03.08.2023 – Nonne trifft Stripperin

Hallo Sonntag, 03.05.10, SCHUPPEN 68 Aktion „Bürgerinitiative Landtag privatisieren“. Unsere Utopie: Niedersachsen als Monarchie und als König Ernst-August, der Prügelprinz. Hinweis für Ausländer*innen: Der Esel oben im Logo mit der Blindenbinde ist das abgewandelte Wappentier der Niedersachsen, das stolze Ross. Vermutlich ist die Verwendung der Blindenbinde heutezutage politisch inkorrekt. So what.

Langsam schälte sich ein neues SCHUPPEN 68-Kernkolloktiv heraus, hier mit Hermann Sievers und Harri Müller-Hoeppe. Später gesellte sich noch unsere Frau Dr. dazu, bei unserem Radio Flora-Satiremagazin Ohrensuppe. Bei volatilen Kunst-Kollektiven sollte man/frau übrigens nicht auf Kontinuität setzen, die andere Frau Dr., nämlich Dr. Anna-Maria Kötner-Holz z. B. wechselte schon vorher in ein Kloster, Benediktinerinnen. Den spektakulären SCHUPPEN Aktionen hat sie auch dort nicht ganz entsagt, wie man dem Filmbericht „Nonne trifft Stripperin“ entnehmen kann . Sr. Lioba, falls du das hier liest: Ave Lioba, well done. Frau Dr. Ohrensuppe ist einfach so verschollen. Bei Harri Müller-Hoeppe ist die Situation klarer, der ist tot.

Das lassen wir nicht so depressiv im Raume schweben und erden uns mit Politik.  Die italienische Regierung unter der Postfaschistin Meloni strich Hunderttausenden Bürgergeldempfänger*innen die Stütze, per SMS.

Zustände wie in Griechenland, wo auf Grund der vom Schäuble-Deutschland diktierten Austeritätspolitik nach der EU-Krise ein soziales Netz nicht mehr existiert.

Da ist eindeutig eine Süd-Nord-Wanderbewegung in Sachen Sozialabbau im Gange und es bleibt abzuwarten, wann hiesige Politiker*innen mit ähnlichen Vorschlägen hinter dem Busch vorkommen. Dazu muss man noch nicht mal Faschist sein, sowas kriegen auch demokratische CDU und FDP hin. Nicht zu vergessen: Den größten Sozialraub der Nachkriegszeit mit der Agenda 2010 hat Rotgrün durchgezogen. Muss ja nicht Stütze-Streichung sein, die Streichung der Übernahme der Kosten für Unterkunft reicht auch schon.

Die AfD propagiert bereits jetzt die Umstellung vom Bürgergeld auf Sachleistungen und plädiert für Zwangsarbeit. In Sachen Sozialpolitik hört man nicht viel von der Partei. Das ist taktisch gewollt, die wollen ihr Wahlvolk (Männeranteil zwei Drittel) aus den niederen Schichten nicht verschrecken. Die AfD ist neoliberal-faschistisch, das unterscheidet sie von klerikal-faschistischer Orientierung wie im Islamismus und Teilen der orthodoxen Kirchen oder „sozial“-faschistischer wie im Front national.

Das hält die Verlierer*innen aber nicht davon ab, die AfD zu wählen getreu dem Motto „Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“. Jede*r 3. Arbeitslose will AfD wählen, seit dem Rechtsruck der Partei strömen ihr die erwerbslosen Massen zu .

Ich überlege eine nächtliche Plakatklebeaktion in sozialen Brennpunkten: „Die AfD will das Bürgergeld abschaffen“ und „Die AfD will die Zwangsarbeit für Arbeitslose einführen“. Allerdings mehr aus psychohygienischen Gründen, wegen des Gefühls, was getan zu haben. Nutzen wird es nix, denn die Kälber werden weiter bis zur Schlachtbank blöken: Rechts schwenkt.

Das Muster ist klar: Erst sorgt die AfD in einer Koalition (mit CDU/FDP?) für Abschaffung der Stütze und behauptet dann, dass die Ausländer daran schuld sind.

Aber noch ist es nicht soweit. Dauert noch und vielleicht übernehmen auch andere diese Drecksarbeit. Krisen dafür gibt’s genug.

