
HEUCHEL-EI.
Die Bundesfraktion CDU/CSU erhält eine schöne Bescherung zu Ostern: Aus Anlass der seit Jahren zunehmenden Korrumpierung ihrer Mitglieder überreicht das Satirekollektiv SCHUPPEN 68 dem CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus stellvertretend das HEUCHEL-Ei. Zur Begründung im Folgenden das Anschreiben an Ralph Brinkhaus in der PM: PM SCHUPPEN 68 Osterbescherung HEUCHEL-EI für CDU-CSU-Fraktion

Das ehemalige CDU/CSU-Gangmitglied Jürgen Hodentöter hat dazu ein Enthüllungsbuch herausgebracht, das bei Thalia erhältlich ist
Völlig legal, aber genauso zum Kotzen wie die CDU/CSU Masken-Mafia: Stanislav Tillich (CDU), ehemaliger Ministerpräsident von Sachsen, war einer der vier Vorsitzenden der sogenannten Kohlekommission der Bundesregierung. Die handelte den sehr fragwürdigen Kohlekompromiss aus, demzufolge in Deutschland noch bis 2038 Kohle verfeuert werden darf. Die Branche war mit dem Ergebnis offenbar zufrieden. Seit 2019 ist Tillich der Aufsichtsratsvorsitzende des Braunkohlekonzerns Mibrag.
Ca. 3.100 vorzeitige Todesfälle gehen jährlich auf das Konto deutscher Kohlekraftwerke. Deutsche Aufsichtsräte verdienen im Durchschnitt ca. 350.000 p. a.
Tillich ist also mitverantwortlich für den Tod von zehntausenden zusätzlichen Todesfällen durch deutsche Kohlekraftwerke und profitiert mit Millionen davon. Im Vergleich dazu ist die Mafia eine Pfadfindervereinigung.
Wie hält Angela Merkel es bloß mit solchen Leuten aus. Beruhigend zu wissen, dass die Geschichte den Stab über diese Gauner und Lumpen bricht. Angela Merkel hingegen wird als Bundeskanzlerin, die alles richtig gemacht hat, ins Retiro gehen. Was sich gerade jetzt wieder erweist, wo all die Öffnungsfetischisten wie dieser Saarland-Kasper und Armin „The Kittel“ FLaschet zur grandiosen Bruchlandung ansetzen.
Sie sind alle so unfassbar medioker.
Archiv für den Autor: admin
26.03.2021 – Tagespflege an der Leine.

Der Pflegenotstand produziert immer schillerndere Sumpfblüten. Es ist sicher schwierig, orientierungslose Demente oder Alzheimerinnen zu beaufsichtigen, aber an der Leine?
Da sich Blogs tunlichst des Köchelns im eigenen Kiezsaft enthalten sollten, das Internet ist qua Struktur ein globales Medium, muss hier der Hinweis erfolgen: Dieses Werbeschild wurde in Hannover gesichtet und Hannover liegt nicht an der Elbe. Leider.
Unlängst kam mir ein Jahre alter Blog-Beitrag unter die Augen und ich wusste nicht mehr: Hatte ich den satirisch gemeint? War die Geschichte wirklich so passiert? Was wollte ich damit sagen? Reine Ironie?
Ironie ist ein beliebtes Stilmittel. Mit Ironie schafft man Distanz, oft aus Schwäche und Konfliktscheu heraus. Wer Angst hat, Position zu beziehen, Haltung zu zeigen, sich der Mühe der Analyse zu unterziehen, zieht sich auf Ironie zurück. Dann kann man im Zweifel hinterher immer sagen: War doch gar nicht so gemeint.
Man. Ironie ist eine Männerdomäne.
Jetzt aber erstmal Wochend und Sonnenschein. Comedian Harmonists. Funkeln nach bald 100 Jahren noch wie strahlende Diamanten. Und jetzt’s wird knifflig: Welche Stilmittel nutzt der Text des Liedes?
