
Hauptbahnhof Berlin, Tiefebene.
Ich bin kein guter Fotograf und zu allem Übel habe ich mir auch noch angewöhnt, mein visuelles Tagebuch mit der Smartphone Kamera zu führen. War meine Kompaktkamera schon mäßig, ist die Qualität der Smartphone Kamera eigentlich inakzeptabel. Der Zoom ist natürlich kein optischer, da wird also nur gerechnet, und das sieht man sofort, abgesehen davon, dass die bei prekären Lichtverhältnissen sofort überfordert ist. Aber wer ist das nicht in heutigen Zeiten. Das Foto oben von der Tiefebene des Berliner Hauptbahnhofs, wo mein ICE meist einläuft, ist aber von der Stimmung, die ich einfangen wollte, gelungen. Einsamkeit, Distanz, Fremde, Unwirtlichkeit, wenn ich nach solchen Stimmungsanflügen nicht sofort in das oben brodelnde Leben der Symphonie einer Großstadt eintauche, wären eigentlich ruckzuck Mother’s little Helper fällig. Wenn Sie die Gelegenheit haben, sich den Film „Symphonie einer Großstadt“ aus den Zwanzigern von Walter Ruttmann anzusehen, machen Sie es. Faszinierend. Das Gegenstück zu Döblins Berlin Alexanderplatz, beides Dekonstruktionen einer linearen Erzählweise und die konsequente Anwendung des Montageprinzips auf die Kunst. Anders kann man die Komplexität einer Metropole auch nicht mehr einfangen. Kein Montageprinzip sondern sehr linear ist die Kameraarbeit bei meinem Interview im hiesigen Lokal TV h1 zum Thema „aktuelle Armutsentwicklung“. Ich gehe da gerne hin, einer Kamera sieht man nicht an, ob „dahinter“ ein paar tausend oder Hundertausende Zuschauerinnen zugucken. Also übt h1 durchaus. Beim Angucken dachte ich: Da stimmt doch was nicht. Ich musste aber dreimal gucken, ehe ich die zwei sinnentstellenden Wortdreher von mir mitgekriegt habe. Offensichtlich wirkt mein Rededuktus zumindest für mich so überzeugend, dass ich gar nicht realisiere, wenn da offensichtlicher Mist rüberkommt. Ich sollte in die Politik gehen. Mit dieser Drohung wünsche ich Ihnen ein aufregendes Wochenende, liebe Leserinnen.
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05.09.2018 – Disneyland. Tote Hose. Prenzlauer Berg.
Am allerpeinlichsten aber ist die Berliner Spielbank. Ich liebe die Spielbank-Aura von Glanz, Glamour, Roulette, Black Jack (niemals: Poker. Das ist hardcore Proll!). Als ich da vorbeiradelte und zwecks abendlichen Besuchs fragte: „Wie ist hier der Dresscode?“ erhielt ich die Antwort:
“Es gibt keinen.“ – „Was heißt, es gibt keinen? Kann man hier etwa auch mit kurzen Hosen rein?“ – „Ja.“
Was ist das für eine Welt, in der man in einer Spielbank kurze Hosen tragen kann.
Abends stellte ich mich im Smoking vor den Spiegel und prostete mir mit einem Glas Taittinger zu. Ich war in bester Gesellschaft.
04.09.2018 – Politischer Handstand oder so ähnlich

Bunt statt Braun Demo, Hannover, 03.09.