01.08.2023 – Sucht ist nie Erfüllung, immer nur Versprechen

HAZ, 02.06.2009, Weltrekord für die kürzeste Kunstausstellung der Welt. Die HAZ hatte recht in Sachen geniale Öffentlichkeitsarbeit, klang aber wieder mal überfordert.

Wesentlich mehr Verständnis im Lindenspiegel 06/2009. Was daran liegen dürfte, dass der geschätzte Herausgeber unsere PM 1:1 übernommen hatte. Die Liste der Sponsoren ist programmatisch zu verstehen: Brauerei Herrenhausen, Gaststäte Lorberg, Fleischerei Gothe, Bierverlag Vogelmann, Fösse-Apotheke. Die letzten Drei sind den Weg allen Einzelhandels gegangen, sie existieren nicht mehr. Das Gleiche gilt für den Pflegetreffpunkt Linden, der die vom Guinness Verlag für Weltrekorde geforderte medizinische Betreuung leistete.

Medizinische Betreuung im Sinne langanhaltender Sedierung wäre auch bei der AfD angebracht, verstößt aber gegen das Grundgesetz Artikel 2, wonach jede*r das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat. Bis zum Eintreten eines übergesetzlichen Notstands , wenn also Widerstand nicht nur als Recht gilt, sondern zur Pflicht wird, würde ich mich daran halten. Ein weites Feld. Der Erfolg der AfD unterliegt einer Korrelationsspirale. Je erschöpfter die Gesellschaft vom permanenten Krisenzustand ist, bei dem kein Ende abzusehen ist (Krieg, Klima, Migration, Wohnen in Ballungsräumen, Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich), desto mehr Zuspruch für Faschismus, der sich auch deshalb in einer beschleunigenden Erregungs- und Radikalisierungsspirale bewegt. Faschismus ist Dauererregung und Radikalisierung. Filmaufnahmen der alten Nazi-Redner zeigen das: Dauergebrüll, Gegeifer, Erregung. Der Nationalsozialismus radikalisierte sich ständig, in Gesetzgebung, Krieg, Vernichtung, ähnliches gilt auch in abgemilderter Form für den Mussolini-Faschismus. So wie der Faschismus nach innen hohl, leer ist, da er kein Ziel außer Unterwerfung und Vernichtung hat, so sehr ist er auf ständige Bewegung angewiesen, sei es psychopolitisch als gesellschaftliche Erregung oder geopolitisch als Eroberung und Krieg.

Die AfD, gestartet als harmlose EU-Skepsispartei (wer erinnert sich noch an den niedlichen Alfred E. Neumann-Verschnitt Bernd Lucke?), unterliegt nach der Entsorgung der bürgerlichen Elemente einem dreifachen Radikalisierungsmoment: Die CDU rückt immer weiter nach rechts und übernimmt AfD Forderungen, also muss das Original immer noch ne Schippe drauflegen; der Mob draußen, die AfD-SA, sieht sich in seinen dumpfen Phantasien bestätigt, radikalisiert sich angstgetrieben weiter und schaukelt sich mit seiner parlamentarischen AfD-Vertretung gegenseitig hoch; und die AfD selber muss sich mangels Ziel, Programm (siehe EU-Parteitag. Programm? Scheißegal) permanent dauererregend radikalisieren. Das ist wie mit Sucht: Die Dosis muss permanent erhöht werden, um den gleichen Zustand herzustellen, aber Befriedigung tritt nie ein. Sucht ist nie Erfüllung, immer nur Versprechen.

Oje, das war mir in der Ausprägung bis eben auch nicht so klar, die Gedanken verfertigen sich beim Schreiben. Das kann ja heiter werden. Auf die Aussichten muss ich erstmal einen Port nehmen.

31.07.2023 – Nazis im Höhenflug oder: Eure Rede aber sei: Ja! Ja! Nein! Nein! Was darüber ist, das ist vom Übel.

Wochenblatt, 01.04.2009. Eröffnung der Witzothek „Poke a Joke“ im Ihmezentrum. Auch das gab wieder Ärger, weil Leute im Ihmezentrum vergeblich nach der Location suchten. Ich könnte mich damit rausreden, dass der Klotz sehr unübersichtlich ist. Die Wahrheit: Eine Lieferung frischer Witze hatte sich verzögert, so dass bei einigen das Verfallsdatum überschritten war. Eine Eröffnung am 01.04.09 war daher nicht zu verantworten.

