14.04.2025 – Was sich derzeit auf der politischen Bühne abspielt, ist so erbärmlich und lächerlich

Und am Horizont liegt das Meer. Glück kann man nicht nachfühlen. Logisch, dann wäre es ja kein Glück mehr, weil Glücksmomente unplanbar, kurz, flüchtig sind. Man kann sich höchstens an Situationen von Glück erinnern. Für mich sind Glücksmomente unter anderem die der ersten Annäherung an das Meer, nach einer langen, vielleicht anstrengenden Anreise, Planung, Stress, dann im Zimmer alles liegen lassen, die Vorfreude baut sich langsam auf, wenn man über Sand stapft, die Schuhe abstreift, die Nase für den Geruch des Salzes weitet und irgendwann, vielleicht wenn man das Meer hört, füllt das die Brust mit dem, was im letzten Grunde unsagbar ist: Glück.
In Zeiten wie diesen kostbarer denn je. Also Reisen planen. Ob dann am Ende des Regenbogens ein Topf Glück liegt, wird sich weisen. Was dagegen hierzulande am Ende der Koalitionsverhandlungen liegt, riecht mitunter eher nach brauner Scheiße.
Jens Spahn, CDU-Rechtsausleger und Kanzleraspirant für 2029, bringt sich in Stellung und normalisiert schon mal vorab den zukünftigen Koalitionspartner, die Faschisten von der AfD. Zitat laut Blöd: „Mit der AfD als Oppositionspartei so umzugehen in den Verfahren und Abläufen wie mit jeder anderen Oppositionspartei auch.“ Also dann auch bei einem Verfahren wie einer Regierungsbildung und Kanzlerwahl
Die wahren Täter in diesem Schmierenstück sind übrigens laut Blöd die Grünen, denn sie „wüten“ gegen Spahn. Spahn hingegen wird vom Zentralorgan des Mobs in Schutz genommenn, siehe letzter Absatz, das gibt schon mal den Takt des Boulevards für eine Regierungsbildung mit Faschisten vor. Es ist der Takt des Badenweiler Marsches, rechts, zwo, drei, vier, Hitlers Lieblingsmarsch.
Die Stahlhelm Fraktion in der CDU macht also wieder mobil. Die Stahlhelmer waren als militante Frontsoldaten des ersten Weltkriegs Demokratiefeinde und Wegbereiter der Nazis . Nach dem Krieg wurde so der äußerste rechte Rand der CDU bezeichnet. Nun also Spahn, der die AfD normalisiert, wie viele andere in der CDU. Diese hanebüchene Vorstellung, man könne Faschisten einbinden, entzaubern ist ein selbstmörderischer Trugschluss der Bürgerlichen seit 100 Jahren. Siehe unter anderem Franz von Papen, ein Wegbereiter der Nazis, der das nur durch Glück überlebt hat .
Das erbärmliche Abbild der sich anbahnenden CDU/SPD-Koalition ist ein Booster ohnegleichen für die AfD. Bevor sie überhaupt im Koalitionsbett liegen, kriegen die sich schon wie die Kesselflicker in die Wolle. Und in ihrem Programm ist nichts, was den prekären Massen und der abstiegsbedrohten Mitte der Gesellschaft jenen Treibstoff nehmen könnte, der den Turbo für die Faschisten bildet: Angst. Was sich derzeit auf der politischen Bühne abspielt, ist so erbärmlich und lächerlich, dass das Stück eindeutig Genre-mäßig zuzuordnen ist: Groteske.
Wo wir schon mal bei Parallelen und historischen Vergleichen sind: Ich empfehle Jens Spahn den Blick in den Rückspiegel: Ernst Röhm ..
Unfassbar, dass in heutigen Zeiten ein Schwuler wie Jens Spahn denjenigen Avancen macht, die ihn später mal ohne zu zögern … ja, was? Ins Lager stecken? Die auf jeden Fall heutzutage schon mal Menschen totschlagen, die sich jenseits heteronormativer Orientierung bewegen.
Kein Wunder, dass ich in meinen Phantasien privatisiere, ins individuelle Glück der Meere eintauche. Aber es geht auch anders. Dazu demnächst mehr.

