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16.06.2026 – Arschabwischende Pflegeroboter

Geht langsam wieder los. National ist die Modefarbe der Saison.

Ist ja auch praktisch, im Windschatten der Fahnen, im Fieber der Fußball-Nationalbesoffenheit und der Hitze des Sommers kann die Umverteilung von unten nach oben, von Politik und Medien in trauter Kumpanei Sozialreform genannt, vor und während der Sommerpause unters Volk gebracht werden.

Völkisches Nationalbewusstsein füllt keinen leeren Bauch, bringt keine Obdachlose von der Straße und lässt keinen Zug ausnahmsweise mal pünktlich kommen, ist aber die Grundlage für Hass und Hetze gegen alles, was anders ist. „Wir“ werden Weltmeister und „Euch“ (Ausländer, Juden, Frauen, Schwule, schlimmstenfalls den Nachbarn, wenn sonst niemand greifbar) Mores lehren. Was leider nicht von Mohren kommt, sondern Anstand und Moral heißt.

Die DB-Strecke von Hannover nach Berlin soll 2027 generalsaniert werden. Wieso heißt es eigentlich nicht feldwebelsaniert? 10 Monate lang soll es Verspätungen von ca. 80 Minuten geben. Heißt übersetzt: Das dauert zwei Jahre und die Verspätungen werden zwei Stunden betragen. Mindestens. Also ca. vier Stunden für eine Strecke, die ein Tour de France-Radfahrer in ca. 8 Stunden schaffen würde. Mit dem Rad. In der Zeit bin ich von Hannover auf den Kanaren. Die Gesamt-Generalfeldmarschallsanierung der Reichsbahn soll bis Mitte der 30er dauern. Also mindestens bis 2040.

Ursache für diese EU-weit einzigartige Infrastruktur-Katastrophe war der Plan in den Neunzigern, die Bahn der Profitgier des Kapitals zum Fraß vorzuwerfen. Der Kapitalismus hatte an allen Fronten gesiegt und forderte seinen Tribut. Also wurde 1993 das ENeuOG beschlossen, das Eisenbahnneuordnungsgesetz, und der Bahn radikal Mittel entzogen, um sie zu dem zu machen, was sie in den angelsächsischen Ländern schon lange ist: Einen der reinen Profitgier unterworfenen Dauersanierungsfall. Die Finanzkrise 2008 verhinderte die Umsetzung, aber das Kind, Lok und Gleise, ist seitdem schon lange in den Brunnen gefallen und komplett marode. Mit allen Konsequenzen, ich kann mich an keinen einzigen pünktlichen Zug in den letzten zwei Jahren von Hannover nach Berlin erinnern. Eine Entscheidung von politischen Gaunern und Räubern, mit Millionenabfindungen gepampert und ebensolchen Jobs korrumpiert, aus den 90ern wirkt mindestens eine Generation nach, 50 Jahre lang.

50 Jahre …. Blick in den Rückspiegel. 1870 war das bevorzugte Reisegefährt bei „uns“ neben ein paar Eisenbahnen zwischen Metropolen die Postkutsche. 50 Jahre später gab es eines der weltweit größten und leistungsfähigsten Eisenbahnnetze, ein weitverbreitetes Straßenbahnnetz, Autos, Fahrräder, Taxis … Wenn es nicht so grotesk wäre, könnte man weinen. 50 Jahre nach ENeuOG dann wieder Postkutsche?

Aus funktionaler, politischer Sicht der Herrschenden ist es logisch und konsequent, dass im Rahmen und als Folge der sich permanent verschärfenden Asylgesetzgebung die Jagd auf Ausländer, Flüchtlinge, Migranten eröffnet ist. Der Sündenbock ist eine der ältesten Figuren der Zivilisation. 1990 wurden „wir“ Weltmeister. Im Anschluss brannten die Flüchtlingsheime. Kann irgendjemand bei Verstand im Ernst hoffen, dass „wir“ wieder Weltmeister werden? 2014, mit der BRD als Weltmeister, war was anderes, da ging es „uns“ gut, „wir“ waren Lichtjahre von Krisen entfernt. Aber jetzt…?

Zu den Grotesken der Gegenwart gehört der Blick in eine Zukunft, weniger als 50 Jahre hin, in der denen, die jetzt radikal gegen jeden Zuzug, gegen Migration, Flüchtlinge sind, flächendeckend in der Republik, wenn sie dann noch eine ist, diejenigen fehlen, die ihnen in den Altersheimen den Arsch abwischen.

Machen dann sicher Pflegeroboter.  Für die Privilegierten vielleicht.

Und selbst die müssen dann hoffen, dass der Roboter nicht mal ne rotierende Fehlfunktion kriegt.