Eine der intelligenteren Aktionen, da steckte ‘ne Menge drin. Sie war eine Art Skizze für eines der späteren Highlights der zeitgenössischen Aktionskunst schlechthin: Der erste Witze-Verleih der Welt, bekannt durch Presse, Funk und Fernseh.

Vergehen tut einem das Witzemachen beim Blick in die breaking news. Beim EU- Parteitag der AfD zieht die taz das Fazit: Nazis im Höhenflug. Der Artikel beschreibt den Parteitag als eine Mischung aus groteskem Bauerntheater und tragödienhaftem Blick in einen Abgrund. Wenn dieser offen zutage tretende Unrat die Spitze der Partei kennzeichnet, wie verrottet muss dann die Basis erst ein.

Der Reichs-Parteitagssatz Satz von Björn Höcke: „Diese EU muss sterben, damit das wahre Europa leben kann“ ist eine Abwandlung des Spruchs auf dem Hamburger-Kriegerdenkmal, das die Nazis 1936 in Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg errichteten: „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“.  l 

Das ist das Leitmotiv der Nazis: „„Du bist nichts, dein Volk ist alles!“ Lupenreiner, todessehnsüchtiger Faschismus und wer immer noch daran zweifelt, dass die AfD der parlamentarische Arm des Faschismus ist, ist entweder ein Narr oder ein Brandstifter.

Zur Bekämpfung von Faschismus gehört zuvörderst sprachliche Klarheit. Die älteste Gebrauchsanweisung zur Nutzung von präziser Sprache stammt aus der Bibel und jeder Schreiberling sollte sie an seinem PC kleben haben, Matthäus 5,37: „Eure Rede aber sei: Ja! Ja! Nein! Nein! Was darüber ist, das ist vom Übel.“

Wenn ich das peinliche Gelullere und verschleiernde Geschwalle der öffentlichen Verlautbarer*innen hierzulande höre, was die AfD angeht, schwillt mir nicht nur der Kamm, sondern auch die Bürste: „völkisch-national, rechtsextrem, undemokratisch etc. pp. „ Schreibt Euch das hinter die Löffel und dann in die öffentlich-rechtlichen Stammbücher, Ihr Penner da draußen: Das ist Faschismus und das Adjektiv dazu lautet: Faschistisch.

Schön, aber nur wenig tröstlich, der Hass, den das Pack untereinander pflegt, siehe taz-Artikel. Erinnert irgendwie an die Nazis, die, kaum an der Macht, konkurrierende Spießgesellen und ähnlich gesonnenes Pack gleich dutzendweise im Röhm-Putsch ermordeten. Aber wen aus der winzigkleinen demokratischen Restfraktion konnte das 1934 noch groß trösten.

29.07.2023 – Schleichender Faschismus

Simulation von Wildnis. Selbst der alternativste Garten hat mit der Natur im Rohzustand nichts mehr zu tun, daher inszeniere ich meinen, inklusive Veranda, bewusst. Seit meiner Aktion zur Umbenennung der Sonnenblume „Goldener Neger“ zieren ein paar von denen, die jetzt Henry Wilde heißen, meine Veranda , und zwar so, dass sie ein Spalier, ein Dickicht bilden; zusammen mit anderen überwiegend legalen Pflanzen und Tieren simulierte Wildnis. Morgens, wenn ich zur Zen-Meditation hinaustrete und nach Regen die Pflanzen ihre Köpfe neigen, muss ich mir einen Weg bahnen, werde naß, und der Anblick versetzt ich in eine andere Welt. In eine jenseits der wachsenden Rohheit der Zivilisation, jenseits von regulativer Zurichtung und normativer Dressur. Dann kann es schon mal vorkommen, dass ich mit den Fäusten auf meine Brust trommele, laut Uaah brülle und „Ich Tarzan! Wo Jane?“.

