07.12.2023 – Nach mir die Sintflut oder vor mir die Eisschollen?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Klima-Kipppunkte sind in aller Munde auf Grund dieser Kasperveranstaltung in Dubai, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war, wie noch jede Klimakonferenz vor ihr. Neben physikalischen Kipppunkten soll es angeblich auch soziale Kipppunkte geben. . Die könnten ohne einen vorhersehbaren Auslöser tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen anstoßen, Verhaltensmuster, Technologien und soziale Normen verändern und verbreiten. Beispiel Finanzmärkte: Wenn nur neun Prozent der Finanzinvestoren ihr Kapital nicht mehr in die Förderung fossiler Brennstoffe lenkten, sondern damit grüne Projekte unterstützen würden, könnte das den gesamten Finanzmarkt zum Kippen bringen – in nur wenigen Tagen. So laut einer Studie vom Chef des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung .

Ich bin bei einer Übertragung von naturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten auf gesellschaftliche immer skeptisch, das ist mir zu mechanistisch. Oder gar gruselig, wenn zum Beispiel Seuchenbegriffe gesellschaftlich metaphorisiert werden: Der Jude ist ein Bazillus (Parasit) im Volkskörper ….

Eine Gesellschaft funktioniert nach anderen Regeln als Naturgesetze oder Axiome. Ehrlich gesagt möchte ich auch nicht in der Nähe sein, wenn auf einmal der gesamte Finanzmarkt ins Kippen gerät, die Lehman-Pleite 2008 war schon verheerend genug. Vom Börsencrash am Schwarzen Freitag 2029 ganz zu schweigen. Eine Folge davon: 4 Jahre später kamen die Nazis an die Macht.

Ich möchte allerdings auch nicht in der Nähe sein, wenn als physikalischer Kipppunkt unser Golfstrom abkackt. Präziser: wenn die AMOC Amok läuft, also die Atlantische Umwälzzirkulation versiegt. Der Artikel versucht zu beruhigen, dass bei uns in Mitteleuropa die Temperaturen sich „nur um wenige Grad ändern würden“. Es gibt Studien, die behaupten, dass das ab 2025 der Fall sein könne. Nur um wenige Grad ändern!? Das soll beruhigen? … Das würde für uns um den 52. Breitengrad herum bedeuten, dass die Nordsee monatelang zufriert, wir keine eisfreien Häfen haben, der Handel dramatisch einbricht und auf unseren Feldern statt Sonnenblumen Eisblumen wachsen, kein Mais mehr, kein Weizen, kein Hopfen, kein Marihuana etc. pp. Und nein, Tiefkühlkost ist dann keine billige Alternative, weil das Zeug dann draußen gelagert werden könnte. Wer es konkreter haben will, kann sich die Verhältnisse um die kanadische Hudsonbay angucken, die liegt am 52. Breitengrad. Kann natürlich nicht 1:1 übertragen werden, aber allein die Tendenz und Wahrscheinlichkeit dieser Entwicklung reicht mir schon.

Zur Wahrscheinlichkeit von CO2-Reduzierung, um die obige wahrscheinliche Entwicklung zu mildern, also keine fossile Energie mehr verbrennen: In den Fünfzigern wurde vorhergesagt, dass die Erdölreserven um die Jahrtausendwende verschwunden wären. Fakt ist, dass wir aktuell von soviel förderbaren Reserven wissen wie noch nie. Vor Guayana ist ein so großes Erdölfeld entdeckt worden, dass Guayana zum größten Exporteur der Welt werden kann. Die Börsenkurse der Erdölkonzerne haben in den letzten Jahren um über 20 Prozent zugenommen, ihre Gewinne sind gigantisch, zig Milliarden jedes Quartal, sie bauen ihr Kerngeschäft permanent aus.

Ob die sich von einer durchgeknallten Antisemitin aus Schweden an ihrem Kerngeschäft hindern lassen… da hab ich so meine Zweifel. Was mich beruhigt: So richtig Ahnung von diesem ganzen Klimagedöns hab ich eigentlich nicht. Vielleicht hab ich auch alles falsch verstanden und alles wird gut.

Eigentlich war mein Motto: Nach mir die Sintflut. Im Moment sieht es eher aus nach: Vor mir die Eisschollen.

05.12.2022 – Die Macht der Bilder

Aktion der Landesarmutskonferenz vor dem niedersächsischen Landtag zu Hartz-IV, 22.09.2022. Der NDR schrieb: „Dramatische Situation: Landesarmutskonferenz fordert Hilfen“. Unter anderem Aussetzung der Schuldenbremse und Vermögensabgabe, um den sozialökologischen Umbau der Gesellschaft zu finanzieren, z. B. mit einer Fortführung des Neun-Euro-Tickets und 200 Euro höheren Hartz-IV-Regelsätze. Nichts Radikales, nichts Neues und um so was in die Medien und die Politik zu transportieren, um öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, bedarf es starker Bilder. Mit Papier bewegen Sie die Welt keinen Angström vorwärts, egal ob Sie Presseerklärungen machen, Konzepte verfassen oder gar Bücher vollschreiben, was eine maximale Ressourcenverschwendung ist. Wieviel arme Bäume müssen jährlich für sinn- und vor allem folgenloses Geschreibsel sterben. Wenn Sie also ein Anliegen haben, von dem die Welt wissen soll, überlegen Sie sich zuerst ein starkes Bild, um es in selbige zu transportieren. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte – und mehr als ein ganzer Wörtersee.

