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28.01.2018 – Rechts von mir ist nur die Wand

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Neonwerbung SCHUPPEN 68. Kommt an die Wand der Berliner Dependance des SCHUPPEN 68, die demnächst eröffnet.
„Rechts von mir ist nur noch die Wand“ ist ein Franz-Josef Strauss zugeschriebener Ausspruch. Heute würde der ehemalige bayrische CSU-Ministerpräsident als lupenreiner Demokrat der rechten Mitte gelten. Seine aktuelle CSU setzt zum Rechtsüberholen der AfD an, die FDP ist mittlerweile so rechts, dass ihr die AfD als erster Partei ein Angebot zur Mitarbeit unterbreitet hat, die Wagenknecht-Linke besinnt sich auf die Nation und deren Schutzbedürfnis, wenn das kein Rechtsruck ist, was dann…, dass die Grünen nicht mehr linke Mitte sind, sondern wie eine Lawine donnernd nach rechts zu Tal gehen, hat nach ihrem Parteitag sogar die Bürgerpresse gemerkt, und das will wirklich was heißen. Zur CDU fällt mir nichts mehr ein. Hab ich wen vergessen? Ach ja, die SPD. Stimmt, die kann man vergessen.
Vor so viel Rechtsruckerei gerät natürlich die AfD unter Zugzwang und rückt nach ganz Rechtsaußen, sie ist nicht mehr nur für Neonazis zuständig, sondern für lupenreine Nazis.
Man darf auf ein rechtes Update des Geschichtsrevisionismus gespannt sein, der diesen Rechtsruck natürlich mitmachen muss, um weiter legitimiert zu sein. Relativierte er bisher die deutsche Schuld am 2. Weltkrieg, wird er sie zukünftig Israel in die Schuhe schieben. Hauptverantwortlich für den 2. Weltkrieg werden dann 68er Juden, Kommunisten und Freimaurer wie Angela Merkel und Helmut Kohl sein. Und wo früher Adolf Hitler von den Revisionisten relativiert wurde („Es war nicht alles schlecht damals – nur das mit den Autobahnen, das hätte er sein lassen sollen“), wird demnächst dann doch alles schlecht an ihm sein: „Der Mann war einfach zu weich für den Endsieg, der hätte härter durchgreifen müssen“.
Jetzt hat nur noch eine ein Problem: Die Wand, siehe oben. Die muss ja jetzt nach rechts versetzt werden, bei der ganzen Drängelei. Wenn das eine tragende Wand ist, könnte das ein Problem für das Haus geben. Ich hoffe, ich bin dann gerade im Urlaub, wenn das einstürzt. Auf Korfu z. B sind heute 16 Grad, 10 Stunden Sonne, Wasser 15 Grad, was mir als ausgebildetem Kampfschwimmer schon fast zu warm ist und auf der Insel würden mich zu dieser Jahreszeit keine Ostgoten stören.
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Blick vom Kloster Moni Paleokastritsa auf das Meer.
Ich könnte dort an meinem Mythos als Widerstandskämpfer feilen, durch intensives Vollkritzeln dieses Blogs.