11.04.2025 – Sobald man an der Fassade kratzt, kommt die hässliche Fratze der Klassenverhältnisse zum Vorschein.

Endlose Weiten auf Juist, der Insel der Immobilien-Millionäre.
Seminar in einer Bildungsstätte auf Juist, für Menschen mit wenig Geld. Es geht um Selbstermächtigung, Teilhabe, vor dem Hintergrund von konkreten Projekten, wie Formate für Bürgerfunk, Social Media und, in meinem Workshop, um öffentliche Aktionen, Interventionen. Mein Workshop entwickelte die Idee, auf der Insel eine Aktion zu Bürgergeld durchzuführen und die Presse dazu einzuladen, um auf die völlig unzureichende Ernährungssituation im Bürgergeld hinzuweisen: 6,50 Euro pro Tag. Auf Juist kostet ein Aperol schon 10 Euro. In der PM wurde auch die Frage nach der Situation der Saisonarbeitskräfte auf der Insel gestellt. Saisonarbeitskräfte werden oft ausgebeutet, was Lohn, Arbeitszeit, Unterbringung angeht. Auf den Nordseeinseln kommt dazu: Lebensmittel sind wegen der Transportkosten mit Fähren zwischen 30 bis 50 Prozent teurer.
Auf den deutschen Nordseeinseln dürfte das tausende von Saisonarbeitskräfte betreffen, oft aus Osteuropa. Im Internet fanden wir darüber: Nichts. Außer dass die Inseln solche Kräfte suchen. (Hinweis an die Insulaner: Im Kapitalismus wird der Markt über Angebot und Nachfrage geregelt. Wenn Saisonarbeitskräfte gut bezahlt werden, sagen wir mal, auf Niveau Studienrat, hat sich das Problem innerhalb einer Saison erledigt. Dann überleg ich mir sogar, ob ich da arbeite. Vielleicht als Eintänzer im Grandhotel ….)

Bei der Aktion sollten Beutel mit Nahrungsmitteln, die den erbärmlichen Bürgergeld-Tagessatz abbilden, verteilt und an einem zentralen Insel-Platz in der Nähe der Fähre ausgelegt werden. Ob das die erste Aktion dieser Art dort war, entzog sich unserer Kenntnis. Sie hatte aber „zündende“ Wirkung vorab. Am nächsten Tag, kurz vor Versand der PM, fand ein Krisengespräch zwischen den Seminar-Verantwortlichen auf unserer Seite statt und denen der dortigen Bildungsstätte. Fazit: Wenn die Aktion (mit Presse…?) stattfindet, gefährdet das Arbeitsplätze und Fördermittel der Bildungsstätte. Begründung, und da wurde es nebulös: Das Verhältnis zwischen Bildungsstätte und Gemeinde Juist sei angespannt und könnte die beschriebenen Konsequenzen nach sich ziehen. Da wir das in der Kürze der Zeit nicht hinterfragen konnten, haben wir natürlich die Aktion nicht durchgeführt. (Stattdessen wird eine ähnliche im Sommer vor dem Bundeskanzleramt stattfinden. Details demnächst.)
Es blieben Fragen … Wieviel Angst herrscht auf dieser Insel vor, was die „Störung“ des jahrelang ungestörten Ablaufs des Betriebes angeht? Was für ein Verständnis von Öffentlichkeit, Teilhabe und Demokratie herrscht dort vor? Was für Binnenverhältnisse herrschen auf dieser Insel, auf allen Nordseeinseln? Inseln sind relativ hermetische, abgeschottete Orte, wo man (Gewerkschaften, Medien, Kirchen) nicht mal eben recherchieren und intervenieren kann. Nur nach Sylt fährt die DB. Wo ab und zu Punker die Insel mal aufmischen und bei Einheimischen die Sehnsucht nach Adolf Hitler hervorrufen.
Statement eines TN aus dem Workshop: Die da oben wollen immer, dass wir Angst haben sollen.
Dass da nicht mal einer auf die Idee kommt, in einer Nacht- und Nebelaktion Plakate zu kleben mit dem Hinweis: Hier werden Saisonarbeitskräfte ausgebeutet. Ud das dann den Medien steckt….

