20.02.2022 – Vernunft ohne Gedächtnis ist wie Arsch ohne Eimer.


Erinnerungen? Gerne, aber nur solange sie nicht der Vergangenheit angehören.
»Wir haben in den Zwei-plus-vier Verhandlungen deutlich gemacht, dass wir die Nato nicht über die Elbe (!!, d. A.) hinaus ausdehnen. Wir können daher Polen und den anderen keine Nato-Mitgliedschaft anbieten.«
So 1991 BRD-Vertreter Jürgen Chrobog laut Vermerk aus dem britischen Nationalarchiv. Der US-Politikwissenschaftler Joshua Shifrinson hat das ursprünglich als »secret« eingestufte Dokument entdeckt. Es handelt von einem Treffen der politischen Direktoren der Außenministerien der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands in Bonn am 6. März 1991. In den Zwei-plus-vier-Verhandlungen hatten Bundesrepublik und DDR mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich die deutsche Einheit verhandelt.
Wer älter als Jahrgang 1970 ist, am Zeitgeschehen interessiert und ein funktionierendes Gedächtnis hat, das nicht von der Ideologie der Bürgermedien zugekleistert wurde in den letzten Jahrzehnten, sollte sich auch ohne diesen „sensationellen“ Dokumenten Fund erinnern: Ein zentrales Thema in den Medien nach dem Fall der Mauer war die Rolle eines wiedervereinigten Deutschlands in der Welt. Ein Modell: Neutral, ohne Bündniszugehörigkeit. Also raus aus der Nato. Das wollte die Sowjetunion. Zwei Argumente überwanden deren Widerstand: Milliarden Bimbes und die oben zitierte Zusicherung. Jede Osterweiterung seitdem, angefangen bei Polen, war ein aggressiver, wortbrüchiger Akt der Nato.
Wer wollte, nur vor dem Hintergrund dieser Entwicklung, die ja noch nicht zu Ende ist, dem russischen Bären verübeln, dass er aufjault, wenn sich die Nato anschickte, ihm an der ukrainischen Grenze über eine Länge von 2.000 km Nato-Militär nach gehabtem Muster an den Pelz zu setzen. Vielleicht nicht heute, aber übermorgen, siehe (sukzessive ab 1999) Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien etc. pp.
Was mich wundert in dieser Causa (rhetorische Floskel. Mich wundert nichts mehr) ist nicht so sehr das aggressive Agieren der Nato. Irritierend ist der kollektive hiesige Gedächtnisverlust. Um den Geist des obigen Vermerks zu rekapitulieren, wenn man schon selber Flasche leer im Kopf ist, würde ein Gang in die öffentlich zugänglichen Medienarchive aus dieser Zeit genügen, alle Leitmedien waren voll davon. Ein einziger Klick z. B. im Internet genügt, um in Sachen 2. Nato-Osterweiterung 2004 folgenden Fundstelle zu erhalten:
… Putin wird also versuchen, den Beitrittsprozess zu verzögern. Er wird einen hohen Preis für seine Zustimmung fordern. …“
Zustimmung Putin. Das war, noch nach 2000!, allgemeiner Konsens.
Und heute steht der Krieg vor der Tür. Ich sach et mal volkstümlich: Vernunft ohne Gedächtnis ist wie Arsch ohne Eimer. Beide können unabhängig voneinander existieren, aber mitunter liegt die Scheiße, die dabei rauskommt, auf dem eigenen Wohnzimmerteppich und stinkt zum Himmel.
Vox populi ruft mir gerade gefühlt entgegen: Geh doch nach drüben, wenn es Dir hier nicht passt!
In Russland leben? Um Gottes Willen. Ein von Popen geprägtes kulturfernes Geistes-Klima, antisemitisch, frauenfeindlich, homophob, das allgemeine Kunstlevel bewegt sich auf der Höhe von Ikonenmalerei, die selbst von der in der Renaissance wiederentdeckten Zentralperspektive nichts wusste. Mittelalter eben.
Dann lieber in den Metropolen des verfluchten Nato-Kapitalismus dem Untergang entgegentanzen. Babylon Berlin, ich komme.

