19.05.2026 – Große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus

Kleiner Allzweck-Kulturbeutel einer namhaften Kosmetikfirma.

Große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus, ich packe gerade für den 30. Karneval der Kulturen in Berlin. Bin praktisch Gründungsmitglied, seit vielen Jahren dabei. Von den Freunden aus allen Himmelsrichtungen, die sich zu dem Anlass mitunter dort trafen, leben nicht mehr alle. Il tempo è una lima sorda. Italienisches Sprichwort. Die Zeit ist eine langsame Feile. Langsam, aber unerbittlich. Da hat er mal recht, der Italiener. Den Beutel oben schleppe ich schon jahrelang in meinem Rucksack mit, der Spruch ist mir erst jetzt aufgefallen. Ich meine, ich hatte mich im Blog hier schon mal über den resignativ-seufzenden Spruch von älteren Semestern aufgeregt: „Ach ja, das war meine (unsere) Zeit“ bevorzugt beim Anhören älterer Hits, von Roland Kaiser oder ähnlichen Kalibern. Das war meine Zeit, Todesurteil zu Lebzeiten. Schrecklich.

Der Umkehrspruch: Meine Zeit ist jetzt, ist aber auch nicht ganz sauber. Hört sich nach Titel von Lebenshilfe-Ratgeber aus dem Schrottbuch-Verlag an. Offensiv und öffentlich würde ich sowas nicht verwenden, hat was peinlich-trotziges an sich.

Ich fand es nur komisch, dass ich so ein Ding jahrelang mit mir rumschleppe und nicht realisiere, was da drauf steht. Erinnert mich an meinen Hoodie „Better rich New York“, den ich ahnungslos gerne mal bei Aktionen der Landesarmutskonferenz trug, bis mich ein Freund und Kollege darauf hinwies, dass ich vielleicht better mal meinen Drogenkonsum einschränken sollte, um meine Merkfähigkeit zu erhöhen.

Gestern hatte ich einen meiner mittlerweile sehr raren Auftritte als Kunsthausierer, anlässlich der Verabschiedung eines Freundes und Kollegen in den Ruhestand, der mich zwecks Entertainment drum gebeten hatte. Ich wusste gar nicht mehr, wie anstrengend sowas ist, bin immer noch kaputt. Ich improvisiere viel bei sowas, mit Publikum, im Rahmen eines Quiz, bei dem es wertvolle Preise gibt, unter anderem Marihuana aus meiner Ernte. Eine Frage war (es ging ja ums Altern) nach um Sex and Drugs and Rock’n Roll: Von wem ist dieser Song? Die Antwort, Ian Dury, wusste von ca. 100 Leuten niemand.

Ich war entsetzt. Wo war ich da hingeraten? Sowas legt sich aber wieder schnell. Das Foto ist von einem früheren Auftritt, hat was surreales an sich

Die namhafte Kosmetikfirma oben nenne ich natürlich nicht beim Namen. Sowas mache ich erst, wenn hier Werbung geschaltet ist.

Sorry, aber so ein Karneval geht ins Geld

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