Ein Bild zu produzieren ist auch eine Kostenfrage. Im Bild oben sehen Sie zwei völlig unterschiedliche Kategorien: Vorne den kleinen Warenkorb mit ein paar Scheiben trocken Brot, hinten einen gigantischen Einkaufswagen, in den ein Kleinwagen passt und in dem die winzige Tagesration Essen für Hartz-IV-Bezieherinnen völlig verschwindet. Beide Bilder sollen die verzweifelte Situation im Hartz-IV-Bezug visualisieren, der kleine Warenkorb durch Dramatik, der Wagen durch überwältigende Größe (Sizes matters!). Das eine Bild kostete ein paar Cent, das andere ein Viel-Tausendfaches, der gemietete Wagen musste über die Autobahn zum Landtag transportiert werden.

Durchgesetzt auf Dauer hat sich medial das kleine, es kursiert immer noch. Wie hier im Artikel der jungen welt vom 04.12, in dem ein Sammelband beworben wird über gescheiterte Versuche, die Armutsbevölkerung von links zu mobilisieren.

Das hat hierzulande noch nie funktioniert, die Verdammten dieser Erde, die Unterdrückten, Prekären, Armen, Ausgegrenzten zu mobilisieren. Das ist in der Soziologie seit der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von 1933 bekannt. Die Abwärtsspirale lautet im Normalfall: Armut, Isolation, Resignation, Frustration, Aggression, Treten nach unten, folgenlose Wut gegen „Die da oben“ und neuerdings flächendeckendes Abgleiten in Populismus, Rechtsextremismus, Faschismus, siehe Wahlerfolge der AfD in sozialen Brennpunkten.

Inwieweit die Macht der Bilder, siehe oben, dagegenhalten kann, gerade in Zeiten der aktuellen asozialen Bürgergeld-Debatte, ist offen bis fraglich. Zu stark sind die Herrschaftsmechanismen von denen da oben, Herrschaftsmechanismen, die ein perfektes „Divide et impera, teile und herrsche“ produzieren. Noch die ärmste eingeborene Bürgergeld-Wurst findet einen Flüchtling, der ihm vermeintlich was wegfrisst und auf den er nach unten treten kann, während er dann abends vor der Glotze gegen das „Gaunerpack da oben (die Eliten und Regierenden)“ zetert, die man alle aufhängen sollte.

Immer beliebter wird in letzter Zeit auch das vom Boulevard befeuerte Zetern des Mobs gegen die unverschämt hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften. Während Gewerkschaftsmitglieder, überdurchschnittlich oft AfD Wählende, wiederum nach unten, auf die Bürgergeld-„Sozialschmarotzer“ treten. Und die Kettenhunde des Kapitals wie Merz und Lindner lachen sich schlapp über so viel Dämlichkeit.

Ich staune über die durch die Kommunikationsindustrie perfekt produzierte Verblendung  der Köpfe. Realitätsabwehr par excellence, siehe auch Klimakatastrophe.

Ändern direkte Aktionen , also das direkte Eingreifen in politische und mediale Zusammenhänge, mit der Macht der Bilder, daran was? Versuchen muss man es. Macht auch mehr Spaß.

Wahrhaft heldenhaft sind aber jene, die sich trotz Armut und Ausgrenzung engagieren, sei es in Initiativen, auf der Straße, in kommunalen Parlamenten, Beratungsstellen. Ihr Lied muss erst noch gesungen werden. Ihre Brust ziert kein Bundesverdienstkreuz. What‘s left?

Mein Anblick im Spiegel heute Morgen und mein fragender Stoßseufzer:

Der macht die Bilder?

03.12.2023 – Nützliches und Besinnliches zum 1. Advent

Der einzige Nutzen, den das aktuelle Wetter aus meiner Sicht hat: es liefert die ideale Temperatur für Sekt. Sekt muss knochentrocken sein, am besten nahe Null Gramm Restzucker. Ohne jede Zugabe von Dosage Likör, der normalerweise die Eigennote eines Sektes ausmacht. Das Verfahren nennt man Dosage Zéro , was oft auch auf der Pulle draufsteht. Und Sekt sollte nahe Null Grad gekühlt sein, wärmer wird er von alleine im Glas. Bei ca. minus sieben Grad friert Sekt und das Aroma wird getötet. Minus zwei Grad ist optimal, da friert er wegen des Alkoholgehaltes noch nicht. Natürlich ist das ein Luxus“problem“, aber meine gesellschaftliche Utopie ist eh: Luxus für alle. In Fragen von Geschmack und Stil gibt es für mich keine Kompromisse, da halte ich es wie mit dem (politisch-philosophischen) Marxismus: Beinhart orthodox.

Der realpolitische Marxismus wurde ja unter anderem in der ehemaligen Sowjetunion derartig gekreuzigt, dass er nicht nur alsbald zu Grabe getragen wurde, sondern als düsterer Wiedergänger und Zombie mit Bezug auf Stalin im heutigen Restrussland finstere Wiederauferstehung als Imperialismus feiert. Ein Imperialismus, der im Prozess seiner permanenten Selbstradikalisierung zunehmend faschistische Züge annimmt.

Und damit kommen wir zum besinnlichen Teil der heutigen Sonntagspredigt zum ersten Advent (Dominica prima adventus): Dem Prozess gegenseitiger Abhängigkeit und Radikalisierung von Religion und Herrschaft. Im konkreten Fall des imperialistischen Russlands an der Schwelle zum Faschismus und der orthodoxen Kirche. Das ist für den Fortgang und mögliche Entwicklungen des Ukrainekrieges nicht ganz trivial, weil beide Systeme, Faschismus und Religion, lebensfeindlich sind und ihre Erlösungsphantasien in ein Jenseits projizieren. Ihnen kommt es nicht auf den Himmel und den Luxus oder auch nur Lebendiges auf Erden an, sondern auf eine Erlösung im Jenseits, im Paradies, in einem fernen, nie zu erreichenden Tausendjährigen Reich. Also kann das Volk ruhig in den Blutmühlen und Stahlgewittern an der Front hunderttausendfach zermahlen werden, für ein höheres Ziel, eine ewige Nation – im Paradies wartet ja Erlösung.