Häuserzeile Juist, mit Seeblick.
Es ist immer so in der bürgerlichen Gesellschaft: Sobald man an der Fassade kratzt, kommt die hässliche Fratze der Klassenverhältnisse zum Vorschein.
Was bleibt, ist die Frage an alle Immobilienbesitzerinnen, Aktieninhaber und Portfolioverwalter angesichts des extremen DAX-Gewinnes heute Morgen: Sie haben doch hoffentlich antizyklisch gestern Aktien gekauft? Niemals mit der Meute rennen….
Wir sehen uns. Auf Juist oder wo auch immer ….

06.04.2025 – Rot Front, Genosse Großbauer!

Gras-Sorte Black Domina im Freiland-Versuch unter Bedingungen des Klimawandels. Allgemein wird seit Jahrzehnten empfohlen, Graspflanzen nicht vor den Eisheiligen, also Mitte Mai, ins Freie zu pflanzen. Die Klima-Zeiten haben sich geändert und das teste ich zurzeit anhand Black Domina. Stand 06.04.2025: Black Domina überlebt auch bei Temperaturen um 0 Grad, wie letzte Nacht. Das frühere Auspflanzen verlängert die Vegetationsphase und erhöht damit den Ertrag. Die Angaben in der „Fach“literatur – soweit man bei Werken, die von auf Grund von Dauerkonsum verblödeten Kiffern verfasst werden, davon überhaupt sprechen kann – müssen also aktualisiert werden.
Wir werden das Thema Selbstversorgung im Auge behalten. Die Zeiten werden härter und wohl dem, der angesichts dramatisch steigender Zölle selber Handelsware besitzt und sei es auch nur für den Naturaltausch. Wer also Obst und Gemüse im Bio-Eigenanbau anzubieten hat, kann sich gerne bei mir melden. Aktueller Kurs: 2 kg heimische Bio-Äpfel gegen 1 Gramm Black Domina. Soll ja bekanntlich demütig machen ….
Zum hiesigen Geschrei über Trumps Zölle: Es sei daran erinnert, was Trump mit Zöllen veranstaltet, macht die EU, die BRD, mit Subventionen. Jeder Bauer wird hierzulande mit 48.000 Euro subventioniert . Im Durchschnitt, die agrarisch-industriellen Großbetriebe natürlich entsprechend mehr. Daher sind Nahrungsmittel bei uns extrem günstig und die Bauern produzieren und exportieren auf Teufel komm raus. Jahrzehntelang hatten wir gigantische Butterberge und Milchseen auf Halde, die schmelzen zyklisch ab und schwellen wieder an. Die EU setzt unter anderem über die Welthandelsorganisation WTO , Hand in Hand mit multinationalen Konzernen, ihre Terms of Trade durch. Heißt: Sie zwingt Staaten des globalen Südens, ihre Grenzen zu EU-Bedingungen zu öffnen, überflutet die Märkte dort mit hochsubventioniertem EU-Dreck, der die einheimischen Märkt kaputt macht, die dortige Fauna und Flora nachhaltig verändert und die Kultur in westliche Kategorien presst. Siehe Hähnchen Export nach Afrika . (Nach dem gleichen Schema wurde in Afrika das einheimische Schneiderhandwerk kaputt konkurriert durch subventionierten Export von hiesigen Altkleider-Klamotten).
Unter normalen Markt-Bedingungen gäbe es hierzulande seit Jahren keine klassische Landwirtschaft mehr. Im Übrigen würde dadurch auch der Migrationsdruck gemildert. Logischerweise kommen die durch die EU in die Armut Getriebenen zu „uns“, in die EU, koste es, was es wolle. Es ist also ein völlig irrsinniges System und kein Politiker hierzulande hat das Recht, sich über Trumps Zölle das Maul zu zerreißen, wenn er nicht im gleichen Atemzug auf die Schweinereien der EU hinweist.
Das Einzige, was mich an dieser Causa erfreut: Dass wir in weiten Teilen unserer Wirtschaft, nicht nur der Landwirtschaft, seit Jahren ein funktionierendes System haben, dass der Kapitalismus eigentlich vor 35 Jahren vom Markt konkurriert hatte, mit allen desaströsen Folge-Erscheinungen wie aktuell die Wiederkehr des Faschismus. Das System hieß Sozialismus und was in der Landwirtschaft zur Zeit praktiziert wird, ist nichts anderes als Sozialismus. Der Staat hält eine spezifische Art der Produktion am Leben und externalisiert die Risiken.
Rot Front, Genosse Großbauer. Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.
Ich muss wieder in den Garten, weiter an der Grundlage für Handel und Wohlstand arbeiten. Sonnigen Sonntag, liebe Genossinnen.

