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09.12.2020 – Der Flügelmann im ersten Glied


Es ist ausgeschildert! SCHUPPEN 68 Plakat zur Silke Arp Veranstaltung 1995. Das wollte ich denn doch noch gerne für die Ewigkeit in der Cloud archivieren. Alle Macht den Archivaren, sonst wird die Nachwelt Nichts erfahren!

Keine Tapete an der Wand, aber Marshall Boxen – SCHUPPEN 68 Geschäftsführer und Pedder Popstar bringen klassisches Liedgut zu Gehör

Der kunstsinnige BRD-Teil des Avantgarde-Publikums war erfreut, im Gegensatz zum Ostzonenmob. Die Spaltung zwischen Ost und West besteht immer noch. Arbeiten wir daran, sie zu vertiefen. Hier die letzte Strophe des Hymnus an die NVA:
Der Flügelmann im ersten Glied
Mit Stahlhelm und MPi
Als Melker der Genossenschaft
Betreute er das Vieh.
Gute Freunde, gute Freunde,
Gute Freunde in der Volksarmee.
Sie schützen unsre Heimat
Zu Land, zur Luft und auf der See,
Sie schützen unsre Heimat
Zu Land, zur Luft und auf der See.

08.12.2020 – Launig, apokalyptisch und handfest.


Auftritt des verdienten Künstlerkollektivs SCHUPPEN 68 bei „Silke Arp bricht“, Hannover, 1995, anlässlich des 46. Geburtstages der DDR. Silke Arp machte 1995 das, was heute Avantgarde ist, und war laut Zeit „ … die einzig wirklich großstädtische Lokalität, die es so auch durchaus in Berlin hätte geben können …“. Das Foto zeigt rechts unseren damaligen Hauptdarsteller, den Liebling der Massen Pedder Popstar, bei seiner Performance zur Rede Stalins über die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der damaligen SU. Das war genauso jenseits allen guten Geschmacks und aller Konventionen wie meine folgende Ode an Erich Mielke in Hexametern, und demzufolge flippte der Ostzonenmob, der sich in den Schuppen (sic!) verlaufen hatte, weil er eine Art rührseliger DDR-Nostalgie a la „Ein Kessel Buntes“ erwartet hatte, völlig aus und wollte uns von der Bühne prügeln.
Es war ein ganz, ganz großer Abend, ragend und unvergesslich in künstlerischer, gesellschaftlicher und menschlicher Bedeutung für alle Beteiligten und den Erdkreis. Es war durch Nichts mehr zu steigern. Demzufolge war nach diesem Abend vom verdienten Künstlerkollektiv SCHUPPEN 68 für die nächsten 12 Jahre Nichts mehr zu hören. Die damaligen SCHUPPEN Protagonist*innen gingen ihrer Wege: Ehe, Kinder, Kloster, Friedhof.
Ich schreibe das auch, damit Sie, liebe Leserinnen, eine diesem Blog innewohnende gewisse Radikalität nachvollziehen können. Wer derartige Auftritte wie den Geschilderten relativ unbeschadet durchgestanden hat, was sollte den noch erschüttern und was sollte ihn abhalten, den Dingen bis zur Wurzel (lat. Radix) auf den Grund zu gehen und die bestehenden Verhältnisse einer radikalen Kritik der Vernunft zu unterziehen?
Insofern wird es Sie nicht überraschen, dass ich Hier und Heute, an diesem Ort und aus gegebenem Anlass, meine Forderung nach einem brutalstmöglichen Lockdown wiederhole, drei Wochen Alle Zuhause, Kontrolle durch Einsatz der Bundeswehr, maximale Repression gegen Regelverletzer*innen, gerne Zwangspsychatrisierung von Verschwörungsspinnerinnen und Querdenker-Nazis, Zwangsimpfung, etc. pp. Das volle Programm.
Die Details entnehmen Sie bitte den Referentinnen-Entwürfen aus den Schubladen der zuständigen Ministerien, die dort der nächsten Mega-Pandemie harren, welche so sicher wie das Amen in der Kirche kommt.
Wir (auch so eine Unsitte, die Verwendung des Pluralis Majestatis. Wird überwiegend von Feuilleton-Schreiberlingen mit mangelhafter Ich-Stärke verwendet) haben mit Launigem angefangen, entfalteten im Mittelteil etwas Apokalypse und wollen mit Handfestem enden: dem Börsentipp der Woche. Die Sparquote in der BRD hat unter Corona Rekordhöhen erreicht, über 20 Prozent, zusätzliche 100 Mrd. Euro liegen Negativverzinst irgendwo rum. Nur bei uns (Ok, nicht bei Allen)! Und harren der Ausgabe in Postcorona-Zeiten. Konsum! Weltweit. Was liegt also näher als die Anschaffung eines Consumerbasierten, weltweit gestreuten ETF. Das wäre jetzt aber zynisch, höre ich da?
Thema der nächsten Vorlesung ist die Abgrenzung von Realität zu Wahn und Zynismus in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Paradigmenwechseln.

