
Chanukka Kerzen. Chanukka ist nicht das jüdische Weihnachten, wie manche glaubt, sondern erinnert an die Einweihung des Tempels in Jerusalem nach dem Sieg der Makkabäer über die hellenisierten Juden, also die Durchsetzung jener Variante des jüdischen Glaubens, wie wir ihn heute kennen. Ich kriege die Kerzen von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zugeschickt und da ich aus dem Alter des militanten Antiklerikalismus, der zusätzlich sowas von 80er Jahre ist, raus bin, lasse ich mir gerne von den Kerzen ein warmes PC-Licht im Dämmer der trüben Wintermorgen spenden. Damit die Dinger stehen, fülle ich eine Schale mit Gartenerde, siehe Foto. Beim heutigen Erdesammeln stand ich unvermittelt Aug in Aug mit einem Reiher, der über einem unserer Teiche hockte. Ein Anblick irgendwo zwischen Erhabenheit und Skurrilität.
Die Erhabenheit ging mir bei der darauf folgenden Morgenlektüre des hiesigen Käseblatts, der HAZ, flöten. Das tut sie immer, über den Redaktionsräumen der HAZ steht in ehernen Lettern: „Lektoratsfreie Zone!“ Die obige Headline ist das Zitat der Überschrift eines HAZ-Artikels von der Titelseite. Überraschungsfrei geht der Artikel mit keiner Silbe auf die Ursachen ein, warum der Staat Israel es binnen kurzer Zeit geschafft hat, über eine Millionen Staatsbürger zu impfen, sondern schwafelt zeilenlang davon, dass Netanjahu öfter mit dem Boss irgendeines Pharmaunternehmens telefoniert, der jüdisch-griechischer Abstammung sein soll.
Ich hab noch nie gelesen, dass der VW-Chef Diess, oder wer auch immer aus den hiesigen Konzernen, katholisch-deutscher Herkunft sei. Da würde selbst einem Käseblatt-Redakteur der Griffel streiken. Aber wenn es darum geht, subkutan antisemitische Klischees nach alter Väter Sitte zu verbreiten, ist hiesigen Schreiberlingen jeder Schwachsinn rechts. Man hört schon zigfach an hiesigen Frühstückstischen empört ausrufen: „So isser halt, der Jude, mauschelt wie immer weltweit ordentlich rum und wir gucken mal wieder in die Impfröhre.“
Auf die Überlegung, dass das extrem schnelle Durchimpfen in Israel etwas damit zu tun hat, dass der Staat sich seit Gründung in einer Kriegswirtschaft befindet, weil er von fast allen Anrainern mehr oder minder nachhaltig mit der Vernichtung bedroht wird, kommt das Käseblatt nicht. Und erfolgreiche Kriegswirtschaft heißt, das wissen wir seit Moltke, innerhalb kürzester Zeit Menschen und Material maximal effizient von A nach B bewegen zu können. (Verglichen mit Israel müßten „wir“ übrigens demnächst bei über 10 Millionen Gepimpften, äh, Geimpften liegen … )
Also Happy Chanukka, wobei das Fest wohl schon vorbei ist. So sattelfest bin ich in religiösen Dingen auch nicht, obwohl sich sowas für TV-Quiz oder ähnliches als hilfreich erweisen kann.
Archiv für den Autor: admin
31.12.2020 – Exakte Vorhersagen über den Verlauf von 2021 und ein Schwank aus meinem digitalen Leben

Meine Lieblingsmaske. Im Alltag bevorzuge ich allerdings FFP 2. Alltagsbeobachtungen: Mir scheint, die Menschen auf den Straßen machen immer größere Bogen umeinander, selbst mit Masken. Oder liegt das an meiner veränderten Wahrnehmung und meinem dadurch geprägten Verhalten, seit eine wesentlich ansteckendere Virus-Mutation zirkuliert? Eine Frau, die im November nach England gereist war, hatte nach ihrer Rückkehr offensichtlich ihre Eltern mit dieser Variante angesteckt. Ihr Vater starb.
Im November nach England reisen und alte Eltern haben? Wie krank im Schädel kann frau sein …Wie geht man mit der Schuld um, einen nahen Menschen umgebracht zu haben? Bei der grassierenden Rohheit der doitschen Volksgenoss*innen gehe ich davon aus, dass im Normalfall deren größte Sorge die Bestattungskosten sind und wie sie ihre Geschwister beim Erbe bescheißen können.