In einer liberalen Großstadt wie Hannover, die seit Jahrzehnten rotgrün geprägt ist und in der es keine nennenswerte rechte Szene gibt, gehört kein persönlicher Mut dazu, demokratische Gesinnung zu zeigen. Anders als in der Ostzone, wo das ein lebensgefährliches Risiko sein kann. Es war also sehr nett, das Wetter war angenehm, ich schwätzte mit Bekannten und machte mit dem geschätzten Freund und Kollegen Hermann Pläne für eine vollkompatibles Schild, das man auf Grund seiner umfassenden Abgeklärtheit und Stringenz auf allen Demos hochhalten kann. Bemerkenswert, was die Tante HAZ, das Zentralorgan des hiesigen Schnarchbürgertums, heute über die Demo schreibt:
„ … Doch an diesem Tag war nicht nur die linke Szene auf der Straße, sondern auch eher bürgerliche Konservative. Die Zivilgesellschaft hat gezeigt, wie vielfältig sie ist – und wie geeint sie auftreten kann, wenn jemand die Axt an ihre Wurzeln legen will….“
Die Autor*innen der HAZ sind, bis auf ein, zwei Ausnahmen, nicht die hellsten Lichter auf dem Leuchter und neigen bei Berichterstattungen über rechte Gewalt gerne zum üblichen Totalitarismusrempler gegen Links à la: „rechte und linke Chaoten gleichermaßen…“, damit ihre Klientel von jeglichem Anflug von Sozialismus-Kontamination gefeit ist. Daher kann man obige Formulierung durchaus mal anerkennend zur Kenntnis nehmen, in der bei Gefahr von Rechts auch schon mal Bürgertum und Linke subsummiert werden. Ist doch mal ein Anfang.
Kein Anfang, sondern ein Rückschritt beim aktuellen Widerstand gegen Faschismus sind Formulierungen wie „Es geht nicht um links oder rechts, sondern um politischen Anstand“ (Campino, Sänger der Toten Hosen). Anstand ist eine Kategorie der bürgerlichen Umgangsform, man hat den Anstand, einer Dame aus dem Mantel oder aus der Bluse zu helfen. Anstand ist keine politische Kategorie. Anstand kann jede für sich reklamieren, auch Nazis wollen anständige Deutsche sein. Der Widerstand gegen den Faschismus muss nicht rechts oder links sein, aber er muss eine Form der politischen Haltung sein.
Diese schrägen und falschen Begrifflichkeiten haben durchaus Konsequenzen im politischen Handeln. Siehe auch „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Diese Übersetzung von „crime against humanity“ ist entweder Dummheit oder Ideologie. Es muss natürlich „Menschheit“ heißen.
Menschlichkeit zeige ich, wenn ich einer Oma über die Straße helfe.
Da steckt System dahinter, die Identifikation von bürgerlichen Tugenden und Umgangsformen mit Kategorien des Politischen. Aber gut, dass wir mal drüber geredet haben.
Mein Lieblingsbild von der Demo ist das hier

Fahrzeuge für Angehörige des Repressionsapparates vor dem Fackelträger. (Nein, wir sagen nicht mehr „Bullenwannen“). Der Fackelträger ist eine Ikone faschistischer Skulptur Kunst und wurde mittels Info-Tafeln entnazifiziert.
03.09.2018 – Ich kann auch anders

Nichts – Präsentation der Familienpackung (Plakate, Packungen und sonstige Ausführungen Sievers & Kupas.)
Die Campagne zu Nichts nimmt immer mehr Gestalt an. Im Bild präsentiere ich einer ebenso breiten wie staunenden Öffentlichkeit Nichts in verschiedenen Varianten, so auch in der preisgünstigen Familienpackung. Später, im internen Kreis, ging es um die Vermarktung. Von Nichts kommt Nichts und die Kosten der Campagne, die Investitionen in Material und Personal, müssen sich amortisieren. Kunst ist Kunst, alles schön und gut, aber die findet nicht im luftleeren Raum statt: Die Veranstaltung heißt Kapitalismus. Ich wünschte mir eine andere, aber ich wünsche mir auch eine eigene TV-Show. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert und so ist für Nichts ein Return on Investment definiert, der sogenannte RoI. Hier spielt das Weihnachtsgeschäft eine zentrale Rolle. Darauf habe ich dann nachdrücklich im internen Kreis hingewiesen. So charmant und gewinnend ich in der Außendarstellung sein kann, so beinhart bin ich nach drinnen, wenn es um die Erreichung der festgelegten Planziele geht.

Wenn die Weihnachtscampagne nicht läuft, dann rollen hier Köpfe.