06.12.2020 – Weil man uns die Freiheit klaut


Verschwörungsspinner, irgendwo in Deutschland am Wochenende.
Ob die Zahl der Infizierten zurzeit nur stagniert oder grundsätzlich wieder zunimmt, wie heute, muss sich ebenso erweisen wie die Ursachen dafür. Das zu ergründen, ist kein Hexenwerk, sondern eine Frage von Verstand, Wissenschaft und Statistik.
Was die Leichen und die Toten angeht: Wir haben eine Übersterblichkeit von 5 Prozent seit Oktober, Tendenz steigend, die Intensivstationen kommen an ihre Kapazitätsgrenzen und in Pflegeheimen (Zitat) „wütet das Virus“. Mit der Konsequenz, dass die Todeszahlen absehbar deutlich steigen werden. Den Umgang mit den zu hohen Todesraten nennt Markus Söder zu Recht eine „ethische Kapitulation“. Unter den möglichen Kanzlerkandidat*innen aller Parteien ragt der Mann heraus wie ein Vintage-Port unter Eierlikören, um mal in der Abteilung Flaschen zu bleiben.
Ich schreibe das hier nicht, um gegen die Verschwörungsnazis zu argumentieren. Bei denen hilft nur Gummiknüppel, Wasserwerfer und die Hoffnung, dass denen tatsächlich jemand die Freiheit klaut – und den Schlüssel dafür irgendwo im Meer versenkt, ganz weit draußen. Aber wir leben ja in freiem Land. Was ich von Tag zu Tag mehr bereue.
Ich schreibe das hier zur Selbstvergewisserung, um Dinge für andere Diskussionen für mich auf den Punkt zu bringen. Es gibt ja unterhalb der Schwelle der Coronaleugner durchaus unterschiedliche diskussionswürdige Sichtweisen auf die Seuche: Die Verdränger (Mich trifft’s nicht und wenn, wird’s schon nicht so schlimm), die Verharmloser (Ja, Corona gibt es, ist aber harmloser als Grippe), die Freiheitsfetischisten (Es ist eine Seuche, aber die gefährlichere Seuche ist der Verlust gesellschaftlicher und meiner individuellen Freiheit) etc. pp. Es überrascht mich immer wieder, wer unter diese Rubriken fällt. Früher waren die Frontverläufe klar wie Doppelkorn: Da die Nazis, Rassisten und hier „Wir“ (wie auch immer ausdifferenziert), wobei man die „Anderen“ persönlich gar nicht kannte. Das ist heute anders, die Fronten sind unübersichtlich, verlaufen quer.
Was mich am meisten auf die Palme bringt, ist der fetischisierte, bürgerliche Freiheitsbegriff, der Freiheit zu einem absoluten Kampfbegriff stilisiert: „Weil man uns die Freiheit klaut“.
Freiheit zu was? Zum Kauf all des Mülls, den uns die Werbung ins Hirn prügelt? Jetzt auf den Kanaren eine Kreuzfahrt anzutreten?
Gegenfrage: Welche Freiheit hat der Obdachlose unter einer Brücke bei Minusgraden? Welche Reise-Freiheit hat die Migrantin im kaputten Schlauchboot vor Lanzarote?

Schnappschuss Lanzarote 2005. So ein Foto hat heute einen völlig anderen Subkontext ….
Einen fröhlichen 2. Advent wünsche ich allen Leserinnen.