Was kommt nach Corona? Erstmal kommen im nächsten Jahr 6 Landtagswahlen und die Bundestagswahl. Das heißt, die komplette finanzielle Rechnung für die Seuchenfolgekosten wird „uns“ 2021 wahrscheinlich noch nicht präsentiert. „Uns“ meint, dass die ohnehin finanziell Gebeutelten, vulgo Arme, zur Kasse gebeten werden, während Gutverdienende und Reiche durch Wertsteigerung von Immobilien und Anlagevermögen profitieren. Normalerweise wartet man also bis nach den Wahlen, bis Rechnungen präsentiert werden, um das niedere Wahlvolk nicht zu verschrecken. Allerdings würde ich als Zyniker kalkulieren, dass die Wahlbeteiligung in sozialen Brennpunkten bis zu 50 Prozent niedriger ist als in Villenvierteln, und dass der Mob da überdurchschnittlich oft Nazis wählt. Wir können also die niederen Stände als wahlrelevant durchaus vernachlässigen, sie nehmen ihr Interesse nicht wahr und kriegen die Quittung dafür.
Außerdem würde ich als Elitenangehöriger es gar nicht schlecht finden, wenn die AfD aus Angst vor weiterem sozialen Absturz infolge der Seuchenkrise wieder Zuwächse kriegt. Damit ließe sich im Interesse des Allgemeinwohls und aus Sorge um die Demokratie mehr Überwachung, soziale Kontrolle und staatliche Repression legitimieren. Was ich persönlich verschärft begrüße, Faschismus ist eine tödlichere Seuche als Corona. Aber unsere grünalternativen Kumpels als Wahlgewinnerinnen werden da einige Krokodilstränen vergießen, bevor sie aus Staatsräson das ganze Paket an sozialen Kürzungen und Repression ohne Wenn und Aber mittragen.
Enden will ich das Jahr mit einem Schwank aus meinem Leben. Im Rahmen der Teilnahme an einer digitalen Podiumsdiskussion beleidigte ich einen Ko-Diskutanten, seines Zeichens Volkswirtschaftler, tödlich mit der Bemerkung, dass Volkswirtschaften keine Wissenschaften seien, sondern mehr eine Art Religionsersatz. Ooops, da war Stimmung in der digitalen Bude.
Allen Leserinnen einen guten Rutsch in der Hoffnung, dass wir 2021 aus der Corona-Nummer besser rauskommen als ich befürchte.
28.12.2020 – Geschäfte machen

Klorolle, Sterlingsilber, goldplattiert. Ich bin ohne Zweifel einer der größten zeitgenössischen Aktions- und Interventionskünstler, aber selbst für mich stellt sich ständig die Frage: Wie versilbere ich den Ruhm meiner Interventionen? Die Aktion mit dem Klopapier verbrennen hatte via niedersächsische Leitmedien NDR und HAZ über 2 Millionen Kundinnenkontakte, aber wenn Sie sich da nicht tummeln, bleibt Ihnen trotzdem am Ende des Tages außer Spesen für Klopapier nur der flüchtige Ruhm, der weder Beutel noch Magen füllt. Paraphernalia wie das Obige sind eine Möglichkeit. Eine andere Magenfüllermöglichkeit ist schnöde Erwerbsarbeit. Die den Kern, Fetisch und Zentralmythos unserer spätkapitalistischen Gesellschaft bildet. „Nach Arbeit drängt, An Arbeit hängt. Doch alles!“ So, und nicht „Nach Golde …“ muss es aktualisiert nach „Faust“ heißen. Wobei ich Ihnen als Ihr Anlageberater eine Beimengung von 5 – 10 Prozent Gold oder Silber für Ihr Portfolio rate, je nach Gesinnung fair gefördert. Der Goldpreis ist im letzten Jahr um fast 25 Prozent gestiegen , Krisengold. Da lohnt es sich schon, Ommas Goldkettchen rauszukramen und zum Dealer Ihres Vertrauens zu schleppen.
