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04.10.2026 – Tag der Gründung der „Lega West“!

Das Niedersachsenross, Wappentier des Landes, vor dem Welfenschloss, heute Uni-Hauptgebäude.

Ich würde mich als Norddeutscher bezeichnen, zur Not auch als Niedersachse. Eventuell noch als Hannoveraner und Teilzeit-Berliner. Allerdings wüsste ich nicht, welche tiefere Bedeutung derartige Herkunftsbezeichnungen haben. Außer in meinem Fall zu erklären, warum ich keinen Dialekt spreche.

Im Hades, dem Imbiss in meinem Berliner Domizil, verkehren ein paar Berliner*innen, auch Schwarze, der Imbissinhaber, seine helfende Familie und Freunde dort sind Türken, außerdem hängt da noch ein Finne ab, manchmal ein Bosniak, ansonsten ist da Hessen vertreten, Thüringen, die Mosel, Niedersachsen. Das ist das, was ich weiß, interessiert aber keinen. Und am wenigstens interessiert die Frage der Nationalität. Das ist einer der Gründe, warum dieser Imbiss für mich ein guter Ort ist. Das letzte, als was ich mich bezeichnen würde, wäre: Deutsch. Deutscher. Deutschland.

Das Hantieren mit der Nation, der Nationalität ist mir nicht nur subjektiv zuwider, es ist objektiv ein Brandsatz an die Grundfesten von Gesellschaft und Zivilisation. Subkutan steckt in der betonten Beziehung auf die eigene Nation immer die Abgrenzung von einer anderen, und im zweiten Schritt die Abwertung der anderen. Es gibt keinen positiven Patriotismus, anders als unlängst unter anderem der Nationaltoupetträger und Kauleistenfetischist Klopp behauptete. Durch die Hintertür des Patriotismus schleicht sich in jeder Krisenzeit, aber nicht erst da, Nationalismus und völkisches Denken ein. Die hässliche Fratze des Nationalismus ist die ethnische Homogenität. Und das ist selbst im bürgerlichen Verständnis Faschismus. Das als kurzer Nachtrag zum gestrigen Nationaleiertag.

Unsere Gesellschaft, so das nüchterne, wobei ich noch immer einen im National-Kahn habe, Fazit des Tages, ist tiefer gespalten denn je in der BRD-Geschichte. Durch die Nation geht ein Riss, würden die sagen, denen der letztere durch die National-Schüssel geht. Die Spaltung existiert zwischen Ost und West.

Vor allem aber, und auch hier zeigt sich, dass die Frage der Nation immer auch eine der Klassengesellschaft ist, existiert eine tiefer werdende Spaltung zwischen Arm und Reich. Natürlich auch eine zwischen Frau und Mann, Provinz und Metropole, Nord und Süd, Eingeborenen und Zugereisten, etc. pp. Eine Gesellschaft ist nie homogen und ihre Zentrifugalkräfte werden nur die Klammern der Zivilisation gebändigt. Eine irre Vorstellung, dass eine Nation homogen sein könnte. Wer unsere 36jährige Spaltung zwischen Ost und West nach dem Anschluss der DDR für dramatisch hält (was ich mitunter tue), dem sei ein Blick in die Geschichtsbücher empfohlen: der extrem blutige spanische Bürgerkrieg ist keine 90 Jahre her, die baskische Unabhängigkeitsbewegung fordert über 1000 Tote, das militante Ende ist keine 10 Jahre her. Der irische Bürgerkrieg ist 100 Jahre her, die „Nation“ seitdem gespalten. Die militante Wiederauflage mit der IRA ist 50 Jahre alt, kostete über 2000 Menschenleben und wurde erst vor ein paar Jahren offiziell beendet . Das Ende von Großbritannien mit dem Austritt von Schottland und auch Wales ist absehbar und es ist eine seltene Leistung einer Nation, dass dieser Unabhängigkeitsprozess unblutig und zivilisiert abläuft. Vollkommen irrsinnig ist die Lage dagegen im ehemaligen Jugoslawien, wo kein Mensch mehr durchsteigt, was für Nationen, Teilrepubliken, Abspaltungen da existieren, wo Kriegsgefahren drohen. Sicher ist nur, dass in den Bürgerkriegen auf Grund des Nationalwahns der Teilrepubliken ab 1992 über 200.000 Menschen starben. Einen Blick auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion schenke ich mir, aber es ist evident, dass durch den Nationalwahn von Restrussland der Frieden in Europa bedroht und dahin ist.

Zivilisierter, weil ohne Waffen, geht es in Italien zu. Da hassen die Norditaliener die Süditaliener wie die Pest, nennen sie „Terrone“, Dreckfresser, wg. bäuerlicher Struktur, und wollen die gerne wieder loswerden, siehe ihre nationalistische Partei Lega Nord. Die nur deshalb an Zuspruch verliert, weil sie rechts überholt wird von den Meloni-Postfaschisten. Man wählt halt immer das Original.

Es ist also völlig normal, oder besser: normal irre, dass die Nation in sich den Kern ihrer Auflösung, Spaltung, Vernichtung trägt. Und deshalb überlege ich, eine sozialistische „Lega West“ zu gründen, Bündnis West, dessen zentraler Punkt die Abspaltung des Westens vom Osten ist. Und die Enteignung aller Immobilienkonzerne. Natürlich werden die bürgerlichen Nationalmedien das totschweigen. Aber Sie, liebe Leserinnen, können teilhaben an diesem historisch bedeutsamen Moment der Avantgarde. Damit sind wir der Zeit um 20 Jahre voraus. Denn das kommt, so sicher wie das Amen in der Kirche.