04.12.2020 – Die beiden größten derzeit existierenden Seuchen


Die Hetzkampagne des Shampoo-industriellen Komplexes gegen den VEB Satirekombinat SCHUPPEN 68 nimmt langsam unerträgliche Formen an. Dahinter steckt die Echsenclique um Angela Merkel und Bill Gates mit ihrer Corona- Diktatur, die in jedes Shampoo Mikropartikel platzieren, die unser Bewusstsein verändern.
Ach, wenn es mal so wäre. Dann würde Weihnachten wieder zu dem, was es nie war: Eine heitere Zeit stiller Besinnlichkeit und Konzentration auf die wahren Dinge des Lebens statt auf die Waren Dinge. Solch ideologiekritische Dutzendware durchpfiff tatsächlich kurz meinen Shampoo-geschäumten Schädel, als mich die Bitte des Chefs vom Zentralorgan des hiesigen Kiezorgans Lindenspiegel um einen weihnachtlichen Text ereilte. Zum Fest der Liebe sollte selbst der gröbste Zyniker seine Giftspritze zügeln und Versöhnliches, Verbindendes von sich geben. Ich verband also die beiden größten derzeit existierenden Seuchen miteinander, Corona und die Kleinfamilie, und der Text ergab sich quasi von selbst:

Made in Linden. Diesen Zusatz hat der Herausgeber angefügt, wohl in der löblichen Absicht, sowohl dem Text als auch dem VEB Satirekombinat durch die Anmutung an das Qualitätssiegel „Made in Germany“ eben das zu verleihen, nämlich Qualität.
Was bei mir auf Missfallen stieß, ist doch das Letzte, was ich seit Jahrzehnten anstrebe, eine Verortung als Kiezkünstler. Ich kriege regelmäßig Hassanfälle, wenn die Medien mich einordnen als „Lindener Kiezkünstler“ oder ähnliches (das ist strukturell übertragbar auf z. B. Neukölln oder St. Pauli, um bekanntere Kieze zu nehmen).
Bin ich einer jener Alternativ-Schnarchsäcke, deren Horizont noch vor der eigenen Kiezmauer an der eigenen Mülltonne endet und die ihren Kiez seit Jahrzehnten für den Nabel der Welt halten, wo er doch lediglich ein Furunkel am Arsch des Weltgeschehens ist? Veränderungsunwillig bis zur Hirnlähmung ist der Alternativ-Schnarcksack in rotgrün nur das, was sein halbbrauner Antipode von Stammtisch ist: Ein Spießer. Wesensmerkmal des Spießers ist die Unfähigkeit zur Veränderung, dem Denken eine Richtungsänderung zu geben. Schöne Beispiele sind der asoziale Volksentscheid der Neuköllner Szenemafia gegen eine Teil-Wohnbebauung des Tempelhofer Feldes und das bei dem Wohnungsmangel n Berlin. Vergleichbar in Linden die Aktion einiger Hanswurste, die sich offensichtlich das Resthirn weggekifft hatten: Sie ketteten sich an ein paar Bäume, um deren Fällung zu verhindern im Rahmen eines Flutschutzprogramms des hiesigen Flusses, wodurch dann auch Nachbarstadteile geschützt sind.
Mein Freund, der Baum. Wer solche Freunde hat, braucht sich um den Klassenfeind nicht zu sorgen.
Heute ist das Areal übrigens ein richtiges kleines Park-Schmuckstück, in dem sich nicht nur die Jugend der Welt zu Müßiggang, Kunst und Drogengenuss versammelt.
Sie verstehen also meinen Grimm, liebe Leserinnen.

02.12.2020 – Bei der Stange halten


Gestern im Schaufenster.

