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30.10.2026 – Gen Z: Eine soziale Bewegung?

Einer strahlenden Zukunft entgegen.

Stellen die Demonstrationen der Gen Z den Beginn einer neuen sozialen Bewegung dar? Ich bin, was die Bedingungen möglicher gravierender politischer emanzipatorischer Veränderungen angeht, eher Traditionalist. Für mich geht das im demokratischen Raum nur, zumindest jenseits von revolutionären Umstürzen, im mühsamen Zusammenspiel von Druck aus sozialen Bewegungen und der Umsetzung im parlamentarischen Raum. Beispiele:

Arbeiterbewegung mit der Forderung nach einer 5-Tage-Woche und einem 8-Stunden Arbeitstag, das hat mit Rückschlägen Jahrzehnte gedauert bis zur Konsolidierung seit der Einführung, 1918. Für die Einführung der 35-Stunden Woche habe ich selber noch mit der IG Metall in den Achtzigern gestreikt.

Frauenbewegung: § 218, der ist 150 Jahre nach seiner Einführung immer noch umkämpft , aber abgemildert. Die Todesstrafe gibt es anders als bei den Nazis ab 1943 nicht mehr. Es lebe der Fortschritt.

Ökobewegung: Atomausstieg, nach jahrzehntelangen Kämpfen forciert und umgesetzt durch die Katastrophen von Tschernobyl und Fuckushima. Eine Friedensbewegung hat es übrigens auch mal gegeben …..

Die Gen Z ist keine soziale Bewegung, trotzdem hat sie zumindest in Frankreich durch Riots Erfolge erzielt. Was meiner Sichtweise als Traditionalist zu widersprechen scheint. Da bin ich sehr gespannt auf die Entwicklung, zu beobachten ab Samstag.

Zu den Fakten: Um sich von spontanen Protesten, reinen Interessengruppen (wie Gewerkschaften) oder Parteien abzugrenzen, müssen laut der sozialen Bewegungsforschung vor allem fünf zentrale Merkmale erfüllt sein:

1. Kollektive Identität und Wir-Gefühl

• Gemeinsame Werte: Die Teilnehmenden teilen ein ähnliches Weltbild, gemeinsame Werte und Zielvorstellungen.

• Wir-Gefühl: Es entsteht eine emotionale Bindung und ein Zusammenhörigkeitsgefühl („Wir“ gegen „Die“), das die Gruppe zusammenschweißt.

2. Gemeinsame Ziele und Veränderungsabsicht

• Gesellschaftlicher Wandel: Das Hauptziel ist die grundlegende Veränderung bestehender gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Verhältnisse.

• Konkreter Konflikt: Die Bewegung formiert sich meist entlang einer zentralen Konfliktlinie (z. B. Umwelt, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit).

3. Mobilisierungsfähigkeit und kollektives Handeln

• Aktionen in der Öffentlichkeit: Eine Bewegung existiert nur, wenn sie Menschen zu gemeinsamem Handeln bewegen kann (z. B. durch Demonstrationen, Streiks, Petitionen oder Online-Kampagnen).

• Außerparlamentarischer Fokus: Die Handlungen finden primär außerhalb der etablierten politischen Institutionen (wie Parlamenten oder Gerichten) statt, um Druck „von unten“ auszuüben.

4. Kontinuität und zeitliche Dauer

• Kein Einmal-Ereignis: Ein einzelner Protest oder ein spontaner Aufruhr (Ausschreitung) ist noch keine soziale Bewegung. Eine Bewegung weist eine gewisse zeitliche Stabilität und Dauerhaftigkeit auf (Monate, Jahre oder Jahrzehnte).

• Phasen: Sie übersteht auch Phasen geringer öffentlicher Aufmerksamkeit und organisiert sich kontinuierlich weiter.

5. Netzwerkartige Organisationsstruktur

• Dezentral und lose: Im Gegensatz zu Parteien oder Vereinen sind soziale Bewegungen meist keine starren Hierarchien. Sie bestehen aus einem lockeren Netzwerk von Individuen, Organisationen, NGOs und lokalen Gruppen.

• Geringer Formalisierungsgrad: Es gibt selten feste Mitgliedschaften oder formelle Mitgliedsausweise. Wer sich den Zielen zugehörig fühlt und aktiv wird, kann Teil der Bewegung sein.

Die Punkte 1, 2 und 3 sind von Gen Z erfüllt. Die Punkte 4 und 5 (noch?) nicht. Bei aller Dezentralität braucht es Ansprechpersonen, Verhandlungspartner, auch charismatische Führungspersönlichkeiten, die für mediales und öffentliches Feedback sorgen. Beispiele sind Petra Kelly, Alice Schwarzer.

Das Bild oben ist übrigens weder aus Kalabrien noch von Ioniens Gestaden sondern vom Steinhuder Meer.