
Plakat zu Kunstaustellung in der Frankfurter Schirn. In die Ausstellung bin ich nur wegen des Zitates von Groucho Marx gegangen. Eine Ausstellung, die den Meister zitiert, kann nicht ganz schlecht sein. War sie auch nicht, aber richtig gut war sie auch nicht. Dieser schräge Spruch ist eine passgenaue Überleitung zu meinem Lieblingszitat des Tages. Dass die dümmsten Würste der Welt rund um den Fußball versammelt sind, ist bekannt. Aber mitunter übertrifft sich die Wurstversammlung selbst, hier in Form des DFB, Dümmster Fußball Bund, bei dem ich mich eh frage, wieso der noch nicht verboten ist. Der Dümmste Fußballbund zitiert eine Spielerin wie folgt über ein niemanden interessierendes Getrete gegen eine Lederkugel in einer Veranstaltung namens „Flyeralarm Frauen Bundesliga“ (heisst wirklich so, könnte ich mir niemals ausdenken):
„Mein Tor zum 1:0 war dann der Dosenöffner, der den Knoten zum Platzen gebracht hat. Danach haben wir uns deutlich leichter getan und konnten schnell den Deckel drauf machen.“
Als ob der Dosenöffner allein nicht schon schrecklich genug wäre, muss er auch noch platzende Knoten zum Deckel machen.
Das einzig Positive an diesem Lederbasierten Dosenöffnerknotendeckel ist die Tatsache, dass er mittlerweile alle sein Anhänger erbarmungslos der Lächerlichkeit anheim gibt und es zu hoffen bleibt, dass sie es nicht merken, damit ich weiter meinen Spaß habe.
Ich habe mal die Google-Angabe 17 Tage und sechs Stunden nachgerechnet, die ich angeblich zu Fuß von Berlin nach Corfu brauche. Das wären ca. 130 Kilometer am Tag. Kann man schaffen, wenn man 24 Stunden am Tag marschiert. Wie gesagt, ich halte Sie auf dem Laufenden. Und wo wir schon beim Rechnen sind: Deutschland nimmt 1553 Flüchtlinge auf. In der ursprünglichen Referentinnen-Vorlage stand noch: 1553,75.
Manchmal sagt eine Zahl mehr als tausend Worte.
Wort zum Mittwoch, gelobt sei der Name der Frau.
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15.09.2020 – Lauter Neger

Sonnenblumen „Goldener Neger“. Ist unter dem Namen immer noch im Handel, trotz Black Lives Matter. Und trotz meiner machtvollen Intervention von 2017. Das Thema hatte ich im letzten Sommer schon mal „revitalisiert“. Hatte ich nicht mehr auf dem Schirm, was zu einer Grundproblematik dieses Blogs führt: Bei meinem Hang zur Geschwätzigkeit dürfte ich viele Themen schon mehrfach durch – und wiedergekäut haben. Da ich aber für diesen Blog nicht bezahlt werde, ist mir das Wurst (Ein Thema, was ich auch schon mehrfach etc. pp.). Allerdings kriege ich in letzter Zeit häufiger Anfragen, ob ich Werbung in meinem Blog platzieren möchte. Ab einem bestimmten Google Homepage Ranking ist man für Werbetreibende mit seinem Blog interessant. Seit Corona haben die Zugriffe auf meinen Blog um ca. 40 Prozent zugenommen, also ist er für Werbetreibende wohl von Interesse. Ist mir persönlich Wurst, das fehlte gerade noch. Warum sich die Zugriffe erhöht haben, weiß ich nicht. Ob in Corona-Zeiten die Suche nach Einordnung und/oder Unterhaltung steigt? Hm.
Im Fall des Goldenen Negers vermutlich nicht. Die Sache ist klar und irgendwie auch ermüdend. Es ist so viel Dummheit, Niedertracht und Rohheit in der Welt, dass man sein Ränzel schnüren möchte und einfach abhauen, weg. Aber wie? Flieger ist no go. Zug ist anstrengend, mit dem Radl nach Corfu? Ungedopt? Bleibt noch zu Fuß unterwegs, wie die Hauptfigur aus Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“, einer Absage an das in der Romantik immer klarer konturierte Zeitalter des Kapitalismus mit Erwerbsarbeit als Fetisch. Google maps gibt für den Fußmarsch nach Corfu 17 Tage und 6 Stunden an.