….
Tief im Wald nur ich und du
Der Herrgott drückt ein Auge zu
Denn er schenkt uns ja zum Glücklichsein
Wochenend und Sonnenschein.
….
Viel Spaß bei der Analyse. Das wird beim nächsten Extemporale abgefragt!
24.03.2021 – Was soll ich da noch zur öffentlichen Kakophonie beitragen.

WTF. Ich dachte im ersten Moment, das stünde für World Traded Fund als Ableitung eines ETF und sei so etwas wie ein weltweit diversifizierter Anlage-Fonds. An der Sprache scheiden sich die Geister, wobei ein Teilgeist von mir durchaus bei den Genossinnen vom Plakat weilt.
Zum aktuellen Stand der Seuche hier erstmal Nichts. So viel gedacht, gesagt, geschrieben, gesendet. Was soll ich da noch zur öffentlichen Kakophonie beitragen. Meine Sicht habe ich vor Monaten bekundet, mit der Forderung eines brutalstmöglichen mindestens dreiwöchigen Komplett-Lockdown, unter Einsatz der Bundeswehr zur Kontrolle und Versorgung. Wer Regeln bricht, frisst Gummi(geschosse), Corona-Leugner und Querdenkerinnen werden sofort ohne Anruf von der Straße gekärchert, ihnen wird die Seuche an der Hals und alsbaldiges Ableben zur Schonung der Gesundheits- und Rentenkassen sowie zur Aufrechterhaltung der Seuchen- und Psychohygiene in der Gesellschaft gewünscht.
Argumentative Detailvertiefung entnehmen Sie Zero covid.
Nichtsdestotrotz sickert die Seuche in Gedanken, Wahrnehmung, Handeln. Der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal ihre Richtung ändern können, soweit so Binse. Nicht viel origineller ist die Einsicht, dass die Gedanken dann allerdings im hermetischen System Kopf nach einem Rundlauf irgendwann an ihren Ursprung zurückkehren. Wir drehen uns im Kreis.
Es sei denn, externe Einflüsse geben Anstöße, damit die Gedanken aus ihrer Bahn gestoßen werden und am Ende an einer ganz anderen Stelle als dem Ursprung im Kopf landen. Vom Hippocampus zur Amygdala meinetwegen, das wäre eine wünschenswerte Reise.
Das Blöde im Moment ist, es gibt wenig externe Anstöße: Museen, Theater, Konzerte, fremde Länder, andere Städte, all das, was Perspektiven verändern kann, fällt flach. Man schmurgelt im eigenen Gedankensaft und das ist à la longue der Tod der Kreativität. Dann folgt nur noch Reproduktion der eigenen Klischees. Das senkt auch die Entscheidungsfreudigkeit – wenn man es denn merkt. Ich habe z. B. zurzeit einige Projekte in der Pipeline, kulturell-kreativer Natur, zögere aber, sie auf die mediale öffentliche Weide zu lassen. Hm. Was tun…
Das Dilemma zu beschreiben, ist ein erster Schritt.
21.03.2021 – Die Teppichstange als Hyperlink

Teppichstangen, überall Teppichstangen. Mittlerweile bin ich von „meiner“ kleinen Siedlung regelrecht besessen, gestern habe ich sogar einen Schlenker abseits meiner üblichen Walk-Runde da gemacht. Ich werde akribisch dokumentieren, ob meine Wahrnehmung stimmt, dass sich nie jemand in den Teppichstangen-Arealen aufhält. Und ansonsten mal die hiesigen Grünen auf die Idee von Anwohnerinnen-Gärten in Verbindung mit ökologischen Co2-Speicherinseln hetzen. In der Siedlung ist dann vielleicht der Teufel los, die Grünen haben hier keine Zeit mehr für Politik, was auch besser so ist, da kommt nur Mist bei denen raus (abgesehen von Berlin), und ich kann hinterher behaupten, das ist als Kunstintervention im Sinne einer sozialen Plastik mein Werk. Vielleicht muss ich mir dann ne andere Route aussuchen, aber wenn das Werk Bestandteil der nächsten Documenta wird, ist es mir die Sache wert. Die ganze Siedlung mit allen sozialen Konflikten in die Kasseler Aue gebaut, das toppt Beuys Eichen um Längen.