Blödsinn. Mach ich natürlich nicht. Wildniskitsch, dem irgendwelche armseligen weißen, alten Männer bei esoterischen Schwitzhütten-Ritualen anheimfallen mögen und so mit einem archaischen, vorzivilisatorischen Männer/Frauenbild der schleichenden Faschisierung unserer Gesellschaft die vom Bäumefällen schwielige Faust reichen. Andere Schlichthirne füllen in ihrer Sehnsucht nach präpotenter, viriler Männlichkeit bei Rammsteins Leni Riefenstahl-Ästhetik die Stadien. Auch das auf der Ebene der Bilder, Projektionen, Phantasien ein ästhetischer Faschisierungsprozess, der sofort an tagesaktuelles Geschehen andockbar ist. Über die Hälfte aller Ostgoten schließt eine Zusammenarbeit anderer demokratischer Parteien mit der AfD nicht aus und es mehren sich reihenweise Stimmen aus der CDU, nicht nur in der Ostzone, die dem „gemeinsamen Gestalten“ – vorerst auf kommunaler Ebene, später gerne überall und auch in Koalitionen – im Sinne des großen Vorsitzenden Mao tse Merz das Wort reden. Bei den nächsten Landtagswahlen in der Ostzone wird es vermutlich noch keine CDU/AfD Koalition geben, aber wie sagt der Italiener: Zeit ist eine langsame Feile.

In der Bürgerpresse fängt schon das Pfeifen im Walde an angesichts der rapide steigenden Umfragewerte der AfD: Das sei nur eine Momentaufnahme, die AfD habe ja jetzt ihr Wählerpotential ausgeschöpft. Als ob Wählerpotential eine festgemauerte Konstante sei. Früher hatte die SPD auch ein Wählerpotential von 40 Prozent und die AfD in ihren harmlosen Gründungsjahren von 5 Prozent. The times they are a changing.

Dass sich die AfD entzaubern würde, säße sie in Verantwortung, hört man übrigens kaum noch, dieses hanebüchen naive Argument der Bürgerpresse hat sich selbst entzaubert.

Als ob dem Wahlmob der AfD irgendwas an mühevoller, konstruktiver, parlamentarischer Arbeit liegen würde. Und die Protagonisten der AfD sind zunehmend seriösere Wölfe im Schafspelz, können schon mal unfallfrei zwei Sätze in die Kamera stammeln, und die gröbsten Verbrecher in der Partei werden langsam aussortiert, wenn sie nicht schon im Knast sitzen.

Aber unsere Zivilgesellschaft bildet doch eine Brandmauer gegen Faschismus? Genau, und der liebe Gott lässt jeden Morgen die Sonne aufgehen ….

28.07.2023 – Räuberischer Kapitalismus im Spiegel zeitgenössischer Kunst

HAZ, 14.02.2009. Zähmung der Heuschrecke. Das Ihmezentrum  ist eine der größten deutschen innerstädtischen bewohnten Bauruinen, seit vielen Jahren Spekulationsobjekt halb- und vollkrimineller Investoren. Das Muster ist immer ähnlich: Kauf, Mieten einkassieren, große Versprechungen machen, nichts investieren, Weiterverkauf, mitunter nach Insolvenz der Trägergesellschaft. Zurzeit in Händen von Lars Windhorst, der idealtypisch für räuberischen Kapitalismus steht, immer an der Grenze zur Kriminalität, oft darüber, aber nie im Knast, Dank teurer Anwälte, Großspender für CDU und FDP. Der Klotz verfällt rapide. Wenn er umfällt, kommt er wenige Meter vor meinem Garten zu liegen. Das wird ein zig Millionengrab für den Steuerzahler (nicht mein Garten, der Klotz). Ich habe auf Grund meiner Aktionen zum Thema da mittlerweile Hausverbot.

Lindenspiegel, 03/2009. Irgendwann wollte ich den Klotz selber kaufen und für die zu erwartenden innerstädtischen Unruhen bei uns einen Bundeswehr-Truppenübungsplatz draus machen. Das brachte mir einen Shitstorm seitens der Bewohner*innen ein. Was ich verstehen kann. Interessanterweise gibt es da praktisch keinen Leerstand und abgesehen vom baulichen Zustand und der ungewissen Perspektive fühlen sich die Bewohner*innen dort durchaus wohl. Man sollte sich also vor einem arroganten Blick auf die Situation hüten, ähnliches gilt für soziale Brennpunkte. Was die Menschen da oft mit am meisten nervt, sind die respektlosen und kenntnisarmen Zuschreibungen von außen.