Länger her, im richtigen Leben.
Ich muss meinen gerechneten Impftermin neu kalkulieren. Hatte ich unlängst die Iden des März dafür geschätzt, muss ich da wohl mehr Zeit kalkulieren. Ich hatte schlicht nicht berücksichtigt, dass vermutlich zwei Impfungen im Abstand von 21 Tagen notwendig werden. Und wo wir schon beim Kalkulieren sind: Falls Sie meinen Börsentipps gefolgt sind und sich mit Astrazeneca, Biontech und Moderna eingedeckt haben, haben Sie innerhalb einer Woche ca. 50 Prozent Gewinn gemacht, wenn Sie Stand 02.12, 9.40 Uhr verkauft haben. Karl Marx hätte bei solchen Margen den Teil im „Kapital“ neu geschrieben, in dem es um das Verhalten des Kapitals in Abhängigkeit vom Gewinnrisiko geht.
Falls Sie dabei schlechtes Gewissen haben, spenden Sie den Gewinn oder die Hälfte davon. Das beruhigt ungemein, so wie das Kompensieren in Ökoprojekte nach dem Flug in den Urlaub.
Mein Börsengewinn-Spenden-Tipp: Projekte des jüdischen Nationalfonds. Der Staat Israel wird permanent von faschistischen Terrororganisationen wie der Hamas und einem bar jeder zivilisatorischen Standards agierenden Mullahregime im Iran in seiner Existenz bedroht, da ist jedes Projekt ein Leuchtturm in einer Wüste voll Finsternis um Israel herum.
So eine Spende hätte auch Kollateraleffekte. Für Feinschmeckerinnen der Ironie entfalte ich das mal kurz: Antisemitische Ressentiments sind unter anderem „Die Finanzwelt wird von Juden beherrscht, siehe Rothschild, Soros etc., und die Juden wollen nur unser Geld.“
Voila, das kriegen sie auch! Und zwar durch unsere Spenden. Und woher kommen die? Aus der Finanzwelt!
So überfliegen wir mit einem feinen Lächeln die Ebene der Argumente gegen Antisemiten wie „Das stimmt nicht mit der Finanzwelt, Fakt ist: Es gibt viel mehr katholische Banker als jüdische etc. pp… „ , denn dafür sind Nazis nicht zugänglich, es macht keinen Sinn, mit ihnen zu argumentieren.
Was also bleibt, ist die Sorge um die eigene Psychohygiene und für die ist mit dieser Ironie für Feinschmeckerinnen gut gesorgt.
Ein zusätzliches Argument ist die Tatsache, dass bei diesem Vorgehen jenen Antisemiten, die sich links nennen, es aber nicht sind, weil links sein schließt Antisemitismus aus, vermutlich die Aorta vor Wut platzt.
Ich wünsche allen geneigten Leserinnen eine fröhliche Jahresendzeit. Ich werde auch weiterhin versuchen, Sie mit Scherz, Ironie, Satire und tieferer Bedeutung bei der Stange zu halten. Aber natürlich auch mit Flachwitzen.
Wie eben.
Warnhinweis Packungsbeilage: Nehmen Sie die Börsentipps um Marxens Willen nicht zu ernst. Wenn Sie keine Ahnung vom Funktionieren von Finanzmärkten haben, lassen Sie die Finger von sowas, versaufen Sie das Geld lieber und bringen in 20 Jahren die Pfandflaschgen weg. Da haben Sie mehr von. Wenn zum Beispiel in naher Zukunft jemand mit einem antiviralen Wirkstoff, also der Pille danach, um die Ecke kommt, können Sie mit den ganzen Impfaktien ein Lagerfeuer machen. Ich schreibe das, weil die Erfahrung lehrt, dass bei Gier der Verstand mitunter aussetzt

01.12.2020 – Das Corona-Dilemma.


Weingut irgendwo in Portugal. Untertitel: Schwestern zur Sonne, zur Freiheit. Wie gehen wir in Zeiten von Corona mit Freiheit um? Die Frage kann in einem ethischen Dilemma landen. Dieses Dilemma bringt der geschätzte Kollege Marc Beinsen vom Impro-Theater Improkokken in seinem Gedicht auf den Punkt.

Das Corona – Dilemma

`Querdenker´ sind Idioten,
Mit wilden Nazis in den Reihen,
Wollen Verschwörungen promoten
Und eine Diktatur beschreien.

Man kann sich nur die Haare raufen,
`Reichsbürger´ laufen mit,
Bilden mit der AFD den Haufen,
Auf Corona – Demos Schritt an Schritt.

Eine Dame Jana kommt aus Kassel,
Meint, sie wäre Sophie Scholl.
Was für ein geistiger Schlamassel,
Zeigt Verblendung jammervoll.

Was aber soll der Mensch nur machen,
Den auch Zweifel arg beschleichen,
Ob wir Unglück nicht politisch selbst entfachen,
Mit Berufsverboten, `Abstand´, Masken und dergleichen?

Mit den vorn genannten Leuten
Kann dieser nicht gemeinsam schreiten.
Das muss dann wohl für ihn bedeuten:
Allein um´s Überleben kämpfen – fighten.

