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23.11.2015 – SCHUPPEN 68 sprengt Göttinger Sieben am niedersächsischen Landtag

Am 19.11.2015 wurde in Göttingen offiziell das Denkmal ausgepackt, das an die sieben Professoren erinnert, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August protestierten und deswegen entlassen wurden. Der Entwurf für dieses Denkmal war dem des Ensembles, das jetzt am Landtag in Hannover steht, in der Vorauswahl unterlegen. In Würdigung dieses Ereignisses hat die Künstlergruppe SCHUPPEN 68 am 22.11.2015 das Ensemble am Landtag gesprengt. Details in unserer PM hier PM SCHUPPEN 68 sprengt Denkmal Göttinger Sieben am Landtag in Hannover
K.-D. Gleitze vom SCHUPPEN 68 sprengt Göttinger Sieben am Landtag
Die Nummer mit dem Sprengen hab nicht ich erfunden, aber manchmal schreien bestimmte Zumutungen einfach nach einer spontanen Notwehraktion. Beim Anblick dieser Bundmetalldeponie krieg ich jedes Mal eine ästhetische Allergiereaktion. Dieser Anblick ist so grauenhaft, dass ich überlege, die Jury, die das ausgewählt hat, auf Schmerzensgeld zu verklagen. Dieses Ensemble repräsentiert – am Landtag gelegen – letztlich auch mich als Niedersachsen und bei aller Kritik an Staat und Gesellschaft: Das hat die norddeutsche Tiefebene nicht verdient!
K.-D. Gleitze vom SCHUPPEN 68 sprengt Göttinger Sieben am Landtag 2
Außerdem hatte ich Sonntagmittag keine Lust mehr zum ackern, irgendwann reicht es auch mal und ich muss raus, schlimmstenfalls Kunstmachen.
Göttinger Sieben gesprengt
Und mein Smoking muss ja auch mal wieder gelüftet werden. Diese Woche noch muito trabajo, danach ist erstmal Ruhe im Karton.
Hoffentlich!

21.11.2015 – I had a dream

Wer sagte übrigens das Original „I have a dream“ wann zu wem bei welcher Gelegenheit? Das Frageprinzip fällt mir deshalb gerade ein, weil mich gestern wieder ein Castingfirma anrief und mich für ein Quiz testen wollte. Ich bin seit einigen mehr und auch weniger erfolgreichen TV-Auftritten bei allen Castingfirmen dieser Republik in den Datenbanken. Für alle Formate, von „Bauer sucht Frau“ bis „Das perfekte Dinner“. Wenn sich die Menschheit von meinen Fähigkeiten als Bauer oder Koch ernähren müsste, wäre sie ausgestorben. Na ja, laber laber, also I had dream und zwar last night. Ich träumte, ich wäre wichtig und Vorsitzender von irgendwas.
der wahre landtagspräsident 2
Zum Beispiel Landtagspräsident. Also, ich gut gelaunt, jede liebt mich, ich kann sanktionsfrei alle stundenlang volllabern, da ereilt mich ein Anruf, ich soll sofort irgendwo hinkommen, egal wohin, ich werd überall gebraucht, ich bin ja wichtig. Mein Dienstwagen ist aber kaputt. Ach Du Scheiße. Egal, ich bin ja ein Meister der Improvisation,
zepra alptraum 1
also sattle ich das Landtagszebra, das ist unser Wappentier, und galoppiere ventre à terre durch die nahegelegene Shopping Mall. Mitten im Traum fällt mir ein, dass ich dieses Bild mit dem Zebra in diesem Blog hier schon mal verwendet habe. Schweißgebadet wache ich auf. Und denke zu mir selbst: „Meine Güte, Alter, Du leidest aber mal wieder an Schreibdiarrhö“. Eine Diarrhö beginnt bei mehr als 3 Entleerungen eines zu flüssigen Stuhls pro Tag. Das Stuhlgewicht muss hierbei über 250 Gramm liegen.
Also wenn Sie, liebe Leserinnen, jetzt immer noch lesen, müssen Sie diesen Blog wirklich sehr mögen. Spricht für Sie. Schönes Wochenende.

