
Einmal im Jahr lädt die Universität der Künste Berlin zum Rundgang ein. Dort werden herausragende Arbeiten des zurückliegenden akademischen Jahres gezeigt, so auch die hier im Bild. Das Gebiss der Bodenturnerin erinnerte mich an die grelllackierte Kauleiste der gruseligsten Hackfresse der Saison, von Fussballübungsleiter Klopp.
Auf der Rückseite dieses Paravents waren pornografische Sequenzen zu sehen, versehen mit der folgenden Triggerwarnung:

Draußen geht die Gesellschaft kaputt und im Kunstbereich wird mittlerweile alles und jedes mit Triggerwarnungen versehen, egal ob es laut ist, zu bunt, zu implizit, tote Tiere etc. pp.. Das ist grotesk, schließlich ist es eine Aufgabe von Kunst, zu verstören. Und wer geht im Ernst zu so einer Veranstaltung und nimmt dann Anstoß an Bildern mit nackten Körpern, Sex?
Dazu passend: Am Eingang der Uni waren intensive Kontrollen und Mitarbeiter der Security-Firma patrouillierten permanent durch die heiligen Hallen der Alma Mater. Früher undenkbar an solchen Orten. Offensichtlich gerät hier etwas aus den Fugen. Im vorliegenden Fall für mich eher unsagbar, schwer einzuordnen. Wovor die Angst? Islamistischen Selbstmordbombern? Faschistischen Prügelhorden? Linksantisemiten?
Reinigungskräfte des Dussmann-Konzerns hielten den Event sauber, rein. Knochenarbeit, für die es einen Stundenlohn von ca. 14 Euro gibt, gesetzlicher Mindestlohn. Ausbeutung, wie im Securitybereich, wo die Leute mitunter ihr Leben aufs Spiel setzen, sei es in der Bahn, vor Clubs, bei Events.
Themen wie Ausbeutung, Arbeit, Armut, Prekarität, Spaltung der Gesellschaft fanden in der Präsentation nicht statt, bis auf eine Ausnahme, die dann allerdings auch überragend war. Dumme Künstler. Dumme Professoren.

Meine Lieblings-Triggerwarnung: NOT TRASH. Kein Müll.
Na ja, sach ich mal, das liegt im Auge des Betrachters. Aber vielleicht war diese Arbeit auch nur eine ironische Anspielung auf die Fett-Badewanne von Beuys. Auf einer SPD-Feier im Schloss Morsbroich geriet 2011 die mit Filz, Fett und Pflaster versehene „Badewanne“ von Joseph Beuys zufällig in die Hände von zwei Genossinnen. Die schrubbten den versifften Zuber, bis er glänzte. Schaden: 80.000 Euro.
Der Rundgang hat mir aber sehr gut gefallen, abgesehen von den Kritikpunkten. Und meinen Spaß hatte ich sowieso.

In einem Atelier bearbeitete diese junge Dame hingebungsvoll den Fußboden. Ich schaute mir das eine Weile an, machte ein Foto und fragte dann: „Ist das eine Performance?“ Sie schnaufte kurz, hielt inne und keuchte: „Nein. Ich mache sauber.“
Entschuldigung, aber wer bitte kommt denn bei Künstler*innen auf so eine Idee?
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