Der Begriff „Tausendjähriges Reich“ wird sowohl in der christlichen Mythologie verwendet, als auch in der des Nationalsozialismus, hier oft auch „Drittes Reich“ genannt, kein Zufall. Und nicht zufällig fand auch das Folgende gerade jetzt statt:

Der „Weltkonzil des Russischen Volkes“ im Großen Kremlpalast, dem Gebäude, in dem zu Sowjetzeiten die Parteitage der Kommunistischen Partei abgehalten wurden. Dieses Konzil wurde vor 30 Jahren als Organisation der Russisch-Orthodoxen Kirche gegründet, beim aktuellen waren alle namhaften Vertreter des russischen Faschismus vertreten. Er begann letzten Dienstag, mit einem Gebet:

Putin erschien auf einer riesigen Leinwand, mit zwei Bildern von Jesus Christus zu beiden Seiten, ein Kirchenchor sang. Zehn Minuten lang betete der ganze Saal buchstäblich zu Putin. Auf der Bühne stand nur eine Person – der orthodoxe Patriarch Kirill. Und Putin war überhaupt nicht anwesend – er war nur auf dem Bildschirm zu sehen, weil er sich entschlossen hatte, per Videolink zu sprechen. Putin war also dem irdischen Geschehen schon entrückt, bewegte sich in Gefilden der Vorhersehung. Mit der hatte es der Quasi-Messias Hitler ja auch.

Und Putin bezeichnete Russland in der Rede so, wie es noch nie jemand vorher gemacht hatte: als »ein tausendjähriges, ewiges Russland«.

Diese Inszenierung bildete in meinen Augen eine Zäsur, eine Grenzüberschreitung.

Vier Tage später wurden klerikalfaschistische Allmachts- und Vernichtungsphantasien auf der Straße umgesetzt : Die russische Polizei hat in der Hauptstadt Moskau nach einem neuen „Extremismus“-Erlass laut Medien Nachtclubs unter anderem für Homosexuelle mit Razzien überzogen.

Ein erster Schritt, dem weitere folgen werden.

Da der Ukrainekrieg für Russland sich immer positiver entwickelt, keine nennenswerte zivilgesellschaftliche Opposition existiert, die Geschäfte für Russland brummen und die Staatengemeinschaft außerhalb der Kern-Nato ganz andere Probleme hat, würd ich nicht darauf wetten, dass die Welt in den nächsten Jahren eine friedlichere wird.

Soweit die heutige Predigt zum Dominica prima adventus. Gehet hin in Frieden. Göttin helfe uns. Wir singen nun Lied Nr. 68 „White light, white Heat“ im Gesangbuch, von Prälat Lou Reed, in dem es um eine Epiphanie geht

30.11.2023 – Selbstgemachte Weihnachtsgeschenke

Orangenblütenwasser und Sheabutter.

Wie versprochen ist der heutige Blog für Männer, die ihrer Liebsten etwas Schönes zu Weihnachten schenken wollen, etwas Unvergessliches und Nachhaltiges. Etwas Selbstgemachtes.

Dazu machen wir zuerst einen Test. Ordnen Sie, liebe Männer, sich in einen Wert von 0 bis 5 ein, auf einer Skala der Aufmerksamkeit gegenüber Ihrer Herzdame. „0“ heißt: Kennt gerade so den Namen, mit dem Alter hapert es schon. „5“: Kennt ihre Tampongröße und sämtliche Einzelheiten ihrer Pflegeserie. Da setzen wir an.

An der Pflegeserie natürlich.

Wenn Ihr Euch selber auf der Skala eingeordnet habt, dem normalen männlichen Größenwahn zufolge vermutlich im Schnitt bei „4“, überrascht Ihr Eure Liebste mit der Frage, wo sie Euch einordnen würde. Ich will ja nix unterstellen, aber ich sach ma: Zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung werden sich Welten auftun. Wenn Ihr im Schnitt aus der Nummer mit einer 2,5 rauskommt, seid Ihr gut bedient.

Allein schon mit diesem Test habt Ihr den ersten Schritt zu einer perfekten Beziehung getan, denn die ist das wahre Geschenk zum Fest der Liebe. Ihr müsst Euch aber auch auf unerwartete Reaktionen gefasst machen wie: „Was stimmt mit Dir nicht? Hast Du bewusstseinserweiternde Drogen genommen? Oder betrügst Du mich etwa?“ Aber no risk, no fun, auf in die Beziehungsarbeit. Hört sich nach Fließband und Bergwerk an, ich benutze solche Begriffe auch nur, damit selbst der dümmste Depp der Kompanie kapiert, worum es geht. Nämlich: Wir treten über das Geschenk in Beziehung zu der Beschenkten. Das Geschenk ist eingebettet in ein Meer (aber auch: Mehr!) von Achtsamkeit (der Test!). Ein Geschenk sagt mehr als 1000 Worte.

