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22.10.2015 – Auch Rampensäue müssen ackern.

Ja, ich bin eine Rampensau, aber das Leben eines politisch engagierten und erwerbsarbeitenden Kulturschaffenden besteht nur zu einem Prozent aus Aktionen, sprich genuiner Kulturarbeit, und zu 99 Prozent aus harter Kärrnerarbeit, sprich Verwaltungsarbeit, PR, Mittel-Acquise, Netzwerken, Mitgliederversammlungen vorbereiten, Fachtage organisieren etc. pp.
Ich will nicht jammern, aber in manchen Köpfen spuckt da noch die Bohèmevorstellung aus dem 19. Jahrhundert rum, die auch schon damals jeder ökonomischen Realität Hohn sprach: Nach dem Aufstehen (heißt: 15 Uhr) ne Flasche Absinth verklappen, bis zum Abend im Cafè mit Künstlerkollegen abhängen und die Weltlage diskutieren, dann eine halbe Stunde ins Atelier, einen Geniestreich auf die Leinwand pinseln, und sich dann die Nacht mit kunstgeneigten Damen um die Ohren schlagen (deutlicher will ich nicht werden, das hier lesen auch Minderjährige).
Die Realität sieht so aus: ich mache hiermit Werbung für einen Fachtag der Landesarmutskonferenz, für die ich arbeite. Machen auch andere mit, mach ich nicht alleine (tolles Team, Dank an alle, falls das überhaupt jemand von denen liest) ist aber einfach Orga-Arbeit. Mühselig, notwendig und hoffentlich zielführend (auch so ein grausliges Unwort).
fachtag
Anmeldung hier LAK Fachtag Armut Arbeit Würde 17.11.15-Flyer, kommt in Massen, gibt auch kulturelles Rahmenprogramm. Überraschend,beeindruckend, sensationell! Wer nicht kommt, ist nicht dabei gewesen. Umgekehrt gilt das Gleiche!

20.10.2015 – Mal wieder Geld verbrannt am Weltarmutstag.

mal wieder geld verbrannt
Der Kunst-Installateur hat es schwör (Foto: Birgit ben Rabah). Mal wieder Fünf Euro Scheine verbrannt, bei der Aktion am Weltarmutstag in der City von Hannover, was besonders dann bitter ist, wenn es echtes Geld ist und die Medien dann darüber doch nicht berichten, weil anderes (zu Recht!) wichtiger ist, siehe hier im Bericht NDR „Hallo Niedersachsen“ ab Minute 07.05. Kurzer, aber guter Bericht.
Solche Aktionen sind für mich das Salz in der Suppe. Mit Flyern, Broschüren, Fachtagen etc. sprich: reiner kognitiver Aufklärung, überzeugt man doch höchstens die eh schon Gläubigen. Aufklärung funktioniert nur, wenn sie an gesellschaftliche Bilderzählungen und öffentliche Kommunikation andockt, z. B. bei performativen Kunstinterventionen wie unsere am Weltarmutstag. Außerdem hat es allen Beteiligten ziemlichen Spaß gemacht, wie man hier sieht. Für alle halbgebildeten Künstler und Viertelintellektuellen, die diese Kunst als Sozialgedöns abqualifizieren, als Bildungsgutschein folgendes: Hinter dem Interventionsansatz steht die Theorie von Sergej Tretjakov des operierenden Schriftstellers (Künstlers grundsätzlich), der sich mit seiner ästhetischen Arbeit in die gesellschaftlichen Produktions- und Lebenszusammenhänge begibt und nicht wie ein Geier über ihnen schwebend sie nur registriert oder ausbeutet. Der Ansatz wurde später von Brecht mit der Radiotheorie und Enzensberger, als er noch alle Erbsen in der Schüssel hatte, mit seinem Medienbaukasten fortgeführt. Natürlich gibt es in unseren Kunstproduktionen auch was für Feinschmecker,
tromp l'oiel - 16 cent pro tag mehr hartz IV
wie hier auf der Hartz IV Tafel das Spiel mit dem Trompe-l’œil Effekt . Die Bild-Frage, was ist echt und was ist nur Behauptung, schult nicht nur das Auge. Der Appell dieses Kunstwerks (SCHUPPEN 68 Kollektivarbeit), den eigenen Augen nicht zu trauen, ist zugleich ein genuin aufklärerischer: Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen (Kant).
Schön auch die Geschichte des Ehemanns,
die mauer
der beim Anblick der Mauer zu seiner Frau sagte: „Die sind so links, bei denen gelten sogar Kommunisten als Rechtsradikale.“
Allein wegen solcher Geschichten bin ich zur Rampensau geworden, die sich da am wohlsten fühlt, wo es dreckig ist, wo es brodelt und dampft.