Ich halte Sie auf dem Laufenden…
12.09.2020 – Anlässlich der Corona-Demo am 12.09 in Hannover outet sich Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel als Echse

Anlässlich der Corona-Demo am 12.09 in Hannover outet sich Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel als Echse und verteilt als Echse in der City von Hannover Produkte aus dem SCHUPPEN 68 Angebot für Corona Demonstrationen. Diese Weltsensation wird ermöglicht durch enge Beziehungen des Künstler-Netzwerks SCHUPPEN 68 zu den globalen Eliten, die als Reptiloiden, als Echsen die Welt beherrschen. Klaus-Dieter Gleitze, SCHUPPEN 68, betont:
„Eine klassische Verschwörungstheorie lautet: Wir werden von Reptiloiden beherrscht, die Eliten sind in Wahrheit Echsen, regieren und versklaven uns. Echsen sind danach u. a. Bill Gates, Hillary Clinton oder Angela Merkel. Da wir als derzeit größte lebende Satiriker der Welt selber der Elite angehören, ist es uns gelungen, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu bewegen, sich anlässlich der Corona-Demo am 12.09 in Hannover als Echse zu outen! Die Merkel-Raute ist ein Geheimzeichen, es symbolisiert die Schuppen von Echsen und signalisiert den Eingeweihten: „Ich bin eine Echse!“
Echse alias Angela Merkel verteilt – natürlich mit Maske und Coronasensibel – in der City von Hannover am Samstag Produkte aus dem SCHUPPEN 68 Angebot für Corona Demonstrationen wie das Kanzlerin-Modell „Echse“, Heilsteine oder den Anti-Chemtrail Spray „Chemtrail Ex“, solange der Vorrat reicht. Danach lässt der SCHUPPEN 68 direkt über der Corona-Demo Hirn vom Himmel regnen. Für die Jugend kommt Echstasy zur Verteilung, für den Herren gibt es das Corona-Bier „Echs und Hopp“ und für die Damen SEchsy Dessous.
Klaus-Dieter Gleitze unterstreicht als echsellenter Kenner der Welt des Wahns, des Irrsinns und der Hirngespinste:
„Verschwörungstheoretiker, Corona-Leugner und Menschen, die daran glauben, dass wir von Echsen beherrscht werden, die Erde eine Scheibe ist und Hillary Clinton das Blut von kleinen Kindern trinkt, haben der Zivilgesellschaft den Konsens aufgekündigt. In einer Querfront mit Nazis legen sie die Axt an die Wurzeln der Demokratie. Die Frage ist, wie geht der Staat und die Zivilgesellschaft mit Gruppen um, mit denen ein demokratischer Diskurs auf Grundlage von Ratio, Argument und Vernunft in der Tradition der Aufklärung nicht mehr möglich ist. Für Kulturschaffende ist eine Möglichkeit, Gegennarrative zum Irrsinn der Verschwörungstheoretiker zu konstruieren, Bilder zu schaffen, die eine andere Perspektive aufmachen… “
11.09.2020 – Wer sich in zeitgenössischen Verschwörungstheorien auskennt, ist im Vorteil

Angela Merkel als Echse – wer sich in zeitgenössischen Verschwörungstheorien auskennt, ist bei der Suche nach dem „Was soll das Ganze?“ im Vorteil. Zitat Wikipedia:
“ …. Eine Verschwörungstheorie des britischen Rechtsesoterikers David Icke geht davon aus, dass reptilienartige Außerirdische aus dem Sternbild des Drachen und deren Nachkommen menschliches Aussehen annehmen können und die Politik kontrollieren. Dazu würden sie menschliches Blut benötigen, wodurch sich Berichte über Vampirismus und über massenhaften rituellen Missbrauch von Kindern erklären würden. Laut Icke sind die ranghöchsten Politiker Reptiloide oder von diesen beeinflusst. Ihr Ziel sei die Neue Weltordnung. Nach Ickes Überzeugung sind viele „Mächtige“ und einflussreiche Personen reptiloide Wesen und Teil einer geheimen pyramidenartigen Organisationsstruktur, an deren Spitze eine Vereinigung namens „Babylonian Brotherhood“ stehe. Mitglieder der englischen Königsfamilie (insbesondere Königin Elisabeth II.), William J. Jefferson, Bill Clinton, Hillary Clinton, Barack Obama, George H. W. Bush und George W. Bush sollen dazugehören. Sumerische Könige und ägyptische Pharaonen seien ebenfalls Reptiloide gewesen….Im Sommer 2019 erklärte der verschwörungstheoretische YouTube-Kanal NWOFakten den Tremor, den die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholt bei offiziellen Anlässen erlitten hatte, damit, dass das Abspielen der Nationalhymne die „Frequenz“ gestört hätte, mit der reptiloide Außerirdische sie fernsteuern würden…“
Waren es früher belächelte Einzelirre, die an soetwas glaubten, ist das heutzutage einen nennenswerte Masse, die immer größer wird und mit der sich Medien, Wissenschaft, Politik und ich (!) ernsthaft auseinandersetzen müßen, weil sie den demokratischen Konsens bedroht, Seit an Seit mit Nazis.