Köpfe müssten auch ganz woanders rollen, die gesamte sächsische Landesregierung müßte zurücktreten wegen der Unterstützung terroristischer Vereinigungen, was übrigens nach § 129a Absatz 5 StGB strafbar ist. Was in Sachsen läuft, ist nicht nur systemisches Versagen im Sinne von gezieltem, flächendeckenden Wegschauen oder Dulden, sondern Förderung durch Unterlassung. Im zivilen bürgerlichen Umgang nennt man das, was die sächsische Landesregierung als staatliches Handeln zu verantworten hat, unterlassene Hilfeleistung und bei der Verwobenheit von staatlichen Organen und rechtsextremen Organisationen kann man durchaus von Unterstützung sprechen. Wahrscheinlich waren nur deshalb so wenige Polizisten bei den Pogromartigen Ausschreitungen in Chemnitz, weil die anderen alle Urlaub genommen hatten, um bei den Neonazis mitzumachen. Ein gewisser Zorn des Gerechten, der vielleicht in meinen Ausführungen mitschwingt, rührt nicht so sehr vom Verhalten des Mobs her. Mob handelt so, das ist sein Wesen, und das ist überraschungsfrei. Wütend macht mich dieses hilflose Geplärr vom Aufstand der Anständigen, der nun folgen müsse. Lichterketten, Konzerte, Gebete, Nazis mit Wattebällchen bewerfen und vielleicht sogar bekuscheln – ist es das, was die Zivilgesellschaft aus Weimar, Rostock, Hoyerswerda, Mölln und NSU gelernt hat? Dann gute Nacht, Marie und Michel. Das kommt eben dabei raus, wenn allein der Begriff Antifaschismus in der bürgerlichen Gesellschaft verpönt und regelrecht kontaminiert war und ist. Dann fehlen einem zur Bekämpfung von aufkommendem Faschismus nicht nur die Instrumente, sondern allein schon die intellektuelle Voraussetzung, nämlich die Begrifflichkeit.
Instrumente gäbe es ja, sie sind jahrzehntelang erprobt in der Bekämpfung linker und demokratischer Opposition, als da wären: Parteiverbot, Berufsverbote, Verfassungsschutzbeobachtung, Polizeikessel, konsequente Anwendung der oberen Grenzen des Strafrechtes, etc. pp.. Kann man alles gegen die AfD anwenden. Dann wird es sich der Bürgermob zweimal überlegen, ob er da mitmarschiert und seine bürgerliche Existenz aufs Spiel setzt. Das, was zur Zeit in Sachsen und später woanders stattfindet, ist keine Spielwiese für Kommunikationstrainerinnen und Mediatorinnen. Wir sind weit jenseits von „Wehret den Anfängen“. Hier hilft nur massive staatliche Repression. Allerdings immer unter dem Vorzeichen „Faschismus ist keine politische Meinung, sondern ein Verbrechen“. Sonst wendet sich alle repressive Gewalt nach gehabtem Muster auch immer wieder und vor allem gegen alles Linke und Demokratische.
Aber die größte Kränkung von allen ist und bleibt: Dass ich keine eigene TV-Show habe. Ergo wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen, einen Depressionsreduzierteren Start in die Woche als meinen.
01.09.2018 – 100 Millionen gepiercte Ohren

Hannover Innenstadt.
Was ich an Berlin unter anderem schätze: es hat keine Mitte, kein Zentrum. Brandenburger Tor? Potsdamer Platz? Kurfürsten Damm? Alexanderplatz? Berlin-Mitte ist ein ganzer Bezirk und geht gar nicht, weil es das Zentrum der ehemaligen Ostzonen-Hauptstadt ist. Eingefleischte Westberlinerinnen sind nach der Annexion zweimal im Osten gewesen: einmal und nie wieder. Selbst in den Bezirken ist es mitunter schwer, eine Mitte, ein Zentrum zu finden, bei mir in Kreuzberg liegen ziemliche Welten zwischen dem proletarisch-anarchischen SO 36 (nach der alten, vierstelligen PLZ Zuordnung) um den Cottbusser Platz und dem eher künstlerisch-intellektuellen 61 (man darf auf keinen Fall SW 61 sagen, dann enttarnt man sich als Touri und das ist ein übles Schimpfwort im Berlin des 2018) um den Marheineke Platz.