Übrigens endet das Faustzitat „Nach Golde drängt, Am Golde hängt Doch alles“ wie folgt:
„Ach wir Armen!“
Die Erwerbsarbeit, und damit komme ich zum Kern meiner heutigen Predigt, ist übrigens der Impfhebel, ein intelligenterer als meine Vorschläge wie Schießbefehl. Wäre ich Arbeitgeber, würde ich von meiner Belegschaft so bald möglich die Vorlage einer Impfbescheinigung verlangen, um die Betriebsstätte virenfrei, also gefahrlos, für alle zu gestalten, den Produktionsprozess zu gewährleisten und den Betriebsfrieden zu wahren. Wo eine Impfbescheinigung nicht vorgelegt wird, erfolgt eine Abmahnung und darauffolgend die unbezahlte Freistellung von der Arbeit ersatzweise eine Kündigung. Desgleichen würde ich als Voraussetzung für eine Einstellung eine Impfbescheinigung verlangen. Gegen meine Maßnahmen würde mit Sicherheit geklagt werden, unter anderem mit Berufung auf das Diskriminierungsverbot. Derartige Klagen wird es massenhaft geben, die dann letztinstanzlich entschieden werden, und zwar, und darauf wette ich eine Rolle Klopapier Sterlingsilber, goldplattiert, in meinem Sinn. Das wird auch als Masterfolie für die nächste Seuche gelten, die uns nach meinen Berechnungen 2023 ins Haus steht.
In Verbindung mit anderen Maßnahmen wie Reiseantritt, Veranstaltungszutritt etc. nur mit Impfbescheinigung ist ein derartiges Vorgehen x-mal wirksamer als Impfkampagnen, die an Vernunft und Empathie appellieren. Das sind seltene Rohstoffe heutzutage. Und bevor der Impfnazi auf seine Malle-Reise verzichtet, lässt er sich lieber impfen.
Rohstoffe sind übrigens das Thema unserer nächsten Anlageberatung. C ya, gals.
27.12.2020 – Was so alles gescheitert ist

Monatliche Entwicklung der Besuchszahlen in diesem Blog von Januar bis Oktober. Die Kurve bildet ungefähr auch den Verlauf der Epidemie ab im März erster Höhepunkt, zum Sommer abflachend und seitdem Anstieg. 2020 werden das erste Mal über 200.000 Besucher*innen auf diesen Blog zugegriffen haben, eine Zahl, ab der sich die Schaltung von Werbung lohnen würde, was nicht in Frage kommt, die aber auf jeden Fall zu einer gewissen Sorgfalt verpflichtet. Ich kann nicht einschätzen, ob das Interesse an diesem Blog, gerade in Krisenzeiten, mehr von einem Bedürfnis nach Unterhaltung, Information oder Einordnung gespeist wird. Ab und zu kriege ich ein Feedback, über das ich mich immer freue. Aber im Prinzip ist das eine Einbahnstraße, entgegen der Struktur des Mediums Internet. Man stochert also mit der Stange in der Nebel rum, quasi.
Ich erwähne das deshalb, weil mit dem Aufkommen des Internet auch Hoffnung auf eine Demokratisierung von Öffentlichkeit aufkam, gerade in jenen alternativen und linken Kreisen, die schon länger – so wie ich – auf die Möglichkeiten einer alternativen Gegenöffentlichkeit zu den herrschenden bürgerlichen Medien gesetzt hatten.
Oft wurde dabei aber nur die Struktur der bürgerlichen Medien kopiert, wie bei der Gründung von alternativen Druckerzeugnissen, z. B. bei Stadtmagazinen, Tageszeitungen oder beim Bürgerfunk, verbunden nur mit der Hoffnung, dass die Basis schon mitmachen würde. Das Prinzip der Trennung von Sender und Empfänger im medialen Prozess blieb aber erhalten, es blieb immer eine Einbahnstraße. Die Konsument*innenhaltung war nicht aufgehoben und die Basis wollte nicht so recht wie die Avantgarde und die Macher*innen, nach dem Motto „Geht Ihr schon mal vor, wir biegen erstmal rechts ab“. So ging das Projekt der Gegenöffentlichkeit den Bach runter, der Bürgerfunk z. B. ist bis auf wenige Ausnahmen mit seinen jammervollen Versuchen, die kommerziellen Privatsender zu imitieren, in einem beklagenswerten Zustand.
Das Internet bot hier eine wirklich revolutionäre Möglichkeit, hier kann jede potentiell empfangen und senden, unabhängig von teuren (Vertriebs-)Strukturen, komplexen Kenntnissen oder unübersichtlichen Kollektiven und Hierarchien.
Wie das im Fall dieses Blogs aussieht, habe ich geschildert.
Grundsätzlich ist mit der Fortentwicklung der Internetstrukturen, den sozialen Medien, ein derartiger massenhafter antiaufklärerischer Dreck in die Welt gekommen, dass ich wünschte, das Internet wäre nie geboren worden. Das ist natürlich hanebüchen naiv. Aber ich wünsch mir auch ne eigene Talkshow. Wünschen kann man immer.