17.02.2022 – Nichts wird im Moment so sehr missbraucht, gekreuzigt und in den Staub getreten wie der Name der Freiheit


Impfschwurbler-Demo 16.02.22, Hannover.
Es ermattet: Das Wetter, die Umstände, das Leben. Für mich stellte sich gestern am Abend nur eine Frage: Erst aufs Sofa oder gleich in die Bubumaschine. Die Impfschwurbler-Demo, die mir ungeahnt ins Auge fiel, weckte meine müden Geister. Die Chronistenpflicht trieb mich durch die trübe Hundertschaft der versammelten Spinner, Klappsköpfe und Vollidioten. Auf der Suche nach neuen Abartigkeiten wurde ich fündig. Das versammelte, zweiköpfige ZK des Politbüros der Freien Linken präsentierte mir stolz ihr in den Wind gehängtes Fähnlein, siehe Foto. Zumindest solange, bis sie mein Fluchen vernahmen: „Ihr gehört doch in die Psychiatrie.“ Wie gesagt, ein Leben ohne Ärger und Konflikte ist vielleicht möglich, aber für mich keineswegs wünschenswert.
Nichts wird im Moment so sehr missbraucht, gekreuzigt und in den Staub getreten wie der Name der Freiheit. Freedom day ist nichts weiter als ein Synonym für Verantwortungslosigkeit und wer jetzt dauernd, chronischem Durchfall gleich, diesen Begriff wegen sich abzeichnender Lockerungen im Munde führt, gehört oft der Gilde der asozialen Seuchenverharmloser*innen an. Natürlich wünsche auch ich mir Freiheit und das alte Leben zurück. Aber ich wünsche mir auch eine eigene TV-Show. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof.
Ich echauffiere mich deshalb so, weil die „Freien Linken“, von denen ich bis dato noch nie was gehört hatte, paradigmatisch stehen für den Verfall der Begriffe, und leider nicht nur der Begriffe, „links“ und „frei“. Wer den Namen der Freiheit explizit in seinem Banner führt, wie Freie Linke, hat mit ihr nichts am Hut. Dieses beschwörende Insinuieren auf einem bestimmten Inhalt ist nichts weiter als der Nachweis der eigenen Unfähigkeit in einem offenen, kritischen Umgang damit („Ich bin ja kein Antisemit, aber das, was die Juden in Israel da machen….“), siehe auch:
Die Freiheitliche Partei Österreichs ist eine rassistische Ansammlung von Alt- und Jungnazis, die mit Freiheit nichts am Stahlhelm hat. Die hiesige FPD hat nur die radikale, zerstörerische Freiheit der Märkte im Sinn, die Freien Sachsen sind Faschisten reinsten Wassers, usw. usf. , bis wir bei den Freien Linken landen, die eine rechtsoffene, antisemitische Impfschwurblertruppe ist, wie „Die Basis“, nur kapitalismuskritisch. Kapitalismuskritisch war die NSDAP auch.
Was heißt das überhaupt: Links sein? In einer Zeit, in der Frontlinien der Pandemie mitten durch die Linien einer verbliebenen Restlinken gehen und ihr endgültig den Garaus machen.
Links sein bedeutet nach wie vor: Antikapitalistisch, antinationalistisch, antirassistisch und antichauvinistisch. Das ist die Grundlage. Also SPD und Grüne als Linke zu bezeichnen, ist so gesehen ein Witz, da wo doitsche Nationalfahnen wehen, wie auf der Schwurbler-Demo gestern, sind keine Linken zu treffen, und wer kein definiert kritisches Verhältnis zu Geschlechterbeziehungen und Diversität hat, dessen Linkssein besteht aus dünnem, rotem Lack, unter dem beim Kratzen der alte Adam lugt.
Ein Linker behauptet nicht, dass er für Freiheit steht. Er macht es oder er ist keiner.
Dass das in der Praxis, z. B. im ostzonalen Staatssozialismus, nicht ganz hinhaute, ist Thema der morgigen Vorlesung. Lesen Sie bis dahin bitte die gesammelten Volkskammer-Reden von Erich Honecker und Walter Ulbricht

