14.08.2026 – Nachrichten aus der Provenz

Claudio Provenzano. Kandidat der Blauen in tiefer Provinz, einem Vorort der Hölle namens Gurbsen. Das Plakat zeigt auch das Foto einer Bahn und eines Hauses, dessen menschenleere Trostlosigkeit die Betrachterin sofort in tiefste Depressionen versetzt. Und als ob das noch nicht genug wäre, droht die blaue Frohnatur, dass mit ihm noch mehr davon möglich gemacht werde. Weitermachen. Wie bisher.

Oh Ihr Götter, tilgt dieses Menschengeschlecht vom Antlitz der Erde. Oder lasst wenigstens die Kommunalwahl in Hannover schnell vorbei sein.

Neulich bei einem deliziösen Mahl diskutierten wir angeregt die Folgen der Klimakatastrophe, die wir jetzt spüren. Zum Beispiel Nahrungsmittelknappheit. Szenen bei uns wie aus Westernfilmen, bei denen ein Topos für den Beginn von epischen Katastrophen oft Trockenheit, Dürre ist. „Wir werden das Vieh schlachten müssen“, sagt der Held, auf seinem Pferd, schiebt sich sorgenvoll den Stetson in den Nacken, wischt sich den Schweiß von der Stirn, richtet sich im Sattel auf und schaut über seine Schulter zum Horizont, wo die Sonne erbarmungslos vom Firmament brennt. Die Kamera schwenkt über bleiche Rindergebeine und Staubfahnen wehen vom dürren Wüstenboden unheilvoll gen Osten.

Auch bei uns wird Vieh geschlachtet werden müssen, weil wegen der Wasserknappheit kein Futter mehr da ist. Es ist jetzt schon, weit vor Ende des Sommers, von Totalausfällen bei Ernten die Rede. Früher war eine derartige Situation die Grundlage von Hungersnöten (Mitte des 19. Jahrhunderts starben auf Grund der Kartoffelfäule über eine Million Iren an Hunger) und nach drei ähnlich gelagerten Jahren in Folge hätten die betroffenen Eingeborenen ihre Sachen gepackt und wären weitergezogen. Sowas nennt man heute übrigens nicht mehr wie im Western „Treck“, sondern Migrationsbewegung. Eine riesige innerstaatliche Migration als Folge von menschengemachter Dürre und der Vernichtung der Existenzgrundlage fand vor weniger als 100 Jahren in den USA statt. Hunderttausende Farmerfamilien zogen damals über die Route 66 von Arkansas und Oklahoma ins gelobte Land, nach Kalifornien, um dort ihr Glück zu finden. Sie fanden aber nur Ausbeutung, Hunger und Fremdenhass. Nachzulesen in „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck.

Bei uns ist das nicht zu befürchten. Wir kaufen auf dem Weltmarkt Viehfutter und Nahrung für uns. Das wird zur Folge haben, dass in den exportierenden Ländern Futter und Nahrung für die Eingeborenen knapp wird, weil die mit den Weltmarktpreisen nicht konkurrieren können. Also machen die sich dann nicht über die Route 66 sondern über das Mittelmeer auf, um hier ihr Glück zu finden. Wenn sie Glück haben, finden sie hier Ausbeutung, Hunger und Fremdenhass. Wenn sie Pech haben, finden sie im Mittelmeer den Tod. Diesen Prozess im Vergleich zu „Früchte des Zorns“ nennt man Fortschritt.

Was ist bei uns zu erwarten? Die Lebensmittelpreise, die für Dünger, Energie etc. werden „explodieren“. Wenn sich der Mob hierzulande im nächsten Jahr noch nicht mal mehr Kartoffeln leisten kann, möchte ich mir lieber nicht ausmalen, wie die nächste Bundestagswahl ausgeht. Die Kartoffelernte wird jetzt schon um 40 % geringer ausfallen, die Knollen sind Flachwurzler und leiden am heftigsten unter den ausgedörrten Böden.

Da passt die Meldung vom Statischen Bundesamt zu, nach der der Stellenrückgang in der Autoindustrie im Vergleich zum Vorjahr 5,8 Prozent beträgt. Hier ist eine ungeheure Dramatik des Abstiegs im Gange. Zehntausende gutbezahlte Facharbeiter vor dem Aus ihrer wutbürgerlichen Existenz, die vielleicht noch die Wahl zwischen Amazon-Fahrer und Pommesbrater bei MacDoof haben. Oje. Die sind teils noch gewerkschaftlich kampferprobt und Straßen erfahren. Wenn die auf die Straße und an die Wahlurne gehen, dann gute Nacht, Marie.

Mit dem Pommesbraten ist das perspektivisch allerdings auch so eine Sache. Die Kartoffeln für Pommes sind am meisten von Ernteausfällen betroffen. Und wer kann sich schon 5 Euro für ne Portion Pommes bei MacDoof leisten

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