In was für Zeiten leben wir…
09.09.2020 – Wer oder was ist das und was hat das zu bedeuten?
06.09.2020 – We can be heroes just for one day

Wursthelden (Frankfurt Hauptbahnhof). Als ich das sah, musste ich lachen. Ich dachte an den Song „Heroes“ von David Bowie und das der auch das Lebensgefühl der Coronaidioten auf ihren Demos beschreibt, nur dass es sich bei ihnen um Wursthelden handelt.
Als identitätsstiftendes Moment in diesem Helden-Sinne darf man solche Demos überhaupt nicht unterschätzen. Wer einmal in der alten BRD im Bonner Hofgarten mit Hunderttausenden demonstriert hat oder später auf der Straße des 17. Juni, im Wissen, dass er oder sie Teil eines zeitgeschichtlichen Momentes ist, eingebettet in das wärmende Gefühl von Solidarität, wird das nie vergessen (gilt natürlich auch für Anti-AKW Demos, da kann ich aber nix zu sagen, war nicht mein Ding). Für Ideologiebildung und nachhaltiges politisches Handeln – nicht zu verwechseln mit linkem Kneipenstammtisch-Blabla – sind solche Momente prägender als die Lektüre aller bleiern-theoretischer Literatur. Diese Prägung gilt natürlich auch für Klappsköpfe und Nazis und ich möchte nicht wissen, wie viele verwirrte Seelen auf der Demo neulich in Berlin – und demnächst auch bei Ihnen – da psychischen Kraftstoff getankt haben für einen Amoklauf gegen eine Synagoge, in dem erhabenen Gefühl, hero just für one day zu sein. Da kriegt die Zeile des Songs
„We can beat them, for ever and ever“
eine gruselige Konnotation. Oh, ihr armen Wursthelden da draußen, mich dauert Euer krankes Wesen. Lasst Euch doch von Mothers Little Helper Sister Diazepam, Lorazepam und Nitrazepam in seligen Dauerdämmer hüllen. Und geht mir und dem Rest der Aufklärung nicht so unsäglich auf den Sack.
Ok, das war jetzt sehr naiv und ist nur der Tatsache geschuldet, dass ich einen Haufen Arbeit auf dem Schreibtisch vor mir habe und das Angehen solange wie möglich rauszögern will durch Absonderung folgenlosen Geschreibsels. Vorher will ich unbedingt noch Bilder aus Frankfurt wie dieses in der Cloud speichern.

Main mit Gondel und Blick auf Bankenviertel rund um den Gallus. Eigenartig melancholische Poesie liegt in dem Bild. Was für eine Verdrängungskraft liegt darin, der zerstörerischen Wucht der Bankenwelt das „O sole mio“ in einem venezianischen Gondelnachbau entgegen zu halten. Augen zu und durch, weg, bloß weg von hier?
Einen krasseren Gegensatz als zwischen dem Bankenviertel und der paar hundert Meter entfernten Kaiserstr. am Bahnhof kenne ich kaum. Hier die nach Feierabend in Designer-Anzügen vor Nobelbars Cocktails schlürfenden alerten Jungbanker und dort hagere Drogensüchtige, nach dem Schuss auf der Straße zusammengesunken, flankiert von Prostituierten, oft minderjährig und in der Mehrzahl migrantischen Ursprungs. Kaiserstr. ist mindestens eine Nummer härter als Hermannplatz Neukölln.
Ob die vor den Bars sich mitunter Gedanken darüber machen, dass ihre Arbeit, ihr Handeln mitursächlich verantwortlich ist für das langsame Sterben der anderen, ein paar Meter weiter?