Normale Großstädte, so auch Hannover, haben ein Zentrum und das ist im Zweifel gesichtslos, öde, unwirtlich, ein toter Ort des Konsums. Das Kapital reißt mit tödlicher Sicherheit immer die besten Filetstücke aus dem ehemals lebendigen, zuckenden Körper namens Stadt, verschlingt sie und spuckt sie vollkommen ausgelaugt und verdaut als einförmigen Brei wieder aus. In manchen der wenigen Straßen im Zentrum von Hannover bin ich seit Jahren nicht mehr gewesen, gestern war ich in einer und habe keinen Laden mehr wieder erkannt, da ist kein Inhabergeführter Einzelhandel mehr, nur Franchise, Ketten, mit einer Anmutung, die nur noch lächerlich ist.
Vor dem obigen Laden hielt ich inne und schaute und las, und musste lachen, ich stand und habe laut und lange gelacht, es war ein hilfloses Lachen. 100 Millionen gepiercte Ohren. Ich kann damit nichts anfangen. Wofür wirbt das, was will uns das sagen? Ist die Botschaft: Haltet ein, Ihr Schwachköpfe aller Länder, die Ihr in dem vermeintlichen Wahn der Originalität und Individualität Euch 100 Millionenfach schon Löcher in den Körper habt meißeln lassen und da irgendwelchen albernen Müll reingehängt habt?
Oder wie? Oder was?
Die Leute fingen an, mich im Vorübergehen zu mustern. Mein Lachen wurde verhaltensauffällig und dadurch nicht besser, dass ich eine Geschäftsidee hatte. Irgendwann ist Piercing ja out und muss getoppt werden, Branding hat sich nicht so ganz durchgesetzt. Und in diese Marktlücke stoße ich: Bei mir können sich die Leute Nägel in den Kopf hämmern lassen. Und in 20 Jahren habe ich dann jede Menge Läden namens „klaus’s“, wo überall drübersteht: „100 Millionen Nägel im Kopf“. Ich bin dann reich und berühmt und muss nie wieder arbeiten. Aber bis dahin gestehe ich, dass ich von Teilen der Moderne überfordert bin. Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen, ein charmantes und erkenntnisreiches Wochenende.
31.08.2018 – Was schert mich mein Geschwätz von gestern

Schloss Herrenhausen, Media Night 2018.
Ab und zu lese ich zurückliegende Blogeinträge der letzten Zeit. Dafür, dass ich es spontan, oft online, schreibe, ohne Plan und Konzept oder gar Luxus wie Korrekturlesen, sind überraschend wenig formale Fehler drin, mitunter allerdings fehlen Verknüpfungen, logische Reihungen, man ahnt mehr, als das man weiß, was genau gesagt werden sollte. Und manchmal stehen Sachen drin, da weiß ich selber nicht, wie hoch der satirische Gehalt war, als ich es schrieb. Sätze wie: Ich bin ein Mann von Grundsätzen. Also grundsätzlich ist mein oberster Grundsatz, grundsätzlich im Leben niemals etwas grundsätzlich zu sehen. Beispiel: ich hatte mir geschworen, niemals einen Schritt in den scheußlichen Neubau vom Schloss Herrenhausen zu setzen, eine Disneybau-Rekonstruktion des im Krieg zerstörten Originals, außen sieht es aus wie eine Pappkartonfassade, innen ein seelenloses Kongresszentrum. Ein Beispiel für die regressive Sehnsucht des Bürgertums nach früheren Zeiten, nach heiler Welt und Fassade. Kein Wunder, das mit einem so infantil aufgestellten Bürgertum mit derartigen ästhetischen Vorlieben kein Staat zu machen ist. Dieser Bau reiht sich ein in eine endlose Kette reaktionärer Selbstbefeierungen einer falschen bürgerlichen Tradition (es gäbe auch gute!) wie das Humboldtforum oder die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonskirche , in Stein gemeisselter Revisionismus. Und dann wundert sich das Bürgertum, dass ihm der Laden um die Ohren fliegt. Sofern er nicht selbst daran beteiligt ist.