27.01.2018 – Meine Rolle als Unternehmer

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FA. SK-SACKKARRENSERVICE, der Witze-Verleih und die Privatisierung des Landtages. Start-Ups und Geschäftsideen. Daran mangelt es mir nie. Nur wer mit der Zeit geht, wird von ihr nicht übergangen. Die bereits im letzten Blogeintrag erwähnte FA. SK-SACKKARRENSERVICE ist meine älteste Firmengründung. Nach Unstimmigkeiten in der alten Geschäftsführung, im Rahmen derer ich den Mitfirmengründer leider entlassen musste, trug sich die Firma jahrelang nur deshalb, weil sämtliche Wirtschaftsgüter voll abgeschrieben waren und Steuerverlustvorträge erfolgreich genutzt werden konnten. 2014 kam es in neuer Besetzung zu einem kompletten Relaunch, siehe HAZ Artikel oben. Das alte Geschäftsmodell wurde von der klassischen Hardware-Leasing-Struktur hinoptimiert zu einem Dienstleistungs-Service, der sich den Bedingungen des Marktes anpasste. Neue Kundensegmente, Customerorientierte Service-Module, Digitalisierung, Industrie 4.0, gesellschaftlicher Wandel, das sind nur wenige aber zentrale Parameter, an denen sich die Neu-Ausrichtung der FA. SK-SACKKARRENSERVICE orientiert.
Nach wie vor legt die FA. SK-SACKKARRENSERVICE Wert auf eine Mitarbeiter*innenfokussierte Firmenkultur: Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit ist für uns keine leere Floskel! Zufriedene Mitarbeiter*innen sind gute Mitarbeiter*innen. Nur sie sind in der Lage und bereit, ihr Bestes zu geben und nur so kann die FA. SK-SACKKARRENSERVICE im ständigen Wettbewerb bestehen. Flache Hierarchien und offener Dialog sind für die FA. SK-SACKKARRENSERVICE selbstverständlich. Wir arbeiten vertrauensvoll mit dem Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft NGG Nahrung-Genuss-Gaststätten zusammen.
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Die anstehenden Betriebsratswahlen 2018 unterstützen wir. Im Bild unser Neujahrsempfang.
Sicher und vertrauensvoll in eine gemeinsame Zukunft – das ist das Motto der FA. SK-SACKKARRENSERVICE. Damit sind wir für das 22. Jahrhundert gut aufgestellt.
Allen Leser*innen ein charmantes Wochenende und mir ist beim Schreiben des Blogs eine Episode aus meinem früheren Leben eingefallen: Bei einer Feier kam ich mit einem Unternehmensberater ins Gespräch, der mir im Laufe des Abends anbot, bei ihm einzusteigen: „Ich brauche Querdenker“.
Ich hätte damals die Kohle ganz gut brauchen können, und das ist der Euphemismus der Woche. Hab’s abgelehnt, obwohl ich mich hätte dumm und dämlich verdienen können.
Aber wer will schon gerne dumm und dämlich sein….

26.01.2018 – Das Herz schlägt links, das Portemonnaie sitzt rechts

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Endlich geht die Arbeit aus.
Gesehen bei einer 1. Mai Demo in Hannover (in den 90ern?). Eins meiner 43 undatierten Papierfotos. Das liegt bei insgesamt über 12.000 im Toleranzbereich. Im Zeitalter der digitalen Fotografie sind Bilder nicht mehr zu zählen. Die Anzahl steigt exponentiell.
Anders als die Entwicklung des Arbeitsvolumen. Das entwickelt sich nicht exponentiell, also dramatisch, nach unten. Das ist ein früher und heute viel diskutierter Mythos, auch in der Linken, basierend auf einem bedauernswerten Mangel an und Verständnis von nationalökonomischen Fakten.
Seit 1991 nimmt die Zahl der Erwerbstätigen deutlich zu, das Arbeitsvolumen leicht ab, aber es kann keine Rede davon sein, dass es drastisch abkackt. Bedenklich an dieser Entwicklung ist die logische Zunahme von Armut trotz Arbeit und von prekären Beschäftigungsverhältnissen.
Bedenklich Teil 2: Bei aller guten persönlichen Laune, ich würde mich eine tendenziell begnadete Frohnatur nennen, habe ich in diesem Blog zunehmend keinen Hehl aus meiner pessimistischen Sicht des Ganges der Zivilisation gemacht. Wenn jetzt aber selbst ein prototypischer Kapitalist wie George Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor dem Untergang der Zivilisation warnt, bin ich wohl noch zu optimistisch gewesen. Wobei Davos eine gerade auch von Linken völlig überschätzte reine Schwatzveranstaltung ist, ohne jede Auswirkung auf den Gang der Dinge, die die Welt verändern. Wer glaubt, dass die Mächtigen der Erde in Davos bestimmen, wo es lang geht, der glaubt auch an die Bilderberg-Verschwörung. So funktioniert Kapitalismus eben nicht.
Ich weiß, wie der funktioniert und deshalb habe ich frühzeitig schon diverse Unternehmen gegründet, getreu dem Motto: Das Herz schlägt links, das Portemonnaie sitzt rechts. Wie die legendäre FA. SK-SACKKARRENVERLEIH.
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Werbebanner FA. SK-SACKKARRENVERLEIH, am Strand Meia Praia an der Algarve. Eine Aufnahme vom 13.12.2013. Zu dieser Jahreszeit teilt man sich den 6 km langen Strand da mit ca. 4 Personen.