03.04.2025 – Zauberhafte Abgründe

Umstände, die demnächst näher zu würdigen sind, verschlugen mich auf die Insel Juist. Strahlende Sonne, die das wintermüde Antlitz wärmt, Luft wie Champagner (keine Autos), bis zum Horizont menschenbefreiter Strand, endloses Rauschen der Wellen,  es scheint paradiesisch.

Es ist das Abbild der Klassengesellschaft: Schöner Schein, aber wenn man dahinterblickt, stellen sich Fragen, tun sich Abgründe auf und mich dünken diese ganzen Inseln mitunter wie Ausgeburten einer hermetischen Hölle.

Der Quadratmeterpreis einer Eigentumswohnung liegt hier bei über 8000 Euro, in der Spitze laut Einheimischen bei 20.000 und an der Wattseite bei unbezahlbar. Jeder Häuslebesitzer, und das sind die Eingeborenen alle, es gibt hier nur Einfamilienhäuser,  ist qua Immobilienbesitz Millionär. Das Lied der Saisonarbeitskräfte, vielfach migrantisch, gilt es noch zu singen….

Auf den Konflikt, den ich hier ausgelöst habe, komme ich noch zu sprechen. Es ist aber wirklich zauberhaft hier, ich genieße die Zeit. Gestern habe ich mit einem Kumpel einen der Strandkörbe aufgehebelt, hier ist noch absolut nichts los, und wir haben dort erstmal mit einer Pulle Grappa fröhliches Entkorken gespielt, siehe oben. Ein Bad in der Nordsee bei 8 Grad Wasser schreit nach Aufwärme.

Es sind gute Zeiten für Reiche. Die Immobilienpreise kennen wieder mal nur eine Richtung, nach oben, der Goldpreis explodiert, immer neue Rekorde, der DAX wackelt ein bisschen wg. Trump, aber das beruhigt sich wieder, und die Rendite bei Staatsanleihen steigt rapide. Der Staat nimmt nach der Lockerung der Schuldenbremse Billionenkredite auf, begibt Staatsanleihen und die haben natürlich nur Vermögende im Portfolio. Ich glaube nicht, dass Juister Saisonarbeitskräfte ihre Alterssicherung mit soliden deutschen Staatsanleihen unterfüttern…

28.03.2025 – Mit dem linken Auge sieht man besser oder: Don’t legalize it!

Gras-Sorte „Black Domina“ im Inkubator. Die Sorte gibt’s im Fachhandel in jeder größeren Stadt. Einfach gucken, welcher Gartenladen nach Hippie aussieht oder drei Anrufe tätigen. Inkubator: Ein Honigglas mit einer Handvoll nassem Toilettenpapier, auf die Heizung gestellt.