Auf dem Bahnhof fluchte ich, weil der Zug 10 Minuten Verspätung hatte. Ich war platt, der Tag war anstrengend, es war heiß, ich schwitzte wie ein Sumo-Ringer in der Sauna.
Reisen um des Reisens willen? Der Weg ist das Ziel? Die Poesie des Unterwegs-Seins? Drauf geschissen, ich wollte nur nach Hause, unter die Dusche. Ein verlorener Tag, dachte ich später im klimagekühlten Zug. Heute weiß ich, dass der Gedanke dumm war. Tage wie diese hinterlassen etwas im Bewusstsein und wenn es das bescheuerte Bild einer Gondel vor Wolkenkratzern ist.
03.09.2020 – Hohnsymphonie

Berlin, Boxhagener Platz. Mitten im Epizentrum der Disneyland-Partyzone Friedrichshain am „Boxi“ existiert immer noch diese randständige Widerstands-Insel , immer militant und radikal gegen Staat und Kapital. Die etwas schlicht gewirkten Entscheider*innen in Berlin wollen sowas natürlich räumen, platt machen, umwandeln in Eigentumswohnungen etc. Kreative Wirtschaftsförderer sehen auch solche Zonen als Inkubatoren und Experimentierfeld für neue Formen der Stadtentwicklung, des Wirtschaftens, der Kunst, von nichtplanbaren Lebensformen, die letztlich das Überleben des Prinzips „Metropole“ sichern. Und natürlich als Attraktor für Touris.
Und das mit dem Linksradikalen, das wächst sich auch im Laufe der Jahre aus, irgendwann machen die Pfiffigen von denen Karrieren in Stadtverwaltungen, Unternehmen und Politik, es wäre nicht der erste Steinewerfer von da, der Außenminister würde. Der traurige Rest endet als Alki, Drogi oder auf der Straße.
Für diejenigen, die tatsächlich den Traum vom anderen, solidarischen, kollektiven Leben und Arbeiten in der Stadt realisieren können, freut es mich umso mehr. Das war auch der einzige Grund, warum ich nach Jahren mal wieder in Friedrichshain, vulgo Fuckhain, abhing: zu gucken, ob diese Insel des Widerstandes noch existiert. Als Nebeneffekt fand ich den gerade stattfindenden Ökomarkt am Boxi durchaus witzig und spannend, das Zeug, was da angeboten wird, Insekten aus dem Wok und so Kram, kommt mit zwei, drei Jahren Verspätung auch auf Ihre Ökomärkte.
Natürlich wird da auch fleißig Kunst gemacht in solchen randständigen Zentren, gerne auch Schrottkunst, die ihren Namen zu Recht trägt.
Das ist übrigens von allen Motiven, Kunst zu machen, eines der ehrenwertesten: Bürgerliche Erwerbsarbeit zu vermeiden und trotzdem sozial nicht abgewertet zu sein. Künstler*in zu sein erfreut sich in den meisten Kreisen eines hohen Distinktionsgewinnes – außer in denen, wo es heißt: „Ach, Sie machen Kunst? Und was arbeiten Sie?“ Natürlich erfordert die Entscheidung, hauptberuflich auf Kunst zu setzen, eine extrem hohe Konsequenz-Bereitschaft. Das heißt im Normalfall Konsumverzicht, Einschränkung, Armut, in Zeichen der Seuche ist das unübersehbar. Was sich mit 30 als lässig-elegante Aura der Bohème wie eine Künstler-Monstranz vor sich hertragen lässt, ist mit 60 eher lebensverkürzender Schrecken. Dagegen steht der Schrecken der Erwerbsarbeit, die mitnichten Selbstverwirklichung bedeutet, sondern oft einfach monotone, gesundheitsgefährdende Plage ist. Das Geschwafel von Worklife-Balance kann in den Ohren der meisten abhängig Beschäftigten und kleinen Soloselbstständigen nur als Hohnsymphonie einer nach A 16 bezahlten, in Teilzeit und im Sabbatical befindlichen Beamten klingen.