25.01.2018 – Liste der unsympathischsten Länder in Europa

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Lauter eiskalte Weihnachtsmänner (Teil der SCHUPPEN 68 Performance „Sonnenwende“ vom 21.06.1989) .
„So viel Hass habe ich noch nie erlebt“, Aussage einer Reporterin des Deutschlandfunks gerade eben über eine Neonazi-Demonstration mit ca. 1.500 Teilnehmenden am Wochenende in Cottbus. Eine Zivilgesellschaft gibt es offensichtlich in der zweitgrößten Stadt Brandenburgs nicht. Es gibt viele Cottbusse drüben. Das Land hinter der Elbe ist mir nicht nur fremd, es ist mir unsympathisch und es ist nicht mein Land. So wie viele Länder hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang, die nach dem Abwurf des Eisernen Jochs der Kommunisten nichts Eiligeres zu tun hatten, als blühende Landschaften des Rassismus und der Anti-Moderne zu entwickeln. In Kroatien z. B ist die Ustascha wieder hoffähig, eine faschistische Organisation aus der Zeit des 2. Weltkriegs, die der SS in nichts nachstand.
Liste der mir unsympathischsten Länder in Europa, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Russland z. B ist für mich irgendwie Asien, das ist voll weit weg, bestimmt noch hinter Frankfurt, oder?)
1. Ungarn
2. Polen
3. Ostdeutschland
4. Slowakei
5. Kroatien
6. Rumänien
7. Bulgarien
8. Schweiz
9. BRD
Das sei jetzt aber nicht gerade der Völkerverständigung dienlich und man müsse da doch differenzieren?
I bitt Sie, gnä Frau, samma ehrlich. Auch in der Sphäre des Politischen machen Gefühle vor der Aufklärung nicht halt. Die zivilisatorische Leistung des aufgeklärten Zoon Politicon ist die Umwidmung archaischer Reflexe wie Wut, Hass, Aggression in soziales Verhalten. Diese Reflexe sind aber da und der zivilisatorische Lack über ihnen ist mitunter beängstigend dünn. Das Fremde ist uns zu Recht neben der Faszination auch erstmal fremd, unangenehm, bedrohlich. Unsere Vorfahren wären nicht alt geworden, wenn sie zu jedem Säbelzahntiger gesagt hätten: „Na komm, Muschi, lass Dich mal kraulen“. Distanz ist überlebensnotwendig. Das, was Zivilisation ausmacht, Gastfreundschaft, Solidarität, das musste sich erst über Jahrtausende entwickeln. Und der alte Adam, die alte Eva in uns zuckt mitunter noch sehr lebendig.
Wer sich da was in die Tasche lügt, auch in der Politik, leistet der Gegenaufklärung Vorschub. Die arbeitet mit dem Ressentiment und wie erfolgreich. Angst, das ist der Treibstoff des 21. Jahrhunderts.
Also Liste. Und Eiserner Vorhang wieder hoch, nur drei Meter höher und digital überwacht!
Bemerkenswert an meiner Liste ist das Ranking. Früher war die BRD einsam an der Spitze. Nach den flächendeckenden rassistischen Anschlägen mit zahlreichen Toten, gerade nach der gewonnenen Fußball WM 1990, war mir dieses Land so unsympathisch, dass ich jedem Gegner der doitschen Nationalmannschaft die Daumen drückte. Und ich liebte Fußball! Damals war es noch cool für Künstler und Intellektuelle, Fußball-Aficionado zu sein. Heute ist das nur noch peinlich.
Und die BRD erscheint mittlerweile in einem Meer voller antidemokratischer Entwicklungen in Europa fast wie ein Hort der Zivilisation.
Noch ….
Aber ich kann auch anders! Mein Herz ist auch voller Liebe. Deshalb beim nächsten Mal eine Liste derjenigen Länder Europas, die ich liebe. Also jetzt im Sinne von „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“

22.01.2018 – Treffpunkt von Hippies aus aller Welt.