19.11.2015 – Einen Königsweg kann man nicht auf die Schnelle aus dem Hut zaubern.

So las ich heute in einem Leserbrief des hiesigen Zentralorgans für gepflegte Langeweile und Bürgerblabla. Das hat mich erheitert. Wie lang darf ein Königsweg maximal sein, wenn er aus einem Hut gezaubert werden soll? Oder kommt es beim Königsweg, analog dem Königstiger, nicht auf die Länge an? Sind so viele Fragen. Müsste ich nicht soviel ackern im Moment, käme ich aus dem Grübeln gar nicht raus. Aber so arbeite ich zur Zeit lieber als das ich denke. Ein Haufen liegt hinter mir, andere drohen. Haufen Arbeit. Wie dieser hier.
Toller Erfolg. Ich kann nicht verhehlen, dass mich so was stolz macht. Andererseits: Wenn nächstes Jahr die aktuellen Armutszahlen veröffentlicht werden, wird es definitiv eine signifikante Zunahme geben. Insofern ist doch das, was die an diesem Fachtag Beteiligten machen, eine Syphilisarbeit. Das, liebe Leserinnen, ist ein sogenannter Malapropismus. Hätten Sie’s gewusst?

Was Zivilisatorisches: Die Grundlage aller Zivilisation ist die Ausschilderung. Ohne Ausschilderung wüsste die Menschheit nie, wo es lang geht. Sie hätte auch nie gewusst, wo der ehemalige SCHUPPEN 68 gestanden hat, weshalb wir auf allen unseren Paraphernalia immer wieder darauf hingeweisen haben.
ausgeschildert
SCHUPPEN 68 – Paraphernalia Mouse-Pad. Verwechseln Sie bitte nicht Paraphernalia mit Paralipomena! (Blödes Gelaber, zahlt mir doch eh keiner was für.) Aber was die Ausschilderung angeht, blüht mir immer der Königstiger im Hut auf, wenn ich am Scheideweg einer Wanderung stehe und es richtig gut ausgeschildert ist – zumal wenn es ein regelrechtes Holzschnitt-Kunstwerk ist wie hier im Bild.
es ist ausgeschildert
Tramuntana.

12.11.2015 – Beim Humor hört der Spaß auf!

Die PARTEI hat immer so lustige Ideen. Die PARTEI verkauft gerade 100-Euro-Scheine für 80 Euro. Das hatte sie 2014 schon mal gemacht. Wo lässt die PARTEI eigentlich ihre Ideen fertigen? Nicht in China, der verlängerten Werkbank für alles, sondern natürlich im SCHUPPEN 68.
131018Bild Billiges Geld
Wir haben 2013 Fünf-Euro-Scheine für vier Euro verkauft. Liebe Genossen, das lernt man doch sogar in der IGS schon: Quellen sind zu zitieren. Beim nächsten Mal hetzen wir Euch die Spaßpolizei auf den Hals. Ich sach ja immer, die Jugend von heute taugt nix. …
Hier noch was aus unserem Kunst-Archiv „Tabubrüche“:
scheiß auf kunst-entwurf
Scheiß auf Kunst. Toilettenpapierrolle, limited edition, 68 Stück, signiert – aber nicht mit der Hand ….

10.11.2015 – Zote bringt Quote.

Dieser Blog hat jeden Monat ein paar tausend Besucherinnen und die gilt es bei der Stange zu halten. Würde ich formulieren, wenn ich was an der Waffel hätte. Hab ich aber nicht, deshalb hantieren wir hier dem Begriff „Quote“. Neben Zoten bringt was mit Kindern auch immer Quote, was ich mir aus naheliegenden Gründen verkneife. Tiere gehen auch immer.
wenn synchrongucken olympisch wäre
Sind die nicht sühüüüß?! Nachbars Katzen, Kartäuser, auf meiner Veranda beim Katzen-TV gucken. Ich schaff mir eher keine Katzen mehr an. Im Garten ist einfach kein Platz mehr für Gräber.

08.11.2015 – Ich, meine Oma und der Massenmörder Haarmann.