Es gibt übrigens durchaus funktionierende Modelle von Großsiedlungen wie das Ihmezentrum. Die „Schlange“ in Berlin, räumlich die Größte in Deutschland, ist so eins . Früher problematisch, zurzeit auf Grund zahlreicher sozialplanerischer und baulicher Maßnahmen kein „Sozialer Brennpunkt“ mehr.

„Heuschrecke“ und „sozial Schwache“ würde ich heute anders formulieren. Heuschrecke ist antisemitisch konnotiert und sozial schwach sind Gangster wie Windhorst, aber nicht zwingend Menschen, die einkommensschwach sind.

Was mich nach wie vor auf die Palme bringt bei Medienberichten, ist deren fundamentale Unkenntnis von stilvollen Kleidungselementen : Das ist kein Anzug, den ich da trage bei Aktionen, sondern ein Smoking. Anzüge werden von Bankangestellten getragen. Smoking ist nach wie vor ein Attribut und Privileg des postmodernen Dandys. Der Klassenkampf hat in jeder Beziehung auf höchstem Niveau stattzufinden.

27.07.2023 – Wenn alle Stricke reißen, hänge ich mich auf

Politik & Kommunikation, Dezember 2008. Das Blatt aus Berlin für politische Entscheider*innen wurde natürlich auch auf den SCHUPPEN 68 aufmerksam. Das mit der Verstaatlichung während der Finanzkrise 2008 hat leider nicht geklappt.

Neue Presse, 15.12.2008, über die „Bürger helfen Banken“-Aktion des, Zitat „merkwürdigen SCHUPPEN 68“. Die Bürgerpresse war mitunter schlicht überfordert mit unseren Aktionen. Ein gutes Zeichen. Alles richtig gemacht. Es waltet der Geist nicht immer da, wo Druckerschwärze den Ton angibt.

Ein Ziel der ganzen Aktionen war und ist Schärfung der Wahrnehmung, was ist wie gemeint? Was Ironie, Satire, in welchem Verhältnis stehen Stil und Ziel zueinander? Ziel ist immer Aufklärung, der mündige Bürger. Da ist man bei der Bürgerpresse nicht immer an der richtigen Adresse. Die beste Aktion ist die, bei ich selber hinterher nicht weiß, wie ich das gemeint habe. Ganz zu schweigen von der Frage, warum ich das gemacht habe.

Mit Ironie ist das sowieso ein ganz eigenes Ding. Bei der Ironie (griech.: eironeía, Vortäuschung) sagt der Sprecher das Gegenteil dessen, was er meint, vertraut aber darauf, dass die Hörerin die geistige Reife besitzt, über das Gesagte nachzudenken, sich in ihn einzufühlen und so das Gemeinte zu erfassen. Das heißt, die Hörerin muss grundsätzlich die Möglichkeit haben, Ironie als solche zu erkennen, sonst verpufft der Effekt.  

Zum Erkennen von Ironie braucht es nicht nur Geist, sondern auch Empathie. Sehr schön sur le point gebracht ist das hier von Sven Michael Walter von der Uni Osnabrück.

Ironie ist die letzte kognitive (cognoscere = erkennen, wissen) Fähigkeit, die wir entwickeln, und bei vielen, den Meisten, klappt das gar nicht. Mit Ironie und Sarkasmus kann man bei 27 Prozent der Männer und nur 17 Prozent der Frauen punkten. 10 Prozent der Männer stehen auf schwarzem Humor – 4 Prozent Frauen. Witzeerzählen kommt nur bei 5 Prozent gut an. Deshalb wurde mein Witze-Verleih kein Erfolg, obwohl er der Einzige der Welt ist. Kein Problem, wie sagte Nestroy so richtig: Wenn alle Stricke reißen, hänge ich mich auf.

Ein Tipp zum Schluss: Sollten Sie jemals für ein Anliegen, beruflich oder privat, in der Öffentlichkeit, in den Medien werben, aufmerksam machen (müssen), mittels PM, Presseinfo, Flyer, was auch immer: NIEMALS Ironie. Grundkurs 1 PR: Keine Ironie.

Glauben Sie mir. Ich mein’s nur gut.

25.07.2023 – Mir ist alles Wurstbanane.

Plakat Performance 07.09.2008, Atelier Kunstbüro. Freibier und Erbsensuppe auf dem Marsch durch die Kulturinstitutionen. Daraus entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Freund und Kollegen Hermann Sievers, Kunstbüro-Mitglied.