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Mirtiotissa Beach, Korfu, Mitte Achtziger
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Mirtiotissa Beach, Korfu, 2017.
In wenigen Jahren hat der Strand mehrere Meter verloren, der hintere Teil besteht nicht mehr. Grundsätzlich werden alle Strände dieser Welt weniger, der Sand wird als Rohstoff zum Bauen geklaut, widrige Strömungen, Anstieg des Meeresspiegels. Das ist eine dramatische Veränderung.
Ich sitze gerade vor meinem Bildschirm und hadere mit dem Prinzip der Veränderungen. Für alle gesellschaftlichen Bereiche gilt das Wettkampf-Motto: Citius, altius, fortius. Mit dramatischen systemischen und individuellen Folgen. Immer mehr Menschen sind überfordert und fühlen sich abgehängt. Egal, ob reale Modernisierungsverlierer in sozialen Brennpunkten, die von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind, oder zornige, weiße, alte Männer, durchaus wohlsituiert, aber gepeinigt vom „Gender-Wahnsinn“ und „Asylantenfluten“, sie wählen zunehmend die Hass-Variante AfD.
Ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass ich mich nicht mehr auf alle Veränderungen einlassen muss, aber ab wann? Auf meinem PC lachen mich neue Betriebssysteme an, soziale Medien warten auf mich. Ich brauche sowas privat so nötig wie einen Pickel am Arsch. Ich hasse Facebook und Suckerberg, hab den Film „The social network“ gesehen. Gruselig. Aber wer beruflich, künstlerisch, gesellschaftlich aussagefähig bleiben will, muss sich auf diese Formen der Kommunikation einlassen.
Aber ich, jetzt noch? Ist es denn immer so wichtig, zu wissen, was die Welt zusammenhält? Sollte ich nicht lieber am Hippie-Strand Mirtiotissa liegen und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? Mirtiotissa war ab den 70ern ein Spot für die Alternativkultur, ähnlich wie Goa oder Ibiza. Eigentlich nicht mein Ding, ich tue mich nicht gerne gemein. Aber schön ist es da schon und es ist auch nur noch ein Uralt Zausel-Hippie da. Den hat das Touristenbüro Korfu angestellt, für all die Japaner und dickbäuchig-hummerrotverbrannten Engländer, die jetzt mit ihren Reiseführer-Apps da liegen, in denen seit Jahren steht: „Korfu Geheimtipp ist der Mirtiotissa Strand, Treffpunkt von Hippies aus aller Welt. Must have!“
Dann lieber 5 Sterne Hotel zwei Buchten weiter. Demnächst. Vorerst freue ich mich über sprachliche Veränderungen, die ich schon noch wahrnehme. Gefallen hat mir eine frühe Mail:
„Wir flanken dir zweimal pro Woche die spannendsten News der Digitalbranche direkt in dein Postfach!“
Schöön. Das lassen wir mal einen Größeren als mich kommentieren:
Ihr naht euch wieder, flankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
…..“

Und wo wir gerade bei sprachlichen Veränderungen sind: Denken Sie, liebe Leserinnen, daran, das Wort „narrativ“ aus ihrem Modeschatzkästlein zu streichen und zu ersetzen durch: disruptiv. Das ist schwerstens angesagt und verschafft Ihnen in jeder Sitzung enormen Distinktionsgewinn, aber nicht häufiger als dreimal verwenden.
Wir bilden einen Beispielsatz:
Die AfD ist die Disruption der SPD.