15.10.2015 – „Nach einer mir vorliegenden Mitteilung sind Sie verstorben.“

Ein Jobcenter in Bremen hat einem Philipp W. mitgeteilt, dass seine Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts vorläufig ganz eingestellt werden. Die Begründung des Jobcenters: „Nach einer mir vor liegenden Mitteilung sind Sie verstorben.“ Zur Nachzahlung sei man bereit, wenn der Tod wieder aufgehoben wird: „Die vorläufig eingestellten Zahlungen werden unverzüglich nachgezahlt, soweit der Bescheid, aus dem sich der Anspruch ergibt, zwei Monate nach der vorläufigen Einstellung der Zahlung nicht mit Wirkung für die Vergangenheit aufgehoben wird.“ Am Ende wird der Verstorbene gebeten, anzukreuzen, „ob der Sachverhalt zutrifft, er sich zu dem Sachverhalt nicht oder schriftlich, gegebenenfalls auf einem gesonderten Blatt, äußern will“.
Hartz-IV Erhöhung 5 € - Ein Drittel Apfel am Tag mehr
Ein Drittel Apfel pro Tag mehr. Hartz-IV Erhöhung 2016: 5 Euro, macht 16 Cent am Tag. Das Vermögen von Dirk Rossmann hat sich in den letzten zwei Jahren um 2,7 Millionen Euro erhöht – pro Tag.
Mauer zwischen Arm und Reich
Die Mauer muss weg, juhu huhu! Zu singen auf die Melody „You’re the one that I want“. W§enn ich am 17.10, 12 Uhr bei der Aktion am Kröpcke in Hannover zu singen anfange, ist die City ruckzuck leer.

09.10.2015 – Mein alter Kneipenkumpel Dirk Rossmann wünscht mir Erfolg!

Weltarmutstag, Samstag,17.10.2015, 12 Uhr, Hannover, Kröpcke, Aktion der Landesarmutskonferenz, mit Anderen. Die Bilanz der Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen am Weltarmutstag: 10 Jahre Hartz IV im Jubiläumsjahr 2015 haben Arbeitslosigkeit nicht verringert, sondern nur versteckt.
10 Jahre Hartz IV - Menschenwürde unter den Teppich
Armut – Menschenwürde unter den Teppich gekehrt. Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich ist tiefer geworden. Aus diesem Anlass baut die LAK Niedersachsen am Weltarmutstag, dem 17.10.2015, 12 Uhr, in Hannover am Kröpcke im Rahmen einer künstlerischen Intervention eine Mauer zwischen Arm und Reich auf, die gemeinsam von Allen eingerissen wird. Außerdem wird die geplante Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze ab 2016 um unglaubliche 5 Euro einprägsam ins Bild gesetzt, begleitet von Gedichten und Aktionen. Details hier.
Wer von Armut redet, darf vom Reichtum nicht schweigen. Also luden wir auch die reichsten Niedersachsen ein, sich ihrer ethischen Verantwortung zu stellen. Natürlich auch meinen alten „Maulwurf“ Kneipenkumpel und Milliardär Dirk Rossmann, der im Blog der Kneipe mehrfach erwähnt wird:
Sehr geehrter Herr Rossmann,
am 17.10.2015 (Samstag), dem Weltarmutstag, baut die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen um 12 Uhr in Hannover am Kröpcke im Rahmen einer künstlerischen Intervention eine Mauer zwischen Arm und Reich auf, die gemeinsam von Allen eingerissen wird.
Die aktuelle Flüchtlingssituation überlagert zur Zeit alle übrigen Armutsaspekte. Politik und Gesellschaft dürfen aber andere Armutsrisiken nicht vernachlässigen. Was ist, wenn Wohnungsraum knapper wird, Arbeitslosigkeit steigt oder Sozialleistungen zur Disposition stehen? Da baut sich sozialer Sprengstoff auf. Die Erhalt des sozialen Friedens in unserer Gesellschaft ist eine Aufgabe, an der sich alle Menschen beteiligen sollten.
Sie als einer der profiliertesten Unternehmer in Niedersachsen stehen in einer besonderen ethischen Verantwortung. Setzen Sie gemeinsam mit anderen durch Ihre Anwesenheit Zeichen für eine nachhaltige Armutsbekämpfung!
Wir würden uns daher freuen, Sie am 17.10 begrüßen zu können.
Wir haben auch Politiker, Verbände, Betroffene und die Medien eingeladen
Alle Beteiligten können sich hinterher im Gespräch austauschen.
Viel Erfolg weiterhin und beste Grüße
Klaus-Dieter Gleitze
für die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen

Dirk, das alte Schlitzohr, erwischte mich prompt auf dem richtigen, nämlichen internationalistischen Fuß („Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“, das sitzt immer noch in Dirks altem Drogen, äh, Drogistenschädel). Er ließ seinen Pressesprecher folgendes melden:
Sehr geehrter Herr Gleitze,
danke für die Einladung. Herr Roßmann befasst sich am „Weltarmutstag“ sehr persönlich und konkret mit dem Thema, denn er ist in Äthiopien. Dort besucht er Einrichtungen und Projekte der von ihm gegründeten Stiftung Weltbevölkerung. Viel Erfolg für Ihre Aktion.
Mit freundlichem Gruß
Stephan-Thomas Klose
Pressesprecher

Dirk Rossmann wünscht mir Erfolg. Dass ich das noch erleben durfte!

06.10.2015 – Eigentlich bin ich schwerhörig.

Abschied vom Spätsommer, Straßencafé draußen sitzen ist erst mal nicht mehr. Also steuerte ich spontan nach einem anstrengenden Tag eine Outdoor location im Nachbarviertel an, zwecks Zelebrierung des Abschieds von der diesbezüglichen Saison, und gönnte mir eine Mahlzeit, die jeden Veganer das Grausen lehrt. Im Mittelpunkt ein Schweinefilet im Speckmantel, das Filet à la point rosa gebraten, zart wie das Streicheln einer Pfauenfeder, der Speckmantel exakt an die Kross-Grenze gebraten, wo das knackige Braun ins knirschende Dunkel wechselt, dazu Bratkartoffeln mit einer Rosmarin Kopfnote, ach, was soll das Geschwalle, es war einfach knattergeil, und da Essen der Sex des Alters ist, stöhnte ich am Ende des Mahls, nach einem wundervollen zitronig-milden Tanqueray Gin (natürlich ohne Eis!!) wohlig vor mich hin. 10 Sekunden lang spürte ich dem Genuss in mir nach. Dann merkte ich zu meinem Entsetzen, dass ich die Gespräche an beiden Nachbartischen verstehen konnte. Eigentlich bin ich schwerhörig, was oft anstrengend, aber mitunter auch segensreich ist. Wenn man den Sprachmüll anderer Leute nicht hören muss zum Beispiel. Im akuten Fall kriegte ich sofort auf beiden Kanälen mit, dass es links um Projekte und Fördermittel ging und rechts, horribile dictu, um Beziehungsprobleme. Beides Themen, mit denen ich absolut nicht beim Essensgenuss, und, wenn es geht, überhaupt nicht und nirgendwo konfrontiert werden möchte. Soviel Gin konnte ich gar nicht verklappen, um das Elend zu ertragen und Tanqueray genießt man, damit gibt man sich nicht die Kante. Fluchend suchte ich das Weite und kriegte ein paar Häuser weiter den nächsten Leberhaken.
internationalismus buchladen
Internationalismus Buchladen. Früher eine schmucke Ikone der linken Szene, bei denen sogar Razzien durchgeführt wurden, soweit ich erinnere u. a. wegen einer Anleitung für den Hanfanbau und eines Leitfadens zum Blaumachen, in dem Krankheitssymptome geschildert wurden, die kein Arzt verifizieren kann, aber einen bei Schilderung sofort krank schreibt.
Ich hab beide gekauft, aus bibliophilem Interesse. Ich wusste gar nicht mehr, dass der Laden noch existiert. Ist jetzt eher mit Antiquariatsmüll zugestellt. Linke Lektüre hat keine Konjunktur mehr, außer wenn mal wieder was von Negri oder so rauskommt. Ich bin mittlerweile eher für linke Praxis zuständig, Veränderung durch Kunst und so Zeug.