Mein Schwur also, dieses Hampelmann-Gebäude in Herrenhausen niemals zu betreten, hielt exakt solange an, bis ich die erste Einladung dahin erhielt. Meine diversen Tätigkeiten, Jobs, etc. führen es mit sich, dass ich mitunter hautnah und direkt in die Höhen und Niederungen unserer Gesellschaft und des Staates via Einladung eintauchen darf. Staatliche Mitbeteiligung sehe ich in Teilen als sinnvoll, unter anderem weil es gilt, den Staat vor der Übernahme durch den Mob, was Bürgermob inkludiert, zu schützen. Gesellschaftliche Mitbeteiligung muss eigentlich nicht sein. Die kann man sich schließlich plural aussuchen und ich tue mich grundsätzlich nicht gerne gemein. Umso überraschender für mich, als ich – ohne eine Sekunde zu zögern – die erste Einladung zur niedersächsischen Media Night wahrnahm, sie ist laut Eigenwerbung „ …eine Präsentations- und Kommunikationsplattform der niedersächsischen Medienunternehmen sowie ein Branchentreffpunkt der bundesweiten Medienszene.“

Es war wie immer zauberhaft. Sogar Natascha Ochsenknecht war da! Und noch wer!! Und ich mittendrin.
Als Mann ohne Grundsätze sinkt man immer tiefer. Nach langem Antichambrieren habe ich es jetzt erreicht, dass ich sogar zum FDP Sommerfest eingeladen werde. Wo werde ich enden? Morgens nach solchen Events robbe ich mich ganz vorsichtig an meinen Spiegel. Kann ich mir überhaupt noch in die Augen gucken?
Was soll ich sagen. Ich sehe einfach nur altersbedingt scheiße aus am frühen Morgen, der Rest ist mir egal. Und freue mich auf das FDP Sommerfest. Da gibt es bestimmt den besten Sekt und 1a tippi toppi Fingerfood. Und jede Menge Möglichkeit zum Netzwerken. Man weiß ja nie.
Ich halte Sie auf dem Laufenden, liebe Leserinnen. Aber halten Sie es mit diesem Blog hier wie mit dem richtigen Leben: Zweifeln Sie alles an und sei es die Tatsache, dass man auch mal viere gerade sein lassen sollte.
30.08.2018 – Wann sorgt die Bundeswehr für Recht und Ordnung in Sachsen?



So lächerlich, wie sich die Überschrift anhört, ist das gar nicht. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist in Sachsen nicht gewährleistet. Die Polizei, mit Duldung oder Förderung der Landesregierung, besteht zu Teilen aus Neonazis, sympathisiert offen mit denen und lässt sie bei ihren Pogromartigen Übergriffen gewähren, während das SEK bei Demonstrationen gegen Linke schon mal mit Sturmgewehren der Marke SIG Sauer aufmarschiert, dabei offen neonazistische Symbole an der Dienstkleidung trägt und natürlich immer ausreichend überlegene Kräfte einsetzt. Der Artikel 37 GG über den sogenannten Bundeszwang trifft dazu eine klare Aussage: „Wenn ein Land die ihm nach dem Grundgesetze oder einem anderen Bundesgesetze obliegenden Bundespflichten nicht erfüllt, kann die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates die notwendigen Maßnahmen treffen, um das Land im Wege des Bundeszwanges zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten.“
Bundespflicht ist die Einhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Ein Einsatz der Bundeswehr ist im Artikel 37 explizit nicht ausgeschlossen.
Dieses Mittel wurde schon einmal gegen Sachsen eingesetzt, 1923 marschierte die Reichswehr im Rahmen der damals sogenannten „Reichsexekution“ in Sachsen ein und setzte die Regierung ab.
Überflüssig zu sagen, dass es damals gegen Links ging und verantwortlich dafür die SPD war (Reichspräsident Ebert).
Überflüssig zu sagen, dass es selbst jetzt noch Hirnamputierte gibt, die einer Gleichsetzung von rechter Gewalt und linker Gewalt das Wort reden, die sogenannten Totalitarismus-Trottel.