Im Normalfall leider auch über Euch. Mit unserer selbstgemachten Pflegeserie wendet sich aber alles zum Guten. Aus vielen Gründen (Die Einzelheiten zu diesem Komplex könnt Ihr in meinem Ratgeber „Der Weg zur perfekten Beziehung – 12 Module für ein besseres Leben“ nachlesen, der ab Frühjahr, wahrscheinlich zu Beginn des zweiten Quartals, im gutsortierten Buchhandel erhältlich ist).

Erster Grund: Ihr habt Euch – erstmals vermutlich – Mühe und Gedanken gemacht.

2. Selbstgemachte Pflegeserien sind von hohem Distinktionswert. Zu erwähnen, dass beispielsweise eine Gesichtscreme Shiseido Vital Perfection Uplifting & Firming Cream 90 Euro (50 ml, nicht das Kilo…) gekostet hat, zeugt von prolligster Peinlichkeit. Zu erwähnen, dass frau an ihre Haut nur noch die selbstgemachte Gesichtscreme von Männe lässt, erzeugt höchste Sozialakzeptanz.

3. Kosten: Auf der Kostenseite liegt Ihr im Vergleich zu Premiumprodukten um den Faktor 20 bis 100 günstiger mit Selbstgemachtem und Ihr dreht den Kosmetikkonzernen eine Nase. Die Profitspanne im Luxus-Kosmetikbereich kommt der dem Drogenhandel nahe. Der Besitzer des Luxuskonzerns LVHM, in dem u. a. Kosmetikpampen von Dior zusammengerührt werden, Bernard Arnault, ist der reichste Mann der Welt, weit vor Elon Musk. Eine Gesichtscreme von Dior kann vier, fünfmal so teuer sein wie Shiseido. Inhaltsstoff: Raten Sie mal …Sheabutter natürlich. Wenn Sie mich fragen: Obszön. Kosmetikpornografie.

4. Gesundheit: Wir verwenden die gleichen Grundsubstanzen wie der hochpreisige Konsummüll, aber ohne Konservierungsstoffe. Hier eine unvollständige Aufzählung der Stoffe, die in konventioneller Kosmetik sein können, und ihrer möglichen Folgen: Aluminiumsalze (Alzheimer und Brustkrebs). Benzophenon (Krebs, hormonell wirksam). Mineralöle, Paraffine, synthetisches Glycerin (Bakterielle Entzündungen).  Parabene (Krebs). Phthalate (Fettleibigkeit und Diabetes). Silikone, Tenside (Haut und Schleimhaut Austrocknung).

Und jetzt geht’s los, wir fangen in Modul 1 extrem einfach an, mit köstlich-erfrischendem und heilsamem Gesichtswasser. 45 Prozent Rosenwasser, 45 Prozent Orangenblüte (siehe oben), 10 Prozent Hamamelis, einfach zusammenschütten, schütteln und fertig. Alle Zutaten in 100 ml Flaschen, die Ihr gleich weiterverwenden könnt, in jeder Apotheke bestellbar. Riecht köstlich und ist durch das Hamamelis (Zaubernuss) blutstillend, entzündungshemmend, adstringierend und Juckreizstillend. Kann man auch am anderen Ende verwenden, gegen Hämorrhoiden.

Modul 2, Gesichtscreme.

Zutaten: das kosmetische Universalmittel Sheabutter und Öl (z. B. Mandelöl, ich nehme selbst angesetztes Rosmarin-Olivenöl, wirkt zusätzlich antientzündlich und gegen Hautkrankheiten) .

Sheabutter und Öl im Verhältnis 80: 20 in ein Gefäß geben, im Warmwasserbad (bei niedriger Temperatur ca. 40 Grad, sonst verflüchtigen sich Wirkbestandteile) schmelzen und umrühren, in eine leere Cremedose geben, abkühlen lassen, fertig.

Alle Geräte vorher sterilisieren, am billigsten ist Bioethanol, 99 % Alkohol, im Baumarkt, kann man auch Hände nach Krankenhausbesuch mit desinfizieren. Creme kühl lagern. Protokoll führen, vor allem über Mischungsverhältnisse. Wenn das Euer Hobby wird, solltet Ihr die Übersicht behalten. Gerade bei Cremes kann man noch individuelle Duftnoten mit ätherischen Ölen einbauen.

Fröhliche Weihnachten.

29.11.2023 – Über instrumentelle und praktische Vernunft.

Holocaustdenkmal.

Die Krise als Folge des Hamasüberfalls auf Israel hat bei mir spürbarere Folgen als die anderen Krisen hinterlassen. Kann auch mit am düsteren Wetter liegen. Corona war natürlich für uns hier, mich, die viel direktere, massivere Bedrohung, mit nachhaltigen Einschnitten tief ins Private, auch was Konflikte mit Coronaschwurbler*innen angeht. Trotzdem empfand ich diese Krise, trotz aller Wut über letztere und möglicher Gesundheitsrisiken, nicht als etwas Fundamentales.  Es war im Grunde eine von vielen (möglichen) Seuchen, die zur Pandemie ausgeartet war, als Folge der menschlichen Ausbeutung der Natur. Also ein verheerender, aber berechenbarer, zwangsläufiger, logischer Prozess, der mit den Mitteln des Verstandes erklärbar und mit den Mitteln der Wissenschaft bezwingbar erschien. Ein Prozess, auf den ich mich mit individueller Vorsorge wie Impfen, Maske, Rücksichtnahme, Kontaktminimierung, gesunde Lebensführung einstellen konnte, den ich für mich beherrschbar machte, und ein Konflikt, an dessen Lösung ich glaubte. Die Vernünftigen waren in der Mehrheit, die Politik reagierte überwiegend zweckrational und die Wissenschaft feierte glänzende Triumphe mit der Entwicklung hochpotenter Impfstoffe innerhalb ungeahnt kurzer Zeit. Bei allen Dramen, vor allem in sozialen Brennpunkten und Seniorenheimen, und antidemokratischen Verwerfungen, die Vernunft hatte nochmal gesiegt und dieses Gefühl begleitete mich in diesem Prozess, trotz aller Wutausbrüche in diesem Blog, die eher reinigenden Charakter hatten, unbewusst die ganze Zeit. Ich hatte selten das Gefühl von Ermattung, Überdruss, Müdigkeit. Auch wenn ich mir über die Ideologie des Vernunftbegriffs nie Illusionen machte.