Was garantiert nicht mehr an den Teppichstangen waltet, sind Teppichklopfer. Im Zeitalter von Staubsaugern und Teppichschäumen mit garantiert porentiefer Wirkung sind die Dinger schon seit Jahrzehnten obsolet. Was bleibt, ist die Erinnerung zumindest in Teilen meiner Generation an Teppichklopfer als Erziehungsinstrument. Und die Erinnerung an derartig gewaltförmige Erziehungsmethoden ist keineswegs so putzig, wie sich „Teppichklopfer“ anhört. Die Generation der Eltern, die aus dem Krieg kam und zu Scham und Trauer unfähig war, hatte die zurückliegende Brutalität im Umgang mit Menschen teilweise nahtlos auf Erziehung übertragen, Gewalt, Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Niemand kam auf die Idee, sich über prügelnde Lehrer bei den Eltern zu beschweren, man hätte sich sofort eine zusätzliche Tracht eingefangen, nach dem Motto: „Wer sein Kind liebt, der schlägt es.“
Wenn ‘68 ff. auf einem Gebiet doch emanzipatorische Wirkung entfaltet hat, dann auf dem der Kindererziehung (vielleicht auch noch auf dem der Geschlechtergerechtigkeit, aber das wird ja gerade erfolgreich zurück abgewickelt). Gewalt als Erziehungsprinzip wird sicher noch praktiziert, ist aber weitgehend ein Tabu. Heutige Zustände, wo Eltern tendenziell zu Freunden ihrer Kinder werden und gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Konzertbesuche unternehmen, wären von meiner Generation als absurd bis nahezu pervers beurteilt worden.
Über die Abarbeitung an der Elterngeneration damals gibt es Buchregale von hunderten Kilometer und ganze Therapeutengenerationen haben sich an der Aufarbeitung diesbezügl. Traumata ihr Domizil in der Toskana verdient. Mit dem heutigen elterlichen Liebesentzug und mangelnder Wertschätzung infolge der ausbleibenden Playstation zu Weihnachten lässt sich nach meiner Kenntnis auf dem Büchermarkt kein Lorbeer gewinnen.
Womit ich keineswegs die aktuelle Notsituation von Kindern in sozialen Brennpunkten geringschätzen will. Gerade in Zeiten der Seuche ist es ein deprimierender Startnachteil ins spätere Leben, sich mit zwei Geschwistern in einer 60 qm Wohnung am Küchentisch den einzigen PC im Haushalt für den Online-Schulbetrieb zu teilen.
So kamen wir heute von Hölzchen auf Stöckchen oder hangelten uns von Teppichstange zu Teppichstange, was Nichts weiter ist als das Prinzip der Hyperlinks.
Ihnen, liebe Leserinnen, einen guten Start in den Lockdown Nr. 3.
20.03.2021 – Totland

Siedlung aus den Fünfzigern, mit Teppichstangen. Eine offene Blockrandbebauung, auf hauswirtschaftliche Funktionsnutzung Wäschetrocknen reduziert. Solche Siedlungen wurden nach dem Krieg in oft mangelhafter Bausubstanz als Werkssiedlungen, kommunaler Wohnungsbau oder in halbstaatlicher Regie von Post und Bahn errichtet. Die Bestände wurden im Privatisierungswahn ab den 90ern oft billig verramscht, daraus wurden kriminelle Vereinigungen wie Vonovia und Deutsche Wohnen, beide im DAX Börsennotiert.