Und überflüssig sich vorzustellen, wie SEK Kräfte vorgehen würden, wenn autonome Linke im Frankfurter Bankenviertel in tausender Stärke randalieren würden, die Deutsche Bank mit Brandätzen angriffen und Jagd auf Banker machen würden. Der Spuk würde unter Einsatz von SIG Sauer Sturmgewehren binnen kürzester Zeit blutig beendet.
Was bleibt? – Die Kunst, Trösterin der Seele. Das famose Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 beantwortet in der obigen Bildfolge die Frage: Wie wird ein Film produziert?
Jean Luc Godard hat diese Frage sinngemäß beantwortet: „Machen Sie ein Bild und dann noch eins und noch eins und 24 Bilder in der Sekunde ergeben dann in der Dauer einen Film“. Die Bilder oben sind ein Anfang und ergeben mit den Bildern in Ihrem Kopf, geschätzte Leserinnen, einen Film. Wie sich dieser Film letztlich zusammensetzt und endet, erfahren Sie am 01. und 02.09 beim hannöverschen Zinnober. Kommen Sie in Massen zu den famosen Kunstschaffenden der Lindener KunstWerke AG, wo der legendäre Kurator Hermann Sievers höchstselbst Nichts in die Hand nehmen wird, Details in der famosen PM PM ZINNOBER KunstWerke AG- Nichts ist Kunst. Kunst ist Nichts. Sie können sogar Nichts kaufen oder gewinnen. Wenn das Nichts ist. Wir sehen uns.
28.08.2018 – Abschiede aller Art

Toto macht zu. Who the fuck is Toto? Toto ist mein Puschen-Italiener. Er ist exakt zwei Häuser von meiner Homebase entfernt und immer, wenn ich keine Lust habe zu kochen oder Essen zu gehen und mir danach zumute ist, klemme ich mir meinen Topf unter den Arm und hole mir bei Toto eine Portion Spaghetti Bolognese. Niemals etwas anderes. Immer mit Puschen. Niemals mit Straßenschuhen. Immer mit dem gleichen Topf. Niemals ein anderer. Ich bin ein Mann mit Grundsätzen. Der Topf ist ein uralter Le Creuset, siehe oben. Sündhaft teuer, ein Geschenk, ich würde mir sowas niemals leisten, und ich würde sowas auch niemals außer Diensten stellen. Ich bin ein Mann von Grundsätzen. Ich bleibe Ideen, Personen und Gegenständen, die es wert, sind ein Leben lang treu. Auch Töpfen. Selbst Salzstreuern. Der Topf ist unglaublich unpraktisch. Er wiegt mehrere Doppelzentner und ist ohne eine Seilwinde kaum zu bewegen. Als ich die ersten Male damit bei Toto auflief, kamen die Köche aus der Küche gerannt, um zu gucken, was das für ein Topfbesitzer sei, unter lautem Mamma mia. Ist ja schließlich ein Italiener. Jetzt nach fast 40 Jahren macht Toto zu.
Das ist ein Abschied, der weh tut. Ich habe den Beiden, Gina und Toto, zum Abschied einen Bildband vom hiesigen Kiez geschenkt und ein Foto, auf dem der Topf abgebildet ist, mit der Bemerkung, dass wir Beide, mein Topf und ich, sie sehr vermissen werden. Toto und Gina haben das Gebinde gleich auf den Thresen gestellt. Ich hätte beinahe Tränchen vergossen. Ich hasse Abschiede. Toto ist bestimmt nicht der beste Italiener hier, aber wenn ich gut dinieren will, gehe ich ins Diekmann in Berlin. Darum geht es bei Toto nicht. Das hat was mit Nähe, Vertrautheit zu tun, immer, wenn ich aus Berlin mit meinem Trolley die Straße langrollere, grüßt als erstes der Toto-Flachbau und ich bin Zuhause. Diekmann ist tolles Essen, aber bloß Geld. Toto kann man nicht kaufen, ist nicht zu bezahlen. 30 Jahre lang immer die gleichen zwei Musik-Cassetten, immer die gleichen Stücke, immer die gleiche Reihenfolge. Irgendwo braucht man auch Dinge, die sich nicht ändern. Toto eben. Auf einer Cassette waren Stücke von, nomen est omen, Toto. Neben dem genial symphonisch aufgeladenen „Rosanna“ auch „English Eyes“, ein eher inferiorer Song, bei dem ich allerdings auch nach 30 Jahren einen blöden Verhörer nicht aus dem Ohr kriege. Im Refrain heißt es „We ran into the night, hypnotized” und ich hab damals immer, weiß der Teufel warum, verstanden: „You ran into the night. Weiß Bescheid.“