 Es war hier die instrumentelle Vernunft , die obsiegt hatte. Also jene technisch-rationale Vernunft der Macht, die den Laden am Laufen hält, koste es, was es wolle. Die sich das geballte wissenschaftlich-technologische Wissen zunutze machte, um weiter am ehernen Prinzip von Profit und Ausbeutung festhalten zu können. Der Gegenpart der instrumentellen Vernunft, die praktische Vernunft, hätte diktiert: Halt! Keinen Schritt weiter mit dieser Form der Ausbeutung der Natur und des Menschen. Dieses Mal ist es noch gut gegangen, das nächste Mal kann es unser Untergang sein.

Das alles greift im Überfall der faschistischen Hamas nicht mehr. Hier kommen wir weder mit der instrumentellen und schon gar nicht mit der praktischen Vernunft weiter. Logik, Verstand, Vernunft, Argument – das Instrumentarium der Aufklärung und der Wissenschaft ist angesichts der abgründigen Irrationalität von Faschismus und Antisemitismus wirkungslos und sinnlos. Bei jedem der sich extrem häufenden antisemitischen Reflexe in unserer Gesellschaft, egal aus welcher Ecke, egal wie unbewusst, geringfügig, tut sich für mich dahinter der Abgrund der Shoa auf. Ein tiefes, düsteres Loch, in dem alle Vernunft schweigt und Zivilisation verschwindet.

Sowas ermüdet. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, hier muss niemand 24 Stunden am Tag Angst haben, dass ihm Raketen auf das Dach fliegen und dass bei einer Niederlage im Krieg der Staat und seine Bevölkerung ausgelöscht wird. Trotzdem hab ich immer weniger Lust auf Nachrichten und Information und würde mich gerne dem Igel gleich zum Winterschlaf einrollen.

Es gibt eine Alternative: Wir, also Sie, liebe Leserinnen und ich, widmen uns eine Weile nur noch den heiteren und schönen Dingen des Lebens. Dem nahenden Fest der Liebe z. B., von dem nur Ketzer und Kommunisten behaupten, es sei eine geschmacklose Kommerzorgie. Hier soll es im Folgenden um Geschenke gehen, sinnvoll, selbstgemacht und emotional aufgeladen. Zuerst wende ich mich an die Männer, die ihrer Liebsten etwas Schönes zu Weihnachten schenken wollen, etwas Unvergessliches und Nachhaltiges. Mehr dazu in Teil 2 von „Das Fest der Liebe“.

Schon geht’s mir besser. Schreiben hilft.

27.11.2023 – Über Sexismus, Feminismus und den Misthaufen der Geschichte

Plattencover aus einer Ausstellung der Browse Gallery im Kreuzberger Bergmannkiez über die Arbeit der britischen Grafikdesign-Agentur Hipgnosis , die vor allem in den Siebzigern legendäre Pop-Plattencover gestaltet hat. Jeder, der auch nur 10 Vinyls aus der Zeit besaß, hatte mehrere Hipgnosis im Schrank. Eine jener Ausstellungen, die man in high spirits verlässt. Die Cover, oft an Duchamps und Magritte angelehnt, waren eine vergnügliche Reise in die eigene Vergangenheit, überall tönte aus Boxen laute Musik der Platten, wir unterhielten uns lange und angeregt mit den Machern, ein skurriler, lebendiger Engländer dabei, der teilweise früher an den Covern mitgearbeitet hatte und jede Menge Hintergrundanekdoten kannte. Es kann auch sein, dass der Geruch von inspirierenden Kräutern das Ganze umwehte. Der natürlich von draußen hereinkam. Wir verließen die Ausstellung in wirklich bester Laune, high spirits, und beglückten den Kiez auf dem Weg zum abendlichen Cava in der Marheineke Markthalle mit lauten a capella-Versatzstücken aus der damaligen Popkultur. Es erinnerte mich an meine Zeit als Sänger der Pychopunkband „Flying Sackbarrow Brothers“. Es war schrecklich. Amüsant.

In den Gesprächen mit den Ausstellungsmachern gab es einen kurzen Moment von Anspannung. Wir sprachen die Tatsache an, dass nicht wenige Cover der damaligen Zeit nach heutigen Maßstäben als sexistisch zu bezeichnen sind, siehe das an peinlicher Plattheit nicht zu überbietende Exemplar oben, und manches heutzutage ein „no go“ sei. Wie das Cover von Led Zeppelins „Houses oft he Holy“, auf dem verfremdet nackte Kinder abgebildet sind. Fotos in der Ausstellung von den Aufnahmearbeiten zeigen tatsächlich die nackten Kinder, die den ganzen Tag in der unwirtlichen Gegend über die Felsen kraxelten . Unser Engländer fragte leicht angepisst zurück, ob wir Zensur ausüben wollten. Was nicht unser Thema war.

Die Cover der Ausstellung sind eine exemplarische Reise durch die Pop-Kulturgeschichte der 70er, Zeitgeist-Bilder.