Marc Beinsen, 29.11.2020

Sie können DIE IMPROKOKKEN für Kulturveranstaltungen, Firmenfeiern, Tagungen, Hochzeiten, Geburtstage oder Ihr Straßenfest (und und und) buchen. Anfrage unter info@improkokken.de .
Im Jahr der ausgefallenen Weihnachtsfeiern, Verbands-Jubiläen, Betriebsfeiern etc. ist es an der Zeit, an ein Seuchen-Danach zu denken und mit einer grandiosen analogen Feier den Teamspirit zu stärken, die Corporate Identity weiter zu entwickeln und neue Wege zu gehen. Wie wäre es mit einer Sommerparty im Freien unter dem Motto: Welcome, Anna Log! Oder so ähnlich.
Und dafür fragen Sie jetzt gleich Marc Beinsen und die Improkokken an – bevor es wer anders macht.
Mich brauchen Sie nicht zu fragen. Das kann sich außer Amazon, Apple und Google keine leisten.

29.11.2020 – Börsentipps für Anfänger


Stammtisch Stillleben mit Brauneberger Juffer, Spätlese 1985. In jenen Zeiten gab es noch flächendeckend Stammtische, die je nach Stand und Einkommen von Bier, Korn und Stuyvesant oder Spätlese und Handelsgold flankiert wurden. Die Nazis der Nation erbrachen ihren geistigen Unrat im Brodem der Kneipen am runden Tisch und den Rest später vor der Tür. Das ganze Setting war ein überaus erfolgreicher nationaler Identitätsstifter und demzufolge kam die Politik auf die famose Idee, den Runden Tisch als Politikinstrument zu initialisieren und die Lufthoheit über die Stammtische erlangen zu wollen, also Nazi-kompatibel zu werden. Was für Folgen das hatte, kann man anhand der Annexion der Ostzone besichtigen, für die der Runde Tisch größere Symbolkraft erlangte als das Brandenburger Tor. Und an der Freiluft-Fortsetzung des Stammtischs, den Verquerdenker-Demos, die im Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei-Geist des Turnvater Jahn agieren, der nebenberuflich noch notorischer Antisemit war: Hauptsache an der frischen Luft, in Bewegung und geistigen Unrat absondern. Da wünscht man sich den klassischen Stammtisch zurück, da hatte man das Elend wenigstens nicht direkt vor Augen, und deren Insassen verhielten sich ja extrem lebensverkürzend mit ihrem Alkohol- und Tabak-Abusus, anders als die Frischluft-Nazis. Der Einzige, der auf deren Demos Alkohol verklappt, bin ich mit meinem Flachmann, wenn ich da als Beobachter des Völkischen unterwegs bin.
Obiger Brauneberger Juffer war, obzwar eine der großen Lagen an der Mosel, eine Enttäuschung. Günstige Umstände spülten ihn in meinen Keller und da ein 85er durchaus noch convenieren kann, entkorkte ich ihn frohen Mutes. Aber ach, die Zeiten und der Geschmack ändern sich: eine eher süßliche Angelegenheit mit flacher Säure. Ich verarbeitete ihn zu einer Gemüsebrühe, die ich unter anderem als Basis für eine Linsensalat-Vinaigrette nutzte. Jetzt fange ich in Corona-Zeiten auch noch an, den Maître de Cuisine raushängen zu lassen. Bei mir stellte sich ein Soßenfeeling ein: ich fühlte mich reduziert. Das kann doch nicht Sinn und Ziel menschlicher Existenz sein: Am Herd stehen und rumköcheln. Rum köcheln vielleicht, aber nicht rumköcheln. Corona, verflucht seist Du. Man schnurrt in diesen Zeiten irgendwie zusammen und das Schlimmste daran: Es nervt kaum. Der Mensch richtet sich in so viel ein und redet sich auch den ödesten Zustand noch nett, siehe Erwerbsarbeit, Ehe, Kapitalismus, Sossenreduzieren. Bevor es hier noch platter wird, wieder handfestes: Börsentipps für Anfänger. Kaufen Sie jetzt Aktien, deren Geschäftsmodel Internetbasiert ist, wie Zalando, Hellofresh, Zoom. Am Horizont bahnt sich nach Weihnachten ein heftiger Lockdown an, wenn die Millionen Fammilljenbandenmitglieder postfestlich die Seuche in der ganzen BRD verbreitet haben werden und die Fallzahlen explodieren. Dann gehen die Aktien für Internetgedöns durch die Decke.
Das wäre aber unethisches Handeln, werfen Sie, liebe Leserin, jetzt ein? I bitt Sie, das Herz schlägt links und das Portemonnaie sitzt rechts. Und in wie vielen rechtschaffen-grün-alternaiven Haushalten wurde in letzter Zeit nicht Stoß geseufzt: „Jetzt verdien ich schon ganz ordentlich, dann noch letztes Jahr die Erbschaft von Onkel Friedrich – und jetzt kann man das Geld gar nicht ausgeben für Urlaube, Städtetouren, Restaurants etc., irgendwo muss der Zaster doch hin?“
40 Prozent aller Haushalte haben Schulden, nix oder Rücklagen für weniger als ein paar Tage. Heißt aber auch: 60 Prozent geht’s ganz bis sehr gut. Das sind die Mehreren, und das ist das Geschäftsmodell Demokratie.
Ich geh jetzt wieder in die Küche, kochen ….