Ein Abschied, der wütend macht, ist der vom Nachkriegskompromiss, der unsere Gesellschaft in den letzten 70 Jahren mühselig zusammengehalten hat, hab’s im letzten Blogeintrag erwähnt. Angesichts des faschistischen Massenprogroms in Chemnitz unter tätiger Mithilfe der sächsischen Polizei und Regierung kann man von einem langsam Zerbröseln wohl nicht mehr reden, sondern eher von einem dynamischen Implodieren der Demokratie. Unlängst, vermutlich zum 13. August, hatte ich hier den Wiederaufbau der Mauer, nur 3 Meter höher gefordert. Ich erweitere meine Forderung: „Schießbefehl reaktivieren, dieses Mal nach Osten, unter vorheriger Evakuierung aller demokratischen Kräfte in den Westen, mit sofortiger Asylgewährung.“ Ach ja, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien rausschmeißen aus der EU und den Eisernen Vorhang wieder hoch.
Ein Abschied, der wehmütig macht, ist der vom Hochsommer, obwohl die Hitze im stinkenden, lärmenden, betäubenden Betonmoloch Berlin in den letzten Wochen mitunter anstrengend war. Aber das war eine regelrecht körperlich singuläre Erfahrung, als Hitze schon morgens wie Watte in den Mund quoll und Gedanken einfach weggedampft wurden. Ich fand’s faszinierend.

Vorgarten einer Villa im Grunewald, wo die Reichen und Schönen wohnen, Geschmack aber nicht der Regelfall ist. Mein erster Gedanke: Das ist die Villa von Walter Momper, jenem Berliner Filz-Sozi, der mir immer mit seinem roten Schal auf die Nerven ging und der wie kaum etwas für den Abschied von der alten BRD stand.
Abschiede, ich hasse sie. Und dennoch, liebe Leserinnen, auch für uns schlägt hier die Stunde des Abschieds. Aber wir hören voneinander. Bleiben Sie drin.
24.08.2018 – Alle, die gegen das Aufstehen sind, sollen Aufstehen!

Meine Traubenernte 2018, mit Installation, bei der der Hammer fehlt.
Alle, die gegen das Aufstehen sind, sollen Aufstehen. So ungefähr lautete ein ziemlich verzweifelter Flachwitz von mir in den Achtzigern, als eine Gruppe namens Bots schwer angesagt war in der Alternativ-Szene, unter anderem mit einem Song namens „Aufstehen“. In dem Song ging es darum, dass alle Aufstehen sollten, die gegen irgendwas waren, von Atomwaffen über Plastikwaffen usw. und so fort. Das Beste an der musikalischen Flachware war das Live-Intro und das war komplett geklaut von „More than a feeling“ der Popgruppe Boston. Ich habe den Alternativen damals ebenso wenig über den Rand ihrer selbstgestrickten lila Strümpfe hinaus getraut wie ich ihnen heute keinen Handbreit veganes Tofu über den Öko-Holzweg traue.
Ästhetik und Ideologie stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander, die Ästhetik der Alternativen war und ist ein Kitschdurchseuchtes Grauen und so auch ihr politischer Weg, vom „Ich, Ich, Ich“ bis in die Toskana. Aber sie waren Teil der linken Post-68er Familie und sie es in den Teilen, wo sie weder Renegaten oder beinharte Neonazis wie Horst Mahler geworden sind, immer noch. Wie zum Beispiel die Grüne Antje Vollmer, die die von Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine initiierte Bewegung „Aufstehen“ mit unterzeichnet hat, eine Bewegung, die Parteiübergreifend das linke Spektrum von SPD, Grünen und die Linke einen soll. Es gibt eine Menge Gründe gegen diese Bewegung, die keine ist, denn die entstehen von unten und nie top down. Früher hätte ich sowas auch nicht unterzeichnet, allein die Unterzeichner-Nachbarschaft mit einer Heulsuse wie Antje Vollmer wäre mir unangenehm gewesen.