Gescheitert ist übrigens auch der Versuch, den einmaligen SCHUPPEN 68 zu kopieren. Hier der schon lange verschiedene SCHUPPEN 20 am Hamburger Fischmarkt.
26.12.2020 – Humanitätsduselnde Weihnachts-Rührungen im Knopfloch

Geruchsschulung: Rosmarin und getrocknete Zitronenverbene auf meinem Kühlschrank. In Nasenhöhe, so dass ich öfter eine nehmen kann, mitunter auch mit Thymian und Salbei aus dem Garten. Der Geruchssinn wird im Alter nicht besser (nur empfindlicher gegen menschliche Ausdünstungen, die mir mitunter ganze Sommertage verderben). Mit dem Geschmackssinn ist es ähnlich, also sollte man beides trainieren, wenn man ab und zu einen guten Tropfen oder ein facettenreiches Menü genießen möchte. Eine Horrorvorstellung für mich ist, als Folge einer Corona-Infektion auch nur kurzfristig in Geschmack und Geruch beeinträchtigt zu sein. Dann lieber gleich in die Kiste, wofür ich im Moment aber gar keine Zeit habe. Der Tod ist für mich aus terminlichen Gründen keine Option. Sie verstehen also, warum ich eine ausgeprägte und durchaus militante Antipathie gegen das Virus und seine Verbreiter*innen habe. Die mit Sicherheit nicht milder wird zu Beginn des neuen Jahres.
Wir kommen das erste Mal seit hundert Jahren aus einem kompletten Seuchenwinter, die Corona-Kacke fing ja erst Anfang März letzten Jahres an, richtig zu dampfen, und da war Brother Lenz schon ante portas. Wir können also z. B. nur schätzen, was für Auswirkungen potentielle Superspreading-Events wie Weihnachten und Sylvester auf das Infektionsgeschehen haben und wie brutal wir bei einer möglichen dritten Welle intervenieren müssen, das heißt Freiheitsrechte einschränken. Wogegen die am lautesten protestieren, denen solche Rechte am Arsch lang gehen, die Flüchtlinge nicht nur im Meer ersaufen lassen würden, sondern auch auf sie schießen lassen würden, so wie die AfD … Beatrix von Storch. Soviel zur Psychopathologie der Corona-Nazis.
Augen zu und auf den Frühling hoffen? Ist eine Maßnahme. Allerdings gingen die Fallzahlen im letzten Frühling erst im April wieder zurück und das von einem unvergleichlich viel niedrigerem Niveau als jetzt. Wir stehen also vor einem 1. Drama, 2. Desaster, 3. Katastrophe, 4. GAU (das können Sie je nach individueller Prägung ankreuzen), wenn wir nicht europaweit handeln, brutalstmöglicher Lockdown mit Kasernierung von Regelbrecher*innen (meine Prägung ruft nach Schießbefehl, aber zu Weihnachten krieg selbst ich humanitätsduselnde Rührungen im Knopfloch). So ein Lockdown ist natürlich politisch nicht durchsetzbar, also investieren Sie schon mal in Firmen, die mit Tod, Bestattungen, Trauerkleidung und Psychopharmaka zu tun haben. Das Geschäft wird boomen.
Bis dahin: FFP 2 Masken tragen, Kontakte meiden und öfter mal gurgeln, was ich für zielführender halte als Hände desinfizieren (mach ich aber auch, Psychohygiene). Wem der Geschmack von Dequonal eklig ist, der kann auch was aus der Liste der hochprozentigen Alkoholika hier nehmen. Alles was über 60 Prozent hat, knackt die Fetthülle des Virus und inaktiviert es damit. So wie Seife, schmeckt nur besser. Ob Sie, liebe Leserinnen, bei dem Zeug lieber schlucken oder spucken, bleibt Ihrer Neigung überlassen. Das ist ein freies Land.
Leider.
25.12.2020 – Wenn Sie diesen Blogeintrag zu Ende gelesen haben, sind weitere 60 Menschen in Deutschland mit Covid-19 infiziert.

Auch dieses Jahr klebt mein traditioneller Weihnachtsbaum wieder am Kühlschrank, in sinnfreier Eintracht mit meinem ersten Covid-19 Test und dem Sauberkeitserinnerungsmagneten.
