
Imbiss, Kreuzberg, bei uns im Haus. Hades genannt. Weil danach nur noch die Unterwelt droht. Ich versuche, die Geschichte des Hades und seiner Besucher*innen zu schreiben, irgendwann ist diese Oase von Mühseligen, Beladenen und Unterdrückten Geschichte, der Hades dichtgemacht und die Gäste auf die umliegenden Kioske verstreut. Wobei immer mehr sterben oder hinfällig werden. Ich war immer davon ausgegangen, dass da überwiegend materiell eingeschränkte Gäste verkehren. Das stimmt nur teilweise. Neulich kam ich mit dem Finnen ins Gespräch, ich erwähnte das KaDeWe, die 6. Etage, Paradies für Gourmets. Also Leute mit Geld. Worauf er mich darauf hinwies, dass jeden Dienstag da in der Champagnerbar „Zwei für Eins“ Tag ist, zwei Flaschen Champagner zum Preis für eine . Das würde er regelmäßig mit Freunden wahrnehmen.
Gschichten aussem Hades, davon gibt’s Dutzende.
Kleine Fluchten angesichts des unaufhaltsamen Faschismus im Lande. Ich habe tatsächlich ab und zu die politische TV-Berichterstattung angesichts der SA-Wahl geschaut, was ich normalerweise bei Wahlen nie mache, weil das Geplärre dort so erwartbar ist wie der morgendliche Stuhlgang. Ich war an der Metaebene interessiert, wie schnell wird wachsender Faschismus im öffentlichen Diskurs zur Normalität, in Äquidistanz, gleichberechtigt zu anderen Positionen. Ich sach mal: So schnell kannste garnich gucken, wie das normal wird.
Die öffentlich ausgestellte Dummheit grenzt an Irrsinn. Oder Schlimmeres. Der Alfred E. Neumann der Politik, Philipp Amthor, behauptet allen Ernstes, die „Reformen“, heißt: Die Zerschlagung des Rest-Sozialstaates, müssten nun schneller vorangetrieben werden. Das würden die Leute erwarten.
Nun hat auch der gröbste Vollidiot schon am Walabend begriffen, dass die Faschisten unter anderem deshalb gewählt wurden, weil der Mob Angst vor den „Reformen“ hat, die zur Zeit seine Existenz bedrohen. Die Empfehlung von Alfred E. Amthor ist ungefähr das Gleiche, als ob man Leuten, denen schon vom Lesen des Beipackzettels einer Medizin sterbenselend wird, empfiehlt, sofort die dreifache Menge der empfohlenen Medizin-Menge zu schlucken.
Ich kann mir das nur so erklären, dass Alfred E. Amthor Drogen nimmt. Normal sieht der ohnehin nicht aus und jetzt gleitet er ins Delirium. Ich lade ihn mal zu einem Diskussionsabend im Hades ein. Da sitzen einige Experten in der Sache. Was „Reformen“ angeht. Nicht Drogen! Was dachten Sie denn….