26.11.2020 – Mein Anlage-Tipp der Woche: AstraZeneca, Biontech oder Moderna?


Nachtrag für das Archiv, vom aktuellen Karnevalsbeginn, 11.11, 11.11 Uhr, ich mit Pappnase und Hell au Maske vor dem hannöverschen Klärwerk, woselbst ich erst ein Confett (Singular von Confetti) und dann mich selbst zerstreute. Conetti stammt vom Partizip Perfekt des Substantivs confectum ab, ergo con-ficere, was nichts weiter heißt als: „fertig machen“ und den Nagel auf den Kopf des Kerns vom Karneval mitten ins Schwarze trifft. Ich halte Karneval für einen umfassenden Angriff der Vollidiotie auf die Zivilisation.
Von einer Seuche zur nächsten:
Wie hältst Du’s mit der Impfung? Das kristallisiert sich als zentrale Frage heraus, wenn wir das Desaster der Infektionsexplosionen nach Weihnachten hinter uns haben werden.
Ich werde mich natürlich impfen lassen und halte grundsätzlich Impfverweigernde für mindestens gefährlich (Beispiel: Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen, ist kriminell, von anderen Seuchen ganz zu schweigen). Aber ebenso natürlich setze ich mich auch mit einer Risiko-Nutzen-Kalkulation des aktuellen Impfgeschehens auseinander. Ich setze die möglichen Risiken einer Impfung in Relation zu dem Nutzen, den sie mir bringt, und, noch wichtiger: Ich setze sie in Relation zu den Risiken meines Restlebens. Der unmittelbare Nutzen liegt auf der Hand: Reisen, Berlin Homebase, Restaurant-Besuche, soziale Kontakte, all das wird drastisch Risikogemindert für mich und meine Umwelt möglich und steigert die Lebensqualität beträchtlich. Das Risiko sind Impffolgeschäden.
Und jetzt wird es etwas komplizierter. Grundsätzlich halte ich das Risiko für geringer als z. B. in Berlin Rad zu fahren oder in meiner Homebase in Hannover Luft zu holen. Das ist bei 25.000 Autos am Tag vor der Tür lebensverkürzender als eine Corona Impfung, gehört aber zu den allgemeinen Lebensrisiken dazu wie die Folgen von Rauchen, Alkohol, Drogen, Essen. Autofahren, Urlaub machen etc. pp. Nach meiner Kenntnis sind im Moment drei nennenswerte Firmen am Start: AstraZeneca, Biontech und Moderna. Der Stoff von AstraZeneca ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, dessen Prinzip seit Jahrzehnten erprobt ist. Biontech und Moderna verwenden das mRNA Prinzip, bei dem ein Teil des Virus-Erbgutes in Zellen geschleust wird und diese veranlasst, einen Impfschutz gegen die Viren aufzubauen.
Das ist neu, und in der Praxis, heißt millionenfach über Jahre, nicht erprobt. Die Frage ist nicht unberechtigt: Zu was können die Zellen unter Umständen noch veranlasst werden? Zu unkontrolliertem Wachstum, ev. nach Jahren?
Wenn man sich den Stoff aussuchen kann, würde ich AstraZeneca nehmen. Falls Sie, liebe Leserinnen, unsicher sind, bedenken Sie zweierlei: 1. Ich bin kompletter Laie auf diesem Gebiet und das hier ist eine völlig subjektive Risiko-Nutzen-Kalkulation. 2. Kein Laie hingegen bin ich auf dem Gebiet „Das Kapital und seine Funktionsweise“ und, in Folge, auf dem Gebiet „Kapitalmarkt“, sprich Aktienhandel. Schauen Sie einfach auf die Börsenkurse der genannten Firmen und beobachten Sie deren Verlauf: AstraZeneca, Biontech und Moderna.
Der Markt hat immer recht.
Sieht man von ethischen Kategorien ab. Wenn Sie die berücksichtigen wollen, investieren Sie bei sowas wie ÖkoWorld Rock ‘n‘ Roll Fonds. Das ist ein Risikogestreuter ETF, der unter Einhaltung ethisch- ökologischer Kriterien investiert.
Und ein echt geiler Name für einen Fonds, da ist alles drin, was das grüne Herz der letzten Jahrzehnte begehrt.

