
1 Million Bücher einfach online bestellen und hier abholen. Mit der Sackkarre? Gesehen am Berliner Ostbahnhof. Made my day

Am Brandenburger Tor. Normalerweise mache ich um Demos mit Nationalflaggen einen Riesenbogen. Die Tatsache, dass unsere kapitalistische Weltordnung von der zerstörerischen neoliberalen Phase in eine postdemokratische Agonie wechselt, hat auch mit der Re-Nationalisierung der Welt zu tun. Aber bei dieser merkwürdigen, auf unseren Straßen sehr selten zu sehenden Mischung von deutschen, israelischen und USA-Fahnen schaute ich doch mal kurz genauer hin. Es war eine Demo der iranischen Gemeinde zum Krieg, mit den alten persischen Fahnen mit dem Löwen, die bis zum Sturz des Schahs gültig waren, bevor sie von denen der islamischen Revolution abgelöst wurden. Portraits vom Schah und seiner Frau wurden hochgehalten. Es steht mir nicht zu, das zu kritisieren. Alles ist besser als jetzt.
Ob das für Heute auch zutrifft? Eher nicht. Heute stehen wir kurz vor dem Abgrund, morgen sind wir einen Schritt weiter. Die Weltordnung zerbröselt wie alter Fensterkitt, der Rahmen ist am Ende, verrottet. Vorgestern Ukraine, gestern Venezuela, heute Iran, morgen Kuba, übermorgen Taiwan ….
Das Gute am rasenden Wahnsinn der Weltgeschichte: Wir brauchen uns um das Klima keine Sorgen mehr zu machen. Diese Katastrophe wird in ein paar Jahren unsere geringste Sorge sein, angesichts von Krieg und Faschismus aller Orten.
Manchmal sind ja Faschisten auch menschlich. Göring war morphiumsüchtig, Goebbels hatte einen Klumpfuß, Hitler liebte Blondie und Erbsensuppe und so wie sich Alice Weidel gestern auf den Bildschirmen der Republik über das AfD-Wahlergebnis gefreut hat, das war fast rührend, völlig außer Rand und Band. Die Frau hat richtig Feuer. Schade nur, dass es jenes Feuer ist, in dem irgendwann wieder Bücher brennen. Ob es 1 Million sind, die aus der Buchhandlung im Ostbahnhof abgeholt werden können, weiß ich nicht. Ich bin ja nicht Jesus.
Was ich übrigens außerordentlich bedauere. Sonst würde ich ja in die Zukunft gucken können. Wie sich die Märkte entwickeln z.B. Im Moment kennen die angesichts des Krieges nur eine Richtung: Bergab. Der DAX ein Desaster und, skurriler Weise, synchron dazu Gold und Silber. Allein heute Morgen in der Spitze minus 10 Prozent. Obwohl die eigentlich Krisenwährungen sind. Alles nur, weil die Anleihen jetzt hohe Zinsen abwerfen und dadurch Gold und Silber als Werterhaltungsgüter ablösen? Wäre ich Jesus, wüsste ich, wann der Fall der Märkte Bodenbildung erreicht hat und es sich lohnt, zu kaufen, gemäß der alten Börsenweisheit: Kaufen, wenn die Kanonen donnern und Blut fließt.
Vorher wird aber die Inflation auf Grund explodierender Energiepreise wieder galoppieren. Die Notenbanken werden die Leitzinsen erhöhen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Kredite werden teurer. Dadurch wird die ohnehin lahmende Konjunktur abgewürgt und die eh schon anstehenden Massenentlassungen werden unangenehme Ausmaße annehmen. Die Proleten werden hungern und frieren, und die, die das noch nicht tun, werden Angst davor haben. Auf das Alice Weidel bei den nächsten Wahlen wieder auf Grund von AfD-Rekordergebnissen auf unseren Bildschirmen rum hüpft wie Rumpelstilzchen auf Koks und Ecstasy. Die Proleten wählen jetzt schon zu 40 Prozent AfD, die Arbeitslosen in den sozialen Brennpunkten sowieso. Das war 33 auch schon so, die NSDAP war auch eine Arbeiterpartei, neben deklassierten Kleinbürgern. Und natürlich den Kapitalvertretern. Was heute der AfD-Nazi Müller-Milch ist, waren damals Thyssen, Hugenberg und die Kanonenbauer.
What’s left? Pläne für die Zukunft machen, optimistisch sein. Und die Kunst. Ich setze auf die EXPO 2035 in Berlin. Wir planen ein EXPO-Projekt vor dem türkischen Imbiss in unserem Haus, dem Treffpunkt der Mühseligen und Beladenen, intern Hades genannt.

Vor dem Hades.
Wir wollen vor dem Hades eine Tribüne aufbauen, in einem Halbrund. Die Zuschauerinnen können von dort direkt und live das Leben und Treiben des Hades beobachten, 1:1. Und zwar nur live, ohne Stream.
Die aktuellen Protagonisten sind allerdings noch sehr skeptisch. „Wer will denn sowas sehen. Das ist doch langweilig!“
Mitnichten. Das ist analog, antidigitales Leben direkt. Und vor allem, und das braucht es in rasenden Zeiten wie diesen: Es ist extrem entschleunigt. Ein bisschen skurril ist es auch.