Konzerne entdecken jetzt das Prinzip des Werkswohnung-Baus wieder, weil sich selbst gutverdienende Fachkräfte Wohnen in Ballungsräumen nicht mehr leisten können. Geht der Kapitalismus an seinen inneren Widersprüchen zugrunde? Bloß nicht, die Alternative wäre aktuell Barbarei.
Die Blockrandbebauung setzte sich in den Achtzigern gegen das Paradigma der Großwohnsiedlung wie Märkisches Viertel oder Mümmelmannsberg durch, sie steht heute oft für Szeneviertel. Protagonisten der Blockrandbebauung waren oft Leute, die aus der Hausbesetzerszene und radikalen Linken kamen und nach den gescheiterten Kämpfen der Siebziger jetzt nicht mehr die ganze Bäckerei haben wollten, sondern wenigsten ein kleines wohnliches Stück vom Kuchen.
Die Siedlungen aus den Fünfzigern sind oft eine hermetische Welt für sich, in denen vermutlich trotz mangelhafter Bausubstanz eine hohe Wohnzufriedenheit der Insassen herrscht. Orte einer faszinierenden Zeitreise.
An der oben komme ich bei meinen Walks zwecks Körperertüchtigung fast täglich vorbei. Ich bin zu völlig unterschiedlichen Zeiten unterwegs, wie’s halt gerade passt, und ich habe in diesem halboffenen Geviert von geschätzt ca. 1.500 qm in all den Jahren niemals irgendjemanden da draußen gesehen. Eine Fläche von 1.500 qm mitten in einem Ballungsraum völlig ungenutzt als Brachland, nein, schlimmer als Brachland, denn eine Brache kann sich im Laufe der Zeit entwickeln, entfalten, die Natur wieder aneignen. Das ist kein Brachland, das ist Totland.
Hier öttelt regelmäßig der Huusmeester mit seinem Diesel-Aufsitzmäher über das Grass und hält es flach, alles Insekten- und Vogelleben im Keim erstickend. Würde einer der Insassen es wagen, sich da mal mit einem Liegestuhl auszubreiten, würden ihn die Restinsassen vermutlich aus lauter Missgunst am nächsten Baum aufhängen. Und so sieht die ganze verkackte Siedlung aus. Vermutlich hat ein engagierter Neuankömmling da mal ein Treffen Aller anberaumt zur Initiierung von Anwohnerinnen-Gärten auf den Totflächen – und ist sofort nach dem Feedback ins märkische Viertel, in die Anonymität gezogen.
Ich aber habe für das Frühjahr eine Aufgabe: Die akribische Dokumentation des Lebens, ach, was sag ich, des Vegetierens auf dieser Vorhölle. Und den nächsten Blogeintrag werde ich einer weiteren vergangenen Welt widmen: Dem Instrument zum Bearbeiten von Teppichstangen und Hosenböden von renitenten Halbwüchsigen, dem Teppichklopfer.
19.03.2021 – Über Spiritualität

Anker Box, kleiner als ein Brikett. (Preisfrage: Wann hatten Sie das letzte Mal ein Brikett in der Hand?).
Religionen, zumal die katholische, seien der Hort der Spiritualität. Sagt man. Wie üblich, wenn man was sagt, ist das Blödsinn, und so gilt es, jene gegen diese in Schutz zu nehmen. Der Hort des Spirituellen ist das Individuum, keine Götzenanbetervereinigungen.
Spiritualität ist laut Wiki das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit. Also wohnt einer Kathedrale, einem Kloster oder einem Götzendienst, einer kultischen Handlung, einem Naturerleben, einer Musik nicht per se ein ewig-heiliger, vom Schöpfer intendierter Schauer inne, Spiritualität liegt einzig in der Wahrnehmungsfähigkeit der jeweiligen Individuen, der Konsumenten. Das Erleben von Händels Messias in einer Kathedrale ruft bei diesem spirituelles Entzücken hervor, bei jenem Langeweile.
