protest gegen Konsumterror sein? Das waren die 90er und nicht die 70er! Die 90er waren das Zeitalter der zynischen Affirmation. (Von dieser Formulierung war ich gleich trunken, hab’s sofort gegoogelt, zu schön, um von mir zu sein. Ist es auch nicht. Lass ich aber mal so stehen.) Ich bin Zeit meines Lebens antizyklisch, aber das wäre nicht antizyklisch gewesen, das wäre einfach nur bescheuert. Wobei: Barolo wird überschätzt.
Weihnachten, besinnliche Zeit, Zeit für Lebenshilfe. Daher hier, liebe Leserinnen, mein Rat für Sie zu Weihnachten: Wir alle wollen doch ein authentisches Leben führen, nicht wahr? Der beste Weg dorthin ist antizyklisch zu agieren. Morgen zeige ich Ihnen mit unserem Praxisratgeber „1000 Tipps zum guten Leben“ an einfachen Beispielen, wie frau das im Alltag umsetzen kann.