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23.01.2016 – Home-Office, Essig und Öl.

Ich bin arbeitsmäßig oft unterwegs, aber viel läuft auch per Home-Office. Für Leute, die von neurotischen Vorgesetzten gemobbt werden, ätzende Kolleginnen haben oder renitente Mitarbeiterinnen, mag das ja eine paradiesische Vorstellung sein. Hat ja auch was, im Sommer, wenn die Sonne „Freiheit, Freiheit“ ruft, zwischendurch einfach mal zwei Stunden an den Kiesteich zum abhängen zu radln oder bei dem trüben Wetter mal eben Mittagsschläfchen einzulegen. Wo geht das schon im Erwerbsarbeitsleben?
Wer aber jemals von der Naturgewalt der Prokrastination überrollt wurde, weiß die Segnungen einer Stempeluhr und eines Vorgesetzten, der mit vorgehaltenem Abmahnungsschreiben auf Arbeits-Erledigung drängt, zu schätzen.
Neulich saß ich an einem wichtigen Antrag auf Fördermittel für ein Projekt. Der Antrag hatte schon Schimmel angesetzt, die Kostenkalkulation trieb mir, der noch nicht mal Gleichungen mit keiner Unbekannten lösen kann, Bluttränen in die Augen. Da fiel mir plötzlich ein, dass ich unbedingt und sofort mein Rosmarin-Körperöl neu ansetzen müsste. An meinen alabasterfarbenen Luxuskörper lasse ich nur erstklassige Ingredienzien. Der Rosmarin ist natürlich Öko aus dem eigenen Garten und das Oliven-Öl (entzündungshemmend) sündhaft teure kalte, native Pressung. Rosmarin wirkt noch entzündungshemmender als Olivenöl und lässt mich mitunter wie einen juvenilen Mittfünfziger durch die Strassen tänzeln, völlig Arthritis- und Rheumabefreit.
rosmarin suchbild
Rosmarinsuchbild.
Ich schnitt also sofort Rosmarin, der ist winterhart, bereitete Gefäße zum Ansetzen vor, nahm das Öl zum Aufgießen, das Telefon klingelte, ich erschrak mich zu Tode, war das etwa das zuständige Fördermittel-Ministerium, dass den Antrag anmahnen wollte, das Öl entglitt mir und ergoss sich auf den Tisch. An und für sich kein Drama – sieht man davon ab, das auf dem Tisch sämtliche Unterlagen für den Antrag lagen.
Nachdem mich der Notarzt wiederbelebt hatte, war mein erster Gedanke:
„Lieber Gott, mach, dass ich wieder mit lauter Arschlöchern in einem normalen Büro sitze, gepeinigt von sadistischen Vorgesetzten und erdrückt von Monsterbergen von Terminarbeit. Und vorne am Eingang lacht mich höhnisch ein Zeiterfassungsgerät an.“
Ich war in meinem Angestelltenleben die Krone der Dreistigkeit, aber Rosmarin-Körperöl am Arbeitsplatz ansetzen, das hätte selbst ich nicht gewagt.
Zum Essig aus der Überschrift kommen wir in Teil 2 der Serie „Home-Office – Fluch ohne Segen“. Ich muss am Wochenende den Antrag fertig kriegen, kann’s mir zeitlich überhaupt nicht leisten, hier rumzufaseln.
Das Telefon klingelt auch gerade …..

20.01.2016 – Hitler – Der Film!

Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist erschienen, kritische Edition, logisch. Und das Fazit der Wissenschaftlerinnen: Hitler nix gut. Potzdonner. Wer hätte das gedacht.
Viel wichtiger: Der Film zum Buch ist da! „Hitler – Der Film“.hitler - der film
Drauf klicken und los geht’s.
Ein weiteres Meisterwerk der jungen Wilden aus dem SCHUPPEN 68, Michael Doege & Klaus-Dieter Gleitze. Beide gelten als Erfinder des cinéma brutal. Cinéma brutal heißt: Kein Etat, kein Drehbuch, keine Einstellung wird wiederholt und am Drehort wird aus drei Themenkarten eine gezogen, das Thema wird dann verfilmt. Dieses Mal standen zur Wahl „Erbsensuppe“, „Sackkarren“ und „Hitler“. Der Film ist 2.46 Minuten lang, es ist als exclusives Bonusmaterial für Sie, liebe Leserinnen, der Director’s Cut mit Überlänge. Er kommt 2068 zum 100jährigen Jubiläum des SCHUPPEN 68 in die Kinos. Wenn es dann noch Kinos gibt.
blondie
Brillante Nebenrolle: Hitlers Schäferhündin Blondie.
Sichern Sie sich bereits jetzt günstige Karten im Vorverkauf. Die beiden Protagonisten werden bei der Premiere anwesend (ersatzweise: verwesend) sein.
„Hitler – Der Film“ ist Teil 2 unser vierteiligen Deutschland-Trilogie, in der wir Deutschland bis zur Kenntlichkeit entstellen. Nach dieser Trilogie weiß jede: Der Abgrund ist in Dir, Du musst ihn nur herauslassen!
Teil 1 der Trilogie kann hier gesehen werden. Einen „making of“ Bericht vom Tatort gibt es hier. Das Duo Infernale Doege & Gleitze arbeitet zur Zeit an der Komödie „Hitler – mein Klampf“. Hitler war ja verhinderter Gitarrist und die Komödie zeigt, wie sich die Geschichte entwickelt hätte, wenn Hitler Reggaemusiker geworden wäre, was er ja eigentlich wollte. Die Dreharbeiten sind in vollem Gange, das Einzige was nervt, ist die dauernde Kifferei. Mir brennt ewig der Bart an.

17.01.2016 – Als erstes lese ich immer die Todesanzeigen in der Tageszeitung.

Wieder eine dabei, die man kennt? Erzählen die Anzeigen vielleicht Geschichten jenseits von Tod und Trauer?
Der Tod ist zum Wiehern
Welch Beziehungsvielfalt. Da kommt man schon ins Grübeln. Nach welchen Kriterien wird die Anzeigenseite layoutet, außer nach Größe? Manchmal ist der Tod zum Wiehern.
Die Tendenz geht auch bei Familienanzeigen immer mehr zum Bild. Warum nicht, der Mensch lebt nicht vom Wort allein.
per aspera ad astra
Aus der gleichen HAZ-Ausgabe. Was will uns dieses Bild sagen? Bei der Sippe ist gerne mal Prahlhans Küchenmeister? Man spricht Latein, man kann Wein, an Geschmack muss man aber noch arbeiten? Sind so viele Fragen, musst Du tüchtig trinken (Bettina Wegner zugeeignet). Aber kein Astra.
Gestern gezappt, es gab nur Scheiße im TV. Bei DSDS hängen geblieben, als eine Kandidatin mit einer grausigen Phrasierung aber tollen Soulstimme „Killing me softly“ intonierte, ein umwerfender Song von Roberta Flack aus den Siebzigern. Als Quelle war aber in der Einblendung angegeben „The Fugees“. Grassiert denn nur noch Abgefeimtheit und Niedertracht im TV? Wenn der für so was Verantwortliche in einem meiner Projekte mitarbeiten würde, dürfte er zur Belohnung eine Woche lang jeden Morgen vor Dienstbeginn mit 12 Bänden Brockhaus auf dem Rücken Strafexerzieren.

12.01.2016 – Kriege ich jetzt endlich den Pulitzer Preis?

NETZ 3 - dahinter stecken viele kluge Köpfe
Die NETZ (Download hier NETZ Nr. 3-Januar 2016) ist ein bundesweit einmaliges Projekt an der Schnittstelle zwischen Betroffenen und deren Initiativen sowie Verbänden und Politik (Links im Bild Martin Fischer (Diakonie in Niedersachsen, Sprecher Landesarmutskonferenz und der größte Zweitliga-Fußballer aller Zeiten – er überragt mich um mehr als Haupteslänge 😉 ).
Die NETZ mit brillanten Fotografien, Cartoons, Gedichte und herausragenden Beiträgen, kein Wunder, dass ich heute Nacht einen feuchten Traum hatte: Mir wird der Pulitzer Preis verliehen. Nach Recherche – wie es sich für einen gewissenhaften Journalisten und Herausgeber gehört – bittere Enttäuschung: Der wird nur an Amis verliehen. Bittere Tränen. Trinken würde helfen. Aber die NETZ muss unter die Leute, nicht nur virtuell per .pdf , sondern noch richtig altmodisch über Realvertrieb und ein paar Leute suche ich gerne dazu auch persönlich auf – NETZwerken. Heutzutage macht das keinen guten Eindruck, wenn man dabei vormittags schon brettelbreit aufläuft. Früher wurde ja noch flächendeckend Alkohol bei der Arbeit verklappt.
Früher war sowieso alles besser.

