31.10.2026 – Über Grünkohl, Oliven, Psychopharmaka und Massenentlassungen

Erntezeit im Garten: Grünkohl und Oliven werden langsam reif. Zu meinen morgendlichen Ritualen gehört ein Gang durch den Garten, der auch in dieser trüben Jahreszeit einerseits das Gemüt aufheitert, siehe die norddeutsch-griechische Ernte-Synchronität Grünkohl/Oliven, der mir aber auch andererseits einen Moment transzendenter Ruhe und Versenkung gibt

Zum Beispiel beim Anblick der langsam verschwindenden Sonnenblumen. Einem Mantra gleich geht mir dabei der Vers durch den Kopf, den ich als Messdiener bei Beerdigungen gemeinsam mit dem Priester dem lauschenden Mob der Gläubigen mit auf den Weg gab, auf Latein damals noch, was eine ungleich magisch-beschwörendere Wirkung hat als das profane Deutsch: „Memento, homo, quia pulvis est et in pulveris reverteris.“. (Bedenke, Mensch, Du bist von Staub und wirst zu Staube werden.)

Das Bewusstsein über die Vergänglichkeit der eigenen Existenz relativiert Gefühle wie Ärger, Wut, Zorn, Aggression angesichts des zunehmenden Verfalls von Zivilisation. Den Rest auf dem Weg zu einer stabilen inneren Ruhe und heiteren Ausgeglichenheit erledigen das Blogschreiben hier, und gelegentlich 2mg Psilocybin . Magic Mushrooms in Pillenform, ganz halblegal im Laden im Berliner Bergmannkiez zu erwerben. Neben seiner heiteren und halluzinogenen Wirkung ist Psilocybin auch ein Gamechanger in der Bekämpfung von Depressionen, der logischen Volksseuche Nr. 1 im gesellschaftlichen Verfall. Seit 2012 hat die Zahl der diagnostizierten Depressionen um 46 Prozent zugenommen – in der Altersgruppe unter 30. Kein Wunder, dass es die auf die Straße drängt.

Ebenso kein Wunder, dass hier einer der ökonomischen Megatrends der nahen Zukunft liegt. Der Konzern Eli Lilly hat dieses Jahr den in Berlin gegründeten Psychedelika-Entwickler atai Life Sciences gekauft, für 4 Mrd. Euro. Der Aktienkurs von Eli Lilly ist dieses Jahr um 74 % gestiegen.

Der sogenannte Healthcare-Bereich, also alles rund um Gesundheit und Pflege, ist der Markt der Zukunft. Übrigens auch der Markt, in dem sich der Charakter unserer Klassengesellschaft direkter, brutaler und tödlicher als in den anderen Teilmärkten offenbart: Wer Geld hat, kann sich existenzverlängernde gute Lebens- und Pflegequalität leisten. Der Mob stirbt noch früher als eh schon und wird im Zweifel billig von Ely Lilly mit Psychomitteln ruhiggestellt. Eine Pille mit 2 mg Psilocybin kostet weniger als ein Bier und die Dinger haben anders als Alkohol keine Nachwirkungen. Alkohol tötet. Psilos lassen grinsen. Wie sich der Staat da absehbar verhalten wird, dürfte auf der Hand liegen. Kein Wunder, dass die den Laden im Bergmannkiez unbehelligt lassen, als Probelauf sozusagen.

Ganz anders sieht es in klassischen Branchen wie dem Maschinenbau aus. Bei der Firma KraussMaffei in der Region Hannover waren gerade Verhandlungen zwischen IG Metall, Betriebsrat und Geschäftsführung über einen Sozialplan für Massenentlassungen. Der hiesige Standort dürfte absehbar dicht gemacht werden, immerhin mit noch ca. 700 Arbeitnehmer*innen einer der größten Arbeitgeber der Branche in der Region. VW fällt als neuer Arbeitgeber für die entlassenen Facharbeiter flach, steht selber am Abgrund. Die Alternativen sind begrenzt: Als Fahrer für Amazon kommt man auf vielleicht 30.000 Euro p.a. Das Jahreseinkommen in der höchsten Entgeltgruppe im Maschinenbau liegt mit Zusatzleistungen bei 100.000 bis 115.000 Euro brutto. Da die meisten Beschäftigten Kredite am Laufen haben für Häuschen, zweites Auto, Urlaube etc., ist jetzt schon abzusehen, wer von Krisen dieser Art profitiert: Die Pharmabranche. Ely Lilly. Und im politischen Bereich die AfD. Facharbeiter wählen bereits jetzt doppelt so häufig AfD wie SPD. Die Angst vor der Zukunft treibt die Kälber direkt in die Messer der Metzger.

Der Aktienkurs von KraussMaffei ist im letzten Jahr um 25 Prozent abgerauscht.

Woher ich das mit dem Maschinenbau so genau weiß? Ich habe jahrelang bei KraussMaffei, damals Hermann Berstorff GmbH, gearbeitet.

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