3 Tage später. Eine weitere Woche später in Blumentopf, auf Balkon, ins Fenster, wenn es nach Süden oder Westen geht. Sonst eine billige Natriumdampflampe für Indoor und ein paar Monate später ist Erntedank. Das ist alles, dafür braucht es keinen hochkomplizierten Aufbau oder Dünger oder Pflege, außer natürlich Wasser ab und zu. Der Hanf ist eine sehr unkomplizierte Pflanze. Bester Zeitpunkt für das Auswildern ist im Mai. Ich führe gerade eine Testreihe durch zu früherem Anbau auf Grund des Klimawandels. Das kann bei strengen, späten Nachtfrösten schon mal zu Ausfällen führen…
Und was es schon gar nicht braucht, ist eine Cannabis-Legalisierung. Autonom sein, unabhängig von Handel und Gesetzen. Selbst ist die Frau, das ist unbürokratisch, billiger, ökologisch, macht mehr Spaß. Das Verbotene macht doch erst richtig scharf. Legal, illegal, scheissegal.
Und, das ist aus meiner Sicht das Wichtigste: Die Rücknahme der Legalisierung von Cannabis kann die SPD für wichtigeres in die Koalitionsverhandlungen einbringen. Als Verhandlungsmasse für Deals. Die Legalisierung ist doch ihrer Kernklientel, der Facharbeiterschaft, entweder scheißegal, oder ein Dorn im Auge. „Wichtigeres“ meint: die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Das muss eine rote Linie für die SPD sein.
Dafür kann sie dann zähneknirschend die Legalisierung beigeben. Der § 218 muss weg, das ist eine zentrale Konfliktlinie in der Gesellschaft. Ich unterstelle hier der CDU keinen Faschismusverdacht, sie ist in ihren demokratischen Teilen auch Bündnispartner gegen die AfD, gegen den Faschismus, solange sie da nicht wackelt, was sie tut. Aber sie ist auf Grund ihrer klerikal-reaktionären Prägung eine zentrale Vertreterin der patriarchalen Kontrolle über den Frauenkörper. Volle männliche Verfügungs- und Definitionsgewalt über den weiblichen Körper, von den Chromosomen über den Fötus bis hin zur Frisur . In Arkansas wollen Republikaner Kurzhaarfrisuren für Frauen unter Strafe stellen. Das hat noch nicht mal Adolf Nazi gemacht.
Wenn die SPD an dieser Stelle, dem § 218, klein beigibt, soll sie zur Hölle fahren. An deren Eingang steht: Fünf Prozent Hürde. Und deren Personal aus lauter kleinen Teufelinnen besteht.
Ich werde in den nächsten Tagen weitere Bewertungen zu den Koalitionsverhandlungen abgeben, aus undogmatischer linksradikaler Sicht. Motto: Mit dem linken Auge sieht man besser.
So gesehen ist die Wahl der Sorte Black Domina eine Empfehlung an alle Leserinnen . Das Zeug soll laut meiner Verkäuferin demütig machen. Also Männe mit dem Zeug überraschen, dazu im Fachgeschäft Ihrer Wahl ein paar Handschellen, eine Peitsche, schickes Lederoutfit besorgen und dann .. Ein bisschen mehr Demut könnte Männern grundsätzlich nicht schaden. Wenn ich mir diese Hanswursttruppen da im Bundestag angucke, oje…

25.03.2025 – Zombieland

Uberplatz mit Uberarena, Friedrichshain. Darunter die East Side Mall, auf dem Uberplatz. So stelle ich mir eine Zombiewelt nach dem Untergang des Kapitalismus vor. Riesige Betonflächen, ohne Licht, ohne Grün, ohne Sinn und Verstand, ohne Menschen. Selten hatte ich bei einer Erkundung fremder Planeten ein derart beklemmendes Gefühl, eine körperliche Abscheu, die sich auf dem sogar autoleeren Parkdeck auf dem Dach in paranoide Zustände auswuchs. Hinter jedem Betonpfeiler lauerten George Romeros Zombies.

Und das ist die verheißungsvoll Welt des Konsums, die alle lieber wollten und wollen als alles andere. Bei Menschen aus dem globalen Süden kann ich das eher verstehen als bei den Ostzonen-Zombies. Für erstere geht es ums nackte Überleben. Aber bad news für sie: kein Interesse am globalen Süden. Das Entwicklungsministerium soll abgeschafft werden, siehe Großbritannien und USA, Usaid. Der Westen braucht ein paar Bodenschätze, will Waffen dahin verhökern und ein paar billige Arbeitskräfte. Aber für die Masse gilt: Draussenbleiben. Auch als Konsumenten kein Interesse. Der Sudan ist kein guter Absatzmarkt für Luxuslimousinen. Und wozu eine nachhaltige Struktur da unten aufbauen, der Kapitalismus wird doch schon hierzulande den ganzen Dreck aus seiner strukturellen Überproduktion nicht los. Er hat die Ressourcen, um zwei Welten mit Müll zu versorgen. Und zu versauen. Einen Erdball haben wir jetzt schon versaut. Zweiter Erdball zwecks Vernichtung gesucht.