Die heutige Headline setzt bei statistisch erfassten ca. 30.000 Neuinfektionen pro Tag eine Lesegeschwindigkeit von ca. 3 Minuten für diesen Eintrag voraus. 21, 22, 23, zack, wieder jemand infiziert. So hat man mal einen Alltagsbegriff von der Verbreitungsgeschwindigkeit. Ob diese Konkretion des Abstrakten was bewirkt? Bei mir schon, ebenso wie die Vorstellung, dass ich mich in einem Wettlauf befinde mit der ansteckenderen Mutation des Virus. Wer ist zuerst im Ziel, meine Impfung oder meine Ansteckung? Die Geschwindigkeit dieses Wettlaufs hängt allerdings von sehr vielen Variablen ab (unabhängig vom zukünftigen Impfgeschehen!): Wie sehr ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit reduziert durch eine Grippeschutzimpfung (ca. 20 oder 30 Prozent…?), durch eine gehabte Erkältung (ca. 5 oder 10 Prozent ….) , durch Immunstabilisierung via Sport und Ernährung, durch konsequente Anwendung der Hygienemaßnahmen, Reduzierung sozialer Kontakte etc. pp.
Das normale Ansteckungsrisiko liegt bei ca. 0,0003 Prozent pro Tag (30.000 Neuinfektionen geteilt durch ca. 80 Mio. BRD-Insassen). Laut unserer Modellrechnung mit den Variablen wird dieses Risiko nochmal um ca. 60 – 90 Prozent reduziert. Alles gut?
Da unterschätzen Sie mal nicht die Macht der Variablen, des exponentiellen Wachstums nach Weihnachten und Sylvester und meiner mathematischen Unfähigkeit. Und: Über 20 Millionen Menschen spielen Lotto, obwohl die Chancen für einen Sechser bei 1:15.000.000 liegen und selbst bei einem schlappen Fünfer mit Superzahl bei 1 : 540.000. Aber es gibt Leute, die sowas gewinnen. So wie es Seuchenloser gibt. Und der Nächste können Sie sein.
Letzteres hat im Gegensatz zu Lotto allerdings stärker mit Eigenverantwortung, Intelligenz und Empathie zu tun. Der Mangel an diesen Eigenschaften lässt sich unter anderem in den überquellenden Krematorien in Sachsen beobachten, wo Nazis und Idioten sich gerade selbst abschaffen. Ein heilsamer Prozess, möchte man meinen. Aber leider trifft es oft genug Falsche und Gerechte, während ebenso oft Richtige und Nazis verschont werden. Und deswegen verbietet die ethische Messlatte, die nicht nur eine morgendliche ist, weihnachtliches Frohlocken über die mähliche Auslöschung des Volksstammes der Sachsen. Lieber wäre mir die Lösung nach den Lorenzianern, einer Sekte in Sachsen, die daran glaubt, dass sie beim kurz bevorstehenden Weltuntergang von einem Raumschiff Gottes zum Nordpol abgeholt wird, woselbst der HERR sie drei Jahre lang kostenlos ernährt und sie dann die einzigen Überlebenden sind. Ersetzen wir mal Lorenzianer durch Quernazis und Corona-Leugner*innen, wäre es mehr als billig und recht, heilsam und ethisch, wenn der Rest sehnlichst auf das Eintreffen dieses Raumschiffes wartet. Dafür würde ich sogar vom Glauben an die Nichtexistenz göttlicher Wesen abfallen und beten:
Liebe Göttin, mach mich fromm
und lass das Raumschiff komm.
Euch aber, liebe Gemeinde, wünsche ich ein zauberhaftes Weihnachten, mögen alle Eure Wünsche in Erfüllung gehen und möget Ihr alle einen Fünfer mit Superzahl haben. Whatever it takes.
Amen.
19.12.2020 – Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Polizeichef in Leipzig werde?

SCHUPPEN 68 Intervention zu Wahlen. Irgendwann in den 90ern. Der arme Donald musste zur Unterstützung herhalten. Das mit den Wahlen sehe ich heute anders. Die Zeiten haben sich geändert und da der Kopf aus dem Grund rund ist, damit die Gedanken auch mal ihre Richtung ändern können, sehe ich Wahlen heute als notwendiges Übel, um weiteres Abgleiten in präfaschistische Zustände zu verhindern. Das Foto fiel mir bei einer Archivrecherche zum letzten Auftritt des verdienten Kollektivs SCHUPPEN 68 in den Neunzigern in die Hände. Es ist undatiert, was bei mir selten vorkommt, und erzählt mindestens noch eine zweite Geschichte, nämlich die des Veranstaltungszentrums BAD in Hannover, einem ehemaligen Freibad, woselbst ich noch im Planschbecken erste Wasserkontakte pflegte.