Da wir aus mehr bestehen als aus der Anhäufung von Molekülen, Verstand und Logik (versuchen Sie nur mal, Liebe oder Leben zu definieren oder zu verstehen .. ) bedarf unsere Existenz der Spiritualität, die uns allerdings in einer säkularisierten Gesellschaft zunehmend flöten geht.
Das ruft mehreres hervor: Die bedauernswerte Flucht in Esoterik, Sekten, Irrationalismen und die Zunahme von Süchten (besser: Abhängigkeiten), ob stofflich wie Alkohol und Drogen oder nicht substanzgebundene, die deutlicher zunehmen, wie Handyabhängigkeit, Kaufsucht, Porno, Glücksspiel etc.
Solcherlei ging mir eben durch den Kopf, als ich erfolgreich mein Handy mittels Bluetooth mit der Anker-Box oben verband. Ich höre immer öfter nichtlinear Beiträge (über Spiritualität z. B.) aus der Mediathek in meiner Deutschlandfunk App und das ist mit dem reinen Handy-Lautsprecher ein Unding auf Dauer. Da ich nicht gerade technikaffin bin, löste der gelungene Installationsakt in mir ein fast spirituelles Glückserleben aus. Natürlich testete ich die Box auch mit Musik. Spontan fielen mir zwei Konzerterlebnisse ein, denen ich also nachspürte: Rare Earth, in einer angenehm mittelgroßen Konzerthalle und Händels Messias in einer Basilika (das ist nicht der Plural zu Basilikum!). Beide Stücke haben für mich auch heute noch in der Magie ihrer Reduziertheit und in Verbindung mit der Erinnerung an das Konzerterleben etwas Spirituelles. Konzerte sind, anders als Konserve-Hören Zuhause, immer Unikate, keins gleicht dem anderen in der Verbindung von kollektivem Erleben, individuellem Genuss und Atmosphäre. Anders als die Konserve hat ein Konzert das, was Walter Benjamin so trefflich beschreibt: Aura.
Sie gehört zur Spiritualität wie die Fliege zum Smoking. Egal ob Sie, liebe Leserinnen, sie erleben auf einem einsamen Ölberg mit Blick auf türkisfarbenes Meer oder in einer Kathedrale mit Meister Händel.
Die nach wie vor angeblich bestehende Notwendigkeit von Religionen aber mit dem Bedürfnis nach Spiritualität zu verteidigen, wie es aktuell in der Bürgerpresse geschieht, macht mich angesichts des katholischen Kinderfickerskandals sprachlos.
Was für einen beschränkten Begriff von Spiritualität die Bürgerschreiberlinge doch haben.
16.03.2021 – Follow the market

AstraZeneca, Stand heute 09:11:59 Uhr. Wenn Sie Zweifel an AstraZeneca haben, folgen Sie dem Markt, der Stoff ist mit einem Plus von 1,75 Prozent in den Markt gestartet und hat übers Seuchen-Jahr fast 20 Prozent zugelegt. Der Markt besteht zwar zu einem gerüttelt Maß an Psychologie, aber bei Bewertung und Kauf von Einzelwerten haben überwiegend Experten und Algorithmen das Sagen, und die richten sich eher nach Fakten und nicht nach Gemunkel in Internetforen und Entscheidungen des großen Obervirologen Jens Spahn. Das mit den Experten haut natürlich nicht immer hin, siehe Wirecard, aber im Großen und Ganzen glauben Sie mir als dem Warren Buffet der Norddeutschen Tiefebene mal: Follow the market.
Gemessen an der logistischen Bewältigung des Impfgeschehens bisher, komme ich zu dem beruhigenden Schluss: Die BRD ist nicht mehr kriegsfähig, im Gegensatz zu Israel oder dem Ami. Ein paar Kilometer hinter der Grenze würde wegen akutem Munitions- und Benzinmangel „unser“ Vormarsch gestoppt, zum Bedauern der AfD-Volksgenossen an der Heimatfront.
