
Anlageform Marihuana-Zucht, am Standort Deutschland. Die Nettorendite auf das eingesetzte Kapital beträgt in diesem Fall fast 10.000 Prozent. Ein Samen kostet im Einkauf knapp 3 Euro. Die Pflanze wird mindestens 30 Gramm Ertrag bringen, bei Null Betriebskosten, das erledigt die Natur in meinem Garten. Das Gramm der Sorte Black Widow, 20 Prozent THC-Anteil, bringt im Verkauf sozialverträgliche 10 Euro, bei 30 Gramm nach Eva Riese 300 Euro. Macht roundabout 9.900 Prozent Rendite. Und das Wichtigste, jedenfalls für mich, der ich die Arbeit weiß Göttin nicht erfunden habe: Das Ganze macht maximal eine Stunde Arbeit, von der Saat über die Ernte bis zum Vertrieb.
Apropos Arbeit, Neues von der Arbeitsfront: Der Eventspezialist Ticketmaster entlässt 350 Mitarbeiter*innen, der Baufinanzierer Interhyp jeden zehnten seiner knapp 1600 Beschäftigten, die KI-Übersetzungsfirma DeepL ein Viertel ihrer Belegschaft. Die Arbeit übernimmt KI. Biontech knipst im Standort Deutschland das Licht gleich ganz aus, 1800 Stellen. Conti 3000 Stellen. Der Automatisierungsspezialist Festo 1300.
Dankenswert ehrlich bringt die Commerzbank-Chefin Orlopp, 3000 Jobs werden abgebaut, den Hintergrund dieses Kampfes Kapital gegen Arbeit auf den Punkt: Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll gesteigert werden. Sie lag 2026 bei 12 Prozent und soll zukünftig 21 Prozent betragen. Da können Arbeitnehmer*innen bei Nettolohnsteigerungen in den letzten 10 Jahren von ca. 1 – 2 Prozent per anno, und teilweisem Reallohnverlust wie 2022 von minus 3 Prozent, nur ehrfürchtig staunen.
Bundeskanzler Fritze Thünkram, der gerade dabei ist, die staatlich finanzierte Rente im Interesse seines Arbeitgebers, dem Kapital, umzugestalten in eine kapitalgedeckte, wird in diesem Fall frustrierten Beschäftigten, die oft nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, empfehlen, Anteilseigner bei der Commerzbank zu werden, deren Aktien zu kaufen. Langfristig schlägt die Aktienanlage ja angeblich mit ihrer Nettorendite alle anderen Investitionsformen.
Wie man’s nimmt. 2007 lag der Kurs der Commerzbank bei 214 Euro, jetzt liegt er bei 35 Euro. Minus 85 Prozent. Um den Verlust wieder reinzuholen, müsste ein Rentner, der da zwecks Vorsorge investiert hat, aber lange Flaschen sammeln.
Ich bin übrigens stolzer Besitzer von Biontechaktien. Nicht so sehr zwecks Altersvorsorge, da verlasse ich mich lieber auf meine Marihuana-Zucht, natürlich am Standort Deutschland. Eher aus Begeisterung, weil ich diese unfassbar kurze Entwicklungszeit des Biontech-Stoffes faszinierend fand. Und aus Zockertum, weil ich dachte, die Aktie wird durch die Decke gehen.
Wie man’s nimmt. 2021 stand die Aktie bei 326 Euro, jetzt bei 80. Minus 75 Prozent.
Blöd übrigens für den Standort Deutschland, dem es allerdings immer noch besser geht als den Standorten in der Sahelzone, ist die Schließung der Standorte von Biontech, inklusive der des Impfstoffproduzenten Curevac, den Biontech im Rahmen des Wettlaufes um den Corona Impfstoff übernommen hatte. Damit ist Deutschland ziemlich blank, was Entwicklungen bei zukünftigen Epidemien angeht. Die Diskussion, ob „wir“ uns das leisten können, dürfte vor dem Hintergrund des aktuellen Hanta-Geschehens an Fahrt aufnehmen.