
Von Kreta. Auswirkungen des Saharasturmes.

Vom Mitbewohner. Kykladen. Ähnlich übel.
Heute ist Karfreitag. Tag der Kreuzigung. Zeit für den alten Scherz: „Gefreiter INRI, kommen Sie vom Hochreck runter“. Bei Matthäus 27, 45 heißt über den Zeitpunkt der Kreuzigung: „Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde“. Da wird unter den Gläubigen in Griechenland angesichts der apokalyptischen Wetterverhältnisse in den letzten Tagen aber Heulen und Zähneklappern geherrscht haben. Der Tag des jüngsten Gerüchts wird anbrechen.
Wird er, mit Sicherheit. Irgendwann. Menschengemacht. Ob mit einem Wimmern, im Rahmen der schleichenden Vernichtung und Vergiftung unserer Lebensgrundlagen, oder mit einem Big Bang im Rahmen von atomaren Kriegen, wissen wir nicht. Ich will es auch gar nicht wissen, sondern fröne der Freuden des Alltags, wie diesem Fundstück:

An einer hannöverschen Kneipe. Natürlich beklaut man keine Kleinunternehmer und die in der Gastronomiebranche sowieso nicht. Die geht jetzt schon so am Stock, dass selbst Sterneköche in Berlin wie der omnipräsente Tim Raue Sonderangebote machen müssen, wie den Lunch „«la table dressée» für 37 Euro. Und die nächste apokalyptische Schockwelle steht der Gastronomie noch bevor, wenn die explodierenden Energie- und Lebensmittelkosten nach der Sommerpause Besuche in der Gastronomie für Frieda Normalverbraucherin vollends unbezahlbar machen.
Also keine Kleinunternehmer beklauen. Anders sieht es natürlich bei den Großen aus, den Lebensmittelkonzernen, die schamlos die Ärmsten der Armen ausplündern. Nicht umsonst ist der reichste Deutsche, Dieter Schwarz, der Besitzer von Lidl, mit einem Vermögen von ca. 60 Mrd. Euro. Das entspricht 60.000 Normalmillionären. Diebstahl bei Lidl ist für Menschen mit wenig Geld, also Armutsrentner*innen, prekär Beschäftigte, alleinerziehende Mindestlohn-Empfängerinnen, Grundsicherungsbezieher*innen, illegale Migrant*innen – insgesamt ca. 30 Millionen im Land – Notwehr, erweiterter Mundraub. Der Spruch „Bei uns muss niemand hungern“ gilt angesichts von Suppenküchen mit Aufnahmestopp wg. Überfüllung und Menschen, die sich ab dem 20. entscheiden müssen, ob sie hungern oder frieren wollen im Winter, schon lange nicht mehr.
Diebstahl ist unter bestimmten, nämlich den jetzigen, Bedingungen also legal und nicht nur ein erster Schritt zur notwendigen Umverteilung. Er ist darüber hinaus auch aus Sicht der katholischen Morallehre, die sonst eher für die Tonne taugt, gerechtfertigt. Zitat: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann“. (Kardinal Frings) Und wahrlich, wahrlich, ich sage Euch Mühseligen, Beladenen und Unterdrückten: „Gehet hin in Unfrieden, bildet Banden, die gleich den biblischen Heuschrecken über alle Supermärkte herfallen und sie leerräumen. Nehmt nur vom Feinsten, Hummer und Champagner.“
Ersatzweise kann man natürlich an den Selbstbedienungskassen klauen. Da haben die Ladendiebstähle in letzter Zeit sprunghaft zugenommen. Weil’s risikoloser ist. Am risikolosesten ist aber die Methode mit den Banden.
Natürlich wäre das politisch relevantere Vorgehen die Einführung einer Vermögenssteuer (zwischen 10 und 100 Mrd. p. A., je nach Ausgestaltung), die Erhöhung des Spitzensteuersatzes (ca. 14 Mrd. p. A. bei einer Erhöhung von 42 auf 45 %) und die Reform der Erbschaftssteuer für hohe Vermögen (ca. 7 Mrd. p. A.). Die Abschöpfung hoher Vermögen wäre auch dringend erforderlich, um die Gefahr eines Finanzkollapses zu minimieren. Diese Vermögen vagabundieren überwiegend in globalen , digitalen Finanztransaktionen, in Sekundenbruchteilen, mit nur einem Ziel: Sich selbst zu vermehren. Nur in undurchschaubaren Finanzderivaten, ohne Bezug zur realökonomischen Sphäre. Also ohne Investments in Infrastruktur, Unternehmen. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, nur am Rande.
Wer bei diesen vernünftigen und ökonomisch dringend gebotenen Maßnahmen allerdings auf die hiesige Finanz-Oberwurst, den Klingbeil, hofft, der kann seinen Verstand gleich in den österlichen Klingelbeutel abgeben. Sobald ich dieses personifizierte Totengräbergerippe der SPD in Übergewicht im TV sehe, schalte ich um, in der Hoffnung, irgendwo Mario Barth oder das ZDF-Testbild von 1972 zu sehen.
Happy Kadaver und fröhliche Ostern, liebe Leserinnen.