Wir erinnern uns an die Annexion der Ostzone, die Industrie konnte aus dem Stand 20 Prozent zusätzliche Konsumenten mit dem nötigsten an Bananen und Pornos versorgen, ohne eine Struktur vor Ort aufbauen zu müssen. Als das durch war, setzte die Massenarbeitslosigkeit ein, deren Lösung die Agenda 2010 und Massenarmut durch Niedriglohnjobs war. Mit nachfolgendem Abgesang der Demokratie.

Lässt sich strukturell global übertragen und am Ende sieht es dann so wie oben aus. Und ich bin schon mal vorab mittendrin gewesen.

Tief war mein Aufatmen , als ich später wieder im Hades landete, dem türkischen Imbiss in unserem Haus, mit ganz normalen, kaputten Menschen.

24.03.2025 – Über Kapitalismus. Berliner Impressionen.

Ob das wohl gut geht? Dachte ich beim Überqueren des Landwehrkanals beim Blick auf das Technikmuseum.

Keine Armut. Kein Hunger. Gesundheit und Wohlergehen. Die 17 Ziele der UN von 2016 zur globalen Nachhaltigkeit, für 2030. Tafel, ein paar Meter weiter am Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Tafel ist kaum sichtbar, sehr hochgehängt. Auf mich wirkt sie grotesk, lächerlich, peinlich. Warum nicht gleich: Reichtum für Alle.

Der Gendarmenmarkt, neugestaltet und in aller Munde. Der Volksmund nennt die kahle, leicht gerundete Steinwüste „Stadtglatze „. Das bemerkenswerte ist das, was nicht sichtbar ist: Der Platz hat keinen Platz für Flaneure, Menschen, die einfach mal müde und erschöpft sind, kein Grün. Er ist ausgerichtet auf die Logistik und Bedürfnisse von Großveranstaltungen wie Weihnachtsmarkt oder Riesenkonzerte. Eine vollständige Unterordnung des öffentlichen Raumes unter die Interessen des Marktes. Des Kapitals.

The containment. Von Shanee Roe. 2024. Ausstellung „Berliner Realistinnen“ im Haus am Lützowplatz. Der kritische Realismus prägte in den 70ern die Berliner Avantgarde, politisch, radikal, antikapitalistisch, perfektes Handwerk. In der Ausstellung „1. Mai Salon. Berliner Realisten 71“ waren bis auf eine Ausnahme nur Männer vertreten. 54 Jahre später sind in dem Reenactment am Lützowplatz nur Frauen vertreten . Linker Antikapitalismus funktioniert nur, wenn er auch antipatriarchal ist. Aber leider funktioniert er in der Praxis garnicht.

Gut, dass ich mal drüber geredet habe.

21.03.2025 – Wenn die Zukunft düster ist, strahlt die Vergangenheit umso heller.

EXPO 2000 in Hannover, aufgenommen mit einer Kompaktkamera. Ein wundervolles Stück Zeitgeschichte ist dieses Originalmauerstück, beschmiert von einem ebenso unbegabten wie dummen und reaktionären Malermeister Klecksel. Ich denke immer noch wehmütig an die EXPO, eine einzige Party von 6 Monaten, Luxus pur, die ganze Welt in Hannover zu Gast, nie gekannte Spezereien, Weine aus Georgien, heute der Hit, damals völlig unbekannt, flirrende Musik in und an den nächtlichen Pavillons. Schemenhafte Schatten einer zauberhaften Erinnerung an etwas Einzigartiges. Die Kunst, siehe oben, war für die Tonne, die spektakulären Pavillons gibt es nicht mehr, bis auf den holländischen. Das Ganze bescherte der Region ein tolles ÖPNV-Netz, neue Stadtteile und Schulden. Was es nicht bescherte: Eine Werbeveranstaltung für den militärisch-industriellen Komplex, zusätzlich Armut und Wohnungsnot, Zerstörung der Umwelt, etc. blabla. Was die lieben Genossinnen halt damals so vor sich hin delirierten. Eine kritische Reflexion der eigenen Fehleinschätzung fand wie üblich nicht statt.
Und anstatt sich selbst vor Ort zu überzeugen, grollten viele Linke zuhause in den bekannten jahrzehntealten abgeranzten Kneipen vor sich hin, getreu nach dem Motto: Liebe Göttin, erhalte mir mein Ressentiment.

