
Werder, Havel. Der alte Dorfkern liegt auf einer Insel, zu der nur eine Brücke führt.


Eine Mühle, der Marktplatz, strahlende Sonne, zu der Jahreszeit unter der Woche kaum ein Mensch unterwegs, Stille, frische Luft, ein Glas Wein unter Palmen am Wasser , siehe oben, und eins in der Dorfschänke, siehe unten, man muss sich mich als glücklichen Menschen vorstellen, leicht angeheitert und ohne Termine.

Nach dem mental eher anstrengenden Wochenende war diese Flucht in die Idylle ein notwendiger Reflex, und kostengünstig. Dank Deutschlandticket für lau, in einer halben Stunde vom Bahnhof Charlottenburg. Und wer dann noch Kulturnachtisch braucht, kann auf der Rückfahrt in Sanssouci aussteigen.
Oh, what a perfect day, wie Lou Reed dereinst sang Gott hab ihn selig. Aber ach, ein Blick aufs verfluchte Handy zerrte mich in die dreckigen Niederungen der Realität, der Politik . Die Grünen und die SPD haben die Koalitionsverhandlungen mit den Linken in Berlin abgebrochen, weil die entgegen ihrer Zusage die parlamentarische Speerspitze des linken Antisemitismus in die Fraktion aufgenommen haben. Hat ja nicht lange gedauert nach meinem Koalitionsskeptischen Beitrag von gestern. Das wird all diejenigen aber freuen, die einen starken Sozialstaat auf allen Ebenen brauchen.
Lustige, na ja, halblustig, Volte der Geschichte: Besagte antisemitische Abgeordnete soll Trotzkistin sein, angetrieben von halbgarem pseudorevolutionären Geschwafel. Leo Trotzki aber war Jude, wenn auch ungläubig, und wurde zeitlebens antisemitisch diffamiert und verfolgt. Nicht zuletzt von seinem Konkurrenten Stalin, der ihn schlussendlich auch ermorden ließ.
Sowas kannste Dir nicht ausdenken. Daher zurück zur Idylle.

Eine Bank aus lauter Muscheln unter Rosen direkt am Wasser. Kahlos Muschelbank in Werder, Havel.
Frida Kahlo aber war eine berühmte mexikanische Malerin, die ich meinen Leserinnen nicht vorzustellen brauche. Sie unterstützte Trotzki in seinem mexikanischen Exil und schenkte ihm in den 30ern ein Haus, in dem er später von Stalins Schergen ermordet wurde.
Hat sich was mit Idylle, die Realität holt einen ein, immer und überall….