Ach so, eins noch, liebe Genossinnen, die politische Betrachtungsweise des Virus auf Eurem Transpi oben ist ja soweit ok, aber dialektisch daneben. Hammer und Sichel standen nicht für Befreiung, sondern Kontrolle und Unterdrückung. Und das Virus-Schlimme am Kapitalismus sind eben nicht seine feingesponnen Kontroll- und Überwachungsinstanzen. Das Schlimme ist, dass er die Kontrolle und Überwachung in die Köpfe der Individuen verlagert hat. Das mit der Unterdrückung besorgen die Unterdrückten sich selbst, weil ihnen der Begriff einer autonomen Freiheit schon lange entwöhnt wurde. Die paar albernen Kameras oder neuerdings Algorithmen sind da nur Beiwerk zur Gewinnmaximierung, Beiwerk, auf das allerdings auch viele schlicht gewickelte Linke reinfallen, nach dem Motto: Uhh, der böse Überwachungsstaat. Die Unterdrückung fängt bei der Geburt im eigenen Kopf an und hört in der Kiste auf.
Wenn wir Glück haben. Wir sehen uns am Boxi, auf dem Ökomarkt, vor der Zielona Gora.
02.09.2020 – Über Motive zur Kunstproduktion, die Optimierung des eigenen Prozesses und die Berlin-Demo im Inkubator.

Lindenspiegel 09/20, SCHUPPEN 68 „Die komplette Produkt-Palette für Corona-Demonstrationen“.
Normalerweise berichten Medien über größere Interventionen von mir meist mehr oder weniger ausführlich, selbst die sonst eher verschnarchte HAZ wie hier über „Nichts“, die taz über die Hölderlin Aktion und neben vielen anderen auch das „Neue Deutschland“ über die kürzeste Mai-Demo der Welt.
Über die Intervention zu den aktuellen Corona Demonstrationen berichtete der wackere Lindenspiegel, der dafür ebenso bedankt sei wie diejenigen, die darauf positiv reagiert haben. Dafür unter anderem machen Künstler Kunst, zur Freude der Anderen und dem daraus resultierenden Ruhm, oder nennen wir es besser: die daraus resultierende regionale Teilbekanntheit. Es gibt noch andere Motive wie gesellschaftliches Engagement (lobenswert), Geld (erstrebenswert und professionell) oder Selbstverwirklichung (gruseliges Motiv, solche Leute sollen in Selbsthilfegruppen gehen). Akzeptabel ist noch, und diesen Schuh würde ich mir neben dem ersterwähnten Motiv anziehen, die Aneignung der Welt mit ästhetischen Mitteln, was etwas andres ist als ihre Durchdringung mit dem Intellekt. Schrecklich finde ich Aussagen von Kunstproduzierenden über ihr Motiv wie „Weil ich etwas sagen will“. Die wiederum sollen zu Logopädinnen oder Rhetorikerinnen gehen. Allen Motiven liegt Vanitas zu Grunde, hier als überbordende Eitelkeit, und das, was uns immer wieder in unserer Existenz erschüttert, die grenzenlose Sehnsucht nach der Liebe der Anderen.
Insofern werden Sie, liebe Leserinnen, verstehen, dass ich irritiert und enttäuscht war, als die Medien außer dem „Lindenspiegel“ Nichts über die Corona Intervention berichteten, obwohl das zur Berlin Demo am Wochenende gepasst hätte wie Arsch auf Eimer und einfach eine geniale Idee und grandiose Umsetzung ist (Bescheidenheit hat im Besteckkasten von Kunstproduzent*innen Nichts zu suchen).
Es ging also in die Ursachenforschung, das heißt, die Suche nach dem Fehler, der immer bei einem selbst liegt, und der perspektivischen Optimierung des eigenen Prozesses (Aus dem „Wörterbuch des Blabla“). Und hier drängte sich ein übler Verdacht auf: Der Lindenspiegel kennt mich langjährig, ebenso die persönlich Reagierenden, die wissen, dass es sich um beißende Satire handelt. Was aber ist mit den anderen Medienleuten, die so eine PM nur überfliegen können, den Satiregehalt nicht mitkriegen und natürlich einen Teufel tun und vermeintlich zynischen Krisengewinnlern Raum für Berichterstattung freimachen?
Ooops.
Der Fehler wäre dann mangelnde Professionalität in Formulierung und Durchdringung des Gegenstandes und das ist das, was ich mir am wenigstens verzeihe. Das ist ein No Go.