Allerdings aus einem spezifischen Kultursegment, dem Pop. Es gab natürlich auch Kultur-Segmente, in denen schon damals Cover wie das Obige völlig verpönt waren. Im Feminismus z. B. der zweiten Welle, der erreichte Mitte der 70er seinen Höhepunkt, damals noch als politisch-feministischer, kollektiver Solidaritätsakt in Abgrenzung von patriachal-kapitalistischer Herrschaft verstanden. In der Folge entwickelte sich daraus eine Konzentration auf die kulturelle, individuelle „Geschlechtsidentität“. Was sich heute als Identitätspolitik der finstersten Art darstellt, bei der diverse Minderheiten sich in einem Wettbewerb überbieten, wer denn nun die am meisten diskriminierte sei. Das Utopia dieses entsolidarisierten, neoliberalen Wettrennens (gegen andere Minderheiten) akademischer Mittelschichts-Trullas ist eine gutbezahlte, unbefristete Stelle in einem Gleichstellungsbüro.

Was bei einer derartig skizzierten Entwicklung am Ende rauskommt, ist im Spiegelinterview mit Ruth Halperin-Kaddari nachzulesen, einer israelische Frauenrechtlerin und Rechtsprofessorin. Sie beschreibt die barbarischen Vergewaltigungen und Ermordung israelischer Frauen als Folge des Überfalls der Hamas-Faschisten am 7.10 und die Reaktionen von internationalen Frauenrechtsorganisationen auf ihre Bitte um Stellungnahme, Zitat:

„Ich habe an UN Women geschrieben, an das Komitee zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau der Vereinten Nationen, an die Uno-Sonderbeauftragte für Gewalt gegen Frauen und an weitere Uno-Institutionen und internationale Frauenrechtsorganisationen. Die Reaktion war erschütternd: Viele antworteten gar nicht. Nur wenige veröffentlichten Statements, die dann aber sehr generell die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten bemängelten. Keine der Erklärungen erwähnte die sexuelle Gewalt. Das ist enttäuschend, gerade von UN Women, eine Organisation, die geschaffen wurde, um sich genau um solche Vorfälle zu kümmern. Als damals klar wurde, dass Frauen im Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine Opfer sexueller Gewalt wurden, hat UN Women zügig reagiert und eine umfassende Untersuchung gefordert. Ich sehe hier einen Doppelstandard .…  Es gibt schon einen generellen Mangel an Empathie Israel gegenüber vonseiten der linken Community weltweit.“

Mir ist beim Lesen des Interviews zweimal regelrecht übel geworden: Schlimm bei der Schilderung der barbarischen Hamas-Grausamkeiten gegen die Frauen und, abgemildert, aber immer noch übel genug, bei der völlig empathielosen Reaktion vermeintlich fortschrittlicher Frauenorganisationen. Wenn das Euer Feminismus ist, Mädels, dann gehört er ebenso auf den Misthaufen der Geschichte, wie alles, was links blinkt, aber real rechts antisemitisch abbiegt.

24.11.2023 – „Und? Wie isses?“ – „Muss ja. Was soll’s. Und selber?“ – Hör bloß auf!“

BILD

Ganz normale Theke in ganz normaler Kneipe mit ganz normalem Bier. Im ehemaligen hannöverschen Arbeiterviertel Linden gibt es unzählige Szenekneipen, aber fast keine „normale“ Kneipe mehr. Ein Ort, wo Vereinssitzungen bei Grünkohl und Brägenwurst stattfinden, sich Reste von SPD-Ortsvereinen zur Jahreshauptversammlungen treffen und sich existentialistisch gegründete Dialoge abspielen: „Und? Wie isses?“ – „Muss ja. Was soll’s. Und selber?“ – Hör bloß auf!“ Ehemalige Arbeiterkneipen, ein aussterbendes Kulturgut. Es gab in Linden Häuser, in denen zwei Kneipen existierten, eine im Parterre und eine im Keller. Aus, vorbei.

Das Verschwinden solcher Orte von kollektiver Identität und die parallele Nomadisierung der Gesellschaft, also ihre Zerlegung in frei flottierende, vagabundierende Individuen, hat mit dazu beigetragen, kollektive Widerstandskräfte gegen die neoliberale Variante des Kapitalismus zu atomisieren, Bindungskräfte sowohl an konsensuale Normen als auch an gesellschaftliche Großorganisationen und Wertegemeinschaften zu schwächen und nur noch zwei Götzen auf dem Altar allgemeiner Verehrung bestehen zu lassen: Das eigene Ich und Geld. Die Fratze der Folgen dieser Entwicklung lacht uns jeden Morgen aus den breaking news an: Auch in Deutschland werden wir wohl wie in England demnächst ein Einsamkeitsministerium brauchen, steiler Anstieg von Gewalt in der Gesellschaft , psychische Erkrankungen explodieren, gerade bei jungen Leuten und in ganz Europa ist der Faschismus auf dem Vormarsch. Im aktuellen Fall Geert Wilders in den Niederlanden von den Bürgermedien vornehm Rechtspopulist genannt. Den Begriff Faschismus scheuen die Bürgermedien wie der Teufel das Weihwasser. Nachvollziehbar, ist jener doch Kind ihrer Mitte und sie müssten sich mit unangenehmen Selbstreflexionen und Selbstkritik beschäftigen, wollten sie diesen Vormarsch nachhaltig analysieren.