15.02.2022 – Lockerungen


Auch die Natur macht sich locker. Erste grüne Rosentriebe im Garten. Hätte ich das mit meiner alten Handycamera aufgenommen, hätte das gesamte Bild ausgesehen wie von Gerhard Richter gemalt, nur verschwommen. Wenn dieses Bild dann auch den Preis eines Gepinsels von Richter erzielen würde, geschätzte 20 Millionen, würde ich mein altes Handy feiern und pflegen bis in alle Ewigkeit. So aber: Es lebe der Fortschritt.
Fortschritt und Lockerungen auf allen Ebenen. Der Russe blufft wohl nur, um den Preis nach oben zu treiben. Also kein Krieg. Und ab 20. März fallen alle Hemmungen, respektive „tiefgreifende Seuchen-Schutzmaßnahmen“. Das bedeutet, wir können jetzt schon für die sechste (?, ich komm mit zählen nicht mehr ganz nach) Welle ab November planen, wenn keine flächendeckende Impfpflicht für alle (ab 18 und gesundheitlich nicht dadurch gefährdet) eingeführt wird. Die Botschaft, die bei den Gebeutelten im Lande ankommt, ist: Alles wird gut. Und so werden sich viele auch verhalten. Eigenverantwortung Fehlanzeige. Die Impfbereitschaft hat bereits nachgelassen, die Impfquote ist nach wie vor zu niedrig, gerade in sozialen Brennpunkten rührt sich viel zu wenig, und der Mob auf den Spaziergängen gewinnt Oberhand.
In diesem Jahr finden vier Landtagswahlen statt, weit mehr als ein Drittel aller Deutschen ist wahlberechtigt. Das Risiko, bei den Wahlen als Corona-Beschränkungs-Hardliner auf den Pinsel zu fliegen, geht keine Verantwortliche ein. Also planen wir die wiedergewonnene Freiheit. Reisen, Reisen, über alles, die TUI Aktie hat in der letzten Woche um 8 Prozent zugelegt.
Wenn die allgemeine Impfpflicht nicht beschlossen wird, geplant ist vor Ostern, würde ich für den kommenden Winter erstmal keine Reisepläne machen, weil sich die Situation dann wahrscheinlich (!) ähnlich darstellen wird wie bisher. Die Alternative: Urlaub im eigenen Land.
Nein Danke. Nicht auch noch im Urlaub unter die Deutschen. Und im Januar bei eiskaltem Nordwind an der Nordsee spazieren? Nach Ihnen.
Abgesehen von meinen individuell anders gelagerten Bedürfnissen würde ich eine Tendenz zu Urlaub im eigenen Land auch für kontraproduktiv halten. Reisen ins Ausland bildet, politisch, ästhetisch, es trägt zur Völkerverständigung bei, erweitert Horizonte. Bliebe der gemeine Deutsche nun auch noch im Urlaub vor der eigenen Hütte, würde er noch vernagelter, beschränkter und mit Scheuklappen behaftet als eh schon.
Ich schätze die Funktion von Mobilität ähnlich wie die der Globalisierung ein, beide verbinden, machen voneinander abhängig. Ein viel diskutierter Trend, Fertigung und Lieferketten ins eigene Land zurück zu verlagern, würde das Leben hierzulande für den deutschen Proleten nicht nur maßlos verteuern und für noch mehr Verelendung in den bisherigen Produktionsstandorten sorgen, sondern den ohnehin immer unsäglicher werdenden Hang zum Nationalismus verstärken. Gäbe es wirtschaftliche Verflechtungen und Abhängigkeiten nicht, wären wir viel eher geneigt, unserem Nachbarn aufs Haupt zu schlagen.
Einer meiner ersten Rechner war ein zu Teilen in Deutschland gefertigter Siemens-Nixdorf. Sowas würde unter aktuellen Bedingungen wahrscheinlich über 10.000 Euro pro Exemplar kosten, eine Art Handgefertigtes Unikat. Wohl dem, der dann so wie ich einen geschätzten Bruder hat, der sowas kann. Der Rest wieder zurück an die Schreibmaschine und den Rechenschieber.
Ja, aber die böse, böse Ökobilanz von Globalisierung und Mobilität? Da geb Ihnen recht, liebe Leserinnen, sieht finster aus. Wir dürfen wählen, zwischen Teufel und Beelzebub, zwischen Scylla und Charybdis, zwischen Furz und Feuerstein.
Und nun zum Wetter für Morgen

