
Traditionskneipe in ehemaligem Arbeiterviertel Linden, Hannover. Die letzte der Art. Dort verzechte das Proletariat freitags seine Lohntüten. Daher der Begriff „Lohntütenball“. Die Tatsache, dass es Orte dieser Art der sozialen Begegnung und damit der Möglichkeiten von Organisation kollektiven politischen Widerstands nicht mehr gibt, hat mit zum Niedergang der Arbeiterinnenklasse beigetragen. Orte sozialer Begegnung im Niedergang der Klasse waren später z. B. die Wartebereiche vor den Arbeitsämtern, später Agentur für Arbeit (insofern passender Name, weil da die Agenten des Kapitals tätig waren). Draußen vor der Tür drängelte sich vor 8 das Prekariat. Für mich auf dem Höhepunkt meiner Arbeit als Agitator eine ideale Gelegenheit, auf eine Steinmauer dort zu klettern und die Massen zu agitieren. Die zu 99 Prozent ganz andere Sachen im Kopf hatten. Aber 1 Prozent blieb oft kleben und kam zu Treffen von Erwerbslosen, zwecks Klassenkampf. So dass man zu Beginn der 2000er durchaus von einer Erwerbslosenbewegung in der BRD sprechen kann. Tempi passati. Mit der Digitalisierung sind selbst solche niedrigschwelligen Orte sozialer Kommunikation wegrationalisiert. Kein Mensch zieht irgendwo mehr Wartemarken und stellt sich an, um möglichst niedrige Nummern zu kriegen, passgenaue Termine sind vorab digital vergeben. Isolierte Nomaden hocken vor ihren Handys und verlieren sich im digitalen Rauschen in den Sphären faschistischer Bildwelten.
Ich krieg im Schreiben immer nur die Kurve nach Düsterhausen. Die böse, böse Politik. Wo bleibt das Positive, verdammt nochmal!?
Angeblich soll mein Zug pünktlich fahren. Hahaha.
Aber eindeutig positiv:

Meine Quittenernte dieses Jahr. Schon jetzt, vor der Vollreife, ein betörender Duft. Der beste Brand meines Lebens war ein Quittenbrand. Der Heilige Gral des Brandes, hinter dem ich seit Jahrzehnten herjage. Wie Parzival.
Das könnte auch auf meinem Grabstein stehen: Wie Parzival.
Dann mal los.