Hommage an Marcel Duchamps. HAZ, 04.10.2008. Wurstbanane. 10 Jahre später wurde eine mit Gaffa an die Wand geklebte Banane für 120.000 Dollar verkauft ….

Seit 2008 ist dieser Blog online (Dank an Mediamaster an dieser Stelle), für das digitale Zeitalter ist das eine Ewigkeit. 2008 kulminierten die vorangegangenen Einzelkrisen, wie Dotcom und 9/11, langsam in einen Dauerzustand, und erreichten in der Finanzkrise mit der Lehman-Pleite 2008 ihren ersten Höhepunkt. Weiters: Osterweiterung der EU mit 10 neuen Mitgliedern, als Höhepunkt die als Staaten getarnte organisierte Kriminalität in Form von Rumänien und Bulgarien, der rotgrüne Sozialraub Agenda 2010, die Bankenkrise 2010, jahrelange EU-Krise, Griechenland-Pleite, Flüchtlingskrise 2015, Brexit, Corona, Inflation, Kriege, Klima, wachsender Rechtspopulismus und Faschismus mit weltweitem Demokratieverlust, wieder Flüchtlinge … to be continued. Das Karussell dreht sich immer rasender und immer mehr Insassen fliegen runter.

Irgendwann beginnt für jedes gesellschaftliche System nach seinem Höhepunkt der Abstieg, es zerbröselt, oder implodiert, je nach Dynamik, an seinen Widersprüchen. Der Kapitalismus hatte in den 90ern weltweit gesiegt, ohne Konkurrenz. Und jetzt haben wir den Salat. Respektive die Wurstbanane. Freibier und Erbsensuppe für Alle? Isch over.

Wer gehofft hatte, seinen Kindern die Suppe zum Auslöffeln hinterlassen zu können, sieht sich getäuscht. Die meisten Menschen auf unserer Insel der Glückseligen leben nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Tempo 130? Autofreie Innenstädte? Verbot innerdeutscher Flüge? Alles ohne mich, ich bin der Ohnemichel. Nur kommt die Sintflut nicht nach Dir oder mir, sondern heute, rauscht heute oder morgen wieder durch das Ahrtal oder sonstwo durch. Oder verbrennt Südeuropa. Morgen Mitteleuropa.

Rhodos brennt? Dann flieg ich halt auf die Malediven. Wie? Die saufen gerade ab? Also Urlaub an der Ostsee? Die stirbt aber leider gerade . (Und mich persönlich kriegen freiwillig keine 10 Pferde in den Fascho-Osten.)

In die sauren Äpfel müssen wir also selbst beißen und unsere Nachkommen werden vielleicht mal froh sein, wenn es überhaupt noch saure Äpfel gibt.

Diese ewigen Kassandrarufe machen mich irgendwie fertig. Ich müsste mal raus, Urlaub machen. Flüge nach Korfu in der Nachsaison für 150 Euro, grad gecheckt. Super.

Da brennt’s? Nicht in meiner Gegend. Brennen tut es nebenan, bei den Touris …..

24.07.2023 – Burning down the house oder: Friedrich Merz, der Biedermann als Brandstifter.

SCHUPPEN 68 in den Medien: NP, 30.05.2008, Öffentliches Nachdenken über das Nichts.

Das Nichts ist das, wodurch sich das Sein offenbart. Laut Heidegger, Sartre und mir. Der Veranstalter des im Artikel erwähnten Philosophie-Festivals meldete sich nach den Medienberichten über die Aktion bei mir zwecks Zusammenarbeit. Ich hielt und halte es mit Marx und seinen Thesen zu Feuerbach , deren 11. lautet: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an sie zu verändern“ und unterbreitete dem guten Mann ein paar Vorschläge auf dieser Basis. Der meldete sich sofort, regelrecht panisch, am Telefon, weil er Angst um die Reputation seines Festivals gekriegt hatte, und insistierte darauf, dass doch jeder von uns in seinen Sphären bleiben möge.