13.02.2022 – Krieg


Restaurant Chat noir Chat blanc, irgendwo in der Altstadt von Nizza. Man kann dem Koch zugucken, zwei, drei Gerichte, alles frisch, Kombination französischer und italienischer Küche, herausragende Weine, ich rieche im Schreiben wieder den satten Duft der Küche und die Mittelmeerluft beim leicht angesäuselten Raustreten, über der Erinnerung liegt ein milder Hauch von Frieden, Ruhe, eine Prise Glück. Ein paar Kilometer weiter findet jetzt das Mimosenfest in Menton statt, 12 Tonnen blühende Blumen in einem Corso. Während hier die Eisblumen blühen, ist da unten schon Frühling. Jetzt in den Flieger und in zwei Stunden da sein, am Meer, in gleißender Sonne, mit einem Crémant alle Nachrichten dieser Welt ignorieren.
Stattdessen also Krieg. Glaubt man der CIA, ab Mittwoch, da marschiert der Russe los. Putin ist ein lupenreiner Un-Demokrat, zynischer Despot und für seine Virilitätsinszenierungen mit nacktem Oberkörper, Waffen und Leoparden bräuchte es einen neuen Begriff noch jenseits von peinlich. Man muss ihn nicht mögen, an seinen Händen klebt Blut.
Aber das peinliche Unisono-Gezeter, mit dem die Bürgerpresse hierzulande auf den Satan Putin eindrischt und in einer Art Angstlust den Krieg regelrecht herbeisehnt, ohne sowas wie „Interessen“ zu berücksichtigen, kann man bei kritischer Würdigung der Interessen aller und der Vergangenheit Russlands durchaus schwerst bescheuert finden.
Blick zurück: Nach dem Fall der Mauer hat die Nato Russland für den Preis der Integration Deutschlands in die Nato in Absprachen zugesichert, die Grenzen dieses westlichen Bündnis nicht weiter nach Osten zu verschieben. Diese Zusage wurde umgehend gebrochen, ein paar Jahre später war die Nato-Osterweiterung komplett, was selbst ein Blinder mit einem Blick auf die Karte sehen kann. Der damalige Außenminister Genscher hat Jahre später öffentlich zugegeben, dass die Nato damit den Geist der Absprachen von 1990 gebrochen hat
Fast alle Beitrittskandidaten sind fest integriert, Nato-Truppen stehen seit Jahren hochgerüstet direkt an Russlands Grenze oder mitten in der ehemaligen Interessesphäre der Sowjetunion. Um die Gefühle zu verstehen, die das bei russischen Akteuren auslösen könnte, sollte man den Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion 1942 mit über 20 Millionen toten Sowjetbürger*innen im Hinterkopf haben.
Im umgekehrten Fall der Verletzung einer Interessensphäre übrigens hatte eine Intervention der Sowjetunion in Kuba 1962, dem Hinterhof der USA, fast den dritten Weltkrieg zur Folge.
Not in my backyard, nicht in meiner Interessensphäre, als Mahnung an Konkurrenten, das ist ein ehernes Gesetz von Realpolitik. Es geht immer um Interessen. Man kann anderes wünschen, es ist aber Realität. Ein deutscher Verteidigungsminister hat mal gesagt „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt“.
Inwieweit die USA und die CIA glaub- und vertrauenswürdiger Akteur sind, überlasse ich Ihnen bei der Lektüre der bekannten CIA Operationen, siehe auch darunter: Kontroversen, Menschenrechtsverstöße, Drogenhandel, Geldwäsche.
Immer gerne in der Bürgerpresse wird das Selbstbestimmungsrecht der Völker zitiert. Wollen eben alle in die Nato.
Was aus dem „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ werden kann, war wunderbar im ehemaligen Jugoslawien zu beobachten, wo jede Ethnie, jedes Skipetarenvölkchen im völkischen Wahn einen eigenen Staat für sich reklamierte, mit der Folge von zehntausenden Toten, Millionen Vertriebenen und auf Generationen vergifteten Klima „da unten“, wo schon wieder der nächste Krieg vor der Tür steht.
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist eine funktionalisierbare völkische Brandfackel, die bei Bedarf in offene Konflikt-Pulverfässer geschleudert werden kann.
Ist ein bisschen länger geworden heute, aber es steht ja auch nicht jeden Mittwoch Krieg vor der Tür

08.02.2022 – Arsch und Titter


Mandelblüte, Mittelmeer und Masochismus. Der gehört jedenfalls dazu, wenn man sich bei den Aussichten hierzulande, die zwischen trostlos grau, trübdüster und nieselnass changieren, orchestriert von eiskaltem Ostwind und Temperaturen nahe Kelvin, solche mediterranen Urlaubsfotos anguckt.
Würden Physiker*innen ihren Sohn Kelvin nennen? Als Doppelnamen? Kelvin-Fahrenheit? Und wenn das Ehepaar hinten schon einen Doppelnamen hat? Kelvin-Fahrenheit Noelle-Neumann? .
Ich bin bekannt für die Missachtung des Individuums, für die schleichende Ableitung von Imperativen aus vermeintlichen Fakten, bei mir ballt sich das intellektuelle Elend des zeitgenössischen linken Mainstreams und ich tue alles dafür, die Linke als bedeutende politische Kraft zu beseitigen.
Wer sagt das? Rainer Fickbach sagt das, in „Pandemie der Eindimensionalität“ auf den früher kritischen und durchaus auch von mir geschätzten Nachdenkseiten, die mittlerweile, nach rechts weit offen, im Verschwörungserzähler-Lager angekommen sind.
Wenn Sie im Artikel weit nach unten scrollen, bis Landesarmutskonferenz, können Sie das nachlesen. Es geht um das Eintreten für die Impfpflicht, Fickbach bezieht sich dabei auf einen Artikel in der jungen Welt. Der Nachdenkseiten-Artikel besteht aus ellenlangem Geschwurbel nach dem Muster „Impfen blöd, Corona nicht schlimm, individuelle Freiheit, Freiheit über alles“. Ich hab spätestens bei der folgenden Stelle aufgehört, das auch nur halbernst zu nehmen: „ …. werden die Status ›geimpft‹ und ›genesen‹ einzig nach dem Antikörpertitter zugeteilt …“
Titer (!) sind Maßangaben für Verdünnungen von Antikörpern oder Antigenen, die gerade noch eine positive Antigen-Antikörper-Reaktion ergeben. Der Titer gibt also die Verdünnungsstufe an, bei der ein diagnostischer Test noch positiv ist.
Titter dagegen sind köstliche halbrunde, ach, lassen wir das. Mir gehen ja beim Abfassen komplexerer Texte auch manchmal Dinge durch den Kopf, die da in dem Zusammenhang nicht hingehören. Im Gegensatz zu Rainer Fickbach bin ich mir allerdings über eins im Klaren: Unsere Sprache verrät uns. Immer und überall. Mit jedem Wort und jedem Buchstaben. Denn alles, was wir sagen und schreiben, hat nicht nur einen Anlass, sondern einen tiefen Grund.
Apro Po Klaren: Prost und hau wech, den Klaren sieht die Leber nicht. Frostfreie Tage, liebe Leser, ich arbeite jetzt wieder an meinem Auftrag: Die Beseitigung der Linken als bedeutende politische Kraft.
Rein männlich, ach, was sag ich, sogar menschlich (!), gesehen kann ich den Autor aber gut verstehen: Sich vom Antikörper über den Körper hin zu den Titter vorzutasten, das hat was.