Auf die nächsten Umfragewerte der AfD bin ich gespannt. Ob sie in der Ostzone das erste Mal die 40 Prozent-Marke knackt? Und bei der Europawahl am 9. Juni 24? Stärkste Partei? Der triumphale Erfolg von Wilders dürfte ihr ebenso in die Karten spielen wie das Haushaltschaos der Ampelmänner und das erbärmlich opportunistische Verhalten der CDU in dieser Causa.

Ganz zu schweigen von solchen Prozessen wie dem Anwachsen der Gewalt. Vor allem im öffentlichen Raum registrierte das Bundeskriminalamt eine Zunahme. So stieg die Zahl der Gewalttaten auf Straßen und Plätzen um knapp 14 Prozent auf rund 18.000 an, auf Bahnanlagen um 28 Prozent und in Gaststätten um 53 Prozent.

Gründe: Mit dem Wegfall der letzten Coronaeinschränkungen im Frühjahr sind die Menschen wieder deutlich mehr unterwegs als zu Pandemiezeiten. Erhöhte Mobilität erzeugt mehr Tatanlässe.

Zusätzlich, und jetzt geht es ans Eingemachte: Infolge des Ukrainekriegs schossen die Preise in die Höhe, die Inflation wurde laut Umfragen zu einem der drängendsten Probleme der Menschen in Deutschland. Laut BKA korreliere dies mit der Zahl der Gewaltdelikte, in ökonomisch schwächeren Regionen fielen die Fallzahlen höher aus. Armut als Gewaltrisiko und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die AfD ihre höchsten Ergebnisse in ökonomisch schwächeren Regionen erzielt.

 Und jetzt wird es richtig dramatisch: Junge Männer aus den Maghreb-Staaten fielen deutlich häufiger als Mehrfach- und Intensivstraftäter auf, als ihr Anteil an der Bevölkerung es vermuten ließe. Und das hat nicht nur mit dem erhöhten Konfliktrisiko in Flüchtlingsunterkünften zu tun, denn dort sind auch junge Männer aus anderen Kulturkreisen untergebracht, die nicht in dem Ausmaß signifikant auffällig sind.

Man muss kein PR-Genie sein, um sich die nächste Kampagne nicht nur der AfD auf Basis dieser Fakten auszumalen.

Allerdings gehören auch für unabhängige Linke bisherige liebgewonnene Grundsätze auf den Prüfstand, was Migration angeht. Aus der geschilderten Maghreb-Gruppe resultiert ein erheblicher Prozentsatz des militanten migrantischem Antisemitismus. Und angesichts des einheimischen linken und rechten Antisemitismus, von dem in der Mitte ganz zu schweigen, ist das das letzte Importgut, was ich mir flächendeckend hier wünsche. Angesichts solcher schmerzhafter Wahrheiten werden Sie, liebe Leserinnen, verstehen, warum ich mich nach Flüssigkeitsgetränkten Dialogen sehne wie: „Und? Wie isses?“ – „Muss ja. Was soll’s. Und selber?“ – Hör bloß auf!“

23.11.2023 – Über die Abwesenheit von Routine, Normalalltag und Langeweile.

Aus den Archiven, Wochenblatt 07.08.2013. Kunst am Kiosk. Ich weiß nicht, was die schrägste Kunst-Aktion war, die ich gemacht habe, aber die gehört mit unter die Top 5. Musik, Performance, Kabarett im laufenden Betrieb eines Kiosks. Kioske sind eine hannöversche Institution, in Berlin sind das Spätis, im Pott Büdchen. Verkaufsstationen jenseits von Supermärkten für den täglichen Bedarf wie Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Zeitungen, fast rund um die Uhr geöffnet, überwiegend von Familien mit ausländischen Wurzeln betrieben und von nicht zu unterschätzender sozialer Funktion im Kiez. Treffpunkt, Austausch, Nachbarschaftshilfe, vielfach für Menschen, die sich Kneipenbesuche nicht leisten können. Letzter Ort gesellschaftlicher Teilhabe. Der türkische Imbiss „Hades“ in meinem Kreuzberger Domizil ist ein Hybrid zwischen Kiosk und Kneipe. Manche dieser Institutionen sind „Kult“, wie der Hades oder auch Onkel Olli’s Kiosk oben, in der studentisch und migrantisch geprägten Nordstadt von Hannover. Onkel Olli war Gründungsmitglied und Ikone der hiesigen „Die Partei“ und für unsere Aktion sofort bereit. Schade, dass es von der Aktion kein Video gibt. Die meisten Leute würden vermutlich glauben, dass sei gefakt, was da passierte, sowas gäbe es in Wirklichkeit nicht.

Was diese Orte auszeichnet: Man weiß im Gegensatz zu normaler Restauration oder Kneipe nie so genau, was demnächst passiert. Es ist also die Abwesenheit von Routine, Normalalltag und Langeweile.

Und es ist eine andere soziale Wirklichkeit.