Diese notorische Rechthaberei und gedankliche Inflexibilität war eine der Grundlagen für den Abgesang der Linken aus der Weltgeschichte. Nicht die Wichtigste. Da war der Fall der Mauer schon relevanter.
Ich war vor der EXPO natürlich auch strikt dagegen. Aber die Realität war eine Lehrmeisterin. Angesichts der Mauer oben dachte ich damals hoffnungsfroh: Darauf kann man ja aufbauen. Ein paar Maurer-Akkordkolonnen und ruckzuck steht die Mauer wieder. So kann man sich täuschen. Was soll’s, was ist nicht ist, kann ja noch werden.
Wenn die Zukunft düster ist, strahlt die Vergangenheit umso heller. Aber das demnächst wahrscheinlich die BVG in Berlin stillgelegt wird durch Streik, verfinstert mein Gemüt doch.
Eine Erinnerung an die EXPO wirft doch einen Schatten: Der Kurator des irischen Pavillons rief bei mir an und wollte eine Kooperation mit dem damals hochaktiven Polit- und Kunstkollektiv SCHUPPEN 68. Der Mann war außerordentlich sympathisch. Er war GF eines irischen Kulturzentrums und hatte keine Ahnung, wie man auf ihn verfallen war. Ebenso hatte er keine Ahnung, was er im Pavillon überhaupt machen sollte und schon gar keine Ahnung hatte er von der hiesigen Kulturszene, mit der er kooperieren sollte. Irgendein ebenso hiesiger Ahnungsloser hatte ihm unseren Namen genannt. Internet und Smartphones waren damals nicht so überragend kulturprägend wie heute. So kam es .. siehe oben.
Da ich Vollidiot damals Anhänger von Mitbestimmung und Demokratie war, fragte ich das Kollektiv und die Antwort der radikalen Linken können Sie sich vorstellen. Das erfüllt mich heute noch mit leichter Bitterkeit. (Pedder, soviel Bier kannst Du mir beim Griechen namens „Korfu“ (!😄) in Eimsbüttel gar nicht ausgeben, dass ich das verzeihe. Da muss schon noch ein Ouzo rüberwachsen. Und was macht eigentlich Sr. Lioba, von SCHUPPEN zu den Benediktinerinnen…)
Was für eine verpasste Chance unser EXPO-Projekt an gigantischer Anarchie und Geldverbrennung. Und wer weiß, in welchem Kunstolymp ich heute wäre.
Wieso ich das ausgerechnet jetzt rauskrame? Mir ist der Ordner mit den Fotos in die Hände gefallen. Und das ist 25 Jahre her. Silberjubiläum. Und: Wenn die Zukunft düster ist, strahlt die Vergangenheit umso heller.

19.03.2025 – Gesichter einer Nacht

Der Schwarze Block. In der antiken Schlacht-Formation der Testudo (Schildkröte), die von Gaius Julius Cäsar entwickelt wurde. Ein geschlossener Block igelt sich ein, wappnet sich nach außen und rückt vor. Da weht der Geist des großen Latinums durch die Reihen der Autonomen. Da marschierte die künftige Elite unseres Landes, Außenminister wie Joseph Fischer, oder Anwälte wie Horst Mahler, jetzt Nazi. Keine Angst, die stoßen sich jetzt nur die Hörner ab und werden im späteren Leben draufkommen, wie dämlich ihre Parolen teilweise sind: Freiheit für alle politischen Gefangenen? Also alle Neonazi-Mörder und Schläger raus? Keine Repression? Also den antisemitischen Mob in Neukölln und Kreuzberg ungehindert Straftaten begehen lassen? No Police? Ich habe das eine oder andere Mal bei Israel-Soli-Demos mit einer Handvoll jüdischer Mitbürger*innen einem Palästina-Mob gegenübergestanden und hätte in der uns von der vielfachen Übermacht trennenden Polizeikette aus lauter Erleichterung über deren Anwesenheit am liebsten Ferrero Küsschen verteilt. Also, liebe Genoss*innen: Dummes Zeug wird nicht dadurch Literatur, indem es unreflektiert von einer Generation an die nächste weitervererbt wird. Aber so sind sie halt, die jungen Leute. Bestreiten alles, außer ihren eigenen Lebensunterhalt. Tusch, Narhalla Marsch.
Etwas später prallte mich dieses Bild der Nacht an, zog mich magisch in seinen Bann