Das und eine veritable Dihydrogenmonoxid-Vergiftung warfen mich für Tage aus dem Rennen in der dann letztlich doch wichtigeren Auseinandersetzung mit dem, was am Wochenende in Berlin passiert ist und von da seinen Ausgang in den Rest der Republik nehmen wird. Berlin ist nun mal der Inkubator der Republik, im meist Guten wie auch im Schlechten.
Wenn die Demo ein Gutes hatte, dann dass immer weniger Politiker*innen und Medien in das gedankenlose Blabla über die bei sowas Teilnehmenden verfallen a la „Wir müssen die Leute ernst nehmen, abholen wo sie stehen, ihnen besser vermitteln, mit ihnen reden, etc. pp….“
Dieses dumme Geschwätz macht mich seit Jahren wütend. Mit solchen Leuten kann man nicht reden, mit niemandem aus diesem Umfeld. Was für eine verrückte Vorstellung, mit Quartalsirren und Nazis diskutieren zu wollen. Die kann man höchstens in die Klappsmühle abholen und ihnen Valium vermitteln. Hier hilft nur beißende Satire. Oder Repression.
Und das mit den Motiven zur Kunstproduktion ist Thema unseres nächsten Extemporale. Dass Sie’s schon mal wissen, liebe Leserinnen (die Männer sind natürlich mit gemein). Ich muss jetzt los, in den Inkubator.
29.08.2020 – Verbrecher, die in Berlin marschieren.

Mallorquinischer Wermut auf Eis mit Zitronenverbene. Sie müssen den Tag nicht mit einem Glas Wermut beginnen, aber einen besseren Auftakt für ein paar sonnige und bezahlbare Luxusstunden gibt es kaum. Wenn Sie, liebe Leserinnen, im Trend liegen wollen, sollten Sie jetzt auf den Wermut-Zug springen, es könnte bald zu spät sein, der Spiegel schreibt ja schon darüber. Richtig an dem Artikel ist, dass der Spanier eine lange und intensive Wermut-Tradition pflegt. Ich habe nach Jahrzehnten Grusel vor dem ekligen Martini-Gesöff der Jugend vor ein paar Jahren auf Mallorca Wermut schätzen gelernt. Kein Vergleich zu den langweiligen Klassikern wie Lillet oder Noilly Prat. Muntaner, so heißt mein Favorit, ist Lyrik auf der Zunge: komplex, bittersüß, mit langem Nachklang. Am besten in dem Spiegel-Artikel gefiel mir aber das Folgende:
„Ein, zwei Gläschen (Wermut, d. A.) trinkt der Katalane, Baske oder Galicier, um anschließend die nächste Bar aufzusuchen, Sherry oder Bier zu ordern, schließlich in einem echten Restaurant einzukehren.“
Wo er dann einen Rioja nach dem nächsten verklappt, im Wechsel mit Brandy, um weit nach Mitternacht brettlbreit nach Hause zu wanken. So kennen wir ihn, unseren Katalanen, Basken und Galicier: Zwischen Leber und Milz ist immer Platz für Wermut, Sherry und auch Pils. Der Katalane etc. hat im Zweifel gerade in Spanien ganz andere Sorgen als seine mühsam im Tourismusgewerbe Seuchenbedingt eben nicht verdienten Peseten sukzessive in Wermuterias zu verbraten. Gedanken, die dem von einem komplexen Wermut-Nebel umwallten Spiegel-Schreiberling aber eher fern sind.
Womit wir im Hier und Jetzt und in Berlin sind, wo die Demo der Corona-Idioten doch noch erlaubt wurde (Stand OVG Entscheidung). So gräbt sich der Rechtsstaat sukzessive sein eigenes Grab, indem er gewaltbereiten Faschisten Meinungsfreiheit zubilligt, nicht eingedenk des Satzes, der seine eherne Gültigkeit hat und hier mehrfach zitiert wurde: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.
Dass die Verbrecher, die in Berlin marschieren, seien es Esoterikerinnen, Verschwörungstheoretiker*innen, besorgte Bürger*innen, rücksichtslos als potentielle Superspreader die Gesundheit nicht nur von Älteren und Risikogruppen auch in ihrer Verwandtschaft und sonstigen Peer-groups gefährden, passt ins Bild und stellt ein missing-link zu Hardcore-Faschisten her: Sie alle eint das Primat des Survival of the Fittest. Wer die Seuche nicht überlebt, ist nicht lebenswert. Die von allen Esoterikerinnen, Nazis etc. so unfassbar geliebte Mutter Natur hat’s dann gerichtet, nur die Harten überleben im Garten. Vor dem Hintergrund solch vereinigender Ideologien können wir uns nur warm anziehen angesichts des nahenden Herbstes und Winters. Und Kistenweise Wermut einlagern.