Das BAD Plakat auf dem des S 68 weist daraufhin: Wir sind alternativ. Ich habe dort mit fünf Zuschauern Helge Schneider erlebt, und eines meiner Top 10 Konzerte ever, mit Townes Van Zandt vor doppelt so viel Leuten. Immerhin 100 waren wohl bei Nirwana, was aber nicht mein Ding war.
Der Shutdown ermöglicht solche Reisen in die Vergangenheit, alles ist entschleunigt und die Jahresendzeit tut ihr übrigens. Die Gedanken kreiseln: welches sind vorherrschende Empfindungen in Krisenzeiten. Bei mir ist es unter anderem Dankbarkeit: ich mache Homeoffice, muss mich nicht im verseuchten ÖPNV rumdrängeln, muss mir nicht in irgendeinem blöden Büro-Bunker mit Kolleginnen oder Mitarbeitern die Aerosolhaltige Luft teilen, nicht den Lebensunterhalt mit Auftritten im SCHUPPEN 68 ergaunern, etc. pp. Und ich bin dankbar dafür, dass ich nicht Polizeichef in Leipzig bin, wo vermutlich jede Menge Quernazis heute die Öffentlichkeit kontaminieren, natürlich ohne Masken. Das stellt eine unmittelbare Bedrohung an Leib und Leben für die Öffentlichkeit dar und eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit, was unbestreitbar ist angesichts des Infektionsgeschehens und der Tatsache, dass eine Covid-19-Erkrankung drei Mal so tödlich wie eine Grippe ist.
Also würde ich als Polizeichef nach – natürlich erfolgloser – Aufforderung zur Räumung im Rahmen der Gefahrenabwehr Schießbefehl erteilen. Das Bohei am nächsten Tag in der Presse würde ich ungern über mich ergehen lassen. Also auch hier Dankbarkeit. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals Polizeichef in Leipzig werde, eher gering.
Um in Sachsen Polizeichef zu werden, muss man sicher mindestens Halbnazi sein.
17.12.2020 – Jacken aus Eichhörnchen-Fell

Gestern auf meiner Veranda. Hier sagen sich auch Hase und Igel Gute Nacht, der mächtige Bussard zieht seine Kreise und im Morgengrauen bricht mitunter ein Wisent aus dem Unterholz. Beim Anblick dieses üppig gedeckten Tisches der Natur kam mir wieder eine meiner genialen Start-up Ideen. Die müssen folgende Kriterien erfüllen, damit sie Aufnahme in den Öko World Rock ‘n‘ Roll Fonds finden können, der eine Jahresperformance von über 11 Prozent plus hat: Ökologisch, nachhaltig, regional, sozial. Diese Kriterien würden von der Produktion von Jacken aus Eichhörnchen Fell-erfüllt. Ich würde mit Pfeil und Bogen jagen, auf die Distanz treffe sogar ich, die Vergiftung durch Bleischrot fällt damit flach, die Tiere und ich, wir kommen beide aus der Region, ich beschäftige keine Wanderarbeiter*innen zu Dumpingpreisen, die Jacken sind reines Naturprodukt, kein Kunststoff und halten extrem lange. Grausamer als die Natur ist das auch nicht. Wer wie ich schon mal gesehen hat, wie ein Bussard ein Eichhörnchen metzelt, dem vergeht jeder Naturromantizismus. Jetzt suche ich nur noch eine Kürschnerin und dann kann’s losgehen. Die Jacken werden der Hit auf der nächsten Fashion Week in Berlin. Dann wieder live.
Wenn sich alle an die Corona-Regeln halten und impfen lassen. Und da bin ich skeptisch. Corona-Leugner sind nicht durch die normative Kraft des Faktischen zu fassen. Denen können Sie zehnmal erzählen, dass die Übersterblichkeit steigt, die Intensivstationen überlaufen, wir schon über Triage diskutieren (praktizieren?) und dass Krankenhaus-Patient*innen mit Covid-19 ein fast fünf mal höheres Risiko zu sterben haben als Grippe-Infizierte, die im Krankenhaus liegen. Außerdem müssen Corona-Patienten deutlich öfter beatmet werden, landen deutlich öfter auf der Intensivstation und haben mehr Komplikationen. Wenn sie die Krankheit überleben, leiden sie zudem öfter unter Langzeitfolgen – zum Beispiel unter Diabetes.