11.01.2016 – Die neue NETZ ist da!

Die dritte Ausgabe der NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung ist da! Thema der NETZ: Die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich. Mittlerweile ist fast jeder sechste Niedersachse von Armut bedroht, die Armutsquote betrug 2014 laut Landesamt für Statistik Niedersachsen 15,3 Prozent.
Die NETZ wird herausgegeben von der Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen sowie von Klaus-Dieter Gleitze (V. i. S. d. P.), Achim Beinsen und Hermann Sievers. Sie erscheint kostenfrei in einer Auflage von 10.000 Stück. Die NETZ wird verteilt in sozialen Brennpunkten, an Verbände, Parteien, in Stadtteilzentren, Jobcentern und an Betroffene und deren Initiativen. Die online Ausgabe gibt es demnächst hier an dieser Stelle, bleiben Sie drin!
blick in die Redaktionsstube der NETZ
Für Sie liebe Leserinnen, ein exclusiver Blick in die Redaktionsstube der NETZ. So sieht Zeitungsmachen aus – wie im Klischeebilderbuch.
Alle drei NETZ-Macher (ja, leider lauter Männer, aber wir haben jetzt wenigstens zwei feste Korrespondentinnen) verdienen ihr Geld mit anderen Jobs, Redaktionsarbeit läuft nach Feierabend und da kommen locker schon mal 14-Stunden Arbeitstage zusammen. Kein Wunder, dass ich nach jeder Ausgabe urlaubsreif bin. Vor jeder allerdings auch.
Die NETZ versucht, mit anspruchsvollen Fotos, Collagen, Gedichten – auch von Betroffenen – den Anspruch auf kulturelle Teilhabe zu verwirklichen:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Die nächste NETZ erscheint im Sommer zur Fußball-Europameisterschaft, dann mit einem Schwerpunktthema „Flüchtlinge“. Fußball ist eine der letzten großen gesellschaftlichen Erzählungen, die schichten- und grenzübergreifend funktionieren. Diese verbindende Funktion wollen NETZ und Landesarmutskonferenz auch mit Aktionen zur EM aufgreifen. Nicht zuletzt die öffentlichen Diskussionen anlässlich der Sylvestervorfälle in Köln und anderen Städten zeigen: Angesichts der wachsenden politischen Spaltung im Lande wird es immer wichtiger, die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergehen zu lassen.

07.01.2016 – Marianne Rosenberg und Ludwig Wittgenstein

Wie kommt eigentlich die Sprache in die Welt?
Eine wesentliche Funktion des kollektiven Spracherwerbs war sicherlich die Bannung von Angst und Schrecken. Versetzt den heutigen homo oeconomicus höchstens noch der Kontoauszug in Angst und Schrecken, dürfte die Welt für den Neandertaler, der auf Grund der Nutzung von Werkzeugen und Waffen sicherlich schon sprach- und damit komplex kommunikationsmächtig war, ein einziger Ort der Angst gewesen sein. Der Säbelzahntiger war dabei im Vergleich zu einer Sonnenfinsternis vermutlich noch einer der harmloseren Schrecken.
säbelzahntiger
Eine Säbelzahntigerin namens Luci.
Wenn man den Dingen einen Namen gibt, nimmt man ihnen den Schrecken.
Die Tatsache, dass der Neandertaler in der Lage war, den Säbelzahntiger von nebenan „Röhrender Rudi“ zu nennen oder die nahende Sonnenfinsternis „Gelber Wärmeball, der bald wiederkommt“, dürfte nicht unerheblich zu seiner langen Existenz auf Erden beigetragen haben.
Nicht umsonst heißt es ja auch „namenloses Grauen“, was bei mir allerdings nur noch der Anblick kurzbehoster und weißbesockter Ostgoten am Mittelmeer auslöst. Der Name ist die Vollendung des Begriffs und wofür man einen Begriff hat, das begreift man auch. Was aber viele Zeitgenossinnen nicht verstehen. Das hätte Wittgenstein auch nicht besser formulieren können.
Man eignet sich die Welt qua Namen an. Diesen Sprachentstehungsaspekt aus Sicht der allgemeinen Linguistik hat Frau Prof. Dr. Marianne Rosenberg in ihrer Antrittsvorlesung unter dem Titel „Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür“ auf den Punkt gebracht.
Wo aber der Name aus der Welt schwindet, hält der Horror Einzug.
euro shop Kopie
Dieser verkackte Laden hat noch nicht mal einen Namen, sondern nur eine Funktionszuschreibung: Hier gibt es haufenweise billigen Dreck für 1 Euro. Gegenüber hatte bis vor ein paar Tagen noch eine Billigbude auf, die wenigstens einen Namen hatte: T€DI.
Läden ohne Namen, das ist der Anfang vom Ende der Zivilisation. Von Kultur will ich gar nicht reden. Mit Läden ohne Namen wird die Umgebung entwertet und den Kundinnen nichts als Verachtung geschenkt. Aus ideologiekritischer Sicht sollte ich froh darüber sein, dass so der Kapitalismus maskenlos auf seinen Kern reduziert wird. Aber wenn ich bedenke, dass sechs Häuser weiter mit Gothe der letzte selbstständige Schlachter in einem Viertel von immerhin 45.000 Einwohnerinnen dicht gemacht hat, krieg ich echt den Horror.