Das Potential dieser Lumpen ist beträchtlich und wächst, je nach Krisenstand. Trotz Beobachtung durch den Verfassungsschutz, da hackt eine Krähe der anderen dann doch mal das rechte Auge raus, hat die AfD locker den Einzug in beide Landesparlamente am Sonntag geschafft. Obwohl der Partei nun ein halbamtliches Siegel draufklebt: Faschisten, bleiben ca. 10 Prozent bei der braunen Fahne. Von den weit über 30 Prozent, die nicht zur Wahl gegangen sind, dürfte ein erheblicher Prozentsatz eine solide mindestens halbfaschistische Grundierung haben.
Und das Potential ist ausbaufähig, der beträchtliche rechte Rand der CDU und die ganzen frustrierten Existenzbedrohten SPD-Facharbeiter werden zu einem beträchtlichen Teil je nach Krisenverlauf (dem nächsten Finanzcrash?) nur allzu gern dem Appell folgen: Rechts um.
Da muss man schon dankbar sein, dass das Wahlvolk die grünen Systemsprenger nicht abgestraft hat mit ihrer Anti-Eigenheim-Attacke. Es ist zwar auch Subintelligenzlerinnen logisch nachvollziehbar, dass Singles in der Stadt in Wohnungen über 80 qm oder Ehepaare (die Kinder sind aus dem Gröbsten und damit aus dem Haus raus) in der Pampa in Einfamilienbunkern über 140 qm asozial und ökologiefeindlich wohnen, aber wer am doitschen Wohnideal rüttelt, lebt Wahlgefährlich.
Ich selber tröste mich als asoziale Vielurlauber-Öko-Sau resp. Eber damit, dass die Zahl meiner Kinder überschaubar ist. Die sind mit Abstand die größte Öko-Eberei. Mit jedem Kind vergrößern dessen Verursacher*innen ihren ökologischen Fußabdruck ins potentiell Exponentielle, denn die übelste Eigenschaft von Kindern ist: Sie vermehren sich ebenfalls.
14.03.2021 – Naive Rachegelüste

Plakat an einem Altglas-Container, Hannover. Nicht nur in Berlin erzählen Plakate Geschichten von einer anderen Welt. Ideologiekritisch könnte man hier einiges bemäkeln, ein angestellter Chef wäre z. B. auch nur besser bezahlter Lakai des Kapitals. Darüber hinaus stellt sich angesichts vom am Firmament heraufziehendem Seuchen-Armageddon und sich selbst verstärkenden Klimakatastrophen schon die Frage nach dem Klassenübergreifenden Interesse am gattungsgeschichtlichen Überleben der Spezies Mensch. Aber diese Kritik zielt am Medium Plakat vorbei, das von Zuspitzung, Verkürzung, Dramatik, Verständlichkeit, Irritation und Akzeptanz lebt. Ellenlange Bleiwüsten, so informativ sie sein mögen, verfehlen da ihren Zweck. Für vertiefende Infos beim Medium Plakat hat heutzutage jede auf ihrem Handy einen QR & Barcode Scanner. Das fehlt auf den Plakaten, es ist eine ganze Serie, noch, aber ansonsten sind da Profis am Werk, medial auf der Höhe der Zeit, mit Drohnenästhetik arbeitend, nicht mit altlinkem Kitsch behaftet, der auf Plakaten gerne mal den zornigen Proleten mit geballter Faust und Schraubenschlüssel zelebriert. Gruselig. Auf diesem Plakat ist – zeitgemäß – das digitale Prekariat Ikone und Ziel zugleich.
Und was mich am meisten freut: Lauter junge Leute, die hier teilweise fröhlich durch meinen Kiez hopsen. Von wegen, die Jugend taucht nix. Es gibt sie noch, die Engagierten, die ein bisschen anders drauf sind als Karriere-Jusos, wo Kevin Kühnert schon als Ausbund kritischen Bewusstseins gefeiert wird (Von korrupten Hanswursten wie Philip Amthor ist hier nicht die Rede, solche Kreaturen sind nicht satisfaktionsfähig). Kevin, wir sprechen uns in zwei Legislaturperioden wieder, wenn Du dann im Sozi-Vorstand sitzend Olaf-Scholziaden von Dir gibst. Wenn die SPD bis dahin noch im Bundestag ist.