07.02.2022 – Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit


Meine ehemalige Kreuzberger Homebase Yorkstr., irgendwann vor dem Ersten Weltkrieg.
Neulich stand ich vor meiner Socken-Schublade und dachte: „Schon wieder leer!? Das kann doch nicht sein, ich hab die doch gestern erst frisch gefüllt“. Kurz danach, ich wollte die Biotonne rausstellen, Leerrhythmus im Winter alle zwei Wochen, das Gleiche: „Schon wieder raus? Das kann doch nicht sein. Ich hab die doch gestern erst rausgestellt.“ Die Zeit gerät in einer ereignisreduzierten Seuchenepoche, und zumindest vom Beginn einer Epoche, also einer längeren zeitgeschichtlich relevanten Periode, können wir durchaus reden, die Zeit also gerät in eine Art Kompression. Sie wird durch eine Düse von Ereignislosigkeit gepresst und lässt dergestalt alltägliche Banalitäten, die sonst im Strom des Lebens belanglos untergehen, als bemerkenswert erscheinen, erinnerungswürdig. Ein, bei allem Respekt vor meinen Socken und meiner Biotonne, tendenziell unwürdiger Zustand, besteht doch ein gelebtes Leben aus durchaus anderen Ingredienzien als dem täglichen Einerlei-Trott zwischen Arbeit, Sofa, TV, in der intellektuellen Variante Buch, Flasch Bier, Sockenschublade und Biotonne.
Daher kann ich die Schlagzeile der Blöd von heute, und viele andere diesbezügl. Stoßseufzer, ausnahmsweise verstehen: „Gebt uns unser normales Leben zurück!“ Wer wäre in Krisenzeiten nicht schon mit diesem Gedanken aufgewacht.
Der Blöd Gedanke, soweit das Zentralorgan von Blödheit und Infamie zu so etwas fähig ist, dahinter: Lockerungen sofort.
Das ist, und da bin ich wie fast immer bei den Experten, verrückt, Zitat: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist Lauterbach strikt gegen Lockerungen: Er halte es „für verrückt“, wenn bei Höchstzahlen von Infizierten und einer funktionierenden Strategie die Maßnahmen gelockert würden. Der Minister fragte: „Was wäre in Deutschland, wenn wir vorgehen würden wie in England?“ Seine Antwort: „Dann hätten wir pro Tag über den Daumen gepeilt vielleicht 300 Tote. Wir haben aber deutlich weniger, nämlich 60 bis 80.“ Mit den Maßnahmen „retten wir jeden Tag Leben“, ….
Es bleibt also aus Vernunft und Erkenntnis die Einsicht in die Notwendigkeit (der Beibehaltung der bisherigen Strategie). Und genau das ist laut Engels Freiheit: „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit“.
Was bleibt, sind kleine Fluchten in Bildwelten der Vergangenheit, siehe Yorkstr., und die Hoffnung auf baldige Besserung. Nicht bei der Blöd, sondern bei den Zuständen.
Ich muss los, die Papiertonne vor die Tür stellen. Freu mich drauf.

