
Ein Bild von Deinem geliebten Tier. Ölsardinen. Gesehen in einem Laden in Hanover-Linden.
Mein Lieblingstier ist vom Aussterben bedroht. Es führt wohl nur noch ein verstecktes Nischendasein. Es ist der Mettigel.
Ohne solche Fundsachen des Wahnsinns im Alltag wäre der große Wahnsinn kaum noch auszuhalten. Zurzeit findet die Diskussion um die Reform des Bürgergeldes mit den verschärften Sanktionsdrohungen statt. Ursprünglich sollte im ersten Jahr laut Friedrich Merz eine Milliarde Euro dadurch eingespart werden. Davon ist nicht nur nichts mehr übriggeblieben, richtig ist vielmehr, dass die materiellen Folgekosten um ein Vielfaches höher sein werden: Die Gesundheitsfolgekosten werden deutlich steigen, weil die ohnehin von massiven Gesundheitseinschränkungen betroffenen Opfer dieser Reform noch kränker werden. Depressionen, Herzkreislauferkrankungen, Suchterkrankungen, höhere Krebsraten durch ungesunde Ernährung und Lebensführung, Zahnerkrankungen, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Adipositas, das alles wird den Staat zig Milliarden zusätzlich kosten. Weiters: Anwaltskosten wegen erhöhter Klagen der Betroffenen, steigende Kosten für Notunterkünfte, weil Wohnungslosigkeit steigt, Gewalt – und Eigentumskriminalität zieht an. Es ist eine irrsinnige Vorstellung, die betroffene Klientel unter den derzeitigen Bedingungen von Massenentlassungen in existenzsichernde Jobs vermitteln zu können….
Als Sahnehäubchen zu den materiellen Kosten gibt’s obendrauf die gesellschaftlichen Folgekosten: Weitere Delegitimation der Demokratie. Die Millionen Betroffenen und die davon Bedrohten wenden sich von der Demokratie ab. Wenn sie überhaupt noch wählen, werden sie sich in ihrer Angst und Wut natürlich an den Treiber dieser Gefühle, die AfD, wenden.
Bezieher*innen von Bürgergeld sind überdurchschnittlich oft vom Leben überfordert, sind viermal so oft von Depressionen betroffen wie Normalverdienende. Wer von einer Depression betroffen ist, ist im Normalfall oft nicht in der Lage, seinen Alltag zu meistern, Post zu öffnen, der kriegt vom Leben und der dritten Aufforderung des Jobcenters sich zu melden, nichts mit. Er würde die unmenschliche Bürokraten-Sprache auch nicht verstehen und schlimmstenfalls als das empfinden, was sie ist: Eine massive existentielle Bedrohung, die der Krankheit einen weiteren Schub verleiht. Irgendwann einen tödlichen. Depressionen sind die häufigste Selbstmordursache.
Zu verlangen, dass Betroffene in derartigen Zuständen sich gegen ihre Vermieter wehren sollen, falls die zu hohe Mieten verlangen, ist ein ekelerregender Zynismus.
Diese Reform ist strukturelle Gewalt. Durch sie werden Menschen auf den Straßen erfrieren, nachdem sie als Folge dieser Reform obdachlos geworden sind. Durch sie werden Menschen kränker und früher sterben. Gewaltkriminalität vor allem in Beziehungen wird steigen. Natürlich geht kein Opfer dieser Reform mit einer Pistole der Marke Glock los und schießt einen Friedrich Merz in den Kopf. Das Opfer, männlich, wendet seine Aggression im Zweifel gegen ein anderes Opfer, weiblich. Beziehungstotschlag. Frauen sind, wie üblich, doppelte und dreifache Opfer dieser Reform. Dreifach, wenn sie Alleinerziehende sind. Jede SPD-Frau, die dieser Reform zustimmt, soll in der Hölle schmoren bis zum dümmsten Tag. Der dümmste Tag ist übrigens der SPD-Parteitag.
Diese Reform ist Ausdruck des täglich stattfindenden Klassenkampfes, der, je öfter seine Existenz geleugnet wird, umso brutaler exekutiert wird. Die Motive der Handlungen und die Gefühle sind dabei durchaus disparat. Aus den kaltlächelnden Hackfressen eines Linnemann spricht der Klassenhass von denen da oben gegen die da unten. Die SPD kanalisiert die Wut ihrer Facharbeiterklientel gegen die „Schmarotzer“ unter ihnen, die den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, während sie sich an den Fließbändern krank schuften. Und vor nichts mehr Angst haben, dass sie demnächst nach den erfolgenden Massenentlassungen auch „da unten“ landen. Statt Solidarität also Hass. Gleiches gilt für das Millionenheer des Prekariats der Amazon- etc. Fahrer. Nach unten ist immer Platz.
„Unten“ sieht es ganz finster aus. Hier neidet der eingeborene Bürgergeldempfänger dem ausländischen die Stützebutter auf dem Brot von vorgestern. Und die ukrainische Stützeempfängerin fragt sich voller Wut im Bauch, wieso sie als Weiße nur noch um 100 Euro abgesenkte Asylbewerberleistungen kriegen soll, während doch jeder Neger es hinten und vorne reingeblasen kriegt.
So kriegt der Satz „Alle Gewalt geht vom Volke aus“ eine andere, alltagsreale Bedeutung.
Gemeint ist in der ursprünglichen Form des Grundgesetzes natürlich die Staatsgewalt. Aber die, das haben wir ja hier gesehen, wendet sich alsbald gegen das Volk.
Respektive die Bevölkerung, denn natürlich ist der § 20 Absatz 2 „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ völkischer Dreck, der mal weggeräumt werden müsste. Es muss natürlich heißen: „Alle Staatsgewalt geht von der Bevölkerung aus.“ Oder den Staatsangehörigen.
Sie, liebe Leserinnen, verstehen jetzt sicher, dass ich angesichts der obwaltenden Umstände lieber in der freien Natur als in der Gesellschaft unterwegs bin. In der Natur, mit meinen Lieblingstieren. Den Mettigeln.