06.01.2016 – Bin ich pervers?

Nun kam er doch, der Winter, mit Frost und Schnee.
nackte 1
Also musste ich meine Nackte im Garten winterfest machen. Die letzte Lackierung hatte ich ihr per Pinsel verpasst. Komisches Gefühl, weibliche Rundungen, und seien sie noch so unfleischlich wie bei dieser Puppe, mit einem Pinsel nachzuzeichnen. Dieses Jahr ging ich die Sache distanzierter an, mit Sprühlack.
Im Prinzip nicht unpfiffig. Aber dazu muss man die Nackte erst mal säubern und trocknen. Also musste ich sie von Kopf bis Fuß mit einem Lappen abwischen. Komisches Gefühl wieder.
Ich buche es bei mir unter dem Konto „Überbordende Phantasien“ ab. Pervers ist dann doch wohl was anderes. Solange ich die Lady nicht mit ins Bett nehme (um sie vor der Kälte zu schützen), mach ich mir da keinen Kopf. Schlimmer ist, dass ich heute die Unterlagen für die Seniorenbeirats-Wahlen gekriegt habe, an mich persönlich adressiert. Das tut weh. Und ist ne andere Nummer als Spams und Werbemails, die mir Treppenlifte und Seniorenhandys andrehen wollen, wohingegen Angebote deutlich weniger werden von „blutjungen Ludern“ wie „Samira“, die „es (?) mir besorgen wollen“ bis zum … was weiß ich, bis wohin.
P.s.: What the fuck ist eigentlich dieses „es“ im Satz „Ich besorge es Dir“? Mein erster Verdacht: das Freudsche „Es“ im Sinne der unbewussten, von sexueller Begierde geprägten Teile des Individuums. Aber müsste es dann nicht genauer heißen „Über-Ich besorgt es Dir“. Und wer redet so im Bett?
Als polyglotter Weltbürger habe ich natürlich mehrsprachig gegoogelt, übersetzen hilft. Hier der vielversprechende Ansatz:
„What does „Ich besorg es dir“ mean in english? I cant make sense of it. The only transitive verb „besorgen“ I know is basically „to get“. As in „Besorge dir ’ne Tasche.“ … ?”
Die Antwort ist niederschmetternd:
“in a sexual term it means: I will **** you good“.
I will Sternchen you good?
nackte
Ich sollte die Nackte in den Keller stellen. Das schont sie.
Und hält mich von solchen Blogeinträgen ab.

05.01.2016 – Meerrettich und Mittelschicht – wo sind sie geblieben?

Meerrettich und Mittelschicht – wo sind sie geblieben?
Meerrettich und Mittelschicht – alles wird zerrieben.