24.11.2020 – Und wann ist Ihr Impftermin?


Widerstandsfähig. Dipladenie Ende November Veranda. Normalerweise kacken diese Exoten schon bei 5 Grad ab, scheinen sich aber den hiesigen Verhältnissen anzupassen und sind so immer noch in trüben Tagen ein Lichtblick. Derweil ich meinem Impftermin kalkuliere, was eine Gleichung ohne allzu viele Unbekannte ist. Was wissen wir? Ca. 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sind impfwillig, die Unbekannte dabei: Wie viele warten erstmal ab? Nehmen wir mal an, das sind 10 Prozent, dann sind wir bei ca. 55 Millionen Impfwilligen, sehr grob kalkuliert. Ich bin ja für Impfpflicht, aber auf mich hört wie immer keine.
In der ersten Welle kommen relevante Gruppen dran, wie medizinisches Personal, Risikogruppen, Alte (was sich oft überlagert). Ü 65 sind 18 Millionen, relevante Gruppen ca. 2 Millionen, schwierig wird die Quantifizierung bei Risikogruppen, da fast die Hälfte der Bevölkerung z. B an Bluthochdruck leidet. Da die Definition von Risiko immer eine gesellschaftliche ist und Interessen unterliegt, siehe z. B. Cholesterin-Hysterie, weil damit Milliarden zu verdienen sind, kann uns das ganze Risikokonstrukt unter Corona-Bedingungen ganz schön auf die Füße fallen, und mir meine Gleichung verhageln.
Nehmen wir, um weiterzukommen, als Risikogruppen nochmal 15 Millionen hinzu: Unter Berücksichtigung des Überlagerungsfaktors landen wir bei ca. 45 Millionen in der ersten Welle, minus Impfunwillige: 40 Millionen. Hört sich gigantisch an.
Ist es aber nicht. Bei Grippeimpfungen werden innerhalb weniger Wochen 20 Millionen verimpft, ohne größere Probleme und zum großen Teil auf Basis der klassischen Infrastruktur „Hausarzt“. Wenn die Infrastruktur jetzt um hunderte zusätzlicher Impfzentren erweitert wird, dann ist eine Durchimpfung keine Frage von Monaten, sondern eher Wochen. Nach meiner Kalkulation – was aber, und hier muss ich allen Leserinnen einen bitteren Wermutstropfen in den süßen Wein der Hoffnung kippen, wenig bis Nichts sagt. Mich überfordert schon eine Gleichung mit keiner Unbekannten und einer Kalkulation, die ich aufstelle, sollte jede mit gleichem Misstrauen begegnen wie den Prognosen von Wirtschaftsweisen etc. pp.: Taucht alles für die Tonne. Konservative Kalkulationen sehen da ganz anders aus.
Nichtsdestotrotz: Sollten die Impfungen schon in diesem Jahr beginnen, liegt mein gerechneter Termin in den Iden des März. Nach einer Impfung dauert es bis ca. 14 Tage, bis der Körper den Schutz aufbaut. Also liegt mein gerechneter Abflugtermin in den Süden exakt auf dem 1. April.
Das macht mich jetzt irgendwie stutzig ….