21.01.2018 – 6.000.000.000.000 versus 6.000.000

städte-jetzt-pleite
Ich – bei Phoenix. Scan aus meinem Papierbilderarchiv, das ich gerade einsortiere. Aber wann war das und zu welchem Thema? Das ist eine der ganz seltenen undatierten Aufnahmen, ich bin sonst ein absolut akribischer Archivar:
Alle Macht den Archivaren, sonst wird die Nachwelt nichts erfahren!
Dem TV-Gerät nach zu urteilen, muss das vor dem Krieg gewesen sein. Ich weiß allerdings nicht, welcher es war, die Katzenfutterdose und das Brillengestell helfen auch nicht weiter. Mit so einer Brille wurde ich geboren, Katzen habe ich bis ins mittelhohe Alter immer gehabt. Das relativ faltenfreie Aussehen sagt überhaupt nichts. Sie haben keine Vorstellung, welche Wunder in der Maske vor einer TV Sendung vollbracht werden. Absolut nicht weiter hilft die Bauchbinde mit dem Einspieler „ … Städte jetzt Pleite?“ Ich bin eher der Typ, der in jedem Medium überzeugend, aber faktendesorientiert zu allem was sagen kann. Wir nennen sowas Politiker. Also durchaus möglich, dass ich mal Phoenix vollgeschwallt habe zum Thema „Privater Reichtum – öffentliche Armut“ oder so ähnlich. Whatsoever.
Es hängt aber alles mit allem zusammen, das Geld ist ja nie weg, es ist immer nur woanders, und im Zweifel eben nicht bei den Kommunen. Und so kommen wir zu den 6.000.000.000.000 (Billion = 1.000 Milliarden) in der Überschrift. Das ist das private Vermögen aller Deutschen. Macht pro Kopf ca. 75.000 Euro. 40 % haben nix oder Schulden, da sind wir bei ca. 140.000 pro Kopf. Ziehen wir mal die unter 18jährigen ab, dann sind wir bei 170.000 Euro Vermögen pro Kopf. Dazu kommen noch Immobilien, denn die Zahl beschreibt nur das mobile Vermögen, Tagesgeld, Aktien etc. pp. Das sind nach meiner Erinnerung roundabout 9 Billionen, also kommen da nochmal 250.000 Euro drauf, macht summa summarum ein Pro Kopf Gesamtvermögen von ganz grob geschätzt 420.000 Euro pro Kopf eines ziemlich alltäglichen, „normalen“ geschäftsfähigen Bewohners der BRD.
Es geht mir ausnahmsweise nicht um die ungerechte Verteilung dieses Vermögens in unserer Gesellschaft, nach der die 100 reichsten Deutschen z. B. alleine mehr Vermögen besitzen als der gesamte Bundeshaushalt mit cirka 330 Milliarden Euro ausmacht. Das ist eher unfassbar.
Es geht mir darum, die Alltäglichkeit der Reichtumsdimension deutlich zu machen. Das sind Millionen von Menschen, die über diese von mir geschätzte Summe verfügen. (Die wegen der Dunkelziffer viel höher liegt, Kapital ist ein scheues Reh. Hier offizielle zu gering gewichtete Zahlen, mit dem richtigen Hinweis für Statistiker auf den Median). Das sind erheblich mehr Menschen als aktuell in Gewerkschaften organisiert sind, erstmals nämlich unter 6.000.000, siehe oben. Es waren mal fast doppelt so viele. Und da alle menschlichen Massverhältnisse eine Frage der Macht sind, stellt sich für mich die Frage einer zukünftigen Entwicklung unserer Gesellschaft, was mehr Gerechtigkeit angeht, nicht. Sie findet nicht statt. Wer sollte sie organisieren?
us-imperialismus
Beschissene Aussichten.

19.01.2018 – Mein progressiver Alltag mitten im Orkan

Ex-Panzerkommandant
Neujahrsempfang Radio ffn. Redner: Bernd Althusmann, CDU, niedersächsischer Vize-MP und Ex-Panzerkommandant
Mein progressiver Alltag hieß eine autobiographische Comicserie von Chlodwig Poth, die die Widersprüche von Linken und Alternativen im Post-68er Alltag satirisch aufs Korn (Prost!) nahm.
Der Alltag von Rest-Linken heutzutage ist geprägt von Desillusionierungen und Niederlagen. Und Zynismus. Gestern noch räsonierte ich über das Öko-Ende der Welt, das ich zwar nicht mehr erleben würde, dessen Symptome mich aber mittlerweile durchaus im Alltag inkommodieren. Prompt schickte die Fraugöttin einen tobenden Orkan über das Land. Vor dem Fenster meines Arbeitszimmers donnerte ein Dachziegel auf die Kühlerhaube eines Mercedes, der Fahrer sprang zu Tode erschrocken aus dem Auto und wäre beinahe vom Gegenverkehr plattgewalzt worden. Ich war nicht minder erschrocken und schaute mir die Urgewalten im Garten an. Ein archaisches Unbehagen befiel mich, der Orkan rüttelte zornig in den kahlen Baumwipfeln und heulte, pfiff und brauste, dass einen grauste. Ich flüchtete wieder an meinen Schreibtisch.
Das böse, böse CO2. Macht unser schönes Klima kaputt. Für den Abend bestellte ich mir eine Taxe. Der hiesige Privatfunk ffn, eine entsetzliche Akustik-Nervenplage mit chronisch-hysterisch gutgelaunten Morgenmän-Moderatoren, gab seinen Neujahrsempfang, zu dem ich auch eingeladen war. Ich sitze als NGO Vertreter in der Versammlung der Landesmedienanstalt, die die privaten Medien in Niedersachsen überwachen soll, inklusive der Bürgersender. Das ist nicht so aufregend wie es sich anhört und eine substantielle Qualitätsverbesserung bei den Arsch-und Titten-Krawallsendern habe ich bisher auch nicht erreichen können. Und werde es auch nicht, denn, siehe oben „Der Alltag von Rest-Linken heutzutage ist geprägt von Desillusionierungen und Niederlagen.“ Dafür werde ich zu Empfängen wie bei ffn eingeladen, komme mir wichtig vor und merke, wie meine Beißhemmung gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft für ein paar Momente zunimmt, was ja auch ein Sinn solcher Veranstaltungen ist.
Bis zu dem Moment, wo ich das Ganze als Inszenierung eines Dramas von Ibsen betrachte und siehe, es ist alles nur schöner Schein und darunter ist alles Lüge. Und bei Lichte betrachtet bin ich so wichtig wie der Furz einer Fruchtfliege. Mein Abend endete im Fond eines tonnenschweren SUV, irgendwelche Motorenwerke hatten einen Shuttleservice zur Verfügung gestellt, mit Autos so groß wie Panzer. Und das am Abend eines Orkantages. Wie gesagt: Der Alltag von Rest-Linken heutzutage ist geprägt von Desillusionierungen und Niederlagen.
Und Zynismus.