Wurst war in letzter Zeit in aller Munde. Der Verzehr von Wurst ist gefährlich und führt zum Tode. Der Nichtverzehr auch, aber das steht auf einem anderen, vegetarischen Blatt. Mir ist das ebenso Wurst wie die diversen Kalauer, die sich aus dieser Sprachkonstellation ergeben. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass aus meiner Heimatstadt der Massenmörder Haarmann stammt. Der hat nach dem Ersten Weltkrieg mit Wurstkonserven gehandelt und es geht die Mär, dass er seine bedauernswerten Opfer da hinein verwurstet hat . Darüber gibt es ein populäres Lied „Warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann mit dem Hackebeilchen“, kann man hier nachlesen. Eine kritische Würdigung des Haarmann-Komplexes (an dem leidet Hannover heute noch) jenseits dieser „Bestie in Menschengestalt“ Vergruselung hat Theodor Lessing geleistet.
Meine Oma hat bei einem der Fleischer gekauft, die Haarmann belieferte. Meine Sippe wohnte damals in der hannöverschen Calenberger Neustadt. Jetzt weiß ich endlich, woher meine Wurst-Faszination stammt.
wurstdosen
Fotos von Wurstdosen sonder Zahl liegen auf meinen Festplatten, hier vom Fleischer meines Vertrauens.
Wurstbanane
Eine meiner Performances hieß „Wurstbanane“, zu Ehren von Marcel Duchamps.
9 schwule bockwurst nachtleben tropea
Urlaubsfoto aus Tropea (Bockwurst, offensichtlich schwul)
080907gesichtswurst mobile
Das einzige einteilige Gesichtswurstpuzzle der Welt, hier als Mobile für den Verkauf.
Was lernt uns das, liebe Genossinnen?
1. Die Sünden unserer Vorfahren holen uns ein bis ins dritte Glied.
2. Kein Wunder, dass mir bis heute der Durchbruch auf dem internationalen Kunstmarkt verwehrt blieb. Einen so gnadenlosen Tabubrecher wie mich lässt man einfach nicht nach oben kommen.
Und das ist auch gut so.

29.10.2015 – Niemand hat die Absicht, ein Parteiamt zu übernehmen!

Unlängst saß ich mit einem Freund bei Lamm in Rosmarin mit Röstkartoffeln und knackigen Möhrchen beim Italiener. Geheimtipp, daher komplett überlaufen. Wie alte Säcke das so machen, arbeiteten wir erst unsere Krankheiten ab, dann die Verstorbenenliste des letzten Quartals und als Hoffnungsschimmer Reisepläne, die wir vielleicht noch verwirklichen könnten. War wie immer ein toller Abend, bei dem wir teilweise Tränen lachten. Soo wichtig nehmen wir den nahenden Tod dann doch nicht. Das Zetern meines Smartphones gab dem Abend eine neue Richtung: Der Landesvorstand der Satirepartei DIE PARTEI rief aus seiner Planungssitzung für die Kommunalwahlen in Niedersachsen 2016 an und bat um unsere Unterstützung.
100-dm-begrüssungsgeld vom SCHUPPEN 68
Der SCHUPPEN 68 hatte machtvoll 2014 u. a. die Umtauschaktion der PARTEI „Titanic gegen BILD“ in der City von Hannover unterstützt. Jeder, der ein Lügenblatt abgab, erhielt 100-DM-Begrüßungsgeld von uns. Wie überhaupt unser Auge wohlgefällig auf dem Treiben der dritten Generation der Satireparteien ruht (Wir erinnern uns: die erste Generation war 1991 die Partei SCHUPPEN 68 mit ihrer Parole „Freibier und Erbsensuppe“). Das Programm der zornigen, jungen Männer (leider lauter Männer) ist o.k., kann ich mit leben. Der Abend beim Italiener mündete in eine Wahlstrategiediskussion, die sofort geniale Ideen hervorbrachte wie: „Die erste nichtöffentliche Podiumsdiskussion der Welt – Politiker faseln, keiner hört zu“. Außer uns Beiden würde keiner auf dem Podium sitzen, soviel war klar. Moderation machen wir selber, Presse erhält keinen Zutritt. Dann verteilten wir noch Posten auf uns Beide. Das Leben hatte wieder einen Sinn. Auf dem Nachhauseweg überkam mich leichte Rührung darüber, dass junge Männer, die mindestens meine Söhne sein könnten, die Erfahrung der Altvorderen anfragten. Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur zuviel Barolo verklappt.