23.11.2020 – Man kann ja nie wissen


Grab Kurt Schwitters, Engesohder Friedhof Hannover.
Bei der Corona Demo am Wochenende in Hannover hat eine selbst ernannte Sophie Scholl mit ihrem Verhalten erhellendes zu Charakter und Mentalität der Verschwörungsspinner beigetragen. Hier das Video ihres Auftritts und der genialen Intervention eines Genossen, die sogar bei Bild lobend kommentiert wird.
Das Verhalten der jungen Dame ist gekennzeichnet durch Größenwahn, Paranoia, Infantilität, Selbstmitleid (Vergleich mit Sophie Scholl, Parallelen Deutschland 2020 zu Drittes Reich 1943, nach Intervention Mikro wegwerfen und anfangen zu heulen). Das Ganze erinnert an Donald Trump und dürfte von der Charakterstruktur her für einen großen Teil des bürgerlichen Flügels der Corona-Idioten stehen. Es sind ja bei weitem nicht alles Hardcore Faschisten, die da mitmarschieren. Interessant ist die Schnittstelle, da wo der Bürger in den Faschisten übergeht, also welche Mentalitäten entwickeln sich im werdenden Faschisten zusätzlich zu den oben geschilderten: Männlichkeitswahn gepaart mit Gewaltverherrlichung auf Basis von stählern-gepanzertem Körperkult als Religionsersatz, autoritärer Charakter und Unterwerfung unter das Führerprinzip, die jederzeit auf Basis von Hass in mörderische Aggression gegen alles Andersartige umschlagen kann. Der Krieg als Vater aller Dinge und der Körper (jener in Rausch und Extase entgrenzte) als Feind, auch der eigene, daher der massive Schwulenhass, zur Abwehr der eigenen Homosexualität, siehe auch Islamisten oder Fußballfans. Natürlich bin ich nicht der Meinung, dass die alle wegen psychischer Defizite in Selbsthilfegruppen oder auf die Couch gehören, wir sind ja hier nicht auf einem Grünen-Parteitag. Die gehören alle nach Bergkarabach zum Minenräumen zu Fuß, da kriegt der Begriff Springerstiefel dann völlig neue Dimensionen, aber um das aktuelle Geschehen zu begreifen, ist es mitunter ganz sinnvoll, Dinge auf den Begriff zu bringen und Differenzen heraus zu meißeln. Insofern ist einerseits lobenswert, dass sich eine AfD-Verbots-Diskussion bis in Parteien hinein entwickelt, aber zu beklagen, dass das wieder ohne ausreichende Analyse und Begrifflichkeit geschieht. Ein derartiges Verbot mit NPD-Nähe oder Demokratiefeindlichkeit zu begründen reicht nicht. Es geht hier vor dem oben skizzierten Massencharakter um das Ausgreifen von Faschismus in die Mitte der Gesellschaft.
Wenn das so benannt ist, wird man auch erkennen müssen, welche Strukturen der real existierenden bürgerlichen Gesellschaft Faschismuskompatibel sind und wo die aufgebrochen werden müssen. Beispiele: eine nach wie vor in Teilen korporative, hierarchische Wirtschaftsorganisation; das sich in gesellschaftlichen Funktionshierarchien widerspiegelnde und wachsende Elitenbewusstsein; Expansionsbestrebungen nicht nur auf Basis von ökonomischem Imperialismus sondern zunehmend militärischer Art etc. pp.
Wohin die Reise gehen kann, haben „wir“ in den USA gesehen, die uns ja in allem 20 Jahre voraus sind, und kann aktuell in Ungarn besichtigt werden. Da ist es nur noch wenige Schritte vom Spanien zu Francos Zeiten entfernt, wo es sicher keinen lupenreinen Faschismus wie bei Mussolini gab, sondern eher einen vorbürgerlich-autoritären Ständestaat nach dem Führerprinzip. Deswegen erfolgte ja auch der Übergang konsequenterweise zur Monarchie und ohne Blutvergießen.
Und hier kriege ich endlich die Kurve zum Persönlichen, denn Francos Guardia Civil holte mich Anfang der 70er irgendwo auf Ibiza beim Nacktbaden nachts aus dem Wasser, mit vorgehaltener MP. Insofern bin auch ich Widerstandskämpfer.
Wenn ich’s mir aussuchen könnte aber lieber in der Tradition von Werner Seelenbinder. In der nach ihm benannten Halle in Ostberlin habe ich 1991 UB 40 gehört. Glaube ich jedenfalls. Es ist lange her und das Grass wuchs hoch damals.
1992 wurde die Halle abgerissen. Deutsche Vergangenheitsbewältigung.