04.02.2022 – Nicht immer nur Seuche. Mal kurz beiseitetreten


Unlängst las ich nach der Anregung eines geschätzten und lesenden Freundes Wilhelm Genazinos Abschaffel-Trilogie von Ende der Siebziger wieder. Abschaffel, Flaneur und „Workaholic des Nichtstuns“, kompensiert mit innerer Phantasietätigkeit die Ereignisöde seines Angestellten-Daseins. Vorher hatte ich das zeitgenössische „Arbeit“ von Thorsten Nagelschmidt gelesen. Elf meist namenlose Protagonist*innen, fast alle prekär lebend, erledigen, unsichtbar für Flaneure, die Drecksarbeit in Berlin.
Zwischen beiden Werken liegen ca. 45 Jahre und wie es sich für gute Literatur ziemt, vermessen sie exakt die Entwicklung gesellschaftlicher Zustände im Schnittpunkt mit inneren Befindlichkeiten. 45 Jahre Entwicklungen, Perspektiven aus einer Republik, vormals – und von mir gerne immer noch so gescholten – BRD, jetzt Deutschland. Was für Welten liegen dazwischen.
Hier Abschaffel, Angestellter im Normalarbeitsverhältnis, damals die absolute Regel. Zustand Abschaffels und der Republik zu jenen Zeiten: Ökonomische Sorgen? Ebenso Fehlanzeige wie solche um eine grundsätzliche Zukunft. Abschaffel lebt im ausgehenden Goldenen Zeitalter des Kapitalismus, die Welt scheint immer besser zu werden. Es bleibt Zeit und Muße, sich – obsessiv im Falle Abschaffel – mit der eigenen Innenwelt zu beschäftigen. Im Mittelpunkt steht der später legendär gewordene „Subjektive Faktor“. Nicht umsonst wurde in jener Zeit, in Abkehr zum politischen Aufbruch von 68ff., das Volltrottelwesen der Bhagwan-Bewegung in der BRD populär, die in Berlin immer noch zu jedem Karneval der Kulturen einen eigenen Wagen mit Bimmel Bimmel und Harri Krischan Sing Sang begleiten. Genazino webt, als später Thomas Mann-Verwandter, in den Abschaffel einen ironisch-melancholischen Grundton, der, hat man ein Gespür dafür, zum Lachen reizt.
Das Lachen vergeht einem bei „Arbeit“ von der ersten bis zur letzten Seite. Namenlose, permanent vom Absturz bedroht, eilen, hasten, rasen in ständiger Sorge ums materielle und psychische Überleben durch die Nacht von Berlin, nichts ist ihnen ferner als Muße, Ruhe, Beschaulichkeit. Der Flaneur in den Straßen der Metropole ist ihnen ein Wesen aus einer anderen Galaxie. Die Literatur von Nagelschmidt, ehemaliges Mitglied einer Punkband, ist wie Herdplatte heiß, während das Genazino Instrument eher der Schaukelstuhl ist.
Als teilnehmender Zeitgenosse dieser gesellschaftlichen Entwicklung, dieser Verrohung, fragte ich mich beim vergleichenden Lesen, in einer Mischung aus angeekelt und wütend: In was für Zeiten leben wir eigentlich?!
Hier hilft, ohne die Entwicklung schön reden zu wollen, kurz beiseitetreten. Wenn Abschaffel 45 Jahre zurückblickt, schaut er der Fratze des siegreichen Faschismus in die Augen. Deutschland ab 1933 in Vorbereitung des Holocaust. Was für Welten liegen zwischen 78 und 33.
Und hätte Abschaffel 1933 zurückgeblickt, wäre er im Dreikaiserjahr 1888 gelandet, niemand ahnte etwas vom Grauen des ersten Weltkriegs. Elektrischer Strom und Autos? Fehlanzeige. Eine Postkartenwelt. Was für Welten liegen zwischen 33 und 88.
Wie auch immer Sie, liebe Leserinnen, die skizzierten Entwicklungen bewerten, für beide Bücher gilt: Lesenswert

03.02.2022 – Wo warst du am 27.01.2020?