18.01.2018 – Lauter Panzer.

this is not a polaroid
Polaroid Foto, auf dem im Moment der Entwicklung der Satz eingeritzt wurde „This is not a Polaroid“. Aufgenommen mit einer Samsung A 3 Smartphone Kamera.
Morgenlektüre:
„Die globale Erwärmung bis 2100 ist bei 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit nicht zu stoppen
„Die Beschleunigung und Vernetzung in nahezu jedem Feld menschlicher Aktivität überfordert viele Menschen in ihrem Alltag“
Mich beschäftigt seit Jahren zunehmend die Wahrnehmung, dass immer mehr Menschen um mich herum mit dem Wandel der Welt überfordert sind. Das ist kein abstraktes Gedankenspiel von jemandem, der nur Luxusprobleme eines weißen, wohlsituierten, männlichen Mitteleuropäers hat. Das hat konkrete Auswirkungen auf meinen Alltag, was Arbeit, zwischenmenschliche Beziehungen und Emotionalität angeht. Die Menschen flüchten:
In Alkohol und Drogen. Naheliegend. Und letzten Endes tödlich.
In Esoterik. Niedlich, solange es nicht in rechtsradikale Verschwörungstheorien ausartet.
In religiösen Aberglauben. Gut für Satire, für kritische Argumentationen nicht erreichbar.
In Krankheit. Oje.
In Konfliktverweigerungen. Anstrengend und Projektkillend, versuchen Sie mal mit einer Wand eine Konfliktdiskussion zu führen.
In Humbug Medizin wie Homö-, Osteo, Psycho – und andere Pathen. Ärgerlich, wenn es von der Solidargemeinschaft der Krankenkassen finanziert wird.
In Verdrängung. Ist sowohl Ursache der hier angeführten Phänomene als auch weiteres Symptom.
Das sind nur die Eskapismen, die mir spontan im Schreiben aus dem persönlichen Umfeld einfallen. Die Medien liefern zahlreiche weitere Beispiele allgemeiner Natur.
Die Welt als solches ist nach meiner Einschätzung nicht mehr zu retten. Schauen Sie sich mal die neuesten Automodelle der Detroiter Messe an: lauter Panzer. Geisteskrank.
Mir persönlich ist das egal. Auch wenn mich die Wetterkapriolen zunehmend nerven und im Alltag behindern, das Ende, wie auch immer es aussieht, erlebe ich eher nicht und grundsätzlich halte ich die menschliche Rasse als Spezies eh für überschätzt. Dummheit muss bestraft werden, sagte mein alter Volksschullehrer und schwalbte mir eine. Aber die hier geschilderten Mikroprozesse der kollektiven Fluchtbewegungen finde ich lästig.
Und jetzt, liebe Leserinnen, zerbröseln Sie sich mal schön den Kopf über den ikonographischen Gehalt des obigen Bildes.

17.01.2018 – Warum ich manchmal nicht alle Tassen im Schrank habe, mein Freund der Klempner und der Tod der SPD