Selbst wenn die Corona-Dummbatzen an der Krankheit verrecken würden, was statistisch gesehen oft genug vorkommt, wäre ihr letzter Gedanke, bevor sie im Dämmer des Beatmungskoma versinken: Die Echsen Merkel und Gates haben mich mit 5G Strahlen vergiftet.
Die Welt der Vernunft erreicht solche Wesen nicht mehr.
Was bleibt uns, dem Rest?
Die Arbeit an Vorschlägen wie dem des Sachsenführers Kretschmer, Orte in Sachsen abzuriegeln.
Ich sage: Keine halben Sachen bei Corona Bekämpfung, also ganz Sachsen und den Rest der Ostzone abriegeln, mit einer Mauer, fünf Meter hoch. Das fordere ich schon seit Jahren, gut dass die Politik anfängt, auf mich zu hören. Wie überhaupt grundsätzlich festzuhalten ist:
In Sachen Corona einfach auf Angela und mich hören.
14.12.2020 – Geniale Start-up Idee

Stillleben mit Quittenlikör und Birnen-Quitten. Es gibt auch Apfelquitten, aber die sind nicht so toll, Birnenquitte geht zur Not sogar roh und ist aromatischer. Mein Lebensinhalt ist die Suche nach dem heiligen Gral aller Obstbrände, dem Quittenbrand. Vor Jahrzehnten hatte ich eine diesbezügliche Epiphanie, als ich in einem unscheinbaren Dorfgasthaus einen Quittenbrand verklappte, der in seiner strahlenden Reinheit und Klarheit mit seiner komplex süß-säuerlichen Honig-Zitronennote alle Brände dieser Welt als fuselige Randnotiz erscheinen ließ. Nichts dergleichen fand ich seitdem wieder und irre nun wie einst Parsifal, der reine Tor, auf meiner Suche nach Erlösung durch die Welt der Obstbrände. Alle Quittenbrände, die ich seitdem auch in edleren Etablissements verkostete, waren schlicht Mist, wie überhaupt gute Obstbrände jenseits dieses Schladerer Massenschrotts selten sind. Eine Annäherung an den Gral brachte jener Quittenlikör im Bild oben, der mich dazu veranlasst, Ihnen, liebe Leserinnen, einen exclusiven Einblick in meine Experimentalküche zu geben.
Ereignisreduzierte Tage in Zeiten der Seuche lassen Raum für Experimente und so wandte ich mich dem Quittenbasierten Fruchttopf zu: Quitten mit einem Anteil von 34 Prozent Rohrzucker eine Stunde ziehen lassen, jeweils mit Gin, Wodka und Rum bedecken und mindestens sechs Monate ziehen lassen.

Quitte mit Wodka.
Wenn mein Plan in Erfüllung geht, Fruchttöpfe mit Alkoholansatz zum nächsten heißen Scheiß in Nobelrestaurants zu machen, bin ich ein gemachter Mann, weil ich einfach mindestens 6 Monate Vorsprung vor der Konkurrenz habe. Die Gourmetszene ist immer auf der Suche nach Neuem, gerne regional, öko, nachhaltig, blabla, kann gerne auch was aus Omas Küche sein, kein Schwein kocht mehr molekular. Und Omas guter alter Rumtopf – oder Quitte mit Wodka etc. pp., ich habe dutzende Ansätze im Labor – macht sich doch sensationell auf der Karte eines Sternerestaurants, zwischen Dessert und Digestif.
Meine Kalkulation: Die verscherbeln 0,05 von dem Zeug für 14 Euro, macht pro Liter 280 Euro. Restaurants kalkulieren mit Faktor 4 bei sowas, also kaufen die den Stoff für 70 Euro pro Liter bei mir. Ich kalkuliere mit maximal 20 Euro Kosten pro Liter für Material wie Obst, Alkohol, Zucker, Gläser, bleiben 50 Ocken für meine Arbeit, was beim ersten Ansatz von 1.000 Litern 50.000 Euro vor Steuern entspricht. Die Idee ist ebenso grandios wie mein Witze-Verleih. Und wenn die den Bach runtergeht, hab ich mein Leben lang genug Fruchttöpfe, um mir die Alkoholbasierte Frustkante zu geben. Das unterscheidet mein Start-up von allen anderen. Scheitern als Chance in Reinkultur!