02./03.10.2015 – Sprachsondermüll. Heute: Deutsche Einheit und Wiedervereinigung.

Ich war in jenem Herbst 1990 in Berlin, in der Bildungsstätte der IG Metall Pichelsee, irgendwas zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Ich war mehr an den Methoden der Inhaltsvermittlung, Didaktik etc. interessiert, die wirklich gut waren. Davon profitiere ich heute noch. Außerdem wollte ich einfach mal ne Woche weg von der Arbeit und Hannover. Mein damaliger Personalchef, der den Bildungsurlaub genehmigen musste, rief mich zu sich und fragte mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Ich solle lieber Makramee machen oder Spitzen klöppeln, aber nicht so was. Den Kolleginnen erzählte ich, er hätte mir vorgeschlagen, Makrelen zu knüppeln, er wäre jetzt wohl völlig gaga.
Ich misstraute der Einheit von Anfang an, mit Einheit kann ich eh nix anfangen. Wir sind eine tief gespaltene Gesellschaft, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, es gibt auf der einen Seite tolle engagierte Leute, die Flüchtlingen helfen, auf der anderen Seite jede Menge gewaltausübender Rassisten, es gibt durchgeknallte Islamisten, die sich der Genderproblematik mit eher diskussionswürdigen Ansichten nähern etc. pp .
Angesichts einer wachsenden Zahl von Paralleluniversen in unserer Gesellschaft, wo man sich noch nicht mal drüber einigen könnte, dass man nicht mit einander kommunizieren kann, was laut Watzlawik eigentlich ein Unding ist, vom Tag der Deutschen Einheit zu sprechen, ist eine Satirenummer. Und dafür bin ich zuständig.
mauerdurchbruch
Herbst 1990, Berlin, Sonderfall Einheit: Wir arbeiten dran (Keine Ahnung mehr, wo das war)
studentenprotest
Herbst 1990, Berlin, Sonderfall Einheit: Skepsis (ich glaube, das war ne Demo von Studierenden der Humboldt-Uni)
ichs
Herbst 1990, Hannover, Ausstellung „Kunst im Außenraum“. Das Paradigma der damaligen Ideologie-Ikone Margaret Thatcher „Es gibt keine Gesellschaft, nur Individuen“ ins Bild gesetzt.
Und was den Begriff Wiedervereinigung angeht: Gut, wir haben das Ampelmännchen aus der Ostzone übernommen, aber ansonsten haben wir die östlichen Ostgoten schlicht annektiert.
Ich weigere mich zumindest auf der Ebene der Sprachkritik, den Einheitsbrei auszulöffeln, den andere einbrocken. Mit Begriffen vernebelt man den Blick in die Wirklichkeit.

30.09.2015 – Man fühlt sich wie im Inferno von Herrn Dante

Ein Kumpel schickte mir ein Gedicht über eine September-Italienreise, durchaus inspiriert vom Land, wo die Zitronen blüh’n, und durchaus ernst gemeint. Einem edlen Sängerstreit gehe ich nie aus dem Wege und so mailte ihm Minuten später Impressionen aus dem Stadtteil, in dem ich wohne.
Linden im September
Die Lust ist so betankt von Abgasschwaden,
das killt sogar des Pflaumenbaumes Maden.
Das Ihmezentrum reckt betongeschwängert
die Türme fingergleich ins Firmament verlängert.

Millionen Studis geben Tag und Nacht sich hier die Kante
man fühlt sich wie im Inferno von Herrn Dante.
Auf den Strassen überall liegt Kotze,
ein Betrunk’ner grölt: „Du blöde … Kuh.“

Die Welt, sie gleicht hier einer Hühnerleiter,
sehr oft beschissen, doch mitunter heiter.

Ich glaube, ich bin als Expressdichter fast Weltklasse. Schade nur, ich kann danach noch tagelang an so einem Gedicht sitzen, besser wird’s nicht. Im Gegenteil. Egal, für Gedichte zahlt doch eh keine Sau was.
dipladenie
Was hier so alles in Abgasschwaden blüht. Dipladenia, muss bald rein in den Keller. Die Nächte werden kalt und lang. Brrr.

27.06.2015 – Ich sehe das Bessere, folge aber dem Schlechteren.