Politikerinnen, Verbandsfunktionäre, die meisten sozialpolitischen Akteure haben überwiegend wenig Ahnung, wovon sie reden, wenn sie von Armut, Ausgrenzung, Spaltung der Gesellschaft reden. Sie reden über Menschen, statt mit ihnen. Das merkt man an Sprache, Habitus und in letzter Konsequenz auch an realer Politik. FDP, Merz und Konsorten ist es nicht zu verübeln, wenn sie aktuell den Klassenkampf von oben brutalisieren. Sie vertreten ihr eigenes Interesse und das ihrer Klasse. (Wobei ich mich bei manchen Charaktermasken aus CDU, FDP, aber auch rotgrün, frage, ob die sich darüber im Klaren sind, dass sie keinesfalls zur herrschenden Klasse gehören, sondern bestenfalls zur Kaste der Handlanger. Aber das ist eine andere Geschichte.) Aber bei Anderen frage ich mich schon, wann die das letzte Mal für wie lange aus ihrer Blase rausgekommen sind und in wessen Interesse die Politik oder ihren Job machen …

Manchmal wird die reale Politik aber regelrecht von öffentlicher und veröffentlichter Meinung überrollt. Vor nicht allzu langer Zeit war weitgehend unstrittig, zumindest jenseits der notorisch-neoliberalen Dauerquerulanten, dass die Umbenennung des stigmatisierenden Begriffs „Hartz-IV“ in Bürgergeld ebenso notwendig sei wie die ausstehende Erhöhung um 61 Euro im Monat ab 01.01.24, um wenigstens ansatzweise die enorme Inflation gerade bei Grundnahrungsmitteln abzufedern. Nicht annährend ausreichend, das Ganze. Alle Expertinnen von Sozialverbänden gehen davon aus, dass mindestens 200 Euro mehr für eine menschenwürdige Existenz notwendig wären. Aber wo kämen wir da hin, wenn wir auf Fachleute hören, siehe auch Klimaschutz.

Innerhalb kürzester Zeit ist diese Diskussion vollständig gekippt, von Akzeptanz hin zu aggressiv ablehnender Abwehr und kein Schwein kann sich auch nur noch vage daran erinnern, dass vor ein paar Monaten, ach, was sag ich, paar Wochen, der Diskurs in eine komplett andere Richtung gegangen war. Und hinterher wundern sich alle im Chor, wieso die Demokratie-Feinde erdrutschartig wie gerade bei den Käsköppen in den Niederlanden eine Wahl nach der anderen gewinnen.

Es gibt Ressourcen, die sind endlich. Wie Erdöl. Und es gibt welche, die sind unbegrenzt. Wie Windkraft und Sonnenenergie. Und menschliche Blödheit.

22.11.2023 – Eitelkeit ist eine flüchtige Sünde

Aus dem Archiv, HAZ, 20.07.2013.

Die Situation hat sich seitdem drastisch verschlechtert. Als eine regelrechte Atombombe, deren vollständige Auswirkungen noch gar nicht abzusehen sind, hat sich das BVG-Urteil zur Verwendung der Corona-Kredite für den Klimafonds erwiesen, dass den Bundeshaushalten eine Lücke von ca. 60 Mrd. beschert hat. Vorerst 60 Mrd. Denn: Auch der 200 Milliarden Euro schwere Wirtschaftsstabilisierungsfonds dürfte vom Urteil betroffen sein. Da die FDP bisher konsequent gegen eine Aufhebung der irrsinnigen Schuldenbremse ist, was eine Erhöhung der Netto-Kreditaufnahme ermöglichen würde, und noch brutaler eine gerechte Steuerpolitik verweigert, mit einer Einführung einer Vermögensabgabe und höheren Erbschaftssteuern, bleibt nur eins: Im Haushalt muss alles auf den Prüfstand.

Das ist eine jener saublöden Politikphrasen, die für Frieda Normalverbraucherin erstmal übersetzt werden müssen. Also: Im Haushalt für Kriegsführung, vulgo Verteidigung, wird kein Cent gekürzt. Ebenso wenig wird kein Cent gekürzt bei Subventionen für Reiche und Spitzenverdiener wie beim Dienstwagenprivileg, Ehegattensplitting und Kerosinsteuer. Es wird nach dem umgekehrten Robin-Hood-Prinzip verfahren: Den Reichen geben, den Armen nehmen. Es wird im Sozialhaushalt gekürzt, also bei denen, die im kommenden Winter ab Monatsmitte überlegen müssen: Heizen oder Essen.

Das ist die Übersetzung der Phrase: Es muss alles auf den Prüfstand.

Merz und die FDP haben die Katze aus dem Sack gelassen. Das ist eine Kriegserklärung an die Armen, nackter Klassenkampf von oben.

Obendrein ist es eine fiskalpolitische Eselei sondergleichen. Das Verfahren, in eine Krise hineinzusparen, nennt man prozyklisches Verhalten, damit wird eine ohnehin schwächelnde Wirtschaft mangels staatlicher Investitionen abgewürgt. Arbeitslosigkeit und Demokratieverdrossenheit steigen.

Richtig wäre hier deficit spending , also antizyklisches Verhalten nach Keynes, Erhöhung der Investitionen, eine höhere Nettokreditaufnahme.

Mit prozyklischem Verhalten haben wir Deutschen schon mal durchschlagende Erfahrungen gemacht. Der damalige Reichskanzler Brüning hat in die Krise Anfang der 30er brutal prozyklisch in die Krise derart hineingespart, dass er als Konsequenz des folgenden Elends Hungerkanzler genannt wurde. Dieses soziale Elend hat Adolf Hitler den Aufstieg zum Reichskanzler ermöglicht.

Geschichte wiederholt sich nicht, nur als Tragödie und als Farce. Unterstellt, Hitler sei die Tragödie gewesen, so wird die Farce, die uns jetzt droht, noch schlimm genug.

Und wo bleibt das Positive? Die richtige Reihenfolge und Schwerpunktsetzung im HAZ-Artikel oben. Erst ich, dann nix, danach Kirchen und Verbände, aber auch nur am Rande, eigentlich mehr ich.

Aber richtig tröstlich ist das auch nicht. Eitelkeit ist eine flüchtige Sünde. Was bleibt, ist Wut. Darüber, dass die Verhältnisse so sind, wie sie sind. Und dass niemand weiß, wie schlimm sie noch werden.