SCHUPPEN 68 in den Medien: IG Metall-Zeitung, 08/2003. Satirekünstler zwischen Karl und Groucho Marx. Also mit der Zuschreibung kann ich leben. Damals fingen die Medien an, sich von sich aus bei mir zu melden, so auch die Metallzeitung (ich bin als Arbeiter der Faust Mitglied bei der IGM, aber nicht mehr lange, wenn die so weiter machen). Ich hatte mir schnell angewöhnt, allen halbwegs erträglichen Medien das zu erzählen, was sie hören wollten, siehe oben. Eine gute Geschichte ist immer mehr wert als die Realität und wird selber irgendwann Realität. Das kleine Foto in der Metallzeitung zeigt übrigens Teile des Kollektivs, leider ohne Frau Dr. Anna-Maria Kötnerholz, auf dem Höhepunkt unseres Schaffens Ende der 80er. Vor dem Hintergrund des gerade abgerissenen SCHUPPEN 68, siehe Graffiti-Schriftzug. Ein rares Zeitdokument.

Ein Song aus den 80ern ging mir heute durch den Kopf angesichts der Nachrichtenlage: Burning down the house, von den Talking Heads , extrem tanzbarer Stoff:

Here’s your ticket, pack your bags

Time for jumpin‘ overboard

Transportation is here

Close enough but not too far

Maybe you know where you are

Fightin‘ fire with fire

Wer denkt da nicht an die griechischen Inseln, die gerade brennen. In Verbindung mit der Aussage des Sauerlandrockers Friedrich Merz über eine Zusammenarbeit mit der AfD . Der Mann ist eine loose cannon, eine aus der Verankerung gerissene Kanone, die unkontrolliert über das Schiff donnert, ein wandelndes Pulverfass. Es brennt, an allen Ecken. Was man für platte Natur-Symbolik auf gesellschaftliche Zustände halten könnte, die brennenden Inseln, ist ein gesellschaftlicher Zustand, denn diese Situation ist menschengemacht. Und der vergesellschaftete CDU-Friedrich Merz ist auch in seinem rohen Naturzustand, er hat sich nicht unter Kontrolle. Nur geil auf Macht, koste es, was wolle, selbst mit Faschisten.

Passend daher auch die Frage der Talking Heads am Anfang des Videos ans Publikum: „Who’s got a match?“ Wer hat ein Streichholz?

Friedrich Merz. Und der hat auch gleich den Benzinkanister dabei. Wenn der Biedermann der Brandstifter ist, steht zu befürchten, dass die Mitglieder der Feuerwehr seine Spießgesellen sind.

23.07.2023 – Wer die Wahl hat, hat die Qual?

Medien über SCHUPPEN 68:  Aktion „Freibier und Erbsensuppe“, HAZ, 10.11.2007. Ich hab keine Ahnung mehr, was in den ganzen Berichten geschrieben wurde, der Gang ins Archiv ist eine feine Reise in die Vergangenheit mit jeder Menge Wiederentdeckungen. Und einem hohen Grinsfaktor. Ich bin gespannt, ob in einem der zahlreichen Berichte irgendwo mal steht, dass die ganzen Aktionen, Interventionen, Performances neben ihrem ästhetischen Eigenwert auch eine hochgradige Verarschung des zeitgenössischen Kunstbetriebes waren.

Medien über SCHUPPEN 68: Neue Presse, 03.03.2008. Aktion zur Produktions-Einstellung des lokalen Lindener Bieres. Kein Verlust, eine eklige Plörre. 11 Zuschauer*innen, immerhin. Ich hab Helge Schneider im hiesigen Veranstaltungsort „BAD“ vor vielen Jahren mal per Zufall gesehen, 5 Zuschauer*innen. Schaun mer mal ….

Aber hier bin ich einer Sternstunde meines dichterischen Schaffens wiederbegegnet: Der Umdichtung von „Hälfte des Lebens“ des Dichtergottes Friedrich Hölderlin:

„ …..