Übrigens, liebe Leserinnen, wenn Sie mal dem Trend voraus sein wollen und gerne wissen möchten, was in ein, zwei Jahren „in“ sein wird: Rumtopf, und mit ihm excellenter Rum. Glauben Sie’s mir, ich bin nicht umsonst Chef der Geschmapo, der Geschmackspolizei.
28.08.2020 – Das kann ja Eiter werden

Klaus-Eiter Gleitze. Aber die Forderung nach einer Landeswohnungsbaugesellschaft ist richtig und das Foto ist auch recht flott. Ich sehe darauf noch durchaus rüstig aus. Heiter stimmen mich auch Mails von Kulturschaffenden mit der Anrede „Liebe Freunde der Kunst“. Schon in der Anrede trennt sich bei Kulturschaffenden die Spreu vom professionellen Weizen. Die Anrede „Liebe Freunde“ unterschlägt die Hälfte der Bevölkerung, das ist unhöflich und, viel schlimmer: unprofessionell. Kein Mensch schreibt ja heutzutage im Behördenverkehr „Sehr geehrte Herren“, sondern „Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren“, aus professionellen Gründen.
Diejenigen, die die Anrede „Liebe Freunde“ verwenden, sind meist nicht erfolgreiche, gescheiterte Existenzen. Erfolgreiche, professionell Arbeitende benutzen selbstverständlich sowas wie „Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst“. Aus meiner leidvollen Erfahrung setzt sich mangelnde Professionalität bei Kulturschaffenden in alle Bereiche fort: Verlässlichkeit, Struktur, Pünktlichkeit usw. usf. So überaus angenehm die Kooperation z. B. mit den Improkokken war im Rahmen von Flüchtlingstheaterprojekten, so sehr grenzte mitunter diejenige mit bildendenden Künstler*innen derartig an Körperverletzung für mich, dass ich mir sowas in diesem Leben nicht mehr antue.
Die Trennlinie verläuft auch oft zwischen denen, die entweder in bürgerlichen Erwerbsberufen arbeiten oder gearbeitet haben und denjenigen, die nur auf die Karte „Kunst“ gesetzt haben. Erstere haben zumindest eine Ahnung davon, dass man bei Terminen wenigstens den richtigen Tag einhalten sollte, von der richtigen Stunde will ich gar nicht reden.
Falls Sie, liebe Leserinnen, Vorurteile gegenüber Künstler*innen haben, was bürgerliche Tugenden angeht, seien Sie Sie versichert: Die Realität übertrifft Ihre Vorurteile mitunter um Längen.
Was obig erwähnte Anrede angeht, ist das natürlich angesichts der Pandemie, angesichts der Covidioten, von Donald Trump, der Klimakatastrophe etc. pp. eine Petitesse und natürlich ist Gender-Pay-Gap das erheblich größere Problem als geschlechtersensible Sprache. Aber wer immer noch nicht begriffen hat, dass irgendwo angefangen werden muss, dem ist nicht zu helfen.
Auf Dauer wird sich das Gendersternchen * durchsetzen. Wer ein bisschen vom Wissenschaftstransfer in die Praxis von Behörden, Verbänden und letztlich auch Unternehmen versteht und ein Gespür für Sprachprozesse in der Praxis hat, weiß das und richtet sich allein aus professionellen Gründen drauf ein.
Zum Schluss ein mea culpa. Mater peccavi, auch ich habe gesündigt. Vor Jahren hinterließ ich in Veröffentlichungen den Hinweis: „Aus Gründen der Leserlichkeit wird die männliche Form verwendet. Frauen sind natürlich immer mit gemeint.“
Das ist an Überheblichkeit und Dämlichkeit kaum zu überbieten.
In zehn Jahren hat sich das Thema eh erledigt, siehe Einführung der Gurtpflicht und das Rauchverbot in Restaurants. Um sowas wurden mal Glaubenskriege geführt, als ob der Untergang des Abendlandes bevorstünde. Niedlich.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen (die Männer sind natürlich immer mit gemeint), ein putziges Wochenende.