Put on your red shoes and dance the blues. (Wer es nicht weiß, das ist von „His Elegancy“ )
Mir fiel bei dem Anblick Rudolf Schlichter ein. Zeitgenosse und Freund Brechts, Döblins und von George Grosz, grandioser Maler und Porträtist, Mitglied der KPD, Zuhause in der Boheme Berlins und im Rotlichtmilieu der 20er, bekennender Stiefelfetischist. Später leider auf Abwegen, politisch, als es immer näher an den Abgrund ging

Fetisch, privater und öffentlicher – wie hängen die zusammen in einer Gesellschaft, die zunehmend auf einen noch unsichtbaren Abgrund zusteuert? Was zwei oder mehr Menschen in ihrer Kemenate in freier Übereinkunft treiben, geht niemanden, und den Staat schon gar nicht, etwas an. So weit, so Binse. Prekär wird es allerdings bei näherer Betrachtung öffentlicher Fetische, wobei die Trennlinie zum privaten verschwimmt. Ein öffentlicher Fetisch ist erstmal einfach ein kultischer Gegenstand, dem besondere Eigenschaften zugesprochen werden. Der private Fetisch ist ein erotisch aufgeladener Gegenstand (oder Körperteil), z. B. Stiefel. Wobei erotischer Fetischismus nicht selten sadomasochistisch konnotiert ist. Was zunehmend enttabuisiert ist und nicht erst seit 50 shades of grey in Literatur, Pop und Werbung ikonischen, kommerziellen Charakter angenommen hat.
Und genau da wird es gesellschaftlich interessant und relevant, wenn wir uns nämlich den zentralen, öffentlichen Fetischen im Kapitalismus zuwenden: Geld und Arbeit. Sie bilden die Grundlage des Kapitalismus und erfahren daher eine religiöse, kultische Verehrung und Anbetung. Hier verschwimmen die Grenzen zum privaten Fetisch. Geld, als tödlichste Droge, mörderischer als jedes Heroin, ist zunehmend auch individuell erotisch aufgeladen, da muss man nicht zur Plattitüde „käufliche Liebe“ greifen. Es versetzt Menschen in Verzückung, Wonne, Glück, Erregung und will, wie alle Lust, Ewigkeit.
Mit Arbeit ist es ähnlich. Wie viele Menschen gehen nach ihrem „Ruhe“stand, ohne Arbeit, sukzessive an Langeweile und Sinnlosigkeit ein wie Rosen ohne Wasser. Und das, obwohl ihre Arbeit vorher noch sinnloser war als ihr Leben danach. So eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn dieser Fetisch, Arbeit, im Kapitalismus eine kultische Verehrung genießt wie weiland die Tafeln mit den 10 Geboten bei Moses. Amen. Wort des Allmächtigen Herrn. Gleitze.
Bedenklich wird die ganze Causa, die weit über die fröhlichen Fesselspiele am heimischen Bettpfosten hinausreicht, durch die Tatsache, dass der ideologische Hintergrund der damit oft verknüpften sadomasochistischen Varianten ein düsterer ist: Das Prinzip von Dominanz und Unterwerfung spiegelt in dieser kapitalistischen Welt keineswegs eine Befreiung von Normen wider, sondern reproduziert unreflektiert ein System von Macht und Ohnmacht, Ungleichheit, Unterdrückung, Erniedrigung. Wie auffe Maloche.
Es wird wirklich Zeit, dass der Frühling ausbricht und fröhlichere Gedanken meinen Geist durchwehen. Wie die Vorstellung, dass aus den Akten zur Ermordung Kennedys, die Trump jetzt freigegeben hat, hervorgeht, dass hinter dem Mord die grönländische Mafia steckt und Trump endlich einen Anlass hat, seine Schlittenhunde-Armee in Grönland einmarschieren zu lassen.