
Norwegischer Pavillon mit Wasserfall bei der EXPO 2000 in Hannover. In der norddeutschen Tiefebene vor so einem brausenden Wasserfall zu stehen, das hatte etwas durchaus Kreatürliches. Norwegen deckt fast 100 Prozent seines Stromes mit den ca. 1700 Wasserkraftwerken. Die Nutzung dieser kostenlosen natürlichen Ressource und sein Erdölreichtum hat Norwegen mit in die Lage versetzt, einen staatlichen Pensionsfonds aufzubauen, dessen Volumen sich aktuell auf rund 290.000 Euro pro Einwohner beläuft, insgesamt ca. 1.6 Billionen Euro. Der Fonds setzt sich aus ca. 70 Prozent Aktien, 27 Prozent Anleihen und 3 Prozent Immobilien zusammen. Der Fonds erzielt eine durchschnittliche Rendite von ca. 6,5 Prozent (netto 4 Prozent) per Anno . Privatanlegerinnen können den Fonds mit ein paar globalen ETFs und Anleihefonds nachbilden. Der Fonds hat ethische Richtlinien, er investiert nicht in Unternehmen, die Massenvernichtungswaffen herstellten, gegen Menschenrechte verstoßen, in Teile der Rüstungsbranche oder der Tabakindustrie. Er hat Beteiligungen an russischen Unternehmen abgestoßen, an Walmart wegen Verstoß gegen Arbeitnehmerrechte. Und sich von israelischen Beteiligungen wegen des Gazakrieges getrennt. Der Antisemitismus, der dahintersteckt, deckt die ganze verlogene Heuchelei dieses Fonds auf und macht die Unmöglichkeit eines ethischen Agierens auf den Märkten deutlich, selbst für Anlegerinnen, die noch so guten Willes sind.
Natürlich ist der norwegischen Fonds nach wie vor in den meisten der großen US-Konzerne investiert, von Apple über Alphabet bis Meta, die den Faschismus in den USA mit unterstützen und durch ihre Geschäftspolitik mit ermöglicht haben, siehe Hass und Hetze in sozialen Netzwerken. Natürlich sind die Norweger auch in Ölkonzernen wie Shell und Exxon investiert, die für massive globale Zerstörung der Umwelt verantwortlich sind. Er ist größter Anteilseigner bei Vonovia, der deutschen Gauner- und Mafiagesellschaft für beschissenes Wohnen. Zu glauben, dass man im Kapitalismus ethisch investieren könne, ist unter den globalen Vernetzungen, Abhängigkeiten und Überkreuzbeteiligungen von genau dem gleichen intellektuellen und moralischen Kaliber wie die Behauptungen von Fritze Thünkram, dass wir uns hierzulande in einem Work-Life-Balance-Erholungspark befänden und damit den Wohlstand im Lande gefährdeten.
Wohlstand? Den der Obdachlosen, die gerade bei der Kälte unter den Brücken erfrieren? Den der ca. 20 Millionen Armen im Land? Oder den des Schraubenkönigs Würth, mit über 40.000.000.000 Euro einer der reichsten Deutschen, der zur Zeit in allen Medien hysterisch vom Untergang Deutschlands deliriert, weil eine minimale Vermögenssteuer diskutiert wird, bei der er einen winzigen Bruchteil seines unvorstellbaren Reichtums teilen, christlich teilen, müsste? Die natürlich niemals kommt, was Würth weiß, da sind die Christlichen vor.
Sie werden verstehen, liebe Leserinnen, dass ich Ihnen unter diesen Umständen keine ETFs empfehle, die den Norweger nachbilden. Und bei der durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent gebe ich Ihnen zu bedenken, dass sich dahinter auch Jahre verborgen haben mit einer Negativrendite von 14 Prozent. Wenn Sie Pech haben, rauschen Sie mit ihrem Investment in eine jahrelange Rezessionsperiode, wo Erträge und Kapital dahinschmelzen wie Butter in der Sonne. Gerade dann, im Alter, wenn Sie es brauchen.
Also dann in Silber und Gold investieren? Silber ist am Freitag an einem einzigen Tag von 100 auf 70 Euro pro Unze abgekackt, bloß weil Trump irgendeine Wurst zum Notenbankchef ernannt hat, von dem die Märkte glauben, er würde den Dollar stabilisieren. 30 Prozent Verlust an einem Tag. Um aber von 70 wieder auf 100 zu kommen, bedarf es einer Steigerung von 42 Prozent. Börsenmathematik.