27.10.2015 – Unsere Philosophie ist gesund und schön.

unsere philosophie
Unsere Philosophie ist keine Massenware, ist naturnah und bequem und in der EU hergestellt unter fairen Arbeitsbedingungen. Glänzender konnte Marx’ 11. These über Feuerbach „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern“ nicht Praxis werden. Die Fleischwerdung der eigenen Theorie quasi sui generis! Soll so nicht die Welt an und für sich sein: gesund und schön, keine Massenware, naturnah und bequem und in der EU hergestellt unter fairen Arbeitsbedingungen!? Schon wollte ich auf die Strasse eilen, Singen und Tanzen vor Freude, da erweiterte ich meinen Blick (was in der Philosophie nie schaden kann) und ach, der Menschheit ganzer Sprachjammer fasste mich mal wieder an (brauchen Sie nicht zu googlen, liebe Leserinnen, ist aus dem Faust. Im Zweifel immer Faust oder Shakespeare)
unsere philosophie ist keine massenware
Gut gemeint, voll Scheiße formuliert. Hoffentlich sind meine neuen Puschen, an denen dieses Siegel hing, nicht von ähnlich miserabler Qualität wie dieser Text. Dann krieg ich im Winter echt ein Problem. Meine Wohnung ist so was von fußkalt.

26.10.2015 – „Satanische Satire, bittere Bilder und wüste Witze.“ Wer macht denn so was?

Ich. Beim Auftakt der Osnabrücker Ermutigung am 24.11.
Osnabrücker Ermutigung
Details hier Osnabrücker Ermutigung
Über 20 Osnabrücker Organisationen haben sich, unter der Federführung der dortigen Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften, mit dem Ziel zusammengeschlossen, die Debatte über die Verteilung unseres Wohlstandes zu beleben. Von Osnabrück lernen heißt siegen lernen. Da ist eine sehr rührige Szene entstanden und ich freu mich jetzt schon auf den Auftritt. Ich war schon mehrfach bei den Kolleginnen da.
Beim Gang vom Bahnhof zum Veranstaltungsort kommen immer alte katholische Messdiener Erinnerungen hoch, Osnabrück ist Bistumsstadt mit Dom und vielen kirchlichen Einrichtungen, die das Stadtbild deutlich prägen. Nein, ich bin nicht sexuell belästigt worden als Messdiener. Meine Erinnerungen sind sehr fröhlicher Natur. Wir hatten Zugriff auf den Messwein und da „unsere“ Priester immer einen ordentlichen Schluck nahmen beim Ritual der Transsubstantiation, fiel der Schwund durch uns nicht groß auf. Ich brauchte auch nicht soo viel, um fröhlich zu werden, ich war damals 9 Jahre alt. Wenn ich dann bei der Liturgie auch noch das Weihrauchschiffchen schwenken durfte, war der Tag komplett gelaufen. Weihrauch enthält die psychoaktive, antidepressiv wirkende Droge Incesenol .
Heiland, reiss den Himmel auf, war ich damals mitunter antidepressiv drauf. Kein Wunder, dass ich schon in der Volksschule den Ruf eines Klassenkasper weg hatte und folgerichtig mit fast 50 Jahren Verspätung aus mir der Nischen-Mario-Barth geworden ist, was mir die taz mal hinterhergeworfen hat.
In dem „Heiland, reiss ….“ Lied heißt es übrigens:
Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all’ ihr’ Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hier im Jammertal.

„O komm, ach komm vom höchsten Saal, Komm tröst uns hier im Jammertal?“ Eine eindringlichere Forderung nach Legalisierung (höchster Saal = Staat) weicher Drogen kann es doch gar nicht geben! Man muss echt die alten Texte wieder neu lesen. Nein, ich kann wirklich nichts negatives über meine Messdiener-Zeit sagen. Also, Leute, kommt zur Osnabrücker Ermutigung, tolle Veranstaltung, tolle Leute, und ich werd’ mir da richtig Mühe geben ….