Meine Wette für die Wahl heute in Ba-Wü: SPD unter 10 Prozent. Ich hoffe, ich liege falsch. Nichts wäre falscher als in naiven Agenda 2010-Rachegelüsten schwelgend der SPD den Untergang zu wünschen angesichts der Alternative, die eine für Deutschland ist und damit in den brauen Sumpf führt. Der Claim auf dem Plakat trifft es schon, die ideologische Funktion des Fußballs auf den Punkt gebracht: Panem et circenses, die Vertuschung des Klassenkonfliktes.
Solange es junge Leute wie die von direction f gibt, die das engagiert und kreativ auf den Punkt bringen und über den Horizont von weißen. alten Männern wie mir hinaus entwickeln, besteht noch ein Funken Resthoffnung.
Mann, das war ja wieder ein Wort zum Sonntag. Ich sollte Wanderprediger werden. Frost- und Frustfreien Start in die Woche, liebe Leserinnen.
11.03.2021 – Anderthalb Pfund Linda

Aufruf zu Demo am Weltfrauentag. Ich hab eine verschwommene Ahnung, was es mit Intersex und Nicht-binäre auf sich hat, keinen Schimmer hatte ich bis dato ich von der Bedeutung von intersektional und Agender, letzteres hab ich sogar zum ersten Mal auf dem Plakat gelesen. Irgendwann ist man eben abgehängt von Entwicklungen, Veränderungen, Diskursen. Sollen die jungen Leute mal machen, wird schon seine Richtigkeit haben und vermutlich in 10 bis 20 Jahren Standard sein.
Wenn man in Berlin durch Szeneviertel flaniert und die Plakate da studiert, ist das wie ein analoger Kunst-Stadtführer, bunt, ästhetische Avantgarde, kreativ, aber auch wie Bildungsurlaub, hochinformativ, andauernd muss ich da mein Smartphone zücken, um irgendwas Unbekanntes, wie eben Agender, zu dechiffrieren. Allerdings ist diese Art des Flanierens wesentlich nachhaltiger als Buchlesen oder Fernseh gucken, allein deshalb, weil man nach einer Lerneinheit gerne mal in einem Straßencafé pausiert und dem Gelernten bei einem Portwein oder Stück Kuchen nachsinniert.
Wenn ich daran denke und jetzt zum Fenster rausschaue, wo der Sturm Regentropfen senkrecht durch die feuchtdunkle Abgasgeschwängerte Straße pfeift, könnt ich Trübsal blasen. Ein Tief, das meinen Namen trägt. Auch das noch, jetzt geht mir auch noch Popkacke durchs Hirn.
Vor dem Plakat oben fiel mir die Szene auf dem Wochenmarkt, das bisschen Leben bleibt einem ja noch, ein paar Tage vorher ein, am Kartoffelstand: “Ich hätte gerne anderthalb Pfund Linda“. Der junge Verkäufer blickte mich einen Moment fragend an, es arbeitete in ihm, dann die erleichterte Antwort, Marktverkäufer*innen sind per se eher pfiffig: „Ah, Sie meinen 750 Gramm.“ Aussterbende Begriffe, anderthalb und Pfund, stattdessen technokratisches. C`est la vie. Was soll’s.
Über die Dialektik von Sprache und Bewusstsein könnte ich stundenlang sinnieren. Gestern in einem Interview im DLF sagte irgendein Verbandschef, Kliniken oder so, zum Thema mangelhaftes Impfgeschehen: „Wir müssen nur die PS auf die Straße bringen“.
