11.04.2026 – In SA marschiert …

Osterfeuer in der Ostzone. Wir trafen bei einer Wanderung im Harz auf ein Eingeborenenpärchen, kamen ins Gespräch. Die Beiden, um die 40, waren sehr nett, freuten sich sichtlich, dass uns ihre Region gefiel. Der Mann wollte uns auf dem Handy weitere Sehenswürdigkeiten der Gegend zeigen, scrollte dazu durch seine Bildergalerie. Sowas geht schnell, das Meiste konnte ich dabei nicht erkennen, die Ansicht ist dazu auch zu klein und natürlich interessiert mich der Bildmüll von Wildfremden einen feuchten Kehricht. Das folgende Motiv, vielfach vertreten, erkannte ich dann auf Grund seiner blutroten Farbe und klassischen Ikonologie aber sofort:

Die Fahne der NSDAP.

Der Mann scrollte dabei nicht schneller, nichts schien ihm daran ungewöhnlich, peinlich gar, versteckenswert, tabubehaftet. Ganz normale Leute in einem ganz normalen Bundesland.

Sachsen-Anhalt. Dort finden Wahlen am 06.09.2026 statt. Aktuelle Umfrage, Prozente: AfD 38, CDU 25, Linke 13, SPD 6, BSW 5. Der Rest unter 5.

Da die SPD im freien Fall ist und das BSW sich zu einer Randnotiz entwickelt, also beide unter 5 Prozent landen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine AfD-Alleinregierung mit jeder Preissteigerung in den Lebensmittelregalen, jeder Heizungsabrechnung, dem Blick auf Reisepreise (wenn hier in der Reisesaison die Flugpreise explodieren, Flüge gar ausfallen wegen Kerosinmangel Hormus, ist hier im Herbst, pünktlich zu den Wahlen, die Hölle los). Für mich liegt die Wahrscheinlichkeit einer AFD-Alleinregierung in SA-Anhalt bei über 90 Prozent.

 Was auch am Personal der bürgerlichen Parteien auf allen Ebenen liegt, von regional bis Bund. Eine Mischung aus Kasperfiguren bar jeden Charismas, angefüllt mit Machtgeilheit bis unter das Doppelkinn wie Lars Klingbeil, erbarmungs-kompromisslosen Klassen- und Kulturkämpferinnen wie Katharina Reiche bis hin zu dummdreisten Abgreifmentalitäten wie Uta Francisco dos Santos (= Heilige!), die für die SPD als Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Mitte kandidiert.

Die gute Frau ist seit 2024 in der Senatsverwaltung krankgeschrieben, macht aber munter Straßen-Wahlkampf für die Wahl in Berlin am 20.9. Das ist sogar ihrer SPD zu viel, einer Partei, die fast nur noch aus abgehobenem Postengeschacher und Intrigen besteht, und sie drängt die Frau zum Rückzug. Die denkt gar nicht dran.

Dieser Schmierenkomödiantenstadel steigert die Politikverdrossenheit bis zum Anschlag und liefert jeden Tag den AfD-Nazis wundervolle Steilvorlagen: Dieser Saustall gehört endlich ausgemistet. Mit eisenharter Faust! So hört man es wieder, wie vor 1933 …

Aber natürlich besteht die AfD nicht nur aus Parolenblökern und Stammtischpöblern. (Wobei der Stammtisch als reales Kulturphänomen ausstirbt. Oder wann haben Sie das letzte Mal in einer Kneipe eines dieser wundervollen Schilder oder Wimpel auf dem größten runden Tisch im Raum gesehen: Stammtisch. Reserviert!) Die AfD besteht natürlich schon lange auch aus cleveren Strategen, brillanten Planern, klugen Wahlkämpfern. Ihre langfristige Strategie im Kampf um die kulturelle Hegemonie setzt sich jetzt in den Wahlkämpfen erfolgreich durch. Das AfD-Programm für die Wahl in SA (-Anhalt) ist eine Masterfolie für den Bund: Zerschlagung zivilgesellschaftlicher Strukturen durch Mittelentzug und Umwidmung. Beispiel Landeszentrale für politische Bildung. Wird abgeschafft und in eine Behörde für Brauchtumspflege umgewandelt. Die Landesenergieagentur wird abgeschafft. Der Rundfunkstaatsvertrag für den MDR gekündigt. Staatliche Mittel, 40 Mio. Euro, für die Kirchen gestrichen. Als Heide sagt man da vorschnell: Prima.

Aber leider sind die Kirchen Hauptträger der Wohlfahrtspflege im Land, mit Beratung und Betreuung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Wenn die Kirchen Pleite gehen, geht die Wohlfahrtspflege mit über den Jordan. Die würde dann privatisiert. Was das heißt, kann sich jede, deren Eltern gerade im Senior*innenheim oder Kinder in der Kita sind, übers sonnige Wochenende ausmalen.

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