27.01.2020, irgendwo an der Algarve. Die Mandeln waren voll erblüht.
Eine beliebte Frage: Was haben Sie eigentlich an historisch bedeutsamen Daten gemacht? 11. September 2001, World Trade Center? 9. November 1989, Annexion der Ostzone? 24.12.000, Geburt Jesus?
Am 27. Januar 2020 bestätigt das Münchner Tropeninstitut den ersten Corona-Fall in Deutschland.
Dieses Datum kam mir in den letzten Tagen des Öfteren unter die Augen. Ein Klick in meinem Blog und ich wusste, wo ich da war: Im Atlantik gebadet, schwarze iberische Schweine auf einer Wiese voller Schlüsselblumen bewundert und abends Schweinebäckchen in Rotwein an dreierlei Dünstgemüse.
Und wenn es nur zur Vergewisserung solcher Umstände wäre, so ist es das Blogschreiben wert. Wo war ich eigentlich, als alles begann, nicht mehr so zu sein, wie es war?
Wenn wir aufwachen, treten wir in das Reich der Notwendigkeit, des Zwangs ein. Morpheus und Hypnos entlassen uns mit leichten Armen in eine Welt, die zunehmend zu Mühe geworden ist.
Wenn ich dagegen beginne, diesen Blog zu schreiben, trete ich für Momente in das Reich der Freiheit ein, in eine Welt, die ich mir nach Belieben selbst schaffen kann, ohne Pflicht oder Abhängigkeit. Grenzen setzen höchstens Diskretion und Stil, das Strafgesetzbuch (aber auch nur begrenzt) und ein Rest Respekt vor der Sprache (nicht: vor dem Duden. Der ist was für Loser).
Eine Welt, die zunehmend zu Mühe geworden ist. Die gruselige alttestamentarische Drohung, die für einige ein paar Jahre von ihrem realen Schrecken etwas verloren hatte, schiebt sich düster wieder nach vorne: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“
Mir kommt’s hoch, wenn ich sowas lese: „… wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen…“. Schlimmer geht preußisch-protestantische Kapitalismusethik nun wirklich nicht.
Lassen wir mal außen vor, dass für Millionen prekär Arbeitende das Leben tatsächlich eine Qual ist mit nichtexistenzsichernder, gesundheitszerstörender Arbeit, übertroffen nur noch von einem ohne Arbeit im Hartz-IV-Bezug, was deutlich lebensverkürzend ist. Nehmen wir uns mal die Mitte vor: Das alltägliche Leben ist zunehmend für die Mitte der Gesellschaft, die eh schon bedenklich schrumpft und vom Abstieg bedroht ist, unter Seuchenbedingungen zu Mühe geworden. Und ob da irgendwo Licht am Tunnel ist, weiß selbst der Obervirologe nicht. Wieviel Zeit bleibt uns noch für was, unter welchen Umständen? Das Leben rinnt wie Wasser durch die Finger. So wird auch die beklemmende biblische Prognose „ … denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon … “ bittere Realität.
Genug der Bibel Exegese, denn: Wer’s glaubt, wird selig. Und selig sind bekanntlich die geistig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich. Aber wer will schon mit den Doofen abhängen.
Und bei der Bibel und dem Glaubensgedöns ist man schnell bei Verschwörungserzählungen. Wem fielen in Seuchenzeiten nicht die apokalyptischen Reiter ein: Seuchen, Teuerung (5 %!), Krieg und Tod. Sehet, das Ende ist nahe?
Mag ja sein. Hauptsache, wir machen was draus.

02.02.2022 – Dance to the Algorhythmus


das kotzt einem alles nur noch an. Aus dem letzten Wahlkampf. In Berlin ist alles ein bisschen härter, die Durchgeknallten sind noch durchgeknallter als im Rest der Republik. Und unter solchen Soziopathen gibt es immer einen, zwei, x, die irgendwann zur Tat schreiten. Der Druck im Wahnschädel wird irgendwann zu groß, sie haben im Zweifel ja auch niemanden, der ihnen zuhört. Wenn mir einer auf Demos, wie bei diesem Flugi im September in Berlin, sowas in die Hand drückt, finde ich das noch skurril. Die Leute sind oft putzig verkleidet, mit Bauchläden etc., um Aufmerksamkeit zu erwecken, brabbeln wirres Zeug und haben schon im Gesichtsausdruck nicht alle Latten am Zaun. Aber wenn man es bei Licht betrachtet, da liegt Sprengstoff …
Allerdings sind die Grenzen zwischen Wahn und Welt fließend, wie frau an diesem Beispiel sehen kann:

Putzig verkleidet, mit Bauchladen, brabbelt meist wirres Zeug und im Gesichtsausdruck …..
In einer vom Allmächtigen Algorithmus (zu Algorhythmus guckst du hier, Digga, coole Vibes) beherrschten Welt würde ein Verfasser derartiger Flugis wie oben wegen einer voraussichtlichen Gewaltausübungs-Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent von der Agentur für Psychohygiene umgehend aus dem Verkehr gezogen und wieder gesellschaftskompatibel gemacht werden mittels Substanzen-Optimierung und Verhaltens-Upgrade. Also unter Drogen setzen und ins Umerziehungslager.
Cool, Digga, find ich krass korrekt, ey.
Mich wundert nur, das bisher noch nicht viel mehr Irre ausgetickt sind. Der Druck in den Wahnschädeln korreliert ja direkt mit dem im gesellschaftlichen Kessel. Der steigt mittlerweile derart an, dass die Seuchen-Politik vom teils virologisch begründeten Handeln zunehmend in das politisch begründete wechselt. Anders ist für mich die gerade über die Ticker gehende Meldung nicht zu verstehen: Justizminister stellt weitreichende Lockerungen für März in Aussicht. (Der Vorbehalt der Entwicklung des Infektionsgeschehens geht bei der Headline unter).
Die gleiche Nachrichtenlage sagt epidemiologisch etwas anderes: Die neue Omikron-Variante BA.2 hat eine höhere Übertragbarkeit als der derzeit in Deutschland vorherrschende Subtyp BA.1. Was das bedeutet, ist frühestens nach den Osterferien, also ab Mitte April, abzusehen.
Ich kann „die Politik“ verstehen, wenn sie Schritt für Schritt in den Modus wechselt: Wir lockern, mit allen Konsequenzen und Risiken. Das ist durchaus auch eine individuelle Option, ab März lockern, Reisen planen, mit aller Vorsicht, aber auch mit allen Risiken.
Nur sollte die Politik das dann auch mit aller Härte so kommunizieren. Wir durchschreiten dann eine Tür, hinter der sich die Büchse der Pandora verbergen kann, mindestens aber der Rubikon. Diese Metapher ist zwar irgendwie schräg und wirr, aber als Bild zu schön, um es nicht aufzuhängen.
Ich für meinen Teil freu mich schon auf die Demos in Berlin, ab März …