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Erwerbslosendemonstration Anfang der 2000er vor dem damaligen Arbeitsamt in Hannover.
Bei einem Expo 2000 Job als Projektleiter hatte ich so viel Kohle verdient, dass ich mir ein paar trübe Winter lang an der Algarve oder ähnlichen Meeresgestaden die Falten aus dem Bauch hätte klopfen und an meinem Opus Magnum weiterarbeiten können, einem fulminanten Wälzer über die Dreifachmoral der postbürgerlichen Gesellschaft. Stattdessen fing ich als Sozialarbeiter bei einem Bildungs- und Beschäftigungsträger an, der Werkstatt Hannover. Manchmal habe ich offensichtlich nicht alle Tassen im Schrank. Die Werkstatt Hannover war selbst für die Verhältnisse einer SPD-Hochburg Hannover derartig kriminell mit Genossenfilz durchzogen, dass die Kriminalpolizei ermittelte, es zu diversen Strafverfahren kam und der Laden dichtgemacht wurde. Ich war Arbeit los, hatte von bürgerlicher Erwerbsarbeit erstmal die Schnauze voll, so viele Tassen hatte ich dann doch noch im Schrank, und tat das, was zu tun ist: Basisarbeit, mit einer Erwerbsloseninitiative. Es war die Zeit, als der Untergang der SPD am Horizont aufschien, Gerhard Schröder drückte in einem bis heute in der deutschen Parteienlandschaft beispiellosen Top-Down Prozess die Agenda 2010 durch („Agenda“ ist Latein und heisst: was zu tun ist).
Ich gründete die HALZ, die Hannöversche Arbeitslosen Zeitung, mit anderen, um die herum sich regionaler Basiswiderstand gegen die Agendapolitik organisierte. Wir verteilten die HALZ, die skurrilerweise immer noch im Netz ist, bei Wind und Wetter morgens vor dem Arbeitsamt, wenn zig Leute auf Einlass warteten und organisierten Demonstrationen vor dem Gebäude. Das Schöne an der Sache: Es engagierten sich nicht nur Rest-Revoluzzer, die gerne mal vier Seiten lange Flugis mit wirrem Zeug vollkleisterten, Schriftgröße Punkt 10, sondern ganz normale arbeitslose Facharbeiter, Angestellte, Frührentner.
Ich hatte mich an der Uni theoretisch mit der Geschichte sozialer Bewegungen auseinandergesetzt und ahnte, dass der Paradigmenwechsel der SPD als Teil der Arbeiterbewegung hin zur asozialen Agenda 2010 nicht gut ausgehen würde für diese Partei. Darüber empfinde ich nicht nur keinen Schimmer Schadenfreude sondern angesichts der in Rede stehenden Alternative den schleichenden Tod der SPD als Desaster.
Zur Gewissheit wurde die Ahnung in einem Gespräch mit einem Neuankömmling der Erwerbsloseninitiative, einem Klempner. Der sagte zur Schröder Politik:
„Sowas macht man nicht. Das ist unanständig.“
Der Klempner war kein Mann großer Worte, er hatte einfach ein tief verankertes Gefühl für Gerechtigkeit, eine ethische Grundierung. Er diskutierte auch nie viel, er sagte nur:
„Hört auf zu labern, wir müssen raus, an die Öffentlichkeit.“
Und wenn jemand bei Demos 5 Minuten zu spät kam, faltete er ihn gnadenlos zusammen.
Heute ist der Klempner Rentner und die meiste Zeit des Jahres mit seiner Frau an südlichen Meeresgestaden, klopft sich die Falten aus dem Bauch. Wenn er wieder Zuhause ist, ruft er an und wir treffen uns auf ein Getränk. Wir sind seit Jahren Freunde.
Währenddessen nimmt die Tragödie der SPD ihren Lauf. Es ist die klassische Theatersituation der 2500 Jahre alten griechischen Tragödie: Die Partei kann machen, was sie will, das Schicksal wendet sich gegen sie. An einer bestimmten Stelle in der Handlung auf der Bühne ist der Akteur vor die Wahl gestellt, sich zu entscheiden. Danach gibt es kein zurück. Die SPD hatte damals die Wahl, sie hat sich für die Agenda 2010 entschieden. Aber, siehe Klempner:
„Sowas macht man nicht. Das ist unanständig.“
Zur Erinnerung: Ein Facharbeiter, der in den 90ern arbeitslos nach 35 Jahren Arbeit wurde und eine Lebensversicherung und kleines Vermögen besaß, Standard in der alten Facharbeiter-BRD, kriegte damals im Normalfall kaum noch Arbeit, aber dauerhaft ca. 50 % Arbeitslosenhilfe, was knapp armutssicher war, und durfte sein kleines Vermögen behalten.
Nach der Agenda 2010 kriegte er Hartz IV, gleichbedeutend mit Armut, war sein Vermögen los, im Zweifel auch seine Wohnung, wenn sie zu groß war, und musste jeden Job annehmen, der ihm angeboten wurde.
Konsequenzen: Die Angst vor der Vernichtung der bürgerlichen Existenz ist flächendeckend in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die AfD wird die SPD als Partei der kleinen Leute ablösen und ich werde es meinem Freund, dem Klempner, irgendwann nachmachen und mir an den Gestaden des Mittelmeeres die Falten aus dem Bauch klopfen.
Und in aller Ruhe die Tassen in meinem Schrank nachzählen.