(nach Mathias Beltz).
Innerhalb kurzer Zeit haben die beiden Kiezläden dicht gemacht, die ich mit am häufigsten frequentiert habe und zu denen sich ein so inniges Verhältnis entwickelte, dass sie in die rare Garde der offiziellen SCHUPPEN 68-Sponsoren aufgenommen wurden: die Fösseapotheke und die Fleischerei Gothe. Der Kiez trauert. Und das ist so verlogen wie vieles an diesem alternativspießigem Kiez-Getue, das mir immer mehr auf den Sack geht.
Die Läden haben dicht gemacht, weil sie von immer weniger Kundinnen frequentiert wurden.
Apothekenketten wie DocMorris und Internetbillgheimer haben dem Einen das Genick gebrochen und die abnehmende Zahl von traditionellen Mittelschichtshabitus-Kundinnen dem Anderen.
Gothe
Fleischerei Gothe. Emotionaler Abschied.
Auf der einen Seite Lowest-Budget Fleischtheken in Supermärkten, wo es ein halbes Schwein für 5 Euro gibt, am anderen High-End der Skala Biofleisch-Kundinnen, die es sich leisten können, im Ökoladen ihres Vertrauens in einer stilvollen Zeremonie Abschied von ihrem persönlichen Lamm (individueller Lebenslauf von der Geburt bis zum Bolzenschuss garantiert) zu nehmen. Die Mitte bricht weg, ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Wachsender Luxus und Distinktions-Hedonismus bei den wohlhabenden 20 Prozent, denen über 80 % des Nettovermögens gehört (dem reichsten 0,1 Prozent ca. 25 Prozent des Gesamtvermögens). Die Zahl der Millionäre nimmt zu, jedes Jahr um ca. 1,5 Prozent, auf mittlerweile 1,1 Millionen (mobiles Vermögen natürlich, das berühmte „Häuschen“ im Grünen ist da nicht mit drin)
Am „unteren“ Verteilungsende weitet sich die Zone von Prekariat und Armut immer mehr aus, 25 Prozent arbeiten im Niedriglohnsektor unter 9,30 Euro/Stunde. Da liegt man selbst bei Vollzeit nicht viel über der Armutsschwelle von 907 Euro in Niedersachsen.
Die Mitte schrumpft. Und was tut die Mitte? Kriegt Angst vor dem sozialen Absturz und reagiert mit Aggression, Wut, Ausgrenzung. Natürlich nicht gegen die Verantwortlichen für die Situation, sondern gegen die eh schon Benachteiligten, gegen Hartz IV Empfängerinnen, Flüchtlinge, Obdachlose. Der Mob, der aus der Mitte kam. Aber jammern, wenn der Einzelhandel im Kiez dicht macht. Feine Gesellschaft.
Bevor ich anfange zu kotzen, hier der aktuelle Gender-Stand der geschlechtersensiblen Sprache
varol
Kundinnin – Die doppelt-feminine Plural Bildung. Meine Änderungsschneiderin. Nähen ist nicht so mein Ding.
Darf man auf Kosten von migrationsbedingten Sprachdefiziten Scherz machen?
Ich hab nie behauptet, dass ich Jesus bin!