29.01.2022 – Wie werden wir leben?


Neulich bei mir umme Ecke. Happy BoOstern. Den Witz hab ich bestimmt schon mal gemacht. Ich wiederhole mich hier wahrscheinlich oft und mit Sicherheit gerne. Warum soll dieser Blog anders als das Leben sein, das aus einer Kette, einem Karussell von zunehmend ermattenden Seuchenritualen besteht. Immer im Kreis. Wo ist das nächste Ausfahrtschild? Ob von den Kinderkarussellbesitzern schon jemand auf den Joke gekommen ist, neben das notorische Feuerwehrauto ein Straßenschild zu stellen: Nächste Ausfahrt 2 km…
Mittelfristig ist die Situation für mich klar: Entweder Endemie, jede sorgt eigenverantwortlich für Seuchenhygiene, weitgehend gesellschaftliche Regelzustände wie vor 2020.
Oder eine Variantenwelle nach der Nächsten, eine immer übler als die Vorhergehende, als Auftakt eines pandemischen Armageddon. Davon gehe ich zwar nicht aus (Sie wissen ja, liebe Leserinnen, wie das mit diesem Satz ist. Wenn Sie sich dienstlich mit jemanden unterhalten und der sagt: „Davon gehe ich aus“ heißt das: „Ich habe weniger als Null Ahnung. Genauso gut können Sie die Kaffeemaschine fragen.“)
Eins allerdings scheint mir Wunschdenken: Öffentliche Aussagen wie „Wenn alles gut läuft, kehren wir in unser vorheriges Leben zurück“. Gerne in Verbindung mit Verbalinkontinenz des Scholzomaten, der z. B. absondert, wir hätten keine Spaltung der Gesellschaft. Das ist von der Wirklichkeit so weit entfernt wie ich vom Papstamt. In unserer Gesellschaft existieren seit Jahren Parallelwelten, die sich nie berühren. Vom Bundeskanzleramt – das irgendwo im Niemandsland liegt, da wohnt niemand, kein Nachbar, kein Restaurant, das ist so entseelt da, dass sich sogar das Nichts unwohl fühlt – zur Sonnenallee in Neukölln, fest in arabischer Hand, sind es mit dem Rad ca. 45 Minuten. In Wirklichkeit liegen da Galaxien zwischen.
Oder schippern Sie mal die Elbe rauf nach Blankenese, wie viele emsige Gärtner sich an den Prachtvillen der Pfeffersäcke tummeln, und schauen sich dann die Zeltsiedlungen osteuropäischer Armutsmigranten in Berlin an.
Welche Berührungspunkte gibt es da?
Dazu immer mehr verwirrte, gewaltbereite Impfverweigernde, durch Nichts und Niemanden erreichbar, usw. usf…. Ich könnte mich, auch hier wiederholend, in eine Endlos-Aufzählungs-Litanei ergehen über ungezählte materielle, habituelle, sprachliche, kulturelle, ideologische Bruchkanten, Gräben, Spaltungslinien in unserer Gesellschaft, die durch die Pandemie vertieft werden. Aus meiner Sicht kehren „wir“ (wer soll das sein, „wir“? Ich und der Scholzomat im Gleichschritt mit Pfeffersäcken und „illegalen“ Flüchtlingen aus dem Sahel?) nicht in ein vorheriges Leben zurück. Und schlimmer noch als konkrete dystopische Vorstellungen über Riots und Seuchenbekämpfungshorror mit Leichensäcken auf Lastern ist eher das Vage, das Nichtwissen, was wird. Das Alte verschwindet, die Erinnerung daran ist aber noch wirkmächtig, und das Neue ist kaum in Konturen erkennbar.
Eine Gesellschaft in kollektiver desorientierter Ermattung – damit konfrontiert: Wenn das nicht idealer Nährboden für den ohnehin wachsenden und gesellschaftlich verzehrenden Rohstoff Angst ist, was dann.
Wie also werden wir leben?
Und nun zum Wetter von Morgen.