“Video meliora proboque deteriora sequor” heisst das im Original bei Ovid. Diese Zeile ging mir durch den Kopf, als ich unlängst Zeuge eines Live-Konzertes vor einem Café um die Ecke wurde.
konzert vor der tür
Ein malerisches Bild, schöne Klänge, für einen Moment hielt der Alltag die Luft an und die Welt schien die Beste aller möglichen. Zwar drückte ich den Altersdurchschnitt signifikant nach oben, aber mir ward heiter und nach Verweilen. Da klingelte der verfickte Scheißwecker meines Smartphones, der mich an irgendeinen Blödtermin erinnerte, der mir nur kostbare Zeit meins raren Restlebens rauben würde. Fluchend machte ich mich vom Acker und guckte, ob es irgendwo einen Hut oder so was gab, in den man eine Spende werfen konnte. Dann fiel mir ein, dass solche Konzerte öfter in dem Café stattfanden, es sowieso eine netten Eindruck machte, irgendwie charmant-unkommerziell, und ich den ganzen Sommer über da mal den Umsatz durch morgendliche Kakaos steigern wollte, damit der Laden bloß nicht einem dieser entsetzlichen Backshops weichen muss.. Letztlich trink ich dann doch eher einen Espresso in meinem Garten: “Video meliora proboque deteriora sequor”. Ich googelte das Zitat Zuhause und musste frustriert feststellen, dass ich das eher nicht von Ovid, sondern von Asterix her in Erinnerung hatte. Soviel zum Bildungsbürgerwissen.

24.09.2015 – Der Briefträger kam heute mit dem Surfbrett.

Nachdem vorgestern Nordkorea unsere westliche zivilisierte Welt mit Atombomben weitgehend zerstört hatte, funktionierte heute die Postzustellung wieder. Ich war erleichtert, ich wartete auf einen Bescheid meiner Versicherung, weil man mir das Fahrrad gestohlen hatte. Da die Strassen verstopft sind, nutzt die Post den Wasserweg.
postapokalypse
Die Briefträger öffnen die Post und simsen ihren Inhalt an die Empfänger. So müssen sie in den Hochhäusern nicht die ganzen Treppen rauf- und runterlaufen.
Ein schöner Tag bahnt sich an, draußen scheint die Sonne. Was auch besser ist. Schiene sie drinnen, hätte ich einen Dachschaden.

20.09.2015 – Der Schlaf der Vernunft

Phantasie nicht an die Macht! Diese Forderung aus dem letzten Blogeintrag sollte ich präzisieren. Nichts gegen ein bisschen mehr Phantasie und Kreativität bei der Inszenierung von Politik, beim Verkauf von Politik und erst Recht bei Forderungen an die Politik. Aber im Kern ist Politik eine Veranstaltung, die von Interesse, Macht und sich selbst aufklärender Vernunft getragen wird. Ich kann gut in der Konfrontation mit einem FDP Wirtschaftspolitiker umgehen, der die Kürzungen von Sozialleistungen, Steuerabbau und die Abwesenheit von Staat fordert.
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Die Abwesenheit von Staat im öffentlichen Raum oder: Helmut Kohls blühende Landschaften und Leuchttürme.
Dafür wird der FDP Politiker bezahlt. Das ist ethisch verwerflich, aber logisch nachvollziehbar, wenn auch oft rationaler und volkswirtschaftlicher Blödsinn. Bestes Beispiel: Die zu knappen Mittel und Stellen beim Bundesamt für Migration nach dem Motto: weniger Staat. Da kann man mit Goya nur sagen: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.
Der Konflikt um diese Positionen wird auf der Ebene von Macht ausgetragen.
Nichts kann ich auf dieser Ebene anfangen mit Forderungen wie: „Du, die Politikerinnen müssen sich einfach mal mehr anfassen, in den Arm nehmen, Sitzkreis bilden, gemeinsam meditieren und auch mal spontan Bilder malen.“ Die Grenzen der Phantasie sollten also an der Schlafzimmertür enden. Und selbst das ist mitunter schon too much.
P.s.: Das Foto oben dient der Illustration und Zuspitzung. Real findet hier zur Zeit eine Auseinandersetzung darüber statt, wie viele Wohnungen mit welchem Anteil von sozialem Wohnungsbau hier entstehen sollen.