31.12.2015 – Sex + Hitler + Tiere = Blockbuster

Jahrzehntelang habe ich meine Kunst in den Dienst der Aufklärung gestellt, was finanziell nicht sehr einträglich war, mit einem Bein am Hungertuch genagt, mit dem anderen mühsam jeden Groschen beiseite gelegt. Damit ist seit gestern Schluss, da begannen die Dreharbeiten zu einer sechsteiligen Hitlerserie mit mir als Hauptdarsteller. Es geht um Hitler privat, der Mensch hinter dem Führer sozusagen. Natürlich kritisch! Aber auch die Erfolgsformel für die Blockbuster-Produktion beachtend: Sex geht immer, Hitler sowieso und Tiere erst recht, also ist die Formel Sex + Hitler + Tiere der Garant für Erfolg. Fleiß und Talent natürlich vorausgesetzt.
mein mampf
Ich, als Hitler.
Titel der Serie „Hitler – Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll“. Teil 1 (Alles noch Arbeitstitel!): „Mein Mampf“ . Es geht es um Hitler und seine Essgewohnheiten. Er liebte ja Erbsensuppe. Das kommt mir entgegen.
071110HAZ Artikel SCHUPPEN 68
Ich, mit Erbsensuppe.
Teil 2: „Mein Schwanpf“. Hitlers Sexleben. Er hatte nur einen Hoden, was schauspielerisch nicht einfach darzustellen ist, und eine Vorliebe für Sexspielzeug.
Teil 3: „Mein Schäferhunpf“. Hitler und seine Blondi, der Hund hat gleich in einer der ersten Einstellungen der Serie einen grandiosen tragikomischen Auftritt. Allein deshalb sollten Sie sich dieses Medienereignis nicht entgehen lassen!
Da wir auf der Höhe der veränderten Rezeptionsgewohnheiten und technischen Reproduktionsbedingungen sind, wird die Serie nicht auf veralteten Vertriebskanälen wie TV ausgestrahlt sondern analog zu netflix und amazon nur via Internet! Eine Preview gibt es demnächst hier auf dieser Seite!
Meine darstellerische Leistung war derartig anrührend, dass Kameramann Michael Doege (mitverantwortlich für Konzept, Regie, Schnitt, Musik, Casting, Catering, Second Unit, Produktion und Finanzierung) am Set in Tränen ausbrach.
regie-kamera-schnitt
Kameramann, in Tränen.
Im Alltag waren die Dreharbeiten nicht immer leicht, für mich und meine Umgebung. Da ich nach dem „Method acting Prinzip“ von Lee Strassberg arbeite, ließ ich mir einen Hitler-Schnauzer stehen , was zu Anfeindungen führte. Urteil einer Bekanten: „Du siehst Scheiße aus.“ In anderen Projekten nahm mein Hang zur Dominanz unter dem Einfluss der Abarbeitung an Hitler derartige Formen an, dass mich die NETZ Redaktion mitunter begrüßte: „Heil, Personal-Führer.“ Dass das Kollektiv sich dabei vor Lachen am Boden wälzte, weist auf natürliche Autoritätsdefizite bei mir hin. Das ist aber eine andere Geschichte.
Ich muss los, wir drehen jetzt meine Flucht zum Nordpol (Der Selbstmord damals war natürlich Tarnung), wo ich mich im Eis einfrieren lasse, auf Grund des derzeitigen Wetters auftaue, wieder ins Reich zurückkehre und eine neue Partei gründe: Adolf für Deutschland – AfD.
Allen Leserinnen die besten Wünsche für ein unterhaltsames und niveaureiches 2016!

29.12.2015 – Jahresausklang.

Was liegt an zum Jahresausklang?
rückentraining
Auf jeden Fall Rückentraining bis der Arzt kommt.
hinterher duschen und haare waschen
Danach duschen und Haare waschen.
ein gläschen wein und eine zigarette
Ein Gläschen Wein und eine Zigarette.
und ab morgen wieder arbeit
Zwischendurch langsam wieder den Arbeitsmodus booten.
ist das eigentlich rückenfreunldich
Eher nicht. Das ist bestimmt nicht rückenfreundlich und noch anstrengender als Rückenschule.
Die Fotos hab ich mal bei einer Ausstellung im Skulpturenforum Isernhagen gemacht, den Titel weiß ich nicht mehr, es müsste es sich um so was gehandelt haben wie „Realismus- Positionen in der zeitgenössischen Bildhauerei“. Die Betreiberin des Ganzen ist dem kritischen Realismus der 70er des vorigen Jahrhunderts verpflichtet. Sympathisch, dass sie keine Internetpräsenz hat. Das Anwesen ist noch zauberhafter als mein Garten und das will was heißen!
Ich fand – und finde – die „Berliner Schule“ des kritischen Realismus toll, Sorge, Waller, Vogelsang etc. Fotorealistische Malerei, die den überall lauernden Schrecken des Spätkapitalismus bannte. Diese Phase bezeichnet man heute interessanterweise als goldenes Zeitalter des Kapitalismus.
Die Berliner Schule kennt keine Sau mehr und es gibt fast nix drüber im Internet. Sie wird aber eine Renaissance feiern. Realismus kommt in zyklischen Wellen immer wieder hoch. Tipp für Kunstsammlerinnen: Jetzt kaufen, Bodenbildung. Da lockt Super-Rendite, wenn deren Werke preismäßig durch die Decke gehen. Und die produzieren auch nichts mehr nach, weil die meisten sich mittlerweile unter die Grasnarbe gesoffen haben. So wie Lemmy von Motorhead. Friede seiner Leber.
Falls das Kunstsammlerinnen hier lesen: ich kann Tipps in Sachen Berliner Schule geben. Gegen Bezahlung natürlich. Wenn auch ich nur eine Hure des Marktes bin, dann wenigstens gut bezahlt.
Was bleibt? Pläne machen für 2016? Hm.
Vielleicht Kunst sammeln?