16.01.2018 – So etwas wie Gesellschaft existiert nicht

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Lasst 1.000 Bommeln blüh’n, bringt die Steine zum Singen und die Verhältnisse zu Tanzen. Kunst im öffentlichen Raum vor dem hiesigen Ihme-Zentrum
„So etwas wie Gesellschaft existiert nicht Es gibt nur individuelle Männer und Frauen“. Dieses auf den Punkt gebrachte Paradigma des Neoliberalismus von Margaret Thatcher ist natürlich nur ein asozialer Vorwand, ohnehin schon arme Schweine bis auf das Hemd auszuplündern. Weil den Aasgeiern des Kapitals das nicht reicht, greifen sie auch auf ihre Körper zurück. Für qualvolle medizinische Versuche an wehrlosen Kindern, bis in die Sechziger des vorigen Jahrhunderts hinein. Geschehen in der Kinder- und Jugendpsychatrie in Wunstorf. Soweit normal ekelhafte Realität unserer Gesellschaft.
Ich habe allerdings mit Gesellschaft auch mitunter Probleme – insoweit es sich um die Gesellschaft anderer Leute handelt.
Es gibt eine tolle Initiative namens „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ , die mit kreativen Ideen und Veranstaltungen versucht, Leben und Perspektive in den oben abgebildeten Bau zu bringen. Großartig.
Und dann gibt es Bewohnende des Ihmezentrums, die versuchen, denen Knüppel zwischen die Beine zu werfen und deren Arbeit zu sabotieren. Wäre ich Mitglied der Initiative, würde ich das Problem mit einer Parabellum regeln. Bad Company.
Gestern war ich auf einer Info-Veranstaltung der Initiative zur Wohnungsproblematik in Hannover. Der Wohnungsmangel gerade in Metropolen wächst sich immer mehr zu einem gesellschaftlichen Desaster aus. Bevor der soziale Wohnungsbau auch nur annährend frühere Dimensionen erreicht, werden Hunderttausende wohnungslos werden oder aus ihren Quartieren verdrängt.
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Entwicklung sozialer Wohnungsbau von 1950 bis 2006.
Das ist Treibsatz für Armut und idealer Nährboden für Rechtsextremismus. Was tun? Ich habe da erheblichen Informationsbedarf: wann kann man zum Beispiel Singles aus ihren 100 qm Wohnungen rausschmeißen oder Senior*innen aus ihren leergewordenen – die Kinder sind aus dem Gröbsten raus – 200 qm Eigenheimen sozialverträglich entmieten?
Wenig überraschend: nie. (Nein, auch mit der Parabellum ist das nicht erlaubt).
Warum gibt es z. B. in niedersächsischen Großstädten keine Leerstandskataster? Hm.
So saß ich also in der inhaltlich hervorragenden Veranstaltung der Initiative. Es störte mich nur eins:
Die Gesellschaft Anderer. Der Raum war voll und 20 Prozent der Anwesenden hatten offensichtlich ein gestörtes Verhältnis zur Körperhygiene. Es stank. 5 – 10 Prozent der Anwesenden litten unter Chronoallergie, meint, sie besitzen offensichtlich keine Uhr, kommen chronisch zu spät, zu jeder Veranstaltung, und gehen mir sowas von auf den Sack, dass ich in mir den immer stärker werdenden Drang verspüre, aufzustehen und sie coram publico dahingehend maßzuregeln:
„Liebe Zuspätkommende, wissen Sie, warum man im Wilden Westen Pferdediebe aufgehängt hat? Weil Pferde das ideale Mittel zur Zeiteinsparung waren und wer jemandem ein Pferd stahl, der stahl ihm Zeit. Die Leute wurden also wegen Zeitdiebstahl gehängt. Und Sie stehlen hier gerade dutzenden von Leuten durch Ihre Störung Zeit.
Möchten Sie noch etwas sagen ….?“

Sie verstehen also, liebe Leserinnen, dass ich mit Gesellschaft Probleme habe ….