Und trunken von Küssen

Tunkt Ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Bier.“

Also das in Verbindung mit dem profanen Prollgesöff Lindener Bier, das hat was. Heilnüchtern kann man angesichts der Perspektiven im Lande nicht werden, eher höllischbesoffen. Uns stehen Wahlen ins Haus und die werfen düstere Schatten voraus. 2023/24 Landtagswahlen in Bayern, Hessen, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und die Europawahl, jede Menge Kommunalwahlen und die Bundestagswahl in 2025, wofür sich die Kontrahenten jetzt schon in Stellung bringen. Der hessische MP Boris Rhein, CDU, gibt den Wahlkampf-Grundton vor: Grenzen dicht, die Nation muss sauber bleiben. Was von oben als ausgewogener Beitrag zur Migrationsdebatte verstanden werden will, kommt unten als Appell zum Heime-Anzünden an. Irgendwas gegen Ausländer*innen, das zieht immer. Der Rhein Vorgänger Roland Koch hatte schon vor 25 Jahren mit der Rassismuskarte Wahlen in Hessen gewonnen. „Wo kann ich hier gegen Ausländer unterschreiben?“ Fragten damals die Einen. Während die Anderen nicht lange fackelten und Flüchtlingsheime abfackelten.  

Wenn das nicht reicht, wird eine Kampagne gegen Sozialschmarotzer via Bild losgetreten, antisemitisch sind „wir“ sowieso schon, Gewalt gegen Frauen nimmt zu, Toleranz gegen LGBTQ nimmt proportional ab. Minderheiten sollten sich warm anziehen, alles, was rechts ist und egal wie heiß die Sommer noch werden.

Die Einen haben die Wahl, die Anderen die Qual.

22.07.2023 – Auf dem Weg in die Räterepublik

Performance „Mitleid mit der SPD“ 2007, Neue Presse, 04.08.2007.

Angeregt durch das Sommerloch, stelle ich hier in loser Folge Medienberichte online über das verdiente „Polit-Satire-Anarcho-Netzwerk SCHUPPEN 68“ (Zitat Artikel NP).

Performance „Kopfnüsse gegen Wahlverdrossenheit“. Neue Presse, 26.01.2008.

Manches würde ich heute anders machen und auf jeden Fall anders formulieren, einiges ist schlicht gelogen, anderes falsch wiedergegeben, die grobe Richtung aber stimmt. Bis auf die Tatsache, dass ich heutzutage bestimmt nicht mehr für höhere Wahlbeteiligung mobilisieren würde. Die Wahlbeteiligung hat in den letzten Jahren oft zumindest nicht mehr abgenommen oder ist sogar wieder gestiegen und das ging zu wesentlichen Teilen auf das Konto der AfD. Große Wähler*innenströme gingen von den Nichtwählenden zur AfD und wenn das bei mehr Wahlbeteiligung rauskommt, bin ich strikt dagegen. Es kann nicht sein, dass die Demokratie ihren Henkern selber den Strick in die Hand gibt. Also hätte die nächste Intervention das Ziel, die Wahlbeteiligung zu reduzieren, vor allem da wo die AfD regelmäßig die größten Stimmenanteile einfährt, in den sozialen Brennpunkten. Man müsste über soziale Medien das Gerücht verbreiten, dass in den Wahllokalen in den Brennpunkten die Leute heimlich verstrahlt werden, von „denen da oben“, mit Zwangsimpfung, Gehirnwäsche und Unfruchtbarkeitsstrahlen.

Überall Handlungsbedarf. Jetzt sind wir langsam aber sicher auf dem Marsch in die Räterepublik: Bezirksräte, Betriebsräte, Studienräte und jetzt auch noch Bürgerräte als Instrument für mehr Bürgernähe oder gar Beteiligung. Was zum Teufel soll dabei herauskommen, bei der derzeitig rapiden Verrohung der Gesellschaft? Laut letzter Wahlumfrage haben zunehmend rechte, reaktionäre, faschistische, neoliberale Parteipositionen die deutliche absolute Mehrheit, CDU und AfD zusammen mit 48 Prozent die Mehrheit der Mandate, FDP 7 Prozent und von den 10 Prozent für die kleineren Parteien ist die Mehrzahl entweder faschistisch, wie der 3. Weg, oder die Basis, oder völlig durchgeknallt. Da sind wir schon bei über 60 Prozent Rohheitspotential. Und von denen, die nicht wählen gehen, würde wahrscheinlich die Mehrzahl ohne mit der Wimper zu zucken die AHP wählen, die Adolf Hitler Partei. Ein bisschen überpointiert vielleicht, aber trifft im Kern den derzeitigen gesellschaftliche Zustand und Prozess.

Auf dem Weg in die Räterepublik? Die hätte dann vermutlich das Motto: Für ein nationales und soziales Sowjetdeutschland.