Abschließend der Leih-Witz zum Thema (bitte nach Gebrauch an mich zurück faxen):
„Zwei Äpfel hängen zusammen ab und gucken, was so geht. Sagt der eine:“ Mann, hat die dicke Quitten.“
Zugegeben, etwas Quittenfeindlich der Witz. Aber was soll man von Äpfeln anderes erwarten. Letztlich sind alle Äpfel Schweine.
Ich schreibe dies für Sie, liebe Leserinnen, damit Sie sich von diesem neuerlichen und sicher nicht letzten Lock-down nicht niederdrücken lassen, sondern sehen, was mit ein wenig Kreativität auch in Zeiten der Seuche alles möglich ist. Sie müssen nur an sich glauben! Chakka!
12.02.2020 – Kleine Fluchten oder: Von den Sarotti-Höfen bis weit hinter Neuseeland.

Advent ohne Kalender ist wie Sarotti ohne Mohr. Dieser eher sinnfreie Spruch ging mir neulich beim Öffnen des morgendlichen Kästchens durch den Kopf. In Seuchen-Zeiten bleibt eben auch Zeit für sowas. Realiter wurde der Mohr durch den Sarotti-Magier ersetzt. An den Sarotti-Höfen kam ich auf dem Weg von meiner Kreuzberger Homebase zum zweiten Frühstück in der Marheineke Markthalle vorbei. Muss ein anderes Leben gewesen sein. Die Konturen der Erinnerung verwischen sich in diesen Zeiten schneller als ohnehin, als ob ein Filter über die Erinnerungsblende gelegt ist. Es ist schwieriger geworden, kleine Fluchten im Kopf herzustellen.
Was unter anderem zur Folge hat, dass die Sehnsucht nach einem früheren Leben stärker wird. Beim Anblick der Sarotti-Höfe wünschte ich mich auf eine Insel im Süden, nein, nicht voller Mohren, sondern voller Sand, Sonne und Meer, wo man nicht dauernd von Nachrichten verfolgt wird über neueste Infektionsrekorde. Fromme Lüge, Inseln ohne Handy Empfang kenne ich zumindest nicht und so rollt man sich doch in regelmäßigen Abständen auch am Strand aus der Matte und checkt sein Smartphone und sei es, um den Wanderweg für den nächsten Tag zu checken. Und wenn man schon mal dabei ist, liegt der Blick auf Spiegel-online nahe und die nächste Whatsapp will auch beantwortet werden … komm ich mit klar, das Letzte, was ich sein möchte, wäre ein romantischer Zivilisationsflüchtling auf eine einsame Insel, ohne Strandbar, gekühltes Bier und Arztpraxis in der Nähe.
Der aktuelle Blick auf Spiegel online bestätigt meine seit Monaten gepflegte Haltung als militanter Befürworter eines sofortigen wochenlangen brutalstmöglichen Lockdowns. In mehreren Städten sind heute Quernazi-Demos mit zehntausenden TN geplant. Gegen Viren helfen Abstand, Masken, Impfstoffe. Was hilft gegen solche Leute? Deren Verhalten nehme ich persönlich, weil es mein individuelles Infektionsrisiko erhöht. Sie sind Gefährder und da plädiere ich für eine nachhaltige Gefährder-Erstansprache. In Form von Gummigeschossen. Wenig tröstlich ist die Tatsache, dass einer der Quernazi-Verantwortlichen unlängst wegen Corona auf der Intensiv intubiert werden musste. Wenn der verreckt, werden ihm seine darwinistisch aufgestellten Kumpane nachrufen: Schwacher Mann, musste aussortiert werden.
Und von dem Gesindel hat niemand den Anstand, sich nach überlebter Intensivstation hinzustellen, zu entschuldigen und vor dem Virus zu warnen. Das Komische an diesen Nazis ist, dass sie ein reales Virus verleugnen, in ihren Ideologien aber die Virusmetaphorik eine zentrale Rolle spielt: Heimtückische fremdländischen Viren – von MultiKulti, Genderwahn etc. – verseuchen den doitschen Volkskörper. Diese Metaphorik halten sie natürlich etwas flach im Moment, aber gucken Sie mal bei den Original-Nazis nach, liebe Leserinnen.
Was mir sogar die kleinen Fluchten vermieste, war die Rechnung, wie lang der Schlange derjenigen ist, die – zu Recht – vor mir geimpft werden, bei Corona-Abstand von 1,5 Metern:
Sie reicht von den Sarotti-Höfen bis weit hinter Neuseeland.
Oh Göttin, lass Frühling werden oder einen 10 km großen Meteoriten dem Ganzen hier ein Ende bereiten