Aber wie der Jammerlappen Bob Dylan anno 68 vor sich hin dilettierte: The times they are a changing.
Der Nachkriegskompromiss, der unsere Gesellschaft 70 Jahre lang mehr schlecht als recht aber immerhin zusammenhielt, erodiert mit wachsender Geschwindigkeit. Ein ansatzweises Antisemitismus-Tabu und ein Mindestmaß an Antifaschismus, ein ebensolches an einigermaßen zivilisierten gesamtgesellschaftlichen Umgangsformen, Reste eines Sozialstaates, die Singularität des Holocaust, die Liste ließe sich fortführen, all das schwindet, die Zivilgesellschaft wird zu einer Horde von Brandstiftern, eine nennenswerte Linke und ihr Widerstand existiert nicht mehr. Von der Parteienlandschaft wollen wir mal gar nicht erst reden.
Was tun? Da der Kopf rund ist, um Gedanken die Richtungsänderung zu ermöglichen, und ich Veränderungen gegenüber unwillig aber offen bin, habe ich meine Einstellung geändert und den Aufruf mit unterzeichnet, hier. Und würde es auch geneigten Leserinnen empfehlen. Eine nennenswerte Anzahl von Unterschriften würde zumindest bei der offiziellen Präsentation und dem Kick-off der Bewegung am 04.09 ein Symbol, ein Zeichen setzen. Bringt nicht viel, tut aber auch nicht weh und schadet nicht. Und die Zeiten eines ausschließlich rechthaberischen „Alle Anderen blöd, nur ich nicht“ sind vorbei. Die Rechte wird immer stärker und angesichts dieser Bedrohung und der schwachen fortschrittlichen Kräfte verbietet sich ein Verharren in früheren unseligen Spaltungsmustern, wo man sich schon mal gegenseitig innerhalb des linken Lagers des rotlackierten Sozialfaschismus bezichtigte

Ansonsten widme ich mich der Olivenernte in meinem Garten, die angesichts des Jahrhundertsommers üppig ausfällt. Platter Eskapismus, wenn Sie so wollen.
22.08.2018 – Weisse Geisterräder für tote Radfahrende

Für im Strassenverkehr getötete Radfahrende, aufgestellt vom ADFC an den Unfallorten in Berlin. Bei sowas zeichnen sich Muster ab: Senior*innen, abbiegende LKW und unachtsam geöffnete Autotüren.
In Hannover habe ich nie übers Radfahren nachgedacht, es war quasi meine zweite Natur. Helmträger habe ich früher gerne mit politisch eher unkorrekten Bezeichnungen einer bestimmten sexuellen Orientierung tituliert. In Berlin trage ich immer einen Helm und überlege mir mitunter zweimal, welche Strecke ich nehme. In der Schweiz sollen Strassen für SUVs verbreitert werden, las ich gestern.
Manchmal neige ich demütig mein Haupt vor der Realität ob ihrer genialen Inszenierungen eines absurden Welttheaters.

Im Licht der untergehenden Sonne werfen selbst Zwerge Riesenschatten.
Nachtrag drei Stunden später: sitze gerade im Zug und lese im „Tagesspiegel“, einer für Bürgerpresse sehr lesbaren Zeitung, dass gestern in Schöneberg auf der Hauptstraße eine Radfahrerin von einem abbiegenden LKW tödlich verletzt wurde. Gut dass ich Irrationalismen weitgehend abgeneigt bin, kurz nach dem Vorfall bin ich, von oben abgebildeten Viktoria-Luise-Platz kommend,über diese Kreuzung geradelt.
Aber immerhin wollte ich das spontan im Blog festhalten und hab’s auf das Smartphone getippt, was selbst bei einem ebenmäßig dahingleitenden ICE echt nervig ist für Oldschool Leute wie mich. 234 km/h fährt der gerade. Dass man dabei überhaupt was tippen kann, kommt mir als Postkutschen Sozialisiertem eh wie Wunder vor.