Und sofort habe ich ein Bild vor mir: CDU-Wähler, BMW (5er oder 7er, auf jeden Fall Dienstwagen)-Fahrer, Lichthupenfetischist mit Tempo130-Allergie, redet seine „Untergebenen (sic!)“, meistens Frauen, nur mit „liebe Mitarbeiter“ an, etc. pp.
Und ich warte nur auf eine Veranstaltung, wo einer eine derartige Metapher ins Auditorium zimmert. Der Typ – Frauen würden eher selten einen derartigen anachronistischen Sprachmüll absondern – tut mir jetzt schon leid.
Zwei Stunden später, Nachtrag: die Vorsitzende des Ethikrates, Alena Buyx, fordert in Sachen „Impfen“ im ntv-Interview, ab 0:35: „Wir müssen Meter machen“ Geht auch ohne PS.
07.03.2021 – Kunst ist der Wein des Lebens.

Der arme Poet. Von Carl Spitzmaus. Duckomenta, Niedersächsisches Landesmuseum.
Kultur pflastert meinen Weg. Als Konsument in Ausstellungen, Konzerten, Theater, bei Kulturevents, aber auch als Produzent: als Künstler, Kabarettist, Kulturmanager, Autor, Produzent von Theaterstücken, Herausgeber von Zeitungen, Kurator, Vernissagen-Redner und bei der Aufzählung hab ich wahrscheinlich die Hälfte noch vergessen, z. B. Unwesentliches wie Blogschreiber ohne Lohn. Man sollte also meinen, dass ich in der Seuche leide wie Hund, weil fast alles davon seit einem Jahr komplett entfällt. Und wenn ja über eines Einigkeit herrscht, dann darüber: Kultur ist systemrelevant. Oder wie Dostojewski es sagt: “Kunst ist für die Menschen genauso ein Bedürfnis wie Essen und Trinken”. Ist also ein Grundbedürfnis.
Ich halte das mit der Systemrelevanz für eine Wunschvorstellung von Kulturproduzentinnen und des Feuilletons und für eine Wahnprojektion des gehobenen Bürgertums, das beim Gang durch die Uffizien vor lauter Kunst-Ergriffenheit in hyperventilierende Delirien verfällt.
Kunst ist nicht systemrelevant.
Insofern ist die Vernachlässigung des Kultursektors durch die Politik und die Entlohnung der Kulturschaffenden in unserer Gesellschaft nichts weiter als eine reale Widerspiegelung des Stellenwertes von Kultur. Bildende Künstler*innen z. B. haben ein durchschnittliches Einkommen p. a., das der Armutsgrenze entspricht, und die Meisten schaffen es noch nicht einmal in die Statistikrelevante Künstlersozialversicherung, weil sie ein Einkommen von unter 3.900 € p. a. haben.
Fragen Sie also für Systemrelevanz-Einschätzungen, liebe Leserinnen, nicht das Feuilleton und Ihre eigenen Klischees, fragen Sie im Zweifel immer die Märkte. Ob die Antwort ihren Wünschen entspricht, ist eine ganz andere Sache.
Sie können natürlich auch anfangen, in sich hineinzuhorchen und ihren Bedürfnissen nachzuspüren. Das ist im Fall von Hunger und Durst relativ leicht. Was ist da mit dem Verlust von Kultur: Verspüren Sie ein schmerzhaftes Sehnen? Leiden Sie etwa wie ein Hund?
Ich nicht, siehe oben. Was mir wirklich fehlt, sind z. B. Reisen, Restaurants. Nicht gerade schmerzhaft. Schmerzhaft ist Hammer auf Daumen. Aber ein leichtes Ziehen in der Brust mit angeschlossenem Seufzer, mehr so nach innen, ist da schon.
Soweit zu den wahren Maßverhältnissen in der Gesellschaft und zum groben Seuchen-Unfug „Kultur ist systemrelevant“.
Ich halte es mit Jean Paul:
„Kunst ist der Wein des Lebens.“
Aber wenn gerade